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            <title type="main">Mittwoch, der 11. Mai 1983</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-11_01">Mittwoch, den 11. Mai 1983<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-11_02">Eine 21-köpfige Gewerkschaftsdelegation aus Japan besuchte Öster<lb break="no"/>reich. Es waren ausschließlich Lebensmittelarbeiter, die bereits<lb/>
zum 11. Mal im Ausland waren. Ihre Organisation gehört seit 1973<lb/>
der Internationalen Union der Lebensmittelarbeiter an. Überraschend<lb/>
für mich war das Durchschnittsalter dieser Delegation, man kann die<lb/>
Japaner schlecht schätzen, aber ich glaube, das war die jüngste<lb/>
Gewerkschaftsdelegation, die ich jemals kennengelernt habe. Weiters<lb/>
war für mich auffallend, daß sie größten Wert darauf legten, nicht<lb/>
einmal, sondern zweimal unsere Gewerkschaft zu besuchen. Jede andere<lb/>
Delegation aus anderen Staaten hätte irgendeine Besichtigung in Wien<lb/>
vorgezogen, als sich in einen Sitzungssaal zu setzen und dort Gewerk<lb break="no"/>schaftsprobleme zu besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-11_03">Dir. <rs type="person" ref="#per__116035">Brandtner</rs> von der Fa. Grundig informierte ich sowie die Bundes<lb break="no"/>handelskammer und auch Philips über die Ablehnung der japanischen<lb/>
Botschaft über Selbstbeschränkungsabkommen zu verhandeln. <rs type="person" ref="#per__116035">Brandtner</rs><lb/>
bestätigte mir, daß die Grundig-Leute auch mit den Japanern keine<lb/>
andere Erfahrungen haben als die Philips-Zentrale. Die österr.<lb/>
Grundig-Firma ist glücklich, daß die Verhandlungen zwischen Thomson-<lb/>
Brandt, Frankreich, und Grundig Deutschland gescheitert sind. Offiziell<lb/>
werden sie dies nicht sagen, aber man bestätigte mir, daß die Gefahr<lb/>
bei Thomson bestanden hat, das Wiener Werk entsprechend zu redu<lb break="no"/>zieren, wenn nicht gar ganz stillzulegen. Die französische Gruppe<lb/>
nämlich kann mit Unterstützung des französischen Staates rechnen,<lb/>
wenn sie alles unternimmt, um ihre Arbeitsplätze in Frankreich<lb/>
aufrecht zu erhalten und <del>in</del> zugekaufte<del>n</del> Fabriken in ausländischen<lb/>
Staaten ganz einfach stillegt. Bei der 75-Jahr-Feier von Herrn<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126281">Grundig</rs> vorige Woche haben <choice><choice><sic>Interners</sic><corr>Interna???</corr></choice></choice> gesagt, daß Grundig und Philips<lb/>
sich jetzt doch irgendwie zusammenschließen werden. Ursprünglich hat<lb/>
man erwartet, daß <rs type="person" ref="#per__126281">Max Grundig</rs> dies zu seinem 75. Geburtstag<lb/>
verlautbaren wird. <rs type="person" ref="#per__116035">Brandtner</rs> mußte mir gegenüber zugeben, daß man bei<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126281">Grundig</rs> nie weiß, wie er sich letzten Endes entscheidet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-11_04">Ich habe den Grundig-Leuten klargemacht, daß jede Lösung mit Philips<lb/>
für die beiden Wiener Werke und für die beiden österr. Gesellschaften<lb/>
von großer Bedeutung ist. In der Vergangenheit war es mir möglich,<lb/>
wie manche sagen, faule Kompromisse, die Wünsche Grundigs auf zollfreie<lb/>
Einfuhr von japanischen Farbfernsehröhren, mehr oder minder durchzu<lb break="no"/>bringen. Im vergangenen Jahr gab es einen Kompromiß nicht mehr, da<lb/>
<pb n="70-0607" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band70/70_1983-05-11_0607.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Philips es entschieden ablehnte. Der Ausweg war, daß das Sozialmini<lb break="no"/>sterium aus der Arbeitsmarktförderung <add>[dem]</add> Grundig-Werk Wien eine Unter<lb break="no"/>stützung gab. Da schon allein aufgrund der japanischen Ablehnung die<lb/>
Japaner immer mit geringerer Wahrscheinlichkeit auf Entgegenkommen<lb/>
rechnen können, glaube ich kaum, daß jemand noch für zollfreie Ein<lb break="no"/>fuhren, die nicht vertragsmäßig gegeben werden müssen, aus Japan<lb/>
rechnen kann. <rs type="person" ref="#per__116035">Brandtner</rs> bestätigte mir, daß dieses Problem sich früher<lb/>
oder später lösen wird. Philips kann heuer die größte Anzahl von<lb/>
Röhren aus Lebring an Grundig verkaufen. Grundig hat nur die Chance,<lb/>
event. wieder aus dem Sozialministerium entsprechende Unterstützung<lb/>
zu bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-11_05">ANMERKUNG FÜR SC <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Welche Möglichkeiten seht Ihr?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-11_06">Zum 31. Mal wurde heuer der Staatspreis "Die schönsten Bücher Öster<lb break="no"/>reichs" verliehen. Diesmal war eine sehr starke Beteiligung und zwar,<lb/>
was beachtlich ist, von 1.400 S das Buch bis zu 60 S, ein Lehrbuch,<lb/>
aber auch nicht subventioniert. Der Bücherexport hat sich im vergangenen<lb/>
Jahr, im Verhältnis der letzten 10 Jahre, auf 900 Mio. entwickelt und<lb/>
damit verdoppelt. Die österr. Bücher machen Furore, insbesondere aber<lb/>
auch unser Farbprospekt. Die Aktion wurde, wie dann Präs. d. Hauptver<lb break="no"/>bandes, <rs type="person" ref="#per__132694">Maiwald</rs>, in seiner Dankesansprache erinnerte, 1947 vom Haupt<lb break="no"/>verband das erste Mal verliehen. 1954 hat dann das Handelsministerium<lb/>
diesen Staatspreis gegründet. In meiner Ära, betonte <rs type="person" ref="#per__132694">Maiwald</rs>, wurde<lb/>
insbesondere der Farbkatalog geschaffen, der heute bei den deutschen<lb/>
Buchmachern nicht mehr wegzudenken ist und dort wirklich guten Anklang<lb/>
findet. <rs type="person" ref="#per__132694">Maiwald</rs> betonte, und dies glaube ich wirklich zu Recht, daß sich<lb/>
kein Minister vorher und kaum wahrscheinlich nachher <del>einer</del> so für die<lb/>
Bücherauszeichnung interessieren wird. Dies führt er aber zu Recht<lb/>
auf meine Berufsausbildung, Stein- u. Offsetdrucker und daher diesem<lb/>
graphischen Gewerbe besonders verbunden, zurück.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-11_07">Die Firma Niedermeyer hatte bereits vor längerer Zeit das Staatswappen<lb/>
bekommen. Durch Gesellschaftsänderung mußte es jetzt neu verliehen<lb/>
werden. Diesmal waren nicht, wie bei der 25-Jahr-Feier, viel Hono<lb break="no"/>ratioren eingeladen, sondern, was mich viel mehr freute, ein großer Teil<lb/>
der Belegschaft. Zwei Fotofirmen haben bis jetzt das Staatswappen be<lb break="no"/>kommen. Die Firma Herlango ist allerdings in Konkurs geschlittert,<lb/>
weshalb die Vertreter der Handelssektion meinten, ich könne es doch<lb/>
der Firma Nettig, die auch führend in der Branche ist, verleihen.<lb/>
Dort allerdings, hat man mir gleich gestanden, gibt es keinen Betriebs<lb break="no"/><pb n="70-0608" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band70/70_1983-05-11_0608.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>rat, weshalb die AK sich dagegen ausgesprochen hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-11_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__123301">VECSEI</rs>: Bitte bei der AK rückfragen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-11_09">Die Aussprache mit Präs. <rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs> von der AK-NÖ und SL <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs>, MR <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs><lb/>
ergab, daß <rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs> in Hinkunft stärker mit der HK gemeinsam, also<lb/>
auf Sozialpartnerbasis die Energiefragen besprechen und koordinieren<lb/>
möchte. Diese Vorgangsweise halte ich nicht nur für zweckmäßig, sondern<lb/>
auch als einzige zielführend. Die politischen Parteien werden auch dann,<lb/>
wenn jetzt in die Regierungserklärung der Ausbau von Hainburg extra<lb/>
aufgenommen werden soll, sich in allen Energiefragen äußerst schwer tun.<lb/>
Die Umweltschutzansichten innerhalb der Regierung werden nicht nur<lb/>
ressortmäßig große Differenzen <add>[er]</add>geben, sondern eben auch parteipolitisch<lb/>
große Schwierigkeiten bereiten. Dies ist der Grund, warum GD <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs><lb/>
von der Verbundgesellschaft dem AK-Präs. <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs>, der im Verhandlungs<lb break="no"/>komitee der <choice><choice><sic>FPÖ</sic><corr>SPÖ</corr></choice></choice> sitzt, allen Ernstes vorgeschlagen hat, man sollte<lb/>
die elektrische Energie wieder aus dem Handelsministerium herauslösen.<lb/>
Eine solche Vorgangsweise halte ich für sachlich überhaupt nicht be<lb break="no"/>gründet und unzweckmäßig. Wenn die Elektrizitätswirtschaft Schwierig<lb break="no"/>keiten mit ihrem Ausbau hat, muß sie sich eben versuchen, im Rahmen<lb/>
des Handelsministeriums, gegebenenfalls gegen den Minister durchzu<lb break="no"/>setzen. Ich persönlich bin auch überzeugt, daß jeder Minister dann<lb/>
aus Sachzwängen im täglichen Entscheidungszwang andere Stellungnahmen<lb/>
abgeben wird als bei den Wahlkämpfen als Oppositionspartei. Wenn es<lb/>
zu einer zielführenden Kooperation zwischen AK und HK kommt, wird dies<lb/>
der Elektrizitätswirtschaft einigermaßen helfen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-11_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__131107">GROSSENDORFER</rs>: Bitte diese Politik, wenn möglich, weiter<lb break="no"/>verfolgen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-11_11">Bei der Fa. Shell wurden zumeist schon in Pension befindliche Direktoren<lb/>
mit Orden ausgezeichnet. Für mich am interessantesten war Dir. <rs type="person" ref="#per__123475">Balogh</rs>.<lb/>
Dieser hat wirklich in den Jahrzehnten, wo ich mit ihm zusammenarbeitete,<lb/>
nicht nur sich als ausgesprochener Fachmann erwiesen, sondern auch die<lb/>
ganze Arbeit bezüglich der Preisbildung und Preisverhandlungen zu<lb/>
führen gehabt. Die Generaldirektoren waren nämlich immer in Wirklichkeit<lb/>
auf sein Wissen angewiesen. Selbstverständlich ist es bei diesen An<lb break="no"/>sprachen zu vielen <choice><choice><sic>Pomous</sic><corr>Bonmots</corr></choice></choice> und Geschichterln aus dieser gemeinsamen<lb/>
Tätigkeit gekommen. Die Shell-Leute haben es dann bedauert, daß sie<lb/>
kein Tonband haben laufen lassen. <rs type="person" ref="#per__123475">Balogh</rs> und ich haben ein Stück der<lb/>
Ölgeschichte Österreichs humorvoll erzählt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-11_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__123301">VECSEI</rs>: Da sollte man gelegentlich Aufzeichnungen machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-11_13">Erstmals wurde mir mein beginnendes Pensionistenleben so klar, als ich<lb/>
abends mit den ehemaligen Jugendlichen, d.h. unserer Gruppe von den<lb/>
Roten Falken der Ersten Republik über die ganze illegale Zeit bis dann<lb/>
zur SJ der 2. Republik zusammengetroffen bin. Von denen sind alle<lb/>
schon in Pension und man hat mich sozusagen als Pensionist liebevoll<lb/>
wieder begrüßt.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 11.5.1983</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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