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            <title type="main">Dienstag, der 10. Mai 1983</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_01">Dienstag, 10. Mai 1983<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_02">Der Arrangeur für Großzirkus<add>[-se,]</add> <rs type="person" ref="#per__1138746">Holzer</rs>, beklagt sich, daß noch immer nicht<lb/>
die Spielgenehmigungen in den einzelnen Bundesländern vereinheitlicht<lb/>
sind, er bemüht sich immer den Zirkus Metrano nach Österreich zu bringen,<lb/>
die Gewerkschaft Kunst, Freie Berufe ist auch interessiert, daß ausländi<lb break="no"/>sche Zirkusse kommen, damit sie Künstler und Artisten und Musiker wäh<lb break="no"/>rend des Gastspieles dort unterbringen. Jedes einzelne Bundesland<lb/>
hat ein anderes Genehmigungsverfahren. Die Steiermark wünscht von Italien<lb/>
eine Gleichstellungserklärung, in Kärnten wurde 4 Tage vor Spielbeginn<lb/>
die zugesagte Genehmigung doch nicht erteilt, einige verlangen jetzt<lb/>
sogar notarielle Beglaubigungen, obwohl <rs type="person" ref="#per__1138746">Holzer</rs> jetzt 30 Jahre dieses<lb/>
Geschäft macht. Vieles geschieht, um den Österreichischen Nationalzirkus<lb/>
Althoff zu schützen, obwohl dieser, wie <rs type="person" ref="#per__1138746">Holzer</rs> behauptet, oft nur mit aus<lb break="no"/>ländischen Nummern und Beschäftigten arbeitet. SC <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> hat empfohlen<lb/>
und wird ihn darin unterstützen, die Landesamtsdirektorenbesprechung<lb/>
damit zu befassen. Die Verbindungsstelle der Bundesländer hat sich<lb/>
in dieser Frage nicht durchsetzen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs>: Versuche die wahren Hintergründe der Länderableh<lb break="no"/>nung zu erforschen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_04">Die Ministerratsvorbesprechung war wieder sehr kurz, obwohl sie ein<lb/>
wenig länger dauert als die letzte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, es gäbe bei den Ver<lb break="no"/>handlungen mit der FPÖ nur eine Frage, nämlich die Finanzen. Bezüglich<lb/>
der Besteuerung des 13. und 14. Monatsgehaltes meinte er, könne man sich<lb/>
einigen, daß <choice><choice><sic>die</sic><corr>in der?</corr></choice></choice> Steuerreform, die ja mit Privilegienabbau verbunden<lb/>
sein soll, dieses Problem behandelt wird. Bei der Quellensteuer dagegen<lb/>
möchten die Freiheitlichen keinesfalls zustimmen, sie schlagen dafür<lb/>
vor, eine Vermögenssteuer aufs anonyme Konto einzuführen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte,<lb/>
er kapriziert sich nicht, wie <add>[es]</add> jetzt allgemein heißt, auf die Quellensteuer,<lb/>
doch meint er, es müssen die Freiheitlichen auch hier zu einem Kompromiß<lb/>
bereit sein. Für diese Steuer haben sich die Sozialisten stark exponiert,<lb/>
sie bezieht sich eigentlich ja nur auf die größeren Einkommen, das Ge<lb break="no"/>genangebot, die Mehrwertsteuer zu erhöhen, wird man vielleicht sowieso<lb/>
machen müssen, aber kommt die Quellensteuer nicht, muß man sie noch mehr<lb/>
erhöhen. Die AZ hat einen gefährlich blanken Unsinn geschrieben, als sie<lb/>
jetzt in der heutigen Ausgabe <add>[forderte, daß]</add> die 30 %-ige Luxussteuer erhöht werden<lb/>
soll. Der Redakteur <rs type="person" ref="#per__1138747">Lackner</rs> als Ignorant hat damit nur den Scheinradi<lb break="no"/>kalismus gewahrt und unterstützt. Die 30 % hat man nur <choice><choice><sic>auf</sic><corr>bei</corr></choice></choice> PKW kontrol<lb break="no"/><pb n="70-0596" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band70/70_1983-05-10_0596.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>lieren können, in der Vergangenheit wurde sie auch eingeführt, um <add>[die]</add> Spitals<lb break="no"/>finanzierung damit decken zu können. Allein bei Schmuck bringen die<lb/>
30 % nichts, <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> hat eingeworfen, weniger als seinerzeit bei den<lb/>
18 %. Je höher die Steuer ist, umso mehr wird sie von einem Großteil<lb/>
hinterzogen. Die Mehrwertsteuer müsse man außerdem mit den Ländern<lb/>
teilen, sie schlage sich auf den Index bei den Lohnverhandlungen durch,<lb/>
aber auch direkt beim Staat, wenn er die Beamten dann bezahlen muß, von<lb/>
allen Staatskäufen muß die Mehrwertsteuer auch mitbezahlt werden und je<lb/>
höher sie ist, umso größer ist die Versuchung sie zu unterschlagen. Die<lb/>
gerechteste Steuer ist eben, wenn man Geld in dem Kapital, das man <choice><choice><sic>aufs</sic><corr>auf einem</corr></choice></choice><lb/>
Sparbuch angelegt hat, zur Steuer heranzieht die ja auch bis jetzt<lb/>
hätten versteuert werden müssen. Die Medienschelte, die die SPÖ dafür<lb/>
bekommen hat, ist ja nur darauf zurückzuführen, weil es sie selbst trifft.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_05">Andere Fragen sind untergeordneter Bedeutung, die Ressortwünsche muß<lb/>
dann noch <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> entscheiden, es gibt aber politische Erklärungen über<lb/>
die Verstaatlichte, Sozialpolitik, Konferenzzentrum.<lb/>
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Wandlung durchgemacht und seine Beziehungen zur SPÖ sind seit Jahren<lb/>
die besten. Er war damals 18 Jahre alt und nach 40 Jahren beginnen jetzt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1138748">Magenschab</rs>, Chefredakteur der Wochenpresse, und <rs type="person" ref="#per__127760">Lingens</rs>, Chefredakteur<lb/>
vom Profil, dies wieder aufzurühren.<lb/>
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zu reden, nachdem nachmittags im Parteivorstand zu verhandeln ist.<lb/>
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mit den VMW, Semperit, Niklasdorf, die jetzt von den sozialistischen<lb/>
Direktoren, in Wirklichkeit meint er er natürlich insbesondere <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
von der CA, aktualisiert werden, obwohl dazu jetzt gar kein Grund besteht,<lb/>
man wünscht nur sozusagen die jetzt kritische Zeit auszunützen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_09">Im Ministerrat erwähnte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann, daß beim Sudetentag das letztemal<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> war. Diesmal, meint <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs>, müsse man aber die Wertigkeit<lb/>
seiner Funktion berücksichtigen. Ob jemand geht, wird eigentlich gar nicht<lb/>
mehr weiter erörtert. Die Tagesordnung wird so wie immer ganz normal<lb/>
abgewickelt. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> ergänzt dann nur als Außenministervertreter in einem<lb/>
mündlichen Bericht, der schriftlich vorliegt, daß Österreich die Schutz<lb break="no"/>macht Brasiliens und Libyens sein soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_10"><rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> als Außenminister meint, auch die Beamten hätten vorgeschlagen,<lb/>
<pb n="70-0597" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band70/70_1983-05-10_0597.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>man sollte den Generalkonsul von Istanbul für seinen Einsatz bei der<lb/>
Brandkatastrophe und allen anderen Dank aussprechen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärte<lb/>
sofort, und da sieht man sein politisches G'spür, zuerst wäre den Ange<lb break="no"/>hörigen Beileid zu sagen. Die Beamten hätten doch in Wirklichkeit nur<lb/>
ihre Pflicht erfüllt. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> ergänzte dann, daß auch man den Dank<lb/>
den türkischen Behörden für ihren Einsatz aussprechen müßte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_11"><rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> fährt zu einer Justizministertagung nach Rom, <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> nach Ungarn<lb/>
zur europäischen Wissenschaftstagung. Unwahrscheinlich, wie anders<lb/>
Minister ihre <del>mit der</del> Führung der Geschäfte beauftragt auslegen als<lb/>
ich. Ich bin nicht einmal zu der schon so lange eingeplanten IAEA-<lb/>
Tagung Samstag, Sonntag nach Paris geflogen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_12">Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97678">Lacina</rs>, der sowieso vom Bundeskanzler geschickt worden<lb/>
war und daher an meiner Stelle die Delegation geführt hat, berichtete<lb/>
mir dann über deren Verlauf, die Schweden wollten mit den neutralen<lb/>
Österreichern und <add>[der]</add> Schweiz eine Art besondere Gruppe für eine offenere<lb/>
Energiepolitik insbesondere gegen den amerikanischen Wunsch, Einschrän<lb break="no"/>kung aus dem Osten, bilden, die Schweiz hat dies aber sofort abgelehnt<lb/>
und auch <rs type="person" ref="#per__97678">Lacina</rs> meinte, und da stimme ich ihm 100 % zu, so eine Vorgangs<lb break="no"/>weise wäre unzweckmäßig gewesen. Ich habe auch stets immer versucht<lb/>
Gruppenbildungen auszuweichen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__131107">GROSSENDORFER</rs>: Wie hat MR <rs type="person" ref="#per__123367">Hladik</rs> das gesehen?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_14">Der Bürgermeister von Recklinghausen und jetzige Bundestagsabgeordne<lb break="no"/>te <rs type="person" ref="#per__130197">Wolfram</rs> ist wieder einmal zu Besuch in Wien und hat zuerst mich<lb/>
und dann Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> besucht. Er ist sehr interessiert Kontakte<lb/>
über die Energiepolitik mit Österreich zu halten, ich habe ihm sofort<lb/>
mit SL <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> in Verbindung gebracht und dann insbesondere NR <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
als weiteren Energiesprecher empfohlen. Selbstverständlich erfolgte die<lb/>
übliche Einladung, wenn ich auch nicht mehr Minister bin, obwohl ich auch<lb/>
hier an meinen bekannten Ausspruch denke. Bis jetzt war es natürlich<lb/>
so, daß, wer immer eingeladen hat, wurde, was überhaupt keine Schwierigkeit<lb/>
gemacht hätte, alles vom Ministerium oder ein Teil von dem Einlader be<lb break="no"/>glichen. In Hinkunft würde ich schauen, wenn ich dort überall auftauchen<lb/>
würde, wenn man sich dann den Kopf zerbrechen müßte, wer wird das bezahlen.<lb/>
Ich sage daher immer gleich, daß ich kaum kommen werde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_15">Waagner-Biro hat eine Betriebsrätekonferenz vor längere Zeit nach Wr.<lb/>
Neustadt einberufen und mich dazu geladen. Selbstverständlich bin ich dort<lb/>
<pb n="70-0598" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band70/70_1983-05-10_0598.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>erschienen, ich war sehr überrascht, als der ganze Vorstand dort an dieser<lb/>
Betriebsrätekonferenz auch teilnimmt. Natürlich hat mich sowohl der<lb/>
Betriebsratsobmann als auch dann der Generaldirektor besonders geehrt,<lb/>
indem sie sagten, noch niemals hat ein Handelsminister oder überhaupt<lb/>
ein Minister so viel für sie gemacht. Mein Referat, wie es in Österreich<lb/>
weitergehen soll, vor allem die Diskussion zeigte mir aber dann, daß<lb/>
in vielen Wirtschaftsfragen der Betriebsratsobmann aus der Steiermark<lb/>
LAbg. <choice><choice><sic><rs type="person" ref="#per__115657">Namensberger</rs></sic><corr>Premsberger</corr></choice></choice>?? erklärte, er wäre immer ein Anhänger der großen<lb/>
Koalition gewesen, mit der kleinen könnten die Arbeiter jetzt in Schwie<lb break="no"/>rigkeiten geraten, die Landwirtschaft und die Handelskammer könnten alles<lb/>
blockieren, man müsse verhindern, daß die Arbeitnehmer für Kompromisse<lb/>
mit der FPÖ dann womöglich zahlen müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_16">Einmal mehr habe ich mir gedacht, hätte <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> nicht als ÖGB-Obmann und<lb/>
vor allem natürlich als ehem. Metallarbeiterobmann so entschieden sich<lb/>
sofort hinter die Linie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, nur eine kleine Koalition kommt infrage,<lb/>
gestellt, kann ich mir gar nicht ausmalen, was das in der Gewerkschaft<lb/>
und vor allem in der Partei für eine schwere Auseinandersetzung gegeben<lb/>
hätte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_17">Im Parteivorstand berichtete <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann über die Verhandlungen mit<lb/>
der ÖVP und der FPÖ. Jene hatte ein umfangreiches Papier vorgelegt,<lb/>
das allerdings nur die Wahlpropagandathesen beinhaltete. Sachkundige<lb/>
Berechnungen hätten ergebe, daß dafür 55 Mrd. S notwendig wären. Im Papier<lb/>
gab es keinerlei Steuererhöhungen und der Einnahmeverzicht hätte ebenfalls<lb/>
25 Mrd. S gekostet. Die einzig politische Aussage war, daß man für <add>[eine]</add> Koali<lb break="no"/>tion der Partnerschaft sei, also keine konkrete Abmachung, wie es eigent<lb break="no"/>lich weitergehen sollte. <choice><choice><sic>Die</sic><corr>Auf die</corr></choice></choice> Frage <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, ob <rs type="person" ref="#per__111712">Bergmann</rs> und <rs type="person" ref="#per__116692">Steinbauer</rs><lb/>
dann auftreten können wie bisher, meinte <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs>, selbstverständlich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_18">Mit der FPÖ gab es drei Plenarsitzungen. Dazu kam, daß <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> noch Detailbesprechungen führten und Kammerpräsident <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs><lb/>
insbesondere die Sozialprobleme und Sozialversicherungsprobleme auch<lb/>
im Detail besprochen hat. Jetzt liegt von den Freiheitlichen von ihrem<lb/>
Vorstand, wo 82 Teilnehmer teilgenommen haben, ein einstimmiger Beschluß<lb/>
vor, daß die FPÖ Politik auf lange Sicht machen wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> machte dann<lb/>
den historischen Exkurs, daß es von der Sozialdemokratischen Partei<lb/>
in der ersten Republik ein großer Fehler war, daß man sich so in den<lb/>
Haß gegen <rs type="person" ref="#per__1137907">Schober</rs> verbissen hat, die österreichische Politik hätte eine<lb/>
andere Wendung genommen, wenn man sich damals schon mit dieser Gruppe<lb/>
zusammengeschlossen hätte. Die Sozialdemokratische Partei damals wollte<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_19">In der jetzigen Verhandlung macht natürlich auch der Ton die Politik.<lb/>
Die Verbalextremisten im Wahlverhalten der ÖVP haben zur jetzigen Stim<lb break="no"/>mung wesentlich beigetragen. Die Freiheitlichen dagegen haben keine<lb/>
einzige Klage beim Wahlschiedsgericht anhängig. Sie haben sich in dieser<lb/>
Beziehung immer sehr zurückgehalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_20"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kam dann auf die Steuerfrage zu sprechen und meinte, der 13. und<lb/>
14. wird mit der Steuerprivilegienkommission gelöst werden, hier muß<lb/>
ja sehr schnell eine Steuerreform Platz greifen. Dort wird man aller<lb break="no"/>dings nicht abwarten können, bis eine endgültige allumfassende zustande<lb/>
gekommen ist, sondern man wird im Detail und<add>[mit?]</add> Etappenlösungen vorgehen.<lb/>
Die Steuern müssen auch geregelt werden, denn man braucht mehr Geld.<lb/>
Bezüglich der Zinsertragssteuer meinte er, das Kapital unterliegt ja<lb/>
jetzt eigentlich schon der Steuerpflicht und wird nur unterschlagen.<lb/>
Die FPÖ könnte sich also vorstellen, daß auf die Sparbücher, die ja<lb/>
anonym sind, eine 1 %-ige Abgabe erfolgt. Die zweite Variante wäre, daß<lb/>
man doch von der Zinsertragssteuer mehrere Ausnahmen, die allerdings<lb/>
nicht allzu viele sein sollen, macht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_21">Bezüglich der Ressorts haben sie drei Wünsche, vor allem wünschen sie<lb/>
das Handelsministerium, Justiz nehmen sie auch noch, an der Landesver<lb break="no"/>teidigung ist keiner besonders interessiert. Außerdem bekommen sie den<lb/>
Vizekanzler und drei Staatssekretäre. <rs type="person" ref="#per__111733">Ferrari-Brunnenfeld</rs>, der auch noch<lb/>
in die Regierung kommen soll, möchte aber gerne ein Ministerium. Bei<lb/>
dieser Frage darf man nicht vergessen, daß die ÖVP bereit wäre der<lb/>
Freiheitlichen Partei wesentlich mehr anzubieten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_22">Klargestellt wurde auch, daß in der Sozialversicherung die Selbstverwal<lb break="no"/>tung herrscht und daß daher keine Mitbestimmung von der FPÖ dort möglich<lb/>
ist, sondern daß sie nur darüber informiert werden. Bei der Verstaatlich<lb break="no"/>ten wird es ohne wesentlichen Personalwünsche von der FPÖ weitergehen.<lb/>
Die Industriepolitik hat für die SPÖ eine ungeheure Präferenz, sie ak<lb break="no"/>zeptieren auch daher einen Staatssekretär im Handelsministerium.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_23">Nach <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> Abgrenzung würde die sozialistische Seite sich mehr für<lb/>
die Arbeiter, also die Unselbständigen, interessieren, die Freiheitlichen<lb/>
wollen sich dagegen bei den Gewerbetreibenden und Bauern profilieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_24">Der Zeitplan wäre <add>[an]</add>, Dienstag, dem 17., ist der ao. Parteitag, Mittwoch,<lb/>
18., würde man <choice><choice><sic>den</sic><corr>vom</corr></choice></choice> Bundespräsidenten einen Regierungsauftrag <choice><choice><sic>zu geben</sic><corr>erhalten</corr></choice></choice>,<lb/>
<pb n="70-0600" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band70/70_1983-05-10_0600.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Donnerstag, den 19., ist die Konstituierung des Nationalrates und Frei<lb break="no"/>tagen, den 20., würde dann die Vereidigung der neuen Regierung erfolgen.<lb/>
Über Pfingsten könnte man sich dann die Regierungserklärung erarbeiten<lb/>
und dann dem Nationalrat sie vorstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_25"><rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs>, der von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aufgefordert wurde dann das Arbeitsprogramm<lb/>
zu erörtern, stellte dann gleich einleitend fest, eine Regierung ohne<lb/>
die Sozialisten sei für ihn unvorstellbar. Der VP-Vorschlag beinhaltete<lb/>
nur reine Wahlkampfparolen. Er hat daher in Oberösterreich festgestellt,<lb/>
die ÖVP hat das Regieren verlernt. Die Freiheitlichen müssen aber erst<lb/>
regieren lernen. Derzeit, hat er den Eindruck geschieht, das noch sehr<lb/>
amateurhaft. Es gibt für sie natürlich ein Problem, wie sie über ihren<lb/>
Wahlkampfschatten springen. Derzeit zeigen sei ein Maßhalten; wie das in<lb/>
den nächsten Monaten anhalten wird, kann er natürlich nicht vorhersagen.<lb/>
In Sachfragen war es möglich zu einer Einigung zu kommen, <add>[der]</add> Bundespartei<lb break="no"/>vorstand der Freiheitlichen, wie er soeben verständigt wurde, hat mit<lb/>
18 Mitgliedern bei 16 anwesenden auf Antragstellung von NR <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> den<lb/>
Bericht <rs type="person" ref="#per__122970">Stegers</rs> einstimmig billigend zur Kenntnis genommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_26"><rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> berichtet, daß <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> ein Arbeitsübereinkommenspapier auch<lb/>
für die parlamentarische Zusammenarbeit ausgearbeitet hat, das ebenfalls<lb/>
von den Freiheitlichen akzeptiert wird. Es soll im Parlament eine<lb/>
starke Bindung SPÖ-FPÖ geben. Die ÖVP dagegen wollte nur eine Regierung<lb/>
der Partnerschaft, Koalition, freier oder sogenannter Freiraum, keiner<lb/>
hätte gewußt, wie es weitergeht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_27">Die Freiheitlichen werden jetzt 4 Jahre gemeinsam die Verantwortung<lb/>
tragen, das Arbeitsprogramm wird dann die Regierungserklärung werden.<lb/>
Neuwahlen können nur im Einvernehmen zwischen beiden ausgeschrieben wer<lb break="no"/>den, die Ministerverantwortlichkeit, die Einstimmigkeit im Ministerrat,<lb/>
alles bleibt. Meinungsverschiedenheiten werden zwischen dem Bundeskanz<lb break="no"/>ler und Vizekanzler durch Gespräche mit einvernehmlichen Lösungen aus<lb/>
der Welt geschaffen. Meinungsverschiedenheiten dürfte es dann im Parla<lb break="no"/>ment nicht mehr geben, die parlamentarische Zusammenarbeit muß über das<lb/>
Präsidium und über die Ausschüsse funktionieren. Regierungsvorlagen wer<lb break="no"/>den gemeinsam vertreten, Abänderungen im Parlament von Regierungsvorla<lb break="no"/>gen müssen die Zustimmung des zuständigen Ministers bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_28">Mehreinnahmen sind notwendig.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_29">Es wird eine aktive Außenpolitik geben, die Entspannung und Rüstungskon<lb break="no"/>trolle wird das außenpolitische Ziel sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_30">Ein hohes Beschäftigungsniveau muß erreicht werden. Über das schon<lb/>
beschlossene 10-Jahre-Regierungsprogramm wird es weitere Investitionen<lb/>
geben wie den Marchfeldkanal, 10.000 Wohnungen, 1 Mrd. für Klein- und<lb/>
Mittelbetriebe, Umweltfonds, ÖBB und Straßenausbau.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_31"><add>[Das]</add> Lehrlingsproblem ist zu lösen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_32">Jetzt begann dann <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> mit Nummerierungen, die ersten hat er ohne<lb/>
diese aufgezählt, 5. die <choice><choice><sic>Verstaatlichung</sic><corr>Verstaatlichte</corr></choice></choice>, Förderung von Investitionen<lb/>
in der Rohstofferzeugung, aber auch in der Finalindustrie, die ausgebaut<lb/>
werden muß.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_33">6. Klein- und Mittelbetriebe, unsere Wettbewerbsfähigkeit muß gestärkt<lb/>
werden, die Arbeitsplätze muß man dort auch sichern und die Exportpoli<lb break="no"/>tik ist dort zu fördern und insbesondere der Fremdenverkehr. 7. Abwehr<lb/>
der weltweiten Wirtschaftskrise, es wird zwar von einem 0-Budget ausge<lb break="no"/>gangen, Subventionen seien zu überprüfen, immer müsse man aber bei je<lb break="no"/>der Budgetausgabe die Folgekosten und die Verteilerwirkung besonders<lb/>
berücksichtigen. Die 30 S, die jetzt den Beschäftigten entzogen werden,<lb/>
werden weitere Mehreinnahmen bringen. Auch <add>[die]</add> Steuerpflicht, der man sich<lb/>
bis jetzt entzogen hat, muß stärker herangezogen werden, <add>[für den]</add> Umweltschutz wird<lb/>
ein eigener Fonds aus zweckgebundenen Abgaben auf dem Energieverbrauch<lb/>
errichtet, eine Mehrwertsteuererhöhung wird geprüft, auf die Kredit<lb break="no"/>steuerabschaffung wird man erst später zu sprechen kommen. Eine Steuer<lb break="no"/>reform soll eine Vereinfachung bringen. Mit den Ländern und Gemeinden<lb/>
ist ein Finanzausgleich zu machen, wobei zu prüfen ist, wie weit die Lohn<lb break="no"/>summensteuer und die Gewerbesteuer vom Kapital aufgehoben werden können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_34">8. Das Konferenzzentrum ist auf kostengünstige Weise fertigzubauen und<lb/>
auch für Kulturaktivitäten heranzuziehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_35">9. Die Energiepolitik ist mit ausreichenden Investitionen durchzuführen,<lb/>
das Donaukraftwerk Hainburg ist auf einem noch festzulegenden Standort<lb/>
zu bauen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_36">Jetzt hat dann <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> wieder aufgehört die Nummerierung vorzulesen,<lb/>
weil er das Gefühl hat, sein Vortrag dauere zu lange, es wurde auch wirk<lb break="no"/>lich teilweise schon unruhig, was für mich ein vollkommenes Rätsel ist,<lb/>
ich hätte eher erwartet, daß sich jeder für besondere Details interessiert.<lb/>
Die jetzigen Bemerkungen waren daher nur mehr hingeworfene Überschriften:<lb/>
Forschung und Entwicklung, Luftreinhaltung, der Umweltschutzfonds sowie<lb/>
der Wasserwirtschaftsfonds, organisiert mit Darlehen und Haftungen, Sozi<lb break="no"/><pb n="70-0602" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band70/70_1983-05-10_0602.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>alpolition, Arbeitsverfassung und Mitbestimmung, Pensionsgarantie, Re<lb break="no"/>form der Sozialversicherung unter Wahrung der zukünftigen Gewährleistung<lb/>
der Pensionen, <add>[bei der]</add> Arbeitszeitverkürzung wird abgewartet, was der ÖGB be<lb break="no"/>schließt, die Familien, der Konsumentenschutz, der Wohnbau wird <del>es</del> mehr<lb/>
auf die Familien <choice><choice><sic>abstimmen</sic><corr>abgestimmt werden</corr></choice></choice> müssen, Sonderwohnbau zwischen Ländern und<lb/>
Bund, der Bund möchte 5000 Wohnungen bauen, die Althaussanierung mit<lb/>
1 Mrd. soll bleiben, die Bausparer werden jetzt auslaufen, daher muß<lb/>
man hier Vorsorge treffen, die Verzinsung für den Wohnbau soll 6 %<lb/>
bleiben, die nächste Schulorganisationsnovelle, Schuko 7, wird kommen, hier<lb/>
muß eine Berufsschulreform vorgesehen werden, <choice><choice><sic>die</sic><corr>bei der</corr></choice></choice> Lehrerausbildung,<lb/>
Wissenschaft und Forschung wird die Reform fortgesetzt, neue Technolo<lb break="no"/>gien, auch für Klein- und Mittelbetriebe, müssen erschlossen werden,<lb/>
Freiheit für Kunst, das Bundestheatergesetz muß kommen, sicherer Ver<lb break="no"/>kehr, die ÖBB wird weiter rationalisiert und hat ein Investitionspro<lb break="no"/>gramm vorzulegen. <choice><choice><sic>Die Agrarpolitik</sic><corr>?</corr></choice></choice> soll ein drittes Bergbausonderprogramm<lb/>
gemacht werden, die Produktion muß sich dem inländischen Verbrauch an<lb break="no"/>passen, die Einkommen der Bauern sind zu erhalten, Bauern sind für Kultur-<lb/>
und Landschaftsschutz notwendig, eine vierte Betriebsklasse soll einge<lb break="no"/>führt werden, die Landesverteidigung wird umfassend sein, das Milizsy<lb break="no"/>stem wird ausgebaut und die demokratische Beschwerde bleibt. <add>[In der]</add> Justiz wird<lb/>
die Rechtsreform fortgesetzt, insbesondere Sozialgerichte kommen, parla<lb break="no"/>mentarisch wird man auch eine Weiterentwicklung machen, ein Mindestman<lb break="no"/>dat, Kontrollrechte, Privilegienabbau aber werden kommen, auf der Basis,<lb/>
wie der soz. Antrag noch im letzten Parlament gelautet hat und was <add>[die]</add><lb/>
<rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs>-Kommission mit <rs type="person" ref="#per__97678">Lacina</rs> bereits ausgearbeitet hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_37">In der Diskussion hat sich als erster sofort <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> gemeldet, um, fast<lb/>
würde ich immer sagen, nibelungentreu zu sagen, das ist ein sehr, sehr gutes<lb/>
Ergebnis, mit den Freiheitlichen in der Regierung wird man jetzt gegen die<lb/>
ÖVP kämpfen müssen, er hätte nur einen einzigen Wunsch, daß man, wenn<lb/>
man schon den 13. und 14. über 20.000 S jetzt in die Steuerreformkommis<lb break="no"/>sion bringt, das nämlich schon die christlichen Gewerkschafter im Prin<lb break="no"/>zip akzeptiert haben, so dürfe man aber jetzt bei der Zinsertragssteuer<lb/>
nicht nachgeben. Die Freiheitlichen sagen, sie haben sich festgelegt, auch<lb/>
die Sozialisten haben sich festgelegt. Aber das sei auch nur eine Bemer<lb break="no"/>kung von ihm, er gratuliert allen, die verhandelt haben und ist überzeugt,<lb/>
daß es ein sehr gutes Abkommen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_38"><rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> hat dann darauf verwiesen, daß die Freiheitlichen jetzt den<lb/>
Mittelstand übernehmen werden, das wird den Ring <choice><choice><sic>der Freiheitlichen</sic><corr>Freiheitlicher Wirtschaftstreibender</corr></choice></choice><lb/>
stärken und er sieht für den Freien Wirtschaftsverband dann die Gefahr,<lb/>
daß er in der Handelskammer auf die dritte Stelle abrutscht. 85 gibt<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_39">Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97614">Karl</rs> wollte dann noch mehr Informationen über die Fami<lb break="no"/>lienpolitik, denn die Auffassungen der Freiheitlichen weichen beträcht<lb break="no"/>lich von denen der Sozialisten ab.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_40"><rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> erklärte, die Kreditsteuer würde 1,2 Mrd. kosten und sie war nur<lb/>
im Zusammenhang mit der Zinsertragssteuer vorgesehen aufzulassen. Die<lb/>
von den Freiheitlichen vorgesehene Anonymitätsabgabe bringt weniger als<lb/>
die Zinsertragssteuer. Ebenso muß man sich jetzt überlegen, wie man die<lb/>
Gewerbekapitalsteuer, die ja auch wegkommen sollte, die Freiheitlichen wollen<lb/>
ja gleich die ganze Gewerbesteuer <add>[abschaffen???]</add>, und vor allem, wie man die Lohnsummen<lb break="no"/>steuer, die 6 Mrd. die Gemeinden kostet, ergänzt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_41">Finanzstadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> meinte, die kleine Koalition ist das kleinere Übel,<lb/>
zwingende Staatspolitik verlangt Notwendigkeiten Steuern zu erhöhen, da<lb/>
20 Mrd. S pro Jahr nötig sind. Beim Umbau des Konferenzzentrums hätte<lb/>
man die Wiener nicht jetzt gefragt, das größte Problem sei aber jetzt,<lb/>
er käme gerade von einer Parteiveranstaltung im Bezirk, die Bestellung<lb/>
des 3. Präsidenten. <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> sei für viele untragbar. Zum Schluß polemi<lb break="no"/>siert er aber gegen die eigene Politik einzelner Gruppen, wie auch der<lb/>
SJ und der JG. Jetzt ergab sich dann eine lange Diskussion über das<lb/>
Problem <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs>. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> erklärte sofort, daß die einzelnen ja sich über<lb break="no"/>legen müssen, wer aller den Präsidenten wählt. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> kann auch mit den<lb/>
sozialistischen Stimmen allein gewählt werden. Jede Partei schlägt<lb/>
eben ihren Kandidaten vor, wer dann mit wie vielen Stimmen gewählt wird,<lb/>
wird sich zeigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_42">Interessant waren dann noch die Ausführungen <add>[von]</add> <rs type="person" ref="#per__114604">Hillinger</rs>, der meinte, 1967,<lb/>
als die Sozialisten die stärkste Partei in Oberösterreich bei den<lb/>
Landtagswahlen wurden, hat auch in der Landespartei die Meinung geherrscht,<lb/>
man kann mit den Nazis nicht zusammengehen. <rs type="person" ref="#per__134817">Gleißner</rs> hat sofort mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> koaliert, hat ihm damals den Landesschulinspektorposten verschafft,<lb/>
die Sozialisten haben die große Gelegenheit versäumt, <rs type="person" ref="#per__1138756">Bernaschek</rs> war<lb/>
damals Landesparteiobmann, mit den Freiheitlichen einen sozialistischen<lb/>
Landeshauptmann zu installieren. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> hat dann in seinem Schlußwort<lb/>
nur teilweise auf die offenen Fragen geantwortet. Er hat allgemein zu<lb break="no"/>sammengefaßt, daß man eben jetzt weiterverhandeln wird und daß der Partei<lb break="no"/>tag nicht unter dem Motto stehen dürfe, die Freiheitlichen seien das<lb/>
kleinere Übel. Man brauche eine Vertrauensbasis für die nächsten Jahre<lb/>
und die könne man nicht mit einer solchen Polemik erreichen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_43"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dann noch einmal auch zusammenfassend gesagt, warum er für<lb/>
die kleine Koalition eintritt. Insbesondere hat er dann einmal mehr<lb/>
in immer stärkerer Ausmalung erklärt, wie ich in seinem Büro damals, also<lb/>
70, <add>[als er]</add> die Minderheitsregierung mir angekündigt hat, ihn entgeistert ange<lb break="no"/>stiert habe, geglaubt, er ist geisteskrank und ihn dann sogar gefragt<lb/>
habe, ob er deppert ist. So war es sicherlich nicht, aber die plakative<lb/>
Darstellung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> ist ja bekannt. Jetzt erklärte er aber dann, daß<lb/>
er ja vorher mit <rs type="person" ref="#per__1138757">van Tongel</rs> und <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> schon Gespräche geführt hat, damit<lb/>
man die ÖVP nicht immer in der Regierung hat, die Radikalen ?? einmal<lb/>
rausbringt, wenn sie diese Minderheitsregierung tolerieren. <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> hat<lb/>
aber vorher im Wahlkampf erklärt, sein Ziel ist es einen roten Bundes<lb break="no"/>kanzler zu verhindern. In der Habsburgfrage hatte man, da die FPÖ damals<lb/>
mit der SPÖ gegangen ist, ihnen einen Botschafter in Deutschland, den<lb/>
Rechnungshofpräsidenten und eine Wahlrechtsreform versprochen. Von<lb/>
diesen drei Punkten wurde insbesondere der letzte <choice><choice><sic>nie</sic><corr>[Wahlrechtsreform 1970? Anm.]</corr></choice></choice> erfüllt. <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs><lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> war der einzige, der sich gegen <rs type="person" ref="#per__112569">Götz</rs> gewendet hat und für <rs type="person" ref="#per__122970">Steger</rs><lb/>
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nämlich schon seinen Leuten verkündet und hat auch eine schriftliche<lb/>
Abmachung gehabt, <rs type="person" ref="#per__112569">Götz</rs> und <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs>, die neue Koalition. <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> hat einen<lb/>
politischen Charakter, eine Einsatzbereitschaft und ist zur Zusammen<lb break="no"/>arbeit bis zur Selbstvernichtung mit den Sozialisten gegangen. Jetzt<lb/>
müsse man ihn gegen die <rs type="person" ref="#per__1138748">Magenschabs</rs>, <rs type="person" ref="#per__127760">Lingens</rs>, <rs type="person" ref="#per__111409">Caps</rs> und Konsorten vertei<lb break="no"/>digen. Der Mahlvorgang wird eben sein, daß <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> von den Sozialisten<lb/>
und von den Freiheitlichen, wahrscheinlich auch von der ÖVP gewählt wird,<lb/>
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sehen, wie <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> von den ÖVP-lern gewählt wird, und dann auch ihn entspre<lb break="no"/>chend zu wählen oder eben nicht und dann kommt der dritte Präsident<lb/>
und hier werden die Sozialisten mithelfen müssen, das Vorschlagsrecht<lb/>
der Freiheitlichen steht ja außer Diskussion. Sie werden sich also über<lb break="no"/>legen, wenn sie <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> wirklich nominieren. Es gibt einen einzigen Grund,<lb/>
den er den Freiheitlichen schon gesagt hat, die Koalition <choice><choice><sic>zur</sic><corr>der</corr></choice></choice> Sozialist<add>[en]</add><lb/>
und der Freiheitlichen wird heftigst attackiert werden im Nationalrat<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> ist der beste Verteidiger. Die Freiheitlichen werden sich<lb/>
eben überlegen müssen, entweder Geste der Dankbarkeit oder Militanz<lb/>
im Nationalrat durch <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs>, wenn er eben nicht Präsident wird. Das Gefühl<lb/>
muß man aber den Freiheitlichen geben, daß die Sozialisten anständige<lb/>
Partner sind, auf die man sich verlassen kann. Ob das ganze 13 Jahre<lb/>
halten wird wie in Deutschland, weiß ich nicht, aber sicherlich 4 Jahre.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_44">Über die Anträge gab es dann die Abstimmung. <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> schlug vor, die Re<lb break="no"/><pb n="70-0605" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band70/70_1983-05-10_0605.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gierungskoalition soll auf der Grundalge des Arbeitsprogrammes beschlos<lb break="no"/>sen werden und auch auf dem außerordentlichen Parteitag. <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> meinte,<lb/>
wer ist gegen diesen Vorschlag. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat sofort korrigiert und meinte,<lb/>
hier wünscht er eine klare Abstimmung positiv durch Handheben. Selbst<lb break="no"/>verständlich erfolgte dann sowieso die einstimmige Annahme. Zweitens<lb/>
wurde das Verhandlungskomitee ermächtigt, entweder die Zinsertragssteuer<lb/>
oder die Abgabe auf anonyme Sparbücher, also Vermögenssteuervariation zu<lb/>
verhandeln und abzuschließen und drittens ein außerordentlicher Partei<lb break="no"/>tag mit den beiden Referaten, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, Motto Fortsetzung des österreichi<lb break="no"/>schen Weges, und <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> dann Bericht über die Koalitionsverhandlungen<lb/>
und Arbeitsprogramm. Alles wird einstimmig genehmigt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_45">Da ich durch die Abstimmung im Bundesparteivorstand zur Fraktion zu spät<lb/>
gekommen bin, habe ich dort nur mehr die Diskussion gehört, auch hier<lb/>
ging es hauptsächlich um das Problem <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> als dritter Präsident.<lb/>
Der Jugendobmann <rs type="person" ref="#per__1138759">Sujarsky</rs> meinte, die ÖGJ will es nicht in der Öffent<lb break="no"/>lichkeit diskutieren, aber intern sagen alle, wenn einer bei der HJ war,<lb/>
da war er noch zu klein, aber bei der SS ist das was anderes, bei den<lb/>
Freiheitlichen gibt es dann auch noch den Abg. <rs type="person" ref="#per__122968">Ofner</rs>, der die rechts<lb break="no"/>extremistischen Gruppen, ANR usw., mehr oder minder toleriert, der neue<lb/>
Generalstabschef <rs type="person" ref="#per__1138758">Bernadinger</rs> war beim Soldatenring unter falschem Namen.<lb/>
Chemieobmann NR <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> wieder war ein wenig angerührt und hat gemeint,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> soll das nicht so bagatellisieren, das seien nur Berufsprotestie<lb break="no"/>rer, <add>[das]</add> <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs>-Problem geht tief in die Organisation. Dr. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> meinte<lb/>
dagegen, <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> sei das Resultat eben der Nationalratswahl. Die Freunde,<lb/>
die sich gefreut haben, daß jetzt die SPÖ-Mehrheit getroffen ist, möchten<lb/>
jetzt haben, daß die SPÖ verhindert, daß <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> Präsident wird. Das hätten<lb/>
sie sich eben alles früher überlegen sollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-05-10_46">Metallarbeiterobmann <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> stellte fest, daß die Koalition nur so lange<lb/>
dauern wird, als die Vertrauensbasis hält. Damit wollte er scheinbar<lb/>
sagen, man muß eben im Vertrauen der FPÖ mehr entgegenkommen. Der<lb/>
Bericht vom Komiteemitglied <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs>, der in der Fraktion gebracht wurde,<lb/>
wurde dann eigentlich ohne Abstimmung und ausdrückliche Erklärung, ob<lb/>
er zur Kenntnis genommen wird, mehr oder minder akzeptiert. Wie üblich<lb/>
meinte man eben, es hat sich niemand mehr gemeldet, die Sitzung ist ge<lb break="no"/>schlossen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 10.5.1983</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>hs. Notizen</head>
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