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            <title type="main">Freitag, der 22. April 1983</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-04-22_01">Freitag, 22 April 1983<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-04-22_02">Einige Verwandte und vor allem begeisterte Bergsteiger haben das tradi<lb break="no"/>tionsreiche Geschäft der <rs type="person" ref="#per__1138731">Mizzi Langer</rs> übernommen und neu gestaltet. Ich<lb/>
bin ihrer Eröffnungseinladung natürlich gefolgt, getroffen haben sich<lb/>
dort weniger Prominenz, ich habe nur den Bezirksvorsteher getroffen,<lb/>
dafür glaube ich um so mehr Bergsteiger und begeisterte Alpinisten.<lb/>
Am glücklichsten waren aber die schon in der ersten Republik dieses<lb/>
Geschäft geführt haben, dann wie sie sagten an jemanden verpachteten, der<lb/>
es total runtergewirtschaftet und total versauen hat lassen. Für Berg<lb break="no"/>steiger ist nämlich ihr Geschäft dasselbe wie ihre Berge. Überrascht<lb/>
war ich zu erfahren, daß diese Familienangehörigen, die sicherlich ihr<lb/>
ganzes Erspartes reingesteckt haben, nur von der Handelskammer einen<lb/>
Kleinstkredit bekommen haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-04-22_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte lass prüfen, welche Möglichkeiten sie gehabt<lb/>
hätten und berichte mir darüber.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-04-22_04">Fast 2 Dutzend finnische Wirtschaftsjournalisten wollten ein Interview<lb/>
mit mir, aber vor allem auch mit allen Fachkräften des Ministeriums von<lb/>
der allgemeinen Wirtschaftssituation bis zum harten Schilling und vor<lb/>
allem auch Energiefragen, Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes Zwentendorf<lb/>
wurde sehr rege gefragt und diskutiert. Ich bin nicht so sicher, ob<lb/>
österreichische Journalisten sich in Finnland genauso aktiv verhalten<lb/>
würden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-04-22_05">Der Leiter der Arbeitsgruppe Maschinenbau und Hüttenwesen <choice><choice><sic>auf</sic><corr>auf seiten?</corr></choice></choice> der SU, <choice><choice><sic>Sekt.Chef</sic><corr>?</corr></choice></choice><lb/>
<rs type="person" ref="#per__1138026">Koshin</rs>, haben mit unserem Handelsdelegierten <rs type="person" ref="#per__114588">Draszczyk</rs>, der gleichzeitig<lb/>
die österreichische Seite leitet, um mir sozusagen seine Aufwartung zu<lb/>
machen. Bei dieser Gelegenheit erklärte er, daß das Verhältnis von<lb/>
Maschinenlieferungen der SU nach Österreich und umgekehrt 1:30 ist.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114588">Draszczyk</rs> meinte, es sei <choice><choice><sic>1:21</sic><corr>?</corr></choice></choice>, auf alle Fälle ein ungeheures Übergewicht<lb/>
Österreichs. <rs type="person" ref="#per__1138026">Koshin</rs> hat allerdings zugegeben, daß es an der sowjetischen<lb/>
Seite liegt. Die Außenhandelsunternehmen kümmern sich weniger um den<lb/>
Export nach Österreich als österreichische Firmen eben um ihre Export<lb break="no"/>möglichkeiten in die SU. Allein bei der Kommission waren von österreichi<lb break="no"/>scher Seite 25 Firmen daran interessiert, in direkten Kontakt mit der<lb/>
sowjetischen Seite zu gelangen. Notwendig wäre, daß aber doch kommerzielle<lb/>
Vertretungen in Österreich von der sowjetischen Seite errichtet werden.<lb/>
Die Außenhandelsunternehmungen und vor allem aber der Handelsrat <rs type="person" ref="#per__1137602">Stesnow</rs><lb/>
haben nicht die individuelle Bearbeitung, die in jedem einzelnen Fall<lb/>
<pb n="70-0514" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band70/70_1983-04-22_0514.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>bei Maschinen und ganz besonders bei Anlagen notwendig ist, ersetzen.<lb/>
Die sowjetische Seite wird so fürchte ich aufgrund einer 13-jährigen<lb/>
<choice><choice><sic>Erfahrung</sic><corr>?</corr></choice></choice> sehr schwer zu einer direkten Beziehung der Firmen untereinander<lb/>
entschließen. Die Handelskammer hat jetzt Prof. <rs type="person" ref="#per__139646">Kulhavy</rs> von der <choice><choice><sic>WU</sic><corr>Universität</corr></choice></choice> Linz<lb/>
dafür gewonnen, in Moskau ein Seminar über Marketing am österreichischen<lb/>
Markt abzuhalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-04-22_06">Typisch war eine Bemerkung von <rs type="person" ref="#per__1138026">Koschin</rs>, nachdem sie in Jenbach die Maschi<lb break="no"/>nenfabrik besucht haben, mußte er feststellen, daß dort kein einziger<lb/>
Lada verwendet wird. Alle möglichen Autotypen großer Anzahl konnten sie<lb/>
dort feststellen, kein sowjetisches Auto war darunter. Der GD von<lb/>
Jenbach hat sofort erklärt, sie werden eins kaufen. Für die SU ist es<lb/>
nach wie vor ein <choice><choice><sic>Prestige</sic><corr>?</corr></choice></choice>, daß ihre Autos am westlichen Markt nicht<lb/>
gehen. Richtiggehende Verkaufsmaßnahmen ergreifen sie aber nicht. Ich<lb/>
sagte sofort, sie hätten den falschen Betrieb besucht, ich kann mich<lb/>
noch erinnern, wie wir mit Minister <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> vor nicht langer Zeit<lb/>
in Stockerau bei der Firma Heid waren, war er sogar überrascht, wie viele<lb/>
Ladas dort gestanden sind und von den Arbeitern ach gefahren wurden.<lb/>
Daß dies vom GD eben gut organisiert wurde, brauche ich ja hier nicht be<lb break="no"/>sonders erwähnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-04-22_07">Die Firma Rella hat, nachdem sei in Konkurs war und jetzt mit einem<lb/>
neuen Management sich zwar wesentlich verkleinert hat, dafür aber aktiv<lb/>
gebart, das Dekret zur Führung des Staatswappens bekommen. Bei dieser<lb/>
Gelegenheit spreche ich mit dem Sohn des ehem. Baudirektor <rs type="person" ref="#per__114462">Fenz</rs> von der<lb/>
E-Wirtschaft. Sein Vater ist jetzt in der Staubeckenkommission, er selbst<lb/>
technischer Direktor von Rella. Seine Erklärung für die Schwierigkeiten<lb/>
bei der Kölbreinsperre und wie sie sich in Zukunft lösen wird, erscheint<lb/>
mir sehr logisch. Die Kölbreinsperre wurde nicht zuletzt deshalb so<lb/>
ausgelegt und an <choice><choice><sic>der</sic><corr>die</corr></choice></choice> Grenze der technischen Möglichkeit gegangen, weil<lb/>
man geglaubt hat, man kann mit Hilfe des billigen Pumpstroms aus Zwenten<lb break="no"/>dorf die maximale Füllung durchführen. Der Pumpstrom fällt jetzt weg,<lb/>
durch das Pumpen, hat sich herausgestellt, ist die Rohrleitung sowieso<lb/>
auch gefährdet, die logische Folge wäre daher, man bleibt diese 15 m<lb/>
unter der Höchststaugrenze, dies verträgt die Mauer, pumpt weniger, dies<lb/>
ist für die Leitung gut und damit gibt es nicht diese Probleme, die an<lb break="no"/>sonsten bei einem Vollstau sicher zu erwarten sind.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-04-22_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__131107">GROSSENDORFER</rs>: Bitte ohne Namensnennung von Dr. <rs type="person" ref="#per__114462">Fenz</rs> <add>[unklar, ob dieser oder Sohn gemeint ist, Anm.]</add><lb/>
diese Variation auf die Kosten prüfen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-04-22_09">Präs. <rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs> ist mit seinem AK-Energieverantwortlichen und den Vertretern<lb/>
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der Donauauen in ein Naturschutzgebiet durch den soz. LRat <rs type="person" ref="#per__115609">Brezovszky</rs><lb/>
zu mir gekommen, um die weitere Vorgangsweise abzustimmen, seine AK-<lb/>
Leute haben mit den Bauverantwortlichen in Greifenstein einen genauen<lb/>
Terminkalender festgelegt. Wenn nicht bald eine Bauentscheidung über<lb/>
Hainburg fällt, müßten die dann in Greifenstein frei werdenden Bauarbei<lb break="no"/>ter tatsächlich arbeitslos werden. Im November beginnt nämlich das<lb/>
Fluten von Greifenstein, dann werden die jetzt 1.100 Beschäftigte von<lb/>
der ARGE der Bauunternehmungen auf 400 in Greifenstein reduziert, die<lb/>
700 müßten dann bereits für das neue Kraftwerk in Hainburg eingesetzt<lb/>
werden. Noch besteht, wie ich mich auch selbst immer wieder bei dem<lb/>
Direktor <rs type="person" ref="#per__114580">Kobilka</rs> überzeugen konnte, die Möglichkeit die Terminverluste<lb/>
nach den Wahlen sofort aufzuholen, Voraussetzung dafür aber ist, daß<lb/>
eben dann wirklich gleich die Entscheidung über den Standort fällt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs> hat vorgeschlagen, wir sollten daher unmittelbar nach den Wahlen <add>[mit]</add><lb/>
Präs. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> uns zusammensetzen, dies wurde dann von mir mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> arrangiert.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> selbst steht auch auf dem Standpunkt, es muß dann sofort entschieden<lb/>
werden. Die Hauptschwierigkeit sieht <rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs> aber darin, daß das Land<lb break="no"/>wirtschaftsministerium, besser gesagt Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>,<lb/>
nicht nur als Oberste Wasserrechtsbehörde, sondern auch als Grundbesitzer,<lb/>
die Au gehört den Bundesforsten, sozusagen zweimal sich querlegen kann.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs> aber auch ich glauben, daß wenn dann aber festgestellt, daß 700<lb/>
Bauarbeiter arbeitslos werden und vor allem, daß ein anderer Standort<lb/>
wegen der geologischen Schwierigkeiten kaum möglich ist, nachgeben wird.<lb/>
Die Verlegung von Hainburg auf Petronell herauf geht aus einem Grund<lb/>
sicherlich nicht, in die Donau ragt ein Fels, der bei Verlegung abge<lb break="no"/>graben werden müßte. Niemand traut sich dies aber, da dadurch die<lb/>
Quellen von Deutschaltenburg gefährdet sein könnten. Nach letzten In<lb break="no"/>formationen von <rs type="person" ref="#per__114580">Kobilka</rs> müßte nämlich sogar die Donau weiter nördlich<lb/>
verlegt werden, damit unter allen Umständen dieser Felsformation ausgewichen<lb/>
wird. Die Bohrungen werden unmittelbar nach den Wahlen abgeschlossen<lb/>
sein und sofort dem Landwirtschaftsministerium der Wasserrechtsbehörde<lb/>
vorgelegt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-04-22_10">Da ich bereits GD <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> ersucht habe, er solle nicht nur für Hainburg,<lb/>
sondern für alle jetzt zur Entscheidung anstehenden Elektrizitätsfragen<lb/>
eine Punktation aufstellen, erscheint es <rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs> und mir zweckmäßig,<lb/>
auch eine Zeiteinteilung insbesondere für Hainburg ausarbeiten zu lassen.<lb/>
Seine Leute und <rs type="person" ref="#per__131107">Grossendorfer</rs> haben es übernommen, dies bis Dienstag<lb/>
vor der Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> zusammenzustellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-04-22_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__131107">GROSSENDORFER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> und <rs type="person" ref="#per__114580">Kobilka</rs> abstimmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band70_1983-04-22_12">Die vorgesehene große Abschlußaktion unserer Zettelverteiler, die ich<lb/>
dann von Park zu Park, von Anlage zu Anlage begleitet hätte, fiel im<lb/>
wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Die einzige Möglichkeit, die wir<lb/>
haben, ist auf der Landstraße beim Eingang der Filiale der Z zu nützen.<lb/>
Der Architekt hat in Anwandlung und scheinbar damals in großen Platz<lb break="no"/>möglichkeiten den Eingang so weit rückwärts verlegt, daß vorne ein<lb/>
<choice><choice><sic>richt</sic><corr>nicht?</corr></choice></choice> verdeckter Raum überbleibt. Dort können wir natürlich das Standl<lb/>
reinstellen, damit die Z aber nicht raunzt, hat unser Sekretär <rs type="person" ref="#per__1138032">Hohenberger</rs><lb/>
vorgeschlagen, ich sollte den Vorstand und sozusagen die Filiale besuchen.<lb/>
Dies habe ich gerne gemacht, da ich ja zu meiner Schande gestehen muß,<lb/>
noch niemals dort gewesen bin. Während ich <add>[mich]</add> vom Vorstand sozusagen in<lb/>
den ersten Stock auch noch raufführen ließ, haben einstweilen unsere<lb/>
Freunde das Standl aufgebaut. Wahrscheinlich hätte er sowieso nichts<lb/>
dagegen gehabt, aber es war sicherlich sehr geschickt, daß ich in der<lb/>
Zwischenzeit mit ihm seine Probleme besprochen habe. Tatsache ist, daß<lb/>
die Filiale heute sehr gut geht, statt 12 Leute 30 beschäftigt sind, die<lb/>
Folge davon ist, daß ein ungeheurer Platzmangel existiert, der Filial<lb break="no"/>leiter raunzt mit Recht um die vielen m², die der Architekt beim Eingang<lb/>
verschwendet hat, die Z hat derzeit kein Geld, der Filialleiter möchte<lb/>
rückwärts im Hof noch aufstocken, alles aber Wunschträume. Wir sind dem<lb/>
Architekten sehr dankbar, da wir dadurch eine Schlechtwettermöglichkeit<lb/>
haben. Die ÖVP steht am Rochusplatz unter einem Firmendach, wir eben auf<lb/>
der Landstraße. Nach meinem alten Grundsatz, ich mach alles was mir an<lb break="no"/>geschafft wird, nützen, bin ich überzeugt, tut es für dieses Wahlergebnis<lb/>
kaum etwas.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 22.4.1983</head>
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