<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19830317.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19830316.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19830318.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Donnerstag, der 17. März 1983</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Matthias Trinkaus</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band69_1983-03-17</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date from="1983-03-17" to="1983-03-20">Donnerstag, 17. März 1983 bis Sonntag, 20. März 1983</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2019-12-16">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text>
      <body>
         <pb n="69-0357" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band69/69_1983-03-17_1983-03-20_0357.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry">
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_01">Donnerstag, 17. März, bis Sonntag, 20. März 1983<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_02">Die Parteiveranstaltungen für das verlängerte Wochenende waren vom<lb/>
Zentralsekretariat in die Steiermark verlegt worden. Leider mußte ich<lb/>
miterleben, daß in den Bundesländern ähnlich wie fast jetzt auch in<lb/>
Wien kein sehr komprimiertes Programm vorgelegt wird. Auf der einen<lb/>
Seite bin ich ja damit sehr einverstanden, weil ich mich dadurch im<lb/>
wahrsten Sinne des Wortes schonen kann, auf der anderen Seite dagegen<lb/>
habe ich das Gefühl viel Leerlauf auch mitzumachen. Ich muß allerdings<lb/>
zugestehen, daß es wahrscheinlich für eine Landesorganisation auch<lb/>
sehr schwer ist ein gedrängtes Programm fertigzustellen, man wird<lb/>
letzten Endes einem Bezirk zugeteilt, der Bezirk selbst hat seine tra<lb break="no"/>ditionellen Veranstaltungen und versucht eben den ganzen Tag mehr oder<lb/>
minder zu füllen, diesmal haben sie die gute Idee gehabt mich bei Be<lb break="no"/>triebsbesuchen, die ich schon längst hätte gelegentlich als Handels<lb break="no"/>minister durchführen müssenm einzusetzen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_03">In Voitsberg bin ich frühzeitig im Bürgermeisteramt erschienen, um<lb/>
mit dem Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__128914">Kravcar</rs> auch die Frage der Entschwefelung von<lb/>
Voitsberg III im Detail zu besprechen. Der endgültige Bescheid wurde<lb/>
von der Gemeinde erlassen, die schrittweise Entschwefelung wurde darin<lb/>
dekretiert. LH <rs type="person" ref="#per__126988">Krainer</rs> hat jetzt an den Bezirkshauptmann <rs type="person" ref="#per__1138689">Poppmeier</rs><lb/>
aber die Weisung gegeben, er müsse aufgrund des Dampfkesselemissions<lb break="no"/>gesetzes prüfen, ob nicht Leben und Gesundheit durch Inbetriebnahme<lb/>
dieser Anlage gefährdet sind. Der Bez.-Hauptmann hat, wie er mir dann<lb/>
telefonisch mitteilte, aufgrund dieser Weisung den Lufthygieniker<lb/>
des Landes, Prof. <rs type="person" ref="#per__1137435">Möse</rs>, aufgefordert, ein Gutachten darüber abzugeben.<lb/>
Ich ersuchte den Bezirkshauptmann um Kopien dieser Weisungen resp.<lb/>
der Gutachtenbestellung. Obwohl er es mir zusicherte und meinte, das<lb/>
sind ja alles keine Geheimmaßnahmen und selbstverständlich würde ich<lb/>
sofort die Kopie bekommen, wurde ich einige Stunden später von ihm ver<lb break="no"/>ständigt, daß er nach Rücksprache mit dem LH-Büro in Graz mir diese<lb/>
Unterlagen nicht schicken könne, ich sollte mich mit LH <rs type="person" ref="#per__126988">Krainer</rs> dies<lb break="no"/>bezüglich in Verbindung setzten; da ich aber bekanntlich im Dampf<lb break="no"/>kesselgesetz keine Kompetenz habe, diese liegt eindeutig beim Bauten<lb break="no"/>minister, beabsichtigte ich keinesfalls mir vielleicht von <rs type="person" ref="#per__126988">Krainer</rs><lb/>
dann eine schriftliche Abfuhr zu holen. Bez.-Hauptmann <rs type="person" ref="#per__1138689">Poppmeier</rs> steht<lb/>
auf dem Standpunkt, daß die von ihm jetzt angeordneten Untersuchungen<lb/>
von der ÖDK zu zahlen sind, obwohl sie noch gar nicht in einem Verfahren<lb/>
damit belangt wurden. Eine Aussprache mit den ÖDK-Leuten ergab, daß<lb/>
diese die Meinung vom Bez.-Hauptmann prima vista nicht teilen.<lb/>
</p>
            <pb n="69-0358" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band69/69_1983-03-17_1983-03-20_0358.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__110944">ZLUWA</rs>: Wie siehst Du die Rechtslage.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_05">Beim Betriebsbesuch der Fa. Bauer, den ich Herrn Dipl.Ing <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> wirk<lb break="no"/>lich schon jahrelang zugesagt hatte, ging ich zuerst durch die Werks<lb break="no"/>anlage, vorher aber auch nachher hat mir die SPÖ-Begleitmannschaft<lb/>
schon gesagt, würde mich <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> sofort okkupieren, bei bisherigen Be<lb break="no"/>triebsbesuchen war dies immer so gewesen, daß die Mandatare kaum<lb/>
Chancen gehabt haben mit den Arbeitern in Kontakt zu kommen. Ich habe<lb/>
mir daher ganz kurz die Wünsche von <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> angehört, in Irak könnte<lb/>
er jetzt ein 800-Mio.-Projekt machen, in Indien ein 3-Mrd.-Projekt, in<lb/>
Algerien bis zu 600 Mio., die Voraussetzung dafür wäre aber, daß er<lb/>
verbilligte Kredite bekommt, <rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs> von der ÖKB kann ihm aber<lb/>
höchstens Kreditkonditionen 7 3/4 + 1/2 %, das die Kontrollbank für<lb/>
sich beansprucht, gewähren. Die Algerier bestehen aber z.B. auf die<lb/>
Kreditzusage <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, wonach sie nur 6 % in Summe dafür bezahlen müßten.<lb/>
SGP hat deshalb für 3 1/2 Mrd. S den Waggonauftrag angeblich nicht<lb/>
bekommen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte prüfen lassen und dann mit <rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs> mich<lb/>
verbinden.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_07">Die VÖEST-Alpine hat jetzt von der Fa. Bauer eine Verkürzung der Wech<lb break="no"/>selkredite von 6 Monate auf 3 Monate verlangt. Diese <choice><choice><sic>Avalverkürzung</sic><corr>AVA-Verkürzung???</corr></choice></choice><lb/>
kann von der Fa. <choice><choice><sic>Cifer</sic><corr>Bauer</corr></choice></choice> nicht akzeptiert werden. Ich habe <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> ver<lb break="no"/>sprochen, diesbezüglich mit GD <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> zu reden.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> wegen DDR und Bauer verbinden.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_09"><rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> hat in Ungarn ein ganz großes 300.000-ha-Projekt, das 70 bis 80<lb/>
Mrd. S kosten würde. Durch seine Beregnungsanlage würden die Erträge<lb/>
bei Mais usw. so stark steigen, daß er dort eine Ethanolproduktion mit<lb/>
Vogelbusch aufziehen möchte. Er erwartet, daß die Ungarn dieses Ethanol<lb/>
dann auch exportieren müssen und meint, als Kompensationsware könnte<lb/>
dann für dieses Riesenprojekt Ethanol nach Österreich eingeführt<lb/>
werden, um in der Raffinerie Schwechat dem Benzin beigemischt werden.<lb/>
Ich habe <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> sofort erklärt, daß selbst wenn dieses Ethanol zu den<lb/>
Raffinerieabgabepreisen geliefert werden kann, die österreichische Land<lb break="no"/>wirtschaft gegen eine solche Kompensation Sturm laufen würde. Die Argu<lb break="no"/>mentation, in Österreich ist der Rohstoff eben zu teuer und wir müßten<lb/>
Ethanol aus dem Ausland preiswert importieren, mag theoretisch richtig<lb/>
sein, in der Praxis sicherlich nicht durchzusetzen. Ich empfahl daher<lb/>
<pb n="69-0359" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band69/69_1983-03-17_1983-03-20_0359.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> eine andere Lösung für dieses Großprojekt zu suchen. <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs><lb/>
hatte beim Rundgang auch zwei <choice><choice><sic>Chappelmaschinen</sic><corr>?</corr></choice></choice> zu zeigen, ich habe<lb/>
ihm sofort vorgeschlagen, daß er sich und ich vor dieser Maschine<lb/>
fotografieren lassen, damit er sie dem Vizeministerpräsident <rs type="person" ref="#per__134126">Marjai</rs>,<lb/>
mit dem er über diese großen Projekte verhandeln wird, zeigen kann.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134126">Marjai</rs>, fürchte ich allerdings, würde sofort erkennen, daß diese Ma<lb break="no"/>schinen schon verhältnismäßig alt sind, wie ja überhaupt die Röhren<lb break="no"/>fabrik nur teilweise moderne Maschinen hat. <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> lebt in Wirklichkeit<lb/>
vom Patent seines Schwiegervaters, der diese Bewässerungsröhrenherstel<lb break="no"/>lung sehr geschickt seinerzeit in Voitsberg aufgebaut hat.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_10"><rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> beschwerte sich auch bei mir, daß durch die Schwefeldioxidimmis<lb break="no"/>sion bei ihm die Zinkrohre jetzt derart beschädigt werden, daß er<lb/>
daran denkt den Betrieb zu verlegen. Außerdem laufen ihm die besten<lb/>
Ingenieure mit ihren Familien weg, weil sie die Luftverschmutzung nicht<lb/>
aushalten. <choice><choice><sic>Aa</sic><corr>Da?</corr></choice></choice> ich darin eine große Gefahr gesehen habe, daß <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs><lb/>
vielleicht aus ganz anderen Gründen hier die ÖDK und auch die Gemeinde<lb/>
entsprechend zu Zugeständnissen erpressen will, habe ich ihm sofort vorge<lb break="no"/>schlagen am nächsten Tag am Abend mit ÖDK- und Gemeindevertretern dieses<lb/>
Problem zu besprechen. <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> möchte nämlich auch, daß eine entsprechende<lb/>
Umfahrungsstraße auch vor seinem Werk unter die Erde verlegt wird,<lb/>
daß ihm auch gewisse zusätzliche Grundstücke preiswerter abgegeben<lb/>
werden, mit einem Wort, er möchte mit der Gemeinde, mit der er momentan<lb/>
ein nicht sehr ideales <choice><choice><sic>Gesprächsthema</sic><corr>Gesprächsklima?</corr></choice></choice> hat, zu einem ganz neuen Arrange<lb break="no"/>ment kommen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_11">Die Gemeindevertreter, mit denen ich nachher gesprochen habe, sind<lb/>
allerdings ganz anderer Auffassung, als <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> mir geschildert hat.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_12">In Köflach besuchten wir dann eine Damenkleiderwerkstätte Irringer,<lb/>
dort wird ausschließlich vom deutschen Mutterwerk, fast würde man sagen,<lb/>
in Lohn für das deutsche Mutterwerk Kleider konfektioniert.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_13">Die Besichtigung des Gestütes in Piber, das ich übrigens zum erstenmal<lb/>
jetzt gesehen habe, gab mir Gelegenheit mit Hofrat <rs type="person" ref="#per__1138690">Lehrner</rs> über die<lb/>
Möglichkeit <choice><choice><sic>einer ev. anzusiedelnden Reitbetriebe</sic><corr>eines ev. anzusiedelnden Reitbetriebs? ev. anzusiedelnder Reitbetriebe?</corr></choice></choice> zu reden. Die Ge<lb break="no"/>meinde ist nämlich der festen Überzeugung, daß außer diesem Gestüt<lb/>
in Piber, das natürlich eine Fremdenverkehrsattraktion ist und tausende<lb/>
im Jahr besuchen, eine Reitmöglichkeit den Fremdenverkehr sehr stark<lb/>
ankurbeln könnte. Hofrat <rs type="person" ref="#per__1138690">Lehrner</rs> meinte, im Prinzip könnte er sich<lb/>
so etwas durch eine Privatfirma oder auch durch den Staat selbst be<lb break="no"/>trieben vorstellen, Voraussetzung dafür aber müßte sein, daß tatsäch<lb break="no"/><pb n="69-0360" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band69/69_1983-03-17_1983-03-20_0360.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>lich ein hohes Niveau angestrebt wird. Derzeit ist ja dieses Gestüt<lb/>
in einem Schloß untergebracht, zum Besuch der englischen Königin auch<lb/>
renoviert, wirklich in einem picobello Verhältnis. Hofrat <rs type="person" ref="#per__1138690">Lehrner</rs> mußte<lb/>
mir aber gegenüber zugeben, daß er noch immer mit der Seucheninfektion<lb/>
schwer zu kämpfen hat, von meiner Begleitmannschaft habe ich erfahren,<lb/>
daß etliche Fohlen und vor allem auch Stuten gestorben sind. Details<lb/>
wollte oder konnte mir <rs type="person" ref="#per__1138690">Lehrner</rs> nicht sagen, ich habe auch nicht insistiert,<lb/>
ich habe bezüglich der Fremdenverkehrsreitschule ihm versprochen da<lb break="no"/>rüber mit Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> zu reden.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Recherchiere, was das Landwirtschaftsministerium<lb/>
weiß, damit ich mit <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> dann darüber im Detail sprechen kann.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_15">In Kalsdorf wurde ich dann von Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__1138691">Pauker</rs>, einem alten Ge<lb break="no"/>werkschaftssekretär, in die verschiedensten Betriebe geführt, bei der<lb/>
Holzverarbeitung Sägewerk Mayer <add>[Mayr?]</add>, die ich schon einmal besucht habe,<lb/>
diskutierten wir die Holzversorgung; wie ich erwartet habe, bestätigten<lb/>
mir die Säger, daß jetzt der Preis für Rundholz auch im Inland ent<lb break="no"/>sprechend angezogen hat, die notwendigen Importe aus der DDR aber<lb/>
nach wie vor bestehen, um die Sägen einigermaßen zu beschäftigen. Die<lb/>
Zerspanung, wie sie Mayr-Melnhof und drei andere große Sägen in<lb/>
Österreich durchführen, führt dazu, daß gewisse Sorten jetzt im Über<lb break="no"/>schuß auf den Markt kommen und daher den Preis sehr drücken. <rs type="person" ref="#per__1138692">Mayr</rs><lb/>
hat keine Angst, daß dies für die Gattersägen eine wirklich vernich<lb break="no"/>tende Konkurrenz wäre. Eher befürchtet er, daß die Wellpappenverpackung,<lb/>
wir besuchten dann ja auch Duropack, eine wesentlich härtere Konkurrenz<lb/>
für die Kistlerzeuger für Obst und Gemüse, für ihn wirksam wird. Auf<lb/>
die Wellpappenkartons, die jetzt auch übrigens mit Holzleisten wegen<lb/>
der Lüftung kombiniert werden, kann man äußerst günstig bei der Well<lb break="no"/>pappenherstellung sofort Aufdrucke draufgeben.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_16">Bei der Metallfirma Lapp-Finze, die einmal 530 Beschäftigte gehabt<lb/>
hat, als ich sie vor etlichen Jahren besuchte, sind jetzt nur mehr<lb/>
320 Beschäftigte. Die Deutsche Firma Roto hat diesen Betrieb erworben,<lb/>
um Baubeschläge herzustellen, insbesondere aber hat sie eine ganz<lb/>
neue Galvanik errichtet.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_17">Die Fa. Duropack aus dem <rs type="person" ref="#per__114599">Turnauer</rs>-Konzern hat mit der Errichtung in<lb/>
diesem Gebiet die Absicht das südliche Österreich, also Steiermark,<lb/>
Kärnten, Burgenland damit zu beliefern, 160 Beschäftigte mit einem<lb/>
Umsatz von 245 Mio. S. Im Jahre 81 waren erst <choice><choice><sic>27 5</sic><corr>27,5?</corr></choice></choice> Mio. Jetzt wird<lb/>
<pb n="69-0361" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band69/69_1983-03-17_1983-03-20_0361.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>auch bereits bis nach Tirol geliefert. Die Gemeinde hat für die Errich<lb break="no"/>tung dieses Betriebes 6 Mio. dazugezahlt und auch das Land hat 6 Mio.<lb/>
Subvention gegeben. Mit Recht hat Dir. <rs type="person" ref="#per__1138693">Penninger</rs> darauf verwiesen, daß<lb/>
mit den Steuern dies längst schon zurückgezahlt ist.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_18"><rs type="person" ref="#per__1138693">Penninger</rs> informierte mich auch, daß er morgen mit der sowjetischen<lb/>
Lebensmitteldelegation in Gleisdorf mittags zum Essen zusammentreffen<lb/>
wird und war sehr interessiert, daß ich neuerdings die sowjetische Dele<lb break="no"/>gation besuche, was ich sofort zusagte.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_19">Nachdem noch Konsum besichtigt wurde, eine private Fleischhauerei<lb/>
und ein neuerrichtetes Gasthaus, übrigens wo bis jetzt immer die Ver<lb break="no"/>sammlungen in Kalsdorf mit mir stattgefunden haben, ging auch dieser<lb/>
Nachmittag dann für mich eigentlich sehr erholsam zu Ende.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_20">Bei der Veranstaltung in Gratkorn hatte ich es verhältnismäßig leicht.<lb/>
Die Leykam-Papierfabrikarbeiter, insbesondere die beiden Betriebsräte,<lb/>
von den Arbeitern <rs type="person" ref="#per__141608">Rott</rs>, von den Angestellten Ing. NR <rs type="person" ref="#per__134009">Ressel</rs>, wissen um<lb/>
den Einsatz, den ich seinerzeit für den Umbau für die Fabrik geleistet<lb/>
habe. Die Belegschaftsvertreter und auch die Arbeiter fühlen sich<lb/>
daher mir gegenüber zu Dank verpflichtet. Dies lehne ich zwar katego<lb break="no"/>risch ab, weil es ja nur Erfüllung meiner Pflicht war, doch meinen<lb/>
diese immer wieder, hätte ich mich damals nicht so eingesetzt, wäre<lb/>
ihr Betrieb wahrscheinlich jetzt schon zugrundegegangen. Die anfäng<lb break="no"/>lichen Schwierigkeiten, stinkende Luftbelastung ist in der Zwischen<lb break="no"/>zeit auch behoben, sodaß bei dieser Versammlung eine verhältnismäßig<lb/>
sehr gute Stimmung herrschte. Da diese Versammlung als Österreichge<lb break="no"/>spräch geführt wurde, gab es zwar eine Diskussion, die aber verhältnis<lb break="no"/>mäßig friedlich verlaufen ist. Ich glaube, wenn mich dort jemand hart<lb/>
attackiert, zerreißen ihn die Arbeiter in der Luft.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-17_21"/>
         </div>
      <div type="back"><pb n="69_0356_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band69/69_1983-03-17_0356-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 17.3.1983</head>
         </div>
         <pb n="69_0356_02" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band69/69_1983-03-17_0356-02.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__97315">
               <persName type="label">Apfalter, Heribert</persName>
               <persName><surname>Apfalter</surname><forename>Heribert</forename></persName>
               <occupation>GD VÖEST</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__134126">
               <persName type="label">Marjai, József</persName>
               <persName><surname>Marjai</surname><forename>József</forename></persName>
               <occupation>ung. stv. Ministerpräsident</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97511">
               <persName type="label">Haiden, Günter</persName>
               <persName><surname>Haiden</surname><forename>Günter</forename></persName>
               <occupation>Dir. Bundesforste, später Sts., dann LWM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__111755">
               <persName type="label">Castellez, Paul</persName>
               <persName><surname>Castellez</surname><forename>Paul</forename></persName>
               <occupation>Direktor Kontrollbank</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__115651">
               <persName type="label">Cifer, Emil</persName>
               <persName><surname>Cifer</surname><forename>Emil</forename></persName>
               <occupation>Fa. Bauer, Inhaber Dienstpass HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__134009">
               <persName type="label">Ressel, Hans-Joachim</persName>
               <persName><surname>Ressel</surname><forename>Hans-Joachim</forename></persName>
               <occupation>NR-Abg. SPÖ</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__110944">
               <persName type="label">Zluwa, Bruno</persName>
               <persName><surname>Zluwa</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__128914">
               <persName type="label">Kravcar, Hubert</persName>
               <persName><surname>Kravcar</surname><forename>Hubert</forename></persName>
               <occupation>Bgm. Voitsberg (Stmk.), SPÖ</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__108746">
               <persName type="label">Haffner, Konrad</persName>
               <persName><surname>Haffner</surname><forename>Konrad</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__126988">
               <persName type="label">Krainer, Josef jun.</persName>
               <persName><surname>Krainer</surname><forename>Josef jun.</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__97668">
               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118566512</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__114599">
               <persName type="label">Turnauer, Herbert</persName>
               <persName><surname>Turnauer</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>Industrieller</occupation>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>