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            <title type="main">Donnerstag, der 10. März 1983</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_01">Donnerstag, 10. März 1983<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_02">Bei der Schlußsitzung der tunesisch-österr. Gem. Kommission hat<lb/>
Minister <rs type="person" ref="#per__145305">Lasram</rs> zusammenfassend festgestellt, daß die Ergebnisse der<lb/>
Unterausschußsitzungen, die im Protokoll ja Niederschlag finden,<lb/>
bezüglich der Kooperationen zufriedenstellen, wenn auch nicht ganz<lb/>
den tunesischen Vorstellungen entsprechend sind. Insbesondere hofft<lb/>
er, daß bezüglich der Einstellung für den tunesischen Tourismus die<lb/>
österr. Behörden in Zukunft positiver entscheiden werden. Dies bezieht<lb/>
sich natürlich nur auf die Meinungsverschiedenheiten zwischen Tunis<lb/>
Air und der AUA, in Aussicht genommen wurde, daß wenn zusätzliche<lb/>
Flüge beabsichtigt sind, diese auch genehmigt werden müssen. Außerdem<lb/>
müßten Charterflüge den Linienflügen gleichgestellt werden. Die Passa<lb break="no"/>gierabrechnung dürfte höchstens ein Minus von 10 % ?? betragen, bei<lb/>
der Abrechnung muß mindestens 40 % Anteil festgestellt werden. Die<lb/>
Tarifpolitik ist so zu gestalten, daß sie werbewirksam wirkt, anderer<lb break="no"/>seits dürfte keine Airline, gilt natürlich ausschließlich für die<lb/>
Tunis Air, zu Dumpingpreisen fliegen. Die finanziellen Kooperationen<lb/>
seien auch einigermaßen zufriedenstellend, wenn auch die Tunesier zur<lb/>
Kenntnis nehmen müssen, daß nach österreichischem System vorgegangen<lb/>
wird. In der Arbeitsgruppe für die Entwicklungshilfe wurde nämlich<lb/>
festgestellt, daß eine Kreditlinie, wie sie Tunesien wünscht, von<lb/>
Österreich nicht gegeben wird. Österreich ist nur bereit für Exporte<lb/>
eine Finanzierung zu übernehmen und dies von Fall zu Fall. Projektstu<lb break="no"/>dien können, wenn österreichische Planungsbüros damit beauftragt werden,<lb/>
gegebenenfalls subventioniert werden, wenn diese Projekte Aussicht auf<lb/>
Verwirklichung haben. Dies wird eine gemeinsame Kommission prüfen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__145305">Lasram</rs> möchte nun, daß Österreich nun mit Tunesien auf finanziellem Ge<lb break="no"/>biet mehr kooperiert und vor allem durch Beteiligung österreichischer<lb/>
Firmen an tunesischen Projekten joint ventures eingeht. Das Muster<lb break="no"/>beispiel ist noch immer die von der Firma Teich errichtete Folien<lb break="no"/>anlage in Tunis, die ich selbstverständlich als wichtigen ersten Schritt<lb/>
bezeichnete. Die Tunesier haben mit den Algeriern jetzt eine algerisch-<lb/>
tunesische Bank gegründet, <rs type="person" ref="#per__145305">Lasram</rs> meinte, es könnten also algerisch-<lb/>
tunesisch-österreichische Dreieckgeschäfte versucht werden. Mit der<lb/>
DDR gibt es dabei gute Ansätze.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Die Abteilung soll konkret für Leipzig die DDR-<lb/>
Konstruktion recherchieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_04">Bei der Schlußsitzung ist die Vertreterin des BKA, <rs type="person" ref="#per__1138710">Rehor</rs>, glatt um eine<lb/>
halbe Stunde zu spät gekommen. Ich habe sie bei den Tunesiern entschul<lb break="no"/>digt und damit in ihrer Anwesenheit eine indirekte Rüge erteilt. Da<lb/>
sieht man, wie die französisch erzogenen Tunesier Kavaliere sind, denn<lb/>
<rs type="person" ref="#per__145305">Lasram</rs> meinte, wenn so eine hübsche Frau später kommt, stört dies über<lb break="no"/>haupt nicht, sondern sie wären froh, wenn noch recht viele Damen kämen.<lb/>
Dies veranlaßte mich aber dann zur Bemerkung, eine Kommission ist aber<lb/>
kein Kaffeehaus.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_05">Bei der Unterzeichnung des Protokolls im Marmorsaal, der in so einem<lb/>
Fall für alle Ausländer einigermaßen beeindruckend ist, hat <rs type="person" ref="#per__145305">Lasram</rs> mich<lb/>
neuerdings eingeladen. Gegebenenfalls, meinte er, könnte ich mich <choice><choice><sic>jo</sic><corr>ja?</corr></choice></choice> von<lb/>
den Wahlkampfstrapazen in Tunis erholen. Dies habe ich allerdings gleich<lb/>
abgelehnt und festgehalten, daß die nächste Gemischte Kommission sowieso<lb/>
in Tunis stattfinden wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_06">In der soz. Fraktion der LUGA wurde über die politische Situation einge<lb break="no"/>hend diskutiert und insbesondere über die Aufgaben im derzeitigen Wahl<lb break="no"/>kampf. Ich habe auch in unserer Organisation das Gefühl, daß man sich<lb/>
über die Bedeutung der Wahl schon klar ist, manche sprechen ja von<lb/>
Schicksalswahl, ob man allerdings den dafür notwendigen unbedingten<lb/>
großen und starken Einsatz in den Ländern, in den Betrieben durchführt,<lb/>
bin ich nicht ganz überzeugt. Ich glaube, daß noch immer überall die<lb/>
Überlegung vorherrscht, der <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wirds schon richten. Die Jüngeren<lb/>
glauben noch immer, daß es zweckmäßiger gewesen wäre, schon in der Ver<lb break="no"/>gangenheit sich viel mehr um die grünen Protestwähler zu kümmern, diese<lb/>
wurden nur durch das unzweckmäßige Verhalten abgestoßen. Hier sehe ich,<lb/>
ohne daß man dies natürlich sagt und wahrscheinlich auch gar nicht<lb/>
denkt, indirekt auch eine Kritik an meiner auch vielleicht zu sturen<lb/>
Haltung in all den Fragen des Umweltschutzes meinerseits.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_07">In der Gesamtvorstandssitzung gab ich dann einen wirtschaftlichen und<lb/>
sozialpolitischen Überblick, auch daran hat sich dann eine Diskussion<lb/>
angeschlossen. Insbesondere hoffen die einzelnen Gruppen, daß es nicht<lb/>
zuletzt auch durch die neuerlichen Preisanträge für Milch und Getreide<lb/>
möglich sein wird, den Jahresrhythmus auch der Löhne zu erreichen. Bei<lb/>
Getreide wird dies keine Schwierigkeit machen, bei Milch, wo ja schon<lb/>
18 1/2 Monate Laufzeiten gewesen sind, wird der Jahresrhythmus wesentlich<lb/>
schwerer zu erreichen sein. Die Arbeitszeitverkürzung wird in unserer<lb/>
Gewerkschaft einstimmig gewünscht und verlangt, die christlichen Ge<lb break="no"/>werkschafter sind ja, wie ich immer wiederhole, durch den Ausspruch Kardi<lb break="no"/>nal <rs type="person" ref="#per__109820">Königs</rs>, Brot und Arbeit teilen, entgegen der Meinung der ÖVP-Granden <add>[im Original mit Fragezeichen versehen, Anm.]</add><lb/>
<pb n="69-0326" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band69/69_1983-03-10_0326.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>von der Wirtschaftsseite eindeutig gebunden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_08">Unser Finanzreferent <rs type="person" ref="#per__120633">Balaz</rs> berichtet, daß wir jetzt für unser Urlauber<lb break="no"/>heim in Hartberg pro Jahr nicht mehr 500.000 S Subvention geben müssen,<lb/>
sondern jetzt für das laufende Jahr bereits auf 700.000 S erhöhen<lb/>
müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_09">Der Vorsitzende unseres Verhandlungskomitees über den Rahmenkollektiv<lb break="no"/>vertrag, BRO <rs type="person" ref="#per__1138711">Werner</rs> von der Unilever, berichtete über die 10 <add>[oder "zähen"? Anm.]</add> Verhandlungen,<lb/>
die seit dem Jahr 1981 über die Änderung des Rahmenkollektivvertrages ge<lb break="no"/>führt wurden. Die Unternehmerseite spart Urlaubsregelung und Arbeitszeit<lb break="no"/>verkürzung automatisch aus und auch für die anderen Punkte ist sie<lb/>
nicht bereit nennenswerte Zugeständnisse zu machen. Die Kollegen nahmen<lb/>
diesen Bericht mit Betrübnis, teilweise mit Mißfallen zur Kenntnis. Ich<lb/>
versuchte ihnen klarzumachen, daß in der jetzigen Wirtschaftssituation<lb/>
das Verhandlungskomitee Gigantisches geleistet hat, um überhaupt irgend<lb break="no"/>welche Fortschritte zu erzielen; als ich seinerzeit von Jahrzehnten<lb/>
die Idee des gemeinsamen Rahmenkollektivvertrages für die Nahrungs- und<lb/>
Genußmittelindustrie geboren hatte und die ersten Verhandlungen geführt<lb/>
hatte, war es ja für das damalige Verhandlungskomitee wesentlich leichter.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_10">Eine lange und harte Auseinandersetzung gab es dann nur bei den Länder<lb break="no"/>berichten wegen der Schließung der Brauerei Sorgendorf in Kärnten. Die<lb/>
steirischen Delegierten, unser Landesobmann <rs type="person" ref="#per__1138712">Pichler</rs>, der gleichzeitig auch<lb/>
ZBRO der Steirer Brau ist, fühlte sich wegen des Protokolls der letzten<lb/>
Zentralvorstandssitzung, wo das Verhalten der Betriebsräte im Aufsichts<lb break="no"/>rat der Steirer Brau kritisiert wurde, desavouiert. Er protestierte hef<lb break="no"/>tigst dagegen und auch der Landessekretär der Steiermark <rs type="person" ref="#per__118225">Dragosits</rs>, daß<lb/>
man in der Zentralvorstandssitzung nicht sozusagen ihre Seite gehört<lb/>
hat. <rs type="person" ref="#per__1138712">Pichler</rs> ist ja Mitglied des Zentralvorstandes, hat aber an dieser<lb/>
Sitzung nicht teilgenommen. Die Kärntner Delegierten, insbesondere der<lb/>
Landessekretär <rs type="person" ref="#per__127178">Reindl</rs>, und vor allem der BRO von Sorgendorf, <rs type="person" ref="#per__1138660">Winkl</rs>, sowie<lb/>
auch der Landesobmann von Kärnten schilderten ihre schwierige Situation,<lb/>
wenn es zur Schließung dieses Betriebes käme. Unser Getränkesekretär<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126872">Macho</rs> analysierte die vorliegenden, allerdings unzulänglichen Ziffern.<lb/>
Die Direktion hat dem Betriebsrat in 5 Zeilen mitgeteilt, der Betrieb<lb/>
wird am 31. März geschlossen, die Brau-Industrie an und für sich hat<lb/>
aber schöne Erfolge, von 79 auf 82 ist der Umsatz um 15 % gestiegen,<lb/>
auch bei der Brauerei Sorgendorf wurde der Ausstoß von 74.000 hl auf<lb/>
80.500 hl erhöht. Die Brauerei hat einen Gewinn von 6 1/2 Mio. S, der<lb/>
allerdings geschätzt wird, da die Brauereidirektion nicht bereit ist<lb/>
konkrete Unterlagen herzugeben. Wenn natürlich die Steirer Brau diesen<lb/>
<pb n="69-0327" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band69/69_1983-03-10_0327.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Betrieb schließt und dann in Puntigam oder Gösser die 80.000 hl mit<lb/>
den dortigen Beschäftigten und der Überkapazität, die überall in den<lb/>
Brauereien herrscht, erzeugt, erspart sie sich den Lohn für die 34<lb/>
Beschäftigten in Sorgendorf und kann daher den dortigen Betriebsgewinn<lb/>
von 6 1/2 Mio. S leicht verfünffachen. Angeblich verlangt die Firma<lb/>
jetzt vom Land eine Subvention von 40 Mio. S und nicht mehr die Schließung,<lb/>
wohl aber die Kündigung von 9 Beschäftigten. Der Betriebsrat wäre höch<lb break="no"/>stens bereit einer Kündigung von 6 Beschäftigten zuzustimmen, 2 Per<lb break="no"/>sonen scheiden aus natürlichem Abgang aus, die Subvention aber müßte<lb/>
für die nächsten 4 Jahre höchstens 12 Mio. betragen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_11">Den Vorsitz in dieser Gesamtvorstandssitzung führte so wie auch in den<lb/>
Zentralvorstandssitzungen Koll. <rs type="person" ref="#per__116992">Simperl</rs>, BRO der Coca-Cola-Firma. Da<lb/>
ich die Absicht habe diesen Stellvertreter systematisch aufzubauen und<lb/>
die Kolleginnen und Kollegen sozusagen an ihn zu gewöhnen, mische ich<lb/>
mich in die Geschäftsführung überhaupt nie ein, hier aber mußte ich dann<lb/>
zusammenfassen, daß die Kritik des Zentralvorstandes richtig war, Be<lb break="no"/>triebsräte müssen, wenn sie in Aufsichtsräten sitzen und nicht ihr unmittel<lb break="no"/>bar betroffener Betrieb zur Sprache kommt, schon um eine bessere Ausgangs<lb break="no"/>basis bei den Verhandlungen zu haben, gegen Schließungen automatisch<lb/>
dagegenstimmen und sich nicht, wie dies bei der Aufsichtsratssitzung der<lb/>
Brau AG geschehen ist, der Stimme enthalten. Außerdem stellte ich fest,<lb/>
daß eine bessere Kommunikation zwischen den Landessekretären von uns er<lb break="no"/>wartet wird, telefoniert wird ununterbrochen, daher muß man auch in einer<lb/>
solchen Situation ständig den anderen Kollegen, der davon betroffen<lb/>
ist, und den anderen Sekretär verständigen. Im übrigen ist aber eine<lb/>
solche Angelegenheit gar nicht das alleinige Problem eines Landessekre<lb break="no"/>tärs, sondern da muß unter allen Umständen der Fachgruppensekretär, ge<lb break="no"/>gebenenfalls sogar der Zentralsekretär oder ich als Obmann eingeschaltet<lb/>
werden. Diese Zusammenfassung wurde dann letzten Endes von allen akzep<lb break="no"/>tiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_12">Bei den Gruppenberichten war vielleicht für mich noch besonders interes<lb break="no"/>sant daß unsere Jugendvertreter die Sicherung der Lehrplätze durch<lb/>
Prämien für die Lehrherren negativ beurteilen. Ihrer Meinung nach müßte<lb/>
nicht vom Staat eine Subvention 1.000 pro Monat z.B. gezahlt werden,<lb/>
wozu auch noch gewisse Länder wie z.B. Wien eine zusätzliche Prämie<lb/>
geben, sondern es müßte ihr alter Wunsch, ein Lehrlingsfonds, durch Abgabe<lb/>
aller Unternehmer und daraus zu bezahlende Subvention der Lehrlingsstel<lb break="no"/>lenhalter geschaffen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_13">Der Salinenvertreter BRO <rs type="person" ref="#per__146314">Gamsjäger</rs> aus dem Salzkammergut berichtete<lb/>
<pb n="69-0328" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band69/69_1983-03-10_0328.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>erschüttert, daß die Sudhütte in Aussee stillgelegt werden muß. Die<lb/>
Kollegen werden in den Bergbau überstellt, da ja die Salinenarbeiter<lb/>
fast ein pragmatisches Dienstverhältnis haben. Nur bei Betriebsschlie<lb break="no"/>ßungen könnten sie theoretisch auch gekündigt werden, die Salinenverwal<lb break="no"/>tung macht dies aber nicht, sondern bringt immer wieder die Beschäftig<lb break="no"/>ten irgendwo unter. Von dieser Überstellung sind 25 Arbeiter und 8<lb/>
Angestellte betroffen. Die Bergarbeiter haben nun aber bei dieser Über<lb break="no"/>stellung festgestellt, daß in den Sudbetrieben um ein paar Schilling<lb/>
höhere Stundenlöhne bezahlt werden. Obwohl sich auch der Betriebsrat<lb/>
des Bergbaubetriebes dann für diese Überstellung einsetzte, haben die<lb/>
Bergarbeiter erklärt, die Sudhüttenarbeiter müßten auf ihr Lohnniveau<lb/>
zurückgeführt werden. Ein solches Verhalten ist wirklich einmalig, nor<lb break="no"/>malerweise gönnt ein Arbeiter dem anderen, wenn er einen höheren Verdienst<lb/>
hat, diesen und versucht bei Lohnverhandlungen dann ebenfalls einen<lb/>
solchen höheren Lohn zu erreichen. Die Arbeiter haben aber beschlossen,<lb/>
dies nicht zu akzeptieren, als Ausweg hätten sie sich vorgestellt, könnte<lb/>
man ja den zu Überstellenden einen größeren Abfertigungsbetrag geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_14">Die Bäckereiarbeiter hoffen, daß der jetzt fällige Semmelpreise von<lb/>
der Paritätischen Kommission nicht wieder genehmigt wird, sondern bei<lb/>
Festlegung der neuen Getreidepreise und der Korrektur des Brotpreises<lb/>
dann auch gleichzeitig der Semmelpreis durch die Paritätische Kommission<lb/>
genehmigt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__123301">VECSEI</rs>: Bitte Jour fixe AK, ÖGB setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_16">Beim Abschiedsempfang des japanischen Botschafters im Palais Pallavicini<lb/>
kamen und gingen irrsinnig viele anderer Diplomaten, aber auch Beamte. Ich<lb/>
habe ihm <choice><choice><sic>zwar</sic><corr>jedoch</corr></choice></choice> nur die Hand geschüttelt und bin sofort wieder weggelau<lb break="no"/>fen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_17">Die Wahlversammlung bei der Sektion 32, die unsere Sekretariatsangestellte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113121">Hilde Mauritz</rs> führt, war ich über den guten Besuch sehr überrascht. Aller<lb break="no"/>dings stellte sich dann heraus, daß nach meinem Referat und einer Dis<lb break="no"/>kussion, die sich ausschließlich über die Frage, warum <rs type="person" ref="#per__111409">Cap</rs> nicht besser<lb/>
placiert bei den Nationalratslisten wurde, da er nach Meinung eines Ge<lb break="no"/>nossen sehr wohl viele Jugendliche und Grüne zur Stimmabgabe für die<lb/>
SPÖ veranlassen könnte, nur die Frage des einheitlichen Elektrizitäts<lb break="no"/>preises in Österreich. Der Genosse meinte, er hätte vor längerer Zeit<lb/>
schon mit mir ausführlich darüber telefonisch gesprochen. Jetzt aber<lb/>
glaubt er, müßte doch eine andere Situation sein, nachdem Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs><lb/>
erklärt hat, der Handelsminister könne dies doch sofort aufgrund des<lb/>
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Bestätigung, wie unsere Funktionäre mit Äußerungen vorsichtig sein sollen,<lb/>
bei den Mitgliedern wird angenommen, daß es dann nur mehr der Wille,<lb/>
besser gesagt, die einfache Entscheidung des Handelsministers wäre und<lb/>
schon könnten wir einen einheitlichen Strompreis, an dem natürlich Ost<lb break="no"/>österreich besonders interessiert wäre, dekretieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_18">Nach meiner Versammlungsrede gab es dann einen gemütlichen Abend. Eine<lb/>
Harmonika und eine Gitarre sorgten dafür, die Sektionsleiterin erwartete,<lb/>
daß ich selbstverständlich mit meiner Mundharmonika mitspiele, was ich<lb/>
auch zum Gaudium aller Anwesenden tat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_19">Dr. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> von der Österreichischen Fremdenverkehrswerbung feierte seinen<lb/>
40. Geburtstag, fast würde ich sagen, wie es sich gehört, beim Heurigen.<lb/>
Die Geburtstagsrunde waren wirklich die Spitzen der österreichischen<lb/>
Fremdenverkehrswirtschaft. Überrascht war ich, auch <rs type="person" ref="#per__109961">Nimmerrichter</rs>, "Staberl",<lb/>
dort zu treffen. Diskutiert habe ich mit ihm aber nicht, weil ich es<lb/>
teils für sinnlos halte und teils bei ihm nicht den Eindruck erwecken<lb/>
möchte, jetzt vor den Wahlen sei ich an einer Aussprache mit ihm beson<lb break="no"/>ders interessiert. <rs type="person" ref="#per__109961">Staberl</rs> ist in meinen Augen immer destruktiv; wenn<lb/>
ich mit ihm früher einmal diskutiert habe, hat er stets 1000 Gründe ge<lb break="no"/>habt, warum er so schreiben muß, ein Artikel im Jahr, meistens zum<lb/>
Nationalfeiertag, ist einigermaßen positiv und auf den verweist er dann<lb/>
immer, wie sehr er sehr wohl staatserhaltend in der Kronen-Zeitung wirkt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_20">Die Brüder Blaguss, mit denen ich mich lange wegen des ungarischen<lb/>
Engagements unterhielt, teilten mir mit, sie seien die einzigen gewesen,<lb/>
die an die Ungarn ein Offert gerichtet haben, um eine ungarisch-österrei<lb break="no"/>chische Reiseorganisation in Budapest aufzubauen. Die ungarischen Be<lb break="no"/>dingungen sind aber bezüglich Einzahlung von österreichischem Schilling,<lb/>
sprich also freien Westdevisen, so hoch gewesen, daß man sich bis jetzt<lb/>
hat sich nicht einigen können. Ich habe <rs type="person" ref="#per__142452">Blaguss</rs> <add>[unklar, ob dieser oder Bruder gemeint, Anm.]</add> sofort zugesagt, daß<lb/>
ich bereit wäre, wenn es für ihre Verhandlungen zweckmäßig ist, ein<lb/>
Schreiben an Vizeministerpräsidenten <rs type="person" ref="#per__134126">Marjai</rs> oder gegebenenfalls an ir<lb break="no"/>gend einen anderen Minister zu richten. Blaguss werden sich dies über<lb break="no"/>legen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-10_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Was weiß unser Haus über dieses konkrete Gespräch?<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Macho, Erwin</persName>
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               <occupation>Sekr. Brauereiarbeiter</occupation>
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               <persName type="label">Marjai, József</persName>
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               <occupation>ung. stv. Ministerpräsident</occupation>
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               <persName type="label">Dragosits, Karl</persName>
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               <occupation>Gewerkschaftssekr.</occupation>
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               <persName type="label">Simperl, Leopold</persName>
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               <occupation>BRO Coca Cola, stv. LUGA-Obmann</occupation>
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               <persName type="label">König, Franz</persName>
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               <occupation>Kardinal</occupation>
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               <persName type="label">Reindl, A</persName>
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               <occupation>LUGA-Landessekr. Ktn.; Falschschreibung?</occupation>
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               <persName type="label">Balaz, Paul</persName>
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               <occupation>Kassier LUGA</occupation>
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               <persName type="label">Haffner, Konrad</persName>
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               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName type="label">Vecsei, Paul</persName>
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               <occupation>Pressesprecher Staribachers</occupation>
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               <persName type="label">Zolles, Helmut</persName>
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               <occupation>Direktor ÖFVW</occupation>
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               <persName type="label">Mayr, Hans</persName>
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               <occupation>Wr. Wirtschafts- u. Finanzstadtrat</occupation>
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               <occupation>Sekretärin SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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