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            <title type="main">Mittwoch, der  9. März 1983</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band69_1983-03-09</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_01">Mittwoch, 9. März 1983<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_02">Bei der Eröffnungssitzung der Gemischten tunesisch-österreichischen<lb/>
Kommission erklärte Wirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__145305">Lasram</rs>, daß Tunesien jetzt in<lb/>
der Wirtschaftskrise überlegt, ja sogar gezwungen wird eine Änderung<lb/>
ihrer Wirtschaftsbeziehungen zu erwägen. Bis jetzt gab es eine liberale<lb/>
Außenhandelspolitik, eine freie Wechselkurspolitik, die zu einem großen<lb/>
Defizit gegenüber den Industriestaaten geführt hat. Andererseits aber<lb/>
haben sie gegenüber den Oststaaten eine aktive Zahlungsbilanz durch ihre<lb/>
Phosphatexporte, diese Überschüsse können sie aber nicht nützen. Sie<lb/>
erwarten von den Industriestaaten und damit auch von Österreich als<lb/>
Schwemmland <add>[?]</add>, daß jetzt die Kompensationsgeschäftsmöglichkeiten von diesen<lb/>
genützt werden. Sie brauchen eine Zahlungsbilanzverbesserung gegenüber<lb/>
den Industriestaaten durch Kredite, Beteiligungen und ganz besonders den<lb/>
Tourismus. Sie wollen und müssen ihre tunesischen Exporte erhöhen und<lb/>
vor allem diversifizieren. Für diese Politik haben Frankreich, Deutschland,<lb/>
Belgien, aber auch die DDR und Algerien Verständnis. Dasselbe erwarten<lb/>
sie jetzt auch von Österreich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_03">Ich erwiderte, daß ich für das große Ungleichgewicht im tunesisch-öster<lb break="no"/>reichischen Handel volles Verständnis habe. Die Importe aus Tunesien<lb/>
waren immer unbedeutend, um die 50 Mio. S, die Exporte waren seit Mitte<lb/>
der 70-er Jahre das 10fache. 1980 ist dann der Import angestiegen und<lb/>
hat 81 mit über 1 Mrd. S durch 120 Mio. ÖMV-Ölimporte und 840 Mio. Öl<lb break="no"/>importe über den Spotmarkt den Höhepunkt erreicht. 1982 ist bei einem<lb/>
starken Ansteigen der Exporte auf 670 Mio. S der Import durch den Ausfall<lb/>
jedweder Ölkäufe aus Tunesien auf 80 Mio. zurückgefallen. Österreich<lb/>
wird sich anstrengen müssen, wenn es seine Exporte aufrecht erhalten will,<lb/>
mehr Importmöglichkeiten zu suchen. Dies kann wahrscheinlich wirklich<lb/>
nur durch entsprechende ausgeglichene Kompensation erfolgen. In der 14-<lb/>
köpfigen Delegation befand sich auch GD <rs type="person" ref="#per__1138713">Kellil</rs>, der Phosphate verkaufen<lb/>
will und jetzt bereits diesbezügliche Kompensationsgespräche führt.<lb/>
Die von mir übergebene österreichische Projektliste, wo viele Firmen<lb/>
Großprojekte nach Tunesien liefern wollen, können sicherlich nur zustande<lb/>
kommen, wenn man den Tunesiern Möglichkeiten gibt auch ihre Zahlungsbilanz<lb/>
zu verbessern. Dazu könnten die Tourismuseinnahmen beitragen. In den<lb/>
letzten Jahren sind immer mehr Österreicher nach Tunesien gefahren, 79<lb/>
28.600 mit 245.000 Übernachtungen, 80 35.700 mit 281.000 Übernachtungen,<lb/>
81 40.000 Österreicher mit 366.000 Übernachtungen. Im vergangenen Jahr<lb/>
gab es einen Rückschlag, nur 32.000 Österreicher sind nach Tunesien gefahren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_04"><rs type="person" ref="#per__145305">Lasram</rs> führte diesen Rückgang auf Transportprobleme zurück. Er beschwerte<lb/>
sich bitter, daß während andere Staaten wie Deutschland, GB, Frankreich<lb/>
froh sind, wenn die Tour-Operators, also die Reisebüroarrangementverkäufer,<lb/>
billiger anbieten Österreich sich dagegen wehrt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_05">Bei dieser Frage handelt es sich, ohne daß es in der Sitzung besprochen<lb/>
wurde, um die Aufteilung der Transportmenge zwischen Tunesien und Öster<lb break="no"/>reich zwischen der Tunis Air und der AUA. Tunis Air unterbietet mit<lb/>
Charterflügen und sonstigen Ermäßigungen die Flugpreise, die Tour-Operators<lb/>
sind natürlich daran interessiert und AUA wird damit gedumpt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_06"><rs type="person" ref="#per__145305">Lasram</rs> und ich hatten vorher schon vereinbart, daß wir in der Arbeits<lb break="no"/>gruppe Landwirtschaft und vor allem in der Arbeitsgruppe Transport und<lb/>
Fremdenverkehr die Probleme der Luftfahrtsabkommen besprechen wollen,<lb/>
die dritte Arbeitsgruppe sollte über finanzielle und technische Koopera<lb break="no"/>tion, sprich Entwicklungshilfe im BKA, verhandelt werden. Da ich zur Messe<lb break="no"/>eröffnung fahren wollte, wurde nach diesen grundsätzlichen Erklärungen<lb/>
die Sitzung zur beabsichtigten Arbeitsgruppenbesprechung bis morgen<lb/>
unterbrochen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_07">Bei der Messeeröffnung begrüßte Präs. <rs type="person" ref="#per__115655">Mautner Markhof</rs> <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> er verwies auf<lb/>
die Messen in der Messe Bauen und Heizen, Wiener Interieur, Zweirad 83<lb/>
usw.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_08">BK-Präsident <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> analysierte die Wirtschaftssituation und griff<lb/>
dann die Regierung frontal an, die Wirtschaftspolitik wird von der Re<lb break="no"/>gierung wenig unterstützt, immer wieder gibt es neue Belastungen wie<lb/>
die Quellensteuer, den 13. und 14. Monatsgehalt, Überstundenverbot oder<lb/>
Versteuerung, Arbeitszeitverkürzung, viel zu wenig für Forschung und<lb/>
Entwicklung usw.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_09">Bgm. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> meinte der guten Tradition entsprechend und vor allem, damit<lb/>
die Gegensätze nicht doch vielleicht so aneinanderprallen, sei er immer<lb/>
zwischen den Kammerpräsidenten und mir eingeschoben. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> machte darauf<lb/>
aufmerksam, daß er, aber auch der LH <rs type="person" ref="#per__97703">Ludwig</rs> von Niederösterreich gerade<lb/>
vorher darüber gesprochen hätten, daß sie sich als Region dagegen wehren<lb/>
Arbeitsplätze nach anderen Regionen, insbesondere nach den Westen, zu<lb/>
verlegen; ohne daß <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> es ausgesprochen hat, bezog er sich hier auf den<lb/>
Wunsch die Zentralstellen wie z.B. die VEW eben aus Wien abzuziehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_10">Ich habe dann, wie ich zugebe und wie es meine Art ist, sehr schnell, um<lb/>
alles zu sagen, maschinengewehrartig <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> erwidert: Der OECD-Bericht,<lb/>
<pb n="69-0319" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band69/69_1983-03-09_0319.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>der jetzt vorliegt, zeigt genau das Gegenteil, was er hier kritisiert hat.<lb/>
Die österreichische Wirtschaft ist in den letzten Jahren <add>[um]</add> 2,6 %, OECD<lb/>
Durchschnitt nur 1,9 % gewachsen, im letzten Jahr immerhin noch 1/2 %,<lb/>
die OECD bereits -1/2 %. Die Arbeitslosigkeit ist um 3 1/2 % geringer<lb/>
als im OECD-Durchschnitt. Die Inflationsrate liegt um 6 %-Punkte niedri<lb break="no"/>ger als im OECD-Raum, das Defizit der öffentlichen Hand ist mit 2,25 %<lb/>
des Bruttoinlandsproduktes geringer als im Durchschnitt der westeuropä<lb break="no"/>ischen Industrieländer mit 1,4 %. Die Leistungsbilanz ist mit 8 Mrd.<lb/>
positiv und bei anderen wesentlich schlechter.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_11">Durch die Entkoppelung des Energieverbrauches vom Bruttoinlandsprodukt,<lb/>
1981 0,1 % Bruttoinlandsproduktzuwachs, Energieverbrauch um 5,2 % ge<lb break="no"/>ringer, 1982 ein Bruttoinlandsprodukt<add>[zuwachs]</add> von 1 %, eine Energieersparnis von<lb/>
-4,2 %. Die <choice><choice><sic>Bruttoinlandsproduktion</sic><corr>Zunahme des Bruttoinlandsproduktes</corr></choice></choice> von 1 % war in diesem Fall falsch,<lb/>
sie beträgt nur 1/2 %, doch niemand hat durch mein maschinengewehrartiges<lb/>
Reden dies sicherlich beachtet. Verteidigungsminister <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> meinte<lb/>
nämlich nachher zu mir, es wäre so schön, wenn ich nur halbwegs langsamer<lb/>
sprechen würde, damit man alles besser mitdenken und auch überlegen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_12">Bezüglich der vorgeschlagenen Quellensteuerbelastung und vor allem des<lb/>
13. und 14. Monatsbezuges meinte ich, daß die Handelskammer, als diese<lb/>
Steuerermäßigung 73 eingeführt wurde, heftigst gegen diese Bevorzugung<lb/>
von Unselbständigen gegenüber den Selbständigen durch günstigere Steuer<lb break="no"/>sätze protestiert<add>[e]</add> <del>wurde</del>. Für Forschung und Entwicklung hatte mir <rs type="person" ref="#per__97442">Firn<lb break="no"/>berg</rs>, und ich habe sie namentlich daher auch erwähnt, zur Kritik von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> gesagt, daß 5,6 Mrd. S heuer von der öffentlichen Hand dafür<lb/>
aufgewendet werden. Bezüglich der Arbeitszeitdiskussion verwies ich<lb/>
nur darauf, daß jetzt die katholische Kirche sich aus sozialpolitischen<lb/>
Gründen, über die wirtschaftspolitische Frage könne man ja jederzeit<lb/>
diskutieren, durch ihren Slogan "Brot und Arbeit teilen" eindeutig fest<lb break="no"/>gelegt hat. Ich erklärte zuletzt, ich hoffe, daß der Silberstreifen am<lb/>
Horizont, den ja auch in der Analyse <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> gesehen hat, sich durch<lb/>
bessere Orders in den Orderbüchern der Aussteller niederschlägt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_13">Bundespräsident <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> verwies auch bei der Messe jetzt, daß es<lb/>
möglich war am letzten Parlamentstag einträchtig, wenn auch mit verschie<lb break="no"/>denen Motivationen, der Auflösung des Parlaments 1933 zu gedenken. Ach<lb/>
die Diskussion der Sozialpartner und letzten Endes die Zusammenarbeit<lb/>
dieser dokumentiert, daß die österreichische Demokratie gefestigt ist.<lb/>
Auch die Diskussion hier bei der Messeeröffnung zeigt diese Tendenz.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_14">Beim Messerundgang besucht Präs. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> immer zuerst die Handels<lb break="no"/>kammer. Interessant für mich war nur, daß die Messedirektoren scheinbar<lb/>
jeder ein anderes Programm hatten, die Handelskammer hat diesmal <add>[mit]</add><lb/>
300 Jahre Kaffeehaus auf die Geschichte des Kaffeehauses verwiesen.<lb/>
Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs>, die ja für den Kaffeehausbesuch immer sehr viel<lb/>
übrig hat, war von der Ausstellung entzückt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_15">Bei der Eröffnung der Leistungsschau der Landwirtschaft im Landwirtschafts<lb break="no"/>kammerpavillon, diesmal auf Milch bezogen, hatte Präs. <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> eine<lb/>
sehr lange Ansprache gehalten und auch Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>,<lb/>
der selbstverständlich darauf antworten muß, natürlich auch länger ge<lb break="no"/>antwortet, als dies bei Messeeröffnungen, zumindestens bei uns einer<lb/>
offiziellen Messeeröffnung üblich ist. Die beiden brauchten die selbe<lb/>
Zeit wie bei der Messeeröffnung 5 Redner beanspruchten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_16">Beim AK-Pavillon, wo ich selbstverständlich vorüberging, habe ich dann<lb/>
wieder Bgm. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> getroffen, der ein dort ausgestelltes Modell der Donau<lb break="no"/>insel sehr bewunderte. Auch ich muß gestehen, daß der Ausbau des Hoch<lb break="no"/>wasserschutzes der Donau nicht nur für die Donauinsel, sondern auch für<lb/>
das rechte Donauufer, wo ebenfalls eine neue große Parkanlage entstehen<lb/>
wird, beachtlich ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_17">Wirklich beeindruckend aber war nur die Gestaltung einer großen Halle<lb/>
durch die österreichischen Möbelaussteller, dort wurde erstmals in auf<lb break="no"/>gelockerter Weise von einigen Möbelfirmen, die sich zusammengeschlossen<lb/>
haben und einen Architekten damit beauftragt, eine neue Art der Präsenta<lb break="no"/>tion gewählt, die international sicherlich auch beachtlich ist. Dir.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1137572">Hoffmann</rs> von der Messe AG meinte, obwohl diese Aussteller keine Flächen-<lb/>
m²-Ermäßigungen bekommen haben, hätten sie sich zu dieser lockeren und<lb/>
beachtlichen Präsentation ihrer Möbel entschlossen. In anderen Hallen<lb/>
haben nämlich alle Möbelaussteller das Prinzip womöglich in geschlosse<lb break="no"/>nem Kojensystem sich nach außenhin abzusondern. <rs type="person" ref="#per__1137572">Hoffmann</rs> hofft, daß es<lb/>
der Messeleitung gelingen wird, in Hinkunft auch andere Aussteller zu<lb/>
dieser neuen Art der Ausstellungspräsentation zu gewinnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__123301">VECSEI</rs>: Recherchiere, ob tatsächlich die vollen Flächen<lb break="no"/>zinse bezahlt werden mußten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_19">Im Freigelände ist <choice><choice><sic>der</sic><corr>durch den</corr></choice></choice> Ausfall der Baumaschinenmesse in der Messe ein<lb/>
riesiges Loch entstanden, das nur mühsamst verdeckt werden konnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_20">Der Besuch am ersten Tag war zumindestens, solange ich unten war, kata<lb break="no"/><pb n="69-0321" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band69/69_1983-03-09_0321.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>strophal schlecht. Ich bin sehr gespannt, wie die Wiener Messe im Ganzen<lb/>
besucht wird. Auf den Schaubesucher kommt es allerdings dem Unternehmer<lb/>
weniger an, entscheidend ist, ob bessere Aufträge erteilt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__123301">VECSEI</rs>: Bitte versuche einen objektiven Abschlußbericht<lb/>
dann zu bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_22">Zum offiziellen Essen der Handelskammer für die tunesische Delegation<lb/>
kam ich gerade zu den Reden zu Recht. <rs type="person" ref="#per__145305">Lasram</rs> bemerkte dort, daß in der<lb/>
Vergangenheit die Tunesier geglaubt haben, <add>[die]</add> mit Hilfe der EG <del>die</del> errich<lb break="no"/>tete Textilindustrie würde ihnen die Möglichkeit geben von einem<lb/>
Schwellenland in ein Industrieland sich zu verwandeln. Die bisherigen<lb/>
Gemüseexporte müssen sie jetzt einstellen, weil sie sie selbst brauchen.<lb/>
Die Teppichexporte sind auch jetzt in einem harten Konkurrenzkampf. Die<lb/>
Düngemittelproduktion, auf ihren Phosphatlagern aufbauend, müßte weiter<lb/>
entwickelt werden und hier müßten die europäischen Industriestaaten eben<lb/>
von ihnen mehr kaufen. Tunesien erwartet auch von der österreichischen<lb/>
Handelskammer entsprechende Unterstützung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_23">Mit Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__97938">Seidl</rs> von der Handelskammer habe ich dann auch gleich<lb/>
das Problem der Finanzierung der Quantex-Studie besprochen. Dieser<lb/>
meinte, er sei zufrieden, wenn das Handelsministerium wenigstens die Hälfte<lb/>
seiner bisherigen Subventionen geben würde. Dies habe ich sofort zuge<lb break="no"/>sagt, er wird sich bemühen, daß die Gesamtfinanzierung jetzt doch, sei<lb/>
es durch die Bundeshandelskammer oder sei es auch durch Fachverbände,<lb/>
von denen er zugegeben hat, daß sie, wie <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> behauptet, tatsächlich<lb/>
große finanzielle Reserven haben, gesichert wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_24">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte der Abteilung mitteilen, daß wir die Hälfte<lb/>
der bisherigen Subvention weiter leisten werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_25">Bei der Messe kommt immer eine Delegation von Friaul-Julisch Venetien,<lb/>
diesmal war sie unter der Leitung des Präs. der Handelskammer von Görz,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1138714">Lupieri</rs>. Er berichtete über den Ausbau der Hafenanlage in Monfalcone,<lb/>
dort sollen jetzt 30.000 m² erschlossen werden, früher war die Absicht<lb/>
dies für einen Industriehafenausbau zu verwenden, jetzt wird immer mehr<lb/>
an einen Durchgangshafen gedacht. Durch neuerlich Hilfe für das Erd<lb break="no"/>bebengebiet, 3.000 Mrd. Lire, also 36 Mrd. S, werden von Rom dafür zur Ver<lb break="no"/>fügung gestellt, 10 % dieser Summe soll zum Ausbau der Häfen Triest,<lb/>
Monfalcone usw. dienen. Ich erklärte der Delegation neuerdings, daß<lb/>
Österreich an einem Ausbau der Mittelmeerhäfen sehr interessiert ist,<lb/>
daß aber weder die österreichische Bundesregierung noch private Firmen<lb/>
<pb n="69-0322" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band69/69_1983-03-09_0322.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sich finanziell daran beteiligen werden. Interessant war auch noch zu<lb/>
erfahren, daß jetzt ein zweites großes Kohlekraftwerk in der Gegend er<lb break="no"/>richtet werden soll, das erste steht in Monfalcone, daß aber keine<lb/>
Mittelmeergemeinde dies aus Umweltschutzgründen haben möchte. Allerdings<lb/>
ist man sich vollkommen klar darüber, daß letzten Endes die Zentralre<lb break="no"/>gierung in Rom endgültig entscheiden wird, wo dieses Kraftwerk errichtet<lb/>
werden muß, weil der Strom dringendst gebraucht wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_26">Auf der Landstraße im AEZ gab es wieder eine Passagendiskussion, diesmal<lb/>
war von der Landesregierung Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> mit von der Partie; da ich aber<lb/>
auf der Landstraße durch meine jahrzehntelangen Diskussionen bestens<lb/>
bekannt bin, gab es dort sofort eine wesentlich heißere Eisen Diskussion<lb/>
eben über die Privilegien der Politiker, wie üblich sehr scharf, aber<lb/>
letzten Endes habe ich das Gefühl, doch sehr fair geführt. Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs><lb/>
hatte gerade 2 oder 3 Fragen kurz zu beantworten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band69_1983-03-09_27">Ich hatte NR <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs>, als seine Frau tot aufgefunden wurde, versprochen<lb/>
für ihn in parteipolitischen Veranstaltungen einzuspringen. Er ersuchte<lb/>
mich, ich sollte dies für seine Podiumsdiskussion an der Wirtschafts<lb break="no"/>universität über "Was kosten uns die Grünen" tun. Diese Diskussion war<lb/>
für mich sehr interessant und lehrreich. Organisiert wurde sie von der<lb/>
Zeitung "Die Presse", die Alternativen schickten <rs type="person" ref="#per__1138715">Kitzmüller</rs> aus Graz, die<lb/>
Grünen beabsichtigten den Univ.Dozent <rs type="person" ref="#per__1138716">Romig</rs> von der ÖVP, der bei ihnen<lb/>
kandidieren wird, zu entsenden. Zu meiner größten Verwunderung und Ent<lb break="no"/>setzen hat <rs type="person" ref="#per__1138716">Romig</rs> dann in einem Fernschreiben an die Presse festgehalten,<lb/>
er könne durch die Umbesetzung von <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> durch mich an dieser Dis<lb break="no"/>kussion nicht teilnehmen. Ich sei OB und gleichzeitig Oberste Preisbe<lb break="no"/>hörde, er achtet meine Loyalität zwar, aber kann seiner Firma nicht antun<lb/>
mit mir darüber, was die Grünen kosten, zu diskutieren. Die ÖVP sandte<lb/>
Stadtrat <rs type="person" ref="#per__121809">Mauthe</rs> und Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__118736">Schüssel</rs>, von der SPÖ-Seite sozusagen der<lb/>
Denker des Gewerkschaftsbundes, wie ihn die Diskussionsteilnehmer nannten,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> und mich. <rs type="person" ref="#per__1138715">Kitzmüller</rs> hielt sein Einleitungsreferat, indem er<lb/>
natürlich die etablierten Parteien hart attackierte. Ich war als zweiter<lb/>
Redner eingeteilt und erklärte sofort, daß ich über dieses Telegramm<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__1138716">Romig</rs> erschüttert bin. Jedermann, der mich kennt, weiß, daß ich jede<lb/>
Diskussion mit jedem Diskutanten führe, daß ich gegenteilige Meinungen<lb/>
achte und niemals deshalb jemand auch nur ein Unbill dagegen angetan<lb/>
habe. Ich erklärte daher auch hier, daß ich für jede gegenteilige Meinung<lb/>
dankbar bin, Kritik wünsche und daß ich in meiner Jugend schon bewiesen<lb/>
haben, für die freie Meinungsäußerung und die Demokratie zu kämpfen.<lb/>
Wenn ich auch nicht der Meinung eines anderen Diskutanten bin, würde ich<lb/>
alles daran setzen, damit er diese Meinung äußern darf und kann. Ansonsten<lb/>
<pb n="69-0323" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band69/69_1983-03-09_0323.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>erklärte ich sofort, ich will nicht polemisieren, ich will nur Fakten mit<lb break="no"/>teilen. <rs type="person" ref="#per__1138715">Kitzmüller</rs> hatte nämlich über Pöls und über die E-Werke un<lb break="no"/>richtige Fakten behauptet. Außer <rs type="person" ref="#per__118736">Schüssel</rs>, der sich auch sehr geschickt<lb/>
verhielt, hat der Vertreter der Bürgerinitiativen, <rs type="person" ref="#per__1138717">Höchtl</rs>, natürlich pole<lb break="no"/>misiert, am stärksten aber Stadtrat <rs type="person" ref="#per__121809">Mauthe</rs>, der mit <rs type="person" ref="#per__1138715">Kitzmüller</rs> so in die<lb/>
Haare geraten ist, daß das Auditorium mit Buh-Rufen gegen <rs type="person" ref="#per__121809">Mauthe</rs> aufge<lb break="no"/>treten ist. <rs type="person" ref="#per__121809">Mauthe</rs> behauptete sofort, er spricht nur für sich, hat aber<lb/>
das Glück, daß er jetzt in einer Partei, gemeint war natürlich die ÖVP,<lb/>
so eine gute und hohe Stellung einnimmt, daß seine Partei sich in die<lb break="no"/>sen Fragen nach ihm richtet resp. richten muß. Die ÖVP hofft mit dieser<lb/>
Art die Grünen für sich zugewinnen. Nach der Diskussion und den emotio<lb break="no"/>nellen Ausbrüchen des Auditoriums, der Audimax war bummvoll, kann ich nur<lb/>
sagen, daß ihr dies sicherlich nicht gelingen wird. Nach dieser Diskussion<lb/>
sagte ich zu <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, der auch sehr hart gegen das Auditorium polemisierte,<lb/>
daß ich nach dieser Aussprache mehr denn je überzeugt bin, daß entweder<lb/>
die Alternativen oder die Grünen sicherlich in den Gemeinderat, wahrschein<lb break="no"/>lich sogar in den Nationalrat einziehen werden. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> meinte, wenn der<lb/>
ÖGB jetzt endlich die Arbeiter stärker mobilisiert und motiviert zu<lb/>
den Wahlen zu gehen und sozialistisch zu wählen, besteht diese Gefahr<lb/>
nicht. Hier, glaube ich, irrt <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 9.3.1983</head>
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               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
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               <occupation>nö. ÖVP-LR, Präs. LWK NÖ</occupation>
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               <occupation>LH-Stv. bzw. LH NÖ, ÖVP</occupation>
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               <occupation>Außenminister, Bundespräsident</occupation>
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               <occupation>GD Lenzing AG, Vizepräs. HK, AR-Präs. OÖ. Ferngas</occupation>
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               <occupation>Wissenschaftsministerin</occupation>
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               <occupation>Dir. Bundesforste, später Sts., dann LWM</occupation>
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               <occupation>Leiter vw. Abt. ÖGB, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <occupation>Obmann Vereinigung "Made in Austria"</occupation>
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