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            <title type="main">Freitag, der 28. Jänner 1983 bis Sonntag, der 30. Jänner 1983</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band68_1983-01-28</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_01">Freitag, 28. Jänner, bis Sonntag, 30. Jänner 1983<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_02">Bei der Staatswappenverleihung für den kommunistischen Zeitungs- und<lb/>
Druckverlag Globus hatte ich vorerst Gelegenheit die Druckerei zu be<lb break="no"/>sichtigen. Die Rotationsmaschine ist uralt, darauf wurde, wie mir der<lb/>
Geschäftsführer sagte, schon eine Nazi-Zeitung gedruckt. Die Offsetanla<lb break="no"/>ge aber ist mit modernen Zwei-, Vier-, Sechsfarbenplanetamaschinen<lb/>
ausgestattet. Zur feierlichen Übergabe in dem großen Saal, in keiner<lb/>
Druckerei habe ich einen so großen Versammlungsraum je gesehen, waren<lb/>
auch Vertreter der Innung, selbstverständlich der Gewerkschaft erschienen.<lb/>
Die Pensionisten wurden zu diesem feierlichen Akt auch eingeladen. Dies<lb/>
war auch notwendig, denn ansonsten wäre dieser Riesensaal gar nicht<lb/>
zu füllen gewesen. Als man am Höchstädtplatz die neue Druckerei baute,<lb/>
hat man eben schon daran gedacht, daß man für die kommunistische Partei<lb/>
ein so großes Versammlungslokal auch brauchen wird. Ein Pensionist meinte<lb/>
zu mir, die Ungerechtigkeit gegenüber dem Globusverlag besteht darin, daß<lb/>
sie z.B. keinerlei Druckaufträge von Staat, AK, ÖGB usw. bekommen. Insbe<lb break="no"/>sondere wurde bekrittelt, daß sie noch kein einziges Schulbuch haben<lb/>
drucken können. Auch der Vorsitzende des Aufsichtsrates und gleichzeitig<lb/>
auch Vorsitzender der KPÖ, <rs type="person" ref="#per__127019">Muhri</rs>, hat bei seiner Dankansprache dann auf<lb/>
diese Ungerechtigkeit verwiesen. Ich habe beiden versprochen darüber mit<lb/>
Unterrichtsminister <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> zu reden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_03"><rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> war zu meiner freudigen Überraschung auch bei der von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
eingeladenen Runde der Wissenschaftler und Wirtschafter. Ich habe ihm<lb/>
den Wunsch von Globus sofort vorgetragen, <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> klärte mich darüber<lb/>
auf, daß nicht das Unterrichtsministerium die Schulbuchdruckaufträge ver<lb break="no"/>gibt, sondern ausschließlich die Verlage. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> ist aber einverstanden,<lb/>
wenn ich Globus darauf aufmerksam mache, wenn trotzdem jemand zu ihm<lb/>
kommen will, ist er damit einverstanden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__127019">Muhri</rs> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_05"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte zu dieser wirtschaftspolitischen Aussprache diesmal nicht<lb/>
nur allein Univ.-Professoren und Wirtschaftsforschungsleute, sondern<lb/>
von der Zeitschrift Profil den Chefredakteur <rs type="person" ref="#per__127760">Lingens</rs>, von Finanznach<lb break="no"/>richten Chefredakteur <rs type="person" ref="#per__115648">Horst Knapp</rs> und von der Kronen-Zeitung Wirtschafts<lb break="no"/>redakteur <rs type="person" ref="#per__114719">Wailand</rs> eingeladen, auch eine ganze Reihe von neuen Professoren,<lb/>
aus Klagenfurt den Philosophen <rs type="person" ref="#per__1138571">Heintel</rs>, aus Wien den Finanzwissenschaftler<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1138573">Winkler</rs> und auch vom Planseewerk den Dir. <rs type="person" ref="#per__1138572">Bildstein</rs>. Auch die EVA war<lb/>
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des WIFOs <rs type="person" ref="#per__114653">Schulmeister</rs>, <rs type="person" ref="#per__1138574">Walterskirchen</rs>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_06">Von der mir bekannten sozialistischen Seite, vielleicht waren auch an<lb break="no"/>dere Professoren, zumindestens Sympathisanten, von der Uni <rs type="person" ref="#per__117679">Frisch</rs>, NR<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114139">Nowotny</rs>, <rs type="person" ref="#per__115683">Matzner</rs>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_08">Von der Regierungsseite waren neben <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs>, der allerdings nur den<lb/>
ersten Tag dabei war, <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> und ich, am zweiten Tag dann <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs>,<lb/>
der als Hausherr auch den Bundeskanzler besonders begrüßte. Staatsse<lb break="no"/>kretär <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> vertrat das Finanzministerium. <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> war sicherlich<lb/>
irgendwo unabkömmlich. Einige sagten mir allerdings, daß es für sie un<lb break="no"/>verständlich ist, daß <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> bei dieser so wichtigen Aussprache nicht<lb/>
dabei ist. Die AK, <rs type="person" ref="#per__114467">Wehsely</rs> und <rs type="person" ref="#per__131048">Chaloupek</rs>, ÖGB, <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, <rs type="person" ref="#per__97627">Heinz Kienzl</rs> und,<lb/>
wenn man so will, auch als Nationalbank-<choice><choice><sic>GD</sic><corr>Dir.</corr></choice></choice> daneben dann noch <rs type="person" ref="#per__97676">Tommy Lachs</rs>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_09">Wenn ich eine neue und andere Gruppierung machten sollte, so müßte ich<lb/>
sagen, daß, als die beiden Optimisten vom Dienst, Hofrat <rs type="person" ref="#per__126867">Kausel</rs>, Statisti<lb break="no"/>sches Zentralamt, und auch ich dort das Wort ergriffen haben, tnteressan<lb break="no"/>terweise <del>hat</del> dann auch in der Zusammenfassung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sich sozusagen als<lb/>
dritter im Bunde diesem Optimismus angeschlossen <add>[hat]</add>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_10">Einleitend stellte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fest, daß die österreichische wissenschaft<lb break="no"/>liche Ausbildung schon zu seiner Zeit sehr mangelhaft war, auf der Uni<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1138575">Spann</rs>, <rs type="person" ref="#per__141696">Mayer</rs>, <rs type="person" ref="#per__1138576">Degenfeld</rs> waren seine schlechten Ökonomielehrer. Erst als<lb/>
er nach Schweden emigrierte, hat er dort mit der modernen Nationalökono<lb break="no"/>mie Kontakt bekommen. Diese wurde dann auch von der sozialistischen<lb/>
schwedischen Regierung übernommen. Die Österreicher haben ein ähnliches<lb/>
intellektuelles Potential, das diesen ebenbürtig ist. Indirekt konnte man<lb/>
daraus hören, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eben die Versammelten als eine solche Brain-<lb/>
Trust-Gruppe für die österreichische Regierung wünscht und als heutiges<lb/>
Thema notwendig wäre die Dämme gegen die Krise wissenschaftlich sozusa<lb break="no"/>gen zu untermauern. Er erwähnte auch <rs type="person" ref="#per__117674">Ostleitner</rs>, der übrigens Ostleiter<lb/>
auch eingeladen war, für Klub oder sein Berater ist in dem Falle egal,<lb/>
der bei einer internationalen sozialistischen Konferenz erklärt hat,<lb/>
Austrokeynesianismus gäbe es jetzt, wobei sich allerdings dieser zu <rs type="person" ref="#per__114461">Keynes</rs><lb/>
so verhält wie seinerzeit der Austromarxismus zu <rs type="person" ref="#per__114602">Marx</rs>. Er hat jetzt in<lb/>
Frankreich durchgesetzt, daß die Sozialistische Internationale Alterna<lb break="no"/>tiven zu der konservativen Politik, d.h. eigentlich zu der Nichtpolitik,<lb/>
wie sie derzeit international existiert, aufstellt. Nach Beschluß der<lb/>
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Währungsfonds, in der EG usw. sozusagen diese Grundlinien und, wie er<lb/>
hofft, sehr konkreten Vorschläge vertreten. Aufgabe dieser Politik würde<lb/>
es dann sein, die Krise, die eine andere ist als die der 30-er Jahre und<lb/>
die man mit einem Rüstungsaufschwung hat bekämpfen können, jetzt eben<lb/>
auf den internationalen Geldmärkten, auf den Währungsgebieten für die<lb/>
unterentwickelten Länder usw. eben als politische Maßnahme bekämpfen<lb/>
muß. Er fordert die Diskutanten gleich auf ihre Programme resp. Vor<lb break="no"/>schläge zu erstatten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_11"><rs type="person" ref="#per__114653">Schulmeister</rs> vom WIFO meinte nach einigen Wortmeldungen, wichtig sei<lb/>
die Abkoppelungsstrategie der Weltwirtschaft, Aufträge an die österrei<lb break="no"/>chische Industrie durch Exportmöglichkeiten, der wichtige monetäre, finan<lb break="no"/>zielle Sektor müsse jetzt in Angriff genommen werden und die soziale<lb/>
Innovation für jugendliche Arbeitslose usw. müßte verstärkt werden. Die<lb/>
einzige Lösung sieht er in der Arbeitszeitverkürzung. Überhaupt war<lb/>
bei vielen Diskutanten die Frage der Arbeitszeitverkürzung eine Primär<lb break="no"/>lösung. Nur <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> sprach sich besonders gegen die Arbeitszeitverkürzung<lb/>
aus wirtschaftlichen Gründen aus.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_12">Der Wirtschaftsredakteur <rs type="person" ref="#per__114719">Wailand</rs> wieder meinte, die Bürokratie sei zu<lb/>
groß, arbeitet zu lange, um Entscheidungen herbeizuführen und habe eigent<lb break="no"/>lich abgewirtschaftet. Die Förderungen, die es heute gibt, gehören durchfor<lb break="no"/>stet, der ERP-Fonds sollte erhöht werden, etwas, was <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch von der<lb/>
Nationalbank immer wieder verlangt. <rs type="person" ref="#per__97676">Tommy Lachs</rs> versuchte ihm zu erklären,<lb/>
da da er ja gleichzeitig in der OeNB und in der ERP-Kommission sitzt,<lb/>
daß dies gar nicht die wichtigste Frage ist. Die Althausaktion mit der<lb/>
Milliarde S wurde zu lange diskutiert und ist noch immer nicht angelaufen.<lb/>
Die Technologieverbesserung aus dem Inland, aber auch aus dem Ausland<lb/>
müßte durch eine Bündelung bei der ÖIAG oder bei privaten Wirtschaftern<lb/>
verstärkt werden. Die Infrastruktur müßte sinnvoller ebenfalls gebündelt<lb/>
werden, er könne sich z.B. für die ÖBB wesentlich größere Projekte noch<lb/>
vorstellen. Zwischen der Privatwirtschaft und der verstaatlichten Wirt<lb break="no"/>schaft müsse die Risikoteilung genau besprochen werden, letzten Endes<lb/>
vor allem aber kombiniert und verstärkt vorgegangen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_13">Chefredakteur <rs type="person" ref="#per__127760">Lingens</rs> wieder meinte, jetzt redet man sich auf die Öl<lb break="no"/>schockkrise aus, die nicht allein schuld sei, daß es derzeit so schlecht<lb/>
ist, die 73-er- aber auch die 78-er-Ölschockfrage müsse man zwar be<lb break="no"/>rücksichtigen, aber sei nicht der alleinige Grund der jetzigen Wirtschafts<lb break="no"/>rezession. Auch die Monetarismuskrise, von der jetzt wieder gesprochen<lb/>
wird, sei nicht die alleinige schuldige Frage. Die derzeitige Produktion<lb/>
<pb n="68-0109" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band68/68_1983-01-28_1983-01-30_0109.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sei zweimal so groß als in den 60-er Jahren, damals hätte bei einer<lb/>
wesentlich geringeren Produktion und Produktivität niemand von einer<lb/>
Krise gesprochen. Es gäbe diese auch nicht. Das einzige Krisensymptom<lb/>
ist eben weltweit die Arbeitslosigkeit. Der Überhang des Angebotes hat<lb/>
sich durch die Industrialisierung ergeben, das Angebot könnte nur re<lb break="no"/>duziert werden, indem man entweder keinen Produktivitätsfortschritt mehr<lb/>
hat und den bis jetzigen sozusagen vergißt oder daß man eben eine<lb/>
Arbeitszeitverkürzung durchführt, die kosten- und konsumentenneutral<lb/>
durchgeführt werden muß. Seiner Meinung nach müßte man die Kaufkraft<lb/>
erhalten; wie die Kosten aber nicht steigen sollten, hat er im Detail<lb/>
aber nicht angeführt. Er plädiert aber immer wieder, eine radikale Ar<lb break="no"/>beitszeitverkürzung sei die einzige Lösung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_14">Eine riesenlange Diskussion gab es über die internationale monetäre<lb/>
und fiskale Situation. Die freie Wechselkursbildung, sozusagen die<lb/>
Abschaffung von Bretton Woods, wurde allgemein als Fehler betrachtet.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> verwies allerdings mit Recht darauf, daß die OeNB durch die Anbin<lb break="no"/>dung des Schillings an die DM<add>[, den]</add> niederländischen Gulden und vor allem an die<lb/>
skandinavischen Währungen sowie des sfr 60 % unseres Außenhandels eigent<lb break="no"/>lich mit festen Währungen rechnen kann. <rs type="person" ref="#per__1138571">Heintel</rs>, der Philosoph von der<lb/>
Uni Klagenfurt, meinte, es gäbe jetzt eine Fundamentalkrise, die system<lb break="no"/>theoretisch zu erklären sei. Er verlangt die Individualisierung der<lb/>
Produktion, in der Vergangenheit gab es über die Massenproduktion, überall<lb/>
in der Arbeitsorganisation dominieren die ökonomischen Gesichtspunkte,<lb/>
seine Forderung ist, man müsse Zeit in der Arbeitszeit zur Verfügung<lb/>
stellen, um über neue Produkte und neue Produktionsmöglichkeiten dem<lb/>
Arbeiter bis zum Manager hinauf die Möglichkeit geben darüber nachzudenken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_15">Beim Optimisten vom Dienst, Hofrat <rs type="person" ref="#per__126867">Kausel</rs> vom Statistischen Zentralamt,<lb/>
dem ich mich dann theoretisch als Optimist genauso anschloß, war eine<lb/>
OECD-Delegation, die ihm anhand der Wirtschaftsdaten nachweisen wollte,<lb/>
wie schlecht es in Österreich ist. Er bewies ihnen dann genau das Gegen<lb break="no"/>teil, Zahlungsbilanzdefizit 32 Mrd. auf heuer 0 sogar positiv. Dazu kommt<lb/>
nach seiner Aussage, daß 20 Mrd. positiver Technologieexport drinnensteckt,<lb/>
die Arbeitslosigkeit ist verhältnismäßig geringfügig mit 3,7 %, worin<lb/>
1 % strukturell unter gar keinen Umständen beseitigt werden kann, die<lb/>
Saisonarbeitslosigkeit, 1 1/2 bis 2 %, durch den schlechten Fremdenver<lb break="no"/>kehr und die Bauwirtschaft im Winter stets ausgelöst wird. Die Auslands<lb break="no"/>schuld mit 20 % sei nicht beängstigend, denn in anderen Ländern gibt es<lb/>
eben hohe Inflationsraten, daher können dort die Inlandsschulden sehr<lb/>
hoch sein, denn sie werden über die Inflation rückbezahlt. 82 war ein<lb/>
gutes Jahr für das Gewerbe, gewinnträchtig von 5 % bei geringerer Steuer<lb break="no"/><pb n="68-0110" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band68/68_1983-01-28_1983-01-30_0110.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>leistung. In Deutschland hat es eine 4 %-ige Lohnerhöhung gegeben, in<lb/>
Österreich eine 7 %-ige, in Deutschland aber keine <choice><choice><sic>Industriealproduk<lb break="no"/>tivitätssteigerung</sic><corr>Industrieproduktivitätssteigerung? Industrierealproduktivitätssteigerung?</corr></choice></choice>, in Österreich wohl eine 4 %-ige trotz der höheren<lb/>
Lohnbewegung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_16">Ich führte aus, daß ich als Handelsminister schon ressortverpflichtend<lb/>
Optimist sein muß. Die Hauptschwierigkeit sah ich darin, daß in der Ver<lb break="no"/>gangenheit in einer Generation mindestens 1 großer Krieg, meistens sogar<lb/>
2 stattgefunden haben, die die Geld- und Kaptitalseite der Wirtschaft<lb/>
vollkommen entlasteten, indem sie nämlich Spareinlagen usw. total ver<lb break="no"/>nichteten. Jetzt haben wir Gott sei Dank schon 1 1/2 Generationen keinen<lb/>
Krieg gehabt, die Geldseite funktioniert daher bei uns nicht. Die Ar<lb break="no"/>beitszeitverkürzung ist für mich keine Wirtschaftsfrage mehr, sondern<lb/>
eine rein sozialpolitische Frage, meiner Meinung nach jetzt schon da<lb break="no"/>durch entschieden, daß die katholische Kirche den Slogan geprägt hat,<lb/>
Brot und Arbeit teilen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_17"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der dann seine Analyse gab, meinte, die skandinavische Werftkapa<lb break="no"/>zität sei zu groß, die Schiffe werden in der Krise nicht gebraucht. Die<lb/>
Stahlwerke produzieren daher auch zu viel Stahl, den man wieder in den<lb/>
Werften früher verarbeitet hat und jetzt nicht mehr anbringt. In Afrika,<lb/>
hätte er immer vorgeschlagen, müsse eine Infrastruktur verbessert werden,<lb/>
dort hätte man Bahn bauen müssen, dies hätte für die Stahlindustrie wieder<lb/>
einen gewissen Aufschwung gebracht. In den afrikanischen Ländern hat<lb/>
die fehlerhafte Wirtschaftspolitik von Europa und Amerika deren Krisen<lb/>
dort verursacht. Er hat bereits vor Jahrzehnten der UNO den Vorschlag<lb/>
gemacht, eine Indizierung der Rohstoffe, sein größter Gegner war damals<lb/>
der deutsche Bundeskanzler <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs>. Jetzt plädiert er so wie viele andere<lb/>
auch <add>[dafür]</add>, daß die OPEC nicht aufgelöst wird. Kredite kann Österreich solange<lb/>
aufnehmen, als es damit Infrastrukturmaßnahmen finanziert, kritisch wird<lb/>
es erst, wenn die Kredite aufgenommen <add>[werden,]</add> um den Konsum zu finanzieren.<lb/>
Dies lehnt er ja ganz entschieden ab. Er plädiert für eine Diskussion<lb/>
der Arbeitszeitverkürzung, ist sich aber mit <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> einig, daß die alt<add>[en]</add><lb/>
Arbeiter, 20 bis 30.000 in Österreich, die schwer und schwerst arbeiten,<lb/>
in Frühpension geschickt werden müssen. Dadurch würden dann junge Arbeiter<lb/>
den Arbeitsplatz erhalten oder nachrücken können, für ihn kommt jetzt<lb/>
einmal die Lebensarbeitszeitverkürzung infrage.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_18">Die Infrastrukturverbesserungen begrüßt er, doch verweist er darauf, daß<lb/>
durch die Telefonentwicklung seit Jahrzehnten der Effekt ist, die Kartell<lb break="no"/>vereinbarung der vier großen österreichischen, größtenteils aber aus<lb break="no"/>ländischen Konzernen gehörenden Telefonproduktionstätten, auch etwas<lb/>
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müssen sie für die neuen Systeme von Northern Telecom Lizenzen nehmen,<lb/>
jetzt wird es dann Schwierigkeiten geben dieses System von Österreich nach<lb/>
den Osten exportieren zu können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_19">Er ist jetzt 30 Jahre in der Regierung, die Koalitionsregierung hat<lb/>
die Wirtschaftsfragen nie lösen können, immer delegiert, erst seit 72<lb/>
hat jetzt wieder die Regierung Wirtschaftspolitik gemacht, die Sozial<lb break="no"/>partner immer aber verständigt. Die Arbeitszeitverkürzung kann nicht mehr<lb/>
von der Tagesordnung verschwinden, den Gegnern bleibt nur mehr ein ge<lb break="no"/>ordneter Rückzug. Die Frage des Lohnausgleiches wird über die Sozialpart<lb break="no"/>ner spielend gelöst werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_20"><rs type="person" ref="#per__117674">Ostleitner</rs> vom Klub hat dann zuletzt nach Rücksprache mit einem kleinen<lb/>
Komitee, <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs>, <rs type="person" ref="#per__114139">Nowotny</rs>, <rs type="person" ref="#per__117679">Frisch</rs> und <rs type="person" ref="#per__131048">Chaloupek</rs>, in 8 Punkten zusammengefaßt.<lb/>
Erstens die Kriseneinschätzung, konjunkturell oder schon ein Trendumbruch,<lb/>
zweitens die internationale Entwicklung der Wirtschaftspolitik, Monetaris<lb break="no"/>mus ist tot, neue Instrumente müssen gesucht werden. Drittens die öster<lb break="no"/>reichische Situation, viertens das niedrige Bruttoinlandsprodukt mit<lb/>
Auswirkungen auf die Beschäftigung, Finanzmärkte, Finanzfragen des<lb/>
öffentlichen Sektors und die Sparquote der Einkommensverteilungsfrage.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_21">Die Vorschläge, die dann erstattet wurden, betrafen 5. Geldpolitik,<lb/>
Reform der Finanzmärkte, international die Verschuldung, die Verteilung,<lb/>
die Wechselkursfrage, die Kapitalgüterfrage, die Zinsenpolitik der OeNB<lb/>
und die Geldversorgung, in Österreich ganz besonders das Bankenengage<lb break="no"/>ment im Ausland.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_22">Pkt. 6, die reale Wirtschaft, die sich über die Außenhandel wesentlich ver<lb break="no"/>bessert hat und jetzt die Rohstofffrage besonders herausstreicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_23">Pkt. 7. die binnenwirtschaftlichen Fragen, insbesondere die Technologie<lb break="no"/>frage, die wie die Investitionsförderung in der Forschungsförderung, aber<lb/>
auch in der Dienstleistungsfinanzierungsfrage sowohl für den öffentlichen<lb/>
als auch den privaten Sektor eine große Rolle spielt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_24">Pkt. 8, die langfristige Beschäftigungspolitik, die doch zu einer Arbeits<lb break="no"/>zeitverkürzung führt, mit dem Problem der Abkoppelung der Beschäftigung<lb/>
von dem zurückgegangenen Bruttoinlandsprodukt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_25">Prof. <rs type="person" ref="#per__1138571">Heintel</rs> meinte, es ist aber wieder nicht sein neues System und seine<lb/>
Fundamentalkritik aufgenommen, <rs type="person" ref="#per__114653">Schulmeister</rs>, WIFO, dagegen, die konkre<lb break="no"/>ten Projekte für die Jugendarbeitslosenbekämpfung, Althaussanierung,<lb/>
z.B. auch Initiative einzelner statt Hausbesetzung, Übergabe eines Alt<lb break="no"/>hauses, das dann von den Jugendlichen renoviert wurde, müsse man auch<lb/>
stärker berücksichtigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_26">Bei diesem Stand am Ende der Diskussion zeigte sich, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sofort<lb/>
viel flexibler ist als manche andere und meinte, das könne man ja auch in<lb/>
einen Punkt aufnehmen, die analytischen 4 Punkte könne man zusammenfassen<lb/>
in einen, sodaß nicht eine allzu große Punktation entsteht, in Wirklichkeit<lb/>
kam es <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> prinzipiell darauf an, daß jetzt die Redakteure und vor<lb/>
allem alle Wissenschaftler in der Programmschlußfolge eingefaßt werden.<lb/>
Jedermann soll sich dann mit diesen Konklusionen dieser Diskussion iden<lb break="no"/>tifizieren können, wenn nämlich in einem Monat dann die Zusammenfassung<lb/>
dieser Aussprache vorliegen wird, wird <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sicherlich, ohne daß<lb/>
sich die Professoren oder die Redakteure davon distanzieren können, mit<lb break="no"/>teilen, daß er ja seit Anfang der 70-er Jahre stets mit der Wissenschaft<lb/>
und auch praktischen Ökonomen engen Kontakt hat, sich von diesen nicht<lb/>
nur beraten läßt, sondern auch eine Wirtschaftspolitik macht, die als von<lb/>
seinem Standpunkt optimal und selbst von Skeptikern als noch akzeptabel<lb/>
akzeptiert werden kann. Dies schien mir der Hauptgrund dieser Aussprache,<lb/>
wenn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch kein Wort davon fallen ließ. Er hat nur bei der Einlei<lb break="no"/>tung schon den Wissenschaftlern die Entwicklung in Schweden charakterisiert,<lb/>
die dortigen Nationalökonomen in der 30-er-Krise haben die Grundlagen<lb/>
geliefert, daß die sozialdemokratische schwedische Regierung dann auf<lb/>
deren Wissen aufbauend eben <add>[die]</add> gute schwedische Politik der Zwischenkriegs<lb break="no"/>zeit machen konnte. Was würde sich ein Wissenschaftler mehr wünschen als<lb/>
solche Verhältnisse auch für Österreich. Ob allerdings außer der allge<lb break="no"/>mein gehaltenen Zusammenfassung mehr herauskommen wird, wird erst das<lb/>
Papier, das diese Kommission jetzt erstellen soll, zeigen, das aufgrund<lb/>
der oft sehr ins Detail gehenden Diskussion beinhalten soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_27">Am ersten Tag war noch <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> anwesend, am zweiten Tag dann, fast könnte<lb/>
man sagen, an seiner Stelle, Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>. Ich weiß nicht und bin<lb/>
sehr gespannt, wie diese Ergebnisse dann parteipolitisch und vor allem<lb/>
dann auch im Parlament klubmäßig genützt werden können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-28_28">Für mich ging dann in Velm die Tagung mit den Funktionären der Landstraße<lb/>
nahtlos in einen Bericht und Diskussion über unsere Wahlaktivitäten<lb/>
über. Für mich war sozusagen der Gegensatz besonders kraß wirksam:<lb/>
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österreichische Situation, 1 1/2 Tage dann Klein- und Kleinstarbeit einer<lb/>
Bezirksorganisation, beides allerdings gleich wichtig, daß es dabei<lb/>
auch sehr interessante theoretische Diskussionen gab, die sich eben auf<lb/>
Bezirksebene abspielen, sei nur nebenbei erwähnt. Auf höchsten Niveau<lb/>
und, wenn man so sagen kann, auf tiefstem, im Basisniveau, werden alle An<lb break="no"/>strengungen unternommen, um den Wahlkampf mit Energie, neuen Ideen und<lb/>
vor allem, wie wir glauben, so erfolgreich zu führen, daß doch wieder die<lb/>
absolute Mehrheit möglich ist. Ich selbst glaube nach wie vor, daß wenn<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> diesen mörderischen Wahlkampf durchsteht und er die Bevölkerung<lb/>
so überzeugen kann, wie er jetzt Professoren überzeugt hat, daß er weitest<lb break="no"/>gehend noch der Alte ist er selbst wieder die absolute Mehrheit erringen<lb/>
kann. Natürlich hängt das letzten Endes davon ab, ob die neuen Kräfte<lb/>
Alternative Liste Österreichs, die Grünen usw., die sich bis jetzt ja<lb/>
nicht einigen konnten, aufgesplittert kandidieren und kein Grundmandat<lb/>
erreichen. Sollte dies der Fall sein, ich kann es nicht ausschließen,<lb/>
dann schaut alles anders aus. Ich bin schon sehr gespannt, was die Mei<lb break="no"/>nungsumfragen in den nächsten Woche zeigen werden.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 28.1.1983</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesprogramm, 29.1.1983</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Typoskript "Verbesserung der Leistungsbilanz"</head>
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               <occupation>Leiter vw. Abt. ÖGB, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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