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            <title type="main">Mittwoch, der 12. Jänner 1983</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band68_1983-01-12</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_01">Mittwoch, 12. Jänner 1983<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_02">Die beiden Vorstände der Illwerke Dr. <rs type="person" ref="#per__113021">Reich</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__113016">Peter</rs> haben gestern<lb/>
vor dem Rechnungshofuntersuchungsausschuß ausgesagt. Dort haben sie<lb/>
mit Rechnungshofpräsidenten <rs type="person" ref="#per__112588">Broesigke</rs> bezüglich der Beschuldigung und<lb/>
des Regresses über den ehem. Vorstand <rs type="person" ref="#per__113017">Berchtold</rs> <rs type="person" ref="#per__112588">Broesigke</rs> einen Kom<lb break="no"/>promißvorschlag gemacht. Die Illwerke haben 4 1/2 Mio. S Pension von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113017">Berchtold</rs> zurückgehalten, derzeit 37.500 S pro Monat, vom zweiten<lb/>
Vorstandsdirektor <rs type="person" ref="#per__135762">Wirnschimmel</rs>, unheilbar im Irrenhaus des Landes,<lb/>
1 Mio S. Diese 5 1/2 bis 6 Mio. S würden sie nun als Wiedergutmachung<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__113017">Berchtold</rs> und <rs type="person" ref="#per__135762">Wirnschimmel</rs> als verfallen erklären. Ein Kompromiß<lb/>
erscheint ihnen zweckmäßig u.a. gegen den jetzt laufenden Prozeß des<lb/>
deutschen Abnehmers RWE und VES Zeugenaussagen von anderen Bediensteten<lb/>
der Illwerke, <rs type="person" ref="#per__1138495">Pretun</rs> und <rs type="person" ref="#per__1138496">Turnher</rs> notwendig wären. Diese könnten aber<lb/>
bei einer Prozeßführung gegen <rs type="person" ref="#per__113017">Berchtold</rs> nach wie vor veranlaßt werden<lb/>
nicht ihre wirklichen Aussagen, die sie machen könnten, gegen RWE zu<lb/>
machen. <rs type="person" ref="#per__113017">Berchtold</rs> wieder könnte sich z.B. in der Abfertigungsfrage,<lb/>
er hat 17 Monate von den Vorarlberger Kraftwerken und 17 Monate von<lb/>
den Illwerken bekommen, sich auf die selbe Abfertigung vom ehem. GD<lb/>
der Verbund <rs type="person" ref="#per__97555">Hintermayer</rs> berufen. Da von RWE 60 Mio. S pro Jahr Mehr<lb break="no"/>zahlung eingeklagt wird, stehen diese Summen in keinem Verhältnis zu<lb/>
den ev. größeren, die <rs type="person" ref="#per__113017">Berchtold</rs> vielleicht vor Gericht verurteilt wird,<lb/>
an die Illwerke zu bezahlen. <rs type="person" ref="#per__113021">Reich</rs>, der Sprecher der beiden und gleic<lb break="no"/>hzeitig auch der ÖVP-Vertreter im Vorstand, glaubt daher dieses Kompromiß,<lb/>
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Rechnungshofpräsident <rs type="person" ref="#per__112588">Broesigke</rs> war damit einverstanden. Ich erklärte<lb/>
daher sofort, daß damit die zuständigen Organe Aufsichtsrat und Eigen<lb break="no"/>tumsvertreter Verbundgesellschaft zuständig sind. Wenn diese diesen<lb/>
Kompromiß akzeptieren, ich selbst hätte dann ebenfalls nichts dagegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_03"><rs type="person" ref="#per__131107">Grossendorfer</rs> hat dann sofort GD <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> informiert. Dieser hat ver<lb break="no"/>anlaßt, daß eine Aufsichtsratssitzung, wie er mir dann beim Festakt<lb/>
100 Jahre Bestehen österreichischer Postsparkasse mitteilte, sofort<lb/>
einberufen wird. Auch er könnte sich vorstellen, daß ein solcher Kom<lb break="no"/>promiß die zweckmäßigere Lösung ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__110944">ZLUWA</rs> UND <rs type="person" ref="#per__131107">GROSSENDORFER</rs>: Was sagt MR <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> als Auf<lb break="no"/>sichtsratsvertreter der Illwerke dazu.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_05">Die Vertreter der Siegendorfer Zuckerfabrik, Vorstand und Betriebsrat,<lb/>
<pb n="68-0029" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band68/68_1983-01-12_0029.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>intervenierten damit sie doch einen höheren ERP-Kredit für den Diffu<lb break="no"/>sionsturm, Investitionssumme 68 Mio. S, bekommen. Ursprünglich waren<lb/>
dafür 24 Mio. in Aussicht gestellt, jetzt sollen es nur 15 Mio. werden.<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__133371">Mandl</rs> wird sofort mit dem ERP-Büro darüber verhandeln. Insgesamt<lb/>
hat die Zuckerfabrik schon 56 Mio. für die Kesselanlage, für die Schlep<lb break="no"/>peranlage 12 Mio., für das Lager 15 Mio. investiert. Die Tullner als<lb/>
neue Besitzer von Siegendorf unternehmen durch die Investition alles<lb/>
um diesen Betrieb auszubauen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_06">Natürlich kam bei dieser Gelegenheit die zweite Zuckerfabrik in Bruck,<lb/>
an der die Landwirtschaft besonders jetzt beteiligt ist zur Sprache,<lb/>
die dortigen 250 Beschäftigten werden auf die Dauer nicht gehalten<lb/>
werden können, diese Zuckerfabrik müßte rein betriebswirtschaftlich<lb/>
kalkuliert gesehen schon längst sperren. In Bruck wird auch nichts mehr<lb/>
investiert, der einzige Ausweg ist, dort eine Biospritanlage zu errich<lb break="no"/>ten, dadurch könnte aber mit der weiteren Zuckerübernahme Beschäftigte<lb/>
maximal die Hälfte der jetzt Beschäftigten unterkommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Dr. <rs type="person" ref="#per__133371">Mandl</rs> sollte mit den Parlamenta<lb break="no"/>riern klären welche Biospritproduktion jetzt die zweckmäßigste ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_08">Dir. <rs type="person" ref="#per__125951">Reh</rs> von Berlin berichtete mir, daß<add>[sie]</add> jetzt 30 bis 50.000 to Zucker<lb/>
kaufen werden. GD <rs type="person" ref="#per__1138497">Wolf</rs> wird am 19. Jänner nach Wien kommen. MR <rs type="person" ref="#per__114560">Tschach</rs><lb/>
wird ihn empfangen und gleichzeitig den Zuckerexporteur <rs type="person" ref="#per__58381">Mauthner</rs>, der<lb/>
im Auftrag der Zuckerindustrie alle diese Zuckerexportgeschäfte ab<lb break="no"/>wickelt, diesen mit <rs type="person" ref="#per__1138497">Wolf</rs> zusammenbringen. <rs type="person" ref="#per__125951">Reh</rs> stellte eindeutig fest,<lb/>
daß eine Kreditgewährung von 360 Tagen gegeben werden muß. Ich habe<lb/>
telefonisch die diesbezügliche Zustimmung von <rs type="person" ref="#per__58381">Fritz Mauthner</rs> eingeholt.<lb/>
Dieser sagte mir, daß es kaum dabei Schwierigkeiten geben wird. Nur<lb/>
das Finanzministerium, MR <rs type="person" ref="#per__123360">Staringer</rs> wird dazu zustimmen müssen.<lb/>
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ihn diesbezüglich angesprochen. Er erklärte sofort, da ja ähnliche und<lb/>
teilweise sogar längere Kreditzusagen gegeben wurden, mit 360 Tagen ein<lb break="no"/>verstanden zu sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte MR <rs type="person" ref="#per__114560">Tschach</rs>, damit der <rs type="person" ref="#per__58381">Mauthner</rs> verständigt<lb/>
informieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_11"><rs type="person" ref="#per__125951">Reh</rs> erklärte mir, im 1. Quartal werden für 3 1/2 Mio. S Stubaier Werkzeuge<lb/>
gekauft. Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> hat ihn beauftragt, dies mir ausdrücklich<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte Stubai verständigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_13">Im ersten Halbjahr werden wir 14 Mio. S Kakaoerzeugnisse sprich also<lb/>
Heller-Bonbons, Prinzen-Keks, Pralinen, wie die Deutschen sagen usw.<lb/>
<choice><choice><sic>gekauft</sic><corr>exportieren?</corr></choice></choice>. für 3 1/2 Mio. S Tee.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_14">Auch Wein, im Vorjahr 7 Mio. S, sollen bis zu 15 Mio. S exportiert werden<lb/>
können. Diesbezüglich hat <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> mit Präs. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> Gespräche geführt.<lb/>
Dieser hat insbesondere die Fa. Tichy-Schreder als Exporteur gewünscht,<lb/>
die von dieser Firma verlangten Preise, 32 S pro Flasche werden keines<lb break="no"/>falls bezahlt. Die DDR stellt sich einen Bouteillen-Preis von 10 S<lb/>
pro Liter vor. Über die Preise erklärte ich, könne ich keine wie immer<lb/>
geartete Aussage oder Zusage machen, hier seien die Qualitäten viel<lb/>
zu unterschiedlich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Was ist mit der Untersuchung über die <rs type="person" ref="#per__122900">Tichy-<lb/>
Schreder</rs>-Vorwürfe im Nationalrat über Zollabfertigungen geworden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_16">Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> hat mich mit Brief, vom deutschen Botschafter über<lb break="no"/>geben zur Leipziger Messe eingeladen. <rs type="person" ref="#per__125951">Reh</rs> urgierte, ich selbst erklärte,<lb/>
daß ich diesmal infolge der jetzt vorverlegten Gemeinderatswahlen unter<lb/>
gar keinen Umständen kommen könnte. <rs type="person" ref="#per__125951">Reh</rs> wird dies neuerdings mit Staats<lb break="no"/>sekretär <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> besprechen und mir dann Bescheid sagen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_17">Für die beiden Firmen Integral, Projekt 40 Mio. S und vor allem Waagner-<lb/>
Biro, 700 Mio. S habe ich bei <rs type="person" ref="#per__125951">Reh</rs> interveniert und gleichzeitig entspre<lb break="no"/>chende Briefe an Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> übergeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_18">Der Sohn des Botschafters <rs type="person" ref="#per__1138498">Matsch</rs> hat die Idee, eine Fernsehsatelliten<lb break="no"/>sendung nach Österreich zu bringen. Warum er mir dieses Material auch<lb/>
übergibt ist mir nicht klar, da er genau weiß, daß ich damit überhaupt<lb/>
nichts zu tun habe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_19">Dir. <rs type="person" ref="#per__123317">Matousek</rs> und vom deutschen VW-Konzern <rs type="person" ref="#per__1138499">Wiedemann</rs>, der die Entwicklung<lb/>
der Wärmepumpen dort gemacht hat, wird alles vorbereitet für die morgi<lb break="no"/>ge Vertragsunterzeichnung. Bei einer Aussprache mit den beiden erfahre<lb/>
ich, daß das Wärmepumpenprojekt, bisheriger Aufwand 50 Mio. DM, von VW,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__123317">Matousek</rs> liebstes Kind jetzt ist. Er ist davon fest überzeugt, daß<lb/>
5.000 bis 10.000 Stück in Österreich produziert werden können. Damit<lb/>
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beschäftigen, darüber hinaus wird durch den Kundendienst und Service<lb/>
auch noch eine beträchtliche Anzahl von Beschäftigten kommen. Da <rs type="person" ref="#per__123317">Matousek</rs><lb/>
sich jetzt voll dahinterkniet bin ich überzeugt, wird aus diesem Pro<lb break="no"/>jekt sicherlich etwas werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_20">Beim Festakt 100 Jahre PSK begrüßte Gouverneur <rs type="person" ref="#per__1138500">Nößlinger</rs>, Finanzmini<lb break="no"/>ster <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> wünscht der PSK, die für ihn ja nicht nur die Bank ist wo<lb/>
alle Budgets abgewickelt werden, sondern auch noch die österreichischen<lb/>
Staatspapiere herausgegeben werden, weiterhin eine so gute Zusammenarbeit<lb/>
wie in den vergangenen Zeiten. Auch Bundespräsident <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs><lb/>
streicht die Bedeutung der Österreichischen Postsparkasse heraus. Der<lb/>
Vorsitzende des Verwaltungsrates, Univ.-Prof. <rs type="person" ref="#per__117679">Frisch</rs><add>[hs. Ergänzung unklar, Anm.]</add> hält eine sehr<lb/>
gute Festrede. Sogar Bundespräsident <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> fragt mich, wer<lb/>
dieser Mann, ein guter Freund von mir, ist, ich erkläre, daß er an der<lb/>
Technischen Hochschule in Wien Ökonomie lehrt und seine ökonomischen<lb/>
Grundsätze auch von mir als Keynesianer, der auch er ist, vertreten<lb/>
werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_21">Abends beim Empfang in der PSK selbst sind derartig viele Leute, daß<lb/>
man kaum sich in den Kassensaal und auch in allen anderen Nebensälen<lb/>
die mit Buffets offen sind bewegen kann. Prof. <rs type="person" ref="#per__117679">Frisch</rs>, der den Fest<lb break="no"/>vortrag gehalten hat, treffe ich dann nicht mehr, konnte ihm aber<lb/>
bereits mittags sagen, daß mir seine Rede so wie auch dem Bundespräsi<lb break="no"/>denten sehr gut gefallen hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_22">Dr. <rs type="person" ref="#per__1138501">Schmircher</rs>, der neue GD von Waldheim-Eberle und der BRO <rs type="person" ref="#per__1138502">Laschitz</rs><lb/>
sprechen vor, um bei der Eröffnung ihrer neuen Druckerei im Frühherbst<lb/>
vielleicht auch für Waldheim-Eberle das Staatswappen zu bekommen. Da<lb/>
sehe ich wirklich keine Schwierigkeiten, ersuche aber, daß man unverzüg<lb break="no"/>lich jetzt dafür einreicht. Natürlich unterhalte ich mich lange Zeit<lb/>
über diesen Betrieb, wo ich einmal als Lehrling gearbeitet habe, und<lb/>
später als Aufsichtsratspräsident der Pachtgesellschaft Der Kreis die<lb break="no"/>sem Betrieb sozusagen mein besonderes Augenmerk immer zugewendet hatte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1138501">Schmircher</rs> erklärte mir, daß er mit dem Kronen-Zeitungs-Herausgeber<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97392">Dichand</rs> einen guten persönlichen Kontakt hat, er ist fest davon über<lb break="no"/>zeugt, daß <rs type="person" ref="#per__97392">Dichand</rs> den Kurier, indem er zuerst andeutete er wird auch<lb/>
eine riesen Druckerei bauen, jetzt dies aber nicht macht, nicht reinle<lb break="no"/>gen wollte. Der Vorteil den jetzt der Kurier hat ist, daß zwar nach<lb/>
großen Investitionen hohe Abschreibungen hat, die er sicherlich erst ver<lb break="no"/>dienen muß, nun eine der größten Farboffsetdruckkapazitäten darstellt.<lb/>
Bei der Eröffnung werde ich alles sehen, <rs type="person" ref="#per__97392">Dichand</rs> wird mit seiner Kronen-<lb/>
<pb n="68-0032" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band68/68_1983-01-12_0032.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Zeitung immer auf Schwarz-weiß bleiben müssen. Solange er nicht<lb/>
eine neue Druckerei baut. <rs type="person" ref="#per__1138501">Schmircher</rs> ist davon überzeugt, daß es<add>[zu]</add> keinem<lb/>
harten Konkurrenzkampf zwischen der Kronenzeitung und dem Kurier kommen<lb/>
wird. Erhöht nämlich <rs type="person" ref="#per__97392">Dichand</rs> den Preis der Kronen-Zeitung z.B. um<lb/>
1 S nicht, dann verliert er 1 Mio. S. Der Kurier aber nur 500.000<lb/>
pro Tag. Ich bin sehr gespannt, wie dieser Konkurrenzkampf in Zukunft<lb/>
wirklich geführt wird und wie er letzten Endes endet. Wird sich die<lb/>
teure bessere Druckqualität für Kurier durchsetzen und dadurch auch<lb/>
vom Bild der Zeitung mehr Leser gewinnen als die jetzt doppelt so<lb/>
starke Kronen-Zeitung. <rs type="person" ref="#per__1138501">Schmircher</rs> wollte mir einreden, daß der Kurier<lb/>
sich bemüht ein objektives und nicht parteigebundenes Blatt zu sein,<lb/>
dies konnte ich ihm glaube ich aber eindeutig aufgrund der Erfahrungen,<lb/>
die alleine ich mit dem Kurier gemacht habe, eindeutig widerlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_23">Die Koordinationssitzung des Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> bezüglich Masterfood,<lb/>
Katzen- und Hundefutterproduktion wurde nach einer Stunde härtesten<lb/>
Widerstandes der Veterinäre im Gesundheitsministerium dann doch mit<lb/>
einem Kompromiß abgeschlossen. Ursprünglich hatte es den Anschein als<lb/>
ob eine Kompromißlösung gar nicht möglich wäre, nur das intransigente<lb/>
Verhalten von mir, daß ich mir nicht erklären könne, wenn man will einen<lb/>
Ausweg aus der Fleischbeschau zu finden, gab dann den Anstoß, daß die<lb/>
Veterinärvertreter nachgaben. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> als Vorsitzender war innerlich<lb/>
schon sicher ganz verzweifelt, wie hartnäckig ein Projekt, wo immerhin<lb/>
gleich bei Beginn bis zu 60 Beschäftige in Breitenbrunn im Burgenland<lb/>
zusätzlich beschäftigt werden könnten, verhandelt werden muß. Gesund<lb break="no"/>heitsminister <rs type="person" ref="#per__117200">Steyrer</rs> hat dann wie er sagt, durch mich halt wieder<lb/>
einmal überrollt, seine Zustimmung gegeben, daß die im Fleischbeschau<lb/>
mögliche entsprechende Maßnahmen gesundheitsmäßig akzeptable Lösung<lb/>
auch für das Tier, sprich Futterfleisch gegeben werden kann. Über<lb/>
1 Stunde lang haben mir die Beamten nur erzählen wollen, daß es unter<lb/>
gar keinen Umständen geht. Auch hier konnte ich einmal mehr feststellen,<lb/>
daß das prinzipielle Verhalten der Beamten immer davon geprägt ist,<lb/>
zu erklären, daß es nicht geht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_24">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: <rs type="person" ref="#per__133371">Mandl</rs> soll jetzt so schnell als möglich schauen,<lb/>
daß wir dieses Projekt weitertreiben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_25">Im Präsidium auf der Landstraße haben wir mit den für den Wahlkampf be<lb break="no"/>sonders verantwortlichen <rs type="person" ref="#per__114118">Woller</rs>, <rs type="person" ref="#per__112986">Weisbier</rs> und vor allem unserem neuen<lb/>
Sekretär <rs type="person" ref="#per__1138032">Hohenberger</rs> und dem neuen Bez.Vst. <rs type="person" ref="#per__144759">Reviczky</rs> unsere Wahlkampf<lb break="no"/>aktivität im Detail durchbesprochen. Insbesondere habe ich mit Unter<lb break="no"/>stützung von NR <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und Landesparteisekretär <rs type="person" ref="#per__97892">Sallaberger</rs> darauf ge<lb break="no"/><pb n="68-0033" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band68/68_1983-01-12_0033.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>drängt, daß für jeden einzelnen Punkt ein Verantwortlicher festgelegt<lb/>
wurde. <rs type="person" ref="#per__1138032">Hohenberger</rs>, der letzten Endes für alles verantwortlich ist,<lb/>
wurde mit der koordinierenden Leitung beauftragt, da ja jetzt nicht nur<lb/>
die Nationalratswahl sondern eben auch die Landtags- und Gemeinderats<lb break="no"/>wahl im April vorbereitet werden muß, hat die Landstraße in allen meiner<lb/>
Terminvorstellungen die größte Priorität.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_26">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte dies unbedingt beachten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_27">In der Urania wurde der neue Film über die Widerstandskämpfer <choice><choice><sic>Gebrü<lb break="no"/>der</sic><corr>Geschwister</corr></choice></choice> Scholl, die Weiße Rose gezeigt, ich war überrascht, neben dem<lb/>
Bundespräsidenten, der die Schirmherrschaft übernommen hat, auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
dort mit <rs type="person" ref="#per__114658">Kahane</rs> zu treffen. Ich nutzte die Gelegenheit, um <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vor<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114658">Kahane</rs> zu erklären, warum das Handelsministerium dem israelischen<lb/>
Staatsbürger <rs type="person" ref="#per__1138494">Memmi</rs> die zweite österreichische Staatsbürgerschaft be<lb break="no"/>fürwortet hat. Bei der Gelegenheit bemerkte ich erst, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gegen<lb/>
die von mir betriebene Politik, gegebenenfalls durch Prämien der Staats<lb break="no"/>bürgerschaft Unternehmen zu Investitionen zu veranlassen, gar nichts<lb/>
dagegen einzuwenden hat. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> möchte nur unter allen Umständen abge<lb break="no"/>sichert sein, damit nicht, so wie seinerzeit von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> über den<lb/>
Rechtsanwalt <rs type="person" ref="#per__1138503">Marsoner</rs> in Tirol durchgeführte Einbürgerung eines letzten<lb/>
Endes, wie sich herausstellte, Schiebers möglich wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte,<lb/>
damals sei ein richtiger Korruptionsfall damit betrieben worden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_28">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte nach wie vor die Handelsministeriumsbefürwor<lb break="no"/>tung für Ministerrat immer mitgeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band68_1983-01-12_29">Der Widerstandsfilm erinnerte mich an meine Jugend. Nachher wurde ich<lb/>
vom ORF interviewt, <rs type="person" ref="#per__123301">Vecsei</rs> hat dies scheinbar organisiert. Natürlich<lb/>
wurde ich auch darüber gefragt, ob es nicht Emotionen bei mir weckt,<lb/>
dies erkläre ich ist um so verständlicher als ich meine erste Jugend<lb break="no"/>freundin <rs type="person" ref="#per__131172">Erna Diwisch</rs> mit genau der selben Straftat wie Scholl<lb/>
verloren habe. Auch sie wurde wegen Verbreitung von Flugblättern, da<lb break="no"/>mals allerdings für die Kommunistische Jugend, sie hatte dort einen<lb/>
neuen Freund kennengelernt, geköpft. Trotzdem erklärte ich, und das ist<lb/>
auch meine innere Überzeugung, muß man insbesondere der jungen Genera<lb break="no"/>tion diese furchtbare Zeit immer wieder in Erinnerung rufen. Mir per<lb break="no"/>sönlich erschien der Film ein bißchen zu lang, der Produzent und Regi<lb break="no"/>sseur meinte, daß man in Deutschland feststellen kann, es handelt ja<lb/>
von einer deutschen Widerstandsgruppe, daß sich dafür insbesondere die<lb/>
jungen Leute sehr interessieren. Für die glaube ich ist auch der Film<lb/>
gemacht worden und für die muß man auch diese Vergangenheit immer wie<lb break="no"/><pb n="68-0034" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band68/68_1983-01-12_0034.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>der dokumentieren.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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