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            <title type="main">Dienstag, der 23. November 1982</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band67_1982-11-23</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_01">Dienstag, 23. November 1982<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_02">Die Unileverbetriebsräte von Unilever, Unifrost, Bensdorp, den Chemie<lb break="no"/>betrieben usw. können keinen Zentralbetriebsrat bilden, weshalb auf An<lb break="no"/>regung von Zentralsekretär <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> vor Jahren schon eine ARGE der Betriebs<lb break="no"/>räte gegründet wurde. Diese hielt die diesjährige Vollversammlung bei<lb/>
der LUGA ab, sie ersuchten mich ein Referat über die Wirtschaftssitua<lb break="no"/>tion zu halten. Selbstverständlich habe ich nur über ihre Probleme,<lb/>
Agrarsituation, Überschußproduktion der Bauern, Ölsaatenanbau, Biosprit<lb break="no"/>frage usw. referiert. Daran schloß sich dann eine entsprechende Diskus<lb break="no"/>sion an. Die ARGE ist eine ideale Lösung für die Vertretung der Unilever<lb break="no"/>arbeiter.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_03">Aus dem Streit der Konsumbetriebsräte mit dem Vösendorfer-Holzzentrum-<lb/>
Betriebsräten sind jetzt bei Gericht in die 100.000 S gehende Gerichts-,<lb/>
Anwaltskosten und Strafen entstanden. Die Betriebsräte von Konsum er<lb break="no"/>warten nun, daß wir ihnen einen Teil von der LUGA ersetzen. Zentralse<lb break="no"/>kretär <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> hat mit dem ÖGB gesprochen, der leitende Sekretär <rs type="person" ref="#per__113840">Ströer</rs><lb/>
wird Präs. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> vorschlagen, daß teils der ÖGB, teils der Konsum selbst<lb/>
diese Beträge uns als LUGA zur Verfügung stellen, da die LUGA aus prin<lb break="no"/>zipiellen, aber vor allem auch aus finanziellen Gründen diese 100.000 S<lb/>
nicht übernehmen kann. Wir werden dafür eine Arbeitstagung der Konsum<lb break="no"/>betriebsräte sowie den Druck der Kollektivverträge übernehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_04">Mit den Direktoren der Schiffswerft, zuerst <rs type="person" ref="#per__1137662">Wild</rs> und dann <rs type="person" ref="#per__114552">Hager</rs>, habe ich<lb/>
wegen der unberechtigten Beschuldigung, daß Verteidigungsminister <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs><lb/>
sie wegen 10 Motorschiffen und Leichtern nicht gefragt hat, eine harte<lb/>
Auseinandersetzung. Sie mußten zugeben, daß <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> resp. seine Beamten<lb/>
mit ihnen lange Diskussionen über den Preis gehabt haben, daß sie auch<lb/>
den Preis, wenn auch zuletzt nur unwesentlich, um 1,2 % reduzierten, der<lb/>
deutsche Lieferant dann aber noch immer bei den leichteren um 60 % und<lb/>
bei den Motorschiffen um 22 % billiger war, als die Schiffswerften Linz<lb/>
anbieten konnten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_05">Meine Entdeckung, daß auch die VÖEST-Alpine selbst Leichter erzeugte,<lb/>
mußte <rs type="person" ref="#per__114552">Hager</rs> dann zugeben, war deshalb notwendig, weil die Schiffswerften<lb/>
Linz und Korneuburg gar nicht die 35 Leichter, die die SU bestellt hatte,<lb/>
zeitgerecht hätte liefern können, 20 Stück wurden daher im Stahlbau<lb/>
bei der VÖEST-Alpine erzeugt. <rs type="person" ref="#per__114552">Hager</rs> entschuldigt sich damit, daß <choice><choice><sic>der</sic><corr>er?</corr></choice></choice><lb/>
nicht wußte, daß trotz des schlechten Preises sie mit der halben Zeit,<lb/>
die vorgesehen war, ausgekommen ist. Dadurch ergibt sich jetzt tatsäch<lb break="no"/><pb n="67-1365" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band67/67_1982-11-23_1365.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>lich eine Lücke, bevor die anderen Aufträge aufgelegt werden können.<lb/>
Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> hat nämlich jetzt 18 Leichter für die DDSG<lb/>
bestellt, derzeit werden in Linz auch noch die 3 Tieflöffelbagger für <add>[die]</add><lb/>
SU gebaut. <rs type="person" ref="#per__114552">Hager</rs> entschuldigte sich auch, daß die Beschwerde an den<lb/>
Bundeskanzler über Betriebsräte und Bezirksorganisationen an die zu<lb break="no"/>ständigen Nationalräte gegangen ist und diese hätten dann, ohne die De<lb break="no"/>tailinformationen zu besitzen, den Bundeskanzler informiert. <rs type="person" ref="#per__114552">Hager</rs> wird<lb/>
sich persönlich sofort bei <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> entschuldigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> von diesen Aussprachen verständigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_07">In der Ministerratsvorbesprechung begann <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit der österreichischen<lb/>
Wirtschaftsbundveranstaltung, wo <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> gegen die Regierungspolitik,<lb/>
insbesondere die Umverteilungsmaßnahmen von Privaten zu Verstaatlichten,<lb/>
von Kleinen zu Großen, von Fleißigen zu Faulen zu sprechen <add>[kam?]</add>. Er meinte,<lb/>
der Handelsminister wird sich doch einmal bequemen müssen, dem Präsi<lb break="no"/>denten <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> diesbezüglich entgegenzutreten. Ich erklärte sofort<lb/>
mit größtem Vergnügen, da diese Behauptungen falsch sind und wir für<lb/>
die Kleinbetriebe und, wie <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> ja nachgewiesen hat, auch für die<lb/>
privaten Betriebe über die Arbeitsmarktförderung sehr viel getan haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_08">Der nächste Punkt war aber ein sehr kühl vortragender <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, daß er die<lb/>
Kritik <add>[von]</add> <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> an der Regierungspolitik nicht mehr länger hinnimmt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> muß es besser wissen, daß an den Nichtexportmöglichkeiten von<lb/>
Panzern für SDP nicht die Regierung schuld ist, sondern argentinische<lb/>
Ausfuhren genehmigt wurden und dann durch die Falklandaffäre gestoppt<lb/>
werden mußten. Semperit hat auch nicht, wie er behauptet, im vergangenen<lb/>
Jahr das Defizit der CA zu gering gemacht, nämlich nur 150 Mio. S, und nur<lb/>
heuer seien durch Semperit und die anderen Betriebe diese großen Defizite<lb/>
der CA entstanden. Semperit hat bereits im Vorjahr 464 Mio. S Defizit<lb/>
gemacht. Die Prognosen vor nicht allzu langer Zeit, es wird keine Krise<lb/>
geben und es gibt keine Krise, jetzt, die Bauarbeiter werden 100.000 Ar<lb break="no"/>beitslose im Winter stellen, sei unverantwortlich. Seine Interviews in<lb/>
der Wochenpresse, jetzt in der Kronen-Zeitung könne er als Regierungschef<lb/>
nicht mehr hinnehmen, er hat jetzt 1 Jahr zugesehen, aber jetzt ist<lb/>
Schluß. Für PR-Arbeit wird sinnlos Geld von ihm rausgeworfen. In den<lb/>
Parteivorstand kommt er nur um seine Präsenz zu bestätigen, meldet sich<lb/>
dort aber nie zu Wort. Dann kam für mich überraschend ein emotionell<lb/>
vorgetragener Satz, ich weiß, daß in 10 Minuten diese Kritik bei<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sein wird, das macht mir aber nichts, man soll es ihm nur sagen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_09">Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> fragte mich, da er an der Sitzung nicht teilnehmen<lb/>
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Aufzeichnungen informiert, zu dieser Bemerkung meinte er, dies bedeutet,<lb/>
daß in der Regierung ein Informant für <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sitzt oder zumindestens<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> einen vermutet. Beides ist in meinen Augen <choice><choice><sic>gleiczuschließen</sic><corr>auszuschließen???</corr></choice></choice>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_10">Die Außenpolitik der ÖVP kritisierte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit Recht, ihr außenpoliti<lb break="no"/>scher Sprecher <rs type="person" ref="#per__97991">Steiner</rs>, der die Situation besser kennt, beginnt jetzt<lb/>
eine Eigennestbeschmutzung. Bei US-Senatoren wurde nämlich unsere<lb/>
Außenpolitik wie man so schön sagen würde verklampflt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint,<lb/>
dies müsse man als den neuen Patriotismus der ÖVP hinstellen, nirgend<lb break="no"/>wo würde sonst so gehandelt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_11">Die ARGE Ökonomie und Ökologie hat jetzt ihr Programm vorgelegt, schon<lb/>
schon die Kurzfassung, meint <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, ist zu lang. Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__128688">Graff</rs> hat<lb/>
jetzt erklärt, die ÖVP wird die SPÖ jetzt jagen, wenn <rs type="person" ref="#per__128688">Graff</rs> einen solchen<lb/>
Ton und eine solche Politik wünscht, soll er sie haben, wir werden<lb/>
jetzt die ÖVP zu jagen beginnen, <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs> <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> die<lb/>
Bauernbundfunktionäre usw.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_12">Die Aussprache zwischen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> wegen der Verstaatlichten war<lb/>
sehr kühl verlaufen, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat ihm nur angeboten, er könne sich vor<lb break="no"/>stellen, daß die Regierung 3-mal 50 Mio. S jährlich für den Forschungs<lb break="no"/>fonds noch einmal zur Verfügung stellt, wenn auch die Handelskammer<lb/>
den selben Betrag aus ihren Außenhandelsförderungsbeiträgen bezahlt,<lb/>
wie es ja schon einmal gemacht wurde. <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> meinte, wenn er nichts bringt,<lb/>
dann würden in der ÖVP die Radikaleren nur stärker werden. <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> hat<lb/>
ihn dann verständigt, daß 12:6 zwar noch einmal zur <choice><choice><sic>Verstaatlichungssa<lb break="no"/>nierung</sic><corr>Verstaatlichtensanierung</corr></choice></choice> zugestimmt wird, jetzt aber Schluß mit der Zusammenarbeit ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_13"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat aber bei seinem Steyrbesuch festgestellt, daß bei GFM,<lb/>
Besitzer <rs type="person" ref="#per__119181">Kralowetz</rs>, dieser erklärt hat, er ist für zwei Jahre ausgelastet<lb/>
und hat durch die Regierungspolitik gute Unterstützung. Bei BMW sollen<lb/>
jetzt 2,7 Mrd. S investiert werden, um 800 Arbeitsplätze neu zu schaffen,<lb/>
die BMW erwarten 800 Mio. S Subvention dafür, werden es aber sicherlich<lb/>
mit weniger auch akzeptieren. Die GM-Subvention wird nicht erreicht<lb/>
werden, diese Industrieförderung hilft vor allem den Angestellten, weil<lb/>
bei GM <add>[von]</add> 3.000 Beschäftigte<add>[n]</add> 800 Angestellte sind, bei BMW von 1.800 an<lb/>
700 Angestellte sein werden. Das Verhältnis ist in der Industrie eben<lb/>
schon 2:1. Über die Verstaatlichte wird jetzt ein Journalistenhearing<lb/>
gemacht werden, um das Negativimage der Verstaatlichten zu verbessern.<lb/>
Parteiobmann <rs type="person" ref="#per__122970">Steger</rs> hat ihn sehr schuldbewußt angerufen und eben er<lb break="no"/>klärt, warum sich die FPÖ auch von dieser <choice><choice><sic>Verstaatlichungssanierung</sic><corr>Verstaatlichtensanierung</corr></choice></choice> dis<lb break="no"/><pb n="67-1367" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band67/67_1982-11-23_1367.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>tanziert. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sagte zu <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> und <rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs>, nach Beschlußfassung im<lb/>
Parlament müsse sofort ein Flugblatt an alle Verstaatlichten-Beschäfti<lb break="no"/>gten mit Aufklärung über die wahren Hintergründe und die Situation ver<lb break="no"/>teilt werden.<lb/>
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die Industriellenvereinigung Stellung nehmen müsse, die Belangsendun<lb break="no"/>gen dieser Organisationen richten sich gegen die Regierung und seien die<lb/>
größte Oppositionspolitik, die man sich vorstellen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_15">Die Arbeitslosenziffern Mitte November, die nicht veröffentlicht werden,<lb/>
sind 119.022 Arbeitslosenrate, 4,2 %, 10.000 Bauarbeiter, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> machte<lb/>
die Bemerkung, damit können niemals 100.000, wie <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> behauptet, heuer<lb/>
noch werden, gegenüber dem Vorjahr sind um 34.000 Arbeitslose mehr, das<lb/>
ist eine Zuwachsrate von 40 %. Insbesondere nehmen die Angestellten-Ar<lb break="no"/>beitslosen ständig zu, dort interessanterweise 2-mal so viel Männer<lb/>
als Frauen. 4.200 Lehrlingssuchenden stehen noch 2.100 Lehrstellen ge<lb break="no"/>genüber.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_16">In der Vergangenheit war die Diskussion, ob eine Arbeitszeitverkürzung<lb/>
kommen soll, jetzt hat sie sich aufgelockert, es geht nur mehr um das<lb/>
Problem, wann und wie. In den Niederlanden und in Belgien wird mit Ge<lb break="no"/>haltseinbußen die Arbeitszeitverkürzung jetzt sehr konkret diskutiert.<lb/>
Dort ist allerdings die Arbeitslosenrate bis zu 16 %. Nirgends könnte<lb/>
man eine gemeinsame Lösung abwarten. In Österreich gibt es jetzt schon<lb/>
eine Arbeitszeitverkürzung, 6.500 Kurzarbeiter bei SDP, 4.500 bei den<lb/>
VEW, jetzt <choice><choice><sic>kammen</sic><corr>kamen? kommen? kann man?</corr></choice></choice> noch welche bei der VÖEST-Alpine und viele Privatbe<lb break="no"/>triebe streichen. Diese Arbeitszeitverkürzung aber zahlt die öffentliche<lb/>
Hand. <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> meldete sich und meinte, bei den 13.600 Metallbetrieben<lb/>
seien 53 % mit 1–5 Beschäftigten. Es müsse daher jetzt bei ihnen eine<lb/>
genaue Erhebung gemacht werden, wie ev. solche Arbeitszeitverkürzungen<lb/>
in Angriff genommen werden. Daraus dürfe sich keine Konfliktsituation<lb/>
ergeben. Ob er damit auch den Konflikt zwischen dem Sozialminister und<lb/>
ihm oder Metallarbeiter gegen Privatangestellte verstand, hat er nicht<lb/>
deutlich genug gesagt. Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__123215">Fast</rs> meinte dazu, man müsse auch<lb/>
die Überstundenleistungen, die heute in manchen Betrieben noch exorbi<lb break="no"/>tant sind, berücksichtigen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> interpretierte dann noch einmal seine<lb/>
Aussage beim Gewerkschaftstag der Privatangestellten: Eine internationale<lb/>
Forderung auf Arbeitszeitverkürzung, die jetzt auf der Tagesordnung ist,<lb/>
bleibt, die kann man nicht mehr wegwischen. In einem Boom ist aber eine<lb/>
solche Verkürzung möglich, in einer Krise, wie wir sie derzeit haben und<lb/>
die uns im Winter 25.000 Kurarbeiter bescheren wird, ist dies unmöglich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_17">Er meinte, für die Schwer- und Nachtschichtarbeiter, die man jetzt ja mit<lb/>
58 Jahren in die Pension schicken kann, muß es auf lange Sicht noch<lb/>
bessere Lösungen geben, bei der VÖEST-Alpine sei es ein Wahnsinn, daß<lb/>
dort aber noch immer oft noch ältere Arbeiter gehalten werden, obwohl<lb/>
junge Leute, die aus ihren Werks- und Berufsschulen kommen, dann gekündigt<lb/>
werden müssen. Auch bei der Arbeitszeitverkürzung müsse man die Lebens<lb break="no"/>arbeitszeit berücksichtigen. Er hat das Sozialministerium ersucht, es<lb/>
soll Kostenberechnungen anstellen. Der größte Fehler ist, wenn gene<lb break="no"/>relle Forderungen nach Arbeitszeitverkürzung erhoben werden, das schafft<lb/>
nur Illusionen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_18">Für die öffentlichen Bedienstetenverhandlungen kann er nur sagen, daß<lb/>
sie bei 4,4, % abgebrochen wurden, nicht aber, wie jetzt behauptet wird,<lb/>
weil er zur Bezirkskonferenz nach Wr. Neustadt fahren mußte. Die öffent<lb break="no"/>lich Bediensteten und die Gemeindebediensteten, also scheinbar weniger die<lb/>
Eisenbahner und die Postler, verlangten eine Erhöhung der Haushaltszulage<lb/>
um 50 S, das hätte 1 Mrd. S den Finanzminister gekostet und daher mußte<lb/>
diese Forderung abgelehnt werden.<lb/>
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unteren bekommen 6 %, die Dienstklasse 5 würde 4,2 % und die 9er, die<lb/>
höchste Dienstklasse würde 3 % bekommen. Eine Erhöhung der Haushalts<lb break="no"/>zulage kann nicht akzeptiert werden, wegen der hohen Kosten außerdem<lb/>
muß auch berücksichtigt werden, daß auch die nicht öffentlich Bediensteten<lb/>
dann entsprechende Forderungen an den Familienlastenausgleichsfonds<lb/>
zumindestens stellen würden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_20">Zu der Österr. Wirtschaftsbundveranstaltung meinte er nur, <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> hätte<lb/>
dort für die Verstaatlichung gesprochen, und auf die regionale wichtige<lb/>
Bedeutung der verstaatlichten Betriebe, die jetzt saniert werden müssen,<lb/>
hingewiesen. Alle anderen Forderungen, die dort erhoben wurden, wie<lb/>
Innovation, Forschungsförderung usw., stehen schon in unserem Wirtschafts<lb break="no"/>programm. Der Wunsch der Wirtschaft, die Gewerbesteuer und die Lohn<lb break="no"/>summensteuer abzuschaffen, ist deshalb schwierig, weil von der Gewerbe<lb break="no"/>steuer gehen 50 %, von der Lohnsummensteuer 100 % in die Gemeindekassa.<lb/>
Diese bekommen dadurch 11 Mrd. S Steuerleistung pro Jahr. Darüber wird<lb/>
man im nächsten Finanzausgleich reden müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_21">Jedermann weiß, daß der von der ÖVP verlangte Belastungsstopp nur Pro<lb break="no"/>paganda ist, auch Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__128688">Graff</rs> mit seiner Behauptung, man müßte Beamten<lb break="no"/>posten einsparen, ist reine Propaganda. In der Zentralverwaltung sind nur<lb/>
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eine Herabsetzung der Höchstschülerzahl in den Klassen verlangt, was<lb/>
wieder mehr Lehrereinstellung bedeutet. Interessant ist, daß zu dieser<lb/>
österreichischen Wirtschaftsbundveranstaltung ein deutscher Wirtschafts<lb break="no"/>forscher und Universitätsprofessor eingeladen wurde, im Brief der ÖVP<lb/>
steht aber bereits bei seiner Einladung, er soll sich nicht über die Be<lb break="no"/>schäftigungspolitik äußern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_22">Ich habe <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann über die Schiffswerftkritik, die er das letztemal<lb/>
vorgetragen hat, informiert, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ersuchte dann, da er sich wirklich<lb/>
falsch informiert fühlt, um eine entsprechende schriftliche Stellungnah<lb break="no"/>me von Verteidigungsminister <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>, der diesmal anwesend war.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_23">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte den Brief mit <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>-Sekretariat abstimmen<lb/>
und meine Aussagen über die Aussprache mit den beiden Direktoren zur<lb/>
Verfügung stellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_24">Bei dieser Diskussion ist dann wieder die Frage aufgetaucht, wie weit<lb/>
Österreich ausschreiben muß, ich habe am Beispiel der 10 Radlader, die<lb/>
wir jetzt der VÖEST-Alpine als Nullserie ohne Ausschreibung zukommen<lb/>
lassen wollen, demonstriert, daß manche insbesondere militärische Bestellun<lb break="no"/>gen nicht ausgeschrieben gehören. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist hier absolut anderer Mei<lb break="no"/>nung, man solle ruhig ausschreiben und könne dann aufgrund der GATT-Be<lb break="no"/>stimmungen ohne weiteres sagen, daß dies alles Ausnahmen sind, daß man<lb/>
dann letzten Endes vom Zuschlag an den Bestbieter Abstand nimmt <choice><choice><sic>um</sic><corr>und?</corr></choice></choice>, wie<lb/>
er glaubt, die GATT-Ausnahme ohne weiteres wirtschaftlich begründet wer<lb break="no"/>den kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_25">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108322">MEISL</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte eine kurze prägnante Darstellung<lb/>
der GATT-Ausnahmemöglichkeit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_26">Bezüglich der Stellungnahme zur EVA-Kritik meinte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, die sollte ich<lb/>
ihm persönlich dann unter 4 Augen übergeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_27"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kam dann auch auf die Kritik der ÖVP wegen der Flugreise <rs type="person" ref="#per__108328">Pahrs</rs><lb/>
zu dem Saudi-Kondolenzbesuch zu sprechen. <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> mußte innerhalb von<lb/>
36 Stunden entscheiden, der König und seine 3 Ratgeber haben vor Jahren<lb/>
für 3,2 Mrd. S LKW für die saudische Armee in Österreich gekauft, es<lb/>
war daher ganz selbstverständlich, daß ein österreichischer höherer Ver<lb break="no"/>treter, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wollte zuerst sogar selbst fahren, unbedingt dorthin fah<lb break="no"/><pb n="67-1370" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band67/67_1982-11-23_1370.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ren mußte. Im AUA-Computer wurde festgestellt, daß keine wie immer ge<lb break="no"/>artete Flugverbindung bestanden hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_28"><rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> berichtet, daß der 60-Mio.-Heizkostenzuschuß für die Kleinstver<lb break="no"/>diener, 30 Mio. davon Zweckzuschuß der Länder, 30 Mio. durch den Bund durch<lb/>
eine FAG-Gesetzesnovelle erfolgen muß. Ohne Finanzausgleichsgesetz, d.h.<lb/>
einer gesetzliche Grundlage, geht das nicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_29"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> stellte mit Außenminister <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> fest, daß jetzt das US-Konzept,<lb/>
das mit den Ministern ausgearbeitet wurde und mit den Interessensvertre<lb break="no"/>tungen besprochen ist, verwirklicht werden sollte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_30">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Was trifft uns davon.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_31">Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__123215">Fast</rs> hatte eine Enquete gemacht, da sie feststellte, daß<lb/>
die Männer frühzeitiger sterben als die Frauen, sie meinte, man müsse sich<lb/>
daher <del>um</del> dieses Problem<add>[s]</add> mehr annehmen. Diese Situation kam mir persön<lb break="no"/>lich äußerst komisch vor. Auf der einen Seite beschweren sich die Frauen,<lb/>
daß sie ungerechtfertigt noch immer benachteiligt sind, auf der anderen<lb/>
Seite beginnen die Frauen jetzt sozusagen sich um die Männer Sorgen zu<lb/>
machen. Die vielen Staatssekretäre, die wir in der Regierung haben, müßten<lb/>
halt auch einmal ein gemeinsames Konzept suchen, damit in der Öffent<lb break="no"/>lichkeit nicht der Eindruck entsteht, man weiß nicht, was sie nichts<lb/>
auf lange Sicht gesehen im großen Konzept wirklich wollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_32">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109808">ALBRECHT</rs>: Vielleicht kannst Du mir sagen, wie dies läuft.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_33">In der Ministerratssitzung hat dann <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> seinen mündlichen Bericht,<lb/>
den er schriftlich abgegeben hat, nämlich Anschaffungen von Kraftfahrzeu<lb break="no"/>gen für die Bundesverwaltung, bestätigen lassen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat noch einmal<lb/>
darauf verwiesen, daß sowohl BMW als auch GM Opel, die uns ja sehr<lb/>
jetzt unterstützen, bevorzugt werden sollen. Er meinte noch, es hat keinen<lb/>
sehr guten Eindruck gemacht, als bei einer BMW-Veranstaltung nur lauter<lb/>
Mercedes vorgefahren sind.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_34"><rs type="person" ref="#per__117200">Steyrer</rs> wurde von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aufgefordert über die Ergebnisse mit den Lan<lb break="no"/>deshauptleuten zu berichten, das Krankenanstaltengesetz ist jetzt ver<lb break="no"/>längert, der Schwefelgehalt von Heizöl wurde mit einer 15a-Vereinbarung<lb/>
jetzt fixiert, die Verfassungsänderung, Immissionsschutz beim Gesundheits<lb break="no"/>minister, wurde letzten Endes von allen Landeshauptleuten nicht zuletzt<lb/>
durch Unterstützung des LH <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> durchgesetzt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_35">Anschließend an den Ministerrat hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann im Pressefoyer eben<lb break="no"/><pb n="67-1371" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band67/67_1982-11-23_1371.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>falls sehr leidenschaftslos, aber umso härter die Kritik <add>[an?]</add> <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> vorge<lb break="no"/>bracht, ich konnte dies deshalb diesmal mitbekommen, weil nach der Foyer<lb break="no"/>veranstaltung KR <rs type="person" ref="#per__123317">Matousek</rs> von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> einen besonders großen Orden<lb/>
persönlich überreicht und mit Dankesworten über seine Verdienste für<lb/>
Kauf von VW-Autozulieferungen bedankt wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_36">Die Sitzung mit den Handelskreisen über Einweggebinde verlief, wie ich<lb/>
eigentlich erwartet hatte, der Vizepräsident der Handelskammer, <rs type="person" ref="#per__111717">Schön<lb break="no"/>bichler</rs>, verwies darauf, daß sie alles unternehmen werden, um für die<lb/>
alkoholfreien Getränke die Einheitsflasche durchzusetzen. Die Handels<lb break="no"/>kammer hat dafür schon 800.000 S aufgewendet, da die Kosten aber 60<lb/>
Mio. ausmachen und die Industrie vom Handelsministerium 30 Mio. S Subven<lb break="no"/>tion verlangt, habe ich sofort erklärt, dann muß die Handelskammer auch<lb/>
noch wesentlich Mittel mit dazu beitragen. Die Bepfandung der Wegwerf<lb break="no"/>flaschen ist Nonsens in sich, eine Besteuerung, wie in Wien vorgesehen,<lb/>
wird entschieden abgelehnt. Wenn, dann dürfte höchstens eine einheitliche<lb/>
Umweltschutzsteuer für Einwegflaschen kommen. Der Handel wehrt sich<lb/>
ganz entschieden, daß Aludosen dann von ihm zurückgenommen werden müssen,<lb/>
das einzig positive Ergebnis dieser Besprechung war, daß wir jetzt so<lb/>
schnell als möglich diese Einheitsflasche einführen sollten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_37">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97727">MARSCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte, wo möglich, die Budgetmittel heuer<lb/>
noch zuweisen, damit dieses Projekt endlich in Angriff genommen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_38">Im ÖGB gab es eine Sitzung der Obmänner der 15 Gewerkschaften. Die Partei<lb/>
erwartet eine Wahlhilfe von 11 1/2 Mio. S, dies ist unmöglich, das letzte<lb/>
Mal wurden 9 1/2 Mio. S mit Ach und Krach von den Fraktionen der einzelnen<lb/>
Gewerkschaften zusammengekratzt. Auch heuer kann es nicht mehr werden.<lb/>
Da ein Streit ausgebrochen ist, wie aufgrund des neuen Parteiengesetzes<lb/>
dann überhaupt die Spenden gegeben werden können, wurde beschlossen, so<lb/>
schnell als möglich die Fraktionsmittel über den Gewerkschaftsbund der<lb/>
Partei zur Verfügung zu stellen. Da aber außer dem Wahlfonds noch die<lb/>
AZ erhalten werden muß, müßte die Zentrale Fraktion des ÖGB 15 Mio. auf<lb break="no"/>treiben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_39">In der Bundesfraktion wurde dann über die Resolution für die nächste<lb/>
gemeinsame Bundesvorstandssitzung beraten und einstimmig auch beschlossen.<lb/>
Ich wurde aufgefordert über die Klein- und Mittelbetriebsfinanzierung<lb/>
und meine Aussendung zu referieren, ich schloß dann auch einen Situa<lb break="no"/>tionsbericht über Dürnrohr, Kraftwerksbau, an. Der Obmann der öffentlich<lb/>
Bediensteten, <rs type="person" ref="#per__134178">Strutzenberger</rs>, berichtete über die Gehaltsverhandlungen,<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_40">Der sozialpolitische Referent <rs type="person" ref="#per__145811">Maly</rs> berichtete über die Aussetzungsverträ<lb break="no"/>ge. Die Bauarbeiter wehren sich dagegen, daß das Sozialministerium sozu<lb break="no"/>sagen in einem Erlaß dies eindeutig geregelt hat, sie lehnen eine Behör<lb break="no"/>denentscheidung, wie jetzt möglich ist, ganz entschieden ab. Nicht das<lb/>
Arbeitsamt hat zu entscheiden, sondern in einem Erlaß ist festzustellen,<lb/>
wie dies abgewickelt werden wird. Auf Aussetzungsverträge kann die<lb/>
Bauarbeitergewerkschaft und auch andere Gewerkschaften nicht verzichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_41"><add>[Der]</add> Präs. des Hauptverbandes und gleichzeitig auch Zentralsekretär der Bau<lb break="no"/>arbeiter <rs type="person" ref="#per__97741">Millendorfer</rs> berichtete dann über die Apotheker- und Ärzte-<lb/>
Unterschleifen, der Hauptverband verlangt in Hinkunft, daß eine<lb/>
Kündigung keine aufschiebende Wirkung, wie derzeit in dem Vertrag mit den<lb/>
Ärzten und Apothekern vorgesehen ist, haben dürfte. Für solche Verfeh<lb break="no"/>lungen muß eine Kündigung mit Quartalsende sofort wirksam werde. Früher<lb/>
ist es deshalb nicht möglich, weil ja die Kranken quartalsmäßig an<lb/>
einen Arzt gebunden sind.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_42">Im Bezirksräteklub habe ich über die wirtschafts- und sozialpolitische<lb/>
und insbesondere allgemeinpolitische Situation berichtet, insbesondere,<lb/>
ohne daß ich es wußte, wie groß dies dann im Fernsehen noch heraus<lb break="no"/>kommen würde, über den Konflikt <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> – <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>. Bei uns auf der Land<lb break="no"/>straße gibt es immer sehr freimütige und offene Aussprachen, dies erklärt<lb/>
sich daraus, daß ich ja immer ihnen sofort die entsprechenden Informa<lb break="no"/>tionen geben kann und bis jetzt auch immer noch zeitgerecht, ich kann<lb/>
auch ruhig sagen, als erster immer Informationen an die Spitzenfunktio<lb break="no"/>näre in unserem Bezirk geben konnte. Ich frage mich immer, wie andere<lb/>
Bezirksobleute, die diese Informationsquellen Regierung, Parteivorstand<lb/>
Gewerkschaft nicht haben, ihrer Informationspflicht nachkommen. Ich<lb/>
weiß allerdings nicht, wie dieser Nachteil behoben werden könnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-23_43">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Was schlägst Du dazu vor.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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               <occupation>SPÖ-Politiker, Gewerkschafter, NR-Abg.</occupation>
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               <persName type="label">Benya, Anton</persName>
               <persName><surname>Benya</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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               <persName><surname>Rösch</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <persName type="label">Marsch, Fritz</persName>
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               <occupation>SPÖ-Zentralsekr.</occupation>
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               <persName type="label">Kralowetz, Bruno</persName>
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               <occupation>GFM-Gesellschaft Steyr</occupation>
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               <occupation>Dir. Korneuburger Werft</occupation>
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               <persName type="label">Schönbichler, Carl Hans</persName>
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               <occupation>Obmann Sektion Handel BHK</occupation>
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               <occupation>MR HM</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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