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            <title type="main">Montag, der 22. November 1982</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band67_1982-11-22</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_01">Montag, 22. November 1982<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_02">Eine internationale Exposition, sprich <choice><choice><sic>Art-Weltausstellung</sic><corr>eine Art Weltausstellung?</corr></choice></choice>, soll in<lb/>
Tsukuba 1985 abgehalten werde. Der japanische Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__1138316">Matsui</rs><lb/>
reist deshalb um die Welt, um dafür die Länder zu gewinnen. <rs type="person" ref="#per__1138316">Matsui</rs> war<lb/>
ehem. Botschafter und kannte Wien sehr gut. Ich erklärte ihm, daß die<lb/>
Außenhandelsaktivitäten ausschließlich die Bundeshandelskammer durch<lb break="no"/>führt und auch finanziert, ich versprach ihm mit der Bundeshandelskammer,<lb/>
Präs. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs>, beim nächsten Jour fixe darüber<lb/>
zu sprechen und das vorgelegte, sehr interessante und aufwendig ge<lb break="no"/>machte Propagandamaterial dafür zu übergeben. Die Investitionen betragen<lb/>
7 Mrd. Yen, da 20 Mio. erwartet werden, die 3.000 Yen Eintrittsgebühr<lb/>
bezahlen müssen, ist mit einem positiven finanziellen Ergebnis zu rech<lb break="no"/>nen, die Eintrittsgebühr ist meiner Meinung nach verhältnismäßig sehr<lb/>
hoch, wenn ein Tischler ca. 15.000 Yen am Tag verdient.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_03">Viel Hoffnung hatte ich allerdings <rs type="person" ref="#per__1138316">Matsui</rs> nicht gemacht, denn die 1980<lb/>
in Japan durchgeführte Weltausstellung wurde von der Handelskammer auch<lb/>
nicht beschickt, da sie zu teuer gekommen wäre. Diesmal hat die neue<lb/>
internationale Exposition <del>für</del> eine kleinere Fläche jedem Land äußerst<lb/>
billig zur Verfügung gestellt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>. Bitte nächstes Jour fixe HK mitgeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_05">Das Pressefrühstück stand diesmal ausschließlich im Zeichen der Holz<lb break="no"/>produktion, alle 6 Punkte waren von Holzfachleuten resp. Holzproduk<lb break="no"/>tionsvertretern beschickt, sodaß ich sagte, eine Versammlung von Holz<lb break="no"/>würmern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_06">Dir. <rs type="person" ref="#per__133325">Glockenstein</rs>, der Präs. des Österreichischen Fertighausverbandes,<lb/>
ein klingender Titel, allerdings ohne Mittel. Die Fertighauserzeuger haben<lb/>
sich zu einem <choice><choice><sic>apexo Verband austrian briev application export organisa<lb break="no"/>tion</sic><corr>... Austrian Prefabricated ... Export Organization???</corr></choice></choice> zusammengeschlossen. <rs type="person" ref="#per__133325">Glockenstein</rs> hat zwar noch keinen Schilling<lb/>
von dieser Organisation bezogen, hat sich aber in der Welt umgeschaut,<lb/>
wie man Holzhäuser besser verkaufen könnte. Die ARGE Planungsfirmen,<lb/>
Arch. <rs type="person" ref="#per__140401">Auböck</rs>, hat festgestellt, daß Ingenieurbüros heute für 10 Mrd. S<lb/>
für das Ausland Planungen vornehmen. 1.600 Stück könnten in den Nahen<lb/>
Osten, 8.000 Stk. nach Afrika und 20.000 Stück nach Libanon, wo bereits<lb/>
jetzt wieder die Aufbauarbeit ganz groß einsetzt, exportiert werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133325">Glockenstein</rs> hatte festgestellt, daß die Japaner jetzt eine ganz ratio<lb break="no"/>nelle Bautechnologie für Exporte entwickeln, daß aber insbesondere die<lb/>
Südkoreaner weltweit überall als Bauexportfirmen auftreten und heute<lb/>
<pb n="67-1358" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band67/67_1982-11-22_1358.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>diese Branche der größte Devisenbringer für Südkorea ist. Allein in<lb/>
Saudi-Arabien sollen sie für 44 Mrd. $ Auftragsbestand haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_07">Hemmend wirkt sich auch in Österreich die Verwendung von Holz im Bau<lb break="no"/>geschehen aus, durch die harten Bestimmungen der ÖNORM 3800, hier habe<lb/>
ich sofort erklärt, ist das Handelsministerium nicht zuständig, sond<lb break="no"/>ern das Bautenministerium, dort aber spielen die Forderungen der Feuerwehr<lb/>
die entscheidende Rolle. <rs type="person" ref="#per__133325">Glockenstein</rs> meinte zwar, daß wann ein Haus<lb/>
brennt und die Menschen nicht rauskommen, bevor das Haus zu brennen be<lb break="no"/>ginnt, alle bereits durch die Einrichtungsgegenstände, insbesondere<lb/>
Teppiche und Vorhänge, längst schon tot sind, bis dann das Haus selbst<lb/>
als Feuerursache den Tod herbeiführen würde. Ich erklärte aber dezidiert,<lb/>
daß kaum jemand gegen die Feuerwehr Aussicht hat durchzudringen, und vor<lb/>
allem die Feuerwehr durch den seinerzeitigen Hotelbrand im zweiten Be<lb break="no"/>zirk, wo es viele Tote gegeben hat, europaweit eine sehr harte Auflagen<lb break="no"/>politik betreibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109808">ALBRECHT</rs>: Vielleicht kannst du einmal diese Frage im<lb/>
Konsumentenkreis diskutieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_09">Dipl.Ing. <rs type="person" ref="#per__1137525">Schicker</rs> vom BKA hat dann über die regionalen Investitions<lb break="no"/>förderungen der Bundesregierung, 100.000 S pro Arbeitsplatz Berggebiet<lb break="no"/>sonderaktion, ERP-Sonderprogramm, berichtet. Da durch das BKA drei<lb/>
typische Firmen, insgesamt sind 4 Holzfirmen gefördert worden, Zuschüsse<lb/>
bekommen haben diese 3 <choice><choice><sic>drann</sic><corr>dann?</corr></choice></choice> berichtet. Die Waldviertler Holzwerkstatt<lb/>
GesmbH ist auf Initiative von 8 Tischlern entstanden. Interessant war,<lb/>
daß diese im Waldviertel lange suchen mußte, bis sie endlich eine<lb/>
260-m²-Halle mieten konnten, diese ist war 30 km vom nächsten Beschäf<lb break="no"/>tigten entfernt, nähere Hallen von zugrundegegangenen Betrieben haben<lb/>
aus politischen Gründen diese initiativen Leute nicht bekommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1138317">Friedrich Bergmann</rs>, der Sprecher, erklärte sogar, daß sie auf einer Schwarzen<lb/>
Liste sozusagen in Niederösterreich verfemt waren. Während die nieder<lb break="no"/>österreichische Landesregierung der Wiener Firma Berein sofort eine<lb/>
Subvention gegeben hat und 50 Beschäftigte im Jänner 80 dort beginnen<lb/>
konnten, ist nach 1 1/2 Jahren, als diese Firma zugrunde gegangen ist,<lb/>
die niederösterreichische Landesregierung nicht mehr bereit gewesen,<lb/>
die Arbeiter, die sich zu einer Genossenschaft zusammenschließen wollten,<lb/>
zu unterstützen. Die Fa. erzeugt jetzt Kindermöbel und Kinderzimmer,<lb/>
die die Eigenaktivität der Kinder, wie Mag. <rs type="person" ref="#per__1138318">Tschaikner</rs> dann erörterte,<lb/>
besonders fördern sollen. Die Zukunft liegt ausschließlich bei <add>[der]</add> Massiv<lb break="no"/>tischlerei.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_10">Die Holzwerkstätten in Kärnten wieder versucht, wie der Sprecher <rs type="person" ref="#per__1138319">Mocnik</rs><lb/>
berichtete, einen eigenen Stil zu entwickeln, seinerzeit hat Öster<lb break="no"/>reich noch unter Führung der Bauarbeitergewerkschaft die in den<lb/>
60-er Jahren geschaffene soziale Wohnkultur wesentlich beeinflußt.<lb/>
Jetzt kopiert man alles aus Skandinavien. <rs type="person" ref="#per__1138319">Mocnik</rs> meinte, es könnte<lb/>
die ÖFVW mit den Holzverarbeitern, Österreichische Wohngewohnheiten<lb/>
sozusagen in ganz Europa propagieren. Dies wird die ÖFVW kaum machen<lb/>
können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_12">Die Mürztaler Holzdesign, <rs type="person" ref="#per__1138320">Schrenk</rs>, ist eine in der Obersteiermark jetzt<lb/>
etablierte Holzfirma, die insbesondere aus den regionalen Entwicklungs<lb break="no"/>verband hervorgegangen ist. Die dortigen Gewerkschafter, welche diese<lb/>
Mürztaler Holzfirma gegründet haben, erkannten, daß die einseitige<lb/>
Orientierung nach der ausschließlichen obersteirischen Eisenindustrie<lb/>
eine sehr schlechte Struktur des Gebietes ergibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_13">Interessant für mich war, daß es immerhin auch auf diesem wirklich<lb/>
sehr harten Sektor eine Initiative gerade von Gewerkschaftern und son<lb break="no"/>stigen jungen Leuten gibt, die über Genossenschaften und sonstige Zu<lb break="no"/>sammenschlüsse versuchen sich selbst Arbeitsplätze zu schaffen. Staats<lb break="no"/>sekretär <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> hat ja diese Formen sehr gefördert und dies hat sich<lb/>
sehr bezahlt gemacht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_14">Ich habe dem Holzwirtschaftsratsvertreter Dr. <rs type="person" ref="#per__115697">Sedelmaier</rs>, der bei den<lb/>
tschechischen Verhandlungen anwesend war, ersucht, über die Ergebnisse<lb/>
Zusammenstellungen und damit auch einen Bericht an die Presse zu er<lb break="no"/>möglichen, dies erschien mir deshalb sehr wichtig, weil die tschechische<lb/>
Holzexportfirma <choice><choice><sic>Liegner</sic><corr>?</corr></choice></choice> bereits den österreichischen Importeuren mit<lb break="no"/>geteilt hat, daß sie im nächsten Jahr die Holzexporte um 15 bis 20 %<lb/>
senken wird. Ich bin nicht so überzeugt, daß die Medien diese posi<lb break="no"/>tiven Ergebnisse des Tschechenbesuches von <rs type="person" ref="#per__127063">Husak</rs> besonders herausstrei<lb break="no"/>chen werden. Wichtig erscheint mir aber, daß man über die, wenn dann auch<lb/>
vielleicht nur über die APA rausgehenden, Meldungen über diesen glaube<lb/>
ich wirklich großen Erfolg zumindestens die Holz- und Forstleute davon<lb/>
Mitteilung bekommen sollten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Die Abteilung soll an den Holzwirtschaftsrat und<lb/>
ganz besonders an die Präsidentenkonferenz noch offizielles Schreiben<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_16">Die Deutsche Handelskammer in Österreich hat wieder einmal eine General<lb break="no"/>versammlung in Wien einberufen; da 8 Vorstandsmitglieder von dieser<lb/>
Handelskammer durch den Herrn Bundespräsidenten höchste Orden bekommen<lb/>
haben, nützte ich die Gelegenheit, um bei der Ordensüberreichung gleich<lb/>
nicht nur <choice><choice><sic>jedes</sic><corr>für jeden</corr></choice></choice> einzelnen, sondern auch <choice><choice><sic>der aktiven</sic><corr>die aktive</corr></choice></choice> Arbeit der Deutschen<lb/>
Handelskammer lobende Worte auszusprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_17">Die dann mögliche Diskussion mit etlichen deutschen Unternehmern bestärkte<lb/>
mich in der Auffassung, daß jetzt in der BRD kaum mit größeren wirtschaft<lb break="no"/>lichen Aktivitäten gerechnet wird. Die Ankündigung, daß im März bereits<lb/>
Wahlen stattfinden sollen, wirkt sich lähmend aus. Die deutschen Unter<lb break="no"/>nehmer fürchten, daß die FDP aufgrund der letzten Umfragen aus dem<lb/>
<choice><choice><sic>Bundesrat</sic><corr>Bundestag</corr></choice></choice> rausfliegt. An deren Stelle würden dann etliche Grüne gewählt<lb/>
werden, dadurch wird sich dann wenn eine Koalition zwischen der CDU/CSU<lb/>
und der SPD, wenn keine dieser beiden die absolute Mehrheit bekommt, als<lb/>
notwendig erweisen, eine unmögliche Konstruktion ergeben. Da die Grünen<lb/>
wahrscheinlich weder mit der CDU/CSU noch mit der SPD eine regierungs<lb break="no"/>fähige Mehrheit zustandebringen, fürchtet man, daß Deutschland nicht<lb/>
regiert werden kann. Die Erfahrungen, die man aus Hamburg und Hessen ge<lb break="no"/>macht hat, wirken hier abschreckend für Unternehmer, die daher jetzt<lb/>
zuwarten und überhaupt keine Aktivität, insbesondere Investitionen, ent<lb break="no"/>falten. Ich persönlich, ohne daß ich die Meinungsumfragen im einzelnen<lb/>
kenne, erwarte aber daß die CDU/CSU die absolute Mehrheit sehr wohl er<lb break="no"/>reichen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_18">Die Siemensdirektion, aber insbesondere auch die Betriebsräte haben NR<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und mich zu einer Besichtigung und Aussprache in die Landstraßer<lb/>
Siemensbetriebe eingeladen. GD <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> hat mir vorerst mitgeteilt,<lb/>
daß es jetzt geglückt ist aus der SU für die gesamte Kabelindustrie einen<lb/>
60-Mio.-S-Auftrag wieder zu bekommen, <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> führt dies auch nicht<lb/>
zuletzt auf diese meine Intervention zurück und bedankte sich dafür<lb/>
sehr herzlich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_19">Die Siemensleute drängen nun darauf, das Grundstück von den VMW am<lb/>
Donaukanal endlich zugesprochen zu bekommen. Da Siemens seinerzeit<lb/>
in der Göllnergasse ein Hochhaus errichtet hat, das sie jetzt in das<lb/>
neue anschließende, den VMW gehörende Fabriksgelände integrieren wollen,<lb/>
drängen <add>[sie]</add> daher auf diesen Grundstückskauf. Für Siemens ist diese Land<lb break="no"/>straßer Betriebskonstruktion ungeheuer wichtig und die Münchner Zentrale<lb/>
hat einem solchen Kauf auch bereits zugestimmt und möchte eben späte<lb break="no"/>stens im Jänner des nächsten Jahres finalisieren. Über den Preis und<lb/>
<pb n="67-1361" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band67/67_1982-11-22_1361.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>die Konditionen konnte noch keine Einigung erzielt werden, doch ist<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> überzeugt, daß dies ohne weiteres gelingen wird. Der einzige<lb/>
größere Widerstand ergibt sich noch durch Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs>, der noch immer<lb/>
hofft, den Betrieb der VMW in Wien halten zu können. Hier irrt er aber<lb/>
ganz entschieden, denn GD <rs type="person" ref="#per__116449">Streicher</rs> von VMW ist fest entschlossen die<lb/>
Felgenproduktion von Wien heraus und nach Ranshofen zu verlegen, kosten<lb break="no"/>mäßig muß er nämlich aus dem geschmolzenen Aluminium in Ranshofen<lb/>
gleich in die Felgengußproduktion gehen. Auf alle Fälle wird <rs type="person" ref="#per__116449">Streicher</rs><lb/>
aber den Wiener Betrieb früher oder später auflassen. Die dort durchge<lb break="no"/>führte Fensterproduktion hat auch keine große Aussicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_20">Siemens muß den Pinkafelder Betrieb, 100 Beschäftigte, jetzt bis März<lb/>
83 schließen, sie hat einen anderen burgenländischen Betrieb gewonnen,<lb/>
der von den 100 Beschäftigten in der ersten Phase 40 übernimmt und<lb/>
dann sogar bis 100 Beschäftigte ausbauen möchte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_21">Auch in Zistersdorf, wo seit 1960 produziert wird und wo sogar schon ein<lb break="no"/>mal 700 Beschäftigte waren, derzeit <del>von</del> 250 sind, wird früher oder später<lb/>
geschlossen werden müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_22">Auf Wunsch von <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> habe ich nach der Betriebsbesichtigung dann<lb/>
mit Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97678">Lacina</rs> und GD <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> von der ÖIAG über den Kauf<lb/>
von VMW-Grund gesprochen. Beide erklärten mir, daß sie bereits mit dem<lb/>
AK-Präs. <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> und Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> eine Vereinbarung erzielt hatten,<lb/>
danach wird die Kommunikationstechnik am Donaukanal konzentriert wer<lb break="no"/>den und diese neue Fabrik gebaut werden. Warum Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> dann bei<lb/>
der Wiener Konferenz als letzter Diskussionsredner sogar um 11 Uhr nachts<lb/>
noch sich ganz entschieden gegen diese Idee ausgesprochen hat, ist mir,<lb/>
aber auch <rs type="person" ref="#per__97678">Lacina</rs> und <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> ein Rätsel. <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> machte nur die Be<lb break="no"/>merkung, daß Siemens seinerzeit bei der Vereinbarung versprochen hat<add>[, daß]</add><lb/>
für die Telefonie größere Investitionen in Österreich getätigt werden<lb/>
und die ÖIAG noch immer diesbezügliche Vorschläge erwartet. GD <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs>,<lb/>
den ich dann sofort über diese Stellungnahme informierte, meinte, es sei<lb/>
eben die neue Fabrik, die Siemens am Donaukanal bauen will, die damals<lb/>
von Siemens versprochen wurde.<lb/>
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34 km sich konkretisieren, die vorgesehenen 6 Mrd. S Kredit sind allein<lb/>
schon durch die 1 Mrd. S Schienenbestellungen und sonstigen Aufträge ver<lb break="no"/>geben. Die SGP würde jetzt noch 4,8 Mrd. S für zusätzliches rollendes<lb/>
Material neue Kredite benötigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_24">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Laß bitte prüfen, wie weit Algerien derzeit<lb/>
noch Kredite bekommen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_25">Bezüglich des großen Ägyptenauftrages hat jetzt nur mehr die ägyptische<lb/>
Zentralbank den Finanzierungsvertrag zu bestätigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_26">Siemens hofft, in Japan für 70 Mio. S sogenannte software, d.h. EDV-Akti<lb break="no"/>vitäten dorthin verkaufen zu können. Die Verhandlungen laufen angeb<lb break="no"/>lich sehr erfolgreich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_27">Das wirkliche Problem für Siemens ist aber die Elinaktivität auf dem<lb/>
Sektor der Kommunikationstechnik. Wenn Elin sich jetzt breit macht,<lb/>
dann wird es zu einem harten Konkurrenzkampf zwischen Siemens und Elin<lb/>
kommen. Ich selbst habe <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> vorgeschlagen, es wäre doch zweck<lb break="no"/>mäßiger vorher Gespräche darüber zu führen, <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> meinte, dies<lb/>
machen sie die ganze Zeit, ohne zu einem positiven Ergebnis zu kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_28">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Was wissen wir davon.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_29">Die Akademiker der Landstraße der Landstraße, von mir immer im klein<lb break="no"/>sten Kreis als Intelligenzbestien bezeichnet, hatten einen blendenden<lb/>
Vortrag von Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs>, wie mir die Teilnehmer übereinstimmend<lb/>
dann bestätigten. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hatte diese Akademikergruppe jetzt schon, man<lb/>
könnte sagen, fest in der Hand, trotzdem haben wir beide beschlossen,<lb/>
daß wir jetzt in Hinkunft nicht mehr in der AK diese Veranstaltung<lb/>
abhalten werden, sondern im Magistratischen Bezirksamt auf der Land<lb break="no"/>straße. Ich habe deshalb zum Schluß angekündigt, daß wir uns jetzt im<lb/>
der AK zum letztenmal getroffen haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_30">Mit Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> besprach ich dann noch längere Zeit das Pro<lb break="no"/>blem des Institutes für Wirtschaftsforschung. <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> war bedrückt von<lb/>
mir zu hören, daß sein Nachfolger <rs type="person" ref="#per__131086">Kramer</rs> nicht annähernd diese Elo<lb break="no"/>quenz und vor allem dieses Verhandlungsgeschick hat mit allen Interes<lb break="no"/>sensvertretungen freimütig zu diskutieren und dann auch noch einen<lb/>
Weg einzuschlagen, der nicht unbedingt auf die harte Kritik eines<lb/>
Interessensvertreters gestoßen ist. <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> hat, als er noch das WIFO<lb/>
leitete, es stets verstanden, ohne prinzipielle grundsätzliche Wege<lb/>
zu verlassen, alle Interessensvertretungen, mehr oder minder auch sogar<lb/>
die Regierung für seine Erkenntnisse zu gewinnen, wo dies nicht möglich<lb/>
war, war er immerhin imstande, daß die Interessensvertretungen nur eine<lb/>
sachliche Kritik vorbrachten und niemals aber ihn oder das Institut<lb/>
in den politischen Tageskampf reinzogen. Bei der neuen Leitung unter Dr.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_31"><rs type="person" ref="#per__131086">Kramer</rs> wird dies immer stärker der Fall. <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs>, aber auch ich bedauerten<lb/>
dies zu tiefst, können es aber sicherlich nicht ändern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-22_32">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Wie kommt das Handelsministerium mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__131086">Kramer</rs> aus.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 22.11.1982</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Sekr. Büro Staribacher</occupation>
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