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            <title type="main">Freitag, der  5. November 1982 bis Montag, der  8. November 1982</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_01">Freitag, 5. und Samstag, 6. November 1982<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_02">Bei der Verleihung von Ehrenzeichen waren diesmal 20 Männer und nur<lb/>
eine Frau. Die weit über 80-jährige <rs type="person" ref="#per__1138475">Hofbauer</rs> wollte aber unbedingt<lb/>
alleine vorher das große Ehrenzeichen überreicht bekommen. Angeblich<lb/>
hat ihr Enkerl irgendwelche andere Feierlichkeiten. Unwahrscheinlich<lb/>
aber, wie diese rüstige Frau vom kleinsten Zuckerlgeschäft jetzt bei<lb/>
dieser großen Schokoladefabrik noch mitwirkt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_03">Die anderen 20 Auszuzeichnenden waren aus den verschiedensten Bran<lb break="no"/>chen und eigentlich auch aus den verschiedensten Gründen ausgezeich<lb break="no"/>net worden. Zum ersten Mal war <rs type="person" ref="#per__123301">Vecsei</rs> dabei, er hat sofort erkannt,<lb/>
was für mich an Unterlagen wichtig ist und sofort ein eigenes Schema<lb/>
entwickelt, nach dem er hofft, daß ich in Hinkunft die Unterlagen be<lb break="no"/>kommen werde. Wenn dies nach 12 Jahren möglich ist, wäre ich sehr<lb/>
überrascht. Bis jetzt ist es mir auf alle Fälle nicht gelungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_04">Mit dem Vorstandsdirektor <rs type="person" ref="#per__114091">Gmeinhart</rs> von den Tauernkraftwerken, dem<lb/>
Aufsichtsrat der TKW Dr. <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> <add>[ev. Falschidentifikation, Anm.]</add> und vor allem auch <rs type="person" ref="#per__131107">Grossendorfer</rs> be<lb break="no"/>sprach ich die Verbundkonzern notwendigen Überprüfungen von Unzuläng<lb break="no"/>lichkeiten. Die vom Rechnungshof kritisierten Punkte sind größten<lb break="no"/>teils abgestellt. Stromdeputate gibt es weder für Vorstände noch für<lb/>
Aufsichtsräte, etliche aber noch kritisierte Privilegien wie Fami<lb break="no"/>lienzusatzversicherungen auf Gesellschaftskosten, mitfahrende Ehe<lb break="no"/>gattinnen usw. sollen nach übereinstimmender Meinung so schnell als<lb/>
möglich abgeschafft werden. Dies soll aber womöglich sofort geschehen,<lb/>
damit eine ev. Kampagne der Oppositionsparteien im Parlament unter<lb break="no"/>laufen werden. Bei Kritiken des Rechnungshofes hat sich immer gut<lb/>
gemacht, wenn dann bereits im endgültigen Bericht verzeichnet wurde,<lb/>
daß die Beanstandung des Rechnungshofes in der Zwischenzeit erledigt<lb/>
ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__131107">GROSSENDORFER</rs>: Laß eindeutig klären, was in den einzel<lb break="no"/>nen Gesellschaften noch zusätzlich gegeben wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_06">Im Shopping Center Süd haben die Zillertaler einen eigenen Werbestand<lb/>
aufgestellt. Bei einer Pressekonferenz haben sie den Zeitungen auf den<lb/>
Zusammenschluß aller 111 Lifte von 10 Gesellschaften in einen Ski<lb break="no"/>paß mitgeteilt. Die einzelnen Bürgermeister berichteten über das<lb/>
Zillertal, neu für mich war ein sogenannter <rs type="person" ref="#per__133052">Stock</rs>-Expreß. Der Skiwelt<lb break="no"/><pb n="67-1286" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band67/67_1982-11-05_1982-11-08_1286.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>meister <rs type="person" ref="#per__133052">Stock</rs> gibt den Namen, sein Bruder führt jetzt von Wien jedes<lb/>
Wochenende mit Tanzwaggon usw. um 1.390-- S Feriengäste nach Tirol.<lb/>
Für mich erfreulich ist, daß jetzt die Tiroler anfangen sich schön<lb/>
langsam mehr um den Wiener Gast zu kümmern. Ob es ihnen gelingt wird<lb/>
sich erst weisen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: <rs type="person" ref="#per__116141">Laß</rs> Dir bitte nach einiger zeit über den Erfolg<lb/>
berichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_08">Bgm. <rs type="person" ref="#per__1138476">Steiner</rs> von Ramsberg ersuchte mich für eine Wirtin, deren Mann<lb/>
durch einen Verkehrsunfall derzeit in Haft ist, für die Weihnachtsam<lb break="no"/>nestie beim Bundespräsidenten zu intervenieren. Da es sich um keinen<lb/>
alkoholisierten Unfall handelt, ist <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> normalerweise dazu<lb/>
bereit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte bei der Präsidentschaftskanzlei anfragen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_10">Der japanische Botschafter <rs type="person" ref="#per__122975">Yamato</rs> berichtete MR <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> und mir, daß<lb/>
er bezüglich des Tourismus, wenn die Japan Airlines und natürlich dann<lb/>
auch die AUA entsprechendes Übereinkommen zustande bringt, eine große<lb/>
Ausdehnungsmöglichkeit sieht. <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> hat aber für eine japanische Gruppe<lb/>
bereits alles vorbereitet, damit die japanischen Manager mit den öster<lb break="no"/>reichischen Stellen zusammen deren Wünsche weitestgehend erfüllen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__122975">Yamato</rs> war damit sehr zufrieden, meinte allerdings, wir sollten ihm<lb/>
viel mehr noch Vorschläge unterbreiten, was japanische Firmen und auch<lb/>
öffentliche Stellen für eine Verstärkung des japanisch-österreichischen<lb/>
Handels tun könnten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Vielleicht könnten wir die Investoren<lb break="no"/>werbung über ihn in Japan verstärken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_12">Beim Jour fixe mit der AK und dem ÖGB berichtete ich über die Vorsprache<lb/>
des Dr. <rs type="person" ref="#per__117012">Schuster</rs> von Ankerbrot. Die AK ist nicht bereit, auch nur über<lb/>
eine Fixpreisregelung für Brot zu sprechen. Mit Ach und Krach haben<lb/>
sie dann zur Kenntnis genommen, daß, sollte neuerdings die Innung und<lb/>
die Industrie an mich herantreten, ich ihnen sagen kann, daß ich im<lb/>
Gespräch mit AK und ÖGB bin. Natürlich sind wir uns alle klar, daß<lb/>
vor den Wahlen im April 83 überhaupt nichts geschehen kann und wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_13">Die AK und ÖGB stellten mit Recht fest, daß wichtiger als ein Fixpreis<lb/>
für Brot die ungeheuren Importzunahmen abgestellt werden sollten. Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115003">Weihs</rs> von der AK berichtete, daß in den Importwaren Konservantien sind,<lb/>
<pb n="67-1287" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band67/67_1982-11-05_1982-11-08_1287.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>z.B. bis 10 % Propionsäure, die lt. österreichischer Vorschrift<lb/>
höchstens 2 % betragen dürfte. AK und ÖGB waren sofort damit einver<lb break="no"/>standen, daß Dr. <rs type="person" ref="#per__133371">Mandl</rs>, Branchenreferent, unverzüglich die anderen<lb/>
Ministerien mobilisieren soll, damit jetzt endlich dieser Unfug abge<lb break="no"/>stellt wird. Dr. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> meinte, <rs type="person" ref="#per__133371">Mandl</rs> soll als crash programme manager<lb/>
fungieren. Dieser hat diese Aufgabe sofort übernommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Wenn nötig mir sofort sagen, wenn<lb/>
ich bei Ministern intervenieren muß.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_15">Die Futtermittelverordnung läßt noch immer nicht eine Hunde- und<lb/>
Katzenfuttererzeugung in Österreich zu. Die Fa. Master Food würde<lb/>
sofort 50 Beschäftigte und in weiterer Folge bis 120 Beschäftigte mit<lb/>
dieser neuen Produktion aufnehmen können. Niemand versteht, warum es<lb/>
bis jetzt nicht zu dieser Genehmigung der Produktion gekommen ist, ob<lb break="no"/>wohl vor Monaten bereits man prinzipiell erklärt hat, daß dies möglich<lb/>
sei. Dr. <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> berichtete, daß jetzt die Veterinäre große Schwierig<lb break="no"/>keiten machen, weil sie Konfiskate dazu nicht freigeben wollen. Für<lb/>
dieses Hundefutter wird eine hygienischere Produktion verlangt als<lb/>
dies bei menschlichen Konserven der Fall ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte wenn nötig sofort an andere Minister jetzt<lb/>
ein Schreiben richten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_17">Über die Änderung der Fremdenverkehrsrichtlinien konnte nach langwie<lb break="no"/>rigen Verhandlungen zwischen SC <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und den AK-Vertretern dann doch<lb/>
eine Einigung erzielt werden. Doppelförderung ist ausgeschlossen, die<lb/>
Innovationsprämie resp. Qualifikationsprämie von 15 % soll restriktiv<lb/>
gegeben werden, wird aber grundsätzlich auch akzeptiert, wenn dadurch<lb/>
zusätzliche Fremdenverkehrsaufkommen möglich sind. Für die einzelnen<lb/>
Fälle wird eine 10-Mio.-Obergrenze eingezogen. Ausnahme davon bilden<lb/>
aber Gemeinschaftsprojekte wie z.B. Hallenbäder, Tennisplätze usw.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs> UND <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> sofort<lb/>
verständigen, damit er diese neue Idee noch in der Budgetdebatte<lb/>
verwerten kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_19">Die Grundpreisauszeichnung wird neuerdings bezüglich des Salzes und<lb/>
Öles, 2-1/2-Liter-Gefäß mit AK und ÖGB und anderen Interessensvertre<lb break="no"/>tungen neuerdings besprochen. Sollten von einzelnen Produkten noch<lb/>
größere Vorräte an Verpackungsmaterial vorhanden sein, besteht von<lb/>
mir eindeutig die Absicht, auch nach 1. Juli 83, wo die neue Grundpreis<lb break="no"/><pb n="67-1288" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band67/67_1982-11-05_1982-11-08_1288.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>auszeichnung in Kraft tritt, diesen Termin neuerdings für dieses Pro<lb break="no"/>dukt dann zu verschieben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_20">Bezüglich der Weinwerbung erklärte sich Ing. <rs type="person" ref="#per__115003">Weihs</rs> von der AK, aber auch<lb/>
vorher schon LUGA-Sekretär <rs type="person" ref="#per__126872">Macho</rs> bereit, in Hinkunft die Werbeprojekte<lb/>
und Methoden der ÖFVW zur Kenntnis zu bringen. Der letzte Slogan hat<lb/>
den Ausdruck Jodeln, auf Englisch <choice><choice><sic>joddeling</sic><corr>yodeling?</corr></choice></choice> übersetzt und nicht be<lb break="no"/>achtet, daß dies ein negativer Begriff in Amerika ist. <rs type="person" ref="#per__115003">Weihs</rs> allerdings<lb/>
meint, daß der Repräsentant der ÖFVW deshalb verärgert ist, weil seine<lb/>
Werbeagentur nicht zum Zug gekommen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte laß dies prüfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_22">Bei Einweggebinde herrscht Übereinstimmung, daß wir im Handelsministerium<lb/>
weiter auf Sozialpartnerebene versuchen sollen eine Lösung zu finden,<lb/>
die von der Gemeinde Wien beabsichtigte Steuer wird sowohl von AK,<lb/>
ÖGB als auch von der Handelskammer entschieden abgelehnt. Alle sehen<lb/>
darin eine Benachteiligung der Wiener Händler, Dr. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs>, VKI, behaup<lb break="no"/>tet sogar, die Steuer ist überhaupt nicht administrierbar. Laut dem<lb/>
Hygienegesetz ist derzeit die Abfüllung von Mineralwasser in Plastik<lb break="no"/>flaschen verboten, die 2-Liter-Plastikflasche wird daher nach wie vor<lb/>
ein Flopp, auf dieses Gebiet nicht anzuwenden sein. Darüber hinaus<lb/>
gibt es beim Codex eine Empfehlung, daß nur bis 1-1/2-Liter-Flaschen<lb/>
Mineralwasser abgefüllt werden darf. Die Aludosenproduktion dagegen<lb/>
wird mehr oder minder von allen akzeptiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_23">Bezüglich der gewünschten Zollreduktion der Tschechen, womöglich noch<lb/>
erledigt vor dem <rs type="person" ref="#per__127063">Husák</rs>-Besuch, wird von der AK und dem ÖGB im Prinzip<lb/>
eine Verhandlungsaufnahme zugestimmt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_24">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte mit der Handelskammer jetzt so schnell<lb/>
als möglich die Gespräche einleiten lassen.<lb/>
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für Fremdenverkehrsprojekte, insbesondere des Kärntners <rs type="person" ref="#per__150254">Pipsi Mayr</rs>,<lb/>
billige ausländische Kredite hereinkommen sollen. Da ich genau weiß,<lb/>
daß die ÖNB einer solchen Differenzierung und Spaltung des Kapital<lb break="no"/>marktes nie zustimmen wird, erkläre ich sofort, diese Frage braucht er<lb/>
mir gar nicht stellen, da sie nicht vom Standpunkt des <rs type="person" ref="#per__150254">Pipsi Mayr</rs>,<lb/>
auch nicht vom Standpunkt des Fremdenverkehrs, sondern in der ÖNB<lb/>
sowieso ausschließlich vom währungspolitischen Standpunkt beurteilt<lb/>
<pb n="67-1289" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band67/67_1982-11-05_1982-11-08_1289.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wird. AK und ÖGB sprechen sich aber im übrigen gegen eine Aufspaltung<lb/>
des Kapitalmarktes aus.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_26"><rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> berichtet, daß die Habenzinssenkung von einem 1/2 % von den<lb/>
Banken abgelehnt wurde. Die ÖNB hat daher den Diskontsatz um 1/2<lb/>
% zusätzlich gesenkt, die Banken aber warten ab, bis mit Jahresanfang<lb/>
die Sollzinsen ebenfalls gesenkt werden. Die Leistungsbilanz 82<lb/>
wird ausgeglichen sein, die österreichischen Devisenreserven sind<lb/>
jetzt 75 Mrd. S. Der internationale Währungsfonds hat eine Delegation<lb/>
hier, die aber insbesondere die Ostkreditgewährung sich genauer an<lb break="no"/>sieht und kritisiert. Die ÖNB befürchtet, daß die westlichen Banken<lb/>
dann durchdrehen, so wie bei den Ungarn die Kredite dann kündigen<lb/>
resp. sperren, wodurch auch die österreichische Bankenwirtschaft schwer<lb/>
in Mitleidenschaft gezogen würde. Ich sehe keinesfalls so schwarz,<lb/>
muß aber zugeben, daß natürlich, wenn die westlichen Banken sich gegen<lb break="no"/>seitig absprechen oder vielleicht gar einem politischen Druck ihrer<lb/>
Regierung folgen, insbesondere in den Vereinigten Staaten, dann kann es<lb/>
auch bei uns zu beträchtlichen Schwierigkeiten kommen. Trotzdem glaube<lb/>
ich aber haben wir gerade jetzt wieder einmal bewiesen, wie wir die<lb/>
DDR-Wünsche, die gleichzeitig auch der VÖEST-Alpine wesentliche Liefe<lb break="no"/>rungen ermöglichen, ohne Inanspruchnahme der ÖNB finanzieren können.<lb/>
Die Kreditsituation wird immer kritischer, weil international über<lb break="no"/>haupt keine Auswege sichtbar werden, der ganze Berg wird sozusagen vor<lb/>
uns hergeschoben, den 100 Mrd. $ Ostkrediten stehen mindestens 400 Mrd.<lb/>
$ Entwicklungsländer und Lateinamerika im Westen gegenüber, wenn es<lb/>
daher nicht bald gelingt eine generelle Lösung zu finden, dann kann<lb/>
tatsächlich ein finanzieller Kollaps entstehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_27">Samstag trafen sich im Hofmann &amp; Maculan-Keller eine bunt gemischte<lb/>
Gesellschaft, eingeladen von NR <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>. Mit GD <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> besprach ich die<lb/>
Privilegienprobleme, er wird sofort veranlassen, daß innerhalb des<lb/>
Konzernes festgestellt wird, wer eigentlich solche Privilegien hat<lb/>
und soweit dies nicht schon geschehen ist, die Abstellung versuchen.<lb/>
Schwierigkeiten wird es geben bei dem Wohnungsgeld für die Direktoren<lb/>
der DoKW, <rs type="person" ref="#per__114580">Kobilka</rs> und TKW, <rs type="person" ref="#per__115694">Kandolf</rs>. Diese haben sie vertraglich zuge<lb break="no"/>sichert, ich habe <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> vorgeschlagen, er soll darüber Gespräche<lb/>
führen und wenn möglich irgendwelche andere Ersatzlösungen vorsehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_28">Der Marchfeldkanal gibt jetzt der E-Wirtschaft die Möglichkeit, vom Land<lb break="no"/>wirtschaftsminister eine vernünftige Lösung für Hainburg zu verlangen.<lb/>
Der Gesundheitsminister <rs type="person" ref="#per__117200">Steyrer</rs> wird, wie er mir immer wieder, auch bei<lb/>
diesem Abend versicherte, vernünftige Lösungen sowohl in Osttirol als<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_29">Bezüglich der Intervention des AR-Präsident der Verbund <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wegen<lb/>
des ehem. Dir. <rs type="person" ref="#per__113017">Berchtold</rs> von <choice><choice><sic>VIK</sic><corr>VIW</corr></choice></choice> erklärt <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs>, daß er nicht bereit<lb/>
ist, auch nur geringsten von den bisherigen Beschlüssen, die alle<lb/>
einstimmig gefaßt wurden, abzuweichen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_30">Die STEWEAG kann nach Meinung von <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> keinerlei zusätzliche Braun<lb break="no"/>kohlenmengen der GKB übernehmen, dies bedeutet, daß eigentlich die<lb/>
ÖDK die Zusatzproduktion aufnehmen müßte, ich werde jetzt einen Plan<lb/>
über die Importversorgung, aber insbesondere Unterbringung der öster<lb break="no"/>reichischen Kohlenproduktion für das Jahr 83 im Detail erstellen las<lb break="no"/>sen. Auf die Dauer halte ich es wirklich für unmöglich, daß die<lb/>
E-Wirtschaft als alleiniger Großabnehmer sozusagen übrig bleibt.<lb/>
Dies gilt ganz besonders für die Verbund, die Landesgesellschaften <choice><choice><sic>müssen</sic><corr>?</corr></choice></choice><lb/>
hier stärker eingeschaltet werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_31">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__131107">GROSSENDORFER</rs>: Bitte entsprechendes veranlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_32">Die Stromexportmöglichkeiten Albaniens über Jugoslawien nach Österreich<lb/>
sieht <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> ausschließlich nur dann für durchführbar, wenn die<lb/>
380 Zweisystem KV Linie errichtet wird. Die österreichischen Investi<lb break="no"/>tionen würden 210 Mio. betragen, die jugoslawischen 160 Mio. Da die<lb/>
Jugoslawen sicherlich dafür kein Geld haben, müßte auch Österreich<lb/>
diesen Betrag vorfinanzieren, der ev. dann mit Stromlieferungen abge<lb break="no"/>golten werden könnte. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> wird die diesbezüglichen Verhandlungen<lb/>
genau wie jetzt mit Italien wegen der Österreich-Italien-Schweiz-<lb/>
Leitung selbst führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_33">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__131107">GROSSENDORFER</rs>: Was weiß unsere Sektion davon.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_34"><rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> wird zu dem Dürnrohr-Gipfel am 9.11. um 13 Uhr ins Parlament<lb/>
selbst kommen. Er wird mit seinen Leuten dann anschließend mit einem<lb/>
Sonderjet nach Klagenfurt runterfliegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_35">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__131107">GROSSENDORFER</rs>: Bitte offene Punkte in Tabellenform<lb/>
zusammenstellen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_36">Der Verbundkonzern hat ein Vorsteuerbruttoergebnis von 1,7 Mrd. S,<lb/>
630 Mio. muß für die Pensionsrückstellung bereitgestellt werden, wo<lb break="no"/>durch sich das Sozialkapital entsprechend verbessert. Für die Strom<lb break="no"/><pb n="67-1291" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band67/67_1982-11-05_1982-11-08_1291.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>preisrückstellung können 200 Mio. abgezogen werden, die verbliebenen<lb/>
rund 800 Mio. werden durch Gewinnzuweisung auf die einzelnen Konzern<lb break="no"/>betriebe, wobei interessanterweise die Verbundgesellschaft selbst durch<lb/>
ihren geringen Eigenkapitalschlüssel nur ein bißchen mehr als über<lb/>
20 % bekommt, also 170 Mio. erwarten kann. Da die Verbund einen Ver<lb break="no"/>lustvortrag von 1 Mrd. S hat, wird sie ohne Steuerleistung durchkommen.<lb/>
Ob dies bei den anderen Konzernbetrieben auch so geschehen wird, ist<lb/>
noch zu prüfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_37">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__131107">GROSSENDORFER</rs>: Was weiß unsere Sektion darüber.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_38">Der ebenfalls anwesende <rs type="person" ref="#per__111698">Harry Schachner</rs> meinte, wir sollten in der BRD<lb/>
jetzt eine Fremdenverkehrskampagne mit dem Motto "auch Arbeitslose<lb/>
können ihren Urlaub in Österreich preiswert verbringen" starten. Er<lb/>
hat bei einem Besuch im Burgenland festgestellt, daß viele deutsche<lb/>
Besucher, die arbeitslos waren, immer wieder erklären, nach Österreich<lb/>
geht es sich gerade noch aus. Früher sind diese Gäste wahrscheinlich<lb/>
bis in die Karibik oder auf die Seychellen gefahren, zumindestens aber<lb/>
haben sie das Mittelmeer besucht. <rs type="person" ref="#per__111698">Schachner</rs> wird diesbezüglich auch<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> über seine neue Idee reden. Ich selbst bin nicht ganz sicher,<lb/>
ob<add>[wir]</add> wirklich eine Propaganda Österreich das billigste Reiseland starten<lb/>
sollen. Vor allem habe ich <rs type="person" ref="#per__111698">Schachner</rs> sofort erklärt, wir sollten eher<lb/>
mit dem Begriff preiswert operieren, dem steht ja nicht entgegen, daß<lb/>
man dann gewisse Gegenden wie Waldviertel, Mühlviertel, südliches<lb/>
Burgenland, Oststeiermark usw. als besonders preiswert, in dem Fall<lb/>
aber wirklich auch billig vorstellt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_40">Der Peugeot-Besitzer <rs type="person" ref="#per__115009">Walter</rs>, bei dem ich mich wegen der unglückseli<lb break="no"/>gen Autobestellung auch entschuldigte, erklärte, heuer ist er wieder<lb/>
über den Berg. Peugeot selbst hat auch in Frankreich einen riesigen<lb/>
Rückschlag hinnehmen müssen, das jetzt von Peugeot herausgebrachte neue<lb/>
Modell schlägt angeblich alles dagewesene und ist konkurrenzlos.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_41">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Laß entsprechende Vergleiche anstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_42">Sonntag, 7. und Montag, 8. November 1982<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_43">Botschafter <rs type="person" ref="#per__118679">Nettel</rs>, insbesondere aber seine Frau, die ganz hervorragend<lb/>
kocht, läßt es sich nicht nehmen, unbedingt bei ihr am Abend immer eine<lb/>
Zusammenkunft aller Delegierten mit den Beamten in Genf und deren Frauen<lb/>
zu arrangieren. Diesmal gab es eine ganze Reihe von Mehlspeisen,<lb/>
Topfenpalatschinken, Schokoladestrudel, Apfelkuchen, Buchteln mit Kanari<lb break="no"/>sauce, Vanillekipferl und noch ein Dutzend andere kleine Mehlspeisen.<lb/>
Wie sie mir sagte, macht sie sich diese Arbeit gern, weil sie, und das<lb/>
glaube ich ihr wirklich, nicht nur hervorragend, sondern auch gerne<lb/>
selbst kocht, und vor allem das Haus <rs type="person" ref="#per__118679">Nettel</rs> sehr gastfreundlich ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_44">Die vorher durchgeführte Vorbesprechung für die EFTA-Tagung verlief<lb/>
wie üblich, jetzt ist es für mich leichter, nachdem ich nach 10 Jahren,<lb/>
wo ich mich immer Englisch plagen mußte, das heißt ich die aufgesetzten<lb/>
Statements runtergelesen habe, Deutsch und damit frei sprechen kann.<lb/>
Die einzelnen Teilnehmer, vor allem aber die in Genf ansässigen Beamten<lb/>
kennen die Materie und wollen sie mir bis ins letzte Detail auch immer<lb/>
wieder erklären, dies bedeutet, daß ich trotz meiner EFTA-Routine<lb/>
immer wieder neue Detailprobleme serviert bekomme. Daß sie mich nicht<lb/>
besonders interessieren, weil die ganze EFTA jetzt schon immer in<lb/>
Routine erstickt, möchte ich gar nicht laut sagen, damit die Beamten<lb/>
dort nicht frustriert werden. Da wir jetzt den Gen.Sekr.-Stv. stellen,<lb/>
ist anstelle des dafür von uns abgestellten <rs type="person" ref="#per__126997">Faustenhammer</rs> von der<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs>-Abteilung <rs type="person" ref="#per__131469">Komaz</rs> neu nach Genf gekommen, der sich sehr gut einge<lb break="no"/>arbeitet hat. Botschafter <rs type="person" ref="#per__118679">Nettel</rs> ist mit ihm sehr zufrieden, wie er<lb/>
uns im Auto sozusagen unter 6 Augen, MR <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> und mir erklärte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_45">Die Tagung selbst unter Vorsitz des isländischen Handelsministers<lb/>
lief ebenfalls sehr routinemäßig, interessant waren bei der offiziellen,<lb/>
aber dann insbesondere bei der informellen Sitzung nur die Frage Jugos<lb break="no"/>lawien, in 14 Tagen stattfindende GATT-Ministertagung und das beabsich<lb break="no"/>tigte Treffen der 17 Minister, 10 von der EG und 7 EFTA zu einer feier<lb break="no"/>lichen Zehnjahres-Gedenksitzung über das Abkommen zwischen EG- und EFTA-<lb/>
Staaten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_46">Bei der offiziellen Sitzung wurde über die Zusammenkunft des Kontakt<lb break="no"/>komitees Jugoslawien - EFTA berichtet, an den Einstellungen der einzel<lb break="no"/>nen Staaten zu diesem Problem hat sich wenig geändert, prinzipiell<lb/>
sagen alle, man soll mit den Jugoslawen weiterverhandeln, der große<lb/>
Unterschied besteht nur zwischen Norwegen und Österreich auf der einen<lb/>
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Abschluß wollen - der Schweiz und Finnland auf der anderen Seite, die<lb/>
sehr zurückhaltend agieren. Da die Jugoslawen den Vertrag mit der<lb/>
EFTA nur aufgrund des Anhanges 4 für die Entwicklungsländer wünschen,<lb/>
die Schweiz aber darauf besteht, daß nur der Art. 24 des GATT-Vertra<lb break="no"/>ges wo die Reziprozität von Präferenzen vorgesehen ist erwartet, er<lb break="no"/>gibt sich daraus jetzt eine jahrelange Diskussion die durch nicht sehr<lb/>
geschickte und starre Erklärungen der Jugoslawen, wie ich ja selbst<lb/>
auch bei meinem letzten Besuch in Belgrad feststellen mußte, auch nicht<lb/>
gerade förderlich für einen Abschluß ist. In der offiziellen Sitzung<lb/>
wurde unter dem selben Punkt auch über den arbeitenden portugiesischen<lb/>
Investitionsfonds berichtet. Ich habe dies daher als Aufhänger benützt<lb/>
um auch anzudeuten, daß man überlegen sollte, ob nicht auch für die<lb/>
Jugoslawen ein solcher Fonds vorgesehen werden könnte. Der Vorteil<lb/>
einer solchen Regelung wäre, daß die Jugoslawen ein noch größeres In<lb break="no"/>teresse hätten mit der EFTA zu einem Abschluß zu kommen. Da sich auch<lb/>
in der inoffiziellen Sitzung dazu niemand äußerte, bin ich nicht sehr<lb/>
überzeugt, daß man diese Idee ernstlich diskutieren will. Beim Mittag<lb break="no"/>essen war es nur noch der portugiesische Minister der mich angesprochen<lb/>
hat und meinte, bei ihnen hat sich der Fonds bestens bewährt, er würde<lb/>
dafür eintreten, daß die Jugoslawen einen solchen Investitionsfonds<lb/>
bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_47">Wichtiger aber als die Details dieser Verhandlungen mit Jugoslawien<lb/>
war die eindeutige Erklärung des norwegischen Ministers, daß man die<lb/>
jugoslawischen Verhandlungen und das Ergebnis aus politischen Gesichts<lb break="no"/>punkten, Erhaltung der Jugoslawen für den Westen sehen muß. Interes<lb break="no"/>sant haben alle erwartet, daß die Schweizer hier reagieren würden, dann<lb/>
hätte ich mich natürlich noch ausführlicher mit dem Problem beschäfti<lb break="no"/>gen müssen, Bundesrat <rs type="person" ref="#per__111708">Honegger</rs> aber schwieg. Vielleicht ist dies aber<lb/>
auch darauf zurückzuführen, daß er mit Jahresende, wie er mir gleich<lb/>
bei der Begrüßung erklärte, endgültig entschieden hat aus dem Amt zu<lb/>
scheiden. Ich brauchte daher bei der informellen Sitzung nur die Er<lb break="no"/>klärung des norwegischen Ministers als zutreffend bezeichnen, mich<lb/>
seiner Äußerung anschließen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_48">Über die GATT-Ministertagung wurde sowohl in der offiziellen als auch<lb/>
in der inoffiziellen Sitzung lange diskutiert. Die hohen Beamten im<lb/>
GATT, die ja gleichzeitig auch die Beamten der EFTA sind, verhandeln<lb/>
jetzt bei mehr als ein Dutzend Problemen von der Schutzklausel bis<lb/>
zur Landwirtschaft und insbesondere die Nord-Süd-Entwicklungsländer<lb break="no"/>fragen, ohne einem sichtbaren Ergebnis. Alles erwartet, daß bei der<lb/>
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gerade noch erscheinen, um dort ein Statement runterzulesen, und dann<lb/>
die Sitzung wieder verlassen. Ich habe bereits angekündigt, daß wahr<lb break="no"/>scheinlich Frau Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> nach Genf kommen wird, die<lb/>
dann, und dies wird Österreich wieder einmal positiv auszeichnen,<lb/>
die ganze Zeit während der Tagung zumindestens in Genf bleiben wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_49">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109808">ALBRECHT</rs>: Bitte bereite dich geistig darauf vor, mate<lb break="no"/>riell wird es kaum eine Diskussion geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_50">Unerklärlich für mich war es, daß dann in der informellen Sitzung über<lb/>
die Möglichkeit einer Einladung zur EG um den 10. Jahrestag der Vertrags<lb break="no"/>unterzeichnung zu feiern, so große Differenzen entstehen können. Die<lb/>
Schweiz war diesmal nicht nur durch den Bundesrat <rs type="person" ref="#per__111708">Honegger</rs>, sondern auch<lb/>
durch Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__118681">Jolles</rs> und den leitenden Beamten <rs type="person" ref="#per__125287">Sommaruga</rs> vertre<lb break="no"/>ten. Die Schweiz tüftelt bei allen Problemen und wo keine sind, macht<lb/>
sie welche. Zuerst hat es sogar den Anschein als wollten die Schweizer<lb/>
nicht nur eine Anregung, daß eine extra Sitzung und womöglich nicht<lb/>
in Brüssel stattfinden soll zur Bedingung machen. Als ich dazu fest<lb break="no"/>stellte, daß man der EG keine Bedingungen wegen des Ortes und wegen<lb/>
der Zeit stellen sollte, meinte dann <rs type="person" ref="#per__111708">Honegger</rs>, daß dies von ihnen<lb/>
nicht beabsichtigt sei. Ich glaube, daß wenn es zu einer Zusammenkunft<lb/>
aller 17 Minister kommt, dies nur entweder vor oder im Anschluß an<lb/>
eine EG-Ministerratssitzung erfolgen kann. Ich kann mir nicht vorstellen,<lb/>
daß die 10 Minister extra wegen der 10-Jahres-Feier womöglich noch an<lb/>
einen anderen Ort wo sie sich sonst eben gerade treffen anreisen. Lange<lb/>
wurde dann noch diskutiert, wie man die heutige Entscheidung der Mini<lb break="no"/>ster der EFTA, die allerdings nicht im offiziellen Sitzungsteil dann<lb/>
besprochen wurde, der EG zur Kenntnis bringt. Eine wirklich lächerliche<lb/>
Frage.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_51">Interessant und überrascht war ich, daß diesmal der ORF den Fernseh<lb break="no"/>redakteur <rs type="person" ref="#per__134274">Friedrich</rs> nach Genf geschickt hat, damit er über die EFTA<lb/>
eine entsprechende Aufnahme macht. Er interviewte mich unter dem Ge<lb break="no"/>sichtspunkt, was hat die EFTA noch für einen Wert, in der Wirtschafts<lb break="no"/>krise wird ja doch der Protektionismus immer stärker sozusagen unter<lb/>
dem sehr negativen Gesichtspunkt dieser wie ich glaube äußerst wichti<lb break="no"/>gen Freihandelszonenregelung und Organisation. Angeblich soll daraus<lb/>
sogar eine Schilling-Sendung gemacht werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_52">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Vielleicht kann <rs type="person" ref="#per__115174">Swietly</rs> dies ein bißchen posi<lb break="no"/>tiver darstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_53">Außerhalb der Tagesordnung versuchte ich bei Bundesrat <rs type="person" ref="#per__111708">Honegger</rs> zu er<lb break="no"/>fahren, wie sie die beabsichtigten Beschränkungen der USA zu CoCom-<lb/>
Listenprodukte, <choice><choice><sic>Exportverhinderungen</sic><corr>?</corr></choice></choice> in die SU und insbesondere den Tech<lb break="no"/>nologietransfer dorthin behandeln. Wie ich erwartet habe, gehen die<lb/>
Schweizer sehr pragmatisch vor. Sie sind so wie wir nur bereit ein<lb/>
Endverbrauchszertifikat, daß die Importprodukte die aus den Vereinigten<lb/>
Staaten kommen, und wo es die amerikanische Firma für ihre Ausfuhr<lb break="no"/>genehmigung braucht, der Schweizer Firma, die diese Produkte bezieht,<lb/>
eine Endverbrauchsbestätigung auszustellen. Kontrolliert wird dies<lb/>
auch genauso wenig wie bei uns, für den Technologietransfer gibt es<lb/>
überhaupt keine Bestimmungen und werden auch keine eingeführt. Mit dem<lb/>
neuen schwedischen Finanzminister, der erst ganz kurze Zeit im Amt<lb/>
ist und der wahrscheinlich nach Reorganisation der Regierung dann gar<lb/>
nicht mehr die handelspolitischen Agenden wahrnimmt, habe ich erst<lb/>
darüber gar nicht gesprochen, weil ich fest davon überzeugt war, er kann<lb/>
dies ja gar nicht wissen. Auf Beamtenebene hat <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> sowohl mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__125287">Sommaruga</rs> von der Schweiz als auch mit dem langjährigen schwedischen<lb/>
Delegationsleiter über diese Fragen auch vorsichtigst vorgefühlt und<lb/>
gesprochen. <rs type="person" ref="#per__125287">Sommaruga</rs> bestätigte das, was ich von <rs type="person" ref="#per__111708">Honegger</rs> erfahren habe,<lb/>
der schwedische Beamte dagegen war entweder im Detail nicht informiert<lb/>
oder wollte nichts sagen, er erklärte nur prinzipiell, daß die Schweden<lb/>
aus Neutralitäts- und Souveränitätsgründen sich keine Vorschriften<lb/>
machen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band67_1982-11-05_54">Überrascht war ich, daß die Unterlagen und Informationen, die ich für<lb/>
die CoCom-Liste und Probleme gesammelt hatte und mit hatte, MR <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs><lb/>
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               <persName><surname>Walter</surname><forename>Josef "Joschi"</forename></persName>
               <occupation>Fußballfunktionär FK Austria Wien</occupation>
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               <persName><surname>Würzl</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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               <persName type="label">Kandolf, Heimo</persName>
               <persName><surname>Kandolf</surname><forename>Heimo</forename></persName>
               <occupation>Dir. TKW</occupation>
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               <persName type="label">Kirchschläger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Kirchschläger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Außenminister, Bundespräsident</occupation>
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               <persName type="label">Steyrer, Kurt</persName>
               <persName><surname>Steyrer</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>SPÖ-NR-Abg., ab 1981 Gesundheitsmin.</occupation>
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               <persName type="label">Faustenhammer, Norbert</persName>
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               <persName type="label">Kienzl, Heinz</persName>
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               <persName type="label">Swietly, Ernst A.</persName>
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               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <persName type="label">Stock, Leonhard</persName>
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               <occupation>Leiter Sekt. III HM</occupation>
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               <persName type="label">Yamato, Akira</persName>
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               <occupation>Botschafter</occupation>
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