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            <title type="main">Freitag, der  8. Oktober 1982 bis Sonntag, der 10. Oktober 1982</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band66_1982-10-08</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_01">Freitag, 8. Oktober, bis Sonntag, 10. Oktober 1982<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_02">Bei der Eröffnung der Sitzung des Nationalrates zur Abstimmung über<lb/>
die Unterausschußeinsetzung für Finanzierungsfragen, die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-Ge<lb break="no"/>schichten, die jetzt dann aber über alle, auch <rs type="person" ref="#per__126906">Rabelbauer</rs>-Finanzierung,<lb/>
ausgedreht werden sollte, gab es zuerst Applaus, bei der SPÖ zögernd be<lb break="no"/>ginnend, doch dann auch auf die anderen Fraktionen übergreifend, wußte<lb/>
Präs. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> nicht oder zumindestens hat er sehr geschickt dann gespielt,<lb/>
um was es sich handelte. Als alle drei Parteien aber einstimmten, wußte<lb/>
er, daß es sich um seinen Geburtstag handeln muß. In echter Metallarbei<lb break="no"/>termanier machte er ein symbolisches Händeschütteln, heute würde man<lb/>
sagen shake hands in die Richtungen der drei im Parlament vertretenen<lb/>
Parteien. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hat zu seinem 70. Geburtstag von überall derartig<lb/>
positive Laudationen bekommen, daß man ihm dazu wirklich nur gratulie<lb break="no"/>ren und <add>[sich]</add> als Gewerkschafter freuen kann, wie sehr heute sein Präsident<lb/>
und damit auch der Gewerkschaftsbund anerkannt ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_03">Die Z hat die Idee oder zumindestens deren Vertreter <rs type="person" ref="#per__1137945">Dräxler</rs> vom 6.<lb/>
Bez., einen zinsbegünstigten Kredit für Konsumkäufe, wenn es sich um<lb/>
österreichische Waren handelt, zu gewähren. Zuerst glaubte ich, sie erwarten<lb/>
von uns einen Zinsenzuschuß wie bei Investitionskrediten. Dies ist aber<lb/>
nicht der Fall, sie wollen von uns nur Kriterien, wie man österreichische<lb/>
Waren abgrenzen kann und wer in der Handelskammerorganisation, aber auch<lb/>
im Handelsministerium ihnen bei der Aufstellung der Richtlinien helfen<lb/>
könnte. SC <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> hat es übernommen mit der ARGE Qualitätswaren ev.<lb/>
notwendige Kriterien festzulegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte mir über den Fortgang berichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_05"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte wegen der Polenkredite ins Parlament geladen und, wie ich<lb/>
aus der Einladung entnehmen konnte, die Minister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs>, <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> dazu ge<lb break="no"/>beten. Ich hatte angenommen, wir würden über die Möglichkeit einer wei<lb break="no"/>teren Finanzierung reden, war aber sehr überrascht, als ich ein volles<lb/>
Ministerzimmer vorfand, mit vielen Beamten des Außenministeriums und<lb/>
auch anderen Vertretern bis zu dem Leiter des Ostinstitutes <rs type="person" ref="#per__113836">Levcik</rs>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_06"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eröffnete dann, daß er sich eine unparteiische Institution,<lb/>
Organisation vorstellen kann, in <choice><choice><sic>dem</sic><corr>der</corr></choice></choice> West- und Ostvertreter bis jetzt <add>[?]</add><lb/>
zumindestens agierten. Diese Institution soll dann eine Studie über die<lb/>
Wirtschaftspolitik und politische Lage der Polen ausarbeiten. Im Sinne<lb/>
<pb n="66-1162" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band66/66_1982-10-08_1982-10-10_1162.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>des Helsinkiabkommens würde natürlich die Souveränität der Polen nach<lb/>
wie vor anerkannt, doch müßte man über diese Studie zu einer Lösung der<lb/>
schwierigen wirtschaftspolitischen Probleme Polens kommen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird<lb/>
daher ein Memorandum an alle Staatsmänner schicken und sie zur Mitar<lb break="no"/>beit auffordern. Er ist sich vollkommen bewußt, daß er damit genauso wie<lb/>
seinerzeit bei der Anerkennung der PLO auf weitesten Widerstand stoßen<lb/>
wird, wäre heute in Amerika noch der Außenminister <rs type="person" ref="#per__128854">Haig</rs>, hält er es<lb/>
überhaupt nicht für durchführbar, mit dem neuen amerikanischen Außen<lb break="no"/>minister <rs type="person" ref="#per__149296">Shultz</rs> glaubt er aber, daß man zumindestens über die Frage<lb/>
wird reden können. Auch bei den Sowjets hat er vorsichtigst vorgefühlt,<lb/>
diese fürchten, daß man bei einer solchen Studie bereits entsprechende<lb/>
politische Konditionen fordern wird. Trotzdem will <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> jetzt seine<lb/>
Idee in Angriff nehmen, denn er fürchtet ansonsten, daß aus solchen Si<lb break="no"/>tuationen, sei es wie im Nahen Osten, jetzt auch in Polen, ein größerer Kon<lb break="no"/>flikt, ja sogar ein Krieg ausbrechen könnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_07">Außenminister <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> schlug die ECE oder die Helsinki-Nachfolgeorganisa<lb break="no"/>tion KSZE vor. Die Polen wollen den Internationalen Währungsfonds, bei<lb/>
dem sie aber nicht einmal Mitglied sind und wahrscheinlich auch aufgrund<lb/>
ihrer jetzigen finanziellen Situation längere Zeit auch nicht werden.<lb/>
Ev. gibt es auch die Möglichkeit, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> jetzt nur ein Memorandum<lb/>
an die Staaten schickt, und wer sich dann meldet von diesen eine Exper<lb break="no"/>tengruppe ev. zu bilden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_08">Kontrollbankdirektor <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> erklärte, daß er bei der Weltbanktagung in<lb/>
Toronto feststellen konnte, daß überall eine Hilflosigkeit herrscht.<lb/>
Wenn dies weiter anhält und wenn weiter nichts geschieht, wird die<lb/>
Situation dramatisch, jetzt momentan kann man ohne weiteres das ganze Pro<lb break="no"/>blem noch auffangen, bevor ein Staat umfällt und dann natürlich eine<lb/>
Dominoeffekt entsteht. Auch die Ungarn seien ins Schleudern gekommen,<lb/>
doch hätte mit Hilfe der Schweizer und vor allem aber Österreich ihnen<lb/>
jetzt eine Hilfe gewährt werden können. In Amerika wird es vielleicht<lb/>
jetzt leichter werden, weil Mexiko so wie die Oststaaten jetzt auch voll<lb break="no"/>kommen zahlungsunfähig ist. Mexiko allein ist in Dollar so hoch verschul<lb break="no"/>det, wie der Gesamtosten in Österreich in Schilling. Allein 5 amerikani<lb break="no"/>sche Großbanken sind mit 10 Mrd. $ in Mexiko engagiert und sind dadurch<lb/>
ins Gespräch gekommen. Die wichtigste Aufgabe ist es jetzt einmal den<lb/>
Bevölkerungen klarzumachen, daß es immer nur bei Staatsverschuldungen<lb/>
bei einer Umschulung darum geht, daß wieder die Zinsen bezahlt werden<lb/>
können, niemals noch wurden Staatsschulden effektiv zurückgezahlt. Die<lb/>
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Zinsen bezahlt werden, ist ein Staat immer noch kreditfähig.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_09">Diese Anschauung deckt sich genau mit meiner, die ich seit langer Zeit<lb/>
schon vertrete. Da niemals noch die Staatsschulden in Summe zurückge<lb break="no"/>zahlt wurden, sondern immer nur der einzelne, wenn er Geld benötigte,<lb/>
eben seine Staatspapiere und Anleihen zurückgibt, kommt es zur An<lb break="no"/>häufung von Staatsschuld, eine teilweise Bereinigung erfolgt meistens nur<lb/>
dann im Zuge eines Krieges, weil insbesondere die Verlierer ihre Staats<lb break="no"/>verschuldung auch verlieren resp. für die Zeichner verlustig werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_10"><rs type="person" ref="#per__113836">Levcik</rs> schlug vor, daß man wenn sich keine internationale Institution<lb/>
findet, als letzten Ausweg, dem <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann auch zustimmt, gegebenenfalls<lb/>
so wie seinerzeit die Sozialistische Internationale eine <rs type="person" ref="#per__114110">Brandt</rs>- oder<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114142">Palme</rs>-Gruppe <choice><choice><sic>eingesetzt hat</sic><corr>einsetzt</corr></choice></choice>. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hätte aber lieber eine vorhandene<lb/>
Institution. Die letzte so auf eine einfache Empfehlung durchgeführte<lb/>
Aktion in Cancun, wo das Nord-Süd-Problem gelöst werden sollte, hat auch<lb/>
nichts zusammengebracht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_11"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schlug dann vor, es sollte jedes Ministerium ein Memorandum<lb/>
ausarbeiten und ihm schicken, ich habe dagegen vorgeschlagen, mir er<lb break="no"/>scheint es zweckmäßiger, die leitenden Beamten setzen sich zusammen und<lb/>
bauen gleich gemeinsam ein Memorandum und habe zu dieser Kommission<lb/>
SC <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> delegiert. Im Außenamt wird dies Botschafter <rs type="person" ref="#per__116049">Reisch</rs> zusammen<lb break="no"/>fassend redigieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte über weiteren Vorgang berichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_13">Verteidigungsminister <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> habe ich die neuen Stubaier Eispickel mit<lb/>
den verschiedensten Variationsmöglichkeiten erklärt und dann auch den<lb/>
von Stubai mir geschenkten Pickel zur Erprobung der Gebirgstruppe über<lb break="no"/>geben. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> wollte vor allem wissen, was ein solcher Satz kostet; da die<lb/>
Stubaier zuerst über die Qualität ihrer Produkte demonstrieren wollen,<lb/>
haben sie mich nicht ermächtigt diesbezügliche Auskünfte zu geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte mit <choice><choice><sic>Stubaier</sic><corr>Stubai? den Stubaiern?</corr></choice></choice> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_15"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte zur Aussprache mit Dr. <rs type="person" ref="#per__114101">Mittag</rs> und Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> und<lb/>
dem deutschen Botschafter <rs type="person" ref="#per__122250">Schramm</rs> Minister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> und mich dazu gebeten.<lb/>
Er erklärte ganz freimütig <rs type="person" ref="#per__114101">Mittag</rs>, daß es für Österreich ein Risiko<lb/>
darstellt der DDR noch einen weiteren Kredit, wenn auch nur ganz kurzfri<lb break="no"/><pb n="66-1164" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band66/66_1982-10-08_1982-10-10_1164.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>stig, 360 Tage, und zum Ankauf von österreichischen Produkten zu gewähren.<lb/>
Insbesondere die Finanzierung der Öllieferung, die ja in Wirklichkeit nur<lb/>
ein Transitgeschäft ist, wird sich sehr schwierig durchführen lassen.<lb/>
Er vertraut aber auf die Geschicklichkeit des Handelsministers, daß es<lb/>
letzten Endes gelingen wird diesen ganzen Kreditrahmen abzuwickeln. Be<lb break="no"/>züglich der Ölmengen hatten wir uns vorher schon, <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs>, <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> und ich,<lb/>
geeinigt. Im heurigen Jahr sollten noch 400.000 to geliefert werden, im<lb/>
nächsten ersten Halbjahr weitere 400.000 to. Die gewünschten 1 1/2<lb/>
Mio. to wurden dann auf 800.000 to defacto reduziert, <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> ersuchte nur,<lb/>
daß wir in das Paket nur 1 Mio. to hineinschreiben, wissend, daß er dies<lb/>
nur dann bekommt, wenn alle sonstigen Verpflichtungen genau erfüllt<lb/>
werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat auch bei dieser Aussprache ganz besonders darauf<lb/>
verwiesen, daß die Abwicklung dieser Geschäfte mit fast 150.000 to Stahl<lb break="no"/>lieferung, besonders für die <choice><choice><sic>verstaatlichten</sic><corr>Verstaatlichte?</corr></choice></choice> sehr interessant, <add>[davon]</add> abhängig<lb/>
ist, daß die DDR ihre Zahlungsverpflichtungen auch bis ins letzte ein<lb break="no"/>hält. Dr. <rs type="person" ref="#per__114101">Mittag</rs> hat dies auch sofort bestätigt. Die DDR wird ihre Ver<lb break="no"/>pflichtungen nicht nur gegenüber Österreich erfüllen, sondern überhaupt.<lb/>
Voriges Jahr und heuer hat es anfangs noch Schwierigkeiten gegeben, weil<lb/>
man die Polenprobleme auffangen mußte. Jetzt ist die DDR über den Berg,<lb/>
da die Polen sich stabilisiert haben und Kohle wieder liefern. Am deut<lb break="no"/>lichsten kommt die Kreditwürdigkeit indirekt auch dadurch zum Ausdruck,<lb/>
daß jetzt Westdeutschland, auch die neue Regierung, 5 Mrd. DM Ostdeutschland<lb/>
zur Verfügung stellen wird. Ohne daß es bei dieser Sitzung erwähnt<lb/>
wurde, darf man nicht wissen, daß 2,6 Mrd. DM nicht kommerzielle Einnahmen<lb/>
aus Verwandtenbesuchen, Transit usw. Westdeutschland jährlich an die<lb/>
DDR zu bezahlen hat. Die fast 30 Mrd. S Kredite, die jetzt die DDR aus<lb/>
Österreich hat und die eben jetzt noch kurzfristig wieder um 5 Mrd.<lb/>
erhöht werden, seien daher nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, aber auch <rs type="person" ref="#per__114101">Mittags</rs> vertret<lb break="no"/>bar und werden daher so abgewickelt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_16">Ich habe <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> dann, als die DDR schon weg war, darauf aufmerksam ge<lb break="no"/>macht, daß er jetzt mit der Kontrollbank, <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs>, reden muß, um die Finan<lb break="no"/>zierung zu klären.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_17"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dann noch <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> und mir Bezug nehmend auf die dringliche<lb/>
Anfrage im Parlament dann <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> wegen der Weisungen an die Staatsanwalt<lb break="no"/>schaft angedeutet, daß wir uns das alles hätten ersparen können, wenn<lb/>
nicht viel zu lange Regierungskollegen, er persönlich auch, <add>[das]</add> Vorgehen des<lb/>
ehem. Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> gedeckt hätten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kündigte mir an,<lb/>
scheinbar weil er weiß, daß es ja doch alle Begebenheiten, bei denen<lb/>
ich anwesend bin, im Tagebuch festhalte und dies bis jetzt strengst ver<lb break="no"/>traulich immer niemals noch in die Zeitungen gekommen ist, daß er auch<lb/>
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seine Meinung, daß jetzt Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> die Politik, insbe<lb break="no"/>sondere was die Staatsschulden betrifft, auslöffeln muß, die <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> <add>[ihm?]</add><lb/>
mehr oder minder einbrockte. Insbesondere hatte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sich über einen<lb/>
Artikel in der Wochenpresse, wo <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> indirekt <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> kritisiert,<lb/>
sehr geärgert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte diesen Wochenpresseartikel beschaffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_19">Am Sonntag Vormittag haben die Purkersdorfer Naturfreunde zu einem Wander<lb break="no"/>tag eingeladen. Gestartet wurde von Purkersdorf, das Ziel war der<lb/>
Troppberg. Ich war sehr überrascht, daß nur nicht einmal ein Dutzend<lb/>
Leute, obwohl ein sehr schöner Herbsttag mit Sonnenschein war, an dieser<lb/>
Wanderung teilnahmen. Ich hatte allerdings die Möglichkeit mit dem Sekre<lb break="no"/>tär <rs type="person" ref="#per__113840">Ströer</rs> vom ÖGB etliche Gewerkschaftsprobleme freimütig und einge<lb break="no"/>hend zu besprechen. Schon allein deshalb war dieser Ausflug für mich<lb/>
wichtig und interessant. Überrascht war ich dann aber, als am Troppberg,<lb/>
sozusagen beim Ziel der Wanderung, etliche hundert Leute bei Musikkapelle<lb/>
und Essen und Trinken sich eingefunden hatten und feierten. Auch die<lb/>
Naturfreundewanderer fahren jetzt so weit wie möglich an das Ziel heran<lb/>
und gehen halt die letzten paar Meter zu Fuß.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_20">Bei der Geburtstagsfeier mit meinen alten Freunden und Verwandten konnte<lb/>
ich nur kurze Zeit anwesend sein, da ich den neuen bulgarischen Vor<lb break="no"/>sitzenden der Gemischten bulgarisch-österreichischen Kommission <rs type="person" ref="#per__1137943">Tschakarow</rs><lb/>
einleitende Gespräche führen wollte. <rs type="person" ref="#per__1137943">Tschakarow</rs> selbst hat, wie er mir<lb/>
versicherte, sich über die österreichischen Verhältnisse besonders in<lb break="no"/>teressiert und jetzt auch studiert, weshalb es glaube ich umso notwendiger<lb/>
war ihn bereits am Vorabend über die wirklich offenen Probleme frei<lb break="no"/>mütigst zu informieren. Das Protokoll Über die Tagung, das ja immer<lb/>
sehr nichtssagend ist, war bereits bis ins letzte Detail ausgearbeitet;<lb/>
wenn es allein wegen der Protokolle ist, so frage ich mich wirklich,<lb/>
warum eine Gemischte Kommission zusammentreten muß. Für die Bulgaren ist<lb/>
entscheidend, daß sie womöglich einen neuen großen offenen Finanzkredit<lb/>
bekommen, zu diesem Zweck möchte er auch eine Zusammenkunft mit Finanz<lb break="no"/>minister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs>. Ich habe <rs type="person" ref="#per__1137943">Tschakarow</rs> klar und deutlich gesagt, daß wir<lb/>
einen offenen Finanzkredit nicht geben; wenn österreichische Lieferungen<lb/>
an Waren, aber auch an Anlagen nach Bulgarien erfolgen sollten, d.h. die<lb/>
Bulgaren jetzt endlich die schon oft Monate und Jahre lang dauernden<lb/>
Gespräche zu einem positiven Abschluß bringen, daß dann sicherlich auch<lb/>
<pb n="66-1166" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band66/66_1982-10-08_1982-10-10_1166.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>die Kreditfinanzierung mit gelöst werden wird. Warenlieferungen und ins<lb break="no"/>besondere auch Anlagenlieferungen sind bis jetzt noch nie an Kreditfrage<add>[-n]</add><lb/>
gescheitert. Da <rs type="person" ref="#per__1137943">Tschakarow</rs> im Laufe dieser Woche fast alle wichtigen<lb/>
österreichischen Betriebe, VÖEST-Alpine, SDP, GFM, Philips, Heid, Voith,<lb/>
besichtigen wird, hat er dort Gelegenheit mit den Managern über weitere<lb/>
Kontrakte zu sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_21">Ein anderes offenes Problem ist die Erhöhung der grenzüberschreitenden<lb/>
Genehmigungen für bulgarische LKW. Verkehrsminister <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> hat mir<lb/>
bereits erklärt, daß die Erhöhung unter gar keinen Umständen infrage<lb/>
kommt. Die Bulgaren wünschen vor allem Drittländergenehmigungen, d.h.<lb/>
sie nehmen in Österreich dann Frachtgüter auf, transportieren sie bei<lb/>
ihrer Hinfahrt in die EG und bei der Rückfahrt dann womöglich nach Irak<lb/>
Iran. Durch diese Methode nehmen sie österreichischen Frächtern den<lb/>
Transport weg, die österreichischen Frächter, die ebenfalls die selbe<lb/>
Anzahl von Bewilligungen haben wie die Bulgaren in Österreich, können<lb/>
nicht einmal zu einem Drittel diese ausnützen. Dieses Problem mußte ich<lb/>
aber im Detail mit <rs type="person" ref="#per__1137943">Tschakarow</rs> nicht besprechen, da er einen eigenen Termin<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_22">Die dritte offene Frage wurde in der Zwischenzeit geklärt, das Textilab<lb break="no"/>kommen sieht vor, daß wir 109.000 Hemden importieren, 25.000 wurden<lb/>
jetzt dazugelegt, das sind 134.000 Stk. Da aber im heurigen Jahr wahr<lb break="no"/>scheinlich 142.000 Hemden defacto importiert werden und die Bulgaren<lb/>
größten Wert darauf legen, daß sie auch im nächsten Jahr die selbe Menge<lb/>
importieren können, hat <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> schon indirekt bei den Vorgesprächen den<lb/>
Bulgaren zugesagt, daß wir sicherlich diese 142.000 auch im nächsten Jahr<lb/>
kaufen werden. Damit ist der bulgarische Unterhändler einverstanden ge<lb break="no"/>wesen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_23">Ich habe dann aufgrund der österreichischen Projektlisten, die die<lb/>
Bulgaren auch schon inoffiziell bekommen haben, den Minister besonders<lb/>
darauf aufmerksam gemacht, daß wir in Österreich das System haben, nur<lb/>
österreichische Firmen können mit bulgarischen Außenhandelsstellen oder<lb/>
dazu berufenen und autorisierten Firmen Kontrakte abschließen, das Han<lb break="no"/>delsministerium hat keinen wie immer gearteten direkten Einfluß darauf,<lb/>
ob eine Firma abschließt oder nicht. Dies hat der bulgarische Botschafter<lb/>
in Österreich, <rs type="person" ref="#per__113027">Georgiew</rs>, aber auch der Handelsrat <rs type="person" ref="#per__113838">Penkow</rs> auf das entschie<lb break="no"/>denste bestritten. Sie glauben nach wie vor, und ich kann sie scheinbar mit<lb/>
Worten gar nicht überzeugen, daß es mein Einfluß ist der die Ausweitung<lb/>
des bulgarisch-österreichischen Handels herbeiführt und daß ich dabei<lb/>
auch indirekt an dem fast 17 %-igen Rückgang des bulgarischen Exportes<lb/>
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mitverantwortlich bin. Da ich aber niemals die Absicht habe mich mit<lb/>
Fremden Federn zu schmücken, weder im positiven noch im negativen Sinne,<lb/>
erklärte ich dezidiert noch einmal unser österreichisches System, damit<lb/>
die Aufgabe der Bulgaren eben mit österreichischen Firmen, sei es auf<lb/>
der Importseite oder auf der Exportseite, ins Geschäft zu kommen, nur<lb/>
diese entscheiden letzten Endes ob wir Waren beziehen oder Waren liefern<lb/>
resp. ob sie dies eben können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band66_1982-10-08_24">Als ich abends dann nach Hause kam, war natürlich die Geburtstagsfeier<lb/>
schon zu Ende. Meine Frau hat sich über das Geschenk des Büros, eine<lb/>
Vase, die <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> glaubte, man könne sie ihr nicht geben, wie gar nicht<lb/>
anders zu erwarten, sehr gefreut.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesprogramm, 10.10.1982</head>
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