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            <title type="main">Donnerstag, der 17. Juni 1982</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_01">Donnerstag, 17. Juni 1982<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_02">Das 7. österreichische Konsumentenforum wurde mit einem Rückblick und<lb/>
einer Grundsatzerklärung von Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> eröffnet. Sie<lb/>
wehrte sich vorerst und meinte, dies sollte unbedingt ich machen. Da<lb/>
sie aber gerade in den letzten Jahren sich den Konsumentenfragen ge<lb break="no"/>widmet hat, auch als Konsumentenstaatssekretärin bekannt ist, fand ich<lb/>
es für selbstverständlich, daß sie eigentlich nicht nur die Eröff<lb break="no"/>nung macht, sondern auch das ganze Forum leitet. Bei meiner kurzen An<lb break="no"/>sprache habe ich mich für die kollegiale Zusammenarbeit mit allen<lb/>
Interessensvertretungen bei den bisherigen Konsumentenforen bedankt<lb/>
und ganz besonders darauf verwiesen, daß so viele Teilnehmer als<lb/>
bei diesem 7. Forum, weil sie eingeladen hat, noch niemals zu verzeich<lb break="no"/>nen waren. Schade, daß es nicht geglückt ist, das Fernsehen wenigstens<lb/>
zu einem Schwenk zu bekommen, so eine überfüllte Veranstaltung hat<lb/>
wahrscheinlich das Fernsehen schon lange nicht gehabt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109808">ALBRECHT</rs>: Hast Du versucht das Fernsehen einzuladen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_04">Während <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit Präs. <rs type="person" ref="#per__133649">Mitterrand</rs> selbstverständlich unter 4 Augen<lb/>
konferierte, gab es nicht einmal eine einzige Plenumssitzung, sondern<lb/>
es wurde gleich entschieden, daß mit der zahlreichen Begleitung des fran<lb break="no"/>zösischen Präsidenten die einzelnen Minister, Staatssekretäre usw.<lb/>
bilaterale Gespräche führen sollen. Trotzdem im Parlament die Wirt<lb break="no"/>schaftsgesetze auf der Tagesordnung waren, habe ich, da ja die Agrarier<lb/>
begonnen haben, solche bilaterale Gespräche mit dem französischen Budget<lb break="no"/>minister <rs type="person" ref="#per__1137899">Fabius</rs> und der Konsumentenministerin <rs type="person" ref="#per__1137900">Lalumiere</rs> geführt. Zum Unter<lb break="no"/>schied von <rs type="person" ref="#per__1137899">Fabius</rs>, der sich prinzipiell alles anhörte, hat <rs type="person" ref="#per__1137900">Lalumiere</rs><lb/>
Aufzeichnungen gemacht und sogar nach Detailinformationen verlangt. Ich<lb/>
habe ihr aus den umfangreichen schriftlichen Unterlagenmaterial ganz<lb/>
einfach die entsprechenden Ziffern und Zusammenstellungen herausgerissen<lb/>
und übergeben, leider waren sie in Deutsch, sodaß ich sicher bin, sie<lb/>
wandern spätestens in Paris in den Papierkorb. Im Prinzip verwies ich<lb/>
auf die <choice><choice><sic>Unbalanz</sic><corr>Imbalance</corr></choice></choice> unseres Handels, höchstes Handelsbilanzdefizit 1977<lb/>
mit 5 1/2 Mrd. S, dies im vergangenen Jahr noch immer 3 1/2 Mrd, auf die<lb/>
Frage, wie man es verbessern könnte, natürlich der Hinweis von mir, die<lb/>
nichtoffiziellen Handelshemmnisse abbauen. Ich habe darauf verwiesen,<lb/>
daß es eine ganze Reihe von Beschwerden österreichischer Unternehmen<lb/>
gibt, die der österreichische Handelsdelegierte in Paris den zuständigen<lb/>
Stellen im einzelnen darlegen wird. Hier gab es eine Reihe von sehr<lb/>
<pb n="65-0694" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band65/65_1982-06-17_0694.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>konkreten Beschwerden, die ich aber zweckmäßigerweise, da sie auch<lb/>
wieder nur in Deutsch waren und nur zur Information der österreichi<lb break="no"/>schen Seite dienten, daher nicht die entsprechende Formulierung für die<lb/>
Franzosen hatte, nicht übergeben wollte. Ich ersuchte die beiden Mi<lb break="no"/>nister aber, sie sollten in ihren Regierungsberichten über die Reise<lb/>
die betreffenden Fachminister ersuchen, die Beschwerden des Handels<lb break="no"/>delegierten, der mit konkretem Material in Paris kommen wird, entspre<lb break="no"/>chend zu berücksichtigen. Ich hoffe, daß ich damit dem österreichischen<lb/>
Handelsdelegierten die Möglichkeit verschaffe, über ihm zweckmäßig er<lb break="no"/>scheinende Interventionen bis in die höchsten Stellen vorzudringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte Entsprechendes sofort veranlassen und<lb/>
nächstes Jour fixe HK setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_06">Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> und auch Botschafter <rs type="person" ref="#per__116049">Reisch</rs> vom Außenamt waren meine<lb/>
Begleiter und dann das Ergebnis vom Spitzengespräch in Versailles<lb/>
sehr interessiert. <rs type="person" ref="#per__1137899">Fabius</rs> hat freimütig darüber berichtet. Es gab seiner<lb/>
Meinung nach drei Schwerpunkte, 1. das währungspolitische Kompromiß,<lb/>
die Amerikaner haben sich verpflichtet bei Störungen zu intervenieren,<lb/>
am 15. Juni wäre der Dollar zu stark gestiegen, weshalb sie tatsächlich<lb/>
interveniert haben. In Hinkunft werden alle währungspolitischen Proble<lb break="no"/>me aber wieder im internationalen Währungsfonds besprochen und abge<lb break="no"/>handelt. Zweitens ist die Frage des Konsenses über die Exportkredite.<lb/>
Diese Vereinbarung ist ja innerhalb der OECD getroffen worden und ab<lb break="no"/>gelaufen. Die Amerikaner haben einer neuen Vereinbarung im Prinzip<lb/>
zugestimmt, dies war eine große Geste von ihnen und aber auch von<lb/>
Frankreich. Kaum war man sich darüber einig, wurde nach dem Gipfel<lb/>
diese Vereinbarung schon wieder infragegestellt. <rs type="person" ref="#per__133649">Mitterrand</rs> hat des<lb break="no"/>halb in einem Interview bei Washington Post festgehalten, daß es<lb/>
keine kriegerischen Handlungen über den Osten geben sollte und hat<lb/>
damit auch die wirtschaftliche Seite gemeint. Der dritte Fragenkomplex<lb/>
waren die Nord-Süd-Beziehungen, hier herrscht jetzt großer Optimismus<lb/>
vor, da die USA erklärt hat, sie sei an einer Stabilisierung auch mit<lb/>
Rohstoffonds interessiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_07">Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> fragte dann, wie es mit der Umschuldung von Polen<lb/>
und den anderen Oststaaten steht, dies sei in Versailles nicht im ein<lb break="no"/>zelnen zur Sprache gekommen, doch wurde von den Amerikanern prinzi<lb break="no"/>piell gesagt, wenn die SU in Schwierigkeiten gelangt, und dies ist sie<lb/>
jetzt, dann müsse man die Schrauben noch stärker anziehen. Deutschland<lb/>
<pb n="65-0695" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band65/65_1982-06-17_0695.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Kanada und Frankreich haben eine andere Meinung vertreten. Die Fran<lb break="no"/>zosen haben sogar das Wort scheinheilig gebraucht, weil die Amerikaner<lb/>
von den anderen NATO-Staaten entsprechende Exportbeschränkungen erwar<lb break="no"/>ten, sie selbst aber Getreide in die SU exportiert haben. Jeder kehre<lb/>
vor seiner eigenen Tür. Auch aus dem Bericht war für mich klar, daß es<lb/>
beträchtliche Spannungen zwischen Amerika und insbesondere Frankreich<lb/>
gibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_08">Auf die Frage von <rs type="person" ref="#per__1137899">Fabius</rs>, wie wir unseren Handel verbessern könnten und<lb/>
welche Vorschläge ich zu machen hätte, verwies ich erst auf die Ver<lb break="no"/>ringerung der Handelshemmnisse, die der Handelsdelegierte ja in Paris<lb/>
jetzt vortragen wird. Botschafter <rs type="person" ref="#per__116049">Reisch</rs> meinte, wir sollten eine Gemischte<lb/>
Kommission bilden, die ähnlich mit anderen europäischen und vor allem Ost<lb break="no"/>staaten auf ausschließlich ökonomische Fragen sich bezieht, derzeit gibt<lb/>
es nämlich vom Außenamt geleitete große Gemischte französisch-österr.<lb/>
Kommission, die sich mit Kulturfragen bis zur tour d'horizon beschäf<lb break="no"/>tigt. Von dieser sollten politische Impulse ausgehen. In der Vergangen<lb break="no"/>heit war ein Staatssekretär Vorsitzender <add>[auf]</add>, österreichischer Seite der<lb/>
Gen.Sekr des Außenamtes, in Zukunft wäre eine Zweiteilung zweckmäßig, ich<lb/>
habe <rs type="person" ref="#per__116049">Reisch</rs> sofort erklärt, daß ich damit einverstanden bin, dann wird<lb/>
aber diese Gemischte Kommission vom Handelsministerium geleitet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_10">Bezüglich der Drittländeraktivitäten hat <rs type="person" ref="#per__1137900">Lalumiere</rs> gemeint, wir würden<lb/>
von diesen Ländern Waren importieren und dann in die EG, aber insbeson<lb break="no"/>dere nach Frankreich liefern und dadurch entsprechende Vorteile uns<lb/>
verschaffen. Dies ist größtenteils durch Ursprungsregeln unmöglich; um<lb/>
diese genauer prüfen zu können wäre es zweckmäßig sie zu vereinfachen,<lb/>
was die französische Seite auch akzeptierte. Leider waren es aber nicht<lb/>
die dafür zuständigen Minister.<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__133649">Mitterrand</rs>-Besuch über diese Frage an die zuständigen französischen<lb/>
Minister schicken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_12">Botschafter <rs type="person" ref="#per__116049">Reisch</rs> fragte dann noch <choice><choice><sic>um</sic><corr>, ob?</corr></choice></choice> eine Reklassifizierung der SU,<lb/>
Brasilien, Israel, CSSR, DDR von der zweiten Kategorie in die erste<lb/>
Kategorie erfolgt ist. Weder <rs type="person" ref="#per__1137899">Fabius</rs> noch ich kannten die Details so<lb break="no"/>daß darauf keine Antwort erfolgte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Wieso werden wir darüber nicht informiert?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_14"><rs type="person" ref="#per__1137899">Fabius</rs> interessierte sich dann noch über die Finanzierung der öster<lb break="no"/>reichischen Staatsschuld. <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> hat ihm erschöpfend geantwortet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_15">Bei der LUGA habe ich dann in der Vorstandssitzung über die Wirtschafts-<lb/>
und Soziallage referiert. Diskussion gab es insbesondere über Lehr<lb break="no"/>lingsunterbringung und den Initiativantrag aller drei Parteien die<lb/>
Prüfungsvorschrift um 1 1/2 Jahre zu verlängern. Auch im Parlament wurde<lb/>
dann über diese Frage eingehend diskutiert und insbesondere sowie bei<lb/>
uns in der Gewerkschaft von Abg. <rs type="person" ref="#per__112942">Braun</rs> darauf verwiesen, daß mit dieser<lb/>
Regelung niemand glücklich ist. Die Firmen hätten bis jetzt leicht<lb/>
die Möglichkeit gehabt mit ihren Ausbildnern diese Prüfung abzulegen,<lb/>
niemand will aber jetzt bei dieser kritischen Lehrlingsunterbringung<lb/>
die Schuld haben, daß wegen einer noch nicht durchgeführten <choice><choice><sic>Prüfungs<lb break="no"/>prüfer</sic><corr>Prüfungsprüfung? Prüfung?</corr></choice></choice> auch nur ein Lehrling nicht aufgenommen werden könnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_16">Im Plenum wurde dann über die Wirtschaftsgesetze bis in den späten<lb/>
Abend diskutiert. Die sozialistischen Redner verwiesen darauf, daß die<lb/>
ÖVP jetzt eine Formulierung, der sie im Unterausschuß für das Energie<lb break="no"/>sicherungsgesetz schon zugestimmt hat, neuerdings jetzt nicht mehr<lb/>
beschließen möchte. Damit ist endgültig erwiesen, daß wir unbedingt<lb/>
notwendige Energiesicherungsmaßnahmen gegebenenfalls über die GewO auch<lb/>
in Hinkunft erlassen sollten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__131107">GROSSENDORFER</rs>: Dr. <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> soll sich dies gründlich über<lb break="no"/>legen und dann mit mir sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_18">Zum Preisgesetz habe ich dann in meinem Schlußwort, ich höre mir näm<lb break="no"/>lich alle Abg. immer an, gemeint, ich hoffe, daß es uns gelingen wird,<lb/>
bis zur nächsten Verlängerung der Wirtschaftspakete im Juni 84 ein<lb/>
neues Preisrecht im Parlament beschließen zu können. Die vier schon be<lb break="no"/>sprochenen Punkte, die allerdings noch nicht akkordiert sind, habe<lb/>
ich, damit sie im Protokoll vermerkt werden, nämlich Schaffung eines<lb/>
allgemeinen Preisgesetzes zur Ermöglichung einer <choice><choice><sic>substitären</sic><corr>subsidiären?</corr></choice></choice> Preisre<lb break="no"/>gelung, zweitens Neugestaltung des Begriffes ortsüblicher Preis,<lb/>
drittens Preisgestaltung im Dienstleistungsbereich, viertens Wettbe<lb break="no"/>werb und Preisrecht wortwörtlich zitiert. Ich erklärte einmal mehr,<lb/>
daß ich fest davon überzeugt bin, auf der Konsenspolitik auch in dieser<lb/>
schwierigen Frage zu einer vernünftigen Lösung kommen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_19">Am meisten war ich aber überrascht, als während der Fußballübertragung<lb/>
Österreich–Chile im <choice><choice><sic>Plenumssaal</sic><corr>Plenarsaal</corr></choice></choice> wesentlich mehr Leute anwesend waren,<lb/>
als es sonst oft bei Debatten der Fall ist. Scheinbar wollte man<lb/>
demonstrativ zeigen, daß die Priorität des Parlaments auch bei der WM<lb/>
von den Abg. demonstriert wird. Sogar Präs. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, der sonst niemals<lb/>
in seiner Abgeordnetenbank sitzt, ist dort zumindestens die ganze zweite<lb/>
Spielhälfte dort gesessen. Über das Fußballgeschehen waren wir aller<lb break="no"/>dings bestens informiert. Ich hatte auf der Regierungsbank in der<lb/>
Schreibtischlade den kleinen Radioapparat, niemand hörte es, aber ich<lb/>
konnte zum Erstaunen aller als erster sofort das Tor von <rs type="person" ref="#per__1137901">Schachner</rs> gegen<lb/>
Chile melden. Die Berichterstatter, die hinter mir saßen, waren darüber<lb/>
sehr erfreut.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_20">In der zweiten Hälfte kam dann schon das Problem der Lehrlingsausbil<lb break="no"/>dung zur Sprache. Wirtschaftsbund-Gen.Sekr. NR <rs type="person" ref="#per__118736">Schüssel</rs> hat die drei<lb/>
Punkte der ÖVP besonders erörtert. Die ÖVP appelliert an alle Klein-<lb/>
und Mittelbetriebe Jugendliche einzustellen; um dies zu erleichtern wird<lb/>
ein Steuerfreibetrag für die Selbständigen gefordert, ähnlich wie es<lb/>
derzeit bei den Angestelltenausbildnern der Fall ist. Ein Arbeitgeber<lb break="no"/>anteil in der Sozialversicherung soll für ein Jahr ausgesetzt werden,<lb/>
Prämien für zusätzliche Lehrstellen sollen gegeben werden, die Verhält<lb break="no"/>niszahlen seien flexibel zu gestalten, eine Existenzgründungssparaktion<lb/>
des Finanzministers, wie sie derzeit im Finanzausschuß-Initiativantrag<lb/>
der ÖVP liegt, wäre sofort zu verwirklichen. Das Jugendbeschäftigungspro<lb break="no"/>gramm von <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> ist <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> jetzt übergeben worden. Vor allem erwarten<lb/>
sie aber einen Verunsicherungsstopp, sind gegen das Zwangseinstellungs<lb break="no"/>gesetz und gegen den Berufsausbildungsfonds. Diese <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs>-Vorschläge<lb/>
sollte man jetzt schleunigst alle widerrufen und ad acta legen. Auch bei<lb/>
dieser Diskussion, es war gerade die zweite Hälfte des Chile-Österreich-<lb/>
Spiels waren sehr viele Abg. im Plenum. Abg. <rs type="person" ref="#per__122900">Tichy-Schreder</rs> als Be<lb break="no"/>richterstatter war über meine ständige Information über das Spielge<lb break="no"/>schehen an sie sehr glücklich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_21">Frau Abg. <rs type="person" ref="#per__97572">Hubinek</rs> wollte den Sozialminister besonders attackieren und<lb/>
meinte zu ihren Kollegen der ÖVP, der Sozialminister gehört auf die<lb/>
Regierungsbank. Da hat sie sich aber sofort eine heftige Kritik ins<lb break="no"/>besondere von Wirtschaftsklubobmann <rs type="person" ref="#per__97487">Graf</rs> geholt, der ihr klar und<lb/>
deutlich sagte, diese Berufsausbildungsnovelle ist Kompetenz des Han<lb break="no"/>delsministers.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_22">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte nächstes Jour fixe Handelskammer setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_23">Verteidigungsminister <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> teilt mir mit, daß jetzt wieder von der<lb/>
deutschen Firma Thermo Kochgeschirr kaufen muß, da die österreichi<lb break="no"/>schen Erzeuger bis zu 90 % teurer sind. Er wird den ganzen Akt rüber<lb break="no"/>schicken, damit wir versuchen, von dem Importeur zu erreichen, daß dafür<lb/>
Kompensationsgeschäfte gemacht werden können. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> hat jetzt einen<lb/>
Auftrag von ein paar Mio. in die Schweiz gestoppt, mit dem Hinweis, daß<lb/>
die Schweizer ebenfalls von uns Kompensation kaufen sollen. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs><lb/>
wird auch diese Unterlage mir schicken, wobei er mir aber mitteilte,<lb/>
er hat keine andere Möglichkeit in Österreich oder anderswo diese Spe<lb break="no"/>zialprodukte zu kaufen. Seine und meine Verhandlungsposition ist daher<lb/>
sehr schwach. Trotzdem glaubt er und auch ich, wir sollten es versuchen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> fragt dann noch, ob zwischen unseren beiden Ministerienvertre<lb break="no"/>tern tatsächlich die Zusammenarbeit so gut funktioniert, wie man es ihm<lb/>
immer mitteilt. Ich konnte dies nur bestätigen. Sein Verantwortlicher<lb/>
in der Intendantur <rs type="person" ref="#per__1137902">Zeilinger</rs> und vor allem bei uns im Handelsministe<lb break="no"/>rium <rs type="person" ref="#per__113022">Fabrizii</rs> arbeiten ganz hervorragend zusammen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-17_24">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__113022">Fabrizii</rs> über diese beiden Fälle sofort<lb/>
verständigen.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Braun, Helmut</persName>
               <persName><surname>Braun</surname><forename>Helmut</forename></persName>
               <occupation>Wr. SPÖ-GR-Abg., GPA, NR-Abg.</occupation>
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               <persName type="label">Grossendorfer, Enno</persName>
               <persName><surname>Grossendorfer</surname><forename>Enno</forename></persName>
               <occupation>Stat. Zentralamt, ab 1981 Büro JS</occupation>
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               <persName type="label">Hubinek, Marga</persName>
               <persName><surname>Hubinek</surname><forename>Marga</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg.</occupation>
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               <persName type="label">Tichy-Schreder, Ingrid</persName>
               <persName><surname>Tichy-Schreder</surname><forename>Ingrid</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg.</occupation>
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               <persName type="label">Dallinger, Alfred</persName>
               <persName><surname>Dallinger</surname><forename>Alfred</forename></persName>
               <occupation>ZS GPA, ab 1980 Sozialminister</occupation>
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               <persName type="label">Mitterrand, François</persName>
               <persName><surname>Mitterrand</surname><forename>François</forename></persName>
               <occupation>frz. Politiker</occupation>
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               <persName type="label">Mock, Alois</persName>
               <persName><surname>Mock</surname><forename>Alois</forename></persName>
               <occupation>Abg. z. NR, Klubobmann, ÖVP</occupation>
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               <persName type="label">Fabrizii, Christoph</persName>
               <persName><surname>Fabrizii</surname><forename>Christoph</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName type="label">Seidel, Hans</persName>
               <persName><surname>Seidel</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>Ökonom, ab 1981 Sts.</occupation>
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               <persName type="label">Rösch, Otto</persName>
               <persName><surname>Rösch</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <persName type="label">Schüssel, Wolfgang</persName>
               <persName><surname>Schüssel</surname><forename>Wolfgang</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-Wirtschaftsbund</occupation>
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               <persName type="label">Graf, Robert</persName>
               <persName><surname>Graf</surname><forename>Robert</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg., Präs. HK Bgld.</occupation>
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               <persName type="label">Reisch, Georg</persName>
               <persName><surname>Reisch</surname><forename>Georg</forename></persName>
               <occupation>Leiter wirtsch.pol. Sektion Außenamt</occupation>
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               <persName><surname>Zluwa</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName type="label">Haffner, Konrad</persName>
               <persName><surname>Haffner</surname><forename>Konrad</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName><surname>Albrecht</surname><forename>Anneliese</forename></persName>
               <occupation>Sts. HM</occupation>
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               <persName><surname>Meisl</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Ministerialrat, Leiter Grundsatzabteilung</occupation>
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               <persName><surname>Burian</surname><forename>Ferdinand</forename></persName>
               <occupation>MR, Büro des Bundesministers</occupation>
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               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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