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            <title type="main">Dienstag, der 15. Juni 1982</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band65_1982-06-15</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_01">Dienstag, 15. Juni 1982<lb/>
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die Gemeinden in Osttirol fest entschlossen sind dem Nationalpark<lb/>
nur dann zuzustimmen, wenn gleichzeitig das Kraftwerk gebaut wird. Er<lb/>
teilt auch meine Meinung, daß man unter allen Umständen einen Kompromiß<lb/>
finden muß. Die Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit hat nur dem<lb/>
Projekt und den Gemeinden geschadet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_03">Vor der Ministerratssitzung habe ich noch mit Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>, in<lb/>
diesem Fall als Präsident der Naturfreunde, wegen des Kraftwerkes ge<lb break="no"/>sprochen, dieser meinte, daß die Restwassermenge mindestens die Hälfte<lb/>
ausmachen müßte und man deshalb auf das Umbaltal verzichten könnte.<lb/>
Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> wieder meint, mit Zuleitung des Debant<lb break="no"/>baches, wo jetzt die TIWAG ein kleines Kraftwerk betreibt und deshalb<lb/>
dagegen sei, könne man das Problem leicht lösen. Ich erklärte sofort,<lb/>
das muß man alles rechnen und in einer sachlich ruhigeren Atmosphäre<lb/>
diskutieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_04">Im Ministerrat teilte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit, daß für Eumig in Fohnsdorf jetzt<lb/>
die deutsche Firma Kantex-Werke interessieren, die in den nächsten Ta<lb break="no"/>gen abschließen wird. Dabei handelt es sich um eine Kraftfahrzeugzu<lb break="no"/>lieferfirma auch für VW-Werke.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Was wissen wir darüber.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_06">Die sozialdemokratische Partei <add>[Deutschlands?]</add> hat katastrophale Stimmenverluste, ins<lb break="no"/>besondere bis zu 18 %, bei Arbeitern 1/4. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> beeindruckt der Zu<lb break="no"/>sammenbruch in der BRD insbesondere durch die Spaltung der Partei unge<lb break="no"/>heuer.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_07"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärt einmal mehr, daß die Biospritfrage ihm große Sorge be<lb break="no"/>reitet. Er wird dem nie zustimmen, solange nicht der Rest, er meinte<lb/>
damit die Schlempe, ohne das zu sagen, weil er scheinbar die Details<lb/>
doch nicht so genau kennt, die seiner Meinung nach ganz große Schwie<lb break="no"/>rigkeiten bereiten würde. Der Präsident der <add>[nö.]</add> Landwirtschaftskammer <rs type="person" ref="#per__113056">Bier<lb break="no"/>baum</rs> erklärte, dies sei eben die Frage der Regierung. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vergleicht<lb/>
die Biospritsache mit dem Kernkraftwerk und meint, er hat damals auch<lb/>
gewarnt und nachgegeben und jetzt gäbe es diese Schwierigkeiten. So,<lb/>
kann ich mich erinnern, war es sicherlich nicht; als er die ersten War<lb break="no"/>nungen ausgestoßen hat, war bereits von meinem Amtsvorgänger <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs><lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_08">Die Erklärung des Bundespräsidenten <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> in der Wochenpresse<lb/>
sei seit 45 eine ungewöhnliche Sache der Bundespräsidenten. Er hätte<lb/>
eine schlechte Nacht gehabt, da daraus eine Konfrontation mit dem<lb/>
Bundespräsident sich ergeben kann. Bei allem Respekt müsse man dem<lb/>
Bundespräsidenten auch auf die Verfassungskonsequenz, die sich daraus<lb/>
ergibt, aufmerksam machen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> führt es auch auf die Verärgerung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschlägers</rs> zurück, weil die Partei seine positive Stellungnahme zum<lb/>
Konferenzzentrum zur parteipolitischen Politik verwendet hat. Die<lb/>
Verfassungsänderung der plebiszitären Elemente geht auf diese Regie<lb break="no"/>rungszeit zurück. In der ersten Republik war es der Wunsch der Heim<lb break="no"/>wehr und <rs type="person" ref="#per__1137906">Danneberg</rs> hat damals mit <rs type="person" ref="#per__1137907">Schober</rs> darüber verhandeln müssen<lb/>
und das Ärgste verhindert. Wenn tatsächlich nach 20 und 25 % der Volks<lb break="no"/>begehrensstimmen über diesen Gesetzentwurf eine Volksabstimmung er<lb break="no"/>folgen müßte, könnte es zu unabsehbaren Folgen kommen, da dieser Ge<lb break="no"/>setzentwurf dann, so wie er im Volksbegehren zugrundegelegt wird, exe<lb break="no"/>kutiert werden müßte. Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> hat dann berichtet, daß im<lb/>
Parlament eine Verfassungsreformkommission vor 2 Jahren unter Vorsitz<lb/>
des Verfassungsdienstes Prof. <rs type="person" ref="#per__113110">Adamovich</rs> über dieses Problem eingehend<lb/>
diskutiert hat. Es kam zu keiner einheitlichen Auffassung. Die FPÖ hat<lb/>
besonders diesen jetzt auch von <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> gemachten Vorschlag ver<lb break="no"/>treten. Wenn ein Volksbegehren, ohne daß es abgeändert werden könnte,<lb/>
durch eine Volksabstimmung bestätigt wird, könnten dann unabsehbare<lb/>
Folgen erwachsen, selbst wenn man es im Parlament dann innerhalb eines<lb/>
Zeitraumes z.B. von 6 Monaten ändern müßte und würde, entstünde dann<lb/>
die Diskussion, ob dies noch dem Volksbegehren entspricht. In dieser<lb/>
Kommission hat man dann die entsprechenden Vorschläge erarbeitet, He<lb break="no"/>rabsetzung der Stimmenanzahl von 200.000 auf 100.000, administrative<lb/>
Erleichterungen, daß der Bund auch die Durchführung bezahlt, aber die<lb/>
Kommission konnte sich auch nicht durchringen, daß eine weitere Be<lb break="no"/>einflussung der parlamentarischen Arbeit durch solche Volksbegehren<lb/>
erfolgen dürfe. Der Gen.Sekr. der ÖVP, Dr. <rs type="person" ref="#per__128688">Graff</rs>, hat selbst gegen diesen<lb/>
Vorschlag <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschlägers</rs> Bedenken, weil er meint, es wird dann zwei<lb/>
Arten von Volksbegehren geben, eines, welches auch dann, wenn es nur um<lb/>
1/10 % unter dieser Grenze bleibt, sozusagen minderqualifiziertes, und<lb/>
das andere, das eben dann die Grenze erreicht und wo dann nur mehr die<lb/>
Volksabstimmung es bestätigen kann. Volksbegehren über Bundesheer,<lb/>
Steuersenkungen usw. würden wahrscheinlich auch mit der Volksabstimmung<lb/>
bestätigt werden und hätten katastrophale Folgen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_09"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärte, daß er an <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> einen Brief schreiben wird,<lb/>
wo er all diese Argumente zusammenfaßt und verglich dieses Schreiben<lb/>
mit dem seinerzeitigen Schriftwechsel zwischen <rs type="person" ref="#per__95551">Miklas</rs> und <rs type="person" ref="#per__113828">Schuschnigg</rs>,<lb/>
wo es tatsächlich um die Existenz Österreichs gegangen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_10"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dann einen Brief vom Kapfenberger Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__133000">Fekete</rs><lb/>
erläutert, der die Mindesteinkommen erhöhen möchte, dann meint, mehr<lb/>
Kaufkraft in der Bevölkerung würde auch die Betriebe zu einem Absatz<lb/>
bringen. Diese könnten dann besser ausgelastet sein und mehr Steuer<lb/>
zahlen. In der internationalen Marktforschung für Exporte müßte man<lb/>
etwas tun und auch für andere Ministerien gäbe es noch viele Änderungs<lb break="no"/>wünsche ihrer Politik. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, die einzelnen Minister sollten<lb/>
auf ihre Punkte eingehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108322">MEISL</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Wenn wir den Brief bekommen, interna<lb break="no"/>tionale Marktforschung für Exporte beantworten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_12">Der österreichische Botschafter in Beirut, <rs type="person" ref="#per__112964">Hohenfellner</rs>, hat vorgeschlagen,<lb/>
man soll der libanesischen Regierung Rotes-Kreuz-Hilfe gewähren. Damit<lb/>
ist <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> einverstanden, ein weiterer Vorschlag wäre, daß man ein<lb/>
Komitee für Palästinenser einsetzt ähnlich wie für die Polen. Dies müsse<lb/>
man genauer prüfen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, die reichen arabischen Staaten werden<lb/>
jetzt den Palästinensern große Hilfe geben. Österreichische Hilfe<lb/>
müßte man aber vorher prüfen, wie sie abgewickelt wird, damit dann nicht<lb/>
vielleicht wirklich von den Palästinensern Waffen gekauft werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_13">Der <rs type="person" ref="#per__133649">Mitterrand</rs>-Besuch wird nur in einer Plenumssitzung verhandelt. Da<lb/>
er viele Minister mitbringt, sollen die zuständigen Ministerien Spezial<lb break="no"/>gespräche führen. Für das Handelsministerium kommt die Konsumentenmini<lb break="no"/>sterin, die schon Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> kennt, infrage.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109808">ALBRECHT</rs>: Bitte Du und ich würden wohl mit ihr reden müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_15">Die französisch-österreichischen Verhältnisse in der Vergangenheit haben<lb/>
nur <rs type="person" ref="#per__140868">de Gaulle</rs> und <rs type="person" ref="#per__150204">Chirac</rs> besonders beachtet. Ansonsten haben sich alle<lb/>
Präsidenten und Regierungen wenig um Österreich gekümmert und dadurch<lb/>
eigentlich Österreich immer den Deutschen besonders überlassen. <rs type="person" ref="#per__150204">Chirac</rs><lb/>
hat in Gleisdorf mitgewirkt, damit dort Renault dieses kleine Werk er<lb break="no"/>richtet hat und die Elsässer Bank nach Wien gebracht. Es gibt ein<lb/>
österreichisch-französisches Ost-West-Institut, das der ehem. Außenminister<lb/>
<pb n="65-0686" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band65/65_1982-06-15_0686.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> führt. Dort sind Kulturinitiativen in Ungarn und Polen entstan<lb break="no"/>den. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> möchte gerne ein multilaterales Entwicklungshilfemodell,<lb/>
das unter Patronanz von Frankreich, Schweden, Dänemark, vielleicht auch<lb/>
Norwegen, aber vor allem Österreich <choice><choice><sic>angehören</sic><corr>stehen</corr></choice></choice> könnte und Eisenbahnli<lb break="no"/>nien im <choice><choice><sic>frankovilen</sic><corr>frankophonen?</corr></choice></choice> Raum bauen sollte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_16">Vom Versailler Gipfel hat ihm <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs> mitgeteilt, das einzige, was er<lb break="no"/>reicht wurde, war, daß man alles verhindert hat, was man zuerst befürchte<lb break="no"/>te, das eventuell kommen könnte. Ein sehr negatives Ergebnis.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_17">Bezüglich des israelischen Konfliktes jetzt mit dem Libanon hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
dies ja immer vorhergesagt, mit der Besetzung des Südlibanons wird jetzt<lb/>
für Israel ein weiteres Risikogebiet neben der Westbank entstehen, das<lb/>
Israel genauso wenig befriedigend verwalten wird können wie die Westbank<lb/>
Die Labour Party hat überhaupt kein Konzept und spricht jetzt nur<lb/>
vom nationalen Konsens, ähnlich wie in England wird die israelische<lb/>
Regierung jetzt aus diesem Krieg gestärkt hervorgehen und wahrschein<lb break="no"/>lich Nachkriegswahlen mit großem Triumph gewinnen. Während des <rs type="person" ref="#per__126232">Reagan</rs>-<lb/>
Besuches in Europa hat es zwei Telefongespräche mit ihm und <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs><lb/>
gegeben. Dort wurde wenigstens der Israelangriff auf Syrien gestoppt,<lb/>
sonst hätte <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> erklärt, wäre es zu einer kriegerischen Auseinan<lb break="no"/>dersetzung der Großmächte gekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_18">In Schweden, wo <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> jetzt den Friedenspreis der AZ bekommen hat, hat<lb/>
er feststellen können, daß es möglich ist, daß <rs type="person" ref="#per__114142">Palme</rs> mit derzeitigen<lb/>
Meinungsumfragen von 46 % im Herbst die Wahlen gewinnen kann, ein<lb/>
Problem ist nur, daß die Gewerkschafter jetzt den sogenannten <rs type="person" ref="#per__126999">Meidner</rs>-<lb/>
Plan erzwungen haben, daß er in das Wahlkampfprogramm aufgenommen wird.<lb/>
Der Gewerkschafter sieht vor, daß ein Teil des Lohnes in einen soge<lb break="no"/>nannten Lohnfonds kommt, wo sich die Gewerkschaft dann entsprechend<lb/>
bei Betrieben einkauft. Die schwedischen Arbeiter sind zwar bereit<lb/>
der Gewerkschaft hohe Mitgliedsbeiträge zu zahlen, sie sind auch bereit<lb/>
verhältnismäßig hohe Steuern zu akzeptieren, sie sind aber wahrschein<lb break="no"/>lich nicht bereit in Wirklichkeit, daß man einen Teil ihrer Verdienste<lb/>
dazu verwendet, um Kapitalpolitik über einen Fonds zu betreiben. Ihr<lb/>
verdientes Geld wollen sie selbst ausgeben. Da in Schweden eine drei<lb break="no"/>jährige Legislaturperiode existiert, in dieser Zeit, meinte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>,<lb/>
kann man fast gar nichts ändern, und eine übertriebene steuerliche Bela<lb break="no"/>stung von über 80 %, vor allem aber eine versteckte Arbeitslosigkeit von<lb/>
400.000, ist gar nicht so sicher, wie die Wahl wirklich ausgeht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_19"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat jetzt mit einem kleinen Vorbereitungskomitee vor den<lb/>
letzten Nationalratswahlen auch über die Finanzierung der österreichi<lb break="no"/>schen Wahlen gesprochen. Da finanzielle Mittel nicht zur Verfügung ste<lb break="no"/>hen, muß jetzt doch die Regierungspolitik positiver verkauft werden.<lb/>
Zu diesem Zweck hat er Dr. <rs type="person" ref="#per__149716">Pusch</rs>, ehem. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs>-Sekretär, als Koordinator<lb/>
berufen, der mit den Ressorts über die einzelnen Möglichkeiten und<lb/>
Unterlagen verhandeln wird, zu seiner Seite wird dann ein hervorragender<lb/>
PR-Mann stehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte sich mit <rs type="person" ref="#per__149716">Pusch</rs> sofort in Verbindung setzten<lb/>
und feststellen, wer der PR-Mann ist.<lb/>
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Juni, 73.309, um 7.470 weniger als im Vormonat, allerdings noch immer um<lb/>
31.000 mehr als im Vorjahr, das sind 73 %. Im Durchschnitt wird die<lb/>
Arbeitslosenrate 3 1/2 % betragen, obwohl sie im Juni nur mehr wahr<lb break="no"/>scheinlich 2,6 % ausmacht. Durch die höhere Arbeitslosenrate wird<lb/>
er ein Budgetüberschreitungsgesetz von 1 1/2 bis 2 Mrd. S brauchen. Ver<lb break="no"/>gleichsweise ist in den Niederlanden jetzt eine Arbeitslosenrat von<lb/>
519.000 im Mai feststellbar, um 372.000 mehr als im Vorjahr.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_22"><rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> macht wieder einmal auf die Jugendarbeitslosengefahr auf<lb break="no"/>merksam und meint, man dürfe dies nicht herabspielen. 3.300 Jugendlichen<lb/>
stehen jetzt nur 2.500 offen Lehrstellen gegenüber. Scheinbar be<lb break="no"/>zieht er sich auf meine Äußerungen, daß ich erklärt habe, sein Jugend<lb break="no"/>einstellungsgesetz könnte nur der letzte Ausweg sein. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> urgiert<lb/>
bei <rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs>, daß man die Lehrlingseinstellung und was der Bund sonst<lb/>
noch alles macht, unverzüglich angehen müßte. Er selbst wird den ver<lb break="no"/>staatlichten Betrieben schreiben, daß sie ebenfalls mehr Lehrlinge<lb/>
aufnehmen müßten. Der Finanzminister wird ersucht <choice><choice><sic>den</sic><corr>an die</corr></choice></choice> Banken ein<lb/>
ähnliches Schreiben zu richten, damit sie in ihren Konzernbetrieben<lb/>
auch die Lehrwerkstätten aufrechterhalten und Lehrlinge aufnehmen.<lb/>
Die variablen Kosten werden ihnen ja so wie in den verstaatlichten<lb/>
Betrieben kreditiert und wenn der Lehrling dann bei ihnen nicht bleibt,<lb/>
endgültig erlassen. <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> macht darauf aufmerksam, wenn alle für<lb/>
Lehrlingssubventionen bei ihm ansuchen, dann bricht sein System zusam<lb break="no"/>men.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_23">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte die Lehrlingssubventionen des<lb/>
Sozialministeriums jetzt schlagwortartig und ziffernmäßig vor allem<lb/>
zusammenschreiben lassen.<lb/>
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das Bautenministerium hätte jetzt dem Finanzminister übermittelt, daß<lb/>
er im Hochbau 1 1/2 Mrd. S inklusive Elektrowirtschaft übermittelt.<lb/>
Damit könnten 700 bis 800 Arbeiter zusätzlich beschäftigt werden. Die<lb/>
Sonderfinanzierungsgesellschaft für den Straßenbau sei jetzt aber<lb/>
dringendst im Parlament zu beschließen. Der Initiativantrag liegt dort,<lb/>
die ÖVP wird dagegen sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_25">Die Betriebsräte von Brevellier &amp; Urban aus Neunkirchen kommen am<lb/>
nächsten Tag zu ihm, die 600 Beschäftigten sind äußerst gefährdet.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> erklärt dazu, er hätte jetzt 19 Mio. Bund und Land zur Verfü<lb break="no"/>gung gestellt, die CA, wo man 120 Mio. S Schulden hat, müßte auch mit<lb break="no"/>spielen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_26"><rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> verweist auf einen mündlichen Vortrag, wonach der Wasserwirt<lb break="no"/>schaftsfonds ermächtigt wird für Pöls entgegen den Ö-Normen öster<lb break="no"/>reichische inländische Firmen zu bevorzugen. Ich erkläre sofort, daß<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> diesen Bericht als vertraulich bringen müßte, damit er nicht<lb/>
womöglich über die Ministerien zu GATT, EFTA usw. gelangt. Ich glaube,<lb/>
daß es wirklich unmöglich ist, dann schriftlich einen solchen Regie<lb break="no"/>rungsbeschluß auf eine solche Art <choice><choice><sic>herbeiführt</sic><corr>herbeizuführen</corr></choice></choice>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_27">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Hier müßte man eine bessere Lösung vom Handels<lb break="no"/>ministerium vorschlagen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_28">Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> verweist darauf, daß wenn die Straßensonder<lb break="no"/>finanzierungsgesellschaft nicht kommt, sein Nettodefizit sich um 2,3<lb/>
Mrd. erhöhen würde. Bundesparteiobmann <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> kritisiert die geringeren<lb/>
Investitionen um 4 Mrd., die sich im Budget dadurch ergeben, daß eben<lb/>
diese Straßenbaufinanzierungsgesellschaft einen Teil übernimmt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_29">Verkehrsminister <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> möchte auch in seinen Budgets, insbesondere<lb/>
bei der ÖBB, eine Teilung im kaufmännischen Bereich und gemeinwirtschaft<lb break="no"/>lichen Bereich. Dadurch könnte er optisch ein besseres Ergebnis insbe<lb break="no"/>sondere für die ÖBB und Post erzielen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_30">Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> meint bezüglich der morgigen Nationalratsdebatte<lb/>
AKP, begleitende Kontrolle, würde die ÖVP hart attackieren, weil die<lb/>
VÖEST ja eine detaillierte Zusage, das Vergabegesetz noch nicht anwenden<lb/>
zu können, weil es noch gar nicht beschlossen ist, herausredet. Finanz<lb break="no"/><pb n="65-0689" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band65/65_1982-06-15_0689.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>minister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> stellt fest, daß im Vertrag mit der VÖEST-Alpine über<lb/>
das AKH sehr wohl die begleitende Kontrolle vorgesehen <add>[ist]</add>, die alles zu<lb/>
prüfen hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_31"><rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> urgiert, daß die Waffenexportgesetz-Ministerien jetzt diverse<lb/>
Anfragen der ÖVP bekommen, es wird beschlossen, daß Staatssekretär<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs> die Antworten koordinieren soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_32"><rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> berichtet, daß jetzt der Zuschlag zum Konferenzzentrum erfolgt<lb/>
ist. Es hat nicht die Wiener Gruppe Universale, Hofman &amp; Maculan usw.<lb/>
bekommen, sondern die Kärntner Firma Ilbau und die niederösterreichi<lb break="no"/>sche Firma Eberhardt, die übrigens <add>[als]</add> ÖVP-nahe gilt, Wiener Firmen werden<lb/>
nur mit 50 Mio. S berücksichtigt. Die Ausschreibungen hat eine Kommission<lb/>
auf die Ö-Norm Richtigkeit bezüglich der Wiener Gruppe überprüft, der<lb/>
der Verfassungsdienst, die Magistratsdirektion der Gemeinde und die<lb/>
Finanzprokuratur angehört hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_33">Dieses Problem spielt dann am Abend bei einer Berichterstattung vor<lb/>
den Sektionsleitern auf der Landstraße eine große Rolle. LAbg. <rs type="person" ref="#per__114998">Sevcik</rs><lb/>
und viele andere Sektionsleiter sind empört, daß jetzt der Zuschlag für<lb/>
dieses Zentrum nicht an die Wiener Baugesellschaften gegangen ist. NR<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, jetzt bei Hofman &amp; Maculan teilt mit, daß die Überprüfung<lb/>
exakt und richtig erfolgte, tatsächlich ist das 3 % Skontoanbot bei<lb/>
14 Tagen Zahlungsziel Ö-Norm widrig gewesen, die Betriebsräte von<lb/>
Hofman &amp; Maculan wollen dies allerdings nicht zur Kenntnis nehmen.<lb/>
Landesparteisekretär <rs type="person" ref="#per__97892">Sallaberger</rs> berichtet dann noch, daß auch die<lb/>
Überprüfung eindeutig ergeben hat, daß man es den Kärntnern und Nieder<lb break="no"/>österreichern zuschlagen mußte. 391 Mio. S macht der Bau aus. Die Wiener<lb/>
waren um 5 Mio. teurer. Dort habe ich über diesen Zuschlag mehr erfahren<lb/>
als in der Ministerratsvorbesprechung, wo ja immer alles sehr kurso<lb break="no"/>risch behandelt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_34"><rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> teilte mit, daß er nach Ried zu einem Kondolenzbesuch wegen Ab<lb break="no"/>lebens des saudi-arabischen Königs fahren wird, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> teilte mit, von<lb/>
seinem Sekretariat wird <rs type="person" ref="#per__134221">Lennkh</rs> mitfahren, der dort etwas zu erledigen<lb/>
hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_35">In der Ministerratssitzung hat dann <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> die Sanierung und Neuüber<lb break="no"/>nahme von Eumig Fohnsdorf zurückstellen lassen, weil er wie gesagt<lb/>
jetzt einen neuen Abschluß in den nächsten Tagen erwartet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_36"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sagte dann die Maßnahmen zur Lehrlingsförderung, die den Bund<lb/>
betriffen. <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> <add>[berichtete über?]</add> den vertraulichen Bericht über die Wasserwirtschafts<lb break="no"/>fondslösung bezüglich Zellstoff Pöls, einige Abwesenheiten, <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> in<lb/>
Brüssel, <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> in Dänemark, ich in Ungarn. Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> wird<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aufgefordert über die Währungsparitätsänderung zu berichten,<lb/>
was er auch kurz tat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_37"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, beim <rs type="person" ref="#per__123182">Gaddafi</rs>-Besuch hätte man kritisiert, daß die VÖEST-<lb/>
Alpine für weitere Lieferungen Öl kaufen müsse, jetzt würde Öl wieder<lb/>
zur Währungsparitätsänderung im Preis steigen. <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> berichtete, da<lb/>
Libyen jetzt bei den Viehexporten nicht mehr auf das Öljunktim be<lb break="no"/>steht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_38">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte den neuen Viehvertrag verschaffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_39">Die ARGE Messen hat wieder eine Sitzung in der Wiener Messe abgehalten.<lb/>
So schlecht als diesmal war die ARGE noch nie besucht. Geleitet hat sie<lb/>
der neue Direktor der Wiener Messe, <rs type="person" ref="#per__1137572">Hoffmann</rs>, dieser teilte mir auch<lb/>
mit, daß die Wiener Messe gar nicht die Absicht hat 1985 aus dem Messe<lb break="no"/>palast auszuziehen. Hunderte Mieter, aber auch die Messe sind dort<lb/>
mietengeschützt, niemand kann sie kündigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_40">Neu war für mich, daß <rs type="person" ref="#per__1137572">Hoffmann</rs> glaubt, auch bei anderen Messen entspre<lb break="no"/>chende Zustimmung zu finden, daß jetzt doch ein Messegesetz gemacht<lb/>
werden sollte. SC <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und ich stehen aber auf dem Standpunkt, die<lb/>
Messen sollen jetzt versuchen, ihre Wünsche im Arbeitsruhegesetz durch<lb break="no"/>zusetzen, ihr jetziger Vorschlag hat meiner Meinung nach überhaupt keine<lb/>
Chance; wenn es dort zu irgendeiner Erleichterung bezüglich der Arbeits<lb break="no"/>ruhe kommen sollte, müßte definiert werden, wer bei Messe und messeähn<lb break="no"/>lichen Veranstaltungen darunterfällt. Dadurch hätten wir dann eine<lb/>
Definition der Messe, ohne daß wir dies in der GewO verankern müßten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_41">Mit der jetzt im Preisgesetz vorgesehenen Regelung, daß die Auszeichnungen<lb/>
der Preise von den Landeshauptleuten jetzt bei den einzelnen Messen be<lb break="no"/>stimmt werden, waren diese nicht gerade sehr glücklich. Umso glücklicher<lb/>
bin aber ich, denn ich sehe nicht ein, warum ich mich immer mit den<lb/>
Interessensvertretungen in den Ländern und den Messen herumschlagen muß,<lb/>
wenn dies tatsächlich die einzelnen Länder und Landeshauptleute besser<lb/>
machen könnten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_42">Im Klubvorstand der SPÖ habe ich dann mit <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> über das Klein-<lb/>
und Mittelstandsgesetz berichtet. In der Diskussion hat sich ergeben,<lb/>
daß man doch auch das Argument des Klubobmanns <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> nur schwer zer<lb break="no"/>streuen konnte, daß aus diesem Wischiwaschigesetz nicht eine große<lb/>
Gefahr für Belastungen des Finanzministers, überhaupt Beeinflussung der<lb/>
Regierungspolitik zugunsten der Klein- und Mittelbetriebe herauslösen<lb/>
könnte. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> hat vom Verfassungsdienst eine diesbezügliche Stellung<lb break="no"/>nahme verlangt, die er allerdings bis jetzt nicht bekommen hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_43">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte nicht urgieren, aber nach Beschlußfassung<lb/>
im Parlament dann dieses Gutachten verlangen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_44">Im Freien Wirtschaftsverband waren alle Spitzenfunktionäre versammelt<lb/>
und ich habe dort über die verschiedensten Fragen mit ihnen diskutiert.<lb/>
In der sehr langen und intensiven Debatte konnte ich alles beantworten<lb/>
außer ein paar Spezialgewerberechtsfragen. Die Kollegin <rs type="person" ref="#per__1137908">Fichtinger</rs> von<lb/>
Wien, Tel. 36 64 484, wollte von mir wissen, wieso eine Magistratsabtei<lb break="no"/>lung einen Hollandabnehmermarkt genehmigen konnte, obwohl der Oberste<lb/>
Gerichtshof die Bezeichnung Markt verboten hat. Die Kollegin <rs type="person" ref="#per__1137909">Gatscha</rs>,<lb/>
Linz, 243 320, wollte die endgültige Stellungnahme zur Fußpflegetätig<lb break="no"/>keit durch Friseure wissen, Kollegin <rs type="person" ref="#per__1137910">Auer</rs>, 35 82 013, hat eine Konzes<lb break="no"/>sion über Würstelstand und darf nicht Wein in Stifterln ausschenken,<lb/>
für alle diese drei habe ich versprochen, wird Sektionschef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> sie<lb/>
anrufen und die Details mit ihnen besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_45">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs>: Bitte erfülle diesen Wunsch.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_46">Im SPÖ-Klub hat Arch. <rs type="person" ref="#per__97981">Staber</rs> sein Konferenzzentrum mit einem Riesen-<lb/>
modell vorgestellt und erörtert. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> berichtet dann über die<lb/>
Schulnovelle. Hier gibt es große Schwierigkeiten. Die ÖVP will auch<lb/>
nicht die geringsten weiteren Zugeständnisse machen, <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> verweist<lb/>
darauf, daß jetzt schon mehr als die Hälfte der Mittelschüler nicht aus<lb/>
den Unterstufen, sondern aus den Hauptschulen kommen. Die Hauptschulre<lb break="no"/>form erscheint daher <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> als das Allerwichtigste. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> meint,<lb/>
es dürfe nicht zu einer Niederlage im Plenum kommen; wenn man bei der<lb/>
ÖVP nichts durchsetzen kann, dann sollte man halt nur die Vereinbarun<lb break="no"/>gen, die man mit ihm zustandebringt, ins Plenum bringen. Schulgesetze sind<lb/>
Verfassungsgesetze, in der Koalition von der SPÖ so gefordert, und können<lb/>
daher nicht gegen eine große Oppositionspartei durchgesetzt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_47"><rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> berichtete dann über die landwirtschaftlichen Marktordnungsge<lb break="no"/>setze und ich wurde aufgefordert über die anderen Wirtschaftsgesetze<lb/>
zu berichten. Hier konnte ich, wie ich im Klub erklärte, sehr kurz sein.<lb/>
Morgen wird zur Zeit, wo diese Gesetze verhandelt werden, das WM-Spiel<lb/>
Österreich gegen Chile sein. Im Plenum werden sich daher nur die Fach<lb break="no"/>leute aufhalten, denen brauche ich es nicht zu erklären, die anderen<lb/>
werden alle beim Fernseher sitzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_48">Am Abend bei den Sektionsleitern gab es dann eine harte Diskussion<lb/>
nicht nur wegen der schon oben geschilderten Zuschläge für den Konferenz<lb break="no"/>zentrumbau, sondern auch für den Papstbesuch. Viele waren der Meinung,<lb/>
hier müßte man der ÖVP zeigen, daß so etwas auch viel Geld kostet<lb/>
und man daher nicht unbedingt den Klerikalen durch den Papstbesuch<lb/>
helfen sollte. Ich versuchte ihnen klarzumachen, daß es sich hier um<lb/>
einen Staatsbesuch handelt, der eben zum Katholikentag erfolgt, kriti<lb break="no"/>siert wurde auch, daß das ein Monat vor der Gemeinderatswahl ist, was<lb/>
sicherlich auch wieder der ÖVP in Wien hilft.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-06-15_49">Da die ARGE Messen so schlecht besucht war, hat der Generalsekretär Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1137911">Riehar</rs> zuerst Karten für Flik Flak bestellt, sie nur sehr schwer bekommen,<lb/>
weil die Vorstellungen alle ausverkauft sind und dann keinen Besucher<lb/>
gehabt. Er hat daher meiner Frau vorgeschlagen, sie sollte unbedingt sich<lb/>
dies ansehen und ich habe sie begleitet, weil es mich interessierte, wie<lb/>
dieses Zirkusprogramm wirklich ankommt. Ich war überrascht über die<lb/>
jungen Leute, die sich um die Karten reißen und wie die bei diesem<lb/>
für mich gar nicht so besonderen Zirkusattraktionen mitgehen. Leistungs<lb break="no"/>mäßig waren wirklich nur ein paar, in meinen Augen überhaupt nur eine<lb/>
einzige Nummer erwähnenswert. Der russische Zirkus stellt alle weit<lb/>
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die Propaganda eine Rolle spielt und eine gute Public-Relations-Arbeit,<lb/>
möchte ich nicht sagen. Scheinbar ist diese Art der Aufmachung für<lb/>
die jungen Leute so interessant, daß sie selbst einen so schwachen In<lb break="no"/>halt mit Begeisterung akzeptieren.<lb/>
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            <head>Nachtrag TO 137. Ministerratssitzung, 15.6.1982</head>
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               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <occupation>ZS GPA, ab 1980 Sozialminister</occupation>
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               <occupation>Vizepräs. BHK, Präs. FWV</occupation>
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               <occupation>US-Präs. ab 1981</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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