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            <title type="main">Dienstag, der 25. Mai 1982</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band65_1982-05-25</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_01">Dienstag, 25. bis Montag, 31. Mai 1982<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_02">Beim Jour fixe in der Handelskammer bemerkt Präs. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, daß der<lb/>
Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__1137839">Haehser</rs> vom Finanzministerium bei der gestrigen Er<lb break="no"/>öffnung des gemeinwirtschaftlichen Kongresses sich ungehörig in die<lb/>
innenpolitische Szene Österreichs eingemischt hat. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hat in<lb/>
seiner Begrüßungsansprache bemerkt, daß die Handelskammer der Meinung<lb/>
ist, wo Private Tätigkeiten ausüben können, sollte die Gemeinwirtschaft<lb/>
zurückstehen, also substituär nur in Erscheinung treten. Staatssekre<lb break="no"/>tär <rs type="person" ref="#per__1137839">Haehser</rs> legte dies so aus, daß <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> meint, die lukrativen Ge<lb break="no"/>schäfte würden die Privaten machen, die Defizite die Gemeinwirtschaft.<lb/>
Diese Definition lehnt <rs type="person" ref="#per__1137839">Haehser</rs> auf das entschiedenste ab. Normal ist<lb/>
es sicherlich nicht, daß ein Ausländer sich in eine Polemik bei der<lb/>
Begrüßungsansprache einläßt. Die Eröffnung des Kongresses, erklärte ich,<lb/>
aber war sowieso überladen und problematisch, schon der Vorsitzende der<lb/>
österreichischen Gemeinwirtschaftsgruppe, Prof. <rs type="person" ref="#per__97860">Rauter</rs> hatte ja keine<lb/>
Begrüßungsansprache, sondern ein kleines Referat gehalten. Jeder packte<lb/>
eben seine Ideen schon in seine Begrüßungsansprache.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_03"><rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> interessierte sich über die neue Papieraktion III des Handels<lb break="no"/>ministeriums. Interessant für mich war, daß er im Prinzip gegen die<lb/>
Fortsetzung der Papieraktion Bedenken hat, da dadurch Wettbewerbsver<lb break="no"/>zerrungen entstehen. Besonders bezog er sich auf die, wie er glaubt unge<lb break="no"/>heuren Subventionen der Pölser, den Italiener gehörenden Sulfatzellstoff<lb break="no"/>produktionssubvention. Die Handelskammer würde am liebsten, so hatte<lb/>
ich das Gefühl, die ganze Papieraktion, die von der Papierindustrie natür<lb break="no"/>lich gefordert wurde, und vom Finanzminister jetzt zu meiner größten<lb/>
Überraschung tatsächlich wieder genehmigt wurde, einstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Laß bitte eine Gegenüberstellung der Subvention<lb/>
von Pöls im Verhältnis zu den anderen Zellstoffabriken machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_05"><rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> teilte mir triumphierend mit, daß jetzt GD <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> und er sich<lb/>
im Prinzip über die Schrottzuteilung geeinigt hätten, und daß nachher<lb/>
eine Ausschußsitzung eine endgültige Fixierung vorgenommen hat. Dadurch<lb/>
ist eine Änderung des Schrottlenkungsgesetzes nicht mehr notwendig.<lb/>
Ich selbst habe mich sofort bei der VÖEST überzeugen können, daß tatsäch<lb break="no"/>lich ein solches verträgliches Kompromiß für alle zustande gekommen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Die Schrottlenkung wird daher nur nor<lb break="no"/><pb n="65-0614" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band65/65_1982-05-25_1982-05-31_0614.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>mal um 2 Jahre verlängert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_07">Bezüglich des Preisgesetzes ist <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> nach wie vor der Meinung, sie<lb/>
sollte ebenfalls nur um 2 Jahre im Prinzip verlängert werden. Meine Idee,<lb/>
wenigstens eine Punktation zum Preisgesetz zu machen, damit bis zur<lb/>
nächsten Verlängerung 1985 ein neues Preisgesetz ausgearbeitet werden<lb/>
kann, wird er zwar mit seinem Referenten <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> besprechen, doch<lb/>
steht er dieser sehr skeptisch gegenüber. Ich informierte <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs>, daß<lb/>
nach Pfingsten unverzüglich ich selbst Gespräche mit den Interessensver<lb break="no"/>tretungen, <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs>, HK, <rs type="person" ref="#per__113077">Altmann</rs>, Präsidentenkonferenz der Landwirt<lb break="no"/>schaftskammer, <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, ÖGB, <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs>, AK, führen werde. <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> ist sehr<lb/>
skeptisch, daß es dabei zu einem positiven Ergebnis kommen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_08"><rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> bedankte sich bei mir, daß jetzt die Ausbildner-Prüfungs-Fallfrist<lb/>
mit 30. Juni 82 verlängert wird. SC <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__98078">Winkler</rs> sollten einen<lb/>
diesbezüglichen Initiativantrag ausarbeiten, damit es im Parlament kei<lb break="no"/>nerlei Schwierigkeiten gibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs>: Bitte für die nächste Handelsausschußsitzung<lb/>
vorbereiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_10">Das Institut für Gewerbeforschung, welches jetzt eine Gewerbestruktur-, aber<lb/>
auch jetzt eine Gewerbekonjunkturbeobachtung macht, bräuchte dringend<lb/>
eine Subvention. Die letzte hat sie im Dezember 81 bekommen. Bei der<lb/>
Gewerbekonjunkturbeobachtung gab es eine 50 %-ige Rücklaufquote, dies<lb/>
ist eine ganz gigantische Leistung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Kennen wir diese Unterlagen?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_12">Bezüglich der Verleihung des Staatswappens hätte sich jetzt die Innung<lb/>
über eine freiwillige Selbstbeschränkung geeinigt. Auch die allgemeine<lb/>
Gewerbeinnung, die davon betroffen ist, hätte dieser Selbstbeschränkungs<lb break="no"/>formulierung zugestimmt. Ich erklärte sofort, ich könne mir nicht vor<lb break="no"/>stellen, daß tatsächlich eine solche Abgrenzung möglich sei, da wenn<lb/>
erst einmal einer eine solche Auszeichnung bekommen hat, die anderen in<lb/>
der großen Masse sie ebenfalls verlangen würden. Da für diese Immobilien<lb break="no"/>treuhänder usw. das Staatswappen auf dem Briefpapier fast einen offiziösen<lb/>
Charakter der Firma verleiht, halte ich ein Abgehen von dem seinerzei<lb break="no"/>tigen Beschluß, solche Innungen eben prinzipiell von der Verleihung<lb/>
auszuschließen, für sehr sehr schwer möglich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs>: Bitte besprich dies mit Präsidialisten <rs type="person" ref="#per__113032">Reiger</rs>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_14"><rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> hat große Angst, daß die Bundesingenieurkammer mit ihren Vor<lb break="no"/>schlägen die Baumeister, die in der gewerblichen Wirtschaft von ihrer<lb/>
angestammten Tätigkeit ausschalten möchte. Ich werde, so versichere ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs>, nichts ohne vorherige Absprache mit der Handelskammer d.h. durch<lb/>
Versuch eines Kompromißes der Ingenieurkammer zugestehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs> UND <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Was ist bis jetzt auf diesem Gebiet<lb/>
geschehen?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_16">Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> teilt meine Meinung, daß es dringendst notwendig ist,<lb/>
die Wirtschaftstreuhänderprüfungsordnung jetzt auch im Parlament zu be<lb break="no"/>schließen, das Ableben von dem sozialistischen Verhandler Dr. <rs type="person" ref="#per__116393">Bechinie</rs><lb/>
gibt auch ihm zu bedenken, daß <rs type="person" ref="#per__116393">Bechinie</rs> sich wirklich für diese seine<lb/>
Aufgabe aufgeopfert hat. <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> legt keinen Wert auf die akademische<lb/>
Klausel, die Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__113112">Böck</rs> von den Wirtschaftstreuhändern und<lb/>
Exponent der ÖVP sehr gerne haben möchte. Auch darüber meint <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs><lb/>
möge SC <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> noch mit Dr. <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs>: Wie weit steht die Sache jetzt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_18">Dir. <rs type="person" ref="#per__116108">Haiden</rs> von der Z, der sich zwar mit Bautenvertriebsgesellschafts<lb break="no"/>vertreter angemeldet hat, ist dann allerdings dann nicht mitgekommen.<lb/>
Diese schwedische Gesellschaft ist ein riesen Unternehmen mit 18 Mrd. S<lb/>
Umsatz. Mit einer kleinen österreichischen Vertretung, 16 Mio. S Umsatz, und<lb/>
möchte Fertigwohnbauten bei uns vertreiben. Ich habe mir dies zwar ange<lb break="no"/>hört, war aber ein wenig erstaunt, daß <rs type="person" ref="#per__116108">Haiden</rs>, wenn er schon ein solches<lb/>
Geschäft entrieren will und die Z daran besonders interessiert ist,<lb/>
dann nicht einmal jemanden mitschickt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs><add>[hs. korrigiert, Anm.]</add>: In Hinkunft bitte auf eine entsprechende Beglei<lb break="no"/>tung Wert legen und <rs type="person" ref="#per__116108">Haiden</rs> davon verständigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_20">Im Ministerrat, der unter Vorsitz von <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> abgewickelt wurde, hat<lb/>
in der Vorbesprechung er mich ersucht, ich sollte über Bauknecht berich<lb break="no"/>ten. Die Verhandlungen werden jetzt durch den Ausgleich mit <rs type="person" ref="#per__1137776">Günter<lb/>
Bauknecht</rs> nicht leichter, sondern nur noch schwerer werden. Für die Be<lb break="no"/>schäftigten wird es ungeheuer wichtig sein, ob es gelingt, die Produkte,<lb/>
die noch immer erzeugt werden, einigermaßen gegen sofortige Bezahlung<lb/>
nach Deutschland an die anderen Bauknecht-Gesellschaften zu verkaufen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> meinte, den Insolvenzenfonds wird es ca. 100 Mio. kosten. Für<lb/>
die französischen Bauknecht-Unternehmungen hat sich nicht einmal um 1<lb/>
fr. ein Käufer gefunden, auch die Fa. <choice><choice><sic>Thompson</sic><corr>Thomson?</corr></choice></choice> nicht, 400 Mio. Subvention<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__110169">Nußbaumer</rs> glaubt, daß Philips, wenn es Bauknecht kauft, diesen nur zum<lb/>
Stillegen erwerben will, diese Meinung teile ich keinesfalls. Die Haupt<lb break="no"/>schwierigkeit ist nach wie vor, daß die Motorenfertigung in der Steier<lb break="no"/>mark zu 70 % nach Deutschland Bauknecht geliefert wird und 30 % nur an<lb/>
Dritte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_21">Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> berichtet, daß im Parlament nach Pfingsten am Dienstag<lb/>
der NR um 12 Uhr mit einer Fragestunde und dann das Heeresgebührenge<lb break="no"/>setz und anschließend IAKW 1980 Bericht zur Debatte stehen wird. Am<lb/>
Mittwoch wird dann der Wirtschaftsbericht von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> er<lb break="no"/>folgen. Eine lange Diskussion gibt es dann über die Regierungsvorlage be<lb break="no"/>züglich der israelitischen Religionsgemeinschaft, dort hat eine Splitter<lb break="no"/>gruppe, Präs. <rs type="person" ref="#per__1137840">Schreiber</rs> bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> interveniert. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs>, der dafür<lb/>
zuständig ist meint, es sollte bei der Regierungsvorlage die eine sehr<lb/>
liberale Regelung ist bleibe. <rs type="person" ref="#per__1137840">Schreiber</rs> vertritt eine orthodoxe Splitter<lb break="no"/>gruppe, auch die ÖVP vertritt durch ihren Vertreter NR <rs type="person" ref="#per__125293">Schwimmer</rs>, der<lb/>
übrigens Präs. der israelisch-österreichischen Freundschaftsgruppe wird,<lb/>
den Standpunkt der Kultusgemeinde und damit auch den von Unterrichts<lb break="no"/>minister <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_22">Bezüglich des Berufsausbildungsgesetzes, Fallfrist für Prüfungspflicht<lb/>
der Ausbildner, setzt sich neben mir insbesondere Sozialminister <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs><lb/>
für eine Verlängerung dieser Fallfrist durch einen Initiativantrag ein.<lb/>
Jedermann sieht ein, daß es ein Wahnsinn wäre, bei der jetzigen schwie<lb break="no"/>rigen Unterbringung der Lehrlinge auch nur einen Meister zu verärgern<lb/>
oder gar unmöglich zu machen, daß er durch Nichtablegung einer Prüfung<lb/>
seine Lehrberechtigung verlieren würde, obwohl er vielleicht Jahrzehnte<lb/>
schon gute Lehrlinge ausgebildet hat. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> sagt eine entsprechende<lb/>
schnelle Erledigung zu und bittet nur, daß SC <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> ihm sofort den<lb/>
Text des Initiativantrages übermitteln soll. Ich habe diesbezüglich<lb/>
noch mit <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> gesprochen, der mit Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> auch Kontakt auf<lb break="no"/>nehmen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_23">Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> berichtet, daß er jetzt mit Bautenminister <rs type="person" ref="#per__111741">Seka<lb break="no"/>nina</rs> sich über die Entflechtung der Straßenbaugesellschaften geeinigt<lb/>
hat, diese wird vom Finanzministerium wegkommen ins Bautenministerium<lb/>
und eine eigene Finanzierungsgesellschaft gegründet, wodurch das Budget<lb/>
entsprechend entlastet, wenn man aber das richtig betrachtet eben aus<lb/>
dem Budget ausgegliedert wird. Wenn ich bedenke, daß ursprünglich so<lb break="no"/>wohl Bautenminister <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> die Idee hatten, alles<lb/>
was eine zukünftige Belastung des Straßenbaus mit sich bringt, nicht mehr<lb/>
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der Sachzwang, wie sie jetzt doch auf diese von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> oder <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
geborene Idee vor etlichen Jahren wieder zurückkommen müssen. Sowohl<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> haben nur entweder die Möglichkeit diesen Weg<lb/>
fortzusetzen und damit einigermaßen Mittel für den Straßenbau zusätzlich<lb/>
aufzutreiben oder die Straßenneubautätigkeit muß radikal eingeschränkt<lb/>
werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_24"><rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs> berichtete über die Gehaltsgesetznovelle, dort soll eine Objek<lb break="no"/>tivierungskommission<add>[zur?]</add> Postenvergabe der Verstaatlichten, die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
<rs type="person" ref="#per__122970">Steger</rs> zugesagt hat, verankert werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_25"><rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> berichtet über die Entführung zweier DDR-Flüchtlinge über Ungarn<lb/>
durch ein Flugzeug, die deutschen Piloten hätten zwei Verwaltungsüber<lb break="no"/>tretungen begangen und würden danach auch bestraft werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_26">Zur Verabschiedung des Bundespräsidenten von Schwechat bei seinem Russ<lb break="no"/>landbesuch kam <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> infolge der Verkehrsstauung wie er sagte zu<lb/>
spät. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> aber war als einziger Minister dort erschienen. Im Flugzeug<lb/>
hat sich <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> dann aber sehr herzlich und entwaffnend für sein Zu<lb break="no"/>spätkommen entschuldigt. Wenn man bedenkt, wie dann die Ankunft in Moskau<lb/>
sich abgespielt hat, dann weiß man und sieht man den riesen Unterschied<lb/>
erst so richtig zu schätzen. <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> war am Flughafen erschienen, der<lb/>
erste Eindruck war für mich nur eine Bestätigung, was ich schon, als ich<lb/>
durch reinen Zufall vor ein paar Jahren im Kreml mit ihm zusammengetroffen<lb/>
bin, und was <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schon von seinem Zusammentreffen mit <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> vor<lb/>
ein paar Jahren mir erzählt hat, daß er zur Erfüllung dieser rein for<lb break="no"/>mellen Verpflichtung sich auch schon sehr schwer tut. Hätte <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs><lb/>
tatsächlich diese Entscheidungsgewalt die ein amerikanischer Präsident<lb/>
hat, dann wäre es wirklich sehr kritisch. Tatsächlich aber ist im Kreml<lb/>
in der jetzigen Situation die Entscheidung des Politbüros maßgebend und<lb/>
dort sitzen zwar lauter alte Herren, fast wie in China, aber daher wahr<lb break="no"/>scheinlich auch keine impulsiven Entscheidungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_27">Am Flughafen hatte man sowohl in Moskau als auch in Taschkent Betriebe<lb/>
oder Institute zum Empfang abkommandiert. Die rot-weiß-roten Papierfah<lb break="no"/>nerln neben den sowjetischen schwenkten, aber deutlich sichtbar teil<lb break="no"/>nahmslos diese Zeremonie mehr oder minder freiwillig verbrachten.<lb/>
Journalisten haben festgestellt, daß sie dafür abkommandiert wurden,<lb/>
da das Wetter schön war, hat es sie wahrscheinlich wirklich kaum ge<lb break="no"/>stört. Beeindruckend für westliche Besucher, die das ganze ja kennen, ist<lb/>
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die wissen ja noch viel genauer wie dies zustande kommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_28">Die erste und einzige Aussprache zwischen <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> und <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs><lb/>
verlief für mich wie erwartet. <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> hatte ein aufgesetztes State<lb break="no"/>ment, verhältnismäßig sehr lange, hat dies absatzweise verlesen und gleich<lb break="no"/>zeitig übersetzen lassen. Er begann mit der Feststellung, daß er 79 in<lb/>
Wien <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> das letzte Mal getroffen hat. Er schlug<lb/>
sofort die bilateralen Fragen als erstes zu besprechen vor, wartete aber<lb/>
gar nicht ab ob jemand zustimmte sondern hat sofort weitergelesen. Es<lb/>
gibt aufsteigende gute Beziehungen zwischen Österreich und der SU, ande<lb break="no"/>re Staaten könnten sich an dieser Zusammenarbeit ein Beispiel nehmen.<lb/>
Der Staatsvertrag 55 ist die unerschütterliche Grundlage, die Neutrali<lb break="no"/>tät Österreichs, und die Sowjetunion würde verhindern, wenn jemand<lb/>
deswegen Österreich Schaden zufügen würde. Das gute Klima wirkt sich<lb/>
auch auf die geschäftlichen Beziehungen aus. Innerhalb der 6 Jahre hat<lb/>
sich der Handelsverkehr verdreifacht und beträgt 1 1/2 Mrd. Rubel, bis<lb/>
90 gibt es jetzt das wissenschaftlich-technische und wirtschaftliche Ko<lb break="no"/>operationsabkommen mit Programm, das jetzt mit Leben erfüllt wird. Die<lb/>
SU weiß die Zuverlässigkeit der österreichischen Handelspartner sehr<lb/>
zu schätzen. Österreich hat im Westen einen ungeheuren Konkurrenzkampf<lb/>
und muß mit den westlichen Krisenerscheinungen <choice><choice><sic>kämpfen</sic><corr>?</corr></choice></choice>. Ihm ist bekannt,<lb/>
daß man in Österreich bezüglich der Unbalanz, also des großen Handelsbilanz<lb break="no"/>passivums sich Besorgnis macht, der Export in die SU könnte nicht Schritt<lb/>
halten mit den Importen Österreichs. Die Außenhandelsorganisationen ha<lb break="no"/>ben aber die Weisung, jetzt alle österreichischen Angebote zu prüfen.<lb/>
In letzter Zeit wurden größere Aufträge vergeben, die österreichischen<lb/>
Vorschläge sollen weiterhin mit den sowjetischen Organen besprochen<lb/>
werden. Auch in Zukunft wird es eine feste Zusammenarbeit geben. Dann<lb/>
ging er sofort auf die Weltlage ist besorgniserregend, wir balancieren<lb/>
am Rande des Krieges. Alle Staaten haben eine militärische Entspannung<lb/>
nötig, es gibt aber eine gegenteilige Entwicklung. Den US-Kurs muß man<lb/>
mit Worten und Taten verfolgen. Sie wollen eine militärische Überlegen<lb break="no"/>heit in der ganzen Welt. Neutronenbombe, chemische Waffen werden neu<lb/>
produziert, die Konzeption ist erstens eine nukleare Aufrüstung und<lb/>
zweitens Einsatzpläne. Mit atomarem Erstschlag begrenztem Nuklearkrieg<lb/>
vor allem in Europa, in der Vergangenheit war es so, daß nach einem<lb/>
Krieg wieder das Leben in einem Land beginnen konnte, im zukünftigen wird<lb/>
das nicht mehr möglich sein, es werden alle, auch die USA betroffen<lb/>
werden. Eine atomare Erpressung darf nicht geduldet werden, dem Wahn<lb break="no"/><pb n="65-0619" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band65/65_1982-05-25_1982-05-31_0619.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sinn muß ein Ende gesetzt werden. Die sowjetischen <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs>-Vorschlä<lb break="no"/>ge sind bekannt, am Gewerkschaftskongreß in Taschkent und jetzt beim<lb/>
<choice><choice><sic>Komsomolzk-Kongreß</sic><corr>Komsomol-Kongre??</corr></choice></choice> hat er sie noch einmal unterbreitet. Die SU <choice><choice><sic>werden</sic><corr>wird/werde?</corr></choice></choice><lb/>
alles unternehmen um die internationalen Beziehungen zu verbessern. Dieser<lb/>
Kurs wird konsequent durchgesetzt. 82 sollen die SU und die USA sich tref<lb break="no"/>fen. <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> Vorschlag liegt vor, wird bis Herbst jetzt <choice><choice><sic>notwendigst</sic><corr>?</corr></choice></choice><lb/>
vorbereitet zu werden. Die Gefahr muß reduziert werden, die SU und die<lb/>
USA Begrenzung der nuklearstrategischen Waffen ist notwendig, deren<lb/>
Stationierung auch in österreichischer Nähe sehr gefährlich. Die Genfer<lb/>
Gespräche weiten sich aus. Einseitige Schritte der SU haben keinen<lb/>
positiven Widerhall bei der US-Regierung ausgelöst. Diese strebt die<lb/>
Null-Lösung von <rs type="person" ref="#per__126232">Reagan</rs> an, das ist aber eine Irreführung. Die Amerikaner<lb/>
wollen allen Abzug der SU-Raketen, aber die amerikanischen Raketen in<lb/>
GB und in Frankreich bleiben bestehen und das sei eine einseitige Ent<lb break="no"/>waffnung der SU, ein neues Abkommen sei dringendst notwendig. Die SU<lb/>
wird konstruktive Positionen beziehen und strategische Waffenverhand<lb break="no"/>lungen führen, die auf eine Reduzierung hinauslaufen. Auch die Wiener<lb/>
Gespräche lassen keinen Lichtstrahl sehen sondern beschäftigen sich nur<lb/>
mit Randfragen. Auch dort ist man über eine Reduzierung der Truppen in<lb/>
Europa nicht gesprächsbereit. Die SU hat in der DDR 20.000 Mann und<lb/>
10.000 Panzer freiwillig zurückgezogen, die Amerikaner haben in Deutsch<lb break="no"/>land zwei neue Kampfbrigaden installiert. Die Helsinki-Nachfolgegesprä<lb break="no"/>che in Madrid sind ins Stocken geraten, die NATO-Länder blockieren sie.<lb/>
Die SU wird aber die Helsinki-Schlußakte nicht zulassen, daß sie unter<lb break="no"/>graben werden, die Vorschläge der Neutralen insbesondere Österreichs<lb/>
waren eine gute Grundlage. Naher Osten, die SU hat ähnlich die Position<lb/>
wie Österreich, Camp David könne keinen Frieden bringen, haben nur den<lb/>
israelischen Appetit <choice><choice><sic>geschürft</sic><corr>?</corr></choice></choice>. Notwendig ist die Beseitigung der Israel-<lb/>
Vorteile, zweckmäßig wäre eine internationale Konferenz aller interes<lb break="no"/>sierten Staaten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_29">Die SU weiß den Kurs <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> - <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sehr zu schätzen, auch der<lb/>
Ost-West-Dialog, die SU sei zur Zusammenarbeit bereit.<lb/>
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ist groß, Österreich klein, aber trotzdem schätzen beide die Gleichberech<lb break="no"/>tigung. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten ist eine Doku<lb break="no"/>mentation nach außen, wie auch verschiedene Gesellschaftssysteme gut<lb/>
auskommen können und das sei ein Ansatzpunkt, daß einmal doch Frieden<lb/>
herrschen wird. Wir führen auch eine offene Politik ohne Geheimnisse.<lb/>
Zu bilateralen Fragen übergehend der Staatsvertrag die immerwährende Neu<lb break="no"/>tralität sei die beste Grundlage. Österreich hat damit gute Erfahrungen<lb/>
in den letzten 27 Jahren gemacht und es gibt ein gutes Vertrauensverhält<lb break="no"/><pb n="65-0620" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band65/65_1982-05-25_1982-05-31_0620.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nis zu den Staatsvertragssignataren. Die Neutralität Österreichs aber<lb/>
könne hauptsächlich in Zeiten der Entspannung am besten gedeihen. Der<lb break="no"/>zeit gibt es einen höchsten Auftragsstand der SU in Österreich, er be<lb break="no"/>grüßt die Grundeinstellung österreichische Angebote genau zu prüfen.<lb/>
Bei einer Vorbesprechung hat <rs type="person" ref="#per__97632">Krichschläger</rs> mich über einzelne Projekte<lb/>
gefragt und sie dann auch tatsächlich vorgetragen. VÖEST-Alpine, das<lb/>
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will sie auch bei Erdgaspipeline weiter im Gespräch bleiben, SDP hat<lb/>
die forsttechnischen Maschinen für das Windwurfgebiet in <choice><choice><sic>Kallilen</sic><corr>?</corr></choice></choice> be<lb break="no"/>reit und möchte dort die Aufarbeitung durchführen, mit dem aufgearbei<lb break="no"/>teten Holz könnte dieses Geschäft bezahlt werden. Elin bittet um <choice><choice><sic>Vibrato</sic><corr>Vibrations-?</corr></choice></choice><lb/>
und Getriebeprüfanlagen, Voith um Papiermaschinen, Chemie Linz um Gips-<lb/>
Schwefelanlage und zuletzt bedankte sich <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> auch noch über<lb/>
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ausmacht. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> übergab dann auch eine in Russisch von unserem<lb/>
Handelsrat <rs type="person" ref="#per__114588">Draszczyk</rs> verfertigte Liste. Die <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> sofort an <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs><lb/>
weitergab mit der Bemerkung man wird die zusätzlichen Angebote prüfen.<lb/>
Damit war für mich die wichtigste Arbeit erledigt, denn durch die Über<lb break="no"/>gabe dieser russischen Listen, die <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> sofort studiert hat und die<lb/>
ich dann noch, da <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> erkrankt ist, dem ersten Vizehandelsmini<lb break="no"/>ster <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> noch während der Sitzung übergab, wurden sozusagen von oben<lb/>
unsere Hauptprojekte zur Prüfung weitergeleitet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_31"><rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> sprach dann über die Weltlage und meinte, diese Entwicklung<lb/>
hat größte Bedenken und Österreich bringt es überall zur Sprache. Er<lb/>
versteht die sowjetischen Sicherheitsinteressen, die bei allen Verhand<lb break="no"/>lungen eine große Rolle spielen, aber er hofft auf eine gut vorbereite<lb break="no"/>te Begegnung <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> - <rs type="person" ref="#per__126232">Reagan</rs>, und Österreich liegt daran sehr viel. Die<lb break="no"/>ses Gespräch bietet die letzte Möglichkeit, einer drohenden Entwicklung<lb/>
Einhalt zu gebieten, und in Österreich weiß man dies sehr zu schätzen.<lb/>
Es geht aber erstens einmal prinzipiell, daß diese Begegnung zustande<lb/>
kommt und zweitens ist dann der Ort sekundär, aber Österreich wäre als<lb/>
neutraler Staat sehr glücklich, wenn es bei ihm stattfinden könnte. Er<lb/>
bittet um Verständnis, daß er sich nicht zur US-Politik äußert, dort<lb/>
gibt es aber psychologische Gründe und man müsse auf allen Ebenen über<lb/>
dieses Problem reden. Nur diese beiderseitigen Gespräche könnten ein Ver<lb break="no"/>trauen schaffen, ob diese Gespräche dann in Genf oder Wien stattfinden<lb/>
sei nicht so wichtig. Die Madrider Konferenz soll im Herbst positiv fort<lb break="no"/>gesetzt werden, die Meinung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> ist die selbe wie von <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs>,<lb/>
es <choice><choice><sic>muß</sic><corr>müssen</corr></choice></choice> bis zur Wiederaufnahme im November bessere Grundlagen geschaffen<lb/>
werden. Die Situation in Polen spielt dabei eine große Rolle wie auch die<lb/>
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wieder herzustellen, da Österreich sonst in die Auseinandersetzungen hi<lb break="no"/>neingezogen wird. Es ist daher Österreichs egoistisches Interesse auf<lb break="no"/>grund seiner geographischen und politischen Lage, daß es wieder zur<lb/>
Entspannung kommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_32">Bezüglich der Politik im Nahen Osten ist die Beurteilung sehr ähnlich,<lb/>
nur um Nuancen verschieden. Camp David sei doch eine Friedensmöglichkeit,<lb/>
notwendig sei es den iran-irakischen Krieg zu beenden, alle Konflikt<lb break="no"/>herde hängen zusammen, auch Falkland könne man nur schwer verstehen. Die<lb/>
UNO als Friedensorganisation müßte man stärken und Wege aus dem Wellen<lb break="no"/>tal finden um international herauszukommen. Alle europäischen Staaten<lb/>
wollen dies und alle sind an einem Treffen <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> - <rs type="person" ref="#per__126232">Reagan</rs> im Herbst<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_33">Bezüglich Detailfragen übergab <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> 9 Besuchsreisen, 11 Familien<lb break="no"/>zusammenführungen und eine Repatriierung, <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> hat sie sofort<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108330">Gromyko</rs> weitergegeben und dieser meinte nach sowjetischen Recht wird da<lb/>
zu beurteilen und zu entscheiden sein. Da wir knapp vor der Sitzung noch<lb/>
ein Kabel bekommen haben, daß die Telefonleitungen drastisch reduziert<lb/>
werden sollen, von 24 auf 5 mit 1. Juli, hat <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> dies auch ange<lb break="no"/>schnitten. <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> und <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> meinten, davon wüßten sie nichts, das<lb/>
könne sich nur kurzfristig um eine technische Frage handeln, <rs type="person" ref="#per__108330">Gromyko</rs><lb/>
machte die Bemerkung, wenn gute Gespräche sind, werden die Leitungen vor<lb break="no"/>handen sein und für Beschimpfungen sind sie sowieso nicht nötig. <rs type="person" ref="#per__108330">Gromyko</rs><lb/>
war überhaupt während der ganzen Verhandlung, und <choice><choice><sic>wir</sic><corr>wie</corr></choice></choice> mir <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> auch nach<lb break="no"/>her bei seinem Detailgespräch erzählte, sehr aufgeräumt und sehr humor<lb break="no"/>voll. Da <rs type="person" ref="#per__108330">Gromyko</rs> sonst immer sehr grantig ist, ist dies besonders aufge<lb break="no"/>fallen. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> ersuchte dann auch noch für die Televisionsproduk<lb break="no"/>tion von <rs type="person" ref="#per__125831">Portisch</rs> über die zweite Republik, daß das Filmarchiv in Krasno<lb break="no"/>gorsk Unterlagen zur Verfügung stelle. <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> bemerkte auf ein Flü<lb break="no"/>stern von <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs>, wird schon bearbeitet. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hat dann einen<lb/>
sehr guten Schlußsatz gefunden, bei der Kranzniederlegung hat er darüber<lb/>
nachgedacht, daß die österreichische Hymne gar nicht ohne die sowjeti<lb break="no"/>schen Soldatenopfer heute erklingen könnte.<lb/>
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besteht Übereinstimmung der Meinungen über die derzeitige Situation und<lb/>
über die Zukunft, beide Seiten seien daran interessiert, an guter Zusammen<lb break="no"/>arbeit, an internationalen Fragen Entspannung herbeizuführen und das Wett<lb break="no"/>rüsten zu zügeln. Das Anbot nach Wien nimmt die SU mit Dank zur Kenntnis,<lb/>
aber sie hat Helsinki und Genf schon genannt. Von Amerika gibt es bezüg<lb break="no"/>lich dieses Zweiertreffens noch keine Antwort, dann wird man auch endgül<lb break="no"/><pb n="65-0622" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band65/65_1982-05-25_1982-05-31_0622.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>tig über den Ort zu entscheiden haben. Die Aussprache sowie alle ande<lb break="no"/>ren Begegnungen verlief ungeheuer freundlich und zeigte eindeutig, daß<lb/>
die SU an der Österreichischen Politik nicht nur im Prinzip nichts aus<lb break="no"/>zusetzen hat, sondern auch an einer Fortsetzung sehr interessiert ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_35">Da die Sowjets selbst vorgesehen hatten, daß Außenminister <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108330">Gromyko</rs> und ich mit dem ersten Vizeminister <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> durch die Er<lb break="no"/>krankung <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschews</rs> verhandeln sollte, wurde auf die Detailgespräche<lb/>
verwiesen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_36">Bei dem Österreich-Empfang in der Botschaft hatte ich Gelegenheit,<lb/>
mit den österr. Firmenvertretern in Moskau, aber auch mit den an<lb break="no"/>wesenden Firmeninhabern, wie z.B. Herrn <rs type="person" ref="#per__1137841">Högl</rs>, der jetzt größere<lb/>
Mengen von Schuhen wieder in die Sowjetunion liefern kann, sozusagen<lb/>
die Listen noch einmal durchzugehen und Vorgespräche zu führen. Insbe<lb break="no"/>sondere wurde dann beim Außenhandelsministerium eine Sitzung, an der<lb/>
auch Vizeminister <rs type="person" ref="#per__112953">Manschulo</rs> und drei Österreich-Referenten teil<lb break="no"/>nahmen, wurden die ganzen aktuellen Kompensations- und Kooperations<lb break="no"/>vorschläge und Lieferwünsche durchbesprochen. Nach sowj. Ziffern, die<lb/>
ja viel genauer sind, als die österr., haben wir für das Jahr 1982 bis<lb/>
1985 585 Mio. Rubel Lieferungen bereits abgeschlossen und 300 Mio. Rubel<lb/>
sind in Verhandlung. 1982 für Maschinen, Anlagen und Schiffe 147 Mio.<lb/>
Rubel, 1983 233 Mio. Rubel, 1984 178 Mio. Rubel, insgesamt also 558 Mio.,<lb/>
dazu dann aber noch ein Schwimmkran, der bereits jetzt fixiert ist.<lb/>
Darüber hinaus wird 1982 die VÖEST-Alpine Walzgut 605.000 to für 160<lb/>
Mio. Rubel liefern, 81 waren es 574.000 to mit 148 Mio. Rubel. Der von<lb/>
der VÖEST-Alpine gewünschte Vertragsverlängerung für <choice><choice><sic>Dupiens</sic><corr>?</corr></choice></choice>, also<lb/>
Rohre für die Ölfelder, der erst 83 anlauft, kann dann erst verlängert<lb/>
werden, bis die ersten Testversuche der Lieferungen vorliegen. Derzeit<lb/>
ist bis 86 ja der Vertrag fixiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_37">Darüber hinaus hat <choice><choice><sic><rs type="person" ref="#per__127183">Komarek</rs></sic><corr>Komarow?</corr></choice></choice> angeboten 400.000 bis 500.000 to oxydierte<lb/>
<choice><choice><sic>Belez</sic><corr>Pellets?</corr></choice></choice> mit 65 bis 66 % Eisengehalt, die VÖEST-Alpine soll sich endgültig<lb/>
jetzt entscheiden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_39">Bezüglich Kabellieferungen hat die Sowjetunion 1981 7 Mio. Rubel Vor<lb break="no"/>griff auf 82 gemacht. Ich habe sofort urgiert, ob man nicht für 82<lb/>
wieder einen Vorgriff auf 83 machen könnte, weil angeblich kein zu<lb break="no"/>sätzlicher Bedarf notwendig ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_41">Bauleistungen kommen für den Industriebau in Frage, doch auch hier<lb/>
wird man abwarten, wie die Bauleistung der VÖEST-Alpine für das<lb/>
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schlüsselfertige Zellstoffpapier-Kombinate usw. zu liefern, wo<lb/>
entsprechende Bauleistungen auch dabei sind, doch auch hier wird man<lb/>
erst abwarten, wie die ersten Erfahrungen mit den Bauleistungen bei<lb/>
der VÖEST-Alpine in <choice><choice><sic>Szlobin</sic><corr>Schlobin</corr></choice></choice> enden. Hotelbauten kommen in Zukunft<lb/>
nicht in Frage, sie sind unwirtschaftlich, ein Ausbau der Industrie<lb break="no"/>häfen, insbesondere <choice><choice><sic>Izmaili</sic><corr>Ismajil</corr></choice></choice> ist dagegen möglich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_43">Die österr. Zulieferwünsche zu den Erdgaspipelines, Kompressoren<lb break="no"/>stationen usw. haben kaum eine Aussicht, weil es dafür keine<lb/>
Referenzen gibt. Der Hinweis, daß die VEW jetzt eine französische<lb/>
Lizenz haben, hat die Sowjets davon nicht überzeugt. Es wird zwar<lb/>
jetzt in Zukunft ein Symposium stattfinden, wo über die österr.<lb/>
Leistungen berichtet wird, doch kommt dies alles schon zu spät.<lb/>
Die Sowjets haben bereits für die gesamte Pipeline entsprechende Ver<lb break="no"/>träge abgeschlossen, die auch durch ein Boykott der Amerikaner nicht<lb/>
mehr beeinflußt werden können. Eine Möglichkeit gibt es aber, Werk<lb break="no"/>zeugmaschinen, Komplettierung von Ferngasleitungen usw. in einem<lb/>
größeren Ausmaß vorzunehmen. Derzeit werden 8 – 11 Mio. Rubel jährlich<lb/>
an Werkzeugmaschinen und Spezialmaschinen exportiert, in Hinkunft<lb/>
werden 45 Mio. Rubel zur Verfügung stehen und könnten verhandelt<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_45">Bezüglich der 15 Steyr-Holzbringungsmaschinen mit Mannschaft, die<lb/>
in 6 Monaten ungefähr den Preis für diese Maschinen durch entsprech<lb break="no"/>ende Windwurfholz abgezahlt hätten, bemerkt <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs>, daß <add>[sich]</add> in der Nähe<lb/>
eine Zellstoff- und Papierstoffkombinat-Fabrik Sloka befindet, die<lb/>
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Steyr-Holzbringungsmaschinen seien vom Oktober 81 bis März 82 in<lb/>
<choice><choice><sic>Krasnota</sic><corr>Krasnodar?</corr></choice></choice>, Kaukasus erprobt worden und es gäbe noch offene technische<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_47">Die große Wunschliste für Zulieferung der Erdgaspipeline-Projekte<lb/>
von einem Dutzend österr. Firmen gibt es keine Chance. Die Gasturbinen<lb/>
<pb n="65-0625" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band65/65_1982-05-25_1982-05-31_0625.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>bis 25 kW kann Österreich nicht erzeugen. Die Kompressoren wurden<lb/>
schon gekauft, die Röhren mit 1.420 mm Durchmesser können von Österreich<lb/>
nicht geliefert werden. Die Planierraupen mit 510 PS können nicht er<lb break="no"/>zeugt werden, die Rohrverlegungskräne aus Österreich seien nicht er<lb break="no"/>probt und könnten aber auch nicht erzeugt werden, die Kugelhähne sogar<lb/>
seien ebenfalls in dieser Dimension nicht vorhanden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_48">ANMERKUNG FÜR SC <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs>: Was sagt die Industriesektion dazu?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_49"><rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> hat dann zum Schluß aber besonders darauf verwiesen, daß die<lb/>
ÖMV jetzt heuer mindestens soviel Gas und Öl beziehen müßte wie im<lb/>
Vorjahr. 81 wurden 3,3 Mrd. m³ bezogen, heuer sollen es nur 2,6 Mrd.<lb/>
werden, voriges Jahr wurden 1,6 Mio. to Öl gekauft, heuer sollen es nur<lb/>
1,1 Mio. to sein. Darüber hat sich die Sowjetunion furchtbar bei mir<lb/>
beklagt und insbesondere darauf verwiesen, daß jetzt neuerdings die<lb/>
Verhandlungen über den vierten Gasvertrag im Mai abgeschlossen werden<lb/>
sollten, jetzt wieder auf 20. Juni verschoben wurde. Ich habe, Gott sei<lb/>
Dank gewußt, daß ein Teil dieses Verschiebens auf den Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__115018">Baranowski</rs><lb/>
von der Sojus-Gas zurückzuführen ist, weil er im Mai erkrankt war und<lb/>
daher die Verhandlungen damals nicht zeitgerecht fortgesetzt werden<lb/>
konnten. <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> verwies darauf, daß das Gas ja nicht allein für Heiz<lb break="no"/>zwecke, sondern insbesondere für die chemische Industrie von großer<lb/>
Bedeutung ist, und die Sowjetunion erwartet, daß Österreich mehr be<lb break="no"/>zieht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_50">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte mit GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_51">Während des Festessens kam ich neben dem sowj. Schiffahrtsminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1137842">Guschenko</rs> zu sitzen. Ich nützte natürlich sofort die Gelegenheit,<lb/>
um ihm auf die unbefriedigende Regelung bezüglich der Holztransporte<lb/>
auf der Gemischten Sowj.-DDSG-Gesellschaft und derzeit anhängigen<lb/>
Verfahren zu informieren. Er erklärte, er hätte<lb/>
davon schon gehört, wollte auf die Details aber nicht eingehen, hat<lb/>
mir allerdings zugesagt, er wird sich das Ganze noch einmal vorlegen<lb/>
lassen. Ich habe ihm auf den ungeheuren Schaden der österr. Firmen<lb/>
hingewiesen und, daß jetzt unser Holzexport nach dem Irak nicht mehr<lb/>
durchgeführt werden kann, weil die Iraker infolge der Nichtlieferung<lb/>
der vereinbarten Holzmengen durch die sowj. Schiffahrt jedweden Holz<lb break="no"/>import aus Österreich gestoppt haben. Ich habe über diese Verhandlung<lb/>
<pb n="65-0626" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band65/65_1982-05-25_1982-05-31_0626.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sofort auch den Handelsrat <rs type="person" ref="#per__114588">Draszczyk</rs> und unseren Botschafter <rs type="person" ref="#per__131032">Lieder<lb break="no"/>mann</rs> verständigt und über dieses Gespräch entsprechend informiert,<lb/>
mit der Bitte die ganze Angelegenheit weiter zu verfolgen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_52">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte die österr. Firma von dieser Aussprache<lb/>
verständigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_53">Die sonstige Rußland-Reise verlief ganz programmgemäß und nach<lb/>
strengem sowj. Protokoll. Erstmals habe ich im Kreml geschlafen,<lb/>
dies ist die höchste Auszeichnung, die einem zuteil werden kann,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> hätte ebenfalls ein Zimmer dort bekommen, da er aber bereits aus<lb/>
China ein paar Stunden früher in Moskau eingetroffen ist, hat man ihm<lb/>
zu verstehen gegeben, er kann aber erst im Kreml einziehen bis der<lb/>
Bundespräsident sozusagen dort eingezogen ist. <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> war darüber so<lb/>
verärgert, daß er lieber ins Sowjetskaja, dem Hotel, wo auch die<lb/>
Begleiter des Bundespräsidenten geschlafen haben, verblieben ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_54">Die Reise nach Taschkent und Samarkand und dann auch die Stadtbe<lb break="no"/>sichtigung in Kiew verlief ebenfalls so programmgemäß, wie es die<lb/>
Sowjets wünschen. Am deutlichsten kam dies in Kiew zum Ausdruck,<lb/>
dort hat man uns zur Kathedrale nur hingeführt, sie ist jetzt neu<lb/>
restauriert, im Inneren gibt es interessanteste Fresken, die wir nicht<lb/>
gesehen haben. Bei den Klöstern sind wir langsam vorübergefahren und<lb/>
nicht einmal stehen geblieben. Bei der großen neuen Ausstellung aber<lb/>
über den vaterländischen Krieg, die vorjahrs von <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> eröffnet<lb/>
wurde, wurde eine detaillierte Führung zwar auch im Schnellzugstempo,<lb/>
aber immerhin doch durchgeführt. Interessant für mich war dort, daß<lb/>
insbesondere die Leistungen <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnews</rs>, der in dieser Zeit in der<lb/>
Ukraine Kommissar in einem Militärverband war, besonders herausge<lb break="no"/>strichen wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_55">Da ich bereits zum zweiten Male in Taschkent gewesen bin, habe ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> indirekt darauf vorbereitet, daß ich überzeugt bin, wir<lb/>
würden in Usbekistan, Samarkand, so wie alle Besucher den berühmten<lb/>
Umhang und das Kapperl bekommen. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> meinte, das würde er<lb/>
nur sehr ungern anziehen und aufsetzen, aber er konnte sich dann dieser<lb/>
Geste nicht entziehen. Zum Glück waren, als ihm der Bürgermeister das<lb/>
Kapperl am Kopf drückte, keine Fotografen anwesend, sonst wäre ein<lb/>
Schnappschuß zustande gekommen, den <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs>, wie mir auch<lb/>
seine Begleiter immer wieder versicherten, gar nicht gerne hat, ent<lb break="no"/>standen. Ich habe eigentlich volles Verständnis, daß das Staatsober<lb break="no"/><pb n="65-0627" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band65/65_1982-05-25_1982-05-31_0627.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>haupt mit Recht auf eine gewisse Würde größtes Augenmerk legt, was<lb/>
ich mir als FV- oder Handelsminister leisten kann, kann ein Staatsober<lb break="no"/>haupt wahrscheinlich nicht akzeptieren. Ansonsten verlief die Reise<lb/>
wie ich sie erwartet hatte, <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> sagte immer zu Recht, das<lb/>
ist keine Vergnügungsreise, weshalb man auch nicht die Punkte sieht<lb/>
oder die Ausstellungen besuchen kann, die einen interessieren, sondern<lb/>
eben das, was einem der Gastgeber zeigen will. Gerade in der Sowjet<lb break="no"/>union ist dies am typischsten und am stärksten ausgeprägt. Ich glaube,<lb/>
daß diese Reise ein voller Erfolg war, da sie nicht nur in einem sehr<lb/>
guten Klima verlief, die Sowjetunion, insbesondere deren Führer neuer<lb break="no"/>dings bestätigten, daß die österr. Politik in den letzten 27 Jahren die<lb/>
richtige war, und daß aber insbesondere natürlich jetzt durch das<lb/>
große Handelsbilanzdefizit des vergangenen Jahres, 13 Mrd. S bei 20 Mrd.<lb/>
Import und 7 Mrd. Export die Sowjetunion sich in Hinkunft stärker anstrengen<lb/>
wird, hier ein gewisses besseres Verhältnis herzustellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_56">Natürlich wollten während der Fahrt die Journalisten, insbesondere<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1137507">Rauscher</rs> vom Kurier, von mir immer wissen, wie <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> agiert, ist<lb/>
er krank, ist er gesund, wie stark krank ist er, was macht er, wie<lb/>
hält er sich. Ich habe mich genau gegenteilig verhalten, ich erklärte<lb/>
dezidiert, ich habe ihn das erste Mal jetzt bei einer Verhandlung<lb/>
getroffen und miterlebt, habe daher keinerlei Vergleichsmöglichkeit<lb/>
und im übrigen sollen sie den Außenminister fragen, der viel mehr<lb/>
Kontakt mit der sowj. Seite, insbesondere auch mit <rs type="person" ref="#per__108330">Gromyko</rs> hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_57">Bei diesen Aussprachen habe ich mit <rs type="person" ref="#per__1137507">Rauscher</rs> über die ganze Konzeption<lb/>
des Kuriers gesprochen. Er ist der Meinung, daß es unzweckmäßig war,<lb/>
das neue Gebäude bei der Südautobahn zu errichten, seiner Meinung nach,<lb/>
hätte man eher in den einzelnen Ländern kleine Druckereien errichten<lb/>
sollen oder welche kaufen, damit man dort schneller den Kurier drucken<lb/>
kann und der Krone entsprechend Konkurrenz machen könnte. Die Redaktion<lb/>
bleibt auf alle Fälle in der Lindengasse, verkauft wird nur die Druckerei<lb/>
in der Seidengasse, sollte die Redaktion nämlich auch dort raussiedeln,<lb/>
dann ist der Kurier seiner Meinung nach kaputt, da die Redakteure<lb/>
nicht mehr den notwendigen schnellen Kontakt mit den Zentralstellen<lb/>
in Wien haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-25_58">Mit Primarius <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> habe ich dann in ihrem gemieteten Haus am<lb/>
Wörthersee mich natürlich lange über die Regierungstätigkeit und<lb/>
insbesondere wie es weitergeht unterhalten. Sie ist noch immer sehr<lb/>
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es mir auch nicht anders ergehen. Beide stimmten wir allerdings überein,<lb/>
daß unsere Arbeitsmethoden falsch sind, ein Minister hat viel zu viel<lb/>
Verantwortung und arbeitet viel zu viel. Dabei vergeht die Zeit und damit<lb/>
eigentlich auch sein Leben und selbstverständlich ist es dann letzten<lb/>
Endes unbedankt. Wer dies allerdings von vornherein weiß, und ich<lb/>
glaube, ich habe dies immer gewußt und auch immer so gesagt, kann nach<lb break="no"/>her nicht allzu sehr enttäuscht werden.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 25., 29.5.1982</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 134. Ministerratssitzung, 25.5.1982</head>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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            <head>Gedächtnisprotokoll (?) Burian Vorsprache ABV, 28.5.1982</head>
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               <persName><surname>Schmidt</surname><forename>Erich</forename></persName>
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               <persName><surname>Bauer</surname><forename>Ludwig</forename></persName>
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               <occupation>stv. UdSSR-Außenhandelsmin.</occupation>
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               <occupation>öst. Handelsdelegierter in Jugoslawien, später Moskau</occupation>
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