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            <title type="main">Montag, der 17. Mai 1982</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_01">Montag, 17. Mai 1982<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_02">Die Aussprache mit LH-Stv. <rs type="person" ref="#per__110148">Moritz</rs> von Salzburg, Landwirtschaftsminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>, Obmann der Chemiearbeiter NR <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> und GD <rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs> von der<lb/>
Länderbank und SC <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> ergab, daß die Halleiner Zelluloseproduktion<lb/>
nur unter einem Investitionsaufwand von 700 bis 800 Mio. S auf <choice><choice><sic>magneti<lb break="no"/>fight</sic><corr>das Magnesiumbisulfit-Verfahren</corr></choice></choice> <add>[hs. Korrektur auf "magnetifite" falsch, Anm.]</add> umgestellt werden kann. Als seinerzeit die Halleiner Papierfa<lb break="no"/>brik von Borregaard an den größten deutschen Papierproduzenten PWA<lb/>
um 175 Mio. S verkauft wurde, hat sich die Länderbank mit einem 25 %<lb/>
Kapitalanteil + 1 Aktie das alleinige Finanzierungsrecht eingetauscht.<lb/>
Der jetzige Vorstand der Länderbank ist darüber unglücklich, für den<lb/>
damaligen war dies wahrscheinlich ein großer Erfolg. Tatsächlich hat<lb/>
die Länderbank jetzt 600 Mio. S Kredit drinnen, wovon durch einen Forst<lb/>
nur 260 Mio. höchstens besichert sind. Das Kapital 350 Mio. S ist bereits<lb/>
fast aufgebraucht. 1982 wird ein Defizit von 195 Mio. entstehen, der<lb/>
Gesamtverlust dann 515 Mio. durch die Verlustvorträge. Hallein bräuchte<lb/>
also eine Liquiditätsspritze von 100 Mio. S. <rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs> hat mit den<lb/>
deutschen Eigentümern Dr. <rs type="person" ref="#per__133019">Patt</rs> und <rs type="person" ref="#per__132389">Lehmann</rs> verhandelt, diese sind für<lb/>
die Laugenverbrennungsanlage nur bereit 150 Mio. aufzubringen, 400 Mio.<lb/>
müßte der Wasserwirtschaftsfonds und 200 Mio. die Zinsstützungsaktion<lb/>
des Handelsministeriums zu den notwendigen Investitionen noch dazu<lb break="no"/>schießen. Da aber der Wasserwirtschaftsfonds als auch die Kredite, die<lb/>
das Handelsministerium dann mit 4 % subventioniert vorerst besichert<lb/>
von einem Bankenkonsortium oder der Länderbank aufgebracht werden<lb/>
müßte, kann sich niemand vorstellen, daß diese Finanztransaktion ge<lb break="no"/>lingt. Andererseits ist die Landesregierung als erste Instanz Wasser<lb break="no"/>rechtsverfahren nicht mehr bereit über den Juni 82 hinaus die Ver<lb break="no"/>schmutzung der Salzach hinzunehmen. Wenn nicht ein festes Konzept<lb/>
beschlossen wird. Die große Gefahr besteht aber, daß wenn die Zellu<lb break="no"/>loseproduktion eingestellt wird, und Hallein dann Zellulose für seine<lb/>
Papierproduktion zukaufen muß, die Firma überhaupt nicht mehr lebens<lb break="no"/>fähig ist. Derzeit hat sich die Papierfabrik auf gestrichene Papiere<lb/>
umgestellt, diese sind im PWA-Konzern gefragt, die Maschine funktioniert<lb/>
aber für die dünneren Papiere überhaupt nicht. Dadurch wird eigentlich<lb/>
auch jetzt minderwertigere Qualität erzeugt. Hallein ist für Salzburg<lb/>
mit 1.000 Beschäftigten aber der größte Betrieb, <rs type="person" ref="#per__110148">Moritz</rs> meinte, da<lb break="no"/>rauf könne man auch nicht verzichten. <rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs> wird jetzt neuerdings<lb/>
mit dem deutschen Eigentümer verhandeln und entsprechende Vorschläge<lb/>
unterbreiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_03">Beim Journalistenfrühstück berichtete ORat <rs type="person" ref="#per__113038">Reim</rs> über die strukturelle<lb/>
<pb n="65-0575" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band65/65_1982-05-17_0575.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Entwicklung der österreichischen Industrie von 1970 bis 81, anhand<lb/>
der Ziffern konnte festgestellt werden, was ich immer wieder behauptete,<lb/>
es hat keine Entindustrialisierung in Österreich stattgefunden. Wohl<lb/>
sind die Beschäftigten in der Industrie von 617.000 auf 613.000 also<lb/>
um 1/2 % zurückgegangen, auch die Industrieproduktion an Bruttoinlands<lb break="no"/>produkt ist von 46 % auf 44 % gefallen, doch ist um 50 % je Beschäf<lb break="no"/>tigten die Industrieproduktion gestiegen und auch der Export um 258 %<lb/>
und beträgt mit 232 Mio. S noch immer 92 % des Gesamtexportes. Natür<lb break="no"/>lich wenn man im Verhältnis den großen Beschäftigungszuwachs von<lb/>
2.390.000 auf 2.870.000, also um 20 % oder um 480.000 mehr Beschäftigte<lb/>
vergleicht, dann ist natürlich relativ die Industrie zurückgeblieben.<lb/>
Auf der einen Seite wurde bei dieser Pressekonferenz von den weiter<lb/>
Vortragenden, insbesondere <rs type="person" ref="#per__107953">Buchauer</rs> eine Zahlenmischkulanz vorgetragen,<lb/>
auf der anderen Seite aber dann notwendige Ergänzungen, insbesondere<lb/>
über absolute Werte der einzelnen Industriebranchen und Zweige erst<lb/>
mühsam von Dr. <rs type="person" ref="#per__1137517">Kiefer</rs>, der jetzt neu die Statistik betreut und seiner<lb/>
Mitarbeiterin sofort zur Verfügung gestellt. Auch hier hätte sich be<lb break="no"/>währt, wenn man einen alten Grundsatz, der der die Arbeit macht, soll<lb/>
auch referieren, gefolgt wäre.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_04">Revident <rs type="person" ref="#per__126992">Schandel</rs> hat über den energetischen Endverbrauch für die ersten<lb/>
2 Monate Jänner Februar dieses Jahres berichtet, die einzelnen Ver<lb break="no"/>brauchsziffern sind ja für die Presse ganz interessant, sofort ent<lb break="no"/>stand aber die Frage, wie viel ist insgesamt eingespart worden. Da wir<lb/>
uns im Vorjahr etliche male blamiert haben, weil die endgültigen Energie<lb break="no"/>sparzahlen immer wieder korrigiert wurden, ist jetzt <rs type="person" ref="#per__126992">Schandel</rs> und ins<lb break="no"/>besondere das statistische Zentralamt vorsichtiger. Eines konnte nur<lb/>
sofort gesagt werden, daß die Energieeinsparung, die im Vorjahr 5,1 %<lb/>
betragen hat, die ganze Zeit hat man immer von 5,5 % als endgültige<lb/>
Zahl gesprochen, heuer auch im Jänner und im Februar fortgesetzt wurde.<lb/>
Größenordnungsmäßig traute sich aber niemand eine Prognose zu machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_05">Japanische Journalisten, die in Wien auch im Hinblick auf die große<lb/>
japanische Delegation, die jetzt nach Frankreich und nach Österreich<lb/>
reisen wird, über die japanischen Wirtschaftsbeziehungen mit Österreich<lb/>
Spezialinformationen wünschten, haben diese dann auch von MR <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs><lb/>
und MR <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> bekommen. Ich selbst gab ihnen einen allgemeinen Über<lb break="no"/>blick, insbesondere aber fiel mir auf, daß sie kritisierten, daß die<lb/>
Massenmedien in Japan von Österreich viel zu wenig informiert werden.<lb/>
Insbesondere kritisierten sie, daß der Besuch von Finanzminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> gar nicht entsprechend pressemäßig vorbereitet wurde, dies ist<lb/>
wenn es zutrifft, eine wirklich harte Kritik an uns.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte klären lassen, wie man die Massenmedien<lb/>
in Japan besser informieren kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_07">Im Bundesparteivorstand kam <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erst später. Staatssekretär<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111408">Eypeltauer</rs> berichtet daher über die Regierungsvorlage über Wohnbau<lb break="no"/>förderung. Diese wird sich innerhalb des Wohnungsprogrammes der SPÖ,<lb/>
das jetzt neu erstellt wird, bewegen. Die Regierungsvorlage soll<lb/>
eine sehr lange Begutachtung von 10 Wochen bekommen, trotzdem besteht<lb/>
die erklärte Absicht, noch heuer vom Parlament beschließen zu lassen.<lb/>
Da es sich um ein Einfachgesetz handelt, kann die SPÖ wahrscheinlich<lb/>
aber unter gewissen Fristsetzungen dies auch erreichen. LH-Stv.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> von Kärnten erklärte, er bekenne sich auch zu diesem neuen<lb/>
Wohnbauförderungsgesetz mache nur darauf aufmerksam, daß die Eigentums<lb break="no"/>wohnungen und Reihenhäuser zugunsten der Mietwohnungen, Genossen<lb break="no"/>schaftswohnungen und Gemeindewohnungen zurückgestellt werden und daß<lb/>
man uns daher im nächsten Wahlkampf Eigentumsfeindlichkeit vorwerfen<lb/>
wird. <rs type="person" ref="#per__111408">Eypeltauer</rs> versuchte dies zu entkräften indem sie erklärte, in<lb/>
dem Wohnbauförderungsgesetz wird vorgesehen, daß die Länder eine Ver<lb break="no"/>ordnungsermächtigung bekommen, wo sie Eigentumswohnungen und Reihen<lb break="no"/>häuser den anderen Wohnungen gleichstellen können. Darüber hinaus werden<lb/>
die Länder die Möglichkeit haben, durch die aushaftenden Wohnbauförde<lb break="no"/>rungskredite durch Verordnung diese schrittweise den derzeitigen<lb/>
Förderungssätzen anzunähern, wodurch zusätzliche Mittel eben durch die<lb/>
raschere Zurückzahlung einfließen. Das selbstverständlich dadurch eine<lb/>
weitere wesentliche Verteuerung für diese früher gebauten, mit Wohn<lb break="no"/>bauförderung errichteten Wohnungen und Eigenhäusern eintritt, hat sie<lb/>
schamhaft verschwiegen. Neu ist, daß eben weil es hier zu einer we<lb break="no"/>sentlichen Mietzinserhöhung kommen kann auch Wohnbauhilfen für die<lb/>
älteren Wohnbaudarlehenbezieher gegeben werden können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_08">Zentralsekretär <rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs> berichtete dann über das Sportprogramm, welches<lb/>
jetzt ebenfalls beraten werden soll und dann von der Partei zu beschlie<lb break="no"/>ßen wäre, hier hat insbesondere Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> darauf verwiesen,<lb/>
daß er nicht bereit ist, die Formulierung, daß der Bund die notwendigen<lb/>
Mittel zur Verfügung stellen wird, akzeptieren kann. Das alte Sport<lb break="no"/>programm, 1968 in der Oppositionszeit beschlossen, war hier bezüglich<lb/>
der finanziellen Leistungen des Bundes unbekümmert. Nach längerer<lb/>
Diskussion einigte man sich dann auf eine Formulierung, die auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> akzeptieren konnte und die eine nicht so eindeutige Finanzie<lb break="no"/>rungsverpflichtung des Bundes ergab. Sport ist nämlich Landessache,<lb/>
die Kompetenz sind nämlich die Länder keinesfalls bereit dem Bund abzu<lb break="no"/>treten.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_09"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtete dann über die Idee der sozialistischen Internatio<lb break="no"/>nale eine hochrangige Delegation, der Vorschlag geht angeblich auf den<lb/>
Engländer <rs type="person" ref="#per__1137782">Foot</rs> zurück, in die SU und nach Amerika zu schicken, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
meint es müsse geklärt werden, ob <rs type="person" ref="#per__126232">Reagan</rs> überhaupt bereit wäre sie<lb/>
zu empfangen. Eine kirchliche Delegation unter Führung des Nuntius<lb/>
hat er stehend empfangen und nach 10 Minuten sozusagen rauskomplimen<lb break="no"/>tiert. Eine deutsche Delegation hat einmal eine halbe Stunde auf<lb/>
einen Unterstaatssekretär warten müssen. Die Amerikaner haben wie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch berichtet hat, keine Einwendung gegen die öster<lb break="no"/>reichische Politik. Natürlich würden sie die eine oder andere Frage<lb/>
lieber anders behandelt sehen aber im Grunde genommen sind sie froh,<lb/>
daß sie mit Österreich keine Sorgen haben. Neuerdings erwähnte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
den zweiten Band der Ministerratssitzungsprotokolle, wo die damalige<lb/>
Bundesregierung <rs type="person" ref="#per__85755">Dollfuß</rs> gar nicht bereit war über den <choice><choice><sic>Westenprotest</sic><corr>?</corr></choice></choice><lb/>
wegen Waffenschiebung in <choice><choice><sic>Kirtenberg</sic><corr>Hirtenberg</corr></choice></choice> auch nur den damaligen Staaten<lb/>
insbesondere Frankreich usw. zu antworten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_10">Das Volksbegehren ist von größter Bedeutung, die Millionengrenze<lb/>
fürchtet er wird überschritten. Dem gegenüber muß man aber nicht die<lb/>
anderen Volksbegehren stellen, sondern die Zahl der aufgerufenen ver<lb break="no"/>gleichen. Die ÖVP hatte ja erklärt das sei ein Probegalopp und auch<lb/>
Sozialisten seien gegen das Konferenzzentrum. Der Volkspartei-Gesetzes<lb break="no"/>antrag wird im Nationalrat wie alle anderen zu behandeln sein. Man<lb/>
dürfe aber nicht allzu lange verhandeln, damit man dies nicht in die<lb/>
Wahlkampfperiode rüberzieht. Die Wirtschaftslage ist nach wie vor<lb/>
schlecht, die Arbeitslosigkeit ist jetzt Mitte Mai auf 90.000 zurück<lb break="no"/>gegangen, noch immer aber um 63 % mehr als im Vorjahr. Es seien nicht<lb/>
nur die Bauarbeiter, sondern viel mehr sogar andere Berufe, Texitlar<lb break="no"/>beiter, Metallarbeiter, die viel härter getroffen sind, jetzt bewährt<lb/>
sich erst, daß General Motors nach Wien gekommen ist, diese operieren<lb/>
mit dem ÖGB sehr gut. Die Werkmeister und Angestellten bekommen dort<lb/>
jetzt höhere Funktionen aber auch für Frauen werden gute Arbeitsplätze<lb/>
zur Verfügung gestellt. Die von der ÖVP so sehr kritisierte General-<lb/>
Motors-Förderung wird jetzt von LH <rs type="person" ref="#per__126988">Krainer</rs> für Zanussi für weniger<lb/>
qualifizierte Arbeitsplätze auch zugestanden. Das Konferenzzentrum<lb/>
wird nach wie vor ein Wahlkampfthema bleiben, und es muß daher stän<lb break="no"/>dige Aufklärung erfolgen. Richtigstellungen für falsche Behauptungen<lb/>
wird die Regierung jetzt vornehmen als Beispiel dient, daß die Regie<lb break="no"/>rung <rs type="person" ref="#per__97634">Klaus</rs> sogar den <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs>-Plan von der Regierung finanziert hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_11">In der Wirtschaftslage sieht er keinen Silberstreifen am Horizont, dies<lb/>
war deutlich gegen meinen Optimismus gerichtet, die Bauindustrie ist<lb/>
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entgegenzuwirken. Die Stahlindustrie könnte heute sofort auf 20.000<lb/>
Beschäftigte verzichten, wenn man andere Arbeitsplätze hätte. Über die<lb/>
österreichische Innenpolitik kann er nichts sagen, denn da werden nur<lb/>
Randprobleme von den Massenmedien behandelt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_12">Die Friedensdemonstration ist eine langlebige und erfaßt weite Kreise.<lb/>
In der Diskussion meinte dann der Obmann der SJ <rs type="person" ref="#per__111409">Cap</rs>, daß es gut ge<lb break="no"/>wesen wäre, wenn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dort gewesen wäre, er hätte am Rathausplatz<lb/>
bei seiner Ansprache riesen Beifall bekommen, denn die Jugendlichen<lb/>
fragen, <choice><choice><sic>von</sic><corr>wo</corr></choice></choice> ist der Bürgermeister, wo ist der Bundeskanzler. Meine<lb/>
Söhne, die auch daran teilgenommen haben, insbesondere <rs type="person" ref="#per__113834">Staribacher</rs> ist<lb/>
aber anderer Meinung, <rs type="person" ref="#per__111409">Cap</rs> hat nämlich deshalb guten Beifall dort be<lb break="no"/>kommen, weil er doch die Politik <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> indirekt kritisierte, Zum<lb/>
Unterschied hat der ÖVP-Jugendobmann <rs type="person" ref="#per__1137719">Karas</rs> sozusagen die ÖVP-Linie<lb/>
verteidigt immer wieder auf Afghanistan und die Sowjetunion verwiesen<lb/>
und dadurch nur Buh-Rufe und Kritik einstecken müssen. Trotzdem traue<lb/>
auch ich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zu, er hätte dort sicherlich mit seiner Rhetorik die<lb/>
Jugendlichen soweit sie neutral der Regierung gegenüberstehen über<lb/>
seine Friedenspolitik überzeugen können. Gegen die entsprechenden<lb/>
Chöre aber, Schluß mit dem Rüstungsexport usw. hätte er kaum etwas<lb/>
ausrichten können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_13">Da die AZ berichtete, ich sei sogar mit dem Hubschrauber extra zur<lb/>
Friedensdemonstration zurückgeflogen, übrigens wurde ich als einziger<lb/>
Minister erwähnt, vielleicht war ich auch wirklich als einziger dort,<lb/>
um mein Versprechen, das ich monatelange vorher schon den LUGA-Jugend<lb break="no"/>lichen gegeben hatte, daß ich daran teilnehme, einzulösen, hat Ver<lb break="no"/>teidigungsminister <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> mich die ganze Zeit gehanselt, und meinte<lb/>
man sieht du bist jetzt bedeutender Jugendlicher.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_14"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erwähnte dann auch noch in seinem Referat die Probleme der<lb/>
Rüstungsproduktion. Er meinte die Umstellung ist kurzfristig nicht<lb/>
möglich und dann insbesondere die Umweltschutzproblematik. Er hat<lb/>
jetzt mit GD <rs type="person" ref="#per__116449">Streicher</rs> von den VMW die Dosenproduktion besprochen<lb/>
und hat vorgeschlagen, daß ein entsprechendes Recycling, das nebenbei<lb/>
bemerkt, ja bereits vom Handelsministerium mit <rs type="person" ref="#per__116449">Streicher</rs> vereinbart<lb/>
wurde durchgeführt werden soll. Er warnte neuerdings, daß die Um<lb break="no"/>weltschutzkommission, die übrigens jetzt über die Konstituierung der<lb/>
Arbeitskreise den Parteivorstand schriftlich berichtete, zu einseitig<lb/>
agieren dürfte. Typischstes Beispiel ist die Kernkraft, jetzt wird<lb/>
das Kohlekraftwerk, das in Dürnrohr errichtet wird, den Wienerwald in<lb/>
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auch wieder übertrieben ist und sicherlich nicht stimmt. Ich habe mit<lb/>
dem Dir. <rs type="person" ref="#per__114730">Sommerbauer</rs> von der Verbundkraft, die dieses Kraftwerk er<lb break="no"/>richtet und betreiben wird, gesprochen, dieser sagte, es gibt jetzt<lb/>
noch strengere Auflagen und trotzdem wahrscheinlich härtesten Wider<lb break="no"/>stand der Umweltschützer.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_15">Auch bezüglich der Schwefelgehaltsverordnung im Öl hat mir SC <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs><lb/>
berichtet, daß er jetzt die Verordnung fertig hat es wird keine zu<lb break="no"/>sätzliche Übergangsbestimmung geben, mit 1.1.83 wird der Schwefelge<lb break="no"/>halt für Heizöl schwer mit 3 %, für die anderen Heizölsorten entspre<lb break="no"/>chend tiefer festgesetzt, die nächste Etappe ist dann für Heizöl<lb/>
schwer 1.1.84 2 1/2 % und 1.1.85 2 %. Alle, auch das Gesundheitsmini<lb break="no"/>sterium ist mit dieser Vorgangsweise einverstanden. Gesundheitsminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__117200">Steyrer</rs> muß nämlich jetzt dieser Verordnung zustimmen, da ich das<lb/>
Einvernehmen mit ihm herstellen muß.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_16">Inzersdorfer Nahrungsmittelwerke haben ein neu gebautes Tiefkühllager<lb break="no"/>haus errichtet und mich ersucht es zu eröffnen. Der Chefredakteur<lb/>
des neuen Wirtschaftsmagazins Dr. <rs type="person" ref="#per__114719">Wailand</rs> sollte über die Exporte der<lb/>
Nahrungsmittelindustrie einen Vortrag halten, mußte aber nach Holland<lb/>
fahren und deshalb wurde sein Vortrag dann nach mir verlesen. Ich<lb/>
selbst mußte nämlich sehr bald zu einer eingeschobenen Sitzung mit<lb/>
dem LRat <rs type="person" ref="#per__128705">Fuchs</rs> aus der Steiermark. Dieser war im Auftrag von LH <rs type="person" ref="#per__126988">Krainer</rs><lb/>
wegen Bauknecht in Stuttgart und hat mit <rs type="person" ref="#per__1137776">Günter Bauknecht</rs> verhandelt.<lb/>
Wie er mir Sonntag abends telefonisch nach seiner Rückkehr mitteilte,<lb/>
will <rs type="person" ref="#per__1137776">Bauknecht</rs> mit ihm und mir sozusagen ein 6-Augen-Gespräch führen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__128705">Fuchs</rs> hat den Eindruck, daß <rs type="person" ref="#per__1137776">Bauknecht</rs> auf einen Ausgleich in Österreich<lb/>
hinarbeitet, wenn nämlich kein Ausgleich von ihm angemeldet werden<lb/>
muß, erklärt er jetzt schon rundweg, daß die Banken und alle Kredit<lb break="no"/>geber auf mindestens 1/3 ihrer Forderungen verzichten müssen. Darüber<lb/>
hinaus braucht er dringend jetzt eine Liquiditätshilfe von fast 100<lb/>
Mio. S, eine Rücksprache von mir mit dem Länderbankdirektor <rs type="person" ref="#per__1137783">Drenning</rs><lb/>
ergab, daß diese ihnen die Kreditlinie gesperrt haben, weil keinerlei<lb/>
Sicherheiten angeboten und auch keinerlei Sanierungskonzept vorgelegt<lb/>
wurde. <rs type="person" ref="#per__1137776">Bauknecht</rs> hat mit der Länderbank am nächsten Tag eine darüber<lb/>
stattzufindende Verhandlung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_17">Ich habe dann in Anwesenheit von LRat <rs type="person" ref="#per__128705">Fuchs</rs> <rs type="person" ref="#per__1137776">Günter Bauknecht</rs> dies<lb/>
alles vorgeworfen, insbesondere, daß noch immer österreichische Mittel<lb/>
nach Deutschland in den Konzern, wie die Länderbank mir vertraulich be<lb break="no"/>richtete, erst jetzt wieder 3 Mio. DM für Forschungsanteil verschoben<lb/>
werden. <rs type="person" ref="#per__1137776">Bauknecht</rs> hat dies entschieden bestritten und meinte, er sei<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_18">Wie wir dann in der großen Sitzung auch feststellten, daran hat die<lb/>
Kontrollbank, insbesondere die Finanzierungsgesellschaft FGG, BKA,<lb/>
Finanzministerium und die Betriebsräte und Direktoren von den öster<lb break="no"/>reichischen Werken teilgenommen, diese Runde wurde von <rs type="person" ref="#per__1137776">Bauknecht</rs> auch<lb/>
entsprechend informiert, der langen Rede kurzer Sinn ist aber, daß<lb/>
alles in Österreich davon abhängt, ob tatsächlich morgen <choice><choice><sic>die</sic><corr>wie?</corr></choice></choice> <rs type="person" ref="#per__1137776">Bauknecht</rs><lb/>
angekündigt hat, die Banken unter Führung der deutschen Bank mit der<lb/>
Baden-Württembergischen Landesregierung ein Sanierungskonzept be<lb break="no"/>schließt. Sollte dies nicht zustande kommen, dann müßte ja der sa<lb break="no"/>nierte Bauknecht-Konzern die Lieferungen von 110 Mio. S Ausstände öster<lb break="no"/>reichischer Werke an die Konzernmutter bezahlen, derzeit wird nichts<lb/>
mehr geliefert, allerdings fürchte ich, daß auch in kürzester Zeit<lb/>
Bauknecht keinerlei Material mehr zur Verarbeitung von österreichi<lb break="no"/>schen Firmen geliefert bekommt. Da <rs type="person" ref="#per__1137776">Bauknecht</rs> erklärte, bis morgen Abend<lb/>
die endgültige Entscheidung mitteilen zu können, er ist davon fest<lb/>
überzeugt, daß die zwei noch ausständigen Banken von 3 Dutzend Banken,<lb/>
die dieses Sanierungskonzept verhandeln, auch zustimmen wird, vertagten<lb/>
wir die Sitzung auf den nächsten Tag.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_19">LRat <rs type="person" ref="#per__128705">Fuchs</rs> ersuchte mich, daß für den Direktor von Bauknecht, Dipl.Ing.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1137774">Helmut Plocher</rs> die österreichische Staatsbürgerschaft sofort erle<lb break="no"/>digt werden könnte, wenn Baden-Württemberg, dorthin ist er zuständig,<lb/>
auf den Einspruch gegen eine Zweitstaatsbürgerschaft verzichtet. Ich<lb/>
habe sofort versprochen, daß wir alles unternehmen werden, wobei ich<lb/>
aber <rs type="person" ref="#per__1137774">Plocher</rs> dezidiert erklärte, daß wir darin nur geringen Einfluß<lb/>
nehmen können, wir können sozusagen nur an die Baden-Württembergische<lb/>
Landesregierung appellieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band65_1982-05-17_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte sofort entsprechendes Schreiben über<lb/>
Außenamt an Badener Landesregierung veranlassen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 17.5.1982</head>
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