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            <title type="main">Donnerstag, der  1. April 1982</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band64_1982-04-01</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_01">Donnerstag, 1. April 1982<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_02">Bundesminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> hat die Vertreter der Wiener Gärtner, die ÖMV,<lb/>
SC a.D. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, ehem. Leiter der Energiesektion, und EVA, Dir. <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs>, mit<lb/>
Beamten seines Hauses und des Handelsministeriums zwecks Abgabe von<lb/>
Abwärme der ÖMV für die Gärtner zu einer Sitzung einberufen. In einem<lb/>
Pilotprojekt wurden 2 Wiener Gärtner mit dieser Abwärme 38° ab Raffine<lb break="no"/>riezaun, wie es so schön heißt. sehr erfolgreich die Beheizung dieser<lb/>
Glashäuser vorgenommen. Während bis jetzt die Glashäuser nicht nur mit<lb/>
Gas oder Öl als Ganzes beheizt wurden, wird jetzt durch Niedertempara<lb break="no"/>turwasser die Wärme durch das Rohrsystem direkt an die Wurzel herange<lb break="no"/>bracht. Das Resultat ist sehr gutes Wachstum und guter Ertrag. Die Gärntner<lb/>
erklären, wenn sie 40 % unter den Heizölkosten liegen, wäre es für sie<lb/>
rentabel die Abwärme der Raffinerie zu nutzen. Die Investitionen würden<lb/>
ca. 300 Mio. S betragen. Eine Bank, die Prof. <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> von der EVA kontak<lb break="no"/>tiert hat, man könnte fast sagen, aufgerissen hat, würde dies finanzieren.<lb/>
Dazu ist noch eine Garantieerklärung der ÖIAG als Besitzerin der ÖMV<lb/>
notwendig. Dies hat natürlich die ÖMV, Vertreter Dr. <rs type="person" ref="#per__140493">Romig</rs>, sehr aufgeregt.<lb/>
Ich versprach darüber mit <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> im Osterurlaub zu reden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte mich bei Anruf erinnern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_04">Die ÖMV würde diese Wärme kostenlos abgeben, nur ein Betrag von 7 Mio. S<lb/>
auf 20 Jahre abzuschreiben würde für den Wärmetauscher von der ÖMV<lb/>
als Investition verrechnet werden. Die 160 Betriebe würden 600.000 m²<lb/>
Gewächshausfläche damit heizen können. Da die Wärme 33° am Gewächs<lb break="no"/>hauszaun ca. betragen würde, für Rosen aber 55 und für Gurken 50° not<lb break="no"/>wendig sind, müßte man die Differenz ev. durch Wärmepumpen erreichen.<lb/>
Die Gärtner glauben, daß wenn sie sich zu einer Genossenschaft zusammen<lb break="no"/>schließen und wenn natürlich auch das Landwirtschaftsministerium mit<lb break="no"/>hilft, was <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> allerdings bis jetzt abgelehnt hat, daß sie die In<lb break="no"/>vestitionskosten von 330 Mio. S die 140 Mio. pro Jahr rückgezahlt werden<lb/>
müßten, dieses Experiment wagen zu können. Natürlich haben sich jetzt<lb/>
die Heizbetriebe Wien ebenfalls eingeschaltet, weil sie in ihrem Ver<lb break="no"/>sorgungsbereich nicht eine sogar noch aus Niederösterreich kommende<lb/>
Wärmequelle reinlassen wollen. Sie werden bis nach Ostern eine Berech<lb break="no"/>nung erstellen, ob es nicht doch auch durch geringere Leitungskosten<lb/>
trotz des Verkaufes von Kraft-Wärme-Kopplungs-Wärme vom Kraftwerk Simme<lb break="no"/>ring für sie sich die Investitionen rechnen. Eines steht fest, für die<lb/>
Gärnter dürfte dadurch keine größere Belastung entstehen als bei der<lb/>
kostenlosen Abwärme von der Raffinerie Schwechat. Von der Energiesektion<lb/>
<pb n="64-0407" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band64/64_1982-04-01_0407.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>war der Sachbearbeiter anwesend, der allerdings, so hatte ich den Eindruck,<lb/>
die Details insbesondere der ausgearbeiteten Studien nicht kennt. Das<lb/>
ganze Projekt wurde auf Anregung des Bundeskanzlers, daher auch ein Ver<lb break="no"/>treter des BKA anwesend, sozusagen dem SC <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und EVA-Dir. <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs><lb/>
übertragen. <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> erklärte dort aber dezidiert, seine Funktion sei jetzt<lb/>
beendet, die Pilotanlage funktioniert mit fantastischen Resultaten, sodaß<lb/>
die Durchführung jetzt beim Handelsministerium liegt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__131107">GROSSENDORFER</rs>: Die Energiesektion soll sofort die Koordi<lb break="no"/>nierung durchführen und der Verantwortliche mit mir Kontakt aufnehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_06">Bei der Angelobung der Buchprüfer und Wirtschaftstreuhänder, was mir per<lb break="no"/>sönlich natürlich wegen meines Sohnes immer großen Spaß macht, hat man<lb/>
mir von Seiten der Anzugelobenden bei der Unterschrift, wo ich ja immer<lb/>
bestätigen muß, daß es vor mir geschehen ist, versichert, daß die Prüfun<lb break="no"/>gen sehr schwer sind, aber die Selbstnachhilfeorganisation meines Sohnes<lb/>
sich prächtig auswirkt. Angeblich sind auch tatsächlich durch diesen<lb/>
Selbsthilfeunterricht, der ja ohne Gewinnabsicht erfolgt, die Durchfall<lb break="no"/>quoten von 80 % auf 40 bis 20 % zurückgegangen. Daß man dies als Vater<lb/>
sehr gerne hört, brauche ich nicht besonders zu erwähnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_07">Der Präsident der Wirtschaftstreuhänderkammer Dr. <rs type="person" ref="#per__114940">Burkert</rs> hat mich<lb/>
dann dahingehend informiert, daß auf der letzten Kammervollversammlung<lb/>
am Samstag über die Wirtschaftstreuhänderberufsordnung heftig diskutiert<lb/>
wurde. Der ÖVP-Vertreter Dr. <rs type="person" ref="#per__113112">Böck</rs> hat die FPÖ hart attackiert, gleich<lb break="no"/>zeitig wurde auch eine Resolution verfaßt, wo fast ultimativ aufgefor<lb break="no"/>dert wurde, noch in dieser Legislaturperiode die WTBO im Parlament zu<lb/>
einem Beschluß zu bringen. <rs type="person" ref="#per__114940">Burkert</rs> konnte nicht wissen, daß ich längst<lb/>
auch wieder über meinen Sohn darüber informiert war. SC <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, der eben<lb break="no"/>falls dabei stand, meinte, er wird sich bemühen nach Ostern mit allen<lb/>
Vertretern zu einer einvernehmlichen Auffassung zu gelangen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_08">Im Parlament hat Abg. <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs>, der ja gleichzeitig auch in der letzten<lb/>
Unterausschußsitzung Vorsitzender war, mir erklärt, daß er hofft, daß<lb/>
die soz. Abg. diesem mühsam ausgehandelten Kompromiß auch zustimmen wer<lb break="no"/>den. Zu diesem Zweck ist jetzt auch NR <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> zu den Besprechungen zuge<lb break="no"/>zogen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_09"><rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> berichtet mir auch, daß seine Exporthilfevorschläge für die<lb/>
Klein- und Mittelbetriebe jetzt von Sekr. <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> übernommen in Vorberei<lb break="no"/><pb n="64-0408" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band64/64_1982-04-01_0408.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>tungsgesprächen in das große Exporthilfeprogramm aufgenommen werden<lb/>
sollte. Ich empfahl im sofort, dies auch SC <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs>, der ja die ARGE lei<lb break="no"/>tet, mitzuteilen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte Entsprechendes prüfen und dann mit <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs><lb/>
reden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_11">5 Beamte des Ressorts, die ich jetzt schön langsam dann alle kennenlerne,<lb/>
wurden ausgezeichnet, teilweise die Dekrete und Orden überreicht, die<lb/>
Ministerialräte davon in der Pension von mir besonders bedankt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_12">Bei dieser Gelegenheit hat mir der Personalabteilungsleiter Dr. <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs><lb/>
mitgeteilt, er hört, daß angeblich ein B-Posten den er gehabt hat, Herr<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1137753">Natich</rs> ist durch ein Jahr über die Verwaltungsakademie jetzt A-wertig<lb/>
ausgebildet und kommt zu MR <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> als exzellenter Jurist nicht mehr<lb/>
ersetzt werden soll. <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> meinte, er hätte aber so viel Arbeit, daß er<lb/>
dies nicht akzeptieren könne. Präsidialsektionsschef <rs type="person" ref="#per__131809">Bujatti</rs> verwies<lb/>
allerdings darauf, daß er jetzt ein ganzes Jahr auch ohne ihn ausgekommen<lb/>
sei. Mein Argument war dagegen ein ganz anderes, ich verwies darauf,<lb/>
daß jetzt 9 Personalisten, allerdings inklusive der Schreibkräfte, 925<lb/>
Beamte betreuen, dies ergäbe pro 100 Beamte einen Personalbearbeiter,<lb/>
eine solche Quote gibt es in der ganzen Industrie nicht. Dazu kommt noch<lb/>
daß in der Bergbehörde Frau MR <rs type="person" ref="#per__116995">Wildauer</rs> und im Patentamt sogar eine<lb/>
eigene Personalbearbeitung erfolgt. <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> war zwar sehr erschüttert, aber<lb/>
ich habe in keiner Beziehung seinen Forderungen nachgegeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_13">Ein Herausgeber <rs type="person" ref="#per__1137754">Hofer</rs>, finanziert von der Z, wird jetzt eine <choice><choice><sic>Englisch<lb break="no"/>zeitung</sic><corr>englischsprachige Zeitung</corr></choice></choice> Danube Weekly herausgeben. Natürlich hat er von mir entsprechende<lb/>
finanzielle Unterstützung, zumindestens eine Annonce erwartet, beide<lb/>
habe ich ganz entschieden abgelehnt, da ich dafür kein Geld habe, außer<lb break="no"/>dem gar nicht erwarte, daß diese Zeitung wirklich einschlägt. Ich habe<lb/>
nur entsprechende sonstige Unterstützung, Information, Auskunft usw.<lb/>
zugesagt. Die Verbindung wird Sekr. <rs type="person" ref="#per__123301">Vecsei</rs> halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_14">In der Energiesektion befürchtet Abteilungsleiter <rs type="person" ref="#per__114624">Obermair</rs>, daß infolge<lb/>
mangelnder Koordination und vor allem Zusammenarbeit durch den ewigen<lb/>
Tratsch ein falsches Bild der Arbeit in der Energiesektion entsteht. Auch<lb/>
dort gibt es etliche Sozialfälle, die man bei der Beurteilung berücksich<lb break="no"/>tigen muß. Dazu kommt, daß ja jetzt schön langsam endlich die Aera <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs><lb/>
geändert wird, die zurückliegenden Briefe und Akte, hunderte an der<lb/>
Zahl, sind jetzt aufgearbeitet resp. sonst wie erledigt worden. Ich er<lb break="no"/>klärte einmal mehr, daß mich die Vergangenheit nicht mehr interessiert,<lb/>
<pb n="64-0409" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band64/64_1982-04-01_0409.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sondern daß ich größten Wert darauf lege, daß es in Zukunft gut klappt,<lb/>
der zuständige Sekretariatsmann <rs type="person" ref="#per__131107">Grossendorfer</rs> wird nicht nur mit ihm,<lb/>
sondern mit jedermann entsprechenden Kontakt halten um Hilfe zu lei<lb break="no"/>sten, andererseits aber auch die entsprechenden notwendigen Informationen<lb/>
für mich zu beschaffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__131107">GROSSENDORFER</rs>: Bitte achte darauf, daß wirklich niemandem<lb/>
Unrecht geschieht und doch die Arbeit jetzt expeditiver erfolgt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_16">Verkehrsminister <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> hat wegen der Einstellung der Bregenzerwald<lb break="no"/>bahn große Probleme. Die ÖVP-Landesräte der Vorarlberger Regierung, ins<lb break="no"/>besondere der Wirtschaftsreferent <rs type="person" ref="#per__114554">Rümmele</rs> und der Finanzreferent <rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs>,<lb/>
versuchen immer wieder der Bahn den Schwarzen Peter wegen der Einstellung<lb/>
anzuhängen. Die Bahn ist durch Einsturz und desolaten Zustand derzeit<lb/>
gesperrt, die Investitionen würden hunderte Mio. kosten und nur ev. eine<lb/>
Fremdenverkehrsattraktion sein, denn bei Betrieb entsteht ein Millionen<lb break="no"/>defizit. Die Landesregierung schützt nun vor, daß es zwar richtig ist,<lb/>
daß in der unteren Bregenzer Ach Kraftwerke entstehen sollten, daß aber<lb/>
trotzdem die Bahn auch noch geführt werden kann. Beides verträgt sich<lb/>
schwer, kostet viel Geld und wäre ein heller Wahnsinn. <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> ersuchte<lb/>
mich daher, ich sollte die Energiesituation einmal den Vorarlbergern in<lb/>
seiner Anwesenheit deutlich machen. Dies habe ich auch dann getan, indem<lb/>
ich darauf verwies, daß 1973 eine eigene Studiengesellschaft zwischen<lb/>
der Landesgesellschaft der VKW und den Illwerken gegründet wurde, dabei<lb/>
wurde prinzipiell vereinbart, daß die untere Bregenzer Ach von der VKW<lb/>
ausgebaut wird, die obere die Studiengesellschaft noch ein Großspeicher<lb break="no"/>kraftwerk prüfen soll. Ich erklärte sofort, wenn die Vorarlberger die<lb/>
übernommenen Verpflichtungen wegen Ausbau der unteren Ach nicht so<lb/>
fortsetzen, daß sich dann herausstellt, daß natürlich die Bahn nicht mehr<lb/>
sehr sinnvoll ist, wir den Vertrag als nicht erfüllt betrachten. <rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs><lb/>
erklärte sofort mir gegenüber, daß selbstverständlich die Vorarlberger<lb/>
zu ihrer Vereinbarung stehen, daß<add>[sie?]</add> in Wirklichkeit schon viel weiter<lb/>
sind und nur die politische Differenz im Landtag sie veranlaßt, jetzt<lb/>
sozusagen den Wienern alle Entscheidungen zu übertragen, um nicht zu sagen,<lb/>
anzuhängen. Dies akzeptierte aber weder <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> noch ich, obwohl wir<lb/>
natürlich dies bei der Sitzung nicht besonders sagten. Jetzt, erklärte ich,<lb/>
müßte die Energiesektion die konkreten Projekte mit der VKW besprechen.<lb/>
Ich erklärte sofort, der zuständige Beamte MR <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs>, der ja gleichzeitig<lb/>
auch in den Aufsichtsräten in Vorarlberg verankert ist, wird die notwen<lb break="no"/>digen Vorarbeiten sofort leisten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__131107">GROSSENDORFER</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> soll sich mit mir ins Einver<lb break="no"/>nehmen setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_18">GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> ist mit dem GD <rs type="person" ref="#per__115018">Baranowski</rs> und dem sowj. Handelsrat zu mir ge<lb break="no"/>kommen, um mir über die Vertragsverhandlungen zu berichten. Der Vertrags<lb break="no"/>text ist abgestimmt, die allerdings wichtigsten Punkte, der Preis und<lb/>
die Menge, noch offen. Darüber, meinte <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, würden wir ja dann anschlie<lb break="no"/>ßend in der Gassitzung entsprechende Gespräche führen. Mir erschien es<lb/>
viel wichtiger auszuloten, wie weit die sowj. Seite bereit wäre uns ent<lb break="no"/>gegen zu kommen. Die 1,3 Mrd. m³ Gas, die man jetzt zur Abnahme für den<lb/>
Erdgasvertrag IV vorgesehen hat, befriedigen die sowj. Seite überhaupt<lb/>
nicht. Ursprünglich hat ja auch Österreich, d.h. die ÖMV 4 Mrd. m³ ange<lb break="no"/>meldet. Die Sowjets erwarten mindestens, daß wir 2 Mrd. abnehmen. Die<lb/>
angebliche Option für 1 Mrd. m³, stellte sich heraus, würde nur bis Oktober<lb/>
82 aufrechterhalten werden. Meine Frage, ob gegebenenfalls reexportiert<lb/>
werden kann, wurde von <rs type="person" ref="#per__115018">Baranowski</rs> verneint. Hier würde die sowj. Seite<lb/>
ihren eigenen Verkauf in andere europäische Länder konterkarieren. Auch<lb/>
eine Verlängerung der Option lehnte er ab, die Gasmenge, die aus der SU<lb/>
kommt, wird wahrscheinlich über die tschechische Leitung geführt, nur<lb/>
wenn Italien einen Vertrag abschließt, was allerdings anzunehmen ist,<lb/>
wird dieser Teil über Ungarn geführt und damit auch über Österreich.<lb/>
Eine Verlängerung der Optionsmöglichkeit sieht <rs type="person" ref="#per__115018">Baranowski</rs> nicht. Auch<lb/>
mein Hinweis, ob man vielleicht nicht innerhalb von 5 Jahren soll ja<lb/>
die volle 4. Vertragsgasmenge, also die 1,3 Mrd. m³ erreicht werden, diese<lb/>
Staffelung noch vergrößern könnte, hält <rs type="person" ref="#per__115018">Baranowski</rs> für nicht möglich.<lb/>
Aus der Aussprache hatte ich den Eindruck, daß obwohl <rs type="person" ref="#per__115018">Baranowski</rs> behaup<lb break="no"/>tet, die Nachfrage nach dem sowj. Gas sei größer als ihr Angebot, also<lb/>
die 40 Mrd. m³ seien leicht in Westeuropa unterzubringen, daß diese Be<lb break="no"/>hauptung nicht stimmt. <rs type="person" ref="#per__115018">Baranowski</rs> hat derzeit einen riesigen Gasüber<lb break="no"/>schuß, er erwartet deshalb, daß Österreich auch eine gewisse Zusatzmenge<lb/>
zu günstigeren Preisen noch jetzt kauft.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_19">Bei der anschließenden Gassitzung mit den Landesgasgesellschaften, aber<lb/>
auch der OÖ Ferngas, Dr. <rs type="person" ref="#per__114585">Schmidt</rs>, versuchte ich diesen letzteren Punkt<lb/>
dem klazumachen. Noch immer haben wir 1,7 Mrd. m³ in den Speichern, die<lb/>
Landesgasgesellschaften sind daher finanziell dadurch stark belastet<lb/>
und erklärten sich zuerst außerstande auch nur 1 m³ mehr zu übernehmen.<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__114585">Schmidt</rs> teilte dann mit, daß die Wiener 600 bis 650 Mio. m³, OÖ<lb/>
600 Mio., Steiermark 150 Mio. und NÖ 100 Mio. sowie Salzburg 50 Mio. über<lb break="no"/>nehmen würden, Kärnten und Burgenland vielleicht kleine Mengen, insge<lb break="no"/>samt könnte man maximal 1 Mrd. 750 Mio. zusammenbringen. Diese Menge ist<lb/>
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2,81 S, die Franzosen 8 Mrd. durch die höheren inneren Transportkosten<lb/>
und weiteren Entfernung von der SU einen Preis um -9 Groschen, also<lb/>
2,72 S bezahlt, die Italiener werden wahrscheinlich 8 Mrd. um 15 Groschen<lb/>
billiger, also um 2,66 S bekommen. Österreich möchte daher ebenfalls<lb/>
einen verbilligten Preis, der aber noch mit den Russen auszuhandeln wäre.<lb/>
Die Gasgesellschaften erklärten rundweg, daß jetzt gerade in dieser<lb/>
Phase die Industrie erklärt, sie wird wieder vom Gas weg auf Heizöl<lb/>
schwer umsteigen, da sie diese hohen Gaspreise auf die Dauer nicht ver<lb break="no"/>kraften kann. Ich selbst erklärte aber dezidiert den Gasgesellschaften,<lb/>
ich befürchte, daß es ähnlich wie bei dem ersten sowj. Gasvertrag zuerst<lb/>
schwierig ist eine erträgliche Menge mit den Russen zu vereinbaren, dann<lb/>
nach ein paar Jahren aber die Gaswerke kommen und höhere Lieferquoten<lb/>
von den Russen verlangen. <rs type="person" ref="#per__115018">Baranowski</rs> erklärt, daß auf länger Sicht außer<lb/>
diesem 40-Mrd.-m³-Vertrag es dann kein sowjetisches zusätzliches Erdgas<lb/>
geben wird. Die Gasgesellschaften werden sich dies alles noch einmal<lb/>
genau überlegen, mein Anbot ich würde mich selbstverständlich mit ihrer<lb/>
Zustimmung und mit ihren Wünschen und ihren Vorschlägen neuerdings an<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115018">Baranowski</rs> wenden wurde dahingehend abgelehnt, als man mir nahelegte<lb/>
mich erst in einem späteren Zeitpunkt neuerdings einzuschalten. Der<lb/>
ÖMV empfahl ich alles daran zu setzen, damit endlich nicht nur ich per<lb break="no"/>sönlich besser informiert, sondern vielleicht auch durch ihre Mithilfe<lb/>
die Landesgesellschaften als good will eine geringe Menge von <rs type="person" ref="#per__115018">Baranowski</rs><lb/>
jetzt kaufen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_20">Da mir BR <rs type="person" ref="#per__110995">Pisec</rs>, der mit den Russen guten Kontakt hat, weil er etliche<lb/>
Waren von dort bezieht mitteilte, <rs type="person" ref="#per__115018">Baranowski</rs> ist in einer furchtbaren<lb/>
Situation, weil er wieder nicht einen Vertrag mit Österreich abschließen<lb/>
konnte, muß die Menge unbedingt verkaufen, würde dem Reexport doch<lb/>
zustimmen, was sich allerdings als falsch erwies, informierte mich daher<lb/>
auch unzulänglich. Überhaupt stelle ich einmal mehr fest, daß die<lb/>
österreichischen Firmen natürlich primär ihre Geschäfte vor Augen haben<lb/>
und das Handelsministerium oder mich persönlich nur dann einschalten,<lb/>
wenn sie eine Unterstützung brauchen. Im Prinzip bin ich mit dieser<lb/>
Vorgangsweise einverstanden, nur möchte ich nicht unbedingt aus den Zei<lb break="no"/>tungen immer die notwendigen Informationen bekommen. Ich habe dies GD<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> auch sehr deutlich gesagt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__110995">Pisec</rs> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_22">Drei jugoslawische Journalisten haben zur Vorbereitung des Staatsbesu<lb break="no"/>ches von Bundespräsident <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs>, wie dies üblich ist, vom öster<lb break="no"/><pb n="64-0412" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band64/64_1982-04-01_0412.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>reichischen Pressedienst eingeladen sich in Österreich umgesehen, ich<lb/>
habe ihnen ein ausführliches Interview gegeben, die drei Journalisten<lb/>
waren aus Belgrad, Zagreb und Laibach, dadurch erfuhr ich, daß wir diese<lb/>
drei Städte bei dem Dreitagebesuch auch tatsächlich besuchen werden.<lb/>
Da es mir prinzipiell ja ganz wurscht ist, ob wir in einer Stadt bleiben<lb/>
oder wie die Zigeuner von Nacht zu Nacht woanders schlafen, meinten die<lb/>
drei allerdings, es wäre viel zweckmäßiger gewesen, wir hätten uns ir<lb break="no"/>gendwo gemeinsam an der Adria getroffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_23">Im Parlament wurde das Antikorruptionsgesetz lange verhandelt, letzten<lb/>
Endes dann einstimmig beschlossen. Die FPÖ wollte eine Änderung in<lb/>
letzter Minute, indem sie dem Geber, der in Hinkunft genauso hart ge<lb break="no"/>packt wird, als der Nehmer durch Straffreiheit und Selbstanzeige inso<lb break="no"/>fern besser stellen wollte und hoffte, daß dadurch die Fälle eher<lb/>
der Polizei bekannt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_24">Den Burgenländischen Handelskammerpräs. <rs type="person" ref="#per__97487">Graf</rs>, der gestern mich wegen<lb/>
der Gags schwarz arbeiten, rot wählen resp. k.u.k., angeblich humorvoll,<lb/>
aber nichtsdestoweniger im Plenum hart attackierte, ersuchte ich, mir<lb/>
doch die Unterlagen zur Verfügung zu stellen, damit ich weiß, was ihm<lb/>
daran nicht paßt. Er hat es zwar zugesagt, aber dann doch nicht einge<lb break="no"/>halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band64_1982-04-01_25">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte protokollarische Rede <rs type="person" ref="#per__97487">Grafs</rs> vom stenogra<lb break="no"/>phischen Dienst verlangen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 1.4.1982</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Stat. Zentralamt, ab 1981 Büro JS</occupation>
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