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            <title type="main">Mittwoch, der 17. Februar 1982</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_01">Mittwoch, 17. Februar 1982<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_02">Der neue polnische Außenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__1137560">Nestorowicz</rs> hat, wie er mir<lb/>
vom Südbahnhof bis in die polnische Residenz, wo er wohnen wollte, mit<lb break="no"/>geteilt, daß er bereits mich bei der Dreiländer-Stromlieferungsver<lb break="no"/>tragsunterzeichnung in Warschau kennengelernt hat. Ich nutzt die<lb/>
Fahrt, um ihm gleich den Wunsch des ÖGB, mit Regierungsvertreter und<lb/>
polnischen Gewerkschaftsvertretern in Kontakt zu kommen zu über<lb break="no"/>mitteln. Für die Gewerkschaftsfragen ist Minister <rs type="person" ref="#per__1137561">Ciosek</rs> zuständig.<lb/>
Er wird ihm diesen Wunsch mitteilen, gleichzeitig aber auch den<lb/>
Vizepremier <rs type="person" ref="#per__1137562">Rakowski</rs>. Der polnische Botschafter in Österreich sagte<lb/>
mir, derzeit sei die polnische Regierung noch nicht so weit, sie müssen<lb/>
sich selbst erst entsprechende Lösungen überlegen, wie die Gewerk<lb break="no"/>schaften wieder aufgebaut werden. Momentan gibt es nur in den Be<lb break="no"/>trieben Betriebsvertretungen, die polnische Regierung ist sich aber<lb/>
vollkommen klar, daß sie nicht mehr zu den alten Gewerkschaften aber<lb/>
auch nicht zu der Solidarnosc zurückkehren könnte und wollte. Vor<lb/>
allem will man jetzt Fachgewerkschaften errichten, keinen einheitli<lb break="no"/>chen Gewerkschaftsbund. Abends im Plenum habe ich dann Präs. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
über diese Aussprache besonders informiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__113840">Ströer</rs> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_04">Ich habe mit dem Außenhandelsminister und den ihn begleitenden Vize<lb break="no"/>minister des Finanzministeriums <rs type="person" ref="#per__1137533">Piel</rs> sowie seinen Delegationsleiter<lb/>
ausnahmsweise eine Vorsprache abgehalten. Ich wollte ihm noch mal<lb/>
mit aller Deutlichkeit den österreichischen Standpunkt klarmachen.<lb/>
Die Situation für die polnische Regierung würde sich wesentlich ver<lb break="no"/>bessern, wenn sie so schnell als möglich zum verfassungsmäßigen Zu<lb break="no"/>stand zurückkehren, die Inhaftierten freilassen und mit Gewerkschafts<lb break="no"/>vertretern der Solidarnosc Gespräche aufnehmen. Diese Forderung<lb/>
hat die Regierung in Österreich aber auch insbesondere der ÖGB<lb/>
aufgestellt. Natürlich kam die Finanzierungsfrage immer wieder zur<lb/>
Sprache. Die Polen sind außerstande von ihren 25,5 Mrd. $, davon ca.<lb/>
2 Mrd. $ Westwährung, auch dem RGW schuldig, 10 Mrd. heuer zurückzuzah<lb break="no"/>len. Darüber hinaus haben sie noch 3 Mrd. Rubelschulden im RGW-Raum. Im<lb/>
Gegenteil anstelle der Schulden, die sie zurückzahlen müssen, brauchen<lb/>
sie dringendst Westdevisen um Ersatzteile und Maschinen zu kaufen<lb/>
um die Produktion steigern zu können. Österreich schulden sie jetzt<lb/>
25 Mrd. S finanziert durch die österreichische Kontrollbank und 5<lb/>
Mrd. den Kommerzbanken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_05">Ich habe zur Kreditfrage immer wieder erklärt, daß ich nicht kompe<lb break="no"/>tent bin, konnte aber dann noch während der Sitzung eine Aussprache<lb/>
mit Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> vermitteln und verwies nur grundsätzlich<lb/>
darauf, daß die Regierung beschlossen hat, daß Österreich auf alle<lb/>
Fälle einen eigenen Weg geht und nicht der amerikanische folgt, die<lb/>
ja bekanntlicherweise beabsichtigt den US Banken die Zinsen vom Staat<lb/>
zu zahlen, gegebenenfalls die Schuld zu übernehmen und den Banken<lb/>
die Möglichkeit zu geben den Kredit aufzukündigen. Wodurch Polen als<lb/>
zahlungsunfähig erklärt werden würde. Die Polen haben dann noch<lb/>
einen besonderen Wunsch, daß mehr Transitlieferungen über Polen in<lb/>
die nordischen Länder gehen. Auch dieser Punkt wurde dann ins Proto<lb break="no"/>koll aufgenommen, ich erklärte zwar prinzipiell die österreichische<lb/>
Seehäfenneutralität und verwies insbesondere darauf, daß die Entschei<lb break="no"/>dung letzten Endes bei den österreichischen Firmen liegt. Vertraulich<lb/>
wollte GD <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs>, VÖEST-Alpine, daß diese 300.000 to Schwedenerz<lb/>
nach Polen geliefert wird um dort für die VÖEST verarbeitet zu wer<lb break="no"/>den. Ebenso beabsichtigt VÖEST-Alpine die freie Raffineriekapazität<lb/>
in Danzig mit eingekauftem Rohöl, deren Produkte dann wieder von<lb/>
der VÖEST am internationalen Markt verkauft werden, zu beschäftigen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1137560">Nestorowicz</rs> war daran besonders interessiert und ich habe ihm dieses<lb/>
Geschäft dann beim Arbeitsessen noch auf meine Tischkarte persön<lb break="no"/>lich besonders vermerkt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_06">In der offiziellen Sitzung erklärte dann <rs type="person" ref="#per__1137560">Nestorowicz</rs> freimütig, die<lb/>
Polen konnten nicht anders handeln, als das Militärregime zu errich<lb break="no"/>ten, sie haben von 2 Übeln das kleinere gewählt. Interessant war dann<lb/>
auch seine Ergänzung beim Essen mir gegenüber, daß sie alles unab<lb break="no"/>hängig von den Sowjets machen mußten, die Sowjets auch jetzt nicht<lb/>
bereit sind ihnen durch besondere Kreditgewährung entgegenzukommen.<lb/>
Die Polen müssen genauso ihre 8 Mio. to Kohle zu der sie sich ver<lb break="no"/>pflichtet haben, in Zukunft an die Sowjets liefern. Daraus war klar<lb/>
für mich, ohne daß er es besonders ausdrückte, das größere Übel die<lb/>
sowjetische Besetzung sollte dadurch verhindert werden, obwohl er<lb/>
wahrscheinlich offiziell sagen würde, das größere Übel wäre der<lb/>
Bürgerkrieg gewesen, vor dem sie gestanden sind.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_07">Die Wirtschaft ist ruiniert und seit 13. Dezember versuchen sie diese<lb/>
wieder aufzubauen, derzeit erzeugen sie 580.000 to pro Tag Kohle.<lb/>
1981 waren es 162 Mio. to heuer werden es 180 Mio. to sein. Allerdings<lb/>
waren in den ursprünglichen Plänen 230 Mio. to vorgesehen. Das Brutto<lb break="no"/>inlandsprodukt ist um 13 1/2 % zurückgegangen. Verheerend für sie ist<lb/>
<pb n="63-0187" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band63/63_1982-02-17_0187.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>aber wie sie sich ausdrücken die Kreditschlinge. Durch entsprechende<lb/>
Preisänderungen 100 %-ige Erhöhungen mußte die Verbrauchsstruktur<lb/>
geändert werden. Besonders verwies er darauf, daß die Kohle und der<lb/>
Koks nach den alten Kontrakten erfüllt werden. Im Export müssen sie<lb/>
auch Fertigungsprodukte wieder unterbringen, es wurde auf das beson<lb break="no"/>dere Memorandum welches seinerzeit bei der 6. Tagung übergeben wurde<lb/>
verwiesen. Auf Drittmärkten möchten die Polen als Sublieferanten mit<lb break="no"/>genommen werden, wobei Österreich allerdings die Kredite auch für<lb/>
diese Sublieferungen garantieren müßte. Dies widerspricht den Öster<lb break="no"/>reichischen Kontrollbankrichtlinien, mußte ich in meiner Antwort<lb/>
leider sofort feststellen. Für Montageleistungen und Arbeitsbeschäf<lb break="no"/>tigung von Polen wurde besonders auf das Sozialministerium verwiesen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1137560">Nestorowicz</rs> hat eingesehen, daß es für Österreich nicht leicht ist<lb/>
50.000 Flüchtlinge zu haben und gleichzeitig neuen polnischen Arbei<lb break="no"/>tern Arbeitsbewilligungen in Österreich zu geben. Im laufenden Wirt<lb break="no"/>schaftsjahr haben die Polen 56.000 to Getreide kontraktiert, weitere<lb/>
10.000, die sie unbedingt noch wollen, wird das Landwirtschaftsministe<lb break="no"/>rium prüfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_08">Um die Rohstoffschwierigkeiten zu überwinden, wird jetzt bei den Berg<lb break="no"/>arbeitern, aber auch in der Verwaltung 6 Tage pro Woche gearbeitet.<lb/>
In den anderen Betrieben kann man 6 Tage nicht arbeiten, weil sie<lb/>
zu wenig Material derzeit noch haben. Eine Wirtschaftsreform wird<lb/>
Platz greifen, insbesondere aber wird der Außenhandel umorganisiert.<lb/>
Große Unternehmungen sollen Exportermächtigungen bekommen. Als näch<lb break="no"/>ster Schritt ist dann auch beabsichtigt dies auf Kleinunternehmer<lb/>
auszudehnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_09">Auch bei Bundespräsident <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> wurde von ihm darauf verwie<lb break="no"/>sen, daß es zweckmäßig ist, die Gespräche und Beziehungen auch mit<lb/>
dem Militärregime ohne daß er dieses Wort erwähnte beizubehalten.<lb/>
Er meinte zwar, daß Österreich kraft Überzeugung die Vorgänge nicht<lb/>
billigen könne, aber niemand hat ein Recht, Richter über andere Staate<lb/>
zu sein. Er selbst hat daher nur in humanitären Fällen immer entspre<lb break="no"/>chend interveniert. Auf seine Frage, mit welchen Problemen insbeson<lb break="no"/>dere Schwierigkeiten und in welchen Gebieten die Polen rechnen meint<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1137560">Nestorowicz</rs>, eigentlich mit der Jugend. Die alten Leute die den Krieg<lb/>
und insbesondere die Nachkriegszeit miterlebt haben, seien viel ver<lb break="no"/>ständlicher als die jungen. Das Verhältnis zur Kirche charakterisier<lb break="no"/>te er am besten so, daß ihnen der ehem. Primas fehlt. <rs type="person" ref="#per__1137563">Glemp</rs>, sein<lb/>
Nachfolger, ist anders, er schweigt. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> verwies darauf, daß<lb/>
der verstorbene Primas zwar den Kommunismus wie den Teufel bekämpfte,<lb/>
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war eben ein echter Pole.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_10"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat mich dann wegen der Paritätischen Kommission angerufen<lb/>
und auch über seine Aussprache kurz informiert, er hat dezidiert<lb/>
erklärt, solange ein Militärregime in Polen herrscht und die Ver<lb break="no"/>fassungszustände nicht hergestellt sind, wird er nicht nach Polen<lb/>
fahren. Wo Arbeiter, Gewerkschafter eingesperrt sind, kann und wird<lb/>
er keinen Besuch machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_11">In der Paritätischen Kommission führte ich den Vorsitz, der entschei<lb break="no"/>dende Punkt war, daß die Präsidenten einhellig ablehnten, die Ver<lb break="no"/>handlungen über Beimischung von Sprit aus Biomasse Kosten- und Nutzen<lb break="no"/>rechnung anzustellen. Sie haben das Ersuchen der Bundesregierung da<lb break="no"/>hingehend beantwortet, daß die Bundesregierung die Grundlagen schaffe<lb/>
soll. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> verwies dann ganz besonders darauf, daß der Gewerkschafts<lb break="no"/>bund sich nicht vorstellen kann, daß bei einem Beimischungszwang<lb/>
dann die Autofahrer die ganzen Kosten tragen.<lb/>
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ich konnte nur erwidern, die Ölfirmen lehnen dies ab, weil sie ja<lb/>
auch keine Erhöhung der Dieselpreise bei der Freigabe durchgeführt<lb/>
haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_13">Die Erhöhung des Stickstoffdüngepreises wurde an den Preisunter<lb break="no"/>ausschuß zurückverwiesen, bei dieser Gelegenheit wurde ich gleich<lb/>
gefragt, wie die Verhandlungen mit der RAG über die Inlandsgaspreise<lb/>
laufen. Da die amerikanische Muttergesellschaft noch nicht endgültig<lb/>
entschieden hat, kann bis jetzt von mir keine dezidierte Auskunft<lb/>
gegeben werden, wahrscheinlich aber kommt es zu einem Kompromiß. Er<lb break="no"/>höhung des Gaspreises von 1,–– S auf 1,45 S für die RAG, die Erklä<lb break="no"/>rung der OÖ Ferngas bei dieser Preiserhöhung keine Preiserhöhung<lb/>
1982 vorzunehmen. Die Preisdifferenz wird von der OÖ Ferngas über<lb break="no"/>nommen. Dadurch würde die Forderung der Stickstoffwerke, daß sie<lb/>
heuer keine Gaspreiserhöhungen mehr übernehmen können erfüllt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_14">Kollektivverhandlungen mit den Grazer Verkehrsbetrieben wurden freige<lb break="no"/>geben, der Fachverband Holz und Privatangestellte, Lohnvereinbarung<lb/>
Kollektivvertrag 7,2 %, Ist 5,2 %, ebenfalls. Die Preiserhöhung für<lb/>
Apfelsaft wurde mit 60 Groschen ab 1. März genehmigt. Bezüglich Uni<lb break="no"/>frostpreiserhöhung wurde die Kontaktaufnahme beschlossen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_15"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fragte mich, wie lange die Paritätische Kommission gedauert<lb/>
hat, ich sagte vielleicht 10 Minuten. Es war sehr gut, daß er per<lb break="no"/>sönlich nicht gekommen ist, denn <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> war auch überrascht, wie<lb/>
schnell es ging und wie vor allem die Präsidenten einstimmig seine<lb/>
Idee, die Sozialpartner werden jetzt das Biospritproblem weiterwälzen,<lb/>
ablehnten. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> jetzt auf dem Standpunkt steht, diesen Unsinn<lb/>
nämlich hohe Biospritpreise festzulegen um sie dann von den Autofah<lb break="no"/>rern mit der Beimischung zahlen zu lassen, könne man nicht machen, er<lb/>
dies womöglich noch in der Paritätischen Kommission erklärt hätte<lb/>
wäre Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> und ganz besonders auch Gesund<lb break="no"/>heitsminister <rs type="person" ref="#per__117200">Steyrer</rs> in eine schwierige Situation gekommen. Ich kann<lb/>
mich noch gut erinnern, wie ich als einziger bei Regierungsvorbe<lb break="no"/>sprechungen gegen diese Idee polemisiert habe, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann aber<lb/>
entschieden hat, Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> soll die ganze Frage<lb/>
koordinieren und durchführen und wie wahrscheinlich <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> und <rs type="person" ref="#per__117200">Steyrer</rs><lb/>
sich viel zu weit vorgewagt haben, jetzt gilt es mir, daß die beiden<lb/>
das Gesicht wahren können. Das Ganze wird man weiter dilatorisch<lb/>
behandeln. Optisch ist es ja jetzt insofern besser, als eben die<lb/>
Paritätische Kommission, sprich die Interessensvertreter, selbst abge<lb break="no"/>lehnt haben, sich mit diesem Problem eingehend um die Details ausei<lb break="no"/>nanderzusetzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_16">Die Aussprache mit SC <rs type="person" ref="#per__111001">Peyerl</rs> MR <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> wegen Fernwärme<lb/>
ergab, daß <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> jetzt meint aus verfassungsrechtlichen Gründen wäre<lb/>
eine einfachgesetzliche Regelung doch nicht anzustreben. Die Energie<lb break="no"/>sektion ist fest davon überzeugt, daß man mit der ÖVP auch bei einem<lb/>
2/3-Entwurf zu einer Einigung kommen kann. SC <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> berichtete, daß<lb/>
ihm NR <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> mitteilte, man könne über alle offenen Punkte, die aber<lb/>
bereits im Vorjahr von der ÖVP zugesichert wurden sofort zu einer<lb/>
Einigung kommen, wenn man aus der Gewerbeordnung wieder die einfach<lb break="no"/>gesetzliche Regelung die jetzt gerade das Parlament beschlossen hat<lb/>
rückgängig macht. Auch Nationalrat <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat mir dann diese Idee<lb/>
der ÖVP bestätigt. Ich hatte mit dem Handelsausschußobmann <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs><lb/>
über die weitere Vorgangsweise ein Gespräch, wo er dies andeutete,<lb/>
nicht aber so dezidiert sagte. <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs> hat nur einen Wunsch, daß<lb/>
wir die Frage der Atomenergie im Unterausschuß nicht platzen lassen<lb/>
vor allem keinen abschließenden Bericht machen, er rechnet fest damit,<lb/>
daß nach den nächsten Wahlen das Kernkraftwerk auf alle Fälle in Be<lb break="no"/>trieb genommen wird. Wozu natürlich entsprechende legistische Voraus<lb break="no"/>setzungen geschaffen werden müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_17">Der Wirtschafts- und Sozialbeirat hat jetzt ein Fernwärmekonzept aus<lb break="no"/><pb n="63-0190" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band63/63_1982-02-17_0190.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gearbeitet. Von der Handelskammer war es <rs type="person" ref="#per__140139">Teufelsbauer</rs>, von der AK<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112965">Maurer</rs>, die hier besonders gearbeitet haben. <rs type="person" ref="#per__140139">Teufelsbauer</rs> geht jetzt<lb/>
leider 3 Monate nach Amerika, trotzdem werden wir auf dieses Fernwärme<lb break="no"/>konzept aufbauend das Parlament resp. die Öffentlichkeit entsprechend<lb/>
informieren. Interessant ist, daß die Investitionen, die ursprünglich<lb/>
mit 18 Mrd. S bis 90 beziffert wurden jetzt auf 10 Mrd. den Ver<lb break="no"/>hältnissen angepaßt herabgesetzt wurden. Die Länder wünschen, daß sie<lb/>
jetzt stärker in diese Fernwärmefrage eingeschaltet werden. <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs><lb/>
wird deshalb mit ihnen weiter verhandeln, Mein Wunsch, daß man in der<lb/>
nächsten Landeshauptleutekonferenz darüber spricht wurde bis jetzt<lb/>
noch nicht erfüllt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_18">Die Verbund hat jetzt Strompreisvergleiche bei Aluerzeugung und auch<lb/>
andere stromintensive Branchen zusammengestellt und daraus ergibt<lb/>
sich, daß Österreich nicht den teuersten Strompreis hat sondern im<lb/>
europäischen Schnitt liegt. Ähnliches wird auch von den anderen<lb/>
Strompreisen behauptet, da die EVA, Prof. <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs>, immer wieder das Ge<lb break="no"/>genteil erklärt, wird jetzt die Energiesektion eine entsprechende<lb/>
Zusammenstellung machen, die wir <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und anderen, die daran be<lb break="no"/>sonders interessiert sind, zur Verfügung stellen werden. GD <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs><lb/>
von der Verbund hat überhaupt jetzt in einem ausführlichen Schreiben<lb/>
die EVA-Vorwürfe beantwortet, gleichzeitig aber festgehalten, da<lb/>
er jetzt der schriftlichen Dialog mit der EVA für beendet erklärt.<lb/>
Die EVA nämlich stellt immer bei Pressegesprächen oder sonst wo<lb/>
Behauptungen auf und <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> sagt, er muß sie dann immer widerlegen.<lb/>
Dieses neckische Spiel will er nicht mehr fortsetzen. Ich glaube wir<lb/>
im Handelsministerium werden es uns nicht so einfach machen können,<lb/>
weil ansonsten der Zustand eintritt, der schon einmal war, die Öffent<lb break="no"/>lichkeit, insbesondere aber der Kurier werden nur noch die <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs>-<lb/>
Äußerungen bringen und dann wird der Eindruck entstehen, daß nur er<lb/>
Recht hat, auch dann, wenn er vollkommen falsche Sachen behauptet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__131107">GROSSENDORFER</rs>: Wir müssen daher weiter entsprechende<lb/>
Richtigstellungen herausgeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_20">Überraschend hat der sowj. Handelsrat zu einem Empfang für den<lb/>
Vizeminister des Außenhandelsministeriums für Kredite zuständig<lb/>
<rs type="person" ref="#per__123355">Iwanow</rs> eingeladen. Dort hat mir <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und <rs type="person" ref="#per__116951">Schneider</rs> von der CA<lb/>
mitgeteilt, daß die Verhandlungen derzeit stocken. <rs type="person" ref="#per__123355">Iwanow</rs> will<lb/>
unbedingt einen besseren Kreditsatz, als er den Deutschen, Franzosen<lb/>
und Italiener bereit waren ihm zu geben. <rs type="person" ref="#per__116951">Schneider</rs> wäre schon bereit<lb/>
gewesen ein paar hundertstel Punkte maximal 1/10 nachzulassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_21"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, aber ganz besonders ich haben dies entschieden abgelehnt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ersuchte mich, ich sollte dann mit <rs type="person" ref="#per__123355">Iwanow</rs> vertraulich darü<lb break="no"/>ber sprechen. Dies habe ich getan und ihm dezidiert erklärt, wir<lb/>
können schon rein aus optischen politischen Gründen keine schlechtere<lb/>
Bedingung akzeptieren als die Russen bereit waren, den NATO-Staaten<lb/>
sozusagen zuzugestehen. Nach längerer Debatte hat er dies eingesehen<lb/>
und mir gegenüber zugesichert, sie werden bei den nächsten Verhand<lb break="no"/>lungen die 7,8 % akzeptieren. Zum Glück ist dann auch Generalsekretär<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114156">Hinteregger</rs> dazugekommen, der meine Argumentation verstärkte und ge<lb break="no"/>hört hat, daß <rs type="person" ref="#per__123355">Iwanow</rs> dieses Zugeständnis mir gegenüber machte. Ich<lb/>
habe dann sofort <rs type="person" ref="#per__116951">Schneider</rs> und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> davon informiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-17_22">Im Parlament wurde nach der Tagesordnung spät abends, man kann ruhig<lb/>
sagen nachts noch die Anfragebeantwortung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky's</rs> von der ÖVP zur<lb/>
Diskussion gestellt. Darin haben sich insbesondere Ing. <rs type="person" ref="#per__113374">Gassner</rs>, Vize<lb break="no"/>präsident des Gewerkschaftsbundes, beschwert, daß eben durch Arbeits<lb break="no"/>leihverträge das Berufsbeamtentum zerstört wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat nämlich<lb/>
in seinem Ressort <choice><choice><sic>BKD</sic><corr>BKA?</corr></choice></choice>, allein schon im Bundespressedienst eine ganze<lb/>
Anzahl von Arbeitsleihvertragsangestellten. Wäre mein Ressort zur De<lb break="no"/>batte gestanden, dann hätte ich ganz brutal geantwortet, daß 1970,<lb/>
als ich <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> und <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> sowie in weiterer Folge dann <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> ins Mini<lb break="no"/>sterium mitgenommen habe, mir der ehemalige Sektionschef <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> als<lb/>
Präsidialist empfohlen hat, Arbeitsleihverträge seien die einzige<lb/>
Möglichkeit, eine Anstellung oder gar eine Pragmatisierung so schnell<lb/>
käme überhaupt nicht infrage. Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs> hat aber dann<lb/>
zusammenfassend sehr geschickt und sehr ruhig und sachlich geantwor<lb break="no"/>tet. Ich kann mir sehr gut vorstellen, daß die ÖVP wirklich sagt, alle<lb/>
anderen Staatssekretäre kann man weggeben, nur <rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs> müßte auf alle<lb/>
Fälle bleiben.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 17.2.1982</head>
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            <head>SPÖ-Klubsitzung, 17.2.1982</head>
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               <occupation>Stat. Zentralamt, ab 1981 Büro JS</occupation>
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               <occupation>ÖVP-Politiker, FCG/ÖAAB-Funktionär, ÖGB-Vizepräsident,
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