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            <title type="main">Donnerstag, der 11. Februar 1982</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band63_1982-02-11</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_01">Donnerstag, 11. Februar 1982<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_02">Alle Jahre wieder kommt der Valentinstag und die Vertreter der Erwerbs<lb break="no"/>gärtner, Blumenbinder und Blumenhändler kommen mit einem Valentinsgruß.<lb/>
Diesmal hatte Dr. <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> mit Recht festgestellt, daß noch niemals so<lb/>
unattraktive Blumen gegeben wurden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_03">Alle Jahre auch wieder die Zuckerlkleinhändler mit ihrer Miss Bonbon,<lb/>
die von mir immer dann meinen Blumengruß von den Erwerbsgärtnern bekommt.<lb/>
Auch hier mußte ich feststellen, daß die Bonbons auch noch niemals so<lb/>
klein waren. Alles wird eben Routine, alles bekommt die berühmte Geschäf<lb break="no"/>tigkeit. Wenn es diese Pflichtbesuche und Pflichtempfänge nicht gäbe,<lb/>
ich hätte gar nichts dagegen einzuwenden. Sicherlich ist es den Organi<lb break="no"/>satoren, die ja übrigens genauso wie ich nicht gedacht haben, daß sie<lb/>
ein Dutzendmal zu mir kommen, sicherlich schon zu fad.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_04">Bei der Erwerbsgärtnerdiskussion kamen wir dann auf verschiedene Pro<lb break="no"/>bleme zu sprechen. Die Wiener Erwerbsgärtner haben jetzt 1000 Lehrlinge<lb/>
und erklären schon jetzt, daß sie durch die doch verhältnismäßig schlech<lb break="no"/>te Konjunkturlage, die auch auf ihren Umsatz sich auswirkt, in Hinkunft<lb/>
nicht mehr so viele Lehrlinge halten werden können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_05">Die Kunden der Blumenhändler klagen, daß manche Finanzämter Blumenschmuck<lb/>
nicht als Repräsentationsausgaben gelten lassen. Hier kann ich mir wirk<lb break="no"/>lich nur vorstellen, daß die Unternehmer dies ungeschickt machen und<lb/>
dadurch das Finanzamt bei Betriebskontrolle die Blumenausgaben dann he<lb break="no"/>rausstreicht. Ich empfahl ihnen mit dem Finanzministerium zu reden, um<lb/>
einen entsprechenden Erlaß zu erwirken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: <rs type="person" ref="#per__97693">Lejolle</rs> soll dies klären.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_07">Derzeit haben sie einen Erlaß, daß sie bis März 83 auch am Wochenende<lb/>
auf den Bahnhöfen offen haben können. Sie sprachen von einem Beschäfti<lb break="no"/>gungsgesetz, das jetzt eine Änderung vorsehen würde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs>: Was verstehen die darunter.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_09">Bezüglich der hohen Heizölpreise klagten sie neuerdings meinten aber,<lb/>
auch mit der Fernwärmeversorgung kämen sie nicht richtig weiter. Die<lb/>
Gemeinde Wien hätte ihnen von Heizbetrieben zu so teuren Konditionen<lb/>
angeboten, daß kein Gärtner die Investition wagt. Das große Projekt ÖMV-<lb/>
<pb n="63-0159" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band63/63_1982-02-11_0159.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Abwärme, 40° <add>[warmes]</add> Wasser, das gratis zur Verfügung gestellt würde, ist jetzt<lb/>
auch in den Hintergrund getreten, weil die ÖMV ihre eigenen Kühlanlagen<lb/>
installiert hat und daher kein besonderes Interesse mehr zeigt. Darüber<lb/>
hinaus hat die EVA, Prof. <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs>, erklärt, dieses Projekt ist mehr oder<lb/>
minder ihr geistiges Eigentum, eine gewisse Studie von <rs type="person" ref="#per__1137594">Oksakowski</rs> hätten<lb/>
sich die Erwerbsgärtnervertreter erschlichen und verschanzen sich immer<lb/>
hinter dem Land- und Forstwirtschaftsminister. Dieser sei aber dafür<lb/>
nicht zuständig. Die EVA sei vom Bundeskanzler beauftragt worden, und<lb/>
nur sie würden dieses Projekt durchziehen. Nach Mitteilung der Sekre<lb break="no"/>tärin der Erwerbsgärtner <rs type="person" ref="#per__1137591">Nehammer</rs> hätten sie immer wieder feststellen kön<lb break="no"/>nen, daß die EVA-Vertreter Attacken gegen die Minister reiten, nur um ja<lb/>
allein dieses Projekt, wenn es gelingen sollte, als ihren Erfolg buchen<lb/>
zu können. Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> hat aber die notwendigen Mittel<lb/>
und bereits zwei Gemüsegärtner mit einer Pilotanlage ausgestattet. <rs type="person" ref="#per__1137591">Ne<lb break="no"/>hammer</rs> ersuchte mich, ich sollte bei der Besichtigung mit <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> an<lb break="no"/>wesend sein, das wirkliche Problem ist die Frage der Finanzierung der<lb/>
notwendigen Investitionen, die Genossenschaftliche Zentralbank GD <rs type="person" ref="#per__127907">Klauhs</rs><lb/>
hätte dafür gewisses Verständnis. Ich stellte zur Diskussion, ob nicht<lb/>
durch die Kalt-Fernwärme gerade bei diesem Projekt die Möglichkeit<lb/>
bestünde durch ein Einröhrensystem Investitionskosten zu ersparen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte versuch alles, was du noch weißt, der Ener<lb break="no"/>giesektion mitzuteilen, damit jetzt dieses Projekt von uns entsprechend<lb/>
weiterbetrieben wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_11">Der Obmann der Erwerbsgärtner <rs type="person" ref="#per__140808">Jedletzberger</rs> und die Sekretärin <rs type="person" ref="#per__1137591">Nehammer</rs><lb/>
haben mit einem gewissen OSenRat. <rs type="person" ref="#per__1137592">Swaty</rs> bei der Gemeinde Wien, der jetzt<lb/>
schon in Pension ist, auch diesbezügliche erfolglose Gespräche geführt.<lb/>
Einmal mehr ist dies für mich ein Beweis, wie an vielen Stellen, viele<lb/>
Leute sich mit einem Problem beschäftigen und eigentlich keine Koordi<lb break="no"/>nation durchgeführt wird. Hier hätten wir uns wirklich schon mehr ein<lb break="no"/>schalten müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_12">Aus Abu Dhabi kam ein Unterstaatssekretär des Elektrizitätsministeriums,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1137593">Moosa</rs>, mit zwei Vertretern um mit Waagner-Biro und Elin über die Voll<lb break="no"/>endung des Elektrizitätsblockes 9 und 10 zu verhandeln. Als ich die<lb/>
Baustelle in Abu Dhabi besuchte und mit den dortigen örtlichen Baulei<lb break="no"/>tern, Generalbevollmächtigten, Consultern und den Ministerienvertretern<lb/>
verhandelte, wurde eindeutig festgestellt, daß die Elin große Nachzah<lb break="no"/>lungen für jetzt schon fällige Pönalien zahlen müßte, wenn der vereinbar<lb break="no"/>te Termin Juni 83 nicht eingehalten wird. <rs type="person" ref="#per__1137593">Moosa</rs> kam jetzt extra nach<lb/>
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kann. Der Vorstandsdirektor der Elin, <rs type="person" ref="#per__113020">Haindl</rs>, erklärte aber dezidiert<lb/>
in Anwesenheit des SC <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs>, Elin-Aufsichtsrat und gleichzeitig BKA<lb/>
entsprechender Vertreter für die Elin, daß dieser Termin unter allen<lb/>
Umständen eingehalten werden wird und kann. <rs type="person" ref="#per__1137593">Moosa</rs> verlangte einen Ver<lb break="no"/>antwortlichen, der auch in der Baustelle in Abu Dhabi alle Entscheidun<lb break="no"/>gen treffen kann. <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> flüsterte mir, dies könne nur <rs type="person" ref="#per__113020">Haindl</rs> als Vor<lb break="no"/>standsdirektor der Elin selbst sein. Da ich gar keine Absicht hatte mich<lb/>
in diese Frage einzumischen, habe ich <rs type="person" ref="#per__1137593">Moosa</rs> nur zugesichert, die Elin<lb/>
wird in kürzester Zeit im Einvernehmen mit Waagner-Biro einen solchen Ver<lb break="no"/>treter nominieren. <rs type="person" ref="#per__1137593">Moosa</rs> war über dieses Ergebnis sehr zufrieden, seine<lb/>
Befürchtungen aber sicherlich nicht zerstreut. Da die tschechische Skoda<lb/>
mit VÖEST-Alpine die Blöcke 7 und 8 gleichzeitig daneben baut und dort,<lb/>
wie ich selbst feststellen konnte, ein wesentlich größerer Baufortschritt<lb/>
zu verzeichnen ist, kann ich die Sorge der Emiratsverwaltung verstehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: MR <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> oder Dr. <rs type="person" ref="#per__114601">Sachs</rs> sollen sie dieses<lb/>
Falles besonders annehmen und stets informieren lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_14">Beim Parteivorstand habe ich mit <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> über die Frage der Kommerzi<lb break="no"/>alräte für Kärnten gesprochen. <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> hat das Schreiben von LH<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98038">Wagner</rs> als Parteiobmann von Kärnten gelesen, wo er sich bitter bei mir<lb/>
beklagt, daß ich noch immer nicht auf seinen Vorschlag eingegangen bin,<lb/>
daß nämlich die Landeshauptleute auch Kommerzialratstitel über den<lb/>
Bundespräsidenten bekommen könnten, <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hätte dafür gewisses<lb/>
Verständnis. Diese Idee wird nicht nur von der Handelskammer abgelehnt,<lb/>
sondern auch der Vizepräsident der Handelskammer und Obmann der Freien<lb/>
Wirtschaftsverbandes <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> sieht darin keine glückliche Lösung.<lb/>
Wie sehr ihm dies wider den Strich geht, konnte ich daraus entnehmen,<lb/>
daß er bereit ist, und hat dies dann auch mit <rs type="person" ref="#per__98038">Wagner</rs> im Detail besprochen,<lb/>
seinem jetzigen Wunschkandidaten, einem gewissen <rs type="person" ref="#per__1137595">Blaschke</rs> aus Klagenfurt,<lb/>
den gewünschten Kommerzialratstitel auf sein Kontingent zu geben. <rs type="person" ref="#per__98038">Wagner</rs>,<lb/>
dem ich dies mitteilte, war fürs nächste einmal zufrieden, möchte aber<lb/>
nach wie vor seine Idee verwirklicht <add>[sehen?]</add>. Er sagt, er möchte mit mir keinen<lb/>
Streit haben, ganz im Gegenteil er schätzt mich sehr und weiß unsere<lb/>
freundschaftliche Verbindung sehr zu schätzen, aber hier möchte er doch<lb/>
hoffen, daß einmal eine bessere Lösung kommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte alle vom Bundespräsident zu gehenden Aus<lb break="no"/>zeichnungen wie Ökonomieräte, KR, Med.Räte usw. Verteilungsmodalitäten<lb/>
zusammenstellen lassen. Ob<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_16">Ich habe der Ersten österr. Sparkasse ein Dankschreiben geschickt, die<lb/>
Z, der Kreditverein, Obmann <rs type="person" ref="#per__115709">Bartl</rs>, leistet genau solche Arbeit und diese<lb/>
haben von mir noch keine Anerkennung gefunden. Ich sollte auch ihnen<lb/>
ein entsprechendes Schreiben schicken, was ich sofort zugesagt habe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_17">ANMERKUNG FÜR <del>HAFFNER</del> <corr><rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs></corr>: Was war dies für ein Dankschreiben an die Erste.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_18"><rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> schlägt auch wieder einen Exportverband für Klein- und Mittel<lb break="no"/>betriebe vor, er war sehr erstaunt von mir zu hören, daß die Handels<lb break="no"/>vertreter vor Jahren schon auf der Wiener Messe mich um entsprechende<lb/>
Unterstützung angesprochen haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Klär, was diese Handelsvertreter, denen ja auch ein<lb/>
Freier Wirtschaftsverbändler angehört hat, von mir wollten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_20"><rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> wird auf meine Mitteilung, daß jetzt <rs type="person" ref="#per__116393">Bechinie</rs> von den Sozia<lb break="no"/>listen mit ÖVP-Vertretern und Präsident <rs type="person" ref="#per__114940">Burkert</rs>, von den Freiheitlichen<lb/>
nominiert, einen endgültigen Entwurf der Wirtschaftstreuhänderberufs<lb break="no"/>ordnung ausgearbeitet hat. Sofort den Unterausschuß neuerdings einbe<lb break="no"/>rufen. Dort werden die drei Experten auch geladen, damit man ihnen Dank<lb/>
und Anerkennung ausspricht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> sofort den Termin vereinbaren,<lb/>
damit ich anwesend sein kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_22">Im Parteivorstand berichtete <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> im üblichen Rahmen, allerdings<lb/>
diesmal ganz hart gegen die grün-rote, sprich <add>[von]</add> <rs type="person" ref="#per__97354">Pauli Blau</rs> und SJ-Obmann<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111409">Cap</rs> geschaffene Plattform. Er sieht darin eine Fraktionierung, auch in<lb/>
der ersten Republik hätten damals in der Sozialdemokratischen Partei<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1137596">Käthe Leichter</rs> und <rs type="person" ref="#per__97443">Ernst Fischer</rs> eine solche Plattform schaffen wollen,<lb/>
damals wie heute wird dies aber ganz entschieden abgelehnt. In der Dis<lb break="no"/>kussion gab es dann ganz harte Worte gegen <rs type="person" ref="#per__111409">Cap</rs>, weil alle erkannten, daß<lb/>
hier eine Spaltungstendenz eintreten könnte, die verheerend wäre. Daran<lb/>
änderte auch nichts, als der zweite Jugendvertreter, nämlich <rs type="person" ref="#per__114123">Edlinger</rs><lb/>
von der JG, sich für die Idee einer breiten Diskussion des Ökonomie- und<lb/>
Ökologieproblemes einsetzte. Insbesondere der Präs. der AK Steiermark<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111368">Ileschitz</rs> ist sehr aggressiv gegen alles, was von den jungen Leuten kommt,<lb/>
diesmal aber richtete sich wirklich alles gegen diese Idee. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
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eine fünfte Kolonne, weil immer wieder unsinnige Vorschläge dort sofort<lb/>
entsprechend herausgebracht werden. <rs type="person" ref="#per__113613">Scheuch</rs> meinte zu Recht, der Obmann<lb/>
der Eisenbahnergewerkschaft hätte ja, um ein anderes Beispiel zu sagen,<lb/>
den Rhein-Main-Donau-Kanal entsprechend bei der Eröffnung der Losenheimer<lb/>
Gleisschleife entsprechend attackiert. Verkehrsminister <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs><lb/>
stellte dann richtig, daß ganz unnötigerweise <rs type="person" ref="#per__97842">Prechtl</rs> bei der unpassend<lb break="no"/>sten Gelegenheit, als theoretisch alles schon vorüber war, dieses Pro<lb break="no"/>blem neuerdings zur Sprache bracht. Für Österreich und für ihn als Ver<lb break="no"/>kehrsminister müßten wir uns alle dafür einsetzen, daß der Rhein-Main-<lb/>
Donau-Kanal fertiggebaut wird und man nicht jetzt die Umweltschützer vor<lb break="no"/>schiebt. Hier bemerkte <rs type="person" ref="#per__114123">Edlinger</rs> dann zu Recht, daß es ja nicht die sind,<lb/>
die den Rhein-Main-Donau-Kanal verhindern können, sondern die Abneigung<lb/>
der Nordseehafenvertreter und damit auch der Bonner Regierung, insbesonde<lb break="no"/>re aber des Bundeskanzlers <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs>. Mit Recht wurde vom Bürgermeister aus<lb/>
Bregenz, <rs type="person" ref="#per__97732">Mayer</rs>, als Parteiobmann darauf verwiesen, daß Vorarlberg ein<lb/>
äußerst kritischer Boden ist, und man dort aber auch erkennt, daß jede<lb/>
Fraktionierung oder Anbiederung an die Grünen von keinem Erfolg beglei<lb break="no"/>tet sein wird, das typischste Beispiel ist der Parteiobmann <rs type="person" ref="#per__125804">Eppler</rs> von<lb/>
Baden-Württemberg gewesen, der mit einer eigenen Auffassung des SPD-<lb/>
Parteiprogrammes immer versucht, Randelemente zu gewinnen. Er hat bei<lb/>
den Wahlen am schlechtesten abgeschnitten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_23">Was die Wirtschaft betrifft, meinte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, die SU erleide jetzt auch ei<lb break="no"/>ne echte Wirtschaftskrise, Fleisch sei auch dort jetzt mit 1 kg pro Monat<lb/>
rationiert, allen Oststaaten geht es sehr schlecht und nur Bulgarien<lb/>
und Ungarn ein wenig besser. Die Amerikaner wollen die Pipeline verhin<lb break="no"/>dern, was sie kaum können, 12 Pumpstationen, jeweils 8 Mio. S pro Stück,<lb/>
werden jetzt keine amerikanischen Firmen bauen, sondern hier bemüht sich<lb/>
VEW eine Lizenzfertigung den Sowjets anzubieten. Österreich wird auf<lb/>
alle Fälle seine selbständige Politik, wie dies auch in der Vergangenheit<lb/>
bei allen diesbezüglichen Fragen Iran usw. aufgetaucht ist, fortsetzen.<lb/>
Wir lassen uns von niemandem beeinflussen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_24">In Polen gilt nach wie vor seine und von der Gewerkschaft aufgestellte<lb/>
Forderung, Befreiung der Gefangenen, gewerkschaftliche Anerkennung usw.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_25">Mit dem Kardinal wird er am Freitag eine Aussprache haben, der Brief<lb break="no"/>wechsel zwischen ihnen war sehr höflich, er kann ihm leider nicht veröf<lb break="no"/>fentlichen, weil dies für die Sache nicht zuträglich ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fürch<lb break="no"/>tet, daß einmal die Nachfolge von Kardinal <rs type="person" ref="#per__109820">König</rs>, insbesondere <rs type="person" ref="#per__1137585">Krätzl</rs> ein<lb/>
echter politischer Radikaler, das Verhältnis zur SPÖ dann wesentlich<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_26">Er forderte <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> dann auf über seine Verhandlungen mit den Saudis<lb/>
zu sprechen, dieser erklärte in der Vergangenheit waren die Finanzge<lb break="no"/>schäfte zwischen Banken nur verhandelt, <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> hat dies geändert und<lb/>
jetzt wird zwischen den Staaten verhandelt, die Abwicklung aber bleibt<lb/>
natürlich bei den Banken. Er hat mit den Saudis einen Rahmen von 550 Mio.<lb/>
$, das sind 9 Mrd. S, für das 1982 vereinbart. In den vergangenen Jahren<lb/>
ist man nur auf eine Summe von 15 Mrd. S gekommen. Dies zeigt, um wieviel<lb/>
erfolgreicher jetzt mit den Saudis abgeschlossen werden konnte. Überlegt<lb/>
wird noch eine saudi-österreichische Investitionsbank, die Details wer<lb break="no"/>den gerade besprochen und er glaubt auch hier wird er erfolgreich sein.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> bekräftigt also, daß er sich jetzt aus der Schlinge, daß man ihm<lb/>
in Westeuropa oder vielleicht auch in Österreich, ohne daß er es so wort<lb break="no"/>wörtlich ausdrückte, nicht die notwendigen Geldmittel gibt durch die Ver<lb break="no"/>handlungen mit den Arabern jetzt herausgezogen hat. Ich glaube auch,<lb/>
daß <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> dadurch wesentlich beweglicher und von den österreichischen<lb/>
Banken unabhängiger wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_27">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109808">ALBRECHT</rs>: Da ich nicht die ganze Zeit im Parteivorstand<lb/>
war, bitte Rest abdiktieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_28">In der Fraktion der LUGA habe ich insbesondere auf die Gefahr der Platt<lb break="no"/>formbildung verwiesen. Da wir auch bei jüngeren Mitgliedern Funktionären<lb/>
und Sekretären bei den LUGA achten müssen, daß diese innerhalb unserer<lb/>
Organisation diskutieren und verbleiben, erschien mir dieser Aspekt<lb/>
besonders wichtig. <rs type="person" ref="#per__117853">Demler</rs>, unser ehem. Jugendsekretär, jetzt bei den Süß<lb break="no"/>waren, hat mir dann mitgeteilt, daß diese jungen Leute über den Allein<lb break="no"/>gang von <rs type="person" ref="#per__97354">Blau</rs> und <rs type="person" ref="#per__111409">Cap</rs> sehr verärgert sind, wenn sie auch in der Redaktion<lb/>
der Tribüne diese Presseveranstaltung abgehalten haben, glauben unsere<lb/>
jungen Leute nicht, daß hier eine entsprechende Verbindung besteht.<lb/>
Der Vertreter der Konsumgenossenschaft, <rs type="person" ref="#per__114449">Novotny</rs>, hat mich wieder darauf<lb/>
aufmerksam gemacht, daß in der nächsten Tribüne ein Artikel "<rs type="person" ref="#per__97346">Benyas</rs><lb/>
Schlägertrupp" erscheinen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_29">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte Tribüne verschaffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_30">In der Vorstandssitzung berichte ich dann über die wirtschaftliche Si<lb break="no"/>tuation und insbesondere über die jetzt anstehenden Novellen zu den<lb/>
Gesetzen des Wirtschaftspaketes. Die LUGA sind natürlich daran brennendst<lb/>
interessiert, weil sie unmittelbar davon betroffen werden. Dasselbe<lb/>
gilt übrigens auch für die jetzt beginnenden Milchpreisverhandlungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_31">Als erfreulich konnte dann dem Vorstand berichtet werden, daß es jetzt<lb/>
endlich geglückt ist, die Streitigkeiten zwischen dem Betriebsrat der<lb/>
Brauerei Schwechat und Liesing nicht nur beizulegen, sondern wieder<lb/>
ein einheitliches Auftreten gegenüber dem Unternehmer der Brau AG zu<lb/>
erreichen. Ich hoffe, daß dieser Friede auch anhält.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band63_1982-02-11_32">Lang und breit wurde dann natürlich über die Gastarbeiterfrage und ins<lb break="no"/>besondere die Polenflüchtlinge diskutiert. In einer Rezessionsphase ist<lb/>
es furchtbar schwierig den Arbeitern klarzumachen, daß wir aus Solidari<lb break="no"/>tät, aber auch aus Menschlichkeit Gastarbeiter, aber insbesondere<lb/>
Flüchtlinge eben so behandeln müssen, wie wir dies jetzt tun. Einmal<lb/>
mehr hat sich für mich bestätigt, und ich habe dies auch klar und deut<lb break="no"/>lich gesagt, wie immer dann in Hinkunft die Schulden abgedeckt werden<lb/>
können und müssen, besser Schulden machen und wieder eine einigermaßen<lb/>
befriedigende Beschäftigung erzielen, als durch all die Gegensätze,<lb/>
Widerstände, gegenseitige Beschuldigungen, wenn man so will Kampf der<lb/>
Arbeiterschaft untereinander, mit eigener Bevölkerung, Gastarbeitern usw.<lb/>
mitzuerleben, wie sie sich jetzt in der Rezession zeigt. Das Argument,<lb/>
unsere Kinder und Kindeskinder werden die Schulden zurückzahlen müssen,<lb/>
lasse ich nie gelten. Die jetzige alte Generation hat 45 einen zerstör<lb break="no"/>ten Staat eine zerstörte Wirtschaft angetroffen und wirklich unter Not<lb/>
und Entbehrung den jetzigen aufgebaut und zu einer sehr schönen Höhe<lb/>
und wirtschaftlichen Blüte gebracht. Wenn jetzt entsprechende Schulden<lb/>
gemacht werden, um weitere Verbesserungen, sei es in der Infrastruktur,<lb/>
in der wirtschaftlichen Ausgestaltung, bei Spitälern, Schulbauten,<lb/>
Straßen, Wohnungen usw. zu erzielen, dann ist es nur Recht und billig, daß<lb/>
die jetzige junge Generation und, wenn man sogar sagen will, die zukünfti<lb break="no"/>ge sehr wohl dazu beiträgt, indem sie dann diese Schulden abzahlen muß.<lb/>
Ich glaube auch tatsächlich alle Vorstandsmitglieder davon überzeugt<lb/>
zu haben.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Parteivorstand, 11.2.1982</head>
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               <persName type="label">Mayer, Fritz (Politiker)</persName>
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               <occupation>Bgm. Bregenz</occupation>
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