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            <title type="main">Samstag, der  5. Dezember 1981 bis Mittwoch, der  9. Dezember 1981</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band62_1981-12-05</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band62_1981-12-05_01">Samstag, 5. Dezember, bis Mittwoch, 9. Dezember 1981<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band62_1981-12-05_02">Bundeskanzler <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat seinen Staatsbesuch in den Nahen Osten vom<lb/>
Frühjahr verschieben müssen und jetzt wurde trotz seiner schwierigen<lb/>
gesundheitlichen Situation dieser abgewickelt. Da Dienstag ein Feier<lb break="no"/>tag in Österreich war, war der Zeitpunkt besonders günstig. Die Abfahrt<lb/>
verzögerte sich um<add>[eine]</add> 3/4 Stunde, da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> am Vortag sehr fiebrig<lb/>
war und eigentlich die ganze Reise neuerdings absagen wollte. Gesund<lb break="no"/>heitsminister <rs type="person" ref="#per__117200">Steyrer</rs>, der der Delegation auch angehörte, erzählte mir,<lb/>
er hat ihm zugeredet doch zu fahren, denn jede andere Persönlichkeit,<lb/>
ob er oder ich, hätten natürlich diesen Staatsbesuch niemals abwickeln<lb/>
können. Mit verhältnismäßig hohem Fieber wurde dann von seinem Haus<lb break="no"/>arzt oder wer das sonst ist, über Nacht mit Medikamenten er einiger<lb break="no"/>maßen reisefähig gemacht. Wir hatten eine AUA-Maschine gechartert, die<lb/>
uns bis Kuwait brachte. Von dort flogen wir alles mit der Kuwait-Air<lb/>
bis Bahrain und von Bahrain nach Abu Dhabi und von Abu Dhabi dann bis<lb/>
Wien mit der Maschine der königlichen Hoheit. Die Maschine ist von<lb/>
der Lufthansa betraut, mußte nach Hamburg zu einer Überprüfung auf<lb/>
2 Monate, weshalb dieser Flug so organisiert wurde. Das Ganze war na<lb break="no"/>türlich ungeheuer bequem, wir waren sehr beweglich und, für mich das<lb/>
Wichtigste, ich konnte in Kuwait den Handels- und Kooperationsvertrag<lb/>
unterschreiben und in Abu Dhabi, also in den vereinigten Emiraten so<lb break="no"/>gar eine Gemischte Kommission abführen. Die letztere war sehr interes<lb break="no"/>sant, denn obwohl MR <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> und von der Bundeskammer Dr. <rs type="person" ref="#per__134094">Smrcka</rs> zwei<lb/>
Tage früher dort weilten, war es nicht möglich auch nur ein gemeinsame<lb/>
Protokoll zu fertigen, ja nicht einmal einen Aktenvermerk minuit ?.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band62_1981-12-05_03">Die Araber haben furchtbar viel Zeit und wollen nichts schnell erle<lb break="no"/>digen. <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> einigte sich daher mit seinem Gegenüber, daß unser Han<lb break="no"/>delsdelegierte Dr. <rs type="person" ref="#per__134217">Singer</rs> über die Gesprächsthemen ein entsprechendes<lb/>
Protokoll noch absprechen wird und dann von ihm unterzeichnen wird.<lb/>
Für die Araber ist es also gar nicht formell so wichtig, daß man eine<lb/>
offizielle Gemischte Kommission abhaltet. Sie betrachten es viel not<lb break="no"/>wendiger, daß man sich kennenlernt, zusammenkommt, Probleme bespricht<lb/>
und dann womöglich als Freunde auseinandergeht, mit der erklärten Ab<lb break="no"/>sicht eben das Gesprochene dann auch zu erfüllen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band62_1981-12-05_04"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst hat eine Riesendelegation zusammengebracht. Von der<lb/>
FPÖ wurde Dr. <rs type="person" ref="#per__122968">Ofner</rs> mitgeschickt, diesen, wie man ja weiß, <rs type="person" ref="#per__112569">Götz</rs>-Mann<lb/>
hat Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> sicherlich ganz bewußt ausgesucht und mitgesendet.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> brauchte sich mit ihm nicht allzu viel beschäftigen, schon<lb/>
allein, als er die Arbeitsweise und die offene Art <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> nicht nur<lb/>
<pb n="62-1413" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band62/62_1981-12-05_1981-12-09_1413.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>mit den Arabern, sondern auch mit der Delegation letzten Endes zu spre<lb break="no"/>chen, machte, wie <rs type="person" ref="#per__117200">Steyrer</rs> mir gegenüber richtig bemerkte, fast einen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-Fan aus ihm. <rs type="person" ref="#per__117200">Steyrer</rs> selbst ist ja von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ungeheuer be<lb break="no"/>geistert und hat natürlich auch entsprechend auf <rs type="person" ref="#per__122968">Ofner</rs> eingewirkt.<lb/>
Zuletzt gab er der Neuen Zeit, Dr. <rs type="person" ref="#per__134222">Riedler</rs>, noch ein Interview, das<lb/>
so positiv ist, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann gegenüber <rs type="person" ref="#per__134222">Riedler</rs> und auch mir gegen<lb break="no"/>über bemerkte, man sollte <rs type="person" ref="#per__122968">Ofner</rs> nicht politisch ruinieren, indem man<lb/>
all das schreibt, was er wissentlich, daß es sich um ein zu druckendes<lb/>
Interview auf ein Tonband gesprochen hatte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band62_1981-12-05_05">In der Delegation von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> befand sich auch noch ein Urologe, Prof.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134220">Marberger</rs> aus Innsbruck, der seiner Hoheit in Abu Dhabi, den er operiert<lb/>
hatte, gleich einen kleinen Eingriff machen mußte. Zu diesem Zweck<lb/>
hatte er sein eine junge Anästhesistin mitgenommen. Die Sekretärin von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, Frau <rs type="person" ref="#per__97920">Schmidt</rs>, war die zweite Frau in der Delegation. Sein<lb/>
Hausarzt war auch mit, sodaß eigentlich insgesamt 4 Ärzte zur Verfügung<lb/>
standen. Gebraucht wurde Gott sei Dank keiner. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit seiner Roß<lb break="no"/>natur, wenn sie auch schwer angeschlagen ist, lebte dann von Tag zu<lb/>
Tag mehr auf und war imstande auch wirklich einen vollen Tag von der<lb/>
Früh bis spät am Abend abzuwickeln: 4-Augengespräche, die ihm am wich<lb break="no"/>tigsten sind, dann offizielle Sitzungen, Pressekonferenzen mit den<lb/>
österreichischen Journalisten, mit den ausländischen Journalisten,<lb/>
Fernsehinterviews und immer sein Bestreben die Nahostpolitik durch In<lb break="no"/>formationen, die er weitergibt, durch Informationen, die er neu bekommt,<lb/>
dahingehend zu lenken, daß es doch vielleicht früher oder später zu<lb/>
Verhandlungen zwischen Israel und der PLO kommt. Der Höhepunkt war<lb/>
natürlich das scheinbar auf Drängen der arabischen Seite und natürlich<lb/>
seinem Wunsch entsprechend auch es zur Aussöhnung in Abu Dhabi mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__120658">Arafat</rs> gekommen ist. Während bei den 4-Augengesprächen, die ja alle<lb/>
in Englisch gehalten wurden, da außer dem Ruler, d.h. seiner Hoheit<lb/>
von Abu Dhabi, der mit einem Übersetzer arbeiten mußte, alle perfekt<lb/>
Englisch konnten, war höchstens noch in einem oder anderen Fall Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134221">Lennkh</rs> von seinem Büro dabei.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band62_1981-12-05_06">Daß bei dieser intensiven Verhandlungsführung durch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, aber auch<lb/>
durch das Interesse der Araber, ja in Wirklichkeit hauptsächlich an der<lb/>
palästinensischen Frage und damit auf ihr großes Pferd <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> alles<lb/>
setzend, jedwede andere Aktivität nur im Schatten resp. im Fahrwasser<lb/>
von ihm erfolgen konnte, war selbstverständlich. Ich war darüber sehr<lb/>
glücklich, denn bei all den Wirtschaftsgesprächen, die ich mit den zu<lb break="no"/>ständigen Fachministern führte, zeigte sich eines ganz klar, sie waren<lb/>
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darf man nicht erwarten, daß sie jetzt ihr Wirtschaftssystem, Ausschrei<lb break="no"/>bung, freie harte Konkurrenz, außer Kraft setzten. Wenn der Preis, den<lb/>
österreichische Firmen aber bieten, einigermaßen stimmt, dann kann man<lb/>
fest damit rechnen, daß wir den Zuschlag bekommen. Wichtiger noch<lb/>
als das Vorbereiten dieser Ausschreibungen durch Übergabe von Projekten,<lb/>
an denen Österreich interessiert ist, oder bei Agrarprodukten, wo neue<lb/>
Lieferanten von uns listenmäßig vorgestellt wurden, war, daß die Firmen<lb break="no"/>vertreter die Möglichkeit hatten, mit den entsprechenden Ministern<lb/>
selbst zu reden, da doch nach arabischer Sitte oft viel Zeit freibleiben<lb/>
muß und kann man dann eine solche Situation gut nützen. In Kuwait z.B.<lb/>
war der begleitende Minister für <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> der Finanz- und Planungsmi<lb break="no"/>nister. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> oft ganz überraschend, zumindestens für mich, 4<lb/>
Augengespräche hielt und dabei auf die Zeiteinteilung nicht Rücksicht<lb/>
nahm, auch von der arabischen Seite gar nicht Rücksicht nehmen mußte,<lb/>
stand dieser Minister so wie wir selbst, <choice><choice><sic>wie</sic><corr>wenn</corr></choice></choice> ich so sagen darf, in un<lb break="no"/>serem Palast als Gästehaus rum. Die Gelegenheit nützte ich, da ich<lb/>
sein Vis a vis war, um mit ihm einleitend zu sprechen, und hab dann allen<lb/>
Firmenvertretern die Möglichkeit gegeben, indem ich sie einzeln vor<lb break="no"/>stellte, einzeln mit ihm zu sprechen. Manche Firmenvertreter präsentier<lb break="no"/>ten sich nur ganz allgemein, manche trugen sehr konkrete Projekte resp.<lb/>
Wünsche vor. Den Anfang bei dem Finanzminister machte Dr. <rs type="person" ref="#per__123373">Schmidt-Chiari</rs><lb/>
von der Creditanstalt. Die Creditanstalt möchte ja eine Investitions<lb break="no"/>bank mit den Kuwaitis und vielleicht auch anderen arabischen Staaten<lb/>
gründen. Hier meinte der Finanzminister dann mir gegenüber, eine sol<lb break="no"/>che Lösung kann es geben, doch müßten vorerst österreichische Firmen<lb/>
Kooperationen und Investitionen tätigen. Wenn dann drei oder vier<lb/>
durchgeführte vorliegen, wäre das besser für die Gründung einer sol<lb break="no"/>chen Investitionsbank, als jetzt vorher ohne Erfahrungen irgendeine<lb/>
Konstruktion zu suchen. Andererseits haben die Kuwaiter sich bereit<lb/>
erklärt, eine Gemischte Bank zwischen Wien, Budapest und Sofia zu<lb/>
gründen. Die drei Staaten sollten gemeinsam mit<add>[der]</add> Kuwait-Bank und Geld<lb/>
eine entsprechende übernationale Investitionsbank schaffen. Hier hat<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__123373">Schmidt-Chiari</rs>, wie er mir nachher vertraulich mitteilte, große<lb/>
Bedenken, daß die Kuwaiter zwar das Geld geben, daß dann aber Öster<lb break="no"/>reich bankmäßig das Risiko für Investitionen in Ungarn oder Bulgarien<lb/>
tragen muß. Die Kuwaiter haben mit aller Deutlichkeit gesagt, daß<lb/>
die Bulgaren und die Ungarn hoffen, daß bei ihrer Hauptstadt die Bank<lb/>
den Sitz haben wird, sie haben aber bereits, wenn es zu einer solchen<lb/>
Konstruktion kommt, entschieden, daß diese in Wien sein wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band62_1981-12-05_07">Der örtliche Vertreter der Länderbank im Nahen Osten, Dr. <rs type="person" ref="#per__134225">Hödl</rs>, hatte<lb/>
<pb n="62-1415" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band62/62_1981-12-05_1981-12-09_1415.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>keine besonderen Wünsche, der Vertreter der Zentralsparkasse Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115601">Höfinger</rs> hat sich allgemein vorgestellt, aber vor allem aber auch ge<lb break="no"/>prüft, wo es für die Z entsprechende Möglichkeiten gäbe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band62_1981-12-05_08">Die Firmenvertreter haben oft dann auf einzelne Projekte hingewiesen<lb/>
oder sich auch nur allgemein informiert resp. vorgestellt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band62_1981-12-05_09">Die offizielle Sitzung war dann im kleineren Rahmen, sozusagen nur die<lb/>
Beamten resp. Vertreter der anderen Ministerien, sehr freundschaft<lb break="no"/>lich geführt und dann, wie gesagt, in Kuwait durch Unterschrift des Ver<lb break="no"/>trages, aber nicht in Anwesenheit von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> oder gar seinem Gegenüber.<lb/>
Diese führten immer selbständige und höchst wichtige Gespräche. Über<lb break="no"/>all hat man dann mehr oder minder zu erkennen gegeben, daß man auch<lb/>
an österreichischen Waffen interessiert ist, obwohl dies niemals in<lb/>
der offiziellen Sitzung zur Sprache kam, nicht zuletzt deshalb, weil<lb/>
ein ganzer Troß von Journalisten, fast 1 Dutzend, auch die Reise <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
mitmachte. Für diese ist natürlich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> der ideale Interviewer.<lb/>
Immer wieder ist er bereit, stundenlange Ausführungen insbesondere im<lb/>
Flugzeug über seine Außenpolitik zu machen und, wie gesagt, für das<lb/>
Palästinenserproblem zu werben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band62_1981-12-05_10">In Bahrain wurde nur eine Nacht zum Glück nicht in einem Palast, son<lb break="no"/>dern in einem Hotel verbracht. Die Paläste nämlich, wenn sie noch so<lb/>
aufwendig und groß und teils luxuriös ausgestattet sind, haben den<lb/>
Nachteil, daß sie nur sehr beschränkt funktionieren. Lichtleitungen<lb/>
kaputt, sodaß mein Elektrorasierer ausfiel, goldene Hähne, aber kaum<lb/>
ein Wasser, riesige Badewannen, die man wahrscheinlich durch stunden<lb break="no"/>langes vollaufen erst füllen kann, unzweckmäßige Anordnung der Räume<lb/>
vom Gang kommt man gleich ins Wohn-Schlafzimmer, so groß, daß es min<lb break="no"/>destens 100 m² hat, dann eben ein Ankleideraum, nicht viel kleiner,<lb/>
und ein Badezimmer auch nicht viel kleiner. Die Hotels dagegen, in all<lb/>
den Staaten bestens geführt, besser ausgestattet als die in Wien, ob<lb/>
es Intercontinental, Hilton oder sonst eines war, daher sehr angenehm.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst mußte dann allerdings auch wieder in Abu Dhabi in einem<lb/>
Palast wohnen. Den wirklich schönsten Palast dagegen gab es in Katar,<lb/>
dort allerdings hatten wir nur Restrooms, d.h. wir konnten bei der<lb/>
Ankunft uns die Hände dort waschen und da habe ich das erstemal nicht<lb/>
nur einen funktionierenden Palast gesehen, sondern auch eine Ausstattung<lb/>
und eine Art des Instandhaltens, die mich sehr überraschte. Typisch für<lb/>
mich war, daß je reicher das Land ist, Kuwait ist das reichste, doch<lb/>
verhältnismäßig man repräsentativ am wenigsten Aufwand machte. Alle<lb/>
<pb n="62-1416" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band62/62_1981-12-05_1981-12-09_1416.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>anderen Golfstaaten sind natürlich auch durch das Ölvorkommen ver<lb break="no"/>hältnismäßig sehr reich, Bahrain allerdings muß, um seine Raffinerie<lb/>
voll arbeiten lassen zu können, außerdem Arabienöl dazukaufen. Wie<lb/>
sie das aber verrechnen, weiß in Wirklichkeit kein Mensch.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band62_1981-12-05_11">In Abu Dhabi wurde eine offizielle Sitzung mit dem Minister für Indu<lb break="no"/>strie, der gleichzeitig übrigens Minister für Finanzen und Planung ist,<lb/>
sowie mit dem Minister für Elektrizität und Wasser und dem Gesundheits<lb break="no"/>minister offiziell abgewickelt. Da ich in diesem Fall nicht wollte, daß<lb/>
womöglich die ganzen Firmenvertreter mit unserer doch verhältnismäßig<lb/>
großen Delegation einen überfallsartigen Eindruck auf die drei machen<lb/>
sollten, haben wir zuerst ganz allgemein gesprochen und dann wieder<lb/>
jeder einzelnen Firma getrennt die Möglichkeit gegeben, sich vorzu<lb break="no"/>stellen und die Vorschläge vorzutragen. Darüber waren die Firmenver<lb break="no"/>treter natürlich begeistert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band62_1981-12-05_12">In Abu Dhabi waren aber insbesondere die Elin und Waagner-Biro mit fast<lb/>
500 Mio. S <choice><choice><sic>hängend</sic><corr>anhängig?</corr></choice></choice>. Beide haben ein Kraftwerk in einer armen Region<lb/>
zugeschlagen bekommen, dieses Emirat konnte nicht zahlen und deshalb<lb/>
wurde vor Jahren ein noch schlechterer Vertrag von Elin gemacht, wo<lb/>
sie sich verpflichteten jetzt in Abu Dhabi dieses Kraftwerk zu errich<lb break="no"/>ten. Skoda hat dort bereits 6 Kraftwerke mit einer anschließenden De<lb break="no"/>stillation errichtet. Skoda hat jetzt noch zu den 6 Blöcken 2 weitere<lb/>
bekommen, die sie gemeinsam mit der Voest-Alpine bauen. Der Voestanteil<lb/>
ist dann 1 1/2 Mrd. S. Die nächsten 2 Blöcke sollten jetzt nach Meinung<lb/>
der Auftragsgeber mindestens so weit sein, als die der Skoda–Voest,<lb/>
ich selbst konnte mich davon aber überzeugen, daß sie tatsächlich noch<lb/>
ein beträchtliches Stück zurück sind. Der GD von Elin, der ebenfalls<lb/>
früher schon als Abu Dhabi gereist war, erzählte dann <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und mir<lb/>
die Schwierigkeiten, die es gibt, und welch finanzieller Verlust bei die<lb break="no"/>ser Transaktion entsteht. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst war bereit darüber auf höch<lb break="no"/>ster Stelle sozusagen bei den 4-Augengesprächen zu verhandeln. Der GD<lb/>
erhielt dann tatsächlich eine verhältnismäßig sehr positive Zusage.<lb/>
Voraussetzung dafür ist allerdings, daß das Werk mit Mitte 83 in Be<lb break="no"/>trieb gehen kann. Da ich mich persönlich davon überzeugen wollte und<lb/>
vor allem den Arabern unser besonderes Interesse für ihre berechtigte<lb/>
Beschwerde dokumentieren wollte, bin ich auf die Baustelle gefahren.<lb/>
In der Mittagshitze, wo die anderen baden gingen resp. zuerst einen<lb/>
Lunch mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst hatten, er konnte nämlich immer die ganze De<lb break="no"/>legation zum Essen ohne weiteres einladen, fuhr ich meinem Instinkt<lb/>
folgend zu dieser Baustelle. Da die Araber furchtbare Angst vor Sabo<lb break="no"/>tage haben, war es mir selbstverständlich den begleitenden Ingenieuren,<lb/>
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unverständlich, man wollte mich anfangs gar nicht reinlassen. Erst<lb/>
nach langwierigen Verhandlungen bei einem Kontrolloffizier, der sich<lb/>
wieder woanders befand und zu dem ich dann persönlich gegangen bin,<lb/>
war der Besuch gestattet. Der Auftragnehmer als auch der Consulting<lb break="no"/>mann, der entsprechende Koordinierung, Prüfung und Abnahme dann durch<lb break="no"/>zuführen hat, war bei der Besprechung ebenfalls anwesend. Für sie war<lb/>
es natürlich sehr überraschend, daß ein Minister sich also, anstelle<lb/>
baden zu gehen oder überhaupt zu essen, stundenlang für Verhandlungen<lb/>
zur Verfügung steht. Wir haben alles im Detail durchbesprochen. Waagner-<lb/>
Biro und Elin müssen unbedingt im Jänner endgültig eine Schlußbesprechung<lb/>
abführen, damit die Schwachpunkte dann beseitigt werden und genau fest<lb break="no"/>gelegt wird, was in den nächsten Tagen und Wochen zu geschehen hat.<lb/>
Insbesondere erklärte man mir, daß bezüglich der Instrumentierung der<lb/>
Kontrollanlagen, diese werden von Siemens geliefert, die größte Gefahr<lb/>
besteht, daß sie nicht zeitgerecht eintreffen. Ich habe sofort zuge<lb break="no"/>sagt in Wien mit GD <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> zu sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band62_1981-12-05_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte sofort <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> anrufen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band62_1981-12-05_14">Überall wo <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auftauchte, wo auch nur der Name <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fiel, wurde<lb/>
er nicht nur entsprechend gewürdigt, sondern man hat auch wirklich den<lb/>
Eindruck, daß er es ist, der letzten Endes wegen seiner Palästinenser<lb break="no"/>politik imstande ist, den österreichischen Firmen direkt sehr zu hel<lb break="no"/>fen. Dies wird natürlich von allen, und ich gestehe auch von mir, wei<lb break="no"/>testgehend genützt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band62_1981-12-05_15"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat sich in der Außenpolitik mit diesen Staaten und seinen Be<lb break="no"/>ziehungen zu Israel resp. überhaupt zu der Art, wie er dieses Problem<lb/>
angeht, sehr vorsichtig immer geäußert. Er meinte, er könne nie ein<lb/>
Vermittler sein, weil ihn die andere Seite eben total ablehnt. Die<lb/>
jetzige israelische Regierung ist nicht bereit, auch nur einen Schritt<lb/>
von ihrer Politik abzugeben. Der saudi-arabische Fes-Plan wäre eine<lb/>
gute Verhandlungsgrundlage, kann aber mit dieser israelischen Regierung<add>[nicht?]</add><lb/>
als Verhandlungspartner rechnen. <rs type="person" ref="#per__120658">Arafat</rs> erklärte auch, daß die Europäer<lb/>
einen Fehler machen, wenn sie glauben, daß nach der Konferenz von Fes,<lb/>
wo man bekanntlicherweise nicht einmal eröffnet hat und dann gleich auf<lb/>
unbestimmte Zeit vertagt, dieser Fes-Plan jetzt nicht mehr für die<lb/>
Araber eine gemeinsame Basis bildet. <rs type="person" ref="#per__120658">Arafat</rs> selbst hat alle arabischen<lb/>
Staaten vorher besucht und überall Zustimmung bekommen, mit Ausnahme<lb/>
von 1 oder 2, die er nicht besonders aufführte. Klar war, daß darunter<lb/>
Libyen ist. <rs type="person" ref="#per__120658">Arafat</rs> glaubt auch, daß die Verhandlungen im nächsten Jahr<lb/>
<pb n="62-1418" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band62/62_1981-12-05_1981-12-09_1418.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sehr wohl aufgrund dieses Planes innerhalb der Araber noch positiv<lb/>
beschlossen wird, sodaß dann eigentlich es an den Amerikanern liegt,<lb/>
auf die Israeli zu drücken, daß sie dann doch zu Verhandlungen bereit<lb/>
sind. Daß die ganze politische Situation in den Golfstaaten äußerst<lb/>
kritisch ist, bedarf kaum einer Erörterung: Afghanistan von den Sowjets<lb/>
besetzt und in einem Quasi-Krieg, Iran und Irak sowieso in einem Krieg,<lb/>
Israel und Syrien sehr gespannt und jederzeit ein Stellvertreterkrieg<lb/>
fast im Libanon, die Syrer von den Russen unterstützt, die Israelis<lb/>
von den Amerikanern unterstützt, sozusagen jederzeit kriegsbereit und<lb/>
wahrscheinlich auch früher oder später größere militärische Auseinan<lb break="no"/>dersetzungen. Ärger, meinte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit Recht bei allen Pressegesprä<lb break="no"/>chen, könnte es in dieser Region gar nicht mehr sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band62_1981-12-05_16">Bei der Nachhausefahrt im Flugzeug hatte ich dann natürlich Gelegenheit<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verschiedenste Probleme zu besprechen. Ich habe ihm sehr<lb/>
offen gesagt, daß es wichtig wäre, daß er sich mehr an den Ratschlag<lb/>
der Ärzte hält und schont, doch aber unbedingt 1983 wieder für eine<lb/>
Wahl zur Verfügung stehen müßte. Er ist über die derzeitig beruhigte<lb/>
Situation innerhalb der Regierung nach Abgang <rs type="person" ref="#per__97311">Androschs</rs> sehr zufrieden.<lb/>
Ich habe ihm auch bestätigt, daß das jetzige Triumvirat Vizekanzler<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs>, Parteiobmannstellvertreter <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> und Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> ein<lb/>
ideales Führungsteam ist, unter der Voraussetzung aber, daß er nach<lb/>
wie vor zur Verfügung steht. Über die Personalentwicklung im Gewerk<lb break="no"/>schaftsbund war er nicht sehr im Detail informiert, hofft nur, und dar<lb break="no"/>über kann es ja überhaupt gar keinen Zweifel geben, daß <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> unbe<lb break="no"/>dingt wieder kandidiert und auch Präsident des Nationalrates bleibt.<lb/>
Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nach wie vor ein Vollblutpolitiker ist, ohne Politik ja<lb/>
gar nicht leben könnte, habe ich einmal mehr meine Theorie vertreten<lb/>
und sie ihm auch gesagt, er muß sich sehr schonen, aber früher oder<lb/>
später stirbt er sicherlich in dem Amt. Da er 79 nach der Wahl ja ge<lb break="no"/>brummt hat, das wünscht die ÖVP auch, habe ich ihn diesmal daran er<lb break="no"/>innert und gesagt, wir wünschen dies aber erst in 20 Jahren.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 5.-9.12.1981</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>SPÖ-NR-Abg., ab 1981 Gesundheitsmin.</occupation>
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