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            <title type="main">Samstag, der 10. Oktober 1981 bis Sonntag, der 11. Oktober 1981</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_01">Samstag, 10., und Sonntag 11. Oktober 1981<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_02">Der Fremdenverkehrsverband Salzkammergut hat sein 90-jähriges Bestands<lb break="no"/>jubiläum gefeiert. Zum Glück wurden mir die Unterlagen auch für die<lb/>
80-er Jahre Verbandsfeier 1972 gegeben. Daraus konnte ich dann auf<lb/>
der Fahrt entnehmen, daß ich ja auch bei dieser Verbandsfeier bereits<lb/>
anwesend war. Für mich war dies ein guter Aufhänger, umso mehr als ich dort<lb/>
die Festansprache halten mußte. Vorher hat Bgm. <rs type="person" ref="#per__116989">Saller</rs> nur kurz begrüßt<lb/>
und eingeleitet, LRat <rs type="person" ref="#per__127093">Leibenfrost</rs> war noch mehr überrascht, als er gar<lb/>
nicht vermutet hat, daß er eine Ansprache halten soll, sondern auch nur<lb/>
eine kurze Begrüßung. Ich wieder sollte einen Riesenfestvortrag hal<lb break="no"/>ten. <rs type="person" ref="#per__127093">Leibenfrost</rs> hat wirklich aus dem Stegreif über den oberösterrei<lb break="no"/>chischen Fremdenverkehr sehr gut gesprochen und einen nicht ganz halb<lb break="no"/>stündigen Vortrag gehalten. Meine Festansprache war mehr humorvoll, aber<lb/>
doch bin ich auch auf die Geschichte und noch viel mehr auf die aktu<lb break="no"/>ellen Fremdenverkehrsprobleme eingegangen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_03">Mit <rs type="person" ref="#per__127093">Leibenfrost</rs>, dem oberösterreichischen Fremdenverkehrsfunktionär<lb/>
LAbg. <rs type="person" ref="#per__134097">Hugo Scheuba</rs> und dem Fremdenverkehrsdirektor Dr. <rs type="person" ref="#per__123823">Debene</rs> habe<lb/>
ich die Winterschilaufjournalistenreise besprochen. Alle drei sind<lb/>
einverstanden, daß dies in Sandl abgewickelt wird und die entsprechen<lb break="no"/>den Vorbereitungen werden getroffen. Ich selbst habe deshalb besonders<lb/>
auf Sandl gedrängt, weil der zuständige sozialistische Nationalratsabge<lb break="no"/>ordnete mich darüber ausdrücklich informierte und ersuchte im Namen<lb/>
des sozialistischen Bürgermeisters in Sandl, daß ich alles daran setzte,<lb/>
daß es tatsächlich dorthin geht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte alle verständigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_05">Zwischen den Orten<add>[St.]</add> Wolfgang und Strobl ist eine Wanderwegunterbrechung<lb/>
bei einem gewissen Felsen Bürgl. Dieser Weg soll jetzt mit 2,2 Mio. S<lb/>
geschlossen werden. LRat <rs type="person" ref="#per__127093">Leibenfrost</rs> hat ein Drittel des Landes bereits<lb/>
zugesagt. Die Gemeinde<add>[St.]</add> Wolfgang bringt 375.000, die Gemeinde Strobl eben<lb break="no"/>falls 375.000 S auf. Der Rest soll vom Bund finanziert werden. Ich habe<lb/>
zwar nicht konkret zugesagt, daß wir diese 750.000 S bezahlen werden,<lb/>
prinzipiell glaube ich aber, sollten wir unbedingt etwas dazu beitragen.<lb/>
Vielleicht können wir noch das Unterrichtsministerium für einen Teil ge<lb break="no"/>winnen, weil ein großes Schulungsheim des Unterrichtsministeriums dort<lb/>
liegt, darüber die Gegend Bürgl Bundesbesitz ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte sofort veranlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_07">Die Fremdenverkehrsdirektoren <rs type="person" ref="#per__123822">Gaisbacher</rs>, <rs type="person" ref="#per__123823">Debene</rs> und <rs type="person" ref="#per__117627">Oppitz</rs> ersuchten<lb/>
mich, ich sollte unbedingt etwas zu der österreichischen Reiseanalyse<lb/>
von Prof. <rs type="person" ref="#per__127022">Mazanec</rs> beitragen. Die ganze Studie kostet 2 1/2 Mio. S. Im<lb/>
Kuratorium hat MR <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> im Prinzip schon eine Überprüfung zugesagt, am<lb/>
23. Oktober ist die Kuratoriumssitzung, die dies konstituieren soll. Ich<lb/>
stehe auf dem Standpunkt, daß auch unbedingt die Länder etwas beitragen<lb/>
müssen, die Handelskammer und die ÖFVW werden sicherlich auch einen<lb/>
Teil übernehmen. Da es sich um eine Reiseanalyse der Inländer handelt,<lb/>
glaube ich, sollten wir tatsächlich einen gewissen Beitrag übernehmen.<lb/>
Vielleicht ist dies sogar noch aus dem heurigen Budget möglich, da wir<lb/>
ja angeblich auf dieser Post noch große Reserven haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte schleunigst prüfen, damit zeitgerecht<lb/>
entschieden werden kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_09">Bei dieser Festveranstaltung waren natürlich nur die Mitglieder dieses<lb/>
Salzkammergut-Fremdenverkehrsverbandes anwesend. Der Besuch war daher<lb/>
nur so groß, daß alle zu einem anschließenden Buffet eingeladen werden<lb/>
konnten. Dort habe ich dann von den verschiedensten Gemeinden Lob und<lb/>
Anerkennung, aber auch Kritik gehört. Die größte richtet sich vor allem<lb/>
jetzt an den Gastarbeitermangel in den Sommermonaten bezüglich der<lb/>
Küchenabwäscher. Ich habe aber überall dezidiert festgehalten, daß dies<lb/>
primär eine Angelegenheit des Landes ist. Zwischen den Sozialpartnern<lb/>
werden ja die Kontingente aufgeteilt und im Land ist dann die notwendi<lb break="no"/>ge Verteilung über das Arbeitsamt auch mit den Kammern abgesprochen.<lb/>
Auf der einen Seite wünschen die Gemeinden keine Überfremdung, auf der<lb/>
anderen Seite klagen aber die Gastbetriebe über mangelnde Gastarbeiter<lb break="no"/>quoten. Meine Einstellung bleibt unverändert, das muß sich das Land und<lb/>
die Gemeinde mit dem Sozialministerium ausfechten. Ich lasse mich nicht<lb/>
als Handelsminister vorspannen. Immer wieder kann ich feststellen, daß<lb/>
Unternehmer versuchen, insbesondere aber Funktionäre resp. vor allem<lb/>
Kammeramtsdirektoren der Handelskammer, mich aufzustacheln, damit ich<lb/>
den anderen Ministern die Wünsche nicht nur vortrage, sondern auch wo<lb break="no"/>möglich durchsetze, die die gewerbliche Wirtschaft hat. Meine Einstellung<lb/>
war und ist, dies soll die gewerbliche Wirtschaft direkt selbst besor<lb break="no"/>gen. Wenn ich mich hier vor ihren Karren spannen lasse, dann werde ich<lb/>
entweder Schiffbruch erleiden, wenn die zuständigen Ressortminister es<lb/>
nicht machen können, oder ich werde zumindestens stets immer wieder auf<lb break="no"/>gefordert werden endlich einmal mich durchzusetzen, wenn ich mich mit<lb/>
einer dieser Forderung identifiziert habe. Genau dies habe ich nicht<lb/>
getan und werde ich auch in Zukunft nicht machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_10">Am Sonntag eröffnete ich die 4. Internationale Modewoche. Dir. <rs type="person" ref="#per__134098">Földy</rs><lb/>
hatte bei seiner Einleitung schon gesagt, die erste war die Hoffnung,<lb/>
die zweite die Enttäuschung, die dritte war auch kein Erfolg, aber jetzt<lb/>
ist der Durchbruch gelungen. Tatsächlich haben diesmal im Messezentrum<lb/>
West 104 österreichische Firmen ausgestellt, die beiden Hallen waren sehr<lb/>
gut besucht und auch die Kojen sehr schön gestaltet. Die bisherige<lb/>
Modenschau entfiel, die Firmen hatten, wenn sie es für zweckmäßig hielten,<lb/>
selbst kleine Modenschauen vorbereitet. Das Ganze hatte wesentlich mehr<lb/>
Verkaufscharakter als bisher.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_11">Ich selbst habe vorher noch mit Dr. <rs type="person" ref="#per__134099">Kastilez</rs>, dem neuen Obmann des Fach<lb break="no"/>verbandes Bekleidungsindustrie, gesprochen und ihm erklärt, warum wir<lb/>
bei der Förderung die Bauteninvestition nicht einbeziehen können. Die<lb/>
AK und der ÖGB sprechen sich entschieden dagegen aus. Der Finanzminister<lb/>
hat die außerordentliche Abschreibung mit 20 % belassen, ursprünglich<lb/>
sollte diese ja gesenkt werden. Da er die Maschinen und Anlagen von 50 %<lb/>
vorzeitige AfA auf 40 % senkte, erscheint es auch mir notwendig, die<lb/>
ganzen Förderungsmittel auf diese Maschinenanschaffung zu konzentrieren.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134099">Kastilez</rs> ersuchte mich aber neuerdings, ob wir nicht die Vereinfachungs<lb break="no"/>wünsche des Fachverbandes berücksichtigen könnten, was ich sofort zusagte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte die Abteilung soll diesbezüglich so schnell<lb/>
als möglich die Richtlinien ändern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_13">Mit Dir. <rs type="person" ref="#per__134098">Földy</rs>, der bis jetzt ressortmäßig die Bauten hat, in Hinkunft<lb/>
aber die Pressebetreuung und Öffentlichkeitsarbeit machen wird, sowie<lb/>
mit dem Generalsekretär hatte ich abends dann die Öffentlichkeits<lb break="no"/>arbeit besprochen. Die Messe in Wien beginnt jetzt endlich einzusehen,<lb/>
daß sie mit ihrer schlechten resp. oft gar nicht vorhandenen Öffent<lb break="no"/>lichkeitsarbeit ihre Stellung und insbesondere ihre Politik wesentlich<lb/>
stärker unterstreichen muß. Die Aussteller bei<add/> ausländischen Messen,<lb/>
in München waren 105 österreichische Firmen, werden dort ganz anders<lb/>
betreut. Die Messe versucht jetzt ein bißchen nachzuholen. Ich selbst<lb/>
habe beiden erklärt, ich halte diesen neuen Weg für richtig, ich er<lb break="no"/>innerte Dir. <rs type="person" ref="#per__134098">Földy</rs> auch, daß ich seinerzeit GD <rs type="person" ref="#per__115005">Hintschig</rs>, als er beru<lb break="no"/>fen wurde, zusagte mich persönlich auch bezüglich Einladungen, Betreu<lb break="no"/>ung ausländischer Minister, ev. auch der Journalisten zur Verfügung zu<lb/>
stellen. <rs type="person" ref="#per__134098">Földy</rs> hat erklärt, er wird, wenn er endgültig bestellt ist, dies<lb break="no"/>bezüglich mit mir Kontakt aufnehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs> UND <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__134098">Földy</rs> auch kontaktieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_15">Der polnische Außenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> ist, wie ich jetzt bei seiner<lb/>
Ankunft feststellen konnte, zum Ost-West-Gespräch nach Wien gekommen.<lb/>
Er war sehr überrascht, daß ich ihn nicht nur abgeholt habe, sondern<lb/>
sogar auch am Sonntag zu einer Aussprache zur Verfügung stehe. Allerdings<lb/>
meinte er, daß er auch für mich jederzeit zur Verfügung steht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Wer hat jetzt diese Aussprache gewünscht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_17">Die Situation schilderte <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> sehr trist. Er gab sofort zu, daß sie<lb/>
in einer tiefen Krise stecken. Die Exporte von Polen nach Österreich<lb/>
betragen 140 Mio. $, sind um 25 % weniger als im Vorjahr. Die österrei<lb break="no"/>chischen Importziffern ergeben 1,8 Mrd. S. Die polnischen Importe aus<lb/>
Österreich, 218 Mio. $, sind um 33 % weniger, die österreichischen Export<lb break="no"/>ziffern 2,3 Mrd. S. Der ganze Außenhandel mit Polen steht und fällt mit<lb/>
der Kohlelieferung. Im Plan 81 sollten sie jetzt 188 Mio. to fördern. Der<lb/>
ursprüngliche 5-Jahresplan hatte sogar 230 Mio. to vorgesehen. Tatsächlich<lb/>
werden sie aber höchstwahrscheinlich 160 Mio. produzieren, das sind ge<lb break="no"/>genüber dem Vorjahr 1980, wo 200 Mio. immerhin noch produziert wurden, um<lb/>
40 Mio weniger. Ohne weiteres wäre es möglich, nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97616">Karskis</rs>, we<lb break="no"/>nigstens 30 Mio. S mehr zu erzeugen. Wenn er 80 $ die Tonne rechnet, wür<lb break="no"/>den sie 2,5 Mrd. $ Exporterlös zur Verfügung haben und damit könnte der<lb/>
polnischen Wirtschaft schon wesentlich auf die Beine geholfen werden.<lb/>
Auf die 30 Mio. kommt er deshalb, weil sie 79 43 Mio. to exportierten,<lb/>
heuer werden es, wenn es gut geht. 15 Mio. sein. Die durchschnittliche Ver<lb break="no"/>tragserfüllung beträgt 1/3 sowohl bei sozialistischen als auch kapi<lb break="no"/>talistischen Ländern, nur Österreich bekommt Dank der Unterstützung, die<lb/>
wir jetzt auch noch immer Polen gewähren, 55 %. Von den vereinbarten 975.<lb/>
000 to sollen also 560.000 to heuer ausgeliefert werden, bis jetzt<lb/>
sind schon über 437.000 to geliefert worden. Das wirkliche Problem, wie<lb/>
ich <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> sofort sagte, war, daß ca. 600.000 to, die die Voest bekommen<lb/>
soll, bis jetzt erst 207.000 montanistische<add>[?]</add> Kohle geliefert wurde. Dies<lb/>
sind 34 %, die Polkarbon, <rs type="person" ref="#per__97880">Rosenstrauch</rs>, hat dagegen 82 % bis jetzt be<lb break="no"/>kommen, den Rest hat Polkarbon sofort für Westösterreich in Frankreich<lb/>
und Deutschland eingekauft. <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> hat immer wieder erklärt und auch zu<lb break="no"/>gegeben, daß es Verschuldung Polens ja sogar seine persönliche Schuld<lb/>
ist, daß im Vorjahr wenigstens noch 93 % der Kohlemenge und 86 % der<lb/>
Koksmenge, die vereinbart wurde, geliefert wurde, während heuer eben<lb/>
höchstens 55 % kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_18"><rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> möchte unbedingt den Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> kurz sprechen. Er<lb/>
behauptet, er möchte ihm nur mitteilen, daß von 150 Mio. $ zweite Rate<lb/>
für die Anzahlung des großen Kohleliefervertrages ab 84 wie verspro<lb break="no"/><pb n="61-1254" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band61/61_1981-10-10_1981-10-11_1254.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>chen 50 Mio. $ für Einkauf aus Österreich benutzt hat. Ob dies tatsäch<lb break="no"/>lich stimmt, kann ich nicht prüfen, allgemein heißt es nur, die Polen<lb/>
haben ausschließlich mit diesem Geld ihre Schulden bezahlt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_19">Österreich hat jetzt 25 Mrd. S staatsgarantierte Kredite den Polen gege<lb break="no"/>ben. <rs type="person" ref="#per__113123">Moskovics</rs> hat behauptet, 11 Mrd. S haben auch Banken Privatkre<lb break="no"/>dite den Polen gegeben und haben so wie der Staat sich jetzt bereitge<lb break="no"/>funden, die Rückzahlung der Kredite weiter zu stunden. Die Polen brau<lb break="no"/>chen nun für Ersatzteile im Bergbau für seinerzeitige österreichische<lb/>
Maschinen und Anlagenlieferungen unbedingt 75 Mio. $ Kredit. Außerdem<lb/>
müssen sie, trotzdem sie eine bessere Getreideernte haben, gegenüber<lb/>
18 Mio. to im Vorjahr, wo sie 10 Mio. to Getreide inkl. Futtergetreide<lb/>
importieren mußten, ist die heurige Ernte 20 Mio. $ und so können entspre<lb break="no"/>chend weniger importieren, doch noch auch von Österreich 150.000 to<lb/>
Weizen kaufen. Nur bei Zuckerrübe sind sie besser und bei Kartoffel<lb/>
mit 40 Mio. to werden sie sogar Überschüsse haben. Für mich überraschend<lb/>
war, daß der polnische Handelsrat dann <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> berichten mußte, daß ur<lb break="no"/>sprünglich eine Aussprache mit Minister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> vorgesehen war, dieser<lb/>
dann aber aus Termingründen absagte. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> versprochen, ich<lb/>
werde versuchen mit <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> zu reden, damit er ihm eine Zusammenkunft<lb/>
ermöglicht. Ich selbst habe mir vorgestellt, daß zumindestens ein Tele<lb break="no"/>fongespräch zustande kommen müßte. <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> braucht sicherlich diese<lb/>
Möglichkeit, um in Polen dann berichten zu können, er hat mit den Zu<lb break="no"/>ständigen Ministern auch Gespräche geführt, um die Außenhandelssituation<lb/>
zu erörtern und vielleicht einige Wünsche der Polen unterzubringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_20"><rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> besprach dann auch noch die Tagesordnung unserer nächsten Gemi<lb break="no"/>schten Kommission in Wien im Dezember. Die Aufzählung zeigte mir, daß<lb/>
es sich um eine reine Routinesitzung und um eine Tagesordnung handelt,<lb/>
als ob nichts geschehen wäre. Die Polen können allerdings auch gar nicht<lb/>
anders reagieren. <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> schilderte dann, welche Drittlandgeschäfte<lb/>
mit Österreich möglich wären: Zellulosefabrik in Paskov, Sodafabriken<lb/>
in Ägypten und Jordanien, Beteiligung am Eisenbahnprojekt in Algerien,<lb/>
im Irak soll es eine große Möglichkeit geben usw. Als ich vorfühlte, wie<lb/>
die Polen denn bei ihrer jetzigen Wirtschaftssituation solche Verpflich<lb break="no"/>tungen erfüllen könnten, meinte er, derzeit seien im Irak 8000 Polen be<lb break="no"/>schäftigt, 12.000 in Libyen, sehr viele auch in den sozialistischen<lb/>
Ländern, sodaß Auslandsarbeiten besser erfüllt werden und dort die Polen<lb/>
mehr arbeiten als im Inland. Im Inland, meinte <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs>, besteht immer wie<lb break="no"/>der die Streikgefahr und es wird auch ständig irgendwo gestreikt. Die<lb/>
Versorgung mit Rohstoffen und Material, welches die Polen in den letzten<lb/>
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Staaten nicht mehr zugeliefert, weshalb es immer wieder zu Stillständen<lb/>
in den polnischen Fabriken kommt. Ausländische Auftragsgeber benützten<lb/>
jetzt die freien Kapazitäten in Polen, um dort Lohnaufträge, wenn man so<lb/>
sagen will, zu verarbeiten. Eine solche Möglichkeit sah ich nicht, da<lb/>
wir selbst freie Kapazitäten haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_21"><rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> hat mir im Auto sozusagen unter 4 Augen gesagt, daß die Regie<lb break="no"/>rung mit der Gewerkschaft Solidarität nicht weiterkommt. Alle Regierungs<lb break="no"/>vorschläge werden von der Solidarität abgelehnt. Wenn in einer Fabrik<lb/>
nicht genug Kindergartenplätze vorhanden sind, wird <choice><choice><sic>gang</sic><corr>ganz</corr></choice></choice> einfach ge<lb break="no"/>streikt, um diese zu erzwingen. Wenn die Regierung Vorschläge macht, um<lb/>
die Kohlenproduktion zu erhöhen, 12.000 Arbeiter, heißt wahrscheinlich<lb/>
Soldaten, wurden jetzt in die Gruben geschickt, die Produktion sei von<lb/>
580.000 auf 600.000 to pro Tag gestiegen, wird trotzdem noch immer da<lb break="no"/>von gesprochen, die Regierung verursache den biologischen Tod der Berg<lb break="no"/>leute. Die Bauern liefern trotz guter Ernten nichts ab, obwohl auch die<lb/>
offiziellen Preise wesentlich erhöht wurden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_22">Das bisherige Zentralkomitee der Partei hat sich alle Beschimpfungen ge<lb break="no"/>fallen lassen und lethargisch überhaupt nicht darauf reagiert. Das neu<lb/>
gewählte Zentralkomitee der Partei wird jetzt, da keinerlei Ergebnisse<lb/>
mit der Solidarität zu erzielen sind, sich dies nicht mehr gefallen<lb/>
lassen. Die nächste Zentralkomiteesitzung, noch in diesem Jahr, wird die<lb/>
Entscheidung bringen. <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> meinte, entweder so oder so. Die Russen<lb/>
stehen rund um Polen, warten ab, niemand weiß, was geschehen wird. Noch<lb/>
immer hofft die polnische Regierung, dies ist ihre erklärte Politik, daß<lb/>
sie die Frage selbst lösen kann und daß man sie<add>[diese]</add> vor allem selbst lösen<lb/>
läßt. Wie lange dieser Zustand aber anhält, weiß niemand. Ich selbst habe<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> nur versichert daß die österreichische Regierung und ich glaube<lb/>
auch jedes Regierungsmitglied und ganz besonders der Bundeskanzler <rs type="person" ref="#per__97668">Krei<lb break="no"/>sky</rs> immer wieder, wo immer er das Wort ergreift, für die Lösung der Po<lb break="no"/>lenkrise durch die Polen selbst spricht. Dies wird auch den Sowjets bei<lb/>
jeder Gelegenheit immer wieder gesagt. <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> meinte, vor dem Besuch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108324">Breschnews</rs> in der BRD wird garantiert nichts passieren. Wie es auf lange<lb/>
Sicht weitergeht, weiß niemand.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-10_23">Die große Enttäuschung für den Westen war, daß die Sowjets bis jetzt,<lb/>
zumindestens nicht nach der sogenannten Regenschirmtheorie, für die<lb/>
Comecon-Staaten eingesprungen ist. <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> sagte allerdings zu Recht, die<lb/>
Theorie hat der Westen erfunden, die Sowjets haben niemals einer solchen<lb/>
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Comecon-Staaten abgeschlossen. Dies gilt übrigens meiner Meinung nach<lb/>
auch für die anderen Comecon-Staaten und nicht für Polen allein. In<lb/>
Polen selbst hatte noch unter der <choice><choice><sic>Zentralsekretärführerschaft</sic><corr>Generalsekretärsführerschaft</corr></choice></choice> <rs type="person" ref="#per__134100">Giereks</rs><lb/>
und des Ministerpräsidenten <rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> versucht, für diese<lb/>
Regierung resp. das Land Polen von den Russen aus unserem hohen Passiv<lb break="no"/>saldo mit der SU 1 oder 2 Mrd. S für Polen zu bekommen. Die Russen haben<lb/>
diese Idee immer sehr höflich, aber dezidiert abgelehnt. Damals war für<lb/>
mich schon klar, daß die Regenschirmtheorie eben eine reine Theorie<lb/>
des Westens ist.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Präs. Bundesverb. Kur- u. Fremdenverkehrsdirektoren</occupation>
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