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            <title type="main">Donnerstag, der  8. Oktober 1981</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_01">Donnerstag, 8. Oktober 1981<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_02">Bei der Beiratssitzung in der Bürges wurden in allen Aktionen in den<lb/>
ersten 3 Quartalen starke Antragsrückgänge und bei den Erledigungen<lb/>
noch stärkere Rückgänge gegenüber dem Vorjahr festgestellt. Gewerbe<lb break="no"/>struktur 15 % resp. 40 %. Stammaktion 21 bzw. auch 40. Fremdenverkehr<lb/>
25 – 30, Komfortzimmeraktion 16, –3, Existenzgründung -4 Antragsein<lb break="no"/>gänge und –3 Erledigungen. Nur die Aktion Warme Küche hat um +5 %<lb/>
mehr Anträge und um +6 % mehr Erledigungen gegenüber dem Vorjahr. Dies<lb/>
veranlaßte mich zu der Bemerkung und<add>[zum]</add> natürlich falschen Vergleich, typi<lb break="no"/>sche Krisenerscheinung, nichts geht, nur mehr das Essen. Tatsächlich ist<lb/>
die Bürges jetzt fast tagesfertig, die Anträge werden im Durchschnitt<lb/>
in einem Monat geprüft und erledigt. Typisch für die Stützung der<lb/>
österreichischen Seen ist, daß die Steiermark 100.000, Salzburg 200.000,<lb/>
Oberösterreich 650.000 und Kärnten 21 Mio. eingereicht haben und auch<lb/>
erledigt wurden. Diese Aktion wird wirklich von den Kärntnern bestens<lb/>
ausgenützt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_03">Natürlich gab es über die Ursachen dieses Rückganges eine längere Dis<lb break="no"/>kussion. Die Geschäftsführung der Bürges, Dir. <rs type="person" ref="#per__113824">Hönlinger</rs>, meinte, im<lb/>
4. Quartal würden mehr Anträge kommen, da sich jetzt die Erhöhung des<lb/>
Höchstzinsgenehmigungssatzes um 1 1/2 %, von der Bürges schon beschlossen,<lb/>
aber bei den Kreditinstituten noch nicht durchgesetzt hat. Die Handels<lb break="no"/>kammervertreter, Syndikus <rs type="person" ref="#per__118737">Schimka</rs> vom Fremdenverkehr und Dr. <rs type="person" ref="#per__125298">Kopecky</rs>,<lb/>
meinten aber zurecht, die Hochzinspolitik schreckt die Klein- und Mittel<lb break="no"/>betriebe ab. Investitionen, die sie früher gemacht haben, und die sie<lb/>
auch beabsichtigen, jetzt durchzuführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_04"><rs type="person" ref="#per__125298">Kopecky</rs> berichtete außerdem, daß eine Delegation der Bundeshandelskam<lb break="no"/>mer in Deutschland war und bei Klein- und Mittelbetrieben die Rationa<lb break="no"/>lisierung in der Verwaltung geprüft hat. Dort konnten sie feststellen,<lb/>
daß z.B. Betriebe mit 120 Beschäftigten 2 1/2 Personen in der Verwal<lb break="no"/>tung nur tätig haben, weil alles über die EDV gemacht wird. Die Frage<lb/>
des Gewerkschaftsvertreters <rs type="person" ref="#per__134124">Hammer</rs>, ob dort viele Laienarbeiter he<lb break="no"/>rangezogen wurden, wird verneint.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_05">Die AK, Mag. <rs type="person" ref="#per__134157">Reitner</rs>, hat angeregt, man soll in den Anträgen schon festle<lb break="no"/>gen, welche Förderungsmittel der betreffende für diese Investition von<lb/>
anderen Bundesstellen bekommt. Der Wunsch, auch die Landesförderungen<lb/>
zu erfahren, wurde als undurchführbar von allen bezeichnet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Wie wird es bei der zentralen Erfassung aller<lb/>
Subventionen im BKA funktionieren?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_07">Sekr. <rs type="person" ref="#per__114163">Schubert</rs> von Bautenminister <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> hat erfahren, daß im Patent<lb break="no"/>amt die sozialistische Fraktion über die Personalpolitik sehr unglück<lb break="no"/>lich ist. Er glaubte, daß uns dies auch hinlänglich bekannt ist, mir<lb/>
war zumindestens davon nichts bekannt. Ich habe sofort vorgeschlagen,<lb/>
daß das Büro dieser Kritik nachgehen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Laß Dir bitte von <rs type="person" ref="#per__114163">Schubert</rs> und <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> berichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_09">SC <rs type="person" ref="#per__131809">Bujatti</rs>, mit der interimistischen Führung der Präsidialsektion be<lb break="no"/>traut, hat jetzt das Dekret und die offizielle Betrauung von mir per<lb break="no"/>sönlich erhalten. Derzeit ist er noch mit der Wohnbausektionsführung<lb/>
auch betraut. Da <rs type="person" ref="#per__131809">Bujatti</rs> in zwei Jahren spätestens in Pension geht,<lb/>
beabsichtigt <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs>, seinen Sekretär <rs type="person" ref="#per__114163">Schubert</rs> mit der Nachfolge <rs type="person" ref="#per__131809">Bujattis</rs>,<lb/>
jetzt einmal dann mit der Wohnbausektion zu betrauen. <rs type="person" ref="#per__114163">Schubert</rs> meinte,<lb/>
dies sei alles streng vertraulich, weil eine solche Personalpolitik un<lb break="no"/>ter dem ehem. Bautenminister <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> sicherlich unmöglich gewesen wäre.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> als Gewerkschafter ist hier viel effizienter, aber auch härter.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Wann wird die Dienstpostenübertragung erfolgen?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_11">Die Ungarn haben Wirtschaftstage im Hotel Hilton eröffnet. Zu diesem<lb/>
Zweck ist der stellvertretende Ministerpräsident <rs type="person" ref="#per__134126">Marjai</rs> gekommen. Bei<lb/>
der Eröffnungsansprache des ungarischen Botschafters <rs type="person" ref="#per__123369">Rande</rs> verwies<lb/>
dieser darauf, daß es noch ein unbekanntes Ungarn auch in Österreich ge<lb break="no"/>be. Die Vorträge, die ich mir teilweise anhörte, teilweise aus dem Pro<lb break="no"/>gramm entnehmen konnte, waren allerdings, was die Grundsätze und großen<lb/>
Geschäfte betraf, für mich nicht unbekannt. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> erwähnte in sei<lb break="no"/>ner Ansprache die gute Entwicklung des österreichischen Handels im<lb/>
letzten Jahr, um 37 % eine Steigerung. Ich ging bei meinen einleitenden<lb/>
Bemerkungen auf die großen Projekte Energietransfer, Staatshandelsländer<lb/>
über Österreich zur westlichen Welt, und gar in Zukunft ganz besonders<lb/>
die Elektrizitäts- und Gasleitung über Ungarn ein. Am weitesten wagte<lb/>
ich mich vor, als ich dann noch erklärte, daß sich die Wirtschaftssyste<lb break="no"/>me, die ja grundverschieden sind zwischen Ungarn und Österreich, in<lb/>
einer Beziehung sich jetzt ein wenig annähern, nämlich daß die ungarische<lb/>
Seite ohne Verrat ihrer Grundsatzidee doch jetzt Klein- und Mittelbetrie<lb break="no"/>be auf Gewinnbasis stärker einschalte. Ministerpräsident <rs type="person" ref="#per__134126">Marjai</rs> ver<lb break="no"/>anlaßt dies dann, sehr humorvoll, aber doch für mich sehr deutlich hör<lb break="no"/><pb n="61-1238" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band61/61_1981-10-08_1238.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>bar, man sollte endlich mit dem Begriff über Ungarn als Staatshandels<lb break="no"/>land aufhören. Das ist ja fast schon eine biblische Beschimpfung. Er<lb/>
meinte, man sollte Untersuchungen anstellen, welches Land, Ungarn oder<lb/>
Österreich, näher dem Begriff Staatshandelsland ist. Vor allem verwies<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134126">Marjai</rs> darauf, daß Österreich und Ungarn größten Wert darauf legen<lb/>
müssen, als stabiles Land in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht<lb/>
zu gelten. Wirtschaftskrisen würden in Österreich auch die ungarischen<lb/>
Lebensverhältnisse entsprechend verschlechtern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_12">Ungarn experimentiert tatsächlich sehr viel und geht, wie z.B. bei der<lb/>
Spielcasinoeröffnung in Budapest, Einschaltung von Profitbetrieben, wenn<lb/>
auch derzeit nur bei Klein- und Mittelbetrieben für die eigene Tasche<lb/>
usw., einen neuen Weg. Fast würde ich sagen, ähnlich der <rs type="person" ref="#per__123197">Lenin'schen</rs><lb/>
NEP, neue ökonomische Politik in den 20er-Jahren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_13">Der Vizepräsident des Planungsamtes, <rs type="person" ref="#per__134127">Kovács</rs>, hat dann in seinem Vortrag<lb/>
besonders darauf verwiesen, daß es sich bei ihrer Wirtschaftspolitik<lb break="no"/>änderung nur um Diskrepanzbeseitigung handelt. Mit der Außenpolitik<lb/>
wollen sie auf der einen Seite nicht so stark steigende inländische<lb/>
Produktion ergänzen, andererseits aber auch eine Konkurrenz dieser in<lb break="no"/>ländischen Produktion machen. Mit ihrer Finanzpolitik wollen sie die<lb/>
Währung, aber auch die Preise in Ordnung halten, gleichzeitig aber nicht<lb/>
allzusehr ausländische Kredite aufnehmen. In dem nächsten 5-Jahres-Plan<lb/>
werden insbesondere Aluminium, Petrochemie, rechentechnische Produktionen,<lb/>
Medikamente, Pflanzenschutz, Elektronik, insbesondere Bauteile, besonders<lb/>
ausgebaut. Ziel ist auch eine Rationalisierung des Energieverbrauches<lb/>
und durch Recycling Rohstoffrückgewinnung. Für die Produktionsbetriebe,<lb/>
und dies ist jetzt wieder ein neuer Gesichtspunkt ihrer Wirtschaftspoli<lb break="no"/>tik, soll das Außenhandelsrecht wesentlich erweitert werden. Ihre diese<lb/>
Terminologie heißt für mich, daß die Industriebetriebe autonomer in<lb/>
ihrer Außenhandelspolitik werden. Daß sie trotzdem noch immer Staats<lb break="no"/>handelsland bleiben, steht für mich außer Zweifel, auch dann, wenn sie<lb/>
es nicht sehr gerne hören, und ich daher sicher, zumindestens bei den<lb/>
Ungarn, diesen Ausdruck nicht mehr verwenden werde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_14">Eine Bemerkung ist mir besonders aufgefallen, daß nämlich <rs type="person" ref="#per__134127">Kovács</rs> über<lb/>
die Haldennutzung in Österreich meinte, hier würde sich eine größere<lb/>
Kooperation ergeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Was weiß unsere Abteilung darüber?<lb/>
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            <pb n="61-1239" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band61/61_1981-10-08_1239.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_16">Das anschließende Interview mit dem ungarischen Fernsehen verlief noch<lb/>
immer ziemlich in den alten Formen. Der Redakteur erklärte sofort, um<lb/>
was es sich bei dieser Aufnahme handelt, es gab keinen Dialog, sondern<lb/>
man erwartete von mir nur ein Statement, wie sich der ungarisch-öster<lb break="no"/>reichische Wirtschaftsverkehr entwickelt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_17">Im Bundesparteivorstand hat <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> anstelle des erkrankten <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> den<lb/>
Vorsitz geführt. <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> berichtete über die Weltbank, <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> über das<lb/>
Mietengesetz, <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> über die Aufklärung des <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs>-Mordes. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> gab ihm<lb/>
volle Deckung, indem der Parteivorstand auf seine Anregung beschloß, daß<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> und der Polizei Dank und Anerkennung für diese Arbeit auszusprechen<lb/>
ist und die Kritik der ÖVP entschieden zurückgewiesen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_18">Wenn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sonst im Parteivorstand seine lange meistens in der Außen<lb break="no"/>politik endenden Darlegungen macht, gibt es dann kaum eine Diskussion.<lb/>
Ähnlich war es übrigens auch bei all den Berichten bei den Ministern.<lb/>
Wenn ich mich daran erinnere, wie es oft früher im Parteivorstand hefti<lb break="no"/>gste Diskussionen gegeben hat, so zeigt dies, daß die Partei derzeit<lb/>
entweder lethargisch ist, oder durch die doch ständigen Erfolge fast nie<lb break="no"/>mand kritische Bemerkungen zur doch erfolgreichen Politik anbringen<lb/>
möchte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_19">Mit Recht hat der steirische Parteiobmann <rs type="person" ref="#per__124045">Gross</rs> über die steirischen<lb/>
Wahlen berichtet und <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> dann über die Betriebsratswahlen. Beide haben<lb/>
mit sozialistischen Erfolgen geendet, obwohl dies eigentlich niemand<lb/>
glaubt. Die Meinungsumfragen haben diesmal, und zwar zum erstenmal, total<lb/>
versagt. Bis 14 Tage vor den Wahlen wurden schwere Einbrüche prognosti<lb break="no"/>ziert. Das Gegenteil ist eingetreten. <rs type="person" ref="#per__117164">Gehmacher</rs> hat dem Landesparteivor<lb break="no"/>stand, wie mir <rs type="person" ref="#per__124045">Gross</rs> nach der Sitzung dann noch im einzelnen erklärte,<lb/>
dieses Phänomen auch nur so im nachhinein erklären können, daß ein<lb/>
Wählerumschwung innerhalb der letzten 2 Wochen eingetreten sein muß. Die<lb break="no"/>ses Phänomen wäre bei den steirischen Wahlen erstmalig gewesen. Bis<lb/>
jetzt war die Meinung und Erfahrung der Meinungsforscher, daß in den<lb/>
letzten 2 Wochen kaum mit einer Trendumkehr zu rechnen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Ich möchte gelegentlich mit <rs type="person" ref="#per__117164">Gehmacher</rs> darüber<lb/>
sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_21">Minister <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> hat mir mitgeteilt, daß jetzt die Meerschaumerzeugung<lb/>
von Frau <rs type="person" ref="#per__133958">Corrieri</rs> stillgelegt werden muß, weil sie von der Türkei kein<lb/>
Rohmaterial mehr bekommt. Ich hätte der Firma jetzt das Staatswappen ge<lb break="no"/><pb n="61-1240" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band61/61_1981-10-08_1240.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>geben, und sie müsse jetzt trotzdem zusperren. Angeblich hätte ein Beamter<lb/>
des Handelsministeriums ihren Vorschlag, wie man doch zu Meerschaum kommen<lb/>
kann, als ungangbar abgelehnt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_22">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte sofort prüfen und <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> informieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_23">Die Schrottsammlerin Frau <rs type="person" ref="#per__134128">Fink</rs> aus Wr. Neustadt teilt mir mit, daß sie<lb/>
jetzt ihre Tätigkeit wird einstellen müssen. Sie muß im Einkaufspreis<lb/>
40 Groschen für den Schrott bezahlen und bekommt höchstens von der<lb/>
Schredderanlage der Vöest-Alpine 75 Groschen. Bei den hohen Dieselprei<lb break="no"/>sen und dem weiten Einzugsgebiet bis 100 km kann sie um diese Preisdiffe<lb break="no"/>renz ihre Kosten nicht mehr decken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_24">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Die Abteilung soll mit Vöest-Alpine, <rs type="person" ref="#per__134158">Kalus</rs>,<lb/>
Schredderanlage, sprechen und berichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_25">Die Vertreter des Rechnungshofes machen derzeit eine Sonderkontrolle,<lb/>
nämlich die Innenrevision bei allen Ministerien festzustellen. Da unsere<lb/>
seit 1977 nicht mehr tätig war, was mir vollkommen unerklärlich ist,<lb/>
wird dies natürlich vom Rechnungshof beanstandet. Ich habe sofort er<lb break="no"/>klärt, und hoffentlich nimmt der Rechnungshof dies in seinem Bericht auf,<lb/>
daß für die spärliche Tätigkeit der Vergangenheit ich zugesichert habe,<add>[daß]</add><lb/>
dem Rechnungshofvorschlag entsprechend stärker die Innenrevision tätig<lb/>
sein wird. Damit hoffe ich, dem Bericht die Spitze abzubrechen. SC <rs type="person" ref="#per__131809">Bujatti</rs><lb/>
wird dies auch so schnell als möglich mit den betroffenen Sektionen be<lb break="no"/>sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_26">Neuerdings wurde natürlich der nicht ins Parlament gelangte Rechnungs<lb break="no"/>hofbericht über die Reorganisation der Bergbehörde besprochen. Ich<lb/>
teile nämlich die Meinung der Prüfer, daß wir hier etliche Ersparnisse<lb/>
durchführen könnten. Die Zusammenlegung z.B. der beiden Bergbehörden in<lb/>
der Steiermark, Graz auflassen und nach Leoben konzentrieren, oder die<lb/>
Auflassung von Tirol und Klagenfurt, scheitert an dem Widerstand der<lb/>
Landeshauptleute. Der Klagenfurter Berghauptmann <rs type="person" ref="#per__134129">Ebenbichler</rs> meinte,<lb/>
er fühle sich auch nur als Museumsverwalter. Angeblich hat er am Zirm<lb break="no"/>see die Silberschürfbergberechtigung verliehen, nur damit Aktivität vor<lb break="no"/>liegt. Die im Berggesetz vorgesehene Begehung hat er unterlassen, weil<lb/>
sie zu anstrengend wäre. Die Bergbehörden haben durch den Rückgang der<lb/>
Bergaktivitäten tatsächlich jetzt kaum etwas zu tun. Im Zuge der Ver<lb break="no"/>waltungsreform und der Einsparung werde ich daher wieder dies vom Re<lb break="no"/>chnungshof angeregte Problem mit den betroffenen Landeshauptleuten be<lb break="no"/><pb n="61-1241" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band61/61_1981-10-08_1241.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_27">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: SC <rs type="person" ref="#per__131809">Bujatti</rs> soll dies vorsichtig wieder handels<lb break="no"/>ministeriumsintern beginnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_28">Der zweite Vorschlag des Rechnungshofes, es sollten nicht 3 Personen,<lb/>
in der Vergangenheit MR <rs type="person" ref="#per__134130">Dvorak</rs>, MR <rs type="person" ref="#per__116995">Wildauer</rs> und RR <rs type="person" ref="#per__134131">Anderle</rs> in die Berg<lb break="no"/>behörden fahren, um dort die Kassa zu prüfen und eine sogenannte innere<lb/>
Revision vorzunehmen. Hier könnte man Zeit und Kosten ersparen, wenn<lb/>
<choice><choice><sic>wir</sic><corr>der</corr></choice></choice> betreffende Referent der Fachabteilung sowieso die Bergbehörde be<lb break="no"/>suchen muß, dann gleichzeitig auch die Revision, die sonst diese Kommis<lb break="no"/>sion vorgenommen hat, durchführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_29">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: <rs type="person" ref="#per__131809">Bujatti</rs> soll Entsprechendes veranlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_30">Nach wie vor kritisiert wird, daß die Verordnungen aufgrund des neuen<lb/>
Berggesetzes noch immer nicht alle erlassen sind.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_31">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Wie steht es damit?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_32">Der neue nordkoreanische Botschafter hat, wie ging es auch anders, bei<lb/>
seinem Antrittsbesuch und <choice><choice><sic>besprechen</sic><corr>Besprechung</corr></choice></choice>, wie wir den Handel zwischen Korea<lb/>
und Österreich vergrößern können, natürlich auch wieder mit den unge<lb break="no"/>heuren Leistungen der nordkoreanischen Entwicklung eingeleitet. Jetzt<lb/>
wird tausendmal soviel in Nordkorea produziert als 1946. 15 Mio. Stahl,<lb/>
7 Mio. Dünger, 20 Mio. Zement sollen jetzt und in Hinkunft erzeugt werden.<lb/>
Tatsächlich ist unser Handel mit Nordkorea sehr gering, wir importie<lb break="no"/>ren für 3 1/2 Mio. S und exportierten für 152 Mio. In den ersten 7 Mo<lb break="no"/>naten, dabei war heuer dieser Export besonders groß, wahrscheinlich<lb/>
haben sie einige Anlagen und Maschinen gekauft. Da die Umschuldungsver<lb break="no"/>einbarung 75, 77 novelliert, 80 novelliert, noch immer nicht funktioniert,<lb/>
die Koreaner schulden uns 1,7 Mrd. S, schlug auch der neue Botschafter<lb/>
so wie der alte vor, wir sollten uns an einem Goldbergwerk beteiligen<lb/>
und mit dem produzierten Gold dort könnten die Koreaner dann ihre Schul<lb break="no"/>den decken. Ich habe auch dem neuen Botschafter erklärt, hier müßten sie<lb/>
sich mit Austromineral ins Einvernehmen setzen, damit ev. Erze von der<lb/>
Vöest-Alpine dort erschlossen und dann auch nach Österreich exportiert<lb/>
werden könnten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_33">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Was beabsichtigt Austromineral in Nordkorea?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_34">Die Staatswappenverleihung an die Firma Mischek war typisch für mich.<lb/>
Ich war erstens überrascht, daß nicht nur dieses Staatswappen verliehen<lb/>
wird, sondern auch an langjährige Mitarbeiter die Firma Prämien ausge<lb break="no"/>schüttet hat, und die AK die 25-, 30- und auch mehrjährigen Plaketten an<lb/>
doch 12 Dutzend von Beschäftigten übergeben hat. Außer dem Zentralse<lb break="no"/>kretär der Bauarbeiter war weder ein AK-Funktionär noch ein sonstiger<lb/>
höherer politischer Funktionär anwesend. Der Bez.-Vorsteher ist angeb<lb break="no"/>lich um 8 Uhr erst gekommen. Stadtrat <rs type="person" ref="#per__127030">Veleta</rs> ist überhaupt nicht<lb/>
erschienen, obwohl er eingeladen wurde, und auch von der Handelskammer war<lb/>
nur der Präsidialist <rs type="person" ref="#per__113032">Reiger</rs>. Wenn es einer Firma gut geht und sie erst<lb break="no"/>klassigen Ruf hat, dann kommen sie im Massen. Wenn eine Firma wackelt,<lb/>
dann bin scheinbar wirklich ich der einzige, der trotzdem dort erscheint.<lb/>
Ich habe, obwohl vielleicht nicht allen danach zumute war, die Stimmung<lb/>
war wirklich sehr gedrückt, trotzdem eine humorvolle Rede gehalten, Gott<lb/>
sei Dank fallen mir gelegentliche Gags immer wieder ein, und mit der<lb/>
Firma Mischek hatte ich ja wirklich in der Vergangenheit, sowohl in Polen<lb/>
als auch in Österreich, viel zu tun und konnte daher aus einem prakti<lb break="no"/>schen Erfahrungsschatz einiges erzählen. <rs type="person" ref="#per__115685">Mischek</rs> selbst hat in seinem<lb/>
Einleitungsreferat eben über die Höhen und Tiefen gesprochen, begonnen<lb/>
hat er als Steinklopfer, 1945, als er Altziegel selbst gereinigt hat und<lb/>
dann damit zu bauen begonnen hat, und ist jetzt, wie die HK und AK bestä<lb break="no"/>tigen, ein führendes Unternehmen in der Baubranche. Wahrscheinlich der<lb/>
größte private Bauunternehmer. Ich konnte dann vergleichsweise auch er<lb break="no"/>klären, als Obmann der SJ habe ich mit der SJ im Handelsministerium 45<lb/>
den Schutt weggeräumt und hätte damals auch nicht geträumt, daß ich ein<lb break="no"/>mal in diesem Gebäude Minister werde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_35">Da ich dem ungarischen Ministerpräsidenten <rs type="person" ref="#per__134126">Marjai</rs> kein Essen offerieren<lb/>
konnte, entschloß ich mich, nach der Feier wenigstens zu den Reden beim<lb/>
offerierten Essen der Handelskammer im Pallavicini gefahren. Entschuldi<lb break="no"/>gend meinte ich, ich sei zwar nicht eingeladen, aber dadurch, daß die<lb/>
andere Verpflichtung nicht so lange gedauert hat, bin ich doch noch er<lb break="no"/>schienen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hat dann frei und sehr humorvoll gemeint, ich wäre<lb/>
sicherlich eingeladen gewesen, er freut sich, weil ich hier bin und hat<lb/>
dann an unserem Beispiel demonstriert, wie in Österreich Opposition und<lb/>
Regierung auf den verschiedensten Ebenen doch funktionieren. Für die<lb/>
ungarischen Gäste mag dies manchmal wirklich verwunderlich sein. <rs type="person" ref="#per__134126">Marjai</rs><lb/>
meinte nur, es geht mir halt in Österreich so wie ihm in Budapest. Dies<lb/>
hat er sicherlich nur auf die Zeit bezogen. Denn als er in seiner An<lb break="no"/>sprache meinte, in Wien redet es sich viel leichter, weil die Opposition<lb/>
hier fehlt, flüsterte der neben mir sitzende <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> zu mir, gibt's<lb/>
denn dort eine Opposition? Ich erklärte ihm genauso leise, daß innerhalb<lb/>
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doch bezeichne, neue ökonomische Politik gibt. Manche Bemerkungen von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134126">Marjai</rs> haben mir dies deutlich angezeigt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band61_1981-10-08_36">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Habe ich zu dem Abendessen eine Einladung bekommen?<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 8.10.1981</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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