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            <title type="main">Montag, der 27. Juli 1981</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band60_1981-07-27</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band60_1981-07-27_01">Montag, 27. Juli 1981<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band60_1981-07-27_02">Präsident <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> wollte mit mir wegen der Benzinpreisfrage eine Aussprache<lb/>
und rief in der Früh bereits bei der LUGA an. Mit ihm und dem leitenden<lb/>
Sekretär <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> besprach ich alle Variationen, die denkbar waren.<lb/>
Ing. <rs type="person" ref="#per__133861">Nevzka</rs> von der Fa. Avanti hatte NR <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, der leider nicht anwe<lb break="no"/>send war, vorgeschlagen, wir sollten einen Zuschlag für einige Monate auf<lb/>
den jetzigen Benzinpreis durch die Preiskommission bewilligen. Eine<lb/>
solche Vorgangsweise hielt ich für schwer durchsetzbar. Die amtliche<lb/>
Preiskommission kann kaum ständig variierte Preise festlegen. Die Mine<lb break="no"/>ralölwirtschaft würde eine solche Lösung auch kaum akzeptieren. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
hat dies auch sehr bald eingesehen. Überhaupt muß ich festhalten, daß<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> ein ungeheures Verständnis für meine Lage hatte, die ich ihm sehr<lb/>
freimütig schilderte. Später kam dann noch Bautenminister <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs>, der<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> eine Sitzung vereinbart hatte, dazu. Bei dieser Gelegenheit<lb/>
habe ich <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> gleich daran erinnert, daß er dringend für das nächste<lb/>
Jahr höhere Mineralölsteuereinnahmen braucht, die er jetzt schön<lb/>
langsam mit dem Finanzminister durch eine Novelle zum Mineralölsteuerge<lb break="no"/>setz vorbereiten muß. <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> schätzt, daß er anstelle der präliminier<lb break="no"/>ten 13,8 Mrd. S Mineralölsteuereinnahmen in diesem Jahr höchstens 13 Mrd.,<lb/>
ich schätze 13 Mrd. 200 Mio., bekommen wird. Durch die Einsparung beim<lb/>
Benzinverbrauch sinkt automatisch die Mineralölsteuereinnahme. <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs><lb/>
soll gerade jetzt ungeheure zusätzliche Straßenprojekte wie die Mur-<lb/>
Mürz-Furche und vor allem auch die Südautobahnweiterbauten finanzieren.<lb/>
Ich habe <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> erklärt, daß ich bei der Besprechung mit den Landeshaupt<lb break="no"/>leuten und GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> als Sprecher der Ölwirtschaft keine endgültigen Be<lb break="no"/>schlüsse fassen werde, sondern, was immer diese auch vorschlagen, vor end<lb break="no"/>gültiger Beschlußfassung mit ihm besprechen werde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band60_1981-07-27_03">Die Aussprache mit den Landeshauptleuten hatte für mich eine Dramatik<lb/>
wie bei einem Theaterstück. Einleitend erklärte ich den Landeshauptleu<lb break="no"/>ten, wieso es zur Delegierung an die vier Länder gekommen ist und warum<lb/>
aber jetzt ich die Aussprache mit allen Landeshauptleuten pflege. Ich<lb/>
hatte weder in der Vergangenheit noch jetzt die Absicht, die Länder<lb/>
aufzuspalten, sondern sah mich nur veranlaßt an die vier Länder zu dele<lb break="no"/>gieren, weil die Ölwirtschaft dort erklärte, dort sei die Versorgung<lb/>
gefährdet. Bei meiner Rückfahrt aus Vorarlberg konnte ich feststellen,<lb/>
daß diesmal in Tirol einige Tankstellen geschlossen waren. LH-Stv. <rs type="person" ref="#per__97461">Früh<lb break="no"/>bauer</rs> ergänzte auch, daß in Kärnten einige geschlossen hatten. In Salz<lb break="no"/>burg, wo ich auf der Autobahn am Walserberg keinerlei Beschränkungen fest<lb break="no"/>stellen konnte, bestätigte LRat <rs type="person" ref="#per__113008">Radlegger</rs>, daß<add>[er?]</add> dieses Wochenende kei<lb break="no"/><pb n="60-0951" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band60/60_1981-07-27_0951.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nerlei Beschränkung feststellen konnte, bestätigte LRat <rs type="person" ref="#per__113008">Radlegger</rs>, daß<lb/>
dieses Wochenende keinerlei Einschränkungen der Benzinabgabe von keiner<lb/>
Firma durchgeführt wurden. Ich erklärte auch, daß ich in Hinkunft mit<lb/>
den Ländern in allen Energiefragen, trotzdem ich keine gesetzliche Mög<lb break="no"/>lichkeit habe Anordnungen zu treffen, enger kooperieren werde. Dies gilt<lb/>
insbesondere auch für die Wünsche einiger Länder auf einheitliche Ener<lb break="no"/>giepreise. Die alte Forderung der westlichen Bundesländer, ein Öllager<lb/>
in ihrem Gebiet anzulegen, könne ich nur durch Aussprache mit der Öl<lb break="no"/>wirtschaft auf freiwilliger Basis versuchen, solange nicht ein Energie<lb break="no"/>sicherungsgesetz mir eine gesetzliche Handhabe gibt. Insbesondere ver<lb break="no"/>wies ich aber auf die ständigen Gespräche mit dem Landeshauptmann auf<lb/>
der einen Seite und<add>[der]</add> Mineralölwirtschaft auf der anderen, die ich im<lb/>
Interesse der Länder bezüglich eines Lagers im Westen führte. Ich hoffe,<lb/>
daß die Ländervertreter ihren Einfluß geltend machen, wenn jetzt im<lb/>
Parlament das Energiesicherungsgesetz in der dritten Legislaturperiode<lb/>
zur Debatte steht. Ich schlug LH <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> als den Sprecher der Länder<lb/>
vor, vorerst noch die Ausführungen des GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> als Sprecher der Öl<lb break="no"/>wirtschaft anzuhören.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band60_1981-07-27_04"><rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> begann für mich mit einem Knalleffekt. Er erklärte rundweg, daß<lb/>
es kein Mengenproblem bei der Benzinversorgung gibt, daher auch kein<lb/>
Mengennotstand, sondern einen Preisnotstand, damit hat die Ölwirtschaft<lb/>
eindeutig festgelegt, daß der Plan von Energiesprecher der ÖVP, NR <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs>,<lb/>
die Regierung soll den Notstand ausrufen, vollkommen falsch konzipiert<lb/>
wäre. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> schilderte auch ganz genau, wie es zur Preisbildung gekommen<lb/>
ist. Im Februar sei ein Akkord mit den Sozialpartnern erzielt worden,<lb/>
wo man 60 Groschen festlegte, ich hätte damals aber erklärt, die Mineral<lb break="no"/>ölsteuer müßte um 20 Groschen erhöht werden und sei in diesen 60<lb/>
Groschen drinnen. Für Mai wäre eine weitere Preiserhöhung vorgesehen ge<lb break="no"/>wesen, die aber dann vollkommen unzulänglich mit 50 Groschen festgelegt<lb/>
wurde. In der Schweiz wären 9 Preiserhöhungen, in Deutschland bereits<lb/>
7 Preiserhöhungen bis jetzt erfolgt. Die Deutschen hätten jetzt neuer<lb break="no"/>dings vor, um 4 Pfennig den Benzinpreis zu erhöhen. Die Belastung der<lb/>
Ölwirtschaft sei insbesondere durch die Tankstellensteuer, 2,4 % Abgabe<lb/>
auf das Rohöl, 8 % auf die Vergaserkraftstoffe, die Steuer ist mit 1 Mrd.<lb/>
präliminiert und wird 1 Mrd. 250 Mio. bringen, stark belastet. Trotz<lb/>
dieser ungünstigen Situation BP wird heuer so einen hohen Verlust haben,<lb/>
daß ihr ganzes Aktienkapital aufgezehrt ist, weshalb sie zum Konkurs<lb break="no"/>richter gehen müßten. Die Ölwirtschaft<add>[wird]</add>, um den Preisnotstand zu beheben,<lb/>
Folgendes vorschlagen: Bis Ende August wird der derzeitige Preis für<lb/>
Normal- und Superbenzin aufrechterhalten, dann bekommt die Mineralölwirt<lb break="no"/><pb n="60-0952" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band60/60_1981-07-27_0952.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>schaft den Preis für 2 Monate für Erholung ihrer jetzt entstandenen<lb/>
Verluste frei. Dieser Vorschlag war für die Landeshauptleute genauso<lb/>
überraschend wie für mich, <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> erklärte, sie hätten in ihrer Vor<lb break="no"/>besprechung festgelegt, daß das Handelsministerium sofort ein Preisprü<lb break="no"/>fungsverfahren einleiten sollte, für August und September der Preis un<lb break="no"/>verändert wird und dann könnte der Preis freigegeben werden, die ÖMV<lb/>
müßte als verstaatlichter Betrieb flankierende Stellung resp. Maßnahmen<lb/>
setzen. Der Heizölpreis sei unverändert zu lassen und in Zukunft seien<lb/>
eher Preiserhöhungen auf Benzin zu legen. Im Westen müßte ein Krisenlager<lb/>
eingerichtet werden, ein einheitlicher Benzinpreis wäre erforderlich.<lb/>
Die Delegierung an die vier Bundesländer sei zurückzunehmen. Bezüglich<lb/>
des Wunsches einen einheitlichen Elektrizitätspreis in Österreich zu<lb/>
schaffen, könnten die westlichen Bundesländer niemals zustimmen, diese<lb/>
Idee würde auf den größten Widerstand stoßen, hier gäbe es Verträge über<lb/>
die Elektrizitätslieferung, Verträge über die spezifische westliche<lb/>
Elektrizitätssituation und vor allem eine auf die erste Republik schon<lb/>
zurückgehende Tradition der Elektrizitätsproduktion im eigenen Lande<lb/>
und damit auch eine spezifische Preissituation in eigenen Land. Außer<lb break="no"/>dem hätte der Osten<add>[eine]</add> entsprechende Erdgasversorgung, die im Westen nur<lb/>
unzulänglich oder überhaupt nicht existiert. GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> erklärte sofort,<lb/>
eine zweimonatige Preisfixierung und dann eine zweimonatige Aufholung<lb/>
sei unakzeptabel. Auch die ÖMV hätte in diesem Jahr 3 1/2 Mrd. S Verlust<lb/>
aus der Raffinerie und hätte zur Dividendenzahlung für das Jahr 1980<lb/>
bereits eine Investitionssteuerrücklage auflösen müssen. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> machte<lb/>
dann den Vorschlag, erstens sollte das Handelsministerium sofort wieder<lb/>
die volle Preiskompetenz wahrnehmen, d.h. die Delegierung sofort zurück<lb break="no"/>nehmen, zweitens, wenn eine Preisregelung jetzt keine Lösung darstellt,<lb/>
möge der Preis frei werden, aber erst ab 15. September, dafür aber dann<lb/>
bis 31. Jänner bleiben. Über diesen Vorschlag gab es dann eine lange<lb/>
Diskussion, letzten Endes wurde<add>[er]</add> aber von GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> akzeptiert. Als die<lb/>
Ländervertreter glaubten, damit sei die endgültige Lösung gefunden und<lb/>
dieser Idee auch zustimmten, begann dann GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> seine ganzen Wenn und<lb/>
Aber im nachhinein zu deponieren. Vor allem wollte er von mir eine<lb/>
entsprechende Verwendungszusage, daß ich nicht nur diesen Vorschlag<lb/>
der Preiskommission unterbreiten werde, sondern auch in der Paritätischen<lb/>
Kommission mich einsetze, daß auch dort die gesamten Produkte der Mine<lb break="no"/>ralölwirtschaft, also die ganze Produktpalette freigegeben wird. Dies<lb/>
lehnte ich ganz kategorisch ab. Da die Länder sich dazu entschlossen,<lb/>
letzten Endes dem GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> zu erklären, sie würden seine Idee in der PK<lb/>
unterstützen, waren sie sehr verwundert, daß ich eine solche Verwendungs<lb break="no"/>zusage, ja nicht einmal eine wohlwollende Unterstützung bei der PK <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs><lb/>
zusicherte. Ich erklärte wieder und eindeutig, daß ich mich im Rahmen<lb/>
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schon gar nicht in Institutionen, die ihre eigene Politik machen. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs><lb/>
ersuchte dann um Unterbrechung der Sitzung, damit er seine in der ÖMV<lb/>
versammelten Ölpartner informieren konnte und um deren Zustimmung ersuch<lb break="no"/>te. Diese hat er dann bekommen, wodurch ein Akkord, Vorlage an die Preis<lb break="no"/>kommission, dieses <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs>-Vorschlages erzielt war.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band60_1981-07-27_05"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der in der Früh noch mir gegenüber den Wunsch geäußert hat,<lb/>
gegebenenfalls, falls ich ihn bräuchte, zur Sitzung zu kommen resp. mit<lb/>
der Ölwirtschaft eine Aussprache zu haben, wurde von mir über das Er<lb break="no"/>gebnis kurz nach Abschluß verständigt. Er war damit sehr einverstanden<lb/>
und meinte, dem wird auch der Gewerkschaftsbund zustimmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band60_1981-07-27_06">GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> äußerte mir gegenüber den Wunsch, mit Präs. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und mir<lb/>
über dieses Ergebnis zu sprechen. Bei einer Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, <rs type="person" ref="#per__97563">Hof<lb break="no"/>stetter</rs>, und diesmal war auch Sekretär <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> anwesend, erörterte ich<lb/>
diesen Kompromiß und erklärte, daß ich ihn auf alle Fälle der Preiskommis<lb break="no"/>sion vorlege. Dort wird dann darüber zu entscheiden sein. GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> argu<lb break="no"/>mentierte sehr geschickt, er hätte durch seinen Vorschlag sofort im<lb/>
August noch den Preis unverändert zu lassen, dem Wunsch des Präs. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
entsprochen, der bei einer Aussprache, die er vor einiger Zeit mit ihm<lb/>
hatte, verlangte, die Ölwirtschaft müsse jetzt den Preis unverändert<lb/>
lassen, damit niemand sozusagen das Gesicht verliert. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> gab dies zu,<lb/>
meinte nur, die Preisfreigabe bis Ende Jänner sei sehr lang, mein Gegen<lb break="no"/>argument war, daß dadurch der Finanzminister im Jänner eine Mineralöl<lb break="no"/>steuererhöhung vorbereiten resp. beschließen könne. Finanzminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> hat nämlich erklärt, wie <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> dort sofort sagte, daß er in die<lb break="no"/>sem Jahr keine Mineralölsteuer mehr erhöhen wird. Sekretär <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> war<lb/>
über diese Lösung sehr unglücklich. Er ist fest davon überzeugt, daß<lb/>
die Mineralölwirtschaft sehr starke Preiserhöhungen vornehmen wird, er<lb/>
befürchtet weiter, daß der Importpreis in Europa im September sehr stark<lb/>
zurückgehen wird und dann im Westen ein billigerer Benzin verkauft wird,<lb/>
als von der Raffinerie Schwechat im Osten abgegeben werden wird. Dies<lb/>
wäre ein West-Ost-Gefälle, aber im gegenteiligen Sinn, als derzeit dieses<lb/>
West-Ost-Gefälle z.B. bei Dieselkraftstoff besteht. GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> und der<lb/>
Gewerkschaftsbund haben meine dezidierte Erklärung zur Kenntnis genommen,<lb/>
daß ich unter gar keinen Umständen bereit bin, den Heizöl-extraleicht-<lb/>
Preis aufzuheben oder auch nur in absehbarer Zeit zu erhöhen. In diesem<lb/>
Fall hat <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, nachdem <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> zu den Ölmultis zur endgültigen Detail<lb break="no"/>besprechung fahren mußte, mir gegenüber erklärt, er befürchte, daß dann<lb/>
die Versorgung mit Heizöl extraleicht auf den Tankstellen im Winter ge<lb break="no"/>fährdet ist. Diese Meinung teile ich deshalb nicht, weil Heizöl extra<lb break="no"/><pb n="60-0954" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band60/60_1981-07-27_0954.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>leicht von der ÖMV als einziger Raffinerie eingefärbt wird und daher<lb/>
die notwendigen Mengen von der Raffinerie Schwechat auch immer zur Ver<lb break="no"/>fügung gestellt werden müßten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band60_1981-07-27_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte bereits jetzt alles vorkehren, damit die<lb/>
notwendigen Heizöl-extraleicht-Mengen immer zur Verfügung stehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band60_1981-07-27_08"><rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hat mir dann noch zugesichert, er wird mit der AK über deren Ver<lb break="no"/>halten in der Preiskommission ein Gespräch führen. Zusammenfassend<lb/>
stellte er nur fest, <rs type="person" ref="#per__97985">Stari</rs> lassen wir nicht im Stich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band60_1981-07-27_09">Da der Präsident <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> auf Urlaub ist und für mich nicht zu erreichen,<lb/>
habe ich dann noch Präs. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> von der Handelskammer als auch Präs.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> von der Landwirtschaftskammer über das Ergebnis informiert. Beide<lb/>
stimmten erleichtert dieser Lösung, die ja auch die Landeshauptleute<lb/>
einhellig gebilligt hatten, sehr gerne zu. Mit SC <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> habe ich dann<lb/>
die weitere Vorgangsweise und vor allem die rechtlich einwandfreie Vor<lb break="no"/>gangsweise festgelegt. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> hat sich in der Zwischenzeit auch die von<lb/>
Salzburg beabsichtigte Beschwerde an den Verwaltungs- resp. Verfassungs<lb break="no"/>gerichtshof angeschaut und festgestellt, daß diese Beschwerde vollkommen<lb/>
unzulänglich gewesen wäre. Die Juristen in Salzburg haben nicht einmal<lb/>
die Schwachstellen unserer Delegierung erkannt. Ihre Argumentation geht<lb/>
total daneben. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> als hervorragender Jurist hätte, wenn sie einge<lb break="no"/>bracht wird, ein Leichtes damit fertig zu werden. Ich bin aber überzeugt,<lb/>
daß die Verbindungsstelle der Bundesländer, die jetzt diese Frage weiter<lb/>
behandelt, durch die Ölpreisregelungslösung darauf verzichten wird. Dies<lb/>
ist vom rein rechtlichen Standpunkt für mich auch sehr zu bedauern, ich<lb/>
hätte eine diesbezügliche Klarstellung gerne von dem obersten Gericht<lb/>
gehabt, dies umso mehr, als SC <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> durch seine Stellungnahme wahr<lb break="no"/>scheinlich auch den Ausgang nicht nur beeinflußt hätte, sondern sicher<lb break="no"/>lich auch dann zu einem Ergebnis geführt hätte, was für uns günstig ge<lb break="no"/>wesen wäre.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band60_1981-07-27_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs> UND <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Wie glaubst Du, wird die Verbindungs<lb break="no"/>stelle entscheiden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band60_1981-07-27_11">Ein gewisser <rs type="person" ref="#per__133864">Popob</rs>, Leiter der internationalen Abteilung der sowj. Illu<lb break="no"/>strierten Ogonjok, wollte nicht nur eine Aussprache über die Wirtschafts<lb break="no"/>beziehungen zwischen Österreich und der SU, sondern auch über die gesamte<lb/>
politische Lage. Interessant für mich war, daß er ein wenig Deutsch konnte,<lb/>
<pb n="60-0955" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band60/60_1981-07-27_0955.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sehr gut Englisch und daher mit gar keinem Übersetzer erschienen ist.<lb/>
Off record Fragen über die Blockbildung in Europa und viele andere heiße<lb/>
Eisen zeigten ihn mir als nicht stur nach Schema F fragenden sowjetischen<lb/>
Redakteur. Schade, daß ich diese Diskussion in Englisch führen mußte, wo<lb/>
ich sehr gehandicapt bin. Detailinformationen hat er dann vom Redakteur<lb/>
<rs type="person" ref="#per__123301">Vecsei</rs> resp. Frau MR <rs type="person" ref="#per__131763">Pschorn</rs> bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band60_1981-07-27_12">Architekt <rs type="person" ref="#per__133865">Krawina</rs> von der Landstraße intervenierte bei mir wegen des<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133867">Hundertwasser</rs>-ÖKO-Hausbaues. Er setzt sich dafür nicht nur sehr ein,<lb/>
sondern ist auch überzeugt, daß damit ein neuer Karl-Marx-Hof in seiner<lb/>
Bedeutung entstehen wird. Er hat mit unserem Präsidiumsmitglied GR<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97892">Sallaberger</rs> bereits gesprochen. Wenn jetzt durch entsprechendes Streichen<lb/>
von notwendigen neuen Erkenntnissen wie Recycling, Energiesparmaßnahmen<lb/>
Tiefgarage usw. die Kosten gesenkt werden, dann entsteht nichts anderes<lb/>
als ein ordinärer Wohnungsbau, nur nach außen als Terneigri ??, wie<lb/>
er meinte, ein Potemkinsches Dorfprojekt. Wenn man die 80 Mio. nicht<lb/>
hat, dann soll man ganz einfach erklären, es müssen z.B. 12 % davon<lb/>
eingespart werden. Was er befürchtet, ist, daß die Gemeindeverwaltung<lb/>
eben wichtige Projekte, die in diesem Haus verwirklicht werden sollten,<lb/>
streicht. Stadtrat <rs type="person" ref="#per__114540">Hatzl</rs>, mit dem er darüber gesprochen hat, meinte, er<lb/>
brächte, wenn dieses ÖKÖ-Haus gebaut wird, die Unterstützung des Be<lb break="no"/>zirkes. Ich erklärte ihm, dieses Problem neuerdings bei einer Präsidiums-<lb/>
resp. Ausschußsitzung im Bezirk zur Sprache zu bringen. Meine prinzipi<lb break="no"/>elle Stellungnahme war seit jeher, daß es mit dem ÖKO-Haus vielleicht<lb/>
gelingt, ein Projekt wie seinerzeit das Looshaus im ersten Bezirk auch<lb/>
jetzt auf der Landstraße aufzuführen. Der international bekannte Maler<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133867">Hundertwasser</rs> ist davon überzeugt, daß sein Haus die größte baugeschicht<lb break="no"/>liche Bedeutung hat, wenn man so will, seit <rs type="person" ref="#per__61888">Loos</rs> um die Jahrhundertwende<lb/>
mit seinem Haus das Baugeschehen beeinflußte. Da ich dies nicht vorausse<lb break="no"/>hen kann, stehe und stand ich immer auf dem Standpunkt, man soll dieses<lb/>
Experiment machen, geht es daneben, dann ist halt eine Idee gescheitert,<lb/>
aber <choice><choice><sic>niemals</sic><corr>niemand</corr></choice></choice> soll der SPÖ-Landstraße und deren Funktionären vorwerfen<lb/>
können, sie hätten<add>[sie]</add> aus kleinlichen Überlegungen umgebracht. <rs type="person" ref="#per__133865">Krawina</rs><lb/>
war über diese Aussprache sehr erfreut.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band60_1981-07-27_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__126858">SCHWOIGER</rs>: Bitte beim nächsten Präsidium erinnern.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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