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            <title type="main">Donnerstag, der  7. Mai 1981</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_01">Donnerstag, 7. Mai 1981<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_02">In der Klubsitzung der sozialistischen Parlamentsfraktion, die wegen<lb/>
der AZ resp. der Neuen Zeit in Graz betreffend die <rs type="person" ref="#per__97641">Kohlmaier</rs>-<lb/>
Nennung einberufen wurde, berichtete Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>. Die ÖVP hatte<lb/>
gestern noch spät nachts im Klub über eine Stunde über den Aufmacher<lb/>
diskutiert und war sehr empört. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> hatte mit Bgm. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> eine<lb/>
Stellungnahme vorbereitet, wo festgehalten wird, daß das Zeugenverhal<lb break="no"/>ten <rs type="person" ref="#per__97641">Kohlmaiers</rs>, 5 Tage nach dem Mordanschlag sich nicht zu melden und<lb/>
erst durch einen anderen Zeugen ausgeforscht zu werden, unerklärlich<lb/>
ist, was immer für Motive es dafür gibt. Andererseits ist es aber eine<lb/>
selbstverständliche Pflicht, daß der Name eines Zeugen, ob einfacher<lb/>
Bürger oder Politiker, vertraulich zu behandeln ist und nicht genannt<lb/>
werden darf. Die Namensnennung ist durch die AZ und durch die Neue<lb/>
Zeit zu verurteilen. Darüber gab es dann eine lebhafte Diskussion.<lb/>
Die jüngeren Abgeordneten meinten, wenn ein sozialistischer Mandatar<lb/>
sich dies hätte zuschulden kommen lassen, die gesamte Presse über ihn<lb/>
hergefallen wäre. Da ich befürchtete, daß sich in dieser Stimmung noch<lb/>
womöglich der sozialistische Klub gegen eine so vernünftige Resolution<lb/>
aussprach, meldete ich mich, was eigentlich ganz selten vorkommt, auch<lb/>
zu Wort. Ich erklärte, emotionell dürfe man keine Politik machen.<lb/>
Man müsse immer alles nüchtern und real betrachten und überlegen. Jeder<lb/>
Zeuge hat das Recht auf absoluten Schutz der Anonymität. Wir sollten<lb/>
dem Vorschlag <rs type="person" ref="#per__97444">Fischers</rs> unbedingt zustimmen und nichts daran ändern.<lb/>
Nach mir meldete sich dann <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs>, <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs> und waren der<lb/>
selben Meinung. Zuletzt wurde dann die von <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> vorgeschlagene Re<lb break="no"/>solution beschlossen, mit einer einzigen Abänderung, daß anstelle des<lb/>
Wortes, die AZ und Neue Zeit wird verurteilt, für die Veröffentlichung<lb/>
das Wort bedauern eingesetzt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_03">Nach der Fragestunde gab es dann sofort eine Sitzungsunterbrechung.<lb/>
Die ÖVP verlangte in einer Präsidialsitzung sofort eine Debatte über<lb/>
diese Vorgangsweise, gleichzeitig wurden Pressekonferenzen von <rs type="person" ref="#per__97641">Kohl<lb break="no"/>maier</rs> auf der einen Seite und von Innenminister <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> auf der anderen<lb/>
Seite vorgesehen. Außerdem sollten Parteiengespräche nach Rückkehr<lb/>
des Bundeskanzlers über diese Vorgangsweise abgehalten werden. Klub<lb break="no"/>obmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> konterte sehr richtig, daß wenn man abends nach Rückkehr<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> Parteigespräche wünscht, man jetzt nicht eine parlamentarische<lb/>
Debatte abführen könne. Das Klima zwischen der ÖVP und der SPÖ war auf<lb/>
einem Tiefpunkt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_04">Die Sitzung wurde so spät wieder aufgenommen, daß die letzten 4 Punkte<lb/>
des Integrationsausschusses erst um 8 Uhr beendet wurden. Da ich wegen<lb/>
dieses Gesetzes auf der Regierungsbank sitzen mußte, konnte ich den<lb/>
Vortrag von BR <rs type="person" ref="#per__111708">Honegger</rs>, den er zur 60-Jahre-Schweizer-Handelskammer-<lb/>
Feier im Pallavicini hielt, nicht mehr hören. Peinlich für mich war es,<lb/>
weil ich dadurch nur, wenn auch etwas verspätet, zum Abendessen gekommen<lb/>
bin. Boshaft könnte man sagen, das Essen war ihm das Wichtigste.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_05">Der BMW-Austria-Vertreter Dr. <rs type="person" ref="#per__133067">Gachowitz</rs> intervenierte, daß BMW-Produkte,<lb/>
nachdem auch 40 % Zukauf aus Österreich getätigt wird, mehr in den<lb/>
Ministerien oder zumindest durch die Minister gefahren werden sollten.<lb/>
Ich erklärte ihm, daß ich mich nicht reinmische, welche Autos im Han<lb break="no"/>delsministerium angeschafft werden. Ich hatte seinerzeit auf Wunsch<lb/>
der deutschen BMW-Herren bei seiner Eröffnung in Salzburg darauf ange<lb break="no"/>sprochen, beim Innenminister interveniert und jetzt wurden sogar<lb/>
etliche BMW-Maschinen für die Polizei angeschafft. Dies wurde auch<lb/>
anerkannt. Dr. <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> schlug vor, wenn BMW irgendwelche Schreiben<lb/>
wünscht, dann könnten wir an österreichische Dienststellen jederzeit<lb/>
bestätigen, daß auch BMW eben für ihre Exporte nach Österreich 40 %<lb/>
Zulieferung österreichischer Produkte dafür abnimmt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: MR <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> soll mit BMW einen ähnlichen Kontakt<lb/>
versuchen, als er mit VW hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_07">Vizeaußenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__126517">Ossipow</rs> und der Handelsrat <rs type="person" ref="#per__113078">Nikolaenko</rs> kamen<lb/>
mit GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> von der ÖMV zu mir, bevor die offiziellen Verhandlungen<lb/>
bei der ÖMV begannen. Ich nutzte die Gelegenheit, bevor <rs type="person" ref="#per__126517">Ossipow</rs> noch<lb/>
seine Konzeption darlegen konnte und mir offiziell den Vertragsentwurf<lb/>
über ein entsprechendes Abkommen zwischen dem sowjetischen Außenhan<lb break="no"/>delsministerium und dem Handelsministerium in Österreich überreichen<lb/>
konnte, meine Auffassung darzulegen. Ich erklärte, daß GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> mir<lb/>
den Text dieses Abkommens gestern bereits übermittelte und ich Gelegen<lb break="no"/>heit hatte, ihn zu studieren. Mit dem ersten Vizeaußenhandelsminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> beim Besuch des Herrn Ministerpräsidenten <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> hätten wir<lb/>
vereinbart, daß die 3 Arbeitsgruppen zuerst ihre Verträge abschließen<lb/>
und dann erst ein Dachvertrag, wie dies auch vorher stets der Fall<lb/>
war, zwischen den beiden Ministern unterzeichnet wird. Gleichzeitig<lb/>
unterstrich ich neuerdings, daß Österreich nur im Rahmen des Europä<lb break="no"/>ischen Konsortiums verhandeln wird. <rs type="person" ref="#per__126517">Ossipow</rs> erwiderte, daß diesmal die<lb/>
Sowjets meinten, zuerst müsse ein Rahmenvertrag mit den Gasmengen und<lb/>
womöglich den Preisen, vor allem aber dem Kreditrahmen und deren Be<lb break="no"/><pb n="59-0590" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band59/59_1981-05-07_0590.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dingungen und, was das Wichtigste ist, mit der Verpflichtung Österreichs,<lb/>
daß diese Verträge eingehalten werden, die dann noch zu schließen wären,<lb/>
abgeschlossen werden müßten. Der Investitionsrahmen wäre 250 Mio. Rubel,<lb/>
105 Mio. gibt es jetzt bereits österreichische Angebote, der Rest ist<lb/>
in Ausarbeitung. Die Voest-Alpine könne dann ab Mitte der 80-er<lb/>
Jahre Rohre liefern, die sogar 500 bis 600 Mio. Rubel ausmachen. Auch<lb/>
die Gasmengen, deren Lieferbeginn wären darin zu nennen. Die größten<lb/>
Schwierigkeiten gibt es aber, wie <rs type="person" ref="#per__126517">Ossipow</rs> selbst zugibt, über die Kredit<lb break="no"/>frage. Die Kreditbedingungen müßten so schnell wir möglich abgeschlos<lb break="no"/>sen werden, wie dies auch mit Deutschland, Frankreich, Italien, Bel<lb break="no"/>gien und den Niederlanden geschehen soll. Auch Griechenland, die<lb/>
Schweiz und Spanien hätten Interesse an den Gaslieferungen. Ich stellte<lb/>
fest, daß Österreich keine politischen Schwierigkeiten wegen dieses<lb/>
Gasvertrages hat, zum Unterschied von anderen Ländern, daß aber die<lb/>
österreichischen Firmen Privatfirmen wären, weshalb das Handelsministe<lb break="no"/>rium oder ich persönlich gar keine Aufträge erteilen kann, daher auch<lb/>
keinerlei Verpflichtungen übernehmen könnte. Ich bin auch davon über<lb break="no"/>zeugt, daß der Gasvertrag zustande kommt, wie <rs type="person" ref="#per__126517">Ossipow</rs> ausführte, denn<lb/>
dafür gibt es tatsächlich das Käuferinteresse, im Westen auch dann, wenn<lb/>
politische Gruppen meinen, daß man von der SU weiter abhängig wird.<lb/>
Die SU hat große Gasvorräte und wird sie, weil letzten Endes auch die<lb/>
höchsten politischen Stellen in Europa sich dafür ausgesprochen haben,<lb/>
sicherlich auch dort positive Verhandlungsergebnisse bringen. Ich<lb/>
könnte mir nur vorstellen, daß man, wenn die Verträge Voest-Alpine<lb/>
wegen der Lieferung mit Prom Sirius Import<add>[?]</add>, ÖMV wegen der Gaslieferung<lb/>
mit Sojus-Gasexport und die österreichische Kontrollbank mit der<lb/>
sowjetischen Außenhandelsbank die Kreditbedingungen ausgehandelt hat,<lb/>
dann gleichzeitig auch mit diesen Verträgen der Dachvertrag unterzeich<lb break="no"/>net wird. <rs type="person" ref="#per__126517">Ossipow</rs> akzeptierte diese Vorgangsweise, ersuchte nur, daß<lb/>
jetzt bei der Eröffnung der Verhandlungen in der ÖMV auch ein Ministe<lb break="no"/>rialvertreter anwesend ist. Er ist mit so einer großen Delegation<lb/>
hier, daß sowohl alle drei Verträge gleichzeitig verhandelt werden<lb/>
können und auch der Vertragsentwurf, den er uns übergeben hat, den<lb/>
österreichischen Bedingungen und Verhältnissen angepaßt, besprochen<lb/>
werden sollte. Wir einigten uns dann, daß Frau MR <rs type="person" ref="#per__131763">Pschorn</rs> an der<lb/>
Eröffnungssitzung teilnehmen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_08">Zuletzt habe ich Herrn <rs type="person" ref="#per__126517">Ossipow</rs> noch ersucht, die von den Ungarn ge<lb break="no"/>wünschte Intervention, daß ein Teil der Gasleitung über Ungarn nach<lb/>
Österreich geführt werden sollte, zu überprüfen. <rs type="person" ref="#per__126517">Ossipow</rs> meinte, daß<lb/>
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Österreich gebracht werden könnten, wenn Österreich und Italien dem<lb/>
zustimmen. Für Frankreich und aber ganz besonders Deutschland wäre<lb/>
es ein Umweg, weshalb deren Mengen über CSSR geliefert werden. GD<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115018">Baranowski</rs> und GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> sollen dies aber noch im Detail verhandeln.<lb/>
Ich hatte ausdrücklich erklärt, daß die Entscheidung selbstverständlich<lb/>
von den Sowjets zu treffen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_09">Der Pressereferent der ÖFVW, <rs type="person" ref="#per__97559">Hofbauer</rs>, hat einen Österreichführer bei<lb/>
der Druckerei <rs type="person" ref="#per__123345">Peichär</rs> herausgebracht. Dieses sehr geschickt geschrie<lb break="no"/>bene Buch, mit etlichen schönen Bildern versehen, kostet 95 S. Da ein<lb/>
Prospekt bis 25 S kostet, habe ich darauf verwiesen, daß dies viel<lb break="no"/>leicht eine neue Art der ÖFVW werden könnte. Seit Jahren spreche ich<lb/>
mich dagegen aus, daß man die teuren Prospekte so gestaltet, daß sie<lb/>
trotzdem aber dann weggeschmissen werden. Da dieses Buch in ein<lb/>
halbes Dutzend von Sprachen übersetzt wird, kann es vielleicht wirk<lb break="no"/>lich auch für die Fremdenverkehrswerbung dienen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Laß Dir dann nach einiger Zeit berichten, wie<lb/>
dieses Buch geht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_11">Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> und der Außenhandelsfachmann <rs type="person" ref="#per__116015">Ertl</rs> versuchten SC <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs>,<lb/>
aber insbesondere MR <rs type="person" ref="#per__114500">Fischer</rs> klarzumachen, daß es dringendst notwen<lb break="no"/>dig sei, den Textileinfuhrschein von 4000 S auf 20.000 S zu erhöhen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> replizierte sehr richtig, daß es dann zweckmäßiger wäre, die<lb/>
ganze Einfuhrscheinregelung aufzugeben, die Großen nämlich, die<lb/>
nach Österreich italienische Textilien importieren, schwindeln nicht,<lb/>
Umgehungsimporte kommen nur von zwar großen italienischen Exporteuren<lb/>
zustande, die aber über Großspeditionen dann die Aufteilung in Öster<lb break="no"/>reich vornehmen, durch viele Kleine eben, vielleicht wirklich ohne<lb/>
daß sie es wissen, Umgehungsimporte tätigen. Das heißt, daß über die<lb/>
viele Anzahl von Textileinfuhrscheinen, im Jahr sind es 200.000, doch<lb/>
Fernostware mit italienischem Ursprungszeugnis eingeführt werden<lb/>
kann. Beschwerden, die bei italienischen Stellen selbst in Rom erho<lb break="no"/>ben werden, wurden bis jetzt überhaupt unbeantwortet gelassen. MR<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114500">Fischer</rs> schlug neuerdings vor, man sollte gegebenenfalls die Waren<lb break="no"/>palette ändern, in diesem Fall würden die 23 Sammelpositionen ent<lb break="no"/>sprechend nach längerer Zeit immer wieder teils aufgehoben und dann<lb/>
teils wieder unter Kontrolle genommen werden. Auch dagegen wehrt sich<lb/>
die Handelskammer. Was die Verzögerung bezüglich der Genehmigungen<lb/>
betrifft, so wird diese sofort genehmigt und dauert höchstens verein<lb break="no"/><pb n="59-0592" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band59/59_1981-05-07_0592.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>zelt einen Tag. Wenn Umgehungsimporte allerdings festgestellt werden<lb/>
sollen, dann wird genauer geprüft, in Deutschland dauert es aber nor<lb break="no"/>mal 2 Wochen und in Italien dauert es sogar bis zu 5 Wochen, wenn<lb/>
österreichische Textilien exportiert werden. Wir kamen dann auch noch<lb/>
auf die Frage der jetzt überhaupt vorgesehenen längeren Überprüfung<lb/>
von Einfuhranträgen als Retorsionsmaßnahme, die wir allerdings nicht<lb/>
so nennen, gegenüber Italien wegen der Änderung der Zollämter von<lb/>
<choice><choice><sic>Bedeva</sic><corr>Pontebba?</corr></choice></choice> resp. Udine nach Genua für Eisenexporte zu sprechen. Die Han<lb break="no"/>delskammer will und kann unser System nicht akzeptieren, obwohl dies<lb/>
für die österreichische Textilindustrie, aber auch für die Eisenindu<lb break="no"/>strie von essentieller Bedeutung ist. Zuletzt hat <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> mich unter<lb/>
vier Augen gefragt, ob ich sehr böse wäre, wenn er mir die Gremial<lb break="no"/>vorsteher der Importeure schicken würde. Ich war natürlich sofort<lb/>
damit einverstanden, weniger allerdings SC <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> und MR <rs type="person" ref="#per__114500">Fischer</rs>. Diese<lb/>
meinten, man hätte auch gleichzeitig ankündigen müssen, daß er die<lb/>
Textilindustrie mitschickt, die uns natürlich in dieser Frage 100 %-ig<lb/>
unterstützt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Wenn die Textilianer wünschen, dann entspre<lb break="no"/>chenden Termin geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_13">Die Eröffnung von der Schweizer Woche bei Gerngroß gab mir die Gele<lb break="no"/>genheit mit <rs type="person" ref="#per__111708">Honegger</rs> gleichzeitig auch bei Anwesenheit des APA-Ver<lb break="no"/>treters festzustellen, daß es keine bilateralen Probleme zwischen der<lb/>
Schweiz und Österreich gibt. Da beim letzten Besuch von <rs type="person" ref="#per__111708">Honegger</rs> in<lb/>
Wien er mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gesprochen hat und dort auch erwähnt wurde, es<lb/>
würden Schweizer in Österreich investieren, war ich direkt glücklich,<lb/>
als wenigstens einziges Beispiel, das mir bekannt ist, die Beteili<lb break="no"/>gung resp. Aufkauf des Schweizers von der Fa. Kneissl erwähnen zu<lb/>
können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Sind uns andere Schweizer Investitionen be<lb break="no"/>kannt?</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_15">In der Fraktion der Zentralvorstandsitzung der LUGA wurde zuerst über<lb/>
die finanzielle Unterstützung der AZ und insbesondere über die Idee,<lb/>
einen Fonds beim Gewerkschaftsbund zu gründen, von Zentralsekretär<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> berichtet. Die fraktionelle Arbeit muß finanziell besser abge<lb break="no"/>sichert werden, weshalb die Idee besteht, daß pro Mitglied jede Ge<lb break="no"/>werkschaft einen gewissen Beitrag zu leisten hat. Detailverhandlungen<lb/>
werden aber erst darüber mit dem Gewerkschaftsbund geführt. Ich be<lb break="no"/>richtete dann über die politische Situation, insbesondere natürlich<lb/>
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der Unmut über die verschiedensten Vorschläge z.B. in der Steuerfrage<lb/>
von Regierungsmitgliedern in der Öffentlichkeit zur Sprache. Unsere<lb/>
Genossen wünschen nicht eine differente Auffassung in den Spitzengre<lb break="no"/>mien, sondern womöglich eine zuerst abgesprochene, dann aber einheitlich<lb/>
vertretene Linie.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_16">In der Zentralvorstandssitzung berichtete ich über die wirtschafts- und<lb/>
sozialpolitischen Fragen. Die einzelnen Gruppen und deren Vertreter<lb/>
stellten dann, weil die Jahresfrist doch bald wieder abläuft, entspre<lb break="no"/>chende Anträge, daß die Löhne jetzt wieder erhöht werden sollten. Der<lb/>
Vorstand beschloß für eine Reihe von Gruppen wie Müller, Bäcker,<lb/>
Fleischer, Zuckerarbeiter, Kühlhausarbeiter die Lohnfreigabe. Der<lb/>
engültige Antrag an die Paritätische Kommission über den Gewerkschafts<lb break="no"/>bund wird aber erst vom Präsidium resp. von mir selbst mit Zentral<lb break="no"/>sekretär <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> durch entsprechendes Schreiben zu einem späteren Zeit<lb break="no"/>punkt an den Gewerkschaftsbund abgesendet. Da wir im Juni unseren Ge<lb break="no"/>werkschaftstag haben, entfällt die Zentralvorstandssitzung, weshalb<lb/>
diese Maßnahmen vorbeugend getroffen werden muß. Mein Vorschlag, ge<lb break="no"/>gebenenfalls am Ende des Gewerkschaftstages eine Vorstandssitzung<lb/>
einzuberufen, wurde zwar akzeptiert, aber nicht freudig aufgenommen.<lb/>
Am Ende des Gewerkschaftstages, diese Erfahrung habe ich und meistens<lb/>
ist dies dann sogar noch vor dem Mittagessen des letzten Tages wollen<lb/>
alle nach Hause fahren. In der Gewerkschaftsbewegung, ganz besonders<lb/>
auch bei den LUGA muß ich feststellen, daß im Laufe der Jahrzehnte eine<lb/>
wesentliche Änderung eingetreten ist. Früher war es ganz selbstver<lb break="no"/>ständlich, daß die Sitzungen, insbesondere aber auch die Gewerkschafts<lb break="no"/>tage am Wochenende durchgeführt wurden oder endeten, jetzt will auch<lb/>
in der Gewerkschaftsarbeit man im Prinzip am Freitag mittags späte<lb break="no"/>stens enden. Das Wochenende ist tatsächlich den mittleren Funktionären,<lb/>
von den kleineren ganz zu schweigen, heilig. Zum Glück ist die Gewerk<lb break="no"/>schaftsbewegung heute stark genug, daß sie für ihre Funktionäre, selbst<lb break="no"/>verständlich gegen Bezahlung der Unternehmer, ihre Aktivitäten alle<lb/>
während der Arbeitszeit abwickeln kann. Früher war dies wirklich ganz<lb/>
anders. Auch hier zeichnet sich klar und deutlich der Aufstieg einer<lb/>
Klasse ab.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_17">Das Präsidium der SPÖ-Landstraße beschäftigt sich mit der Unzufrieden<lb break="no"/>heit eines Teils, wahrscheinlich so des größeren Teils der Bezirks<lb break="no"/>räte über die Abwicklung der Bezirksratssitzungen und insbesondere<lb/>
auch der Vorbesprechungen dazu. Personalpolitische Probleme sind immer<lb/>
<pb n="59-0594" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band59/59_1981-05-07_0594.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>das Unangenehmste, sie anstehen zu lassen, ist aber eine falsche Poli<lb break="no"/>tik, die sich früher oder später rächt. Wir beschlossen daher eine<lb/>
eingehende und kritische Aussprache mit allen Bezirksräten und wahr<lb break="no"/>scheinlich auch deren Stellvertretern. Nur so kann vielleicht dieses<lb/>
nicht sehr gute Klima auf der Landstraße bereinigt werden. Ich fürchte,<lb/>
daß wir trotz größter Anstrengung bei der nächsten Wahl den Bezirks<lb break="no"/>vorsteher kaum werden halten können. Dies dürften auch andere spüren,<lb/>
weshalb die alten Genossen darüber sehr unglücklich sind, weil sie<lb/>
sich einen nicht-sozialistischen Bezirksvorsteher nicht vorstellen<lb/>
können und wollen, die jüngeren Genossen sind davon fest überzeugt,<lb/>
durch entsprechende Änderungen könne man dies vielleicht verhindern.<lb/>
Daß wir uns alle trotz meiner pessimistischen Prognosen anstrengen<lb/>
werden, ist selbstverständlich. Viele denken, daß wenn wir im Bezirk<lb/>
entsprechende zusätzliche Aktivität entwickeln, dann könnte ein Be<lb break="no"/>zirksergebnis vom Wiener Trend wesentlich abweichen. Hier glaube ich<lb/>
aber, irren sie leider. Während es in Bundesländern selbstverständlich<lb/>
ist, daß ein Gemeindeergebnis bei einer Gemeinderatswahl ganz anders<lb/>
sein kann als wie der Landestrend, habe ich dies oder kann man dies in<lb/>
Wien zwischen Bezirksvorsteher, wenn man so will, Gemeindeebene und<lb/>
Land, sprich Gemeinderatswahl, nicht feststellen oder höchstens marginal.<lb/>
Genauere Untersuchungen darüber hat es ja noch nie gegeben, zuminde<lb break="no"/>stens sind sie mir nicht bekannt. Ich glaube auch, daß diese gleich<lb break="no"/>laufende Bewegung eindeutig und das Wahlsystem und vor allem aber durch<lb/>
die doch zentralistische Führung und Organisation der Gemeinde und<lb/>
der politischen Parteien in Wien dies bedingt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-05-07_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Erkundige Dich, ob es Meinungsumfragen und Erhe<lb break="no"/>bungen bezüglich Land Wien und Bezirke Wiens gibt.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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