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            <title type="main">Donnerstag, der  9. April 1981</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_01">Donnerstag, 9. April 1981<lb/>
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zur Vöest nach Linz zu fahren, wodurch ich die Ehre hatte <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> vom<lb/>
Hotel abzuholen, mit seinem gepanzerten Mercedes bis zum Westbahnhof<lb/>
zu fahren, dann im Salonwagen 5 Minuten bis Hütteldorf unverbindlich<lb/>
plaudern zu können, bis er sich sofort dann in sein Abteil zurückzog,<lb/>
um dort zu arbeiten, wie der sowjetische Botschafter sagt, wahrschein<lb break="no"/>lich aber, um sich auszuruhen. Sofort wurde von der sowjetischen Seite<lb/>
die Nächsthöheren, nämlich der Botschafter, der Vizeaußenhandelsmi<lb break="no"/>nister und der Vizepräsident von Gosplan und der sowjetische Handels<lb break="no"/>rat, mobilisiert, um Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__110169">Nußbaumer</rs> und mir Gesellschaft zu<lb/>
leisten. Das Bundeskanzleramtprotokoll, MR <rs type="person" ref="#per__132712">Nigisch</rs>, hatte diesmal aus<lb break="no"/>nahmsweise sofort funktioniert und den österreichischen Botschafter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114156">Hinteregger</rs> ebenfalls in diese Runde gesendet. Jetzt entwickelte sich<lb/>
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ebenfalls als Sozialdemokraten eine gewisse marxistische Grundlage ha<lb break="no"/>ben, dies bestritt ich gar nicht, die materialistische Geschichtsauf<lb break="no"/>fassung, die Konzentrationstheorie und anderes, auch von <rs type="person" ref="#per__123197">Lenin</rs>, ließ<lb/>
ich immer gelten, die Verelendungstheorie, erklärte ich gleich rundweg,<lb/>
stimmt bei den europäischen und amerikanischen Gewerkschaften<add>[, die]</add> eine<lb/>
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haben die Russen dann darauf verwiesen, daß wenn die Sowjetunion nicht<lb/>
existieren würde, der Kapitalismus andere Formen entwickelt hätte,<lb/>
härter wäre und sicherlich den Gewerkschaftsforderungen nicht so nach<lb break="no"/>giebig sich zeigen würde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_03">Ich habe diese Diskussion entsprechend aufgelockert, indem ich anhand<lb/>
meiner Geschichte, Student, dann wegen politischer Tätigkeit relegiert,<lb/>
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ausbeutet, wurde zwar schmunzelnd zur Kenntnis genommen, aber zum Unter<lb break="no"/>schied zu den Polen, teilweise Tschechen und Ungarn sind die Russen auch<lb/>
in dieser Frage nur ganz wenig zu spaßen bereit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_04"><rs type="person" ref="#per__114156">Hinteregger</rs> wieder hatte mit dem Übersetzer von <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs>, der ein unge<lb break="no"/>heuer politisch geschulter Sowjetrusse ist, über die außenpolitische,<lb/>
insbesondere die Spannung zwischen SU und Amerika, von sowjetischer<lb/>
Seite der Angriff Amerikas auf die Sowjetunion diskutiert. Hier konnte<lb/>
ich aber feststellen, daß sich diese Diskussion in so einer<lb/>
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zu erwarten ist, da <choice><choice><sic>das</sic><corr>damit</corr></choice></choice> nicht einmal die Voraussetzungen für eine<lb/>
objektive Diskussion gegeben sind. Interessant für mich war nur, daß<lb/>
mir gegenüber dann versucht wurde, in Polen wollte die Sowjetunion<lb/>
und wird die Sowjetunion unter gar keinen Umständen eingreifen. Die<lb/>
Polen müssen sich ihr Problem selbst lösen, wichtig wäre, daß sie mit<lb/>
der Produktion jetzt endlich beginnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_05">Die wirtschaftlichen Probleme, insbesondere weitere Kohlenlieferungen aus<lb/>
der SU, wurden einige Male von mir aber auch von GD <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> bei sei<lb break="no"/>ner offiziellen Ansprache erwähnt. <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> hat bei der Erklärung der<lb/>
Vöest darauf verwiesen, daß seit 25 Jahren die SU 750.000 t Kokskohle<lb/>
geliefert hat und daß sie jetzt keine Tonne beziehen können. Ich wieder<lb/>
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die in dieser Rede enthalten sind, operiert, was die Russen sehr be<lb break="no"/>eindruckt hat, um eine eventuelle Möglichkeit von Kohlelieferungen zu<lb/>
beweisen. Der sowjetische Botschafter <rs type="person" ref="#per__114403">Jefremow</rs> meinte, dieses Buch und<lb/>
die Reden seien auch für einen Österreicher von größter Wichtigkeit.<lb/>
Ich bestätigte dies sofort und habe eben die Argumente daraus, die uns<lb/>
helfen konnten, stets erwähnt. Außenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> meinte,<lb/>
alle diese Reden seien von Bedeutung, aber er müsse feststellen, daß<lb/>
ich sie in diesem Fall für mich geschickt nützte, um Argumente zu fin<lb break="no"/>den, damit die Sowjets doch unseren Forderungen nachkommen. Dies bezog<lb/>
er insbesondere auf die zusätzlichen Gasmengen, die ich aus der SU<lb/>
immer wieder ansprach. Da sich bei der Rückfahrt mit <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> genau<lb/>
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hatte ich dann knapp vor dem Aussteigen, zufälligerweise in Hütteldorf,<lb/>
also meinem Heimatgrätzl, <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> in Anwesenheit von <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> zu ersu<lb break="no"/>chen, daß wir dieses Kohleproblem doch in der Gemischten Kommission<lb/>
weiterbesprechen können, wobei ich erwarte, daß es, wenn auch heuer<lb/>
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Vöest geben sollte. <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> erklärte, dies sei nicht möglich, weil<add>[für]</add><lb/>
die sibirische Kohle, die nach Westeuropa transportiert<add>[wird,]</add> für 1 t Kohle<lb/>
3 t Öl aufgewendet werden müsse und der Transport zu teuer kommt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114156">Hinteregger</rs> hat dann bemerkt, wie auf russisch <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> beauf<lb break="no"/>tragte zu untersuchen, ob nicht eine Möglichkeit besteht, über Sibirien,<lb/>
Wladiwostok, die Kohle zu verschiffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_06">Während unserer Anwesenheit hat die Vöest mit Promsiriusimport<add>[?]</add> ein<lb/>
Röhrengeschäft für 14 Mrd. S, 800.000 Röhren abgeschlossen, beginnend<lb/>
mit dem Jahre 83. <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> hatte aber <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs>, aus welchen Gründen<lb/>
weiß ich nicht, erklärt, bereits im 82-er Jahr würden die Lieferungen<lb/>
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1 Mrd. S in Krieglach investiert werden muß. Die Schneidwerkzeuge kommen<lb/>
teils aus Frankreich, andere Anlagen aus Italien und vor allem auch<lb/>
Teile von der Firma Heid. <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> hat bei der Betriebsbesichtigung<lb/>
im Auto mit GD <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> und mir und dem Produktionsdirektor <rs type="person" ref="#per__132713">Fegerl</rs><lb/>
festgestellt, diese Rohre, ceasings<add>[?]</add>, die sie für die Ölgewinnung<lb/>
dringendst brauchen, sollten so schnell als möglich geliefert werden.<lb/>
Den Hinweis von <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs>, daß jetzt ja der Vertrag unterschrieben<lb/>
wurde und die Lieferung mit 1.1.83 festgelegt wurde, mußte auch na<lb break="no"/>türlich auch <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> zur Kenntnis nehmen, verwies aber sofort darauf,<lb/>
daß <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> noch etwas zu hören bekommen wird. Dies veranlaßte mich<lb/>
sofort mit <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> und dem Produktionsdirektor aus Krieglach zu reden,<lb/>
damit unter allen Umständen bereits im Jahre 82, und selbst wenn es<lb/>
auch erst im Dezember ist, mit den Röhrenlieferungen begonnen werden<lb/>
sollte. Beide versprachen, alles zu unternehmen, um so schnell als<lb/>
möglich in die Produktion gehen zu können. Dies teilte ich dann voll<lb/>
Stolz dem Ministerpräsidenten und dem Außenhandelsminister mit. Letzte<lb break="no"/>rer war darüber sehr erfreut, meinte allerdings, man müsse bereits im<lb/>
zweiten Halbjahr 82 mit den Lieferungen beginnen, was vollkommen un<lb break="no"/>möglich ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_07">Die Sowjets haben auch großes Interesse mehr Autobleche, wie bei der<lb/>
Besichtigung der Kaltwalzanlage von <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> festgestellt wurde, zu<lb/>
beziehen. Am interessantesten aber war, daß die Sowjets jetzt große<lb/>
Ölfelder, allerdings vermischt mit 21 % Schwefelwasserstoff und Stick<lb break="no"/>stoffen, also sehr aggressive Öl- und Gasbeimengungen, fördern möchten.<lb/>
Zu diesem Zweck brauchen sie jetzt widerstandsfähige Rohre, die eigent<lb break="no"/>lich aus Edelstahl gefertigt werden müßten. Ich habe sofort daran<lb/>
gedacht und dies dann auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sofort gesagt, ob nicht für die VEW<lb/>
eine gewisse Möglichkeit dafür besteht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Mit einem Vorstandsdirektor der Edelstahlwerke<lb/>
sofort verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_09">Natürlich nützte ich auch die Gelegenheit, um wegen der Fa. Ochsner zu<lb/>
intervenieren. Der für den Einkauf zuständige Dr. <rs type="person" ref="#per__132714">Strahammer</rs> versprach<lb/>
mir mit <rs type="person" ref="#per__132709">Ochsner</rs> sofort die Gespräche aufzunehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte auch mit <rs type="person" ref="#per__132709">Ochsner</rs> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_11">In Mauthausen legte <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> beim allgemeinen Mahnmal, dann bei dem<lb/>
sowjetischen General, der an die Mauer gekettet in einer Winternacht<lb/>
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bei den 10.000 ermordeten sowjetischen Soldaten Kränze nieder.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> war eigentlich, wie er sagt, am meisten erschüttert, daß es<lb/>
ein System gegeben hat, wo ganz systematisch Völker ausgerottet werden<lb/>
sollten. Daß so etwas überhaupt möglich ist, war ihm unerklärlich,<lb/>
für mich, der ich das sogar selbst mitgemacht habe, weniger. Die beste<lb/>
Beschreibung dafür gibt es in <rs type="person" ref="#per__132715">Kogon</rs>, SS-Staat, ein deutscher Professor,<lb/>
der mit mir in Buchenwald diese Zeit mitmachte und darüber am besten<lb/>
analysierend und beschreibend berichtet hat. <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> meinte, nicht die<lb/>
SS sei das interessanteste, sondern die Ideologie, die in Deutschland<lb/>
damals bestanden hat. Die SS sei ja nur ein Instrument der Durchführung<lb/>
gewesen. <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> machte keinerlei Bezug auf die Gegenwart, aber auch<lb/>
nicht auf Zustände, wie sie teils auch in der Sowjetunion unter <rs type="person" ref="#per__112987">Stalin</rs><lb/>
bestanden haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_12">Der ganze Tag war für mich vielleicht, was die Begleitung betrifft,<lb/>
deshalb am wertvollsten, weil in den Protokollfragen die Sowjets peni<lb break="no"/>bel sind, besonders registrieren, wer wo teilnimmt, und die freie Aus<lb break="no"/>sprache mit den Russen im Salonwagen für mich interessante Erkenntnisse<lb/>
gegeben hat, wahrscheinlich ist es mir sogar geglückt, die Meinung we<lb break="no"/>gen gewünschten Österreichlieferungen einigermaßen aufzulockern. Wie<lb/>
die Sowjets untereinander hart diskutieren, wenn es darum geht, Proble<lb break="no"/>me zu besprechen, zeigte sich mir, als auf der einen Seite der sowje<lb break="no"/>tische Botschafter und Handelsrat, auf der anderen Seite der Vizeaußen<lb break="no"/>handelsminister und Gosplanvizepräsident hart darüber diskutierten,<lb/>
welche Maßnahmen in Österreich z.B. zur Erhöhung der Exporte ergriffen<lb/>
werden sollten. <rs type="person" ref="#per__114403">Jefremow</rs> und <rs type="person" ref="#per__113078">Nikolaenko</rs> verlangten nämlich, wenn die<lb/>
Sowjets mehr Autos nach Österreich transportieren, wollen sie auch hier<lb/>
eine Servicestelle errichten. <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> wieder sagte, diese beiden er<lb break="no"/>zählen ihm immer, wie mehr österreichische Waren in die Sowjetunion<lb/>
geliefert werden können, aber nicht umgekehrt. Dem Gosplan wieder waren<lb/>
die Schiffe, die die Korneuburger liefern, zu teuer. <rs type="person" ref="#per__114403">Jefremow</rs> erklärte<lb/>
ihnen, daß wenn die Sowjets nicht so gut ausgestattete Schiffe von<lb/>
Österreich beziehen und auf der Donau einsetzen, dann das zahlungs<lb break="no"/>kräftige Publikum nicht bereit ist, darauf zu fahren und dort dann<lb/>
noch zusätzlich viele Westdevisen zu lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_13">Die heftigste Diskussion, allerdings nicht gegen mich, sondern immer<lb/>
nur wieder in Fragen, drehte sich um die Pressefreiheit. Anhand des<lb/>
Kuriers konnte ich ihnen, alle Artikel beschreibend und analysierend,<lb/>
nachweisen, daß bei uns verhältnismäßig wenig Positives über die Re<lb break="no"/><pb n="59-0498" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band59/59_1981-04-09_0498.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gierungstätigkeit gedruckt wird. Dasselbe gilt sicherlich auch vom<lb/>
Ergebnis dieses Staatsbesuches. <rs type="person" ref="#per__114403">Jefremow</rs> meinte, er hätte gute Bezie<lb break="no"/>hungen zur Presse und diese würden entsprechend informieren, wenn ein<lb/>
großes Kommunique des Handelsministeriums rauskäme. 14 Mrd. Röhren<lb break="no"/>geschäft, 400 Mio. Konsumgüter, die jetzt alle unterzeichnet wurden,<lb/>
müßten doch zu Schlagzeilen in allen Zeitungen führen. Ich versprach,<lb/>
daß wir ein solches Kommunique rausgeben und beim Montagpressegespräch<lb/>
berichten lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109808">ALBRECHT</rs>: Dieses Pressekommunique am Montag kommentieren<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_15">OeNB-GD <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> hatte in sein Institut eine größere Anzahl von Unterneh<lb break="no"/>mern, aber auch Industriellenvereinigung, Wirtschaftsforschung, Bundes<lb break="no"/>kammer usw. geladen, um über die Leistungsbilanzprobleme zu sprechen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> hatte vor mir seine Konzeption dargelegt, der Sukkus, wie ich<lb/>
aus den Unterlagen entnehmen konnte, die Strukturverbesserung ist die<lb/>
beste Leistungsbilanzverbesserung. Nachher hat Dir. <rs type="person" ref="#per__97873">Rieger</rs> ebenfalls<lb/>
allgemein gehaltene Thesen vertreten, als einzige Ziffer verwies er dar<lb break="no"/>auf, daß vom November bis Februar im Vorjahr das Leistungsbilanzdefi<lb break="no"/>zit 14 Mrd. betragen hat, diesmal sind es 4 Mrd. Diese wesentliche Ver<lb break="no"/>besserung habe ich dann analysiert. Fremdenverkehrssteigerungen, geringer<lb/>
Energieverbrauch und sonstige handelspolitische Maßnahmen wie Steige<lb break="no"/>rung der Autozulieferungen auf über 5 Mrd. S, um nur einige zu nennen,<lb/>
haben dazu beigetragen. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> meinte, all dies möge von Bedeutung sein,<lb/>
entscheidend aber ist, daß wenn es der OeNB durch eine Verringerung des<lb/>
Leistungsbilanzdefizits gut geht, geht es in Wirklichkeit der<lb/>
Wirtschaft schlecht. Er führt die Reduktion des Leistungsbilanzdefi<lb break="no"/>zits hauptsächlich auf die Rezession in der Welt und auch natürlich<lb/>
übergreifend auf Österreich zurück. Dieses Argument hat sicherlich auch<lb/>
etwas Richtiges, ist aber, so wie immer, keine alleinige Erklärung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_16">In der Diskussion meldeten sich dann etliche Unternehmer, die aber von<lb/>
ihrem betriebswirtschaftlichen Standpunkt ihre spezifischen Sorgen<lb/>
darlegten. Interessant war nur, daß Dr. <rs type="person" ref="#per__126565">Rathauscher</rs> von den Planseewerken<lb/>
in Tirol vorschlug, man sollte Vorkehrungen treffen, damit die Einkäufer<lb/>
nicht nur von der öffentlichen Hand, sondern auch in der Wirtschaft, ganz<lb/>
besonders in der Industrie verhalten werden, nur österreichische Waren<lb/>
zu kaufen, wenn eine solche Möglichkeit besteht. Mein Hinweis, daß wir<lb/>
zu diesem Zweck eine eigene ARGE im Handelsministerium eingesetzt haben,<lb/>
um insbesondere bei öffentlichen Aufträgen zu versuchen, diese in<lb/>
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Aus der Diskussion dort habe ich entnommen, daß man in Industriekreisen<lb/>
gar nicht diese Möglichkeit kennt. Leider können wir ja über diese<lb/>
Arbeitsgruppe nicht allzu viel publizieren, denn EFTA und GATT würden<lb/>
darin sofort eine Diskriminierung anderer Länder sehen, insbesondere<lb/>
von der EG müßten wir dann womöglich Retorsionsmaßnahmen erwarten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_17">Dir. <rs type="person" ref="#per__132713">Fegerl</rs> von der Vöest wurde von seinen Leuten informiert, daß ich<lb/>
nicht bereit sei bei den Italienern zu intervenieren, damit die Zoll<lb break="no"/>ämter wiedereröffnet werden, die für die Vöest-Alpine-Produktliefe<lb break="no"/>rung von größter Bedeutung sind. Jetzt muß die Vöest ungeheure Umwege<lb/>
in Italien fahren und erleidet dadurch im Jahr 8 Mio. S Transportver<lb break="no"/>luste. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> sofort erklärt, daß die wichtigste Voraussetzung<lb/>
wäre, zu erkunden, wer in Rom dafür zuständig ist und wie man an diesen<lb/>
Mann am besten herankommt. Die Überreichung einer Protestnote an den<lb/>
italienischen Botschafter könne vielleicht auch dazu beitragen, bringe<lb/>
aber keinerlei positives Ergebnis. Wenn wir den Italiener gefunden<lb/>
haben, der nicht nur dafür zuständig ist, sondern auch den größten<lb/>
Widerstand dagegen leistet, angeblich der italienische Industrieminister,<lb/>
der für die Verstaatlichte zuständig ist, dann wäre ich bereit, mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> kurzfristig nach Rom zu fliegen, um dort entsprechend dagegen<lb/>
zu protestieren. <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> und <rs type="person" ref="#per__132713">Fegerl</rs> werden sich dies Ganze überlegen.<lb/>
Ich erklärte, daß ich mir eine genaue Information geben lasse.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Die Außenhandelssektion soll diese sofort in<lb/>
Angriff nehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-04-09_19">Die Fledermausaufführung in der Volksoper war verhältnismäßig ganz<lb/>
gut, das Staatsopernballett hat entsprechend mitgewirkt, <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> ist<lb/>
nach dem zweiten Akt weggegangen. Mich hat aber beeindruckt, daß die<lb/>
Russen eigentlich über diese Operette verhältnismäßig sehr gut infor<lb break="no"/>miert waren. <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> erklärte mir, er hätte einen russischen Film Die<lb/>
Fledermaus gesehen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte seine Hausherrenpflicht an die Mi<lb break="no"/>nister <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> übertragen. <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> entschuldigte sein vorzeitiges<lb/>
Verlassen der Vorstellung, weil er morgen einen schweren Tag vor sich<lb/>
hat, er muß im Fernsehen ein Statement abgeben und dann Verträge unter<lb break="no"/>zeichnen. Im dritten Akt versäumte er wirklich nichts. Selbst für einen<lb/>
Wiener waren die Pointen sehr schwach, zumindestens in hatte den Ein<lb break="no"/>druck, daß <rs type="person" ref="#per__114989">Conrads</rs> nicht improvisieren darf oder kann und deshalb eigent<lb break="no"/>lich einstudierte, schon bereits auf ihn bezogene Pointen lieferte.<lb/>
Ich würde den Schauspielern als Regisseur volle Improvisationsfreiheit<lb/>
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Russen allerdings haben weder die eine noch die anderen verstanden.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 9.4.1981</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Tichonow, Nikolai A.</persName>
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               <occupation>sowj. Regierungschef ab 1980</occupation>
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               <persName type="label">Ratauscher, A</persName>
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               <occupation>Dir. Fa. Plansee, Reutte (Tirol); Falschschreibung?</occupation>
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               <persName type="label">Conrads, Heinz</persName>
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               <occupation>ORF-Entertainer</occupation>
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               <persName type="label">Apfalter, Heribert</persName>
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               <occupation>GD VÖEST</occupation>
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               <persName type="label">Firnberg, Hertha</persName>
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               <occupation>Wissenschaftsministerin</occupation>
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               <occupation>Beamter Protokoll BKA</occupation>
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               <occupation>Produktionsdir. VÖEST, ÖVP</occupation>
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               <occupation>Maschinenfabrik Linz</occupation>
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