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            <title type="main">Dienstag, der 24. März 1981</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_01">Dienstag, 24. März 1981<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_02">Nach der gestrigen Fraktionssitzung der LUGA, die den ganzen Tag<lb/>
dauerte und wo auch alle Wahlvorschläge und Anträge besprochen wurden,<lb/>
begann heute die offizielle Gesamtvorstandssitzung. Die Zweiteilung<lb/>
mit den Zentralsekretär <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs>, ich bringe die Wirtschafts- u. Sozial<lb break="no"/>berichte her, mach dann die personellen und Antragsvorschläge, hat<lb/>
sich gut bewährt. Vormittag diskutierten wir über die Wirtschafts<lb break="no"/>lage. Interessant war dabei, daß wir über die Arbeitsmarktsituation,<lb/>
zur Jugendarbeitslosigkeit, die wir Gott sei Dank nicht haben, dann<lb/>
in eine sehr lange und ausführliche Jugenddebatte kamen. Daran be<lb break="no"/>teiligten sich insbes. unsere ehemaligen Jugendsekretäre <rs type="person" ref="#per__131971">Demel</rs>,<lb/>
jetzt für die Süßwarenarbeiter zuständig, und <rs type="person" ref="#per__116991">Göbl</rs>, jetzt Zentralse<lb break="no"/>kretärstellvertreter. Übereinstimmend wurde festgestellt, daß man<lb/>
sich viel mehr um die Jugend kümmern müßte, daß sie mehr Freiraum<lb/>
bräuchte, die entscheidende positive Diskussion ergab sich aber<lb/>
primär daraus, daß es mir gelang, die Kolleginnen und Kollegen<lb/>
davon zu überzeugen, sie sollten doch ein bißchen nachdenken, wie sie,<lb/>
als sie jung waren, jeder war in seiner Jugend gegen die Alten einge<lb break="no"/>stellt, jeder hatte damals die Absicht, es wesentlich anders zu ma<lb break="no"/>chen als seine Eltern, jeder war mit der Umgebung, mit der Gesell<lb break="no"/>schaft unzufrieden und wollte sie ändern. Jeder war sogar, wie zuge<lb break="no"/>geben wurde, ein bißchen Anarchist und Revolutionär oder, wie ich es<lb/>
immer sage, ist links gestanden. Wer in der Jugend nicht links war,<lb/>
war nicht jung. Wer im Alter dann noch immer links steht, hat nicht<lb/>
dazugelernt, wurde aufgrund der Entwicklung, die letzten Endes alle<lb/>
mitgemacht haben, von allen bestätigt. Übereinstimmend wurde auch<lb/>
festgehalten, daß die Jugend ein Erfolgserlebnis braucht, weshalb<lb/>
viele Demonstrationen<add>[als]</add> Aktionen der unorganisierten Jugend zu<lb/>
verstehen sind. Eindeutig festgehalten wurde auch, daß die organi<lb break="no"/>sierte Jugend immer einen geringeren Anteil der Jugend erfaßt, weil<lb/>
es in den Jugendorganisationen, ob kath. Jugend, Gewerkschaftsjugend<lb/>
oder parteipolitische Jugend, nur einen verschwindenden Einsatz, der<lb/>
immer kleiner wird, die Jugendlichen erfaßt. Jugendobmann ist derzeit<lb/>
aus der Soz. Akademie, der Jugendsekretär krank, beide haben also<lb/>
ein großes Erfolgserlebnis versäumt. Immer wären sie glücklich ge<lb break="no"/>wesen, hätte sich der Gesamtvorstand mit solcher Gründlichkeit und<lb/>
so lange mit Jugendproblemen beschäftigt. Jetzt, wo er dies tut, waren<lb/>
sie leider abwesend.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_03">Über die Wirtschafts- u. Gewerkschaftsfragen gab es die übliche Dis<lb break="no"/><pb n="59-0408" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band59/59_1981-03-24_0408-04-D.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>kussion, nur durch die Möglichkeit der dreitägigen Gesamtvorstands<lb break="no"/>sitzung eben entsprechend länger und intensiver.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_04">Überraschend für mich ist, ob <rs type="person" ref="#per__97411">Effenberger</rs> mit drei seiner Kollegen<lb/>
kommt, um sich bei mir für den Einsatz für den ARBÖ zu bedanken. Als<lb/>
Gag und wirklich gute Geschenke hat er mir Leiberln mit Aufdruck "Wan<lb break="no"/>derbarer <rs type="person" ref="#per__97985">Stari</rs>", das "a" oder das "u" kann man streichen, dann heißt<lb/>
es eben wanderbarer oder wunderbarer <rs type="person" ref="#per__97985">Stari</rs>, mit dem ASKÖ-Emblem.<lb/>
Da ich ja bei jeder Gelegenheit diesen ASKÖ mittrage und damit auch<lb/>
im Ausland Propaganda für den ASKÖ mache, meinten die Kollegen,<lb/>
müßten sie sich jetzt einmal bei mir persönlich bedanken. Dies wäre<lb/>
sicherlich nicht möglich gewesen, gefreut hats mich aber sehr. Ich<lb/>
bin eigentlich jetzt in den letzten Jahren draufgekommen, daß mich am<lb/>
meisten kleine Geschenke, zu irgendeinem persönlichen Bezug herge<lb break="no"/>stellt, über die man auch nachdenken muß, am meisten freuen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_05">Verkehrsminister <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> teilt mir mit, daß er jetzt mit Siemens<lb/>
und Northern Telecom konkrete Verhandlungen führen möchte und<lb/>
daß unbedingt ein Vertreter des Handelsministeriums dabei sein müßte.<lb/>
Ich nominiere sofort SC <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_06">ANMERKUNG FÜR SC <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte mich ständig auch über<lb/>
jede Details informieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_07">AK-Präs. von NÖ <rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs> hat mit dem LH von NÖ <rs type="person" ref="#per__97703">Ludwig</rs> vereinbart, daß<lb/>
für die Fa. Zizala eine Auffanggesellschaft unbedingt gegründet<lb/>
werden muß. Die Besitzer von Zizala haben die Liquidation der Firma<lb/>
vorgeschlagen. <rs type="person" ref="#per__97703">Ludwig</rs> hat mit dem neuen Generaldirektor der Landes<lb break="no"/>hypothekenanstalt <rs type="person" ref="#per__131972">Ulrich</rs> gesprochen und dieser soll jetzt mit der<lb/>
Zentralsparkasse in Wien eine Lösung auch finanziell überarbeiten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs> ersuchte mich, daß ich mit <rs type="person" ref="#per__98028">Vak</rs>, den er persönlich nicht kennt,<lb/>
entsprechende Gespräche führe. Ein Telefonanruf ergab dann, daß<lb/>
die Z den größten Kredit gegeben hat. Dieser ist aber durch Landes<lb break="no"/>bürgschaften abgesichert. Die Fa. Zizala dürfte heute 30 bis 40 Mio.<lb/>
S bei drei Banken ausständig haben. Da das Land dafür haftet, muß<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97703">Ludwig</rs> jetzt versuchen, über die Landeshypothekenanstalt eine Lösung<lb/>
zu erzielen, ohne daß die Garantien fällig werden, ansonsten müßte<lb/>
das Land bezahlen. <rs type="person" ref="#per__98028">Vak</rs> erklärte sich prinzipiell bereit, mit <rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs><lb/>
darüber zu verhandeln und bei einer Lösung selbstverständlich mitzu<lb break="no"/>wirken.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_08">VW-Einkäufer <rs type="person" ref="#per__123317">Matousek</rs> hat mir dann berichtet, er hätte unverzüglich<lb/>
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Siemens-Tochter das große Sagen hat, da dieser großes Interesse<lb/>
an der Firma zeigte. Darüber hinaus denkt er an ein deutschen Unter<lb break="no"/>nehmen, welches, der jetzt einmal nach Österreich kommen möchte,<lb/>
der Besitzer <rs type="person" ref="#per__131976">Ullmann</rs> war damals sogar mit mir in Kontakt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_09">ANMERKUNG FÜR SC <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__123317">Matousek</rs> gemeinsam<lb/>
soll schnell als möglich eine Lösung versuchen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_10">Die Austromineral hat für den angolanischen Industrieminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116694">Ribeiro</rs> ein vor mir einzuladendes Mittagessen gegeben. <rs type="person" ref="#per__116694">Ribeiro</rs> und<lb/>
seine Begleitung, die ich teilweise schon in Leipzig kennenlernen<lb/>
konnte, verhandelt derzeit mit Austromineral und der Vöest-Alpine<lb/>
über einige große Projekte. Überrascht war ich, daß zu dem Essen von<lb/>
Austromineral etliche Beamte des Ministeriums geladen waren, die<lb/>
ich überhaupt noch nie gesehen hatte. <rs type="person" ref="#per__116694">Ribeiro</rs> versicherte mir nach<lb break="no"/>her unter vier Augen, die Angolaner legen größten Wert darauf, mit<lb/>
Österreich, insbes. mit der Vöest-Alpine in engen Wirtschaftskontakt<lb/>
zu kommen. Derzeit brauchen sich ja noch, wie man dies ausdrückt,<lb/>
brüderliche Waffenhilfe, um die gegen die Südafrikaner gewappnet zu<lb/>
sein, tatsächlich dürften sie sich am neutralen Staat sich lieber<lb/>
anlehnen als<add>[an]</add> irgendwelche Großmächte. Ressourcen wie Rohstoffe, Öl<lb/>
Gas haben sie genügend. Die Industrie kann in ihrem Land gut ausge<lb break="no"/>baut werden, was sie brauchen ist know how und <choice><choice><sic>vorallemal</sic><corr>vor allem einmal</corr></choice></choice> die Schu<lb break="no"/>lung ihrer Leute. Bei dem vorgesehenem Vöest-Besuch wird er sich<lb/>
überzeugen können, was die Vöest auf diesem Gebiet alles bereits<lb/>
in Nigeria und anderen afrikanischen Ländern geleistet hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_11">In der ÖGB-Bundesfraktion konnte ich ja nicht verhindern, obwohl<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> dies einleitend sofort feststelle, daß er eine, wie man allge<lb break="no"/>mein bemerkte, wirklich von Herzen kommende Laudatio für mich hielt.<lb/>
Jemand meinte, Blumen gibts nicht für <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs>, mehr Blumen, als<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> mir dort sagte, kann gar niemand geben. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, der seit 48<lb/>
im Gewerkschaftsbund mitwirkte und der mich seit dieser Zeit als ein<lb/>
Mitarbeiter des Gewerkschaftsbundes betrachtet, lange bevor ich<lb/>
Obmann der Lebensmittelarbeiter wurde, und der immer zu schätzen<lb/>
wußte, daß ich ausgleichend mit der AK eine Zusammenarbeit mit dem<lb/>
Gewerkschaftsbund eintrat, würdigte dies besonders. Das Schönste,<lb/>
was er sagte, war, ich war ein Teil von ihnen. Richtig ist, was er<lb/>
allerdings nicht erwähnte, daß gerade in der unmittelbaren Gründungs<lb break="no"/>zeit der 2. Republik und damit auch in dem Wiedererstehen des Ge<lb break="no"/><pb n="59-0408" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band59/59_1981-03-24_0408-06-D.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>werkschaftsbundes und der AK es zwischen den beiden Präsidenten<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97363">Böhm</rs> und <rs type="person" ref="#per__114575">Mantler</rs> große Differenzen gegeben hat. <rs type="person" ref="#per__114575">Mantler</rs>, den ich<lb/>
vom KZ-Buchenwald kannte, war der Radikalere, der Unduldsamere, auch<lb/>
ein wenig verärgert. <rs type="person" ref="#per__114575">Mantler</rs> als Obmann der illegalen Gewerkschafts<lb break="no"/>bewegung in Österreich nach 1934 hatte sich sicher, ohne daß er mit<lb/>
mir jemals darüber gesprochen hat, erwartet, daß er auch Präsident<lb/>
des Gewerkschaftsbundes wird. <rs type="person" ref="#per__97363">Böhm</rs> war aber nicht nur früher am<lb/>
Platz, sondern sicherlich als der gemäßigte, nicht zuletzt aber auch<lb/>
als Bauarbeiter von dieser größeren Gewerkschaft als den Lebensmit<lb break="no"/>telarbeitern, von denen <rs type="person" ref="#per__114575">Mantler</rs> kam, geschoben und letzten Endes von<lb/>
allen zu dieser Funktion berufen. Diese Rivalität wirkte sich dann<lb/>
in verschiedensten differenten Auffassungen der beiden aus. Auch<lb/>
als <rs type="person" ref="#per__114575">Mantler</rs> Staatssekretär wurde im Ministerium für Vermögenssi<lb break="no"/>cherung und Wirtschaftsplanung, gab es dann entsprechende Differenzen<lb/>
auch mit der Parteiführung. Ich habe durch reinen Zufall in meiner<lb/>
Parteiarbeit, Bezirksorganisation Fünfhaus, damals <rs type="person" ref="#per__97363">Böhm</rs> organisiert,<lb/>
also mit beiden ein sehr gutes Verhältnis gehabt. Die Differenz<lb/>
der beiden allerdings ging dann meistens auf meinen Buckel aus.<lb/>
Dazu kam dann noch, daß mein unmittelbarer Vorgesetzter <rs type="person" ref="#per__98087">Wirlandner</rs>,<lb/>
auch eine beachtliche individuelle Persönlichkeit, ungeheuer fleißig<lb/>
und trotzdem erst viel später seinen akademischen Titel erworben hat,<lb/>
theoretisch und praktisch, vielwissend und gescheit auch seine eigene<lb/>
Politik machen wollte. Ich in meiner ausgleichenden Art dazwischen<lb/>
habe mich wirklich hier, und das wurde von allen anerkannt, stets um<lb/>
einen Ausgleich bemüht. Vielleicht sagt man wirklich mit Recht, daß<lb/>
hat mir damals die Magengeschwüre eingetragen. Was 35 Jahre her ist,<lb/>
beachtet man wirklich nicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_12">In der Fraktion hat <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>, der einstimmig als Klubobmann kooptiert<lb/>
wurde, nicht zuletzt durch die Abwesenheit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky's</rs>, der sonst immer<lb/>
politische Berichte bringt, über die Arbeiten im Parlament referiert.<lb/>
Überraschend für mich war, daß insgesamt 150 Vorlagen im Parlament<lb/>
eingebracht sind, allerdings 40 davon Berichte, etliche Oppositions<lb break="no"/>anträge, die wichtigsten Aktivitäten der Ausschüsse wurden von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> erwähnt. In den Unterausschüssen des Handelsausschusses<lb/>
meinte er, das Volksbegehren wegen der Inbetriebnahme von Kernkraft<lb break="no"/>werk Zwentendorf würde sicherlich nicht bis Juni fertig sein, wo<lb/>
ein Zwischenbericht dann dem Plenum gegeben wird und wahrscheinlich<lb/>
der Auftrag, weiter zu verhandeln. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> grenzte aber sofort ab<lb/>
und meinte, man könne diese Verhandlungen nicht bis zur Wahl aus<lb break="no"/>dehnen. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> fürchtet scheinbar, daß es ansonsten Atomwahlfragen<lb/>
geben wird. Ich bin fest davon überzeugt, dies wird sich gar nicht<lb/>
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geschehen, zu einer Übereinstimmung der ÖVP.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_13">Der zweite Unterausschuß, der sich mit dem Energiesicherungsgesetz<lb/>
beschäftigt, müßte bis Mai dem Plenum berichten. Hier hofft er, und<lb/>
davon bin ich auch überzeugt, daß man zu Teilergebnissen kommen<lb/>
wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_14">Dr. <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> hat jetzt das Starkstromwegerecht fertiggestellt. Zu<lb/>
meinem 60. Geburtstag hat er mir einen Lehrbehelf über das ganze<lb/>
Energierecht, welches er für die jüngeren Beamten ausgearbeitet<lb/>
hat, übermittelt. Für mich ist es unwahrscheinlich, welch großes<lb/>
Wissen und welchen Fleiß <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> hier dokumentiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Diesen Lehrbehelf in einem schönen Um<lb break="no"/>schlag auch optisch entsprechend anerkennen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_16">Natürlich gab es dann primär auch in der Fraktion eine Diskussion<lb/>
über den Unterausschuß des AKH und über die letzten Entwicklungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_17">Der Jugendsekretär des ÖGB, der jetzt auch Organisationsfragen be<lb break="no"/>arbeitet, <rs type="person" ref="#per__112979">Verzetnitsch</rs>, berichtete über die Mitgliederwerbeaktion.<lb/>
Aufgrund der AK-Wahl und des Mitglieder-EDV-Katasters konnte fest<lb break="no"/>gestellt werden, daß 720.000 Arbeiter nicht Mitglied des Gewerk<lb break="no"/>schaftsbundes sind. Interessant davon, daß 10 % 70.000 ehemalige<lb/>
Mitglieder waren. Die erste Werbeaktion, ein Brief von <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, hat,<lb/>
ohne viel nachzustoßen, sofort dazu geführt, daß bis jetzt 7.222 bei<lb break="no"/>getreten sind. Was mich aber am meisten erschüttert hat, ist, daß<lb/>
4.000 Betriebsräte nicht Gewerkschaftsmitglieder sind, wie mir<lb/>
Obmannstellvertreter <rs type="person" ref="#per__112942">Braun</rs> von den Privatangestellten mitteilt, mehr<lb/>
als die Hälfte bei ihnen. Jetzt wird <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> diese Kollegen mit einem<lb/>
besonderen Brief versuchen zu überzeugen, daß sie als Gewerkschafts<lb break="no"/>mitglieder an die Unterstützung der Gewerkschaft in ihrer sehr<lb/>
schweren und verantwortungsvollen Arbeit bekommen würden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_18">ANMERKUNG FÜR ZENTRALSEKR. <rs type="person" ref="#per__97357">BLÜMEL</rs>: Wie sieht dies bei uns aus?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_19">Außenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> mit dem poln. Botschafter und Handels<lb break="no"/>rat kam auf mein Ersuchen zu einer Aussprache. Er ist derzeit bei<lb/>
einem Ost-West-Seminar. Vorher hatte ich mich noch bei <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs><lb/>
wegen der Änderung des Kohl-Liefervertrages erkundigt. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> ist<lb/>
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für Österreich ungünstigen Preisklauseln nachgeben werden. Vor<lb break="no"/>standsdirektor <rs type="person" ref="#per__116951">Schneider</rs> von CA wieder intervenierte bei mir, daß<lb/>
man doch so schnell als möglich einer einvernehmlichen Regelung<lb/>
bezüglich des Polen-Kredites kommen müßte. Die Banken unter Füh<lb break="no"/>rung der CA haben ja seinerzeit auf Zusage der Regierung 150 Mio.<lb/>
Dollar bereitgestellt, die zweiten 150 Mio. sind erst nach Bau<lb break="no"/>beschluß der Verbundgesellschaft und der NEWAG fällig.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_20"><rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> war über die Verzögerung der Auszahlung der zweiten 150 Mio.<lb/>
Dollar und <choice><choice><sic>vorallemal</sic><corr>vor allem einmal</corr></choice></choice> den Wunsch der Verbundgesellschaft, die Preise<lb/>
zu ermäßigen, sehr empört. Er meinte dies zu Recht, diese zweiten<lb/>
150 Mio. Dollar wären ihnen fest versprochen werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hätte<lb/>
dies sowohl dem Ministerpräsidenten <rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> als auch dem jetzt<lb/>
schon wieder abgesetzten <rs type="person" ref="#per__126252">Babiuch</rs> dezidiert zugesagt und erklärt, in<lb/>
sechs Wochen ist spätestens alles überwiesen. Jetzt warten die<lb/>
Polen monatelang. Der jetzige Ministerpräsident hat ihn beauftragt<lb/>
zu sagen, man wird nicht auf Erfüllung dieses Vertrages drängen,<lb/>
aber wenn die Österreicher nicht wollen, sollen sie es lassen, die<lb/>
Kohle kann auch woanders hin verkauft werden. Am meisten verärgert<lb/>
war <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs>, daß man von der Verbundgesellschaft gesagt hat, wenn<lb/>
ihr zuerst 13,28 Dollar, wie die Polen berechnet haben, mit einer<lb/>
neuen Gleitklausel nachläßt, dies hätte einen Verlust von 250 Mio.<lb/>
Dollar ergeben, oder wenn ihr den zweiten Vorschlag, 6,23 pro to,<lb/>
nachläßt, was einen Mindererlös der 20 Mio. to Kohle von 124 Mio.<lb/>
Dollar erbracht hätte, dann geht alles sofort in Ordnung. Diese<lb/>
Argumentation habe ich gegenüber den Polen nie gebraucht. Erstens<lb/>
war ich überzeugt, daß die Polen, wenn sie eine gute Preisklausel<lb/>
im Vertrag haben, nicht daran denken davon abzuweichen und zweitens<lb/>
stehen sie sicherlich auf dem Standpunkt, wenn sie einigermaßen<lb/>
einmal wieder normale Verhältnisse haben, ihre gesamte Kohlenpro<lb break="no"/>duktion leicht woanders hin verkaufen können. <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> erklärte,<lb/>
daß sie bereit wären, die Kohlenmengen entsprechend zu senken, wenn<lb/>
Österreich die Kohle nicht braucht, sogar einem Re-Export zuzu<lb break="no"/>stimmen, dies gilt allerdings nur, wenn dieser Re-Export über die<lb/>
Weglokoks im Namen der Verbundgesellschaft erfolgt. Gewinn und Ver<lb break="no"/>lust müßten in diesem Fall dann <choice><choice><sic>die</sic><corr>zwischen</corr></choice></choice> Weglokoks und Verbundgesellschaft<lb/>
geteilt werden. <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> machte sofort den Einwurf, auf eine solche<lb/>
Bestimmung könnte man auf alle Fälle verzichten. Denn ob ein Gewinn<lb/>
oder Verlust aus diesem Geschäft entsteht, entscheidet ja durch den<lb/>
Re-Export der Weglokoks die poln. Seite. Ich erklärte noch einmal<lb/>
dezidiert, daß ich mit den ganzen Preisverhandlungen nichts zu tun<lb/>
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Verträge, die mehr oder minder auch unter dem Patronat der beiden<lb/>
Ministerien<add>[mit]</add> Erfolg<add>[verhandelt wurden,]</add> einzuhalten sind.<add>[?]</add><lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_21"><rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> ersuchte um Einhaltung der Kohlenlieferungsverträge. Ich<lb/>
bedankte mich bei den Polen, daß<add>[sie]</add> im vergangenen Jahr 93 % der zuge<lb break="no"/>sagten Menge lieferten. Ich ersuchte auch, daß die heuer vorge<lb break="no"/>sehenen 55 % noch erhöht werden können. <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> meinte, er könne<lb/>
keinerlei Zusicherungen gegen, da niemand weiß, wie es in Polen<lb/>
wirklich weitergeht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_22"><rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> hatte ein großes Interesse, daß es zu einem schwedisch-<lb/>
poln.-österr. Verkehrsverbund infolge der Angelegenheit kommt.<lb/>
Die Schweden beziehen von den Polen angeblich 450.000 to Kohle,<lb/>
die Waggons laufen dann leer von Schweden nach Polen zurück. Hier<lb/>
möchte die österr. Seite, daß die Schweden über Schiff und dann<lb/>
entsprechende Bahnfracht Erz nach Österreich liefern können. <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs><lb/>
würde sich verpflichten, die Hafenanlagen auf seine Kosten, wie man<lb/>
so sagt, abbezahlt mit den Hafengebühren entsprechend auszubauen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> erklärte, dies sei überlegenswert, er wünscht eine entspre<lb break="no"/>chende Information über dieses Projekt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_23">Die Stimmung bei dieser Aussprache war, obwohl <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> mir sehr<lb/>
gut gesinnt ist, äußerst gespannt wegen des Vorgehens der Ver<lb break="no"/>bundgesellschaft.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_24">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte sofort <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> informieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-24_25">Bei Klubsitzung der Bezirksräte, die diesmal nicht besonders gut<lb/>
besucht war, aber ganz harte Auseinandersetzungen wegen des AKHs<lb/>
brachte, war ich wesentlich länger aufgehalten, als ich beabsichtigt<lb/>
Unsere Kollegen haben mit tiefer Empörung die Schlüsse des Wiener<lb/>
Erweiterten Vorstandes zur Kenntnis genommen, daß man nichts machen<lb/>
kann. Sie sind fest davon überzeugt, daß unsere Mitglieder dies<lb/>
nicht nur nicht verstehen werden, sondern daß dies für die Wiener<lb/>
Partei bei den nächsten Wahlen sich verheerend auswirken wird. Nur<lb/>
mit Mühe konnten <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und ich ihnen klarmachen, daß man doch den<lb/>
Stadträten, die davon betroffen sind, und den sonst Verantwortlichen<lb/>
in der Gemeinde Gelegenheit geben muß, zu dem Kontrollbericht<lb/>
Stellung zu nehmen. Ich glaube, daß die Idee, es soll nichts in der<lb/>
Gemeindeverwaltung geschehen, kaum durchzuziehen sein wird.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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