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            <title type="main">Montag, der 23. März 1981</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_01">Montag, 23. März 1981<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_02">Dieser Tag stand ausschließlich im Zeichen des politischen Tagesgesche<lb break="no"/>hens der Fraktionsarbeit. Gerade, daß ich zwischendurch ein paar Akte<lb/>
erledigte, ansonsten mußte ich mich aktiv oder passiv ausschließlich<lb/>
mit den Problem des AKH rumschlagen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_03">Die Lebensmittelarbeiter hatten ihren Gesamtvorstand zur Vorbereitung<lb/>
ihres Gewerkschaftstages im Juli. Der erste Tag war den Fraktionen ge<lb break="no"/>widmet. Unser Fraktionsobmann Zentralsekretär <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> ersuchte mich na<lb break="no"/>türlich, bevor die Erweiterte Vorstandssitzung im Wr. Rathaus stattfand,<lb/>
über die politische Situation zu berichten. Anstelle eines großzügigen<lb/>
und lange dauernden Berichtes wurde Vormittag und Nachmittag eine gründ<lb break="no"/>liche und heftige Diskussion mit über 2 Dutzend Diskussionsrednern. Im<lb/>
Gesamtvorstand sind sämtliche Bundesländer vertreten. Leider mußte auch<lb/>
ich feststellen, obwohl ich mich dagegen stemmte, daß eine gewisse<lb/>
neuerliche Tendenz, die Wiener sind an allem schuld, schön langsam, aber<lb/>
sicher würde ich sagen, sich entwickelt. Der Tenor der Diskussion aber<lb/>
war, oben wird zu viel gestritten, jede Meinungsdifferenz auch in sach<lb break="no"/>licher Beziehung wird als Uneinigkeit, Führerlosigkeit, Profilierungs<lb break="no"/>sucht usw. bezeichnet. Was nach wie vor gewünscht wird, was in unserer<lb/>
Partei eben selbstverständlich ist, die oben müssen wissen, was sie<lb/>
wollen, die Meinungen müssen konkret abgestimmt sein und nach außen<lb/>
darf keine differente Auffassung dringen. Mehr noch als die Sachprobleme<lb/>
sind davon die Personaldiskussion betroffen. Auf der anderen Seite aber<lb/>
war für mich interessant, doch immer wieder feststellen zu können, daß<lb/>
man wünscht, daß nicht der Wasserkopf oben alles bestimmen soll, sondern<lb/>
daß man viel mehr auf die Basis hören müsse. Die Basis müsse viel mehr<lb/>
in der Diskussion eingeschaltet werden, sonst könne es passieren, wie<lb/>
dies jetzt teilweise der Fall ist, daß die Basis eben sagt, ohne uns.<lb/>
Wenn aber erst einmal die kleinen Funktionäre nicht mehr mittun, nicht<lb/>
mehr kämpfen, sich nicht mehr dem Andersdenkenden entgegenstellen, dem<lb/>
demagogisch angreifenden Gegner nicht widersprechen, dann bedeutet dies<lb/>
einen schweren Rückschlag für die Partei.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_04">Bei der Erweiterten Vorstandssitzung wurde dies dann auch durch eine<lb/>
spezielle Meinungsumfrage, präsentiert von Sekretär <rs type="person" ref="#per__109818">Edlinger</rs>, eindeutig<lb/>
bestätigt. Die Wiener SPÖ hat eine spezielle Erhebung nur unter Genossen<lb/>
veranlaßt. Ein 366-Interviewten-Sample genügt vollkommen, um auf alle<lb/>
Wiener SPÖ Mitglieder schließen zu können. Strengst vertraulich wurde<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_05"><table rows="8" cols="4"><row><cell/><cell>regelmäßig</cell><cell>fallweise</cell><cell>nie</cell></row><row><cell>Kronen-Zeitung</cell><cell>47</cell><cell>41</cell><cell>12</cell></row><row><cell>Kurier</cell><cell>25</cell><cell>47</cell><cell>28</cell></row><row><cell>AZ</cell><cell>31</cell><cell>32</cell><cell>37</cell></row><row><cell>Presse</cell><cell>4</cell><cell>17</cell><cell>78</cell></row><row><cell>Wochenpresse</cell><cell>1</cell><cell>9</cell><cell>89</cell></row><row><cell>Profil</cell><cell>2</cell><cell>27</cell><cell>79</cell></row><row><cell>Bez.Journal</cell><cell>73</cell><cell>17</cell><cell>9</cell></row></table><lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_06">Aus dieser Aufstellung ist klar und deutlich ersichtlich, daß noch<lb/>
mehr als Kronen-Zeitung und Kurier die Bezirksjournale gelesen werden.<lb/>
Zukünftig wird man daher noch mehr Aufmerksamkeit diesen Bezirksjourna<lb break="no"/>len zuwenden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_07">Interessant war dann für mich besonders die Aussage, wie die Genossen<lb/>
sich zur Aktivität für die Wiener Partei resp. für die Bundesangelegen<lb break="no"/>heiten äußerten: "Wie oft loben Sie die SPÖ im Bund?", 57 % oft, 39 %<lb/>
selten, 4 % nie; "Wie oft loben Sie die Wiener SPÖ?", 39 % oft, 51 % sel<lb break="no"/>ten, 8 % nie; "Wie oft kritisieren Sie die SPÖ im Bund?", 7 % oft, 66 %<lb/>
selten, 26 % nie; "Wie oft kritisieren Sie die Wiener SPÖ?", 9 % oft,<lb/>
65 % selten, 25 % nie.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_08">Während also die Kritik an Wien und Bund ziemlich gleich blieben, war<lb/>
doch ein wesentliches öfteres Loben der Bundes-SPÖ eindeutig festzustel<lb break="no"/>len gegenüber der Wiener SPÖ. Fast würde man sagen, dort gibt es eben<lb/>
weniger zu loben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_09">Entscheidend für mich aber waren die Fragen, die das AKH betreffen. 84<lb/>
% der Interviewten hatten von der Verschwendung des AKH gehört. 32 %<lb/>
meinten, die Kritik sei berechtigt, 45 % teilweise, 21 % nur meinten,<lb/>
überhaupt nicht. Von einem Mangel der Bauaufsicht im AKH haben 93 % ge<lb break="no"/>hört, 60 % betrachten es als berechtigt, 24 % teilweise, 11 % gar nicht<lb/>
berechtigt. Auf die Frage, ob die Korruption gedeckt wird, meinten<lb/>
68 % davon hätten sie gehört, 20 % berechtigt, 31 % teilweise berech<lb break="no"/>tigt, 44 % unberechtigt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_10">Die Frage, ob jemand mehr leistet als die SPÖ in Wien, meinten 76 % nur<lb/>
unter den Genossen, dies stimmt, 19 % stimmt teilweise, 5 % sogar, das<lb/>
stimmt nicht. Wesentlich interessanter aber und typisch war die Frage,<lb/>
<pb n="59-0404" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band59/59_1981-03-23_0404.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ob in der Gemeindeverwaltung das geschieht, was die SPÖ will, 36 %<lb/>
meinten, das stimmt, 23 % nur teilweise und 40 % sagten, das stimmt nicht.<lb/>
Noch typischer die Aussage aber, ob der Bürgermeister entsprechend unter<lb break="no"/>stützt wird, 38 % stimmt, 37 % teilweise, 20 % stimmt nicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_11">Diese letzten beiden Frageergebnisse sind eigentlich verheerend. Diese<lb/>
Meinung unter Sozialisten zeigt deutlich, daß es in der Gemeindeführung<lb/>
und vor allem in der<add>[des]</add> engeren Staatssenats <choice><choice><sic>kollektiven</sic><corr>an kollektiver</corr></choice></choice> Zusammenarbeit<lb/>
sehr mangelt.<lb/>
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unzulänglich interpretiert wurde. Eine Rücksprache, die er mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
hatte, zeigte eindeutig, daß auch dieser keine personalpolitischen Kon<lb break="no"/>sequenzen, also, wenn man so will, ein Köpferollen in der Gemeindeverwal<lb break="no"/>tung verlangt hat. Die personellen Kombinationen in der letzten Zeit<lb/>
waren nur Spekulationen, Aufgabe ist es jetzt nicht nur zusammenzustehen,<lb/>
sondern auch alles zu tun, damit dieser schwere Schlag des Kontrollamts<lb break="no"/>berichtes, der jetzt in der Öffentlichkeit von der gegnerischen Seite<lb/>
rücksichtslos ausgenützt wird, zu parieren. Dieser Rohentwurf des Kon<lb break="no"/>trollamtsberichtes kam deshalb jetzt in die Diskussion, weil der National<lb break="no"/>ratsuntersuchungsausschuß über das AKH den einstimmigen Beschluß faßte,<lb/>
diesen Rohbericht übermittelt zu bekommen. Die Stadträte, die sich dann<lb/>
in der Diskussion zu Wort meldeten, insbesondere Finanzstadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs>,<lb/>
meinten, niemand hätte Gelegenheit gehabt über die Details mit dem Kon<lb break="no"/>trollamt zu diskutieren. Viele dieser kritisierten Punkte könnten be<lb break="no"/>stimmt aufgeklärt werden. Z.B. wurde von <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> die zweimalige Verrechnung<lb/>
der Eröffnungsfeier dahingehend richtiggestellt, daß sie selbstverständ<lb break="no"/>lich nur einmal stattfand, das zweite Mal war eine Verrechnungspost, weil<lb/>
die Eröffnung der Baustelle für die Allgemeinheit schnell vorbereitet<lb/>
werden mußte. Die Differenzen in der <choice><choice><sic>Klimatisierungssummeabrechnung</sic><corr>?</corr></choice></choice> waren<lb/>
zuerst ohne Mehrwertsteuer, zuletzt aber dann mit Mehrwertsteuer, was<lb/>
gleich eine Differenz von 400 Mio. S ergibt.<lb/>
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Wahl sachliche Arbeit leisten. Der größte Wahnsinn parteimäßig wäre es<lb/>
aber, wenn man jetzt nicht entsprechend reagiert und dann 83 die wohlge<lb break="no"/>ordnete Stadt der ÖVP übergeben würde. Das erklärte Ziel muß natürlich<lb/>
eine gewonnene Wahl im 83-er Jahr sein, das heißt, daß unter allen Um<lb break="no"/>ständen die SPÖ-Führung gesichert bleibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_14">Die ÖVP, insbesondere deren Wiener Obmann <rs type="person" ref="#per__109293">Busek</rs>, kann in einer Demagogie<lb/>
sondergleichen, da er keine Verantwortung trägt, nicht nur reden, sondern<lb/>
auch so agieren. Auf dem Wiener Landesparteitag der ÖVP konnte er sich<lb/>
daher restlos für die Grünen einsetzen, gleichzeitig aber dann anderen<lb/>
Rednern zuhören, ohne zu widersprechen, die eine entsprechende Baupoli<lb break="no"/>tik, sei es auf dem Wohnbausektor oder in anderen Bereichen, forderten.<lb/>
Die hessischen Gemeindewahlen hätten klar und deutlich gezeigt, daß sich<lb/>
der hessische SPD-Spitzenpolitiker <rs type="person" ref="#per__131954">Börner</rs>, der mit der Wirtschaft gemein<lb break="no"/>sam geht und notwendige Maßnahmen verlangt, die Wähler vergrämte, weshalb<lb/>
er einen schweren Verlust hinnehmen mußte. Andererseits hat im Bundes<lb break="no"/>land Baden der dortige Spitzenpolitiker der Sozialdemokratischen Partei<lb/>
Deutschlands <rs type="person" ref="#per__125804">Eppler</rs>, der sich extrem Grün gebärdet hat, ebenfalls einen<lb/>
schweren Verlust hinnehmen müssen. Für mich ist dies kein Widerspruch,<lb/>
ich glaube nämlich, daß es einzelnen Personen nicht möglich ist, wenn<lb/>
sie aus der Linie der Partei ausscheiden, sich auf Kosten der Partei pro<lb break="no"/>filieren zu können. Dies gilt in der BRD übrigens genauso wie in Öster<lb break="no"/>reich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_15">Mit Recht wurde von den Stadträten und dann auch von den anderen Dis<lb break="no"/>kussionsrednern darauf verwiesen, daß dieser AKH-Bericht weit in die<lb/>
Vergangenheit zurückgeht. Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> meinte, er sei seit 73 im Amt,<lb/>
seit dieser Zeit seien überhaupt keine neuen Projekte beschlossen wor<lb break="no"/>den außer der Verkehrsverbund. Alle anderen, UNO-City, Konferenzzentrum,<lb/>
Donauinsel usw., seien mehr oder minder von ihm übernommen worden. Eine<lb/>
Ausnahme dazu bildete die durch den Einsturz der Reichsbrücke ergebene<lb/>
Situation, daß man diese und dann auch noch die Floridsdorfer Brücke<lb/>
neu bauen mußte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_16">Wunderrezepte gibt es nicht, schon gar nicht von außen und wenn die,<lb/>
die sie empfehlen, die Details gar nicht kennen und sich damit gar nicht<lb/>
beschäftigen. Der Bau ist längst vollendet, 7 Mrd. Auftragsvolumen sind<lb/>
für die Innenausstattung schon vergeben. Das einzige, was noch offen ist,<lb/>
ist nur mehr die bewegliche Einrichtung. Hier hat mir <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> dann ver<lb break="no"/>sichert, daß alle Anschaffungen, die man jetzt für das alte AKH in den<lb/>
letzten Jahren getätigt hat, ausschließlich nur mehr bewegliche, d.h.<lb/>
transportfähige, Instrumente gewesen sind, die eben dann ins neue AKH<lb/>
mitgenommen werden sollten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_17">Stadtrat <rs type="person" ref="#per__116209">Zilk</rs> war über die Personaldiskussion, in die er jetzt auch<lb/>
als Bürgermeisternachfolger einbezogen wurde, empört. Er hatte bereits<lb/>
vorher erklärt, und dies auch vor dem EWV, er sei nur unter <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> Kul<lb break="no"/><pb n="59-0406" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band59/59_1981-03-23_0406.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>turstadtrat, keinem anderen Bürgermeister würde er sowieso dienen, er hat<lb/>
durch Jahre hindurch im ORF den größten Ärger über die Personalpolitik<lb/>
und die Kombinationen, die dort immer wieder aufgestellt wurden, gehabt<lb/>
und er läßt sich jetzt, mit aller Deutlichkeit gesagt, eine solche Perso<lb break="no"/>naldiskussion in der Gemeinde nicht gefallen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_18">Die Frage war, vom Bezirksobmann GR <rs type="person" ref="#per__123789">Hofstetter</rs> angeschnitten, ob es<lb/>
nicht zweckmäßig wäre, den Bürgermeister und die Landesobmannstelle<lb/>
zu trennen. Als Vergleich meinte er, in den Bezirken sei auch der Bezirks<lb break="no"/>obmann niemals Bezirksvorsteher. Diese Idee wurde von allen anderen<lb/>
Diskussionsteilnehmern sofort verworfen. Die Erfahrung, die man in Wien<lb/>
auch mit der Trennung in der Zeit <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs> Bürgermeister, <rs type="person" ref="#per__97845">Probst</rs> Partei<lb break="no"/>obmann gemacht hatte, waren auch tatsächlich nicht ermutigend. Darüber<lb/>
hinaus würde dies doch eine gewisse Entmachtung des Bgm. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> bedeu<lb break="no"/>ten. Einstimmig wurde aber von allen immer wieder versichert, was wir<lb/>
brauchen, ist einen verstärkten Bürgermeister. Dieser muß jetzt entschei<lb break="no"/>den. Auch die Idee, einen Bevollmächtigten für das AKH im Stadtratsrang,<lb/>
wie der Bezirksobmann NR <rs type="person" ref="#per__114542">Schemmer</rs> vorgeschlagen hatte, fand nicht die<lb/>
Zustimmung. Der Vergleich, wie ihn Bez.Obmann <rs type="person" ref="#per__112015">Hirsch</rs> mit dem brückenbau<lb break="no"/>bevollmächtigten Gewerkschaftler der Bauarbeiter <rs type="person" ref="#per__114046">Böck</rs> nach Einsturz der<lb/>
Reichsbrücke machte, hinkt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_19">Treffendst wurde die Lage von Stadtrat <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> charakterisiert, der meinte,<lb/>
beim Brückenbaueinsturz war es teils höhere Gewalt und dafür wurde als<lb/>
Menschenopfer der zuständige Stadtrat <rs type="person" ref="#per__97561">Hofmann</rs> geopfert. Ob es uns viel<lb/>
gebracht hat, weiß man nicht, die meisten bezweifelten dies. Jetzt aber<lb/>
wird gesagt, und dies ist der ärgste Vorwurf, die Sozialisten können nicht<lb/>
verwalten. Die Zeitungen werden über den Kontrollamtsbericht, wie dies<lb/>
die Kronen-Zeitung in einer fortgesetzten Serie, "Tag für Tag", macht,<lb/>
wird durch den Kontrollamtsbericht munitioniert. Die Gegner können jetzt<lb/>
immer wieder mit der Unterlage, von uns geliefert, uns ganz gehörig an<lb break="no"/>greifen. Der größte Fehler war also, diesen Bericht so rauszugeben.<lb/>
Strengst vertraulich haben ihn ja jetzt gerade die Kontrollausschußmit<lb break="no"/>glieder erst erhalten. Tagelang vorher hatte ihn schon der ORF und die<lb/>
Zeitungen besessen. Greifen also von allen Seiten an und die Leute die<lb/>
abwehren sollen, sind nicht informiert. Dies war auch die größte Be<lb break="no"/>schwerde der meisten Diskussionsredner.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_20">Übereinstimmend wurde glaube ich auch festgestellt, daß ein Wiederholen,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs> legt, weil er zu wenig Zustimmung bei den Genossen findet, nieder,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> kommt und macht damit einen ungeheuren guten Erfolg bei der näch<lb break="no"/><pb n="59-0407" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band59/59_1981-03-23_0407.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sten Wahl, ist nicht wiederholbar und daher, wie GR <rs type="person" ref="#per__114543">Pöder</rs><add>[bemerkte]</add>, der gleich<lb break="no"/>zeitig auch Obmann der Gemeindebediensteten ist, abzulehnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_21">Die Zusammenfassung konnte ich nicht mehr abwarten, die Staatssekretär<lb/>
<rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs>, die zuerst das Journalistenfrühstück betreute, also hier eine<lb/>
Stunde fehlte, hat dann die Zusammenfassung von <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> und die letzten<lb/>
Diskussionsredner mitgehört. Ich möchte, als meine Zusammenfassung dieser<lb/>
langen Diskussion, die übrigens dann im nächsten Monat fortgesetzt wird,<lb/>
dahingehend treffen, alles schart sich um den Bgm. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>, die Stadträte<lb/>
sollen kollektiver auftreten und ihre Meinungen amtsratausdiskutieren<lb/>
und nicht durch gezielte oder weniger gezielte Informationen in den Be<lb break="no"/>zirken gegenseitigst Sachdifferenzen dort hineintragen. Wenn es dem Amts<lb break="no"/>rat nicht möglich ist zu einer einvernehmlichen Auffassung in einem Pro<lb break="no"/>jekt zu kommen, dann sollte man gegebenenfalls in der Erweiterten Vor<lb break="no"/>standssitzung darüber sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_22">Wie verheerend sich die Politik in Wien bis jetzt ausgewirkt hat, zeigt,<lb/>
daß 3.500 Parteiaustritte, um 30 % mehr zu verzeichnen sind als üblich.<lb/>
Februar 81 waren nur 242.060 Parteimitglieder, wären im September durch<lb/>
die Werbeaktion nicht 6000 über dem normalen <choice><choice><sic>Abgaben</sic><corr>Ausmaß?</corr></choice></choice> neue Mitglieder<lb/>
geworben worden, wäre nicht einmal diese Zahl zu erreichen gewesen.<lb/>
Gegenüber September 80 haben wir 5000 Mitglieder trotz der Werbeaktion<lb/>
verloren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_23">Noch verheerender aber ist das Wiener Ergebnis der Parteipräferenzen,<lb/>
wenn nächsten Sonntag Wahlen wären. Im Februar 80 stand es<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_24"><table rows="6" cols="4"><row><cell/><cell>SPÖ</cell><cell>ÖVP</cell><cell>Nichtwähler</cell></row><row><cell>Februar 80</cell><cell>51</cell><cell>23</cell><cell>5</cell></row><row><cell>nach erster AKH-Meldung</cell><cell>46</cell><cell>25</cell><cell>7</cell></row><row><cell>2. AKH-Welle September</cell><cell>43</cell><cell>27</cell><cell>7</cell></row><row><cell>Dezember neuer Aufstieg d. SPÖ</cell><cell>47</cell><cell/><cell/></row><row><cell>seit Jänner, Februar, obwohl in dieser Aufstel<lb break="no"/>lung dann noch gar nicht der neue AKH-Angriff<lb/>
durch den Kontrollamtsbericht erfaßt wurde</cell><cell>45</cell><cell>29</cell><cell>8</cell></row></table><lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band59_1981-03-23_25">Diese Aufstellung zeigt, daß wir einen 9 %igen Wählerverlust haben,<lb/>
dies würde bedeuten, daß wir 8 bis 10 Gemeinderatsmandate verlieren<lb/>
würden von derzeit 62 SPÖ, 35 ÖVP, 3 FPÖ. Das Verheerende dabei ist,<lb/>
daß die Nichtwähler, wo im Jahre 80 noch 70 % der SPÖ angehört haben<lb/>
resp. sie vorher gewählt haben, jetzt auf 90 % gestiegen ist. Diese<lb/>
Meinungsumfragen, natürlich als streng vertraulich bezeichnet, hatten auf<lb/>
alle eine Art Schockwirkung. So tief war die SPÖ in Wien noch niemals<lb/>
gesunken.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 23.3.1981</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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