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            <title type="main">Dienstag, der 10. März 1981</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band58_1981-03-10</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_01">Dienstag, 10. März 1981<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_02">Beim Jour fixe mit der HK bringt <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> sofort seine § 68-er Pro<lb break="no"/>bleme zur Sprache. Eine Firma <rs type="person" ref="#per__131477">Kohlbrat</rs>, für die sowohl der LH <rs type="person" ref="#per__113822">Haslauer</rs><lb/>
als auch Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__112148">Schober</rs> intervenieren, möchte sofort das Staats<lb break="no"/>wappen führen dürfen, weil er auf der Leipziger Messe ausstellt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> denkt nicht daran, das Begutachtungsverfahren der Handelskam<lb break="no"/>mer abzukürzen, <choice><choice><sic>ein</sic><corr>in einem</corr></choice></choice> Brief, den mir Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__112148">Schober</rs> im Minister<lb break="no"/>rat dann gibt, ersucht <rs type="person" ref="#per__131477">Kohlbrat</rs> sogar, ob er nicht provisorisch das<lb/>
Staatswappen führen dürfe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_03">Wichtiger aber als den Einzelfall <choice><choice><sic>erfahre</sic><corr>erachte</corr></choice></choice> ich, daß bei Firmen ein Lobbyist<lb/>
auftreten <choice><choice><sic>sollte,</sic><corr>soll, der</corr></choice></choice> erklärt für 30.000,–– S Anzahlung und 30.000,–– nach<lb/>
positiver Erledigung kann er ein Dekret zur Führung des Staatswappens<lb/>
im Handelsministerium verschaffen. Die Handelskammer recherchiert, wer<lb/>
dies ist, <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> meint allerdings, dagegen könne man kaum etwas unter<lb break="no"/>nehmen. Diese Meinung teile ich nicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Was wissen unsere Leute davon.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_05"><rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> ist sehr daran interssiert, das Wirtschaftsprogramm der Regie<lb break="no"/>rungspartei kennenzulernen. Ich erkläre ihnen, daß die Interessensvertre<lb break="no"/>tungen vom Bundeskanzler sogar ein offizielles Schreiben mit dem Pro<lb break="no"/>gramm bekommen werden, wo sie zur Diskussion und Stellungnahme aufge<lb break="no"/>fordert werden. Da ich bemerke, daß <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> schon jetzt brennendst da<lb break="no"/>rann interessiert ist, lasse ich mein einziges Arbeitsexemplar kommen<lb/>
und überreiche es ihm sozusagen feierlichst. Bei dieser Gelegenheit er<lb break="no"/>wähne ich ganz besonders die zusätzliche Formulierung über eine even<lb break="no"/>tuell neue Preispolitik. Da die AK und der ÖGB diese akzeptiert haben,<lb/>
liegt es jetzt an der Handelskammer, ob sie sich einer solchen neuen<lb/>
Politik anschließen kann, in diesem Fall könnte ich dann mit größerer<lb/>
Wahrscheinlichkeit auf Zustimmung auch im Nationalrat eine neue Geset<lb break="no"/>zesformulierung für das W1rtschaftpaketgesetz im nächsten Jahr ver<lb break="no"/>suchen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_06"><rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> befürchtet, daß Philips bereits jetzt vom Handelsministerium<lb/>
verlangen wird, die Portables in die Kontingentierung der Videorekor<lb break="no"/>der einzubeziehen. Dazu besteht keine Notwendigkeit. Tischgeräte sind<lb/>
bereits im Kontingent. Ich beabsichtige keine Ausdehnung auf Portables,<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_07">Der Außenhandelsreferent der Bundeskammer Dr. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleißner</rs> berichtet über<lb/>
das Konsulartreffen in Bonn bei unserem Botschafter <rs type="person" ref="#per__116681">Pein</rs>. Dort hätten<lb/>
alle, auch die ehrenamtlichen Konsuln festgestellt, daß die Außenhan<lb break="no"/>delspolitik der Bundeshandelskammer gegenüber der BRD sehr erfolgreich<lb/>
ist, da der Export entsprechend gesteigert werden konnte. Ich kritisiere<lb/>
sofort, daß dies nur die eine Seite der Medaille ist, die Ausdehnung<lb/>
der starken Importsteigerung wird wohlweislich von <rs type="person" ref="#per__97474">Gleißner</rs> verschwiegen.<lb/>
Ich berichte von der ITB in Berlin, wo der österreichische Generalkon<lb break="no"/>sul mit deutschen Vertretern des Senats, aber auch der Industrie- und<lb/>
Handelskammer und sonstigen Unternehmen bei mir wegen Errichtung einer<lb/>
Außenhandelsstelle in Berlin stark intervenierte. <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> verweist dar<lb break="no"/>auf, daß dies immer wieder geschieht, die Bundeshandelskammer aber<lb/>
keine Expositur dort errichten möchte, weil sonst die DDR beleidigt ist,<lb/>
eine selbständige Außenhandelsstelle wieder wird von Bonn gar nicht ge<lb break="no"/>wünscht, weil dadurch die Ostversion eines eigenständigen Berlins zu<lb/>
stark unterstrichen wird. Ich schlage vor, es sollte, um all diesen Be<lb break="no"/>denken zu entgehen und die Berliner einigermaßen zu befriedigen, nicht<lb/>
von Frankfurt, sondern von Hamburg aus der Handelsdelegierte einen fixen<lb/>
Sprechtag in Berlin abhalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_08"><rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> interveniert neuerdings, daß wenn jetzt der sowjetische Mini<lb break="no"/>sterpräsident <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> nach Wien kommt, dort, wo der sowjetische Außen<lb break="no"/>handelsrat <rs type="person" ref="#per__113078">Nikolaenko</rs> von <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> zugezogen wird, auch der österrei<lb break="no"/>chische Handelsdelegierte in Moskau, <rs type="person" ref="#per__114588">Draszczyk</rs>, herangezogen werden<lb/>
soll. Ich erkläre <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> zu x-tenmal, daß er sich da an das Protokoll<lb/>
im BKA wenden muß, die Entscheidung, wen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zuzieht, bleibt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
überlassen, darauf nehme ich prinzipiell keinen Einfluß.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_09">Während dieser Diskussion mit <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs>, wo es immer um Sachfragen geht,<lb/>
bemerke ich, daß <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> mit <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> über die Frage der Sozialpartner<lb break="no"/>schaft spricht. <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> hat gleich bei Beginn der Sitzung festgestellt,<lb/>
daß <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> heute sehr verärgert ist, wie sie dann rausbekommt, aus<lb/>
innerparteilichen Schwierigkeiten, gegenüber dem Bundeskanzler hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> aber festgehalten, wenn <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> seine Art der Behandlung der<lb/>
Handelskammer in allen sozialpolitischen Fragen fortsetzt, dann die Han<lb break="no"/>delskammer auf die Sozialpartnerschaft verzichten muß und wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>,<lb/>
so <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, nimmt diese Drohung sehr ernst und meint, er glaubt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> in dieser Frage und gibt ihm damit auch indirekt recht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_10"><rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> bewährt sich bei diesen Sitzungen als Blitzableiter und ist<lb/>
mir daher auch bei den Gesprächen sehr wertvoll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_11">Ich ersuche <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs>, er möge die ablehnende Haltung einer Arbeitsminister<lb break="no"/>konferenz, welche der Europäische Gewerkschaftsbund wünscht, neuerdings<lb/>
überlegen. <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> ist deshalb sehr erstaunt von mir diese Frage ange<lb break="no"/>schnitten zu bekommen, von der er nichts weiß und meint, dies hätten<lb/>
doch <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> oder <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> direkt mit Handelskammer besprechen können.<lb/>
Er wird mir Bescheid geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_12">Ich berichte dann über den Wunsch der Zuckerindustrie, die Trocken<lb break="no"/>schnitzel nach Japan zu exportieren und gleichzeitig eine Zollämterer<lb break="no"/>mächtigung von mir zu verlangen. Die Handelskammer weiß auch davon kei<lb break="no"/>ne Details und wird sich im einzelnen informieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_13">Ich berichte von der Vorsprache der General-Dynamics-Leute wegen der<lb/>
Flugzeuglieferungen F-16 und verweise darauf, daß ich persönlich nur<lb/>
an einer Atommüllagerung bei welch immer und woher immer getätigten<lb/>
Flugzeugkauf interessiert bin. Die Kompensationsverhandlungen über et<lb break="no"/>waige Gegenlieferungen sind auch wichtig, doch erscheint mir als die<lb/>
einzig interessante Frage die Müllagerung resp. Abnahme der abgebrannten<lb/>
Brennelemente. Die Handelskammer nimmt dies zur Kenntnis, äußert sich<lb/>
aber nicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_14"><rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> möchte von mir die Stellungnahme wegen der Errichtung eines<lb/>
Kongreßzentrums, da er zu einer diesbezüglichen Vorbesprechung jetzt<lb/>
gehen muß. Ich berichte ihm, daß als erster Schritt, und dem Wunsch der<lb/>
ÖVP fast entsprechend, <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> in der Regierung durchgesetzt hat, daß<lb/>
die Hofburg für die nächste große Konferenz mit 6-sprachigen Simultan<lb break="no"/>anlagen und sonstigen Verbesserungen um 35 Mio. S ausgebaut wird. Das<lb/>
Konferenzzentrum ist meiner Meinung nach ein großes Infrastrukturbau<lb break="no"/>projekt, Wien behauptet, es dringendst zu brauchen. Er, <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, als<lb/>
Baumensch, wie er sich selbst immer bezeichnet und wie mir <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> nach<lb break="no"/>her sagt, ist in einem furchtbaren Dilemma, da er zwischen der Partei<lb break="no"/>loyalität, die ÖVP lehnt ab, und seiner wirtschaftlichen Überzeugung jetzt<lb/>
entscheiden muß.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_15"><rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs>, die ja die wirtschaftliche Landesverteidigung im Handelsmini<lb break="no"/>sterium führt, entschuldigt sich ganz formell, da bei der letzten Sitzung,<lb/>
die alle drei Parteienvertreter wünschten, dann keiner von ihnen <choice><choice><sic>zu</sic><corr>bei</corr></choice></choice><lb/>
<pb n="58-0337" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band58/58_1981-03-10_0337.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dieser Besprechung, wo die Handelskammer, sowohl der Präsident als auch<lb/>
der Generalsekretär, anwesend waren, <choice><choice><sic>nicht erschienen sind und</sic><corr>erschienen ist und sie</corr></choice></choice> sich nicht<lb/>
einmal entschuldigten. Dies ist für uns äußerst wichtig, denn sollte<lb/>
einmal im Parlament über die wirtschaftliche Landesverteidigung Kritik<lb/>
geübt werden, so werde ich diese wirklich unverantwortliche Vorgangswei<lb break="no"/>se entsprechend ins Spiel bringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_16">In der Ministerratsvorbesprechung berichtet <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, daß in der schwie<lb break="no"/>rigen Situation der VEW, aber auch in sonst allen anderen Fragen der<lb/>
ÖGB die Regierung tatkräftigst unterstützt. Er hat jetzt mit VEW-Be<lb break="no"/>triebsräten aus Judenburg, sein Besuch in Ternitz hat ihm gezeigt, daß<lb/>
die Arbeiterschaft dort zutiefst erschüttert ist. Er stellt eine Bewußt<lb break="no"/>seinskrise wegen dieser wirtschaftlichen Situation in der SPÖ fest. Das<lb/>
Verlangen der Gutachter Booz Allen Hamilton, 4000 VEW-Leuten zu kündigen<lb/>
das wahrscheinlich der Vorstand auf 3200 reduziert, meint <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, könnte<lb/>
höchstens zur Hälfte, also 2000 erfüllt werden und dies auf Sicht und<lb/>
Frist. Der Vorstandsdirektor <rs type="person" ref="#per__128059">Martinovsky</rs>, ehemaliger Funktionär der<lb/>
Privatangestelltengewerkschaft, wird jetzt mit den Judenburgern über<lb/>
einen Sozialplan verhandeln. Dort sollen jüngere Leute 50.000,–– S<lb/>
zusätzliche Abfertigung bekommen, wenn sie selbst gehen. Man rechnet<lb/>
mit 50 Beschäftigten, die sich melden. 80 Beschäftigte können, wenn<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> die vorzeitige Pension für Schichtarbeiter einführt und durch<lb/>
zusätzliche Leistung der VEW, mit 55 Jahren in Pension gehen. Insgesamt<lb/>
wird die Fa. <rs type="person" ref="#per__126571">Bertsch</rs> 100 bis maximal 150 Beschäftigte übernehmen, sodaß<lb/>
man höchstens mit 250 rechnen kann, die ohne große Härten in Judenburg<lb/>
weggebracht werden können. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist bezüglich der Umrüstung sehr<lb/>
skeptisch.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_17">Zweck dieser Ministerratsvorbesprechung, an der aber nur die Regierungs<lb break="no"/>mitglieder teilnehmen, also keine sonstigen Vertreter der Partei, Klub<lb/>
AZ usw. ist, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> die Frage der Zusammenarbeit in der Regierung<lb/>
natürlich als strengst vertraulich zur Sprache bringt. Die Präjudizierung<lb/>
der gesamten Regierung in einzelne Regierungsmitglieder, Aussagen, ohne<lb/>
Absprache machen, wie Konferenzzentrum, Abfangjäger, sozialpolitische<lb/>
Vorschläge, Steuerfrage usw., könnte und müßte vorher in der Regierung<lb/>
besprochen werden. Für ihn sei die Regierungsarbeit eine große, schwer<lb/>
zu tragende Last, die er aber gerne auf sich nimmt, da er ja letzten<lb/>
Endes auch für diese Legislaturperiode es versprochen hat. Jetzt müsse<lb/>
man aber wieder zu Solidarität der Regierung zurückkehren. Er habe alle<lb/>
sehr gern und möchte niemanden schurigeln. Er ist auch jetzt seit den<lb/>
50-er Jahren in der Regierung und kann feststellen, daß dies eine der<lb/>
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Frage muß aber vorher ausdiskutiert werden und nachher müßten alle die<lb/>
Entscheidungen vertreten. Die öffentliche Meinung und die Massenmedien<lb/>
sind gegen uns. Die Kronen-Zeitung z.B. läßt den ÖGB zwar in Ruhe,<lb/>
attackiert aber die SPÖ mit den verschiedensten Kolumnisten. <rs type="person" ref="#per__109961">Nimmer<lb break="no"/>richter</rs>, <rs type="person" ref="#per__126870">Kindermann</rs> usw. greifen ständig irgendwelche Differenzen in<lb/>
der Regierung auf und reden nur mehr von den Kampfmaßnahmen gegeneinan<lb break="no"/>der. Er appelliert also noch einmal und eindringlichst an die Solidari<lb break="no"/>tät aller Regierungsmitglieder.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_18"><rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> meldet sich gleich als erster und meinte, diese Aussprache<lb/>
wäre ungeheuer wichtig gewesen, er möchte, daß wieder mehr Zeit bleibt,<lb/>
um die Probleme in der Regierung zu diskutieren, daß wir an die Montag<lb break="no"/>vorbesprechung zurückkehren. Da ja an diesen Gesprächen auch die Landes<lb break="no"/>präsidienmitglieder der SPÖ beteiligt sein sollten, wendet Staatssekre<lb break="no"/>tär <rs type="person" ref="#per__97614">Karl</rs> ein, daß insbesondere es für die Auswärtigen äußerst schwierig<lb/>
ist, Montag zu kommen, denn da sind meistens noch die Parteisitzungen<lb/>
in den Ländern. Ich mache sofort den Vorschlag, es könnte doch auch am<lb/>
Dienstag der Ministerrat später beginnen, sodaß eine längere Vorbespre<lb break="no"/>chungszeit zur Verfügung steht. Ich halte es optisch sowieso nicht für<lb/>
sehr günstig, wenn oft die Ministerratssitzung und auch die Vorbespre<lb break="no"/>chungen in kürzester Zeit abgewickelt sind. Der Ministerrat dauert ja<lb/>
tatsächlich nur 5 Minuten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, das war immer schon so, was<lb/>
mich zur Feststellung veranlaßt, daß wenn die Sitzung bei <rs type="person" ref="#per__97852">Raab</rs> länger<lb/>
als 5 Minuten gedauert hat und man im Foyer fragte, was ist heute in der<lb/>
Koalition los, als <rs type="person" ref="#per__97478">Gorbach</rs> dann Bundeskanzler war und eine Sitzung kürzer<lb/>
als eine halbe Stunde gedauert hat, stellte man genau die selbe Frage.<lb/>
Richtig ist, daß formell im Ministerrat niemals eine lange Diskussion,<lb/>
nicht einmal in der Koalition gewesen ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> stimmt aber trotzdem<lb/>
meinem Vorschlag zu und wir einigen uns, daß mindestens eine 1 1/2 stün<lb break="no"/>dige Ministerratsvorbesprechung und auch Ministerratssitzung in Aussicht<lb/>
genommen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte für nächsten Dienstag entsprechend berück<lb break="no"/>sichtigen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_20">Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__111408">Eypeltauer</rs> bringt die Frage des Konferenzzentrums unter<lb/>
dem Gesichtspunkt zur Sprache, daß sie meint, die Wiener müßten sich<lb/>
entscheiden, ob sie nicht doch anstelle des gewünschten Konferenzzen<lb break="no"/>trums die Wiener Wohnungen, die ansonsten immer mehr verfallen, entspre<lb break="no"/>chend <choice><choice><sic>verbessert werden</sic><corr>verbessern wollen</corr></choice></choice>. Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__123215">Fast</rs> meint, das sei ja nur dann<lb/>
<pb n="58-0339" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band58/58_1981-03-10_0339.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>eine Fassadenrenovierung und die alten Häuser bleiben Bruchbuden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111408">Eypeltauer</rs> kommt auf ihren Wunsch der Finanzierung der Startwohnung zu<lb/>
sprechen, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wieder stellt richtig fest, diese Entscheidung müßte<lb/>
letzten Endes, ob Konferenzzentrum oder Wiener Häusersanierung, die<lb/>
Wiener SPÖ treffen. In Salzburg hat sich die Altbausanierung für die<lb/>
Bevölkerung nur optisch gut ausgewirkt. Die jungen Leute brauchen eini<lb break="no"/>germaßen erschwingliche Wohnungen. An der ruhigen Samstag-Jugenddemon<lb break="no"/>stration konnte man berechtigte Plakate sehen, wie renovieren statt<lb/>
demolieren, das vielschichtige Mietzinsproblem zeigt, daß die älteren<lb/>
besser verdienen, billigere Wohnungen haben und die jungen Leute sich<lb/>
die teureren besorgen müssen. Er polemisiert gegen die Argumentation<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__123215">Fast</rs>. Die Jugend kann nicht den selben Standard haben wie die Alten,<lb/>
die 35 Jahre schon arbeiten und nach <rs type="person" ref="#per__123215">Fasts</rs> Behauptung auch einsehen.<lb/>
Ich glaube, hier irrt <rs type="person" ref="#per__123215">Fast</rs> tatsächlich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_21"><rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> bringt dann die Problematik der Witwerpension zur Sprache und<lb/>
legt entsprechendes Zahlenmaterial vor. Alle Variationen werden durchbe<lb break="no"/>sprochen, doch kommt es zu keiner endgültigen Entscheidung. <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs><lb/>
beruft sich darauf, daß es aufkommensneutral sein müßte und daß ande<lb break="no"/>rerseits im Wirtschaftsprogramm jetzt eine mittelfristige Sozialversi<lb break="no"/>cherungslösung in Aussicht gestellt wird. Die Witwerpension ist dabei<lb/>
nur ein Teilbereich und er möchte keine Teillösung jetzt diskutieren<lb/>
oder gar entscheiden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schlägt vor, wir sollten das nächste Mal<lb/>
diese Frage noch einmal eingehend besprechen, vorher mit dem Hauptver<lb break="no"/>band der Sozialversicherungsträger Kontakte und endgültige Stellungnah<lb break="no"/>men verlangt werden. <rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs> verweist darauf, daß auch die Frage des<lb/>
öffentlichen Dienstes und die Landeshauptleutekonferenz besprochen wer<lb break="no"/>den muß. Ebenso muß die Frage der Exportkredite, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> feststellt,<lb/>
besprochen werden. Zur Einsparungsfrage meint <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, man sollte sich<lb/>
doch überlegen, ob die in einem Jahr ausscheidenden Beamten, die in<lb/>
Pension gehen, man ein Jahr aus Ersparungsgründen nicht nachbesetzt.<lb/>
Über all die offenen Fragen wird man also bei den nächsten Dienstagvor<lb break="no"/>besprechungen entsprechend verhandeln. Erklärtes Ziel <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky's</rs>: einmal<lb/>
eine große Vorbesprechung, das andere Mal nur Regierungsmitglieder.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_22">Das Arbeitsessen mit dem tschechischen Minister für Forst- und Wasser<lb break="no"/>wirtschaft und Bundesminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> im Hotel Bristol, welches ich auf<lb/>
Wunsch der einladenden Firma gegeben habe, führt, wie auch beabsichtigt,<lb/>
zu einem Fachsimpeln zwischen den Forstleuten. Beide stimmen in der Mei<lb break="no"/>nung überein, daß am Wald die selben biologischen Züchtungsergebnisse<lb/>
<pb n="58-0340" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band58/58_1981-03-10_0340.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>früher oder später kommen werden, wie wir sie jetzt im ganzen Bereich<lb/>
bereits haben. Ich erkläre ein bißchen ironisch, ob wir dann den soge<lb break="no"/>nannten Hybridwald bekommen werden. Dies wird von den Fachleuten gar<lb/>
nicht ausgeschlossen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_23">Mit dem tschechischen Botschafter und dem Handelsrat bespreche ich bei<lb/>
dieser Gelegenheit gleich den Besuch von Außenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__114726">Barcak</rs>.<lb/>
Der tschechische Botschafter ersucht um eine schriftliche Fixierung und<lb/>
Programmvorschlag. Bei diesem Brief werde ich auch insbesondere die<lb/>
Frau <rs type="person" ref="#per__131487">Barcak</rs> einladen, da ich zu meiner größten Verwunderung fest<lb break="no"/>stelle, daß tatsächlich auch der Minister diese Frage im Ministerrat<lb/>
genehmigt bekommen muß.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_24">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte entsprechendes Schreiben sofort veranlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-10_25">Die Fa. Liliput bekommt, wie man mir dann bei der Besichtigung anschlie<lb break="no"/>ßend sagt, endlich das Staatswappen. Liliput erzeugt heute, wie ich<lb/>
mich aus den Akten, insbesondere aus beiliegenden Fachschriften überzeu<lb break="no"/>gen kann, tatsächlich die naturgetreuesten Modelle. Manche Aufschriften<lb/>
auf den Loks und Waggons kann man nur mit einer großen Vergrößerungs<lb break="no"/>lupe lesen. Die Firma ist daher gut ausgelastet, alle Jahre bringt sie<lb/>
eine neues Modell hervor, <choice><choice><sic>auf</sic><corr>von</corr></choice></choice> der Nürnberger Spielzeugmesse ist sie<lb/>
mit vollen Orderbüchern zurückgekommen. Herr <rs type="person" ref="#per__131482">Novak</rs>, der dort das Ganze<lb/>
managt, zumindestens was die Verleihung des Staatswappens und die Ab<lb break="no"/>wicklung der Veranstaltung betrifft, ansonsten ist er Exportleiter, meint,<lb/>
die Firma hätte sich das Staatswappen schon längst verdient. Da gebe<lb/>
ich ihm vollkommen recht, der Grund, warum sie es erst jetzt bekommen<lb/>
hat, meint er allerdings dann, liegt im Verschulden der Firma, weil sie<lb/>
keinerlei Arbeitnehmervertretung hatte. Die Firmenleitung bestätigt<lb/>
mir, daß tatsächlich viele Firmen als Werbegeschenke die ori<lb break="no"/>ginal, bis ins letzte Detail nachgebauten Modelle, also insbesondere ihre<lb/>
Waggons verschenken. Ich bekomme eine so schöne Lok, die die schwedische<lb/>
Freundin meines Sohnes so begeistert, daß ich nicht umhin kann, sie<lb/>
ihr zu schenken.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 10.3.1981</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 79. Ministerratssitzung, 10.3.1981</head>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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