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            <title type="main">Dienstag, der  3. März 1981</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_01">Dienstag, 3. März 1981<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_02">Beim Jour fixe mit der HK stellten <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> und auch <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> fest,<lb/>
daß die Wiener Polizei sich bei der Sonntagsdemonstration muster<lb break="no"/>gültig verhalten hat. Die Betriebe in der Stadt waren von der De<lb break="no"/>monstration zeitgerecht gewarnt worden, die Polizei hat erst dann<lb/>
energisch durchgegriffen, als kriminelle Delikte gesetzt wurden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_03"><rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> informierte mich über eine Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs>, den<lb/>
Sektionsobmann der Industrie, der erklärt hat, man würde auch wegen<lb/>
des Fortbestehens der Sozialpartnerschaft mit dem Bundespräsidenten<lb/>
sprechen müssen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> erklärte dezidiert, er sei der Sprecher<lb/>
der Wirtschaft, <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> und ich stellten eindeutig fest, daß, wenn<lb/>
es tatsächlich zw. dem Präsident des ÖGB, <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, und dem Präsiden<lb break="no"/>ten der HK, <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, kein Gesprächsklima mehr gäbe, gibt es keine<lb/>
übergeordnete Instanz, welche letzten Endes darüber entscheiden kön<lb break="no"/>ne. Die Sozialpartnerschaft ist auf freiwilliger Basis aufgebaut<lb/>
und besteht ausschließlich in der Übereinkunft dieser beiden großen<lb/>
Wirtschaftsgruppen, die von ihnen festgestellte Verfahrensweise ein<lb break="no"/>zuhalten. Niemand kann dies einklagen, niemand kann als Vermittler,<lb/>
Schlichter usw. auftreten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_04">Altbürgermeister <rs type="person" ref="#per__131457">Pfefferkorn</rs> von Lech hat um ein Ehrenzeichen einge<lb break="no"/>reicht.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_06">HK-Präs. <rs type="person" ref="#per__97487">Graf</rs> möchte anläßl. der Jubiläumsveranstaltung im Juni<lb/>
durch den Herrn Bundespräsidenten persönlich die 6 von ihm ver<lb break="no"/>liehenen, die 4 Burgenland zustehenden und die 2 vom Bundeskon<lb break="no"/>tingent <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> abgetretenen 2 Kommerzialräte in einem feierlichen<lb/>
Akt verleihen lassen. Die HK wird die notwendigen Vorarbeiten so<lb break="no"/>fort in Angriff nehmen und zeitgerecht einreichen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte auch im Handelsministerium den Zeit<lb break="no"/>plan sicherstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_08">Der Vizepräs. d. HK <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> möchte dem FWV-Angehörigen Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__131015">Knut Bellinger</rs> auf sein Kontingent den Kommerzialratstitel ver<lb break="no"/>leihen. Die Wr. HK ist strikt dagegen, auch der Vertreter des<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte kläre den Fall, damit ich mit <rs type="person" ref="#per__97757">Mühl<lb break="no"/>bacher</rs> darüber sprechen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_10">Die Milchpreisregelung hat dann, nicht zuletzt durch die Spannen<lb break="no"/>erhöhung für Käse und Butter und Trinkmilch, die restlose Zustim<lb break="no"/>mung der HK gefunden. <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> streicht mit Recht die <choice><choice><sic>vermittelte<lb/>
Tätigkeiten</sic><corr>Vermittlungstätigkeit</corr></choice></choice> des Dr. <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> heraus. Ich erkläre <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs>, daß<lb/>
ich bereit bin, die Idee <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitners</rs>, eine Preisregelungsnovelle<lb/>
zu erarbeiten, damit wir die Importkäse, die tief unterpreisig ver<lb break="no"/>kauft werden, so regeln können, daß wir die mit der EG zu ver<lb break="no"/>handelnden Käsemindestpreisverordnung nicht mehr brauchen. Eine<lb/>
Kombination zw. Preisgesetz u. Vergabegesetz gegen den Verkauf un<lb break="no"/>ter dem Einstandspreis könnte vielleicht eine Lösung darstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs>: <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> soll Dir diese Idee entwickeln.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_12"><rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> erklärt dezidiert, wenn sich die Firmen der Paritätischen<lb/>
Kommission unterwerfen und wie z.B. seinerzeit bei Dünger, jetzt<lb/>
bei Öl die Anträge über die Paritätische Kommission einbringen,<lb/>
denn die PK dann aber durch Einspruch der LWK nicht beschließen<lb/>
kann, daß die HK nicht bereit ist, <choice><choice><sic>seinen</sic><corr>ihren?</corr></choice></choice> § 3 Antrag, wenn dann<lb/>
die Firmen ihre Preise verlangen, zu stellen. Die einzige Möglich<lb break="no"/>keit<add>[, die]</add> die Landwirtschaft <choice><choice><sic>hat dann</sic><corr>dann hat,</corr></choice></choice> ist, einen eigenen Antrag über<lb/>
§ 4, Feststellung der betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit, zu<lb/>
stellen, bei einem solchen Antrag kann aber kaum gegenüber erhöhten<lb/>
Preise der Firma eingeschritten werden. Die Haltung der HK ist<lb/>
meiner Meinung nach vollkommen richtig, da sie ihre Firmen stützen<lb/>
muß, wenn diese sich aber nach den Spielregeln der PK verhalten,<lb/>
kann man nicht erwarten, daß die HK als Interessensvertretung dann<lb/>
gegen diese Firma Schritte einleitet. <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> stellt mit Bedauern<lb/>
fest, daß durch das Verhalten der LWK der Dieselpreis statt 55 g<lb/>
dann letzten Endes mit 60 g Verteuerung von den Ölfirmen festge<lb break="no"/>setzt wurde. Dies entspricht vollkommen meiner Vorgangsweise, die<add>[sich]</add><lb/>
übrigens<add>[mit]</add> der<add>[von]</add> Präsident <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> des ÖGB deckt. Immer wenn die LWK<lb/>
sich, aus welchen Gründen immer, weigert, vernünftige Kompromisse<lb/>
anzunehmen, dann ist zu erwarten, daß die Firma bei ihrer Preis<lb break="no"/>festsetzung das Entgegenkommen, welches sie der PK zugestanden<lb/>
hätte, nicht mehr aufrecht erhält. Dies war der Grund, warum statt<lb/>
55 g Dieselpreiserhöhung letzten Endes dann 60 g auch von der AK<lb/>
und ÖGB und von mir akzeptiert wurden. Der radikalere Vertreter<lb/>
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Ernstes erwartet, es wird die HK die Düngerpreiserhöhung der<lb/>
Stickstoffwerke durch einen § 3 Antrag <choice><choice><sic>anden</sic><corr>ahnden?</corr></choice></choice>. Darüber hat es inner<lb break="no"/>halb der ÖVP einen mächtigen Streit gegeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_13"><rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> informiert mich über die Verhandlungen zw. d. HK-Delegation<lb/>
und den Tschechen in Prag, über den Zollbrief und über den Schutz<lb break="no"/>brief. Da <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> befürchtet, daß MR <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> den Tschechen entgegen<lb break="no"/>kommt und die Interessen der HK nicht entsprechend berücksichtigt,<lb/>
schlage ich sofort vor eine Aussprache zw. <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97474">Gleißner</rs>, <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs><lb/>
und mir.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte Termin vereinbaren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_15">Der SPÖ-Nationalrat <rs type="person" ref="#per__127077">Rechberger</rs> hat im ÖGB-Haus in Graz einen<lb/>
Sprechtag einberufen, an dem auch Beamte des BKA und des Handels<lb break="no"/>ministeriums daran teilnehmen. Dagegen protestiert die HK ganz<lb/>
entschieden, da sie auf dem Standpunkt steht, Beamte haben bei<lb/>
Parteiveranstaltungen nichts verloren. Ich kenne den Fall nicht<lb/>
und erkläre sofort, das muß ein Mißverständnis sein, das Handels<lb break="no"/>ministerium macht Aufklärungsaktionen im Zusammenwirken mit anderen<lb/>
Ministerien und den Bankenvertretern ausschließlich bei überpartei<lb break="no"/>lichen Veranstaltungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Was weißt Du von der <rs type="person" ref="#per__127077">Rechberger</rs>-Veranstaltung?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_17">In der Ministerratsvorbesprechung beginnt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sofort über die<lb/>
Länderbank-Politik herzuziehen. Klimatechnik ist ungeheuer bei der<lb/>
Länderbank verschuldet, dieser Betrieb zeigt einmal mehr, wie das<lb/>
Finanzministerium die Aufsicht als Staatskommissär bei der Länder<lb break="no"/>bank vernachlässigt. <rs type="person" ref="#per__97678">Lacina</rs> als Aufsichtsratsmitglied hätte bereits<lb/>
vor längerer Zeit auf diese Entwicklung aufmerksam gemacht und die<lb/>
ganzen kritischen Firmenbeteiligungen u. Finanzierungen kritisiert<lb/>
und Aufklärung verlangt. Die einzige Folge davon war, daß man dem<lb/>
Aufsichtsrat dann nicht mehr alles vorgelegt hat. Schlecht sei die<lb/>
Koppelung von Aufsichtskommissär und Eigentumsfunktionsvertreter<lb/>
im Finanzministerium. Dies rechtfertige heute denn mehr denn je<lb/>
das 10-Punkte-Programm von ihm. Aufklärungsbedürftig sei auch,<lb/>
daß Elin sich mit 50 % an der ÖKT beteiligt hat, <rs type="person" ref="#per__113018">Kohlruß</rs> und auch<lb/>
Bankhaus Schoeller, <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs>, hätten hier eine aufklärungswürdige Rolle<lb/>
gespielt. Diese Machinationen müssen jetzt klargestellt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_18">Die Hauptproblematik liegt darin, daß die ÖKT jetzt einen Auf<lb break="no"/>tragsstand von 2 Mrd. S hat und daß insbes. in arabischen Ländern,<lb/>
ganz besonders Saudi-Arabien, die österr. Bonität furchtbar leiden<lb/>
würde, wenn man jetzt diese Aufträge nicht erfüllt. Bei Funder<lb/>
zeigt sich vielleicht eine Lösung. Die Wirtschaftslage sei aber<lb/>
deshalb so kritisch, weil die Zinspolitik immer unerträglicher für<lb/>
die Unternehmungen wird, weitere Zinsenerhöhungen über Deutschland<lb/>
dürften sich aber nach Österreich durchschlagen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_19">Innenpolitisch stellt er fest, daß die Volkspartei überdreht hat.<lb/>
Die SPÖ wird jetzt die Zeugen zulassen, die Termine müssen aber<lb/>
eingehalten werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> Mentalreservation, nur bei außergewöhn<lb break="no"/>lichen Umständen könnte man dann neuerdings darüber reden.<lb/>
Die Wende ist bei der ÖVP eingetreten, als der Untersuchungsaus<lb break="no"/>schuß eine offensivere Politik von Seiten der SPÖ einleitete. Die<lb/>
Drohung, man würde den Graf-Verlag, also den Wirtschaftsverlag und<lb/>
die Heimatwerbung und andere untersuchen, hat dann dazugeführt, daß<lb/>
die Sozialisten zwar erklärt haben, 5 Gesellschaften dürfen über<lb break="no"/>prüft werden, aber von der Volkspartei auch die Stadtfeste, auf<lb/>
die die Sozialisten von Wien größten Wert legen, auch über<lb break="no"/>prüft werden können. <rs type="person" ref="#per__126906">Rabelbauer</rs> dürfte aber nicht aus der Volkspar<lb break="no"/>teiverantwortung herausgelassen werden. Nachdem jetzt neben dem<lb/>
AKH auch die Richter und jetzt sogar <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs> wegen der Industrie<lb/>
und Sozialpartnerschaft zum Bundespräsidenten gehen will, sieht<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sich bestätigt, daß er gegen diese Politik gleich zeitge<lb break="no"/>recht aufgetreten ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_20">Bezüglich der Außenpolitik meint <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, könnte es zu einem Waf<lb break="no"/>fenstillstand zw. Irak und Iran kommen. Die Ölversorgung verbes<lb break="no"/>sert sich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_21">Die Labour-Spaltung ist nicht mehr aufzuhalten, die österr. Soziali<lb break="no"/>sten werden keine Resolution dagegen einbringen, weil der Pflug nicht<lb/>
mehr heilbar ist. Er hätte zeitgerecht eine Mahnung losgelassen,<lb/>
jetzt wäre es sinnlos, noch was zu tun, weil dann nur die eine oder<lb/>
andere Gruppe dies für sich reklamiert und Österreich für Sozialisten<lb/>
dann in einen Streit reingezogen werden. Die Labour-Organisation ist<lb/>
manipuliert worden, die Gewerkschaften haben dort ihre Blockstim<lb break="no"/>men, es gibt ein sehr undemokratisches System in der Labour-Partei<lb/>
und in den Wahlvorgängen, sehr zum Unterschied von Österreich, wo<lb/>
die Betriebsräte geheim gewählt werden, daher auch der ÖGB wesent<lb break="no"/>lich demokratischer seine Organe bestellt als die englischen Ge<lb break="no"/><pb n="58-0306" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band58/58_1981-03-03_0306.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>werkschaften. Die neue Gruppe kann zwar viele Stimmen bekommen,<lb/>
aber nach dem englischen Wahlsystem wenig Mandate. Die große Gefahr<lb/>
besteht, daß dadurch die Konservativen unter <rs type="person" ref="#per__123749">Thatcher</rs> trotz ihrer<lb/>
schlechten Politik die nächsten Wahlen wieder gewinnen. Jetzt ent<lb break="no"/>wickelt sich eine anglosächsische Union, Vereinigte Staaten und<lb/>
England, gegen Deutschland und Frankreich als EG-Hauptsprecher.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_22">In Spanien gab es einen perfekten Militärputsch, nur der König hat<lb/>
durch sein nicht nur passives Ablehnen, sondern sogar durch seine<lb/>
aktive Einschaltung gegen den Putsch die Situation gerettet. Jetzt<lb/>
sitzen Generale in Haft, das Volk wünscht die Verurteilung, aber man<lb/>
weiß nicht, wie das wirklich weitergehen wird. Ein zweiter Putsch<lb/>
ist nicht dann auszuschließen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_23">Über die Jugendkrawalle am Sonntag in Wien meinte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, die<lb/>
dürfte man nicht dramatisieren, in Zürich waren es tausende Jugend<lb break="no"/>liche bei uns nur 400. Die Opposition, insbes. <rs type="person" ref="#per__131033">Lichal</rs> und <rs type="person" ref="#per__122968">Ofner</rs><lb/>
wünschen law and order, aber dies kann die soz. Regierung nur durch<lb/>
entsprechende Analyse und vorsichtiges Vorgehen abwehren. Die Ju<lb break="no"/>gendlichen waren in erster Linie Schüler aus bürgerlichen Kreisen<lb/>
ähnlich wie bei der Drogensucht. Die Demonstration war ohne polit.<lb/>
Akzent gegen die Polizei und gegen das Establishment. Die Polizei<lb/>
hat sich sehr viel gefallen lassen, darf jetzt nicht <choice><choice><sic>diskriminiert</sic><corr>diskreditiert?</corr></choice></choice><lb/>
werden und hat sich mustergültig verhalten. Jetzt müssen Jugend<lb break="no"/>psychologen, Jugendsoziologen diese 400 Demonstranten genau analy<lb break="no"/>sieren, da ja 97 verhaftet und einvernommen wurden. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, der später<lb/>
kam, ergänzte dann, daß die Deutschen nicht die Initiatoren waren,<lb/>
obwohl 2 eine sehr große Rolle dann spielen. Die Initiativgruppen<lb/>
waren die selben wie bei der Arena im Burggarten, sogenannte Popper<lb/>
respekt. Punkergruppe. Die Demonstration kam nicht unvorbereitet,<lb/>
illegale Flugblätter wurden vorher schon verteilt, es schien diesen<lb/>
Gruppen unehrenhaft, daß in Wien nichts passiert zum Unterschied<lb/>
von Deutschland und der Schweiz. Einem Versuch der Wiederholung<lb/>
wird man sofort entgegentreten, Ballungen von Fußgängern in den Fuß<lb break="no"/>gängerzentren kommen immer wieder vor, man kann daher nicht sofort<lb/>
als unangemeldete Versammlung deklarieren und auflösen. Es hat keine<lb/>
Weisung d. Innenministers gegeben, er deckt aber die zw. General<lb break="no"/>direktion für öffentl. Sicherheit und dem Polizeipräsidenten<lb/>
vorgesehene, zuerst vorsichtige Beobachtung und dann Durchgriff<lb/>
gegen den harten Kern. Es handelt sich um seine Erstvorgangsweise,<lb/>
die Demonstranten stammen aus verschiedensten Milieus, private<lb/>
Internatsschüler, Westand<add>[?]</add> AHS, der Sohn des Rechtsanwaltes <rs type="person" ref="#per__131034">Zörn<lb break="no"/>leib</rs> oder des Kurierreporters <rs type="person" ref="#per__131458">Jäger</rs>, der sogar darüber dann ge<lb break="no"/><pb n="58-0307" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band58/58_1981-03-03_0307.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>schrieben hat. Der Bezirksvorsteher vom 1. Bezirk hat <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> ein<lb/>
Dankschreiben über das mustergültige Verhalten geschickt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_24"><rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> berichtet, daß er jetzt mit den Landeshauptleuten <rs type="person" ref="#per__126988">Krainer</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__112001">Ratzenböck</rs> nach Brüssel fahren wird, um wegen der Innkreis- und<lb/>
Pyhrnautobahn-Finanzierung zu verhandeln. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, die Beglei<lb break="no"/>tung der Landeshauptleute sei nicht sehr zweckmäßig, <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> hat<lb/>
mir nachher gesagt, vor Monaten war es sein Wunsch. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint,<lb/>
es wird keine finanzielle Leistung bei diesem Besuch heraussehen,<lb/>
da das Budget der Europäischen Gemeinschaft dies nicht zuläßt. <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs><lb/>
teilt mit, daß man ihm von Seite der EG immer wieder versichert,<lb/>
daß solange keine Gegenmaßnahmen Österreichs gesetzt werden, die<lb/>
Kommission ein sehr beschränktes Verhandlungsmandat bekommen wird,<lb/>
über welches übrigens jetzt erst in Brüssel verhandelt wird. Die<lb/>
Absicht ist ein Gesamtpaket zu schnüren, die EG möchte die 38 t<lb/>
Gewichtsbeschränkung auf 44 t erhöhen, dies würde nach Mitteilung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108223">Lauseckers</rs> eine 11-fache Straßenabnützung bedeuten. Die Aufhebung<lb/>
der LKW-Abgabe, die dem Finanzminister 1,4 Mrd. S im Jahr bringt,<lb/>
wäre nicht gegen einen einmaligen Zuschußbetrag aufzugeben. Wenn<lb/>
endlich die Tauernautobahn zw. Spittal und Villach fertig ist,<lb/>
dann könnte man eine Routenbindung verordnen. Nur dies würde die<lb/>
EG treffen. <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> teilt mit, daß er für die Pyhrn- u. Innkreis<lb break="no"/>autobahn 17,4 Mrd. S bräuchte. Im Inland ist dies nicht aufzutreiben.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, man müsse mit der EG verhandeln, ob sie eine ähnliche<lb/>
Vorfinanzierunglösung bereit wären durchzuführen, als dies auch in<lb break="no"/>nerösterreichisch zwischen Bund und Ländern manchmal geschieht. <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs><lb/>
ist davon überzeugt, solange der Transit über Österreich so gut<lb/>
funktioniert, wird es keinen Zuschuß von seiten der EG geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_25"><rs type="person" ref="#per__117200">Steyrer</rs> berichtet über die Maul- u. Klauenseuche, er ist mit dem<lb/>
LR <rs type="person" ref="#per__131041">Blochberger</rs> übereingekommen, daß maximalste Maßnahmen sofort<lb/>
gesetzt werden. 1.800 Tiere werden gekeult, 30 km wird eine Impf<lb break="no"/>aktion durchgeführt, alle Veranstaltungen abgesagt, die Tierkadaver<lb/>
werden vernichtet, weil ansonsten Übertragungsgefahr bestand.<lb/>
Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> begrüßt alle diese maximalen Maß<lb break="no"/>nahmen, weil er für den Export von Vieh fürchtet. Im Vorjahr sind<lb/>
immerhin 200.000 Rinder exportiert worden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_26">Zentralsekretär <rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs> erinnert daran, daß die regionalen Ver<lb break="no"/>pflichtungen des Parteiabsatzes mit den Regierungsreisen gekoppelt<lb/>
werden sollten. Er ersucht insbesondere am 1. Mai und am Vorabend<lb/>
die Regierungsmitglieder für NÖ zur Verfügung zu stellen. Der zu<lb break="no"/><pb n="58-0308" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band58/58_1981-03-03_0308.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ständige Sekretär <rs type="person" ref="#per__130521">Wurm</rs> im Zentralsekretariat wird alles verein<lb break="no"/>baren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_27">Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__123215">Fast</rs> berichtet in der Vorbesprechung und dann auch<lb/>
im Ministerrat über die Arbeitsmarktsituation Ende Februar: 98.600<lb/>
Arbeitslose, um 16.000 mehr als im Vorjahr, aber wenigstens um 6.200<lb/>
weniger als im Vormonat, die Arbeitslosenrate 3,5 %.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_28">In der Ministerratssitzung wird dann von <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> akzeptiert, daß<lb/>
die Errichtung der afrikanischen Entwicklungsbank und des Ent<lb break="no"/>wicklungsfonds nur im Einvernehmen mit dem Bundeskanzleramt<lb/>
erfolgt und bei der Durchführung auch das BKA, sprich <rs type="person" ref="#per__110169">Nußbaumer</rs>,<lb/>
eingeschaltet wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_29">Auf Wunsch von Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> wird die Wiederver<lb break="no"/>lautbarung des Mühlengesetzes um eine Woche zurückgestellt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_30">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Hat das Landwirtschaftsministerium keine<lb/>
Möglichkeit der Prüfung gehabt?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_31"><rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> legt einen mündlichen Bericht über die Intervention Österreichs<lb/>
wegen des Südtirol-Pakets vor.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_32"><rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> berichtet über ein 5-Innenministertreffen am 9. März in Rom<lb/>
gegen die Drogensucht, solche Verhandlungen hat es auch mit dem<lb/>
deutschen Innenminister <rs type="person" ref="#per__130524">Baum</rs> und dem jugoslawischen <rs type="person" ref="#per__131466">Herljević</rs><lb/>
in der letzten Zeit gegeben. Ich berichte über die Berlin-Reise,<lb/>
um die Auszeichnung für den österr. Tourismus entgegen zu nehmen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fährt jetzt nach Irak und Kuwait, dann nach Tunesien und<lb/>
wenn möglich noch nach Libyen. Da <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> zu dieser Zeit in Ungarn<lb/>
ist, wird <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> die Vertretung übernehmen. Es bleibt also alles<lb/>
beim alten wie bisher, außer der formellen Abwicklung der Tages<lb break="no"/>ordnung, der Dienstreisen und der Frage, wer wen vertritt. Die<lb/>
Dienstag-Ministerratssitzungen sind eigentlich nur ein notwendiger<lb/>
formaler Akt und auch eine gute Gelegenheit für das Journalisten<lb break="no"/>forum. <rs type="person" ref="#per__123301">Vecsei</rs> hat erfahren, daß dort etwas zu erfahren ist, bleibt<lb/>
daher immer bis zum Ende dort und berichtet dann <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> und mir.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_33">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109808">ALBRECHT</rs>: Ich halte dies für eine gute Einrichtung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_34">Dir. <rs type="person" ref="#per__116951">Schneider</rs> von der CA teilt mit, daß jetzt die Verhandlungen<lb/>
über die 150 Mio. Dollar Polen-Kredit in diesem Monat zu einem Ende<lb/>
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Preisklausel, 80 % nach der vereinbarten Formel, 20 % Fixpreis,<lb/>
welche von den Polen entschieden abgelehnt wird, weil dadurch<lb/>
für sie eine Erlösschmälerung eintritt. Die Polen sind dagegen<lb/>
einverstanden, daß die Kohle auch anderweitig verwendet werden<lb/>
kann und haben auch Mengen-Änderungen vorgesehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_35">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Um welche Mengenänderungen handelt es sich<lb/>
dabei?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_36">Der Verbundgesellschaftsverhandler <rs type="person" ref="#per__114730">Sommerbauer</rs> ruft <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs><lb/>
später an und fragt, ob es wahr ist, daß ich bereit bin,<add>[mich]</add> morgen in<lb/>
die Verhandlung mit den Polen einzuschalten. Dies ist eine falsche<lb/>
Interpretation von Dir. <rs type="person" ref="#per__116951">Schneider</rs> von der CA. Ich habe <rs type="person" ref="#per__116951">Schneider</rs><lb/>
nur zugesagt, daß, wenn die Endphase, was sicherlich nicht vor<lb/>
Ende März der Fall sein wird, es notwendig sein wird, einen Ver<lb break="no"/>mittlungsvorschlag zu machen und beide Teile, die Polen und die<lb/>
Verbundgesellschaft legt Wert darauf, daß ich zu einer solchen<lb/>
Vermittlertätigkeit bereit bin. Die Newag lehnt derzeit jedwede<lb/>
Änderung ab, Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> hat mich angerufen und er<lb break="no"/>suchte mich auch unbedingt etwas zu unternehmen, daß diese Polen<lb break="no"/>kreditfrage geklärt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_37">Der deutsche soz. Energiesprecher <rs type="person" ref="#per__130197">Wolfram</rs>, gleichzeitig Oberbürger<lb break="no"/>meister von Recklinghausen, berichtet mir, daß er bereit ist, sich<lb/>
bei Energiebezügen aus der BRD einzuschalten. Er kennt z.B. die<lb/>
Ruhrgas sehr genau, ich habe ihm sofort klar gemacht, warum wir<lb/>
eine Option von 200 Mio. m² ab 1986 brauchen. Er wird bei der Ruhr<lb break="no"/>gas intervenieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_38">Die deutsche Kohlenproduktion ist jetzt noch 100 Mio. t und aus<lb break="no"/>schließlich auf die Unterstützung der Sozialisten sowohl in der<lb/>
Regierung als auch in allen Ländern zurückzuführen. Die Schwierig<lb break="no"/>keit wird die deutsche SPD auch am nächsten Parteitag haben, weil<lb/>
der letzte schon beschlossen hat, die Kohle hat Vorrang vor den<lb/>
Kernkraftwerken. Die EVUs sabotieren diese Politik, nur in West<lb break="no"/>falen hat man Kohlekraftwerke errichtet. Wie der Bau mit dem schnel<lb break="no"/>len Brüter weitergeht, der bereits 4 bis 5 Mrd. DM gekostet hat,<lb/>
weiß niemand. Die Deutschen stützten den Kohlenbergbau sehr, jetzt<lb/>
wird Kokskohle mit 45 DM pro t, 2 Drittel durch den Bund, 1<lb/>
Drittel durch das Land Westfalen gestützt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_39">103 Ford-Transit-Wagen mit Ambulanzausstattung wurden von den<lb/>
Iranern gekauft. Der iranische Geschäftsträger Dr. <rs type="person" ref="#per__130537">Abed</rs> war an<lb break="no"/>wesend und wünschte, daß dies nicht allzu sehr in die Öffentlich<lb break="no"/>keit kommt. <rs type="person" ref="#per__114156">Hinteregger</rs> hat aber das Fernsehen eingeladen, dieses<lb/>
hat gefilmt, obwohl ich davon warnte. Angeblich haben sie <rs type="person" ref="#per__114156">Hinter<lb break="no"/>egger</rs> versprochen mit der Aussendung zuzuwarten. Ich habe bei einer<lb/>
Besprechung Dr. <rs type="person" ref="#per__130537">Abed</rs> darauf aufmerksam gemacht, daß wenn er jetzt<lb/>
immer wieder unterstreicht bis er die aktive Neutralitätspolitik<lb/>
Österreichs auch für Iran positiv ist, ich dann erwarte, daß die<lb/>
offenen Rechnungen mit Porr endlich bezahlt werden. Die Behauptung,<lb/>
daß Porr seine Arbeiter abgezogen hat ohne daß dafür ein Grund vor<lb break="no"/>handen war, wies ich auf das entschiedendste zurück. Die Öster<lb break="no"/>reicher wurden dort teils tätlich bedroht, die Sicherheit unserer<lb/>
Landsleute geht uns über alles, weshalb ich die Abberufung der<lb/>
Arbeiter durch die Firma 100%ig decke. Dr. <rs type="person" ref="#per__130537">Abed</rs> erklärte, es werden<lb/>
jetzt mit Porr Verhandlungen geführt, um diese offenen Fragen zu be<lb break="no"/>gleichen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_40">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte mit Dir. <rs type="person" ref="#per__114715">Herbeck</rs> od. <rs type="person" ref="#per__113107">Walter</rs> von Porr<lb/>
verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_41">In der ÖGB-Bundesfraktionssitzung hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtet, ähnlich<lb/>
wie in der Ministerratssitzung nur noch mehr auf die kritische<lb/>
Arbeitsmarktsituation hinweisend. Das Busellen Gutachten?? wird<lb/>
dazu führen, daß Judenburg, Hönigsberg und Waidhofen aus den<lb/>
VEW ausgegliedert werden sollen. 4 Mrd. S ist der Bedarf der VEW,<lb/>
es wird sich jetzt zeigen, ob die Volkspartei tatsächlich im Parla<lb break="no"/>ment diesen notwendigen Unterstützungen zustimmen wird. Bundespar<lb break="no"/>teiobmann <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> muß eine Mitverantwortung tragen, immerhin haben sie<lb/>
50 % auch der Verstaatlichten-Direktoren, die von Finanzminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> vorgebrachten Vorschläge sind nur Diskussionsgrundlage und<lb/>
keine Pläne. Hätte der Finanzminister einen fixen Plan vorgelegt<lb/>
und er hätte dann abgeändert werden müssen, wäre es auch nicht<lb/>
lustig gewesen. Man wird mit den Vorschlägen des Gewerkschaftsbun<lb break="no"/>des sich abstimmen. In der Sozialpolitik gibt es keinen Stillstand,<lb/>
er macht aber nur darauf aufmerksam, daß jetzt die Weltkonkurrenz<lb/>
jetzt so ist, daß äußerste Vorsicht in der Sozialpolitik geboten<lb/>
erscheint. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> verwies insbesondere darauf, daß jetzt die Sozial<lb break="no"/>versicherungsbeiträge erhöht wurden, eine zusätzliche Besteuerung<lb/>
sei nicht möglich. Bezüglich des 13. und 14. Monatsgehaltes dürfte<lb/>
man auf gar keinen Fall sagen, daß dies nur für die jetzige Legis<lb break="no"/>1aturperiode gilt, sonst haben wir die nächsten Wahlen schon ver<lb break="no"/><pb n="58-0311" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band58/58_1981-03-03_0311.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>loren. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> glaubt daher zu Recht, man müßte das 13./14.-Besteue<lb break="no"/>rungsproblem jetzt sofort in Angriff nehmen und lösen und damit<lb/>
als endgültig entschieden bezeichnen. <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> beschwerte sich bei<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über die Vorgangsweise einzelner Vorstände und ganz be<lb break="no"/>sonders, daß diese Privilegien haben, die die Arbeiter nicht ver<lb break="no"/>stehen können. Dies gilt jetzt insbesondere, wo die VEW-Löhne stän<lb break="no"/>dig fallen und heute bereits auf den Durchschnittslohn der Industrie<lb break="no"/>fachgruppe gesunken sind. <rs type="person" ref="#per__97741">Millendorfer</rs> verwies auf die 36.000 Ar<lb break="no"/>beitslosen des Baugewerbes.<lb/>
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den soz. Gewerkschaftern über die Witwerpension. Man wird wahr<lb break="no"/>scheinlich zu einer Witwerpension mit Ruhensbestimmungen kommen.<lb/>
Notwendig sind, wie <rs type="person" ref="#per__97741">Millendorfer</rs> sagte, 40 %, die Idee war ein Drit<lb break="no"/>tel Kürzung, jetzt ist man zwischen ein Drittel und ein Viertel, ob<lb/>
es aufkommensneutral ist, wird sich erst herausstellen. Die bisheri<lb break="no"/>ger Vorschläge hätten 1,4 Mrd. S Subvention ab 86 für die 28.000<lb/>
Pensionisten bedeutet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_43">Auf der Landstraße im Vorstand gab es keine besonderen Probleme<lb/>
außer Baufragen im Bezirk. Im Bezirksausschuß berichtete ich dann<lb/>
und darüber gab es dann eine ganz interessante Diskussion. Überall<lb/>
dort, wo durch die Diskussion Uneinigkeit in der Spitze der Partei<lb/>
und Regierung vermutet wird, greift dies bis zu den Funktionären<lb/>
der Sektionen durch, die verunsichert werden. Dazu kommen dann<lb/>
Zeitungsmeldungen, die als <choice><choice><sic>Wahl</sic><corr>wahr</corr></choice></choice> alle hingenommen werden, sozusagen<lb/>
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Gewerbetreibenden noch die große Angst für die weitere wirtschaftl.<lb/>
Entwicklung, weil gerade jetzt die Klein- u. Mittelbetriebe, da die<lb/>
großen nicht bezahlen, diese mit Wechsel finanzieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-03-03_44">Der Jugendobmann <rs type="person" ref="#per__114118">Woller</rs> berichtet mir dann über die Sonntagskra<lb break="no"/>walle. Er fürchtet Wiederholung, ein Neugieriger von der SJ Land<lb break="no"/>straße wurde auch von der Polizei angehalten. Die Diskussion darüber<lb/>
wird weitergehen, insbes. auf der nächsten Wiener Konferenz.<lb/>
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               <persName type="label">Marsch, Fritz</persName>
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