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            <title type="main">Donnerstag, der 19. Februar 1981</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-02-19_01">Donnerstag, 19. Februar 1981<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-02-19_02">Der österreichische Botschafter in der Schweiz, Dr. <rs type="person" ref="#per__112627">Thalberg</rs>, berichtet,<lb/>
daß nach Schweizer Außenhandelsstatistik unser Außenhandel mit der<lb/>
Schweiz weitestgehend ausgeglichen ist. Nach unserer Statistik dagegen<lb/>
sind wir hoch aktiv. Mit den Oststaaten gibt es in den Statistiken<lb/>
keinen Vergleich, denn die rechnen bei Exporten nicht nach dem Zahlungs<lb break="no"/>land, sondern nach der Destination. Daß es aber mit westlichen Ländern<lb/>
ebenfalls große statistische Differenzen gibt, ist mir neu.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-02-19_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107953">BUCHAUER</rs>: Laß dies von unseren Außenhandelsspezialisten<lb/>
jetzt einmal prüfen. Die Abteilung dürfte dies nicht bemerkt haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-02-19_04">Bezüglich der Gegengeschäfte für schweizerische Militärlieferungen er<lb break="no"/>klärt ihm MR <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs>, daß es mit dem Schweizer volkswirtschaftlichen<lb/>
Departement, <rs type="person" ref="#per__125287">Sommaruga</rs>, in Bregenz eine längere Aussprache darüber ge<lb break="no"/>geben hat. <rs type="person" ref="#per__125287">Sommaruga</rs> wollte leugnen, daß die Schweiz überhaupt Kompen<lb break="no"/>sationslieferungen akzeptiert resp. bei Kauf von ausländischem Mili<lb break="no"/>tärgut solche verlangt. Dies widerspreche auch den öffentlich-rechtli<lb break="no"/>chen Beziehungen zwischen Ländern. MR <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> konnte aber auf einen Kauf<lb break="no"/>vertrag der Schweiz mit amerikanischen Flugzeugen hinweisen, wo sie<lb/>
sehr wohl Kompensationsgeschäfte verlangt haben. <rs type="person" ref="#per__112627">Thalberg</rs> wird versuchen<lb/>
diese Kompensationsforderungen Österreichs für die schweizerischen Mili<lb break="no"/>tärlieferungen nach Österreich zu unterstützen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-02-19_05"><rs type="person" ref="#per__112627">Thalberg</rs> war während des Krieges in der Schweiz und hat dort auch Kontakt<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__126929">Molden</rs>, der jetzt eine Buchserie über diese Zeit und den österrei<lb break="no"/>chischen Widerstand schreibt, gehabt. Er schildert mir, wie es damals<lb/>
in der Schweiz zum Zusammenschluß aller Parteivertretungen für die ein<lb break="no"/>heitliche Widerstandsbewegung gekommen ist. Die Gruppen waren lose zer<lb break="no"/>streut, meistens Einzelpersonen und wirklich nicht Repräsentanten einer<lb/>
größeren, ja man kann sagen, überhaupt keiner Partei. Jedermann konnte<lb/>
sich als eine solche bezeichnen, da, wie ich ja selbst erlebt habe, es<lb/>
auch in Österreich, damals Deutsches Reich, vereinzelte Widerstandsgrup<lb break="no"/>pen gegeben hat, die aber selbst sehr wenig Kontakt hatten. <rs type="person" ref="#per__112627">Thalberg</rs><lb/>
war damals von dem jungen <rs type="person" ref="#per__126929">Molden</rs>, nicht einmal 21 Jahre, also für dama<lb break="no"/>lige Verhältnisse nicht einmal großjährig, und seinen Aktivitäten auch<lb/>
sehr beeindruckt. Zum OSS, dem amerikanischen Geheimdienst, damals in<lb/>
der Schweiz repräsentiert durch den nachmaligen Außenminister <rs type="person" ref="#per__131171">Dulles</rs>,<lb/>
<pb n="58-0241" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band58/58_1981-02-19_0241.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>hatte ihn <rs type="person" ref="#per__112627">Thalberg</rs> auch über verschiedene Beziehungen gebracht. Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>, dessen Vater in Washington beim OSS eine hohe Funktion über<lb/>
hatte, und für Österreich zuständig, erklärte mir, daß die Amerikaner<lb/>
verzweifelt nach Kontakten mit Widerstandskämpfern in Österreich<lb/>
suchten. Außer <rs type="person" ref="#per__131174">Gaiswinkler</rs> im Salzkammergut hatten sie überhaupt keine<lb/>
Beziehung, <rs type="person" ref="#per__131171">Dulles</rs> war daher sehr froh, als er mit <rs type="person" ref="#per__126929">Molden</rs> doch über<lb/>
eine gewisse Beziehung zu Österreichern kommen konnte. <rs type="person" ref="#per__112627">Thalberg</rs> selbst<lb/>
hat noch immer eine Liste von verschiedensten Leuten, die <rs type="person" ref="#per__126929">Molden</rs> den<lb/>
amerikanischen Geheimdienst als Männer, die gegen die Nazis sind, mit<lb break="no"/>teilte. Darunter befindet sich auch der nachmalige Bundespräsident<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97904">Schärf</rs>. Hier zeigt sich die Jugend <rs type="person" ref="#per__126929">Moldens</rs> zu der damaligen Zeit, denn<lb/>
meiner Meinung nach war es unverantwortlich wahllos Namen zusammenzu<lb break="no"/>schreiben, die er zufällig kennengelernt hat, und dann jemandem weiter<lb break="no"/>zugeben. Wäre eine solche Liste in die Hände der Gestapo gefallen, und<lb/>
nichts war leichter als das, wäre es all diesen Männern sehr schlimm<lb/>
ergangen. Eine gute Freundin von mir, <rs type="person" ref="#per__131172">Erna Diwisch</rs>, wurde für<add>[eine]</add> eigentlich<lb/>
heutige Begriffe unwesentliche Tätigkeit, nur weil sie eben in einem<lb/>
solchen Kreis war, wie übrigens wir alle, und dann doch der Gestapo denun<lb break="no"/>ziert wurde, trotz ihrer nicht einmal 20 Jahre justifiziert. Die Gestapo<lb/>
hätte also mit allen Leuten, die auf irgendwelchen Listen erschienen<lb/>
sind, kurzen Prozeß gemacht. Die wichtigste Voraussetzung einer Kon<lb break="no"/>spiration damals war, daß überhaupt nichts schriftlich festgelegt wird,<lb/>
was womöglich niemand in einem größeren Kreis bekannt ist, sondern<lb/>
daß immer nur vereinzelt Verbindungen gelegt werden. Ich hatte damals<lb/>
vielleicht zu unrecht unseren Leuten in unserer Gruppe immer wieder ge<lb break="no"/>sagt, das Wichtigste ist, daß wir überleben. Sinnloser Heldenmut bringt<lb/>
gar nichts. Vielleicht war meine Erfahrung, die ich im austrofaschi<lb break="no"/>stischem Gefängnis und dann insbesondere in Buchenwald bei den Nazis ge<lb break="no"/>macht habe, ausschlaggebend für diese meine Einstellung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-02-19_06">Der Rechtsanwalt Dr. <rs type="person" ref="#per__131173">Strobel</rs>, ein Bundesdeutscher, erhielt das Große<lb/>
Goldene Ehrenzeichen von mir überreicht. Aus den Akten ergab sich eine<lb/>
Laudatio, die nicht besonders interessant war. Zum Glück ist meine Art,<lb/>
dies so locker zu machen, angetan, daß der Betreffende durch Zwischenbe<lb break="no"/>merkungen diese ergänzt. So erfuhr ich, daß <rs type="person" ref="#per__131173">Strobel</rs>, in welcher Funktion<lb/>
weiß ich allerdings nicht sehr genau, wesentlich dazu beigetragen hat,<lb/>
daß jetzt die Metallfabrik in Marktl an eine deutsche Firma verkauft<lb/>
werden konnte. Mit einer Beteiligung <choice><choice><sic>von</sic><corr>der</corr></choice></choice> Aluminiumfabrik Ranshofen<lb/>
kann jetzt dieser Betrieb weitergeführt werden, der eigentlich hätte<lb/>
schließen müssen. Da <rs type="person" ref="#per__131173">Strobel</rs> ein bedeutender Rechtsanwalt in der Bundes<lb break="no"/>republik ist, der auch für Wirtschaftsfragen und damit auch für Investi<lb break="no"/>tionsberatung herangezogen wird, habe ich ihm sofort angeboten, er möge<lb/>
<pb n="58-0242" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band58/58_1981-02-19_0242.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>jederzeit auf das Handelsministerium zurückgreifen. Die Stärke <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs><lb/>
besteht darin, daß immer wieder bedeutende Männer kennenlernt oder die<lb/>
größten ja von ihnen schon kennt und dadurch die Gelegenheit nützt, um<lb/>
wie z.B. jetzt bei dieser sonst in einem Notstandsgebiet zu schließenden<lb/>
Metallfirma doch einen Käufer fand.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-02-19_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Mit Dr. <rs type="person" ref="#per__131173">Strobel</rs> bitte Kontakt halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-02-19_08">GD <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> berichtet mir, daß jetzt bei der Leipziger Messe um 14.30<lb/>
Uhr die Vertragsunterzeichnung zwischen der deutschen Generaldirektion<lb/>
für das <choice><choice><sic>Eisenhüttenwerk</sic><corr>Werk in Eisenhüttenstadt</corr></choice></choice> und ihm erfolgen wird. Dies ist für mich eine<lb/>
gute Gelegenheit einen Grund zu haben, nach Leipzig zu fahren. Ich muß<lb/>
doch damit rechnen, daß sonst andere Oststaaten kommen und sich beschwe<lb break="no"/>ren, daß ich jetzt schon dreimal auf der Leipziger Messe bin und bei<lb/>
ihnen noch nie. <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> teilt mir auch gleichzeitig mit, daß er jetzt<lb/>
mit Libyen mit 4,7 Mrd. S das Stahlwerk abschließen kann. Auch in der<lb/>
Waffenproduktion glaubt er jetzt mit Jordanien eine Kanonenlieferung für<lb/>
2,6 Mrd. S abschließen zu können, wenn er die notwendigen Ausfuhrgenehmi<lb break="no"/>gungen bekommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-02-19_09"><rs type="person" ref="#per__123317">Matousek</rs> vom VW-Werk möchte womöglich, daß beim nächsten Besuch seines<lb/>
Chefs <rs type="person" ref="#per__111752">Münzner</rs> ich bei allen Veranstaltungen teilnehme. Dies ist aus<lb/>
zeitlichen Gründen nicht möglich, ich erkläre mich aber bereit, am<lb/>
Samstag beim Heurigen zu erscheinen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-02-19_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte eintragen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-02-19_11">Die Ölindustrie unter Führung von GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> will mich allen Ernstes über<lb break="no"/>reden, ich sollte den Benzinpreis mit Freitag festlegen lassen, ohne<lb/>
daß die 20 Groschen Mineralölsteuer in den geforderten 60 Groschen für<lb/>
Super und Normalbenzin enthalten sind. Diesel soll um 55 Groschen und<lb/>
Heizöl extra leicht um 65 erhöht werden. Bei einer Unterdeckung von<lb/>
1.300 S Bündelerlös für die Tonne würden damit ca. 493 S abgedeckt wer<lb break="no"/>den können. Ich erkläre sofort dezidiert, daß ich diese Lösung nicht<lb/>
akzeptieren kann, der Finanzminister verlangt mit Recht innerhalb der<lb/>
60 Groschen eine 20-Groschen-Mineralölsteuer. Da die Mineralölsteuer so<lb break="no"/>wieso nicht sofort in Kraft treten kann, selbst ein Initiativantrag<lb/>
dauert mindestens 2 Monate, lukriert die Ölindustrie sowieso die 60<lb/>
Groschen bis zu diesem Zeitpunkt. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> ist sofort damit einverstanden,<lb/>
gelingt ihm dann auch seine Mitbewerber zu überzeugen, daß man diesen<lb/>
Ausweg akzeptieren muß. Die Internationalen verlangen aber, daß sie das<lb/>
<pb n="58-0243" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band58/58_1981-02-19_0243.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Recht haben, wenn die Mineralölsteuer dann eingehoben wird, sie neuerdings<lb/>
einen Preisantrag stellen können. Da mit der AK und ÖGB sowieso verein<lb break="no"/>bart ist, am 15. Mai müßte eine weitere Korrektur erfolgen, wird dies<lb/>
mit einer Lösung zusammentreffen, falls tatsächlich dann im Mai neuerdings<lb/>
eine Preiserhöhung kommen sollte. Ich bezweifle allerdings, daß wenn<lb/>
nicht exorbitante Preissteigerungen auch im Ausland erfolgen, niemand<lb/>
dann mehr den Benzinpreis wesentlich erhöhen könnte. Die amtliche Preis<lb break="no"/>legung halte ich derzeit schon für verfehlt, sie führt ja im Verhältnis<lb/>
zur Schweiz, Deutschland nur dazu, daß wir jetzt sozusagen von der Re<lb break="no"/>gierung sanktionierte hohe Preise den Ölgesellschaften zugestehen. Der<lb/>
Markt wird es ihnen wahrscheinlich gar nicht bringen. Der einzige Vor<lb break="no"/>teil dieser Politik ist, daß wir dadurch sicherlich Benzin sparen, bei<lb/>
diesen krassen Preisdifferenzen zwischen Deutschland und Österreich wer<lb break="no"/>den die deutschen Gäste mit vollem Tank nach Österreich fahren und mit<lb/>
leerem Tank in die BRD zurück. Wenn der Preis in Österreich tief ist, ist<lb/>
es gerade umgekehrt. In Summe macht dies eine beträchtliche Verbrauchs<lb break="no"/>änderung aus.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-02-19_12">Im Parteivorstand hörte ich leider nur das Referat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>. Dieser ver<lb break="no"/>wies also insbesondere auf die wirtschaftspolitische Situation und ganz<lb/>
besonders auf die einzelnen Schwachstellen der Banken, Länderbank, aber<lb/>
auch insbesondere CA, und<add>[der]</add> verstaatlichten Industrie. Neues gab es dabei<lb/>
nichts, außer daß er jetzt sehr verärgert ist, daß die Judenburger Ver<lb break="no"/>einigten Edelstahlwerke Betriebsräte nicht bereit sind, den Vorarlberger<lb/>
Kesselbauer <rs type="person" ref="#per__126571">Bertsch</rs> in ihr Gelände reinzulassen. Sie haben sofort mit<lb/>
Kampfmaßnahmen gedroht, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist also bis jetzt zumindestens an sei<lb break="no"/>nen Bemühungen gescheitert, den sehr geschickten Vorarlberger Unterneh<lb break="no"/>mer <rs type="person" ref="#per__126571">Bertsch</rs> nach Judenburg zu verpflanzen. Die Judenburger Betriebsräte<lb/>
wollen verhindern, daß in ihr Werk ein Unternehmer kommt und dort als<lb/>
erstes einmal 100, zuletzt aber dann 300 Arbeiter beschäftigen würde,<lb/>
denen er natürlich nur den normalen Lohn bezahlt. Den Judenburger Stahl<lb break="no"/>arbeitern ist es geglückt, trotz ihrer schlechten finanziellen Lage ihre<lb/>
Löhne auf ein verhältnismäßig sehr hohes Niveau zu bringen und insbeson<lb break="no"/>dere viele zusätzliche soziale Leistungen sich zu sichern. Die innen<lb break="no"/>politische Situation charakterisierte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> so, daß jetzt die FPÖ,<lb/>
Obmann <rs type="person" ref="#per__122970">Steger</rs>, gleichzeitig auch Obmann des Untersuchungsausschusses,<lb/>
versucht, durchzulavieren. Auf der einen Seite hält er Vereinbarungen mit<lb/>
der SPÖ, insbesondere was die Bestellung von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> in der CA betrifft,<lb/>
ein, auf der anderen Seite natürlich muß er, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sich ausdrückt,<lb/>
innerhalb seiner eigenen Partei hart kämpfen, um seine Linie durchzu<lb break="no"/>setzten. Angeblich hat er sogar im Parteigremium mit Rücktritt gedroht,<lb/>
<pb n="58-0244" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band58/58_1981-02-19_0244.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wenn er nicht sozusagen seine Vereinbarung einhalten kann. Die ÖVP,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs>, dagegen möchte ein gutes Gesprächsklima mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aufrechterhal<lb break="no"/>ten und erklärt halt nur, die Oppositionspartei könne nicht anders. Man<lb/>
sei schon so lange in Opposition und die Jungen drängen eben auf einen<lb/>
härteren Kurs. Das wirkliche Problem, wie es jetzt mit den AKH-Unter<lb break="no"/>suchungen weitergehen sollte, hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> in seinem Referat nicht er<lb break="no"/>wähnt, sondern er besprach dann sehr eingehend außenpolitische Themen,<lb/>
insbesondere seine Reise nach Ägypten. Ich habe Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__131174">Albrecht</rs><lb/>
ersucht, sie soll über die weitere Parteivorstandssitzung berichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-02-19_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109808">ALBRECHT</rs>: Bitte Aufzeichnung dem Tagebuch beifügen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-02-19_14">Der britische Botschafter hat für seine EG-Botschaftskollegen ein Mittag<lb break="no"/>essen, zu dem er mich eingeladen hat. Ich war vor längerer Zeit einmal<lb/>
in dieser erlauchten Runde. Da jetzt der griechische Botschafter als<lb/>
10. EG-Mitglied ebenfalls anwesend war und nicht Deutsch kann, wurden<lb/>
die Besprechungen in Englisch geführt. Was die Botschafter interessierte,<lb/>
war die Energiesituation, insbesondere, ob wir aus dem Osten entsprechen<lb break="no"/>de Mengen von vereinbarter Energie, Gas, Russland, Kohle, Polen, usw.<lb/>
bekommen würden und wie es auf diesem Gebiet weitergehen sollte. Darüber<lb/>
hinaus nahm natürlich auch dann mein Besuch in der Sowjetunion, den<lb/>
anderen Staatshandelsländern einen breiten Raum ein. Einige Botschafter<lb/>
machten sich Notizen, andere merken sich entweder alles oder berichten<lb/>
dann halt nur kursorisch. Da ich selbst ja keine Geheimnisse weiß, kann<lb/>
ich keine Geheimnisse weitererzählen. Das Ganze ist eine nette Plauderei.<lb/>
Als Gegenforderung oder, eigentlich besser gesagt, als Gesprächsthema<lb/>
habe ich dann angeschnitten, daß wir erwarten, daß die EG uns in den<lb/>
landwirtschaftlichen Exporten nun entgegen kommt. Insbesondere urgierte<lb/>
ich besonders die Weinqualitätsverordnung. Übereinstimmung unter den<lb/>
Botschaftern herrschte aber, daß die EG derzeit innenpolitisch in<add>[einer]</add> so<lb/>
schwieriger Situation ist, daß man kaum damit rechnen kann, größere<lb/>
Aktivitäten für eine Integration zwischen EG- und EFTA-Staaten zu errei<lb break="no"/>chen. An der deklaratorischen Erklärung, daß es notwendig wäre und sehr<lb/>
gut sei, ausgesprochen beim österreichischen EFTA-Gipfel, bestätigt<lb/>
durch die EG-Kommission, wird nicht gezweifelt, an der praktischen Durch<lb break="no"/>führung geht allerdings nichts weiter.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-02-19_15">In der Gewerkschaftsfraktion der LUGA besprach Zentralsekretär <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs><lb/>
unseren Gewerkschaftstag. In der Vorstandssitzung der LUGA berichtete ich<lb/>
dann über die sozialpolitischen Fragen, Schichtarbeiter, Witwerpension,<lb/>
und ganz besonders natürlich über die Wirtschaftssituation, insbesondere<lb/>
<pb n="58-0245" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band58/58_1981-02-19_0245.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>die Preispolitik. Da wir ja von den Milchpreisen und anderen spezifischen,<lb/>
die Lebensmittelarbeiter betreffenden Preisen sehr abhängig sind, interes<lb break="no"/>siert dies natürlich die Kolleginnen und Kollegen am meisten. Diskussion<lb/>
gibt es und gab es leider nicht allzu viel. Interessant war nur eine<lb/>
Bemerkung, die Gewerkschaften sollten jetzt womöglich sich überlegen, ob<lb/>
sie nicht einen Stabilisierungsbeschluß dahingehend fassen sollten, daß<lb/>
keine wie immer gearteten Forderungen neu gestellt werden und daß auch<lb/>
die Regierung keine Steuersenkung machen sollte, daß man keine zusätz<lb break="no"/>lichen Sozialleistungen verlangen dürfe, um der Rezession besser begegnen<lb/>
zu können. Gegen eine solche harte Politik habe ich mich ganz entschie<lb break="no"/>den ausgesprochen. Die Gewerkschaften haben bis jetzt verhältnismäßig<lb/>
vernünftige Forderungen gestellt und niemals mit Brachialgewalt welche<lb/>
durchgesetzt. Immer noch ist es zu einer einvernehmlichen Regelung auf<lb/>
Gewerkschaftsebene gekommen. Ob dies jetzt bei den großen Sozialgesetz<lb break="no"/>werk, was <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> versucht, insbesondere die Witwerpension, ebenso der<lb/>
Fall sein wird, ohne daß es zu einer großen Belastung des Budgets kommt,<lb/>
kann ich derzeit nicht beurteilen. Ich weiß nur, daß es große Widerstände<lb/>
gegen die Idee <rs type="person" ref="#per__111740">Dallingers</rs> gibt. Dort ist nämlich vorgesehen, daß die<lb/>
Witwerpensionslösung in den ersten Jahren nicht viel kostet, dann aber<lb/>
dafür umso höher ansteigt und in der Zukunft Belastungen des Staates<lb/>
bringt. <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> wird dem sicherlich nicht zustimmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-02-19_16">Die Zeitschrift Stern hat eine Analyse unserer ÖFVW, "Wanderbares Öster<lb break="no"/>reich", ausgearbeitet. Dr. <rs type="person" ref="#per__131175">Grimm</rs>, der Repräsentant der Zeitschrift, extra<lb/>
aus Deutschland kommend, hat einleitend festgestellt, daß ihre Zeit<lb break="no"/>schrift eben 4 Untersuchungen gestartet hat, eine davon war die glänzend<lb/>
organisierte "Wanderbares Österreich". Ein norddeutscher Dkfm. hat dann<lb/>
im Auftrag von Stern die notwendigen Analysen durchgeführt und dann<lb/>
das Ergebnis präsentiert. Ein größeres Lob für diese Aktion hätten wir<lb/>
uns in der ÖFVW gar nicht erwarten können. Da auch der Präsident des<lb/>
Rechnungshofes, <rs type="person" ref="#per__112588">Broesigke</rs>, geladen war und sogar anwesend war, nutzte ich<lb/>
die Gelegenheit, um gleich darauf hinzuweisen, daß wenn er dann die<lb/>
ÖFVW neuerdings prüft, doch auch auf die ungeheuren positiven Ergebnisse<lb/>
dieser Organisation mehr hinweisen kann, weil selbst Ausländer neidvoll<lb/>
diese gute Tätigkeit immer wieder herausstreichen. Bei dieser Gelegen<lb break="no"/>heit habe ich <rs type="person" ref="#per__112588">Broesigke</rs> auch ersucht, er soll so schnell als möglich<lb/>
den derzeitigen Rechnungshofbericht fertigstellen lassen, damit wir<lb/>
dann unsere Statuten der ÖFVW, den Rechnungshofwünschen angepaßt und vor<lb/>
allem den Vorschlägen der Länder Rechnung tragend, endlich ändern können.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 19.2.1981</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Parteivorstand, 19.2.1981</head>
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               <occupation>Schweizer Diplomat; evtl. ident mit Sommaruga, A</occupation>
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               <persName type="label">Blümel, Kurt</persName>
               <persName><surname>Blümel</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>LUGA-Zentralsekretär</occupation>
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               <persName type="label">Apfalter, Heribert</persName>
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               <persName><surname>Androsch</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <persName type="label">Matousek, Paul</persName>
               <persName><surname>Matousek</surname><forename>Paul</forename></persName>
               <occupation>Leiter VW-Einkaufsorganisation Wien</occupation>
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               <occupation>ZS GPA, ab 1980 Sozialminister</occupation>
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               <persName><surname>Mock</surname><forename>Alois</forename></persName>
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               <persName type="label">Gaiswinkler, Albrecht</persName>
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