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            <title type="main">Freitag, der 16. Jänner 1981 bis Montag, der 19. Jänner 1981</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_01">Freitag, 16., bis Montag, 19. Jänner 1981<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_02">Der Sprecher der Länderprüfungskommission der Energieagentur <rs type="person" ref="#per__129216">Schmidt</rs><lb/>
aus der Schweiz neben einem Norweger und dem dritten aus dem Interna<lb break="no"/>tionalen Energieagentursekretariat berichten mir, daß diese Länder<lb break="no"/>prüfung positiv ausfällt. Der im Regierungsenergiebericht vorgeschla<lb break="no"/>gene Maßnahmenkatalog wird sehr positiv bewertet. Insbesondere die<lb/>
Vereinbarung mit Artikel 15, Energiesparmaßnahmen der Länder sowie<lb/>
die Preiserhöhung bei Benzin und Erdölprodukten, auch die steuerliche<lb/>
Maßnahme und insbes. die Umstellung von Öl- und Gas- auf kohlebefeuerte<lb/>
und die Neuerrichtung von Kohlekraftwerken wurde besonders erwähnt.<lb/>
Bei den elektrischen Tarifen, sprich Strompreisen, wird vorgeschlagen,<lb/>
im Winter die E-Preise höher anzuheben. Bezüglich der Fernheizwerke<lb/>
müßte zur Verstärkung der <choice><choice><sic>Wärme-Kraft-Kupplung</sic><corr>Kraft-Wärme-Kopplung</corr></choice></choice> das Wegerecht legistisch<lb/>
fundiert und vor allem ausgebaut werden. Hier werden wir über einen<lb/>
Zwangsausschluß nicht hinweg kommen. Die Prüferkommission sieht be<lb break="no"/>züglich der Gasversorgung 85–90 weitere Importnotwendigkeiten und<lb/>
größere Schwierigkeiten. Diese Meinung teile ich nicht, denn bis zu<lb/>
diesem Zeitpunkt, bin ich überzeugt, haben wir mit der Sowjetunion<lb/>
bereits unseren 4. Erdgasvertrag.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_03">Interessant für mich war nur, daß der Schweizer Vertreter aus dem Schwei<lb break="no"/>zer Energieministerium mir ihre Schwierigkeiten bei der Atommülllagerung<lb/>
schilderte. In der Schweiz kommt man über die Versuchsbohrungsphase<lb/>
auch nicht hinaus. 10 Gemeinden wurden jetzt im Aargau, Solothurn, Schaff<lb break="no"/>hausen und Zürich ausgemacht, wo es zu einer sicheren Lagerung des jetzt<lb/>
von Wiederaufbereitung La Hague von der französischen Firma Cogema<lb/>
rückgelieferten Atommülls kommen könnte. Laut Schweizer Gesetz müßte<lb/>
dieses Projekt zur Lagerung bis 1985 fixiert sein, sonst dürften nicht<lb/>
nur keine weiteren Kernkraftwerke gebaut werden, sondern auch die<lb/>
laufenden stillgelegt werden müssen. Die Schweizer Atommüllagerkommis<lb break="no"/>sion Nagra kann aber in den meisten der 10 vom Bund jetzt bestimmten<lb/>
Gemeinden nicht einmal Probebohrungen durchführen, weil auch dort<lb/>
die Bevölkerung sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln<lb/>
wehrt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Laß Dir vom österreichischen Botschafter in<lb/>
der Schweiz einen genauen Bericht geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_05">Bei der Sitzung der Wirtschaftskommission in der Löwelstraße hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> einleitend festgehalten, daß diese jetzt eine Reihe von<lb/>
Jahren nicht aktiv war. Jetzt müßte für ein Wirtschaftsprogramm der<lb/>
80-er Jahre alles in ganz kurzer Zeit erledigt werden. Dies, glauben<lb/>
manche Leute, sei ein Nachteil. Die Arbeitsgruppen müssen jetzt aber<lb/>
schnell arbeiten, deshalb könnten sie also nicht allzu lange und zer<lb break="no"/>fransende Diskussionen führen. In den Arbeitsgruppen müssen Termin<lb break="no"/>kalender erstellen werden und wenn der Vorsitzende keine Zeit hat,<lb/>
muß eben der Stellvertreter die Sitzungen führen, damit bis Ende<lb/>
Februar ein vollkommenes Programm vorliegt. Dieses will <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann<lb/>
mit den ökonomischen Fakultäten diskutieren, die Gegner würden ja<lb/>
früher oder später sich sowieso auf dieses Wirtschaftsprogramm stürzen.<lb/>
Er erwähnte hier besonders den Innsbrucker Univ.-Prof., dessen Name<lb/>
mir jetzt entfallen ist. Das Sekretariat wird Dr. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> und sein Se<lb break="no"/>kretär <rs type="person" ref="#per__97678">Lacina</rs> durchführen. Die Minister wurden Vorsitzende, damit<lb/>
sie mitwirken können und verhindern, daß unmögliche Forderungen er<lb break="no"/>stellt werden, die man womöglich in den 80-er Jahren gar nicht durch<lb break="no"/>führen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_06">Ich kam bei der Sitzung neben dem neuen Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> zu<lb/>
sitzen. Dieser flüsterte mir zu, er gedenkt nicht die energiepoli<lb break="no"/>tischen Agenden, die jetzt der Finanzminister als Vizekanzler führte,<lb/>
weiterzubearbeiten resp. die Energiesparmaßnahmen federführend zu<lb/>
koordinieren. Ich habe ihm sofort versichert, daß ich jetzt wohl die<lb break="no"/>se Agenden selbst werde durchführen müssen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der sie seiner<lb break="no"/>zeit an sich gezogen hat, wird keine Zeit dafür haben und <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs><lb/>
als der neue Vizekanzler würde sich dafür überhaupt nicht interessie<lb break="no"/>ren. Nur der Kanzler und Vizekanzler sind aber zu Koordinierung auf<lb break="no"/>grund des Ministeriengesetzes berufen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_07">Eine Telefonistin informierte <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs><add>[über]</add> irgendetwas, was ich nicht ver<lb break="no"/>stand. Nach einiger Zeit meinte <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs>, du bist ja schon von der<lb/>
Sowjetunion zurück. Er war sehr erstaunt von mir zu hören, daß ich<lb/>
erst jetzt hinfliege. Ich war dann umso mehr erstaunt von ihm zu hören,<lb/>
daß die Telefonistin ihm sagte, die Aeroflot hätte bereits jetzt 1<lb/>
Stunde Verspätung angesagt. Da ich aber bereits um 6 Uhr mit dem sowje<lb break="no"/>tischen Ministerpräsidenten <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> eine Aussprache hatte, war für<lb/>
mich vollkommen klar, daß diese Information nicht <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs>, sondern mir<lb/>
gegolten hat. Ich verließ daher fluchtartig die Sitzung, um mit der<lb/>
früher fliegenden AUA-Maschine zeitgerecht nach Moskau zu kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_08">Mit GD <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs>, Verbund, besprach ich während der Reise nach Moskau<lb/>
2 Probleme. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> glaubt, daß er mit einem GesmbH-Entwurf für Ost<lb break="no"/>tirol die Tiroler E-Gesellschaftsvertreter der TIWAG und damit LH<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> für eine 60-%-Bund-, 40-%-Land-Lösung zu gewinnen. Dies wäre<lb/>
eine Ausgangsbasis. Letzten Endes würden wir uns ja im Bund mit 51 %<lb/>
zufriedengeben. Ich versuchte <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> neuerdings klar zu machen, daß<lb/>
ich glaube, <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> würde, allein schon aus optischen Gründen, weil<lb/>
er kaum mehr als 50 % dem Bund in Tirol zugestehen möchte, eher be<lb break="no"/>reit sein, größere Anteile bei den Tauernkraftwerken zu erwerben.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> wird daher diesen GesmbH-Entwurf mir informell zur Stellung<lb break="no"/>nahme geben, <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> wird ihn im Detail prüfen. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> beabsichtigt<lb/>
die Verhandlungen aber so zu führen, daß er mein Zugeständnis zur<lb/>
GesmbH-Lösung noch nicht als gegeben voraussetzt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_09">Die nächste Strompreiserhöhung der Verbund wird dem Wunsch der IBA-<lb/>
Prüfung entsprechend die Winterstrompreise besonders erhöhen. Dies<lb/>
gilt übrigens auch für den Leistungspreis der Verbund.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_10">Ein schwieriges Problem ist die Preisklausel im polnisch-österreichi<lb break="no"/>schen Liefervertrag. Bei Vertragsabschluß mit 1. Juni 1979 betrug<lb/>
der Kohlepreis 500,–– pro t. Durch 8-maliges erhöhen beträgt er mit<lb/>
1. Jänner 81 bereits 758,––. Dies entspricht einem Heizwärmewert von<lb/>
157,–– S pro Gigakalorie. Gegenüber den Ungarn hofft <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> mit 105,––<lb/>
bis max. 110,–– S durchzukommen. Die Ungarn verlangen allerdings 144,––.<lb/>
Durch die Gleitformel 1/3 Heizöl schwer, 1/3 Gas und 1/2 Ruhrkohle<lb/>
ist es zu diesen verheerenden Preissteigerungen gekommen. Die kWh<lb/>
aus dieser Kohle stellt sich jetzt schon auf 67 Groschen, der Einbau<lb/>
einer Rauchgasentschwefelung 75 Groschen. Die Tatsache, daß diese<lb/>
Kohle mit ca. 60 $ noch immer billiger ist als die amerikanische mit<lb/>
92 bis 105 $ die Tonne, hilft in dem Fall wenig. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> strebt an,<lb/>
daß die Wertsicherungsklausel dahingehend geändert werden soll, daß<lb/>
die absolute Obergrenze für Preisbewegung der polnischen Kohle der<lb/>
Preis für amerikanische Kohle gleicher Qualität loco Hamburg – 5 %<lb/>
zu gelten habe. Unter diesen Voraussetzungen wäre er bereit, die<lb/>
Flüssigmachung der 300 Mio. $, welche die österreichischen Banken bis<lb/>
jetzt verweigerten, da ihnen der Vertrag eine solche Möglichkeit gibt,<lb/>
doch noch herbeizuführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_11">Minister <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> ist nach wie vor erkrankt und in einem Sana<lb break="no"/>torium und konnte an den Verhandlungen und der Unterschrift des neuen<lb/>
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eine Aussprache mit seinem ersten Vizeaußenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs>.<lb/>
Dieser ist ein zwar umgänglicher, aber sicher<add>[ein]</add> härterer Verhandler als<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_12">Bei Ministerpräsidenten <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> wurde von diesem einleitend festge<lb break="no"/>stellt, daß die Sowjetunion mit der politischen und der handelspo<lb break="no"/>litischen und Wirtschaftsentwicklung mit Österreich sehr zufrieden<lb/>
ist. <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> hätte dies auch bei seinem Besuch von <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> seit Unterzeichnung des Staatsvertrages immer wieder fest<lb break="no"/>gestellt. Der langfristige Handelsvertrag sei vorzeitig erfüllt wor<lb break="no"/>den, jetzt wird ein neuer abgeschlossen und man hofft auf die Verdoppe<lb break="no"/>lung und vorzeitige Erfüllung, wie den 1973 von mir mit <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs><lb/>
abgeschlossenen. Einleitend stellte er sofort fest, daß ja die Schiffs<lb break="no"/>aufträge für die Korneuburger Werft gleichzeitig erfolgen werden. Im<lb/>
neuen Fünfjahresplan hätte Österreich große Möglichkeiten. Die sowje<lb break="no"/>tischen Fachminister kennen sich aber nicht gut aus, da alles das<lb/>
Außenhandelsministerium verhandeln muß. Dies gilt ganz besonders für<lb/>
Maschinen und Chemie. Diese Bemerkung zeigte dem österreichischen Bot<lb break="no"/>schafter <rs type="person" ref="#per__114156">Hinteregger</rs>, wie er mir nachher sagte, daß eindeutig unsere<lb/>
Unternehmer falsch in der Sowjetunion agieren. Die Franzosen und an<lb break="no"/>dere setzen ihre Firmenvertreter bei den einzelnen Fachministerien<lb/>
viel stärker an, als dies die österreichischen Unternehmer tun. Diese<lb/>
rechnen, daß das Handelsministerium alles für sie erledigen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_13">Ich selbst ging sofort auf die österreichischen Wünsche<add>[ein]</add>, zuerst aller<lb break="no"/>dings hatte ich die Einladung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> an <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> und den Brief, den<lb/>
er mir dafür mitgab, überreicht. Bei dieser Gelegenheit bemerkte ich,<lb/>
daß es nicht echt österreichisch wäre, wenn wir außer dieser Einla<lb break="no"/>dung nicht gleich in dem Brief und durch meine Vorsprache entsprechen<lb break="no"/>de Wünsche vorbringen würden. <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> hat die Einladung angenommen<lb/>
und es besteht begründete Hoffnung, daß er als erste westliche Reise<lb/>
Österreich besuchen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_14">Die wichtigste Frage erschien mir die zusätzlichen Gaslieferungen und<lb/>
ich habe deshalb darauf verwiesen, daß wir einen 4. Gasvertrag mit der<lb/>
Sowjetunion abschließen wollen. Österreich war immerhin das erste<lb/>
Land, welches 1968 einen Gasrohrliefervertrag abschloß. Insbesondere<lb/>
ersuchte ich um genaue Vertragserfüllung und damit eine Nachlieferung<lb/>
von 170 Mio m³, die im 80-er Jahr nicht geliefert wurden. <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs><lb/>
<pb n="58-0067" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band58/58_1981-01-16_1981-01-19_0067.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>meinte, die Sowjetunion wird die Verträge einhalten. Bezüglich des<lb/>
neuen großen Gasvertrages ist noch nicht der Durchmesser der Gaslei<lb break="no"/>tung und der Atmosphärendruck, man denkt ja bis 100 atü, endgültig ent<lb break="no"/>schieden. Bezieher des Gases werden die sein, die sich an dem Bau der<lb/>
Pipeline beteiligen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_15">Als zweiter wichtiger Punkt erschien mir die Lieferung von Kokskohle.<lb/>
Der Vertrag zwischen Vöest-Alpine und der sowjetischen Außenhandels<lb break="no"/>stelle ist im Vorjahr abgelaufen und ich ersuchte um neuen Vertragsab<lb break="no"/>schluß. <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> erklärte, daß sie diese Kohle aus Sibirien und Kasach<lb break="no"/>stan heranschaffen müßten und Transportweg und Energie sehr aufwändig<lb/>
wären. Derzeit sieht <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> keine Möglichkeit auch nur 1 Tonne zu<lb/>
liefern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_16">Die dritte wichtige Frage war der Elektrizitätsaustausch, Spitzenstrom<lb/>
österreichischerseits gegen Grundlast sowjetischerseits, für mich<lb/>
allerdings nur als Aufhänger für die Müllagerung. Hier verwies ich<lb/>
darauf, daß ich mit sowjetischen Stellen und Ministern dafür schon<lb/>
kostenlose Komponentenlieferung für Atomkraftwerke angeboten habe,<lb/>
wenn die Sowjetunion den Atommüll, der in Zwentendorf anfallen würde.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> verwies darauf, daß ein solches Ansinnen auch von Deutschland<lb/>
an die Sowjetunion gerichtet wurde. Überall wird gesagt, die Abfälle<lb/>
sind schädlich, für die Sowjetunion gilt dies auch, wobei noch frag<lb break="no"/>lich ist, ob eine Beförderung und wie eine Beförderung dieses Mülls<lb/>
erfolgen sollte. Man hat dieses Problem in der Sowjetunion erörtert,<lb/>
sähe derzeit aber keine Möglichkeit. Das Ganze sei allerdings zeit<lb break="no"/>befristet, da <choice><choice><sic>fa</sic><corr>?</corr></choice></choice> jetzt doch die schnellen Brüter kommen. Im neuen<lb/>
Fünfjahresplan hat die sowjetische Seite nur mehr Wasserkraftwerke und<lb/>
Kernkraftwerke. Wärmekraftwerke wird es keine mehr geben. Bezüglich<lb/>
des Stromaustausches sollte man weiterverhandeln.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_17">Zuletzt wies ich ganz besonders auf das Handelsbilanzungleichgewicht,<lb/>
über 12 Mrd. Einfuhren gegenüber höchstens 6 Mrd. Ausfuhren, 31 %<lb/>
Einfuhrsteigerung und 8 % Ausfuhrverminderung im besonderen hin.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> meinte, das sei zeitbedingt. Früher war es umgekehrt, durch<lb/>
den neuen langfristigen 10-Jahresvertrag soll sich dies verbessern.<lb/>
Allerdings bezieht ja Österreich meistens Energie und wenn die Sowjet<lb break="no"/>union hier nicht liefern kann, dann wird sich dies auch bald im Außen<lb break="no"/>handelsungleichgewicht auswirken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_18">Die Aussprache dauerte über 1 Stunde, war sehr freundlich. Die öster<lb break="no"/><pb n="58-0068" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band58/58_1981-01-16_1981-01-19_0068.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>reichischen Kremonologen haben dann am nächsten Tag festgestellt, daß<lb/>
in der Prawda auf der ersten Seite, für dort vollkommen ungewohnt, ein<lb/>
riesiger langer Artikel darüber erschien. Selbstverständlich wurde<lb/>
dies auch im sowjetischen Fernsehen entsprechend gezeigt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_19">Über Samstag, Sonntag wurde ich dann von den Sowjets nach Leningrad<lb/>
verfrachtet. <rs type="person" ref="#per__127768">Tichonow</rs> selbst war Freitag abends ausdrücklich noch von<lb/>
außerhalb Moskaus nach Moskau zu der Aussprache gekommen. Samstag,<lb/>
Sonntag ist aber scheinbar in der Sowjetunion niemand bereit zu arbei<lb break="no"/>ten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_20">Für Montag wurde dann im Außenhandelsministerium die offizielle Sitzung<lb/>
abgehalten. Die Sowjets dachten und auch der österreichische Botschaf<lb break="no"/>ter <rs type="person" ref="#per__114156">Hinteregger</rs> meinte, wir würden in längstens einer halben bis 3/4<lb/>
Stunde fertig sein. Tatsächlich dauerte dann die Sitzung 2 Stunden.<lb/>
Zum Essen von <rs type="person" ref="#per__114156">Hinteregger</rs> konnte dann nur <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> auf einen kurzen<lb/>
Sprung kommen. Von oben war wieder angeordnet worden, daß er mit ent<lb break="no"/>weder <choice><choice><sic>Algerier</sic><corr>Algerien? Algeriern?</corr></choice></choice>, dann hieß es wieder Ungarn, eine dringende Sitzung ha<lb break="no"/>ben wird. <rs type="person" ref="#per__114156">Hinteregger</rs> war darüber ein wenig enttäuscht. Mich hat es<lb/>
überhaupt nicht berührt. Wichtiger war mir die sehr umfangreiche und<lb/>
offene Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> und seinen Herren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_21">Gas kann im 4. Vertrag von 3–5 Mrd. m³ Mehrlieferung ohne weiteres von<lb/>
der Sowjetunion bezogen werden, wenn man sich am Pipelinebau betei<lb break="no"/>ligt. Meine Zusicherung, daß Österreich dies will, mindestens im<lb/>
perzentuellen Anteil als wir Gas beziehen, d.h ca. 10 % möchten wir uns<lb/>
auch mit Pipelinelieferung, aber auch insbesondere Kompressorenstationen<lb/>
und sonstigen Ausrüstungen beteiligen. <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> fragte sofort, wie die<lb/>
Finanzierung erfolgen würde. Ich verwies darauf, daß die Sowjetunion<lb/>
10 Mrd. S Kredit hat. <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> erwidert, das sei mit 7 3/4 % verzinst<lb/>
und gelte nur für 85 %. 15 % müßte jetzt bar bei diesem Kredit der<lb/>
Kontrollbank aufgebracht werden. Zuerst wollte <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> eine 100 %-ige<lb/>
Finanzierung für die Pipeline, meinte dann, man könnte 5 oder max.<lb/>
10 % bei Lieferung von seiten der Sowjets dann bar bezahlen. Ich ver<lb break="no"/>wies darauf, daß dies eine spezifische Finanzierungsfrage ist, die<lb/>
mit den Bankern, insbesondere Österr. Kontrollbank, <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs>, noch<lb/>
vereinbart werden muß. Ich werde den Finanzminister darüber informie<lb break="no"/>ren. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> machte die Bemerkung, daß es ohne weiteres möglich sein<lb/>
müßte, diese Pipeline frei zu finanzieren. Hinterher meinte er, die<lb/>
Zinsdifferenz, weil die Sowjets nicht bereit waren, einen hohen Zins<lb/>
<pb n="58-0069" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band58/58_1981-01-16_1981-01-19_0069.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>satz, der jetzt am Kapitalmarkt gilt, zu bezahlen, durch entsprechende<lb/>
Subvention über den Gaspreis durch die ÖMV dann durchzuführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_22">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Mit GD <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_23">Bezüglich der Lieferung für das Jahr 1981 wurde von <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> festge<lb break="no"/>halten, daß die 2,6 Mrd. m³, 1. Quartal 478 Mio., 2. Quartal 674 Mio.,<lb/>
3. Quartal 722 Mio., 4. Quartal 726 Mio. m³ eingehalten werden. Bezüg<lb break="no"/>lich der von mir geforderten Nachlieferung der 170 Mio. für das Jahr<lb/>
1980 meinte er, es wird geprüft, ob man diese zusätzliche Lieferung<lb/>
1981 erfüllen kann. Die Bedingungen müßten noch ausgehandelt werden.<lb/>
Er bemerkte, hier handelt es sich um die Frage, daß dieses Gas 1980<lb/>
nicht zum alten Preis geliefert wird. Der Hinweis Botschafter <rs type="person" ref="#per__114156">Hinter<lb break="no"/>eggers</rs>, daß damit aber der Vertrag nicht eingehalten wird, veranlaßte<lb/>
ihn ein Beispiel zu sagen. <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> hat im März 73 mit dem amerikanischen<lb/>
Ölmultimillionär <rs type="person" ref="#per__119829">Hammer</rs> und dessen Firma Occidental Petroleum abgeschlos<lb break="no"/>sen. Die Sowjets liefern 1 1/2 Mio. t Ammoniak, 1 Mio. t Karbon und 1 1/2<lb/>
Mio. t Chlor. Dafür beziehen sich durch 20 Jahre jährlich 1 Mio. t Super<lb break="no"/>phosphorsäure, damals 165 $ die Tonne + 3 % ab dem Jahre 79 jährliche<lb/>
Preissteigerung. Bereits ein Jahr später betrug aber am Weltmarkt die<lb/>
Superphosphorsäure 365 $ die Tonne. Entweder mußten die Sowjets ihre<lb/>
Preise erhöhen oder es wäre nicht geliefert worden. Die Sowjets<lb/>
mußten also akzeptieren. Mir lag es auf der Zunge, ich hab es allerdings<lb/>
dann doch runtergeschluckt, darauf zu verweisen, dafür hat <rs type="person" ref="#per__119829">Hammer</rs>, wie<lb/>
ich in der Eremitage feststellen konnte, ihnen ein wertvolles Gemälde<lb/>
eines alten Meisters geschenkt. <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> wollte mit diesem Beispiel<lb/>
sagen, daß wir das Gas noch immer billigst beziehen. Bei der Zusammen<lb break="no"/>fassung zum Schluß meinte er dann sogar, die Gasleitung wird 5000 km<lb/>
sein und den Sowjets 300 Mrd. S kosten. Westeuropa will das Gas, will<lb/>
aber keine richtigen Preise dafür bezahlen, keine womöglich zinsen<lb break="no"/>tiefe Finanzierung für dieses allen dienende, gemeinsame Projekt<lb/>
aufbringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_24">Die Amerikaner richten sich mit ihrer Dollarabwertung die 460 Mio.<lb/>
$ Erdölimporte zu ihren Gunsten. Seit Bretton Woods von den Amerikanern<lb/>
einseitig gekündigt wurde und es keine fixen Wechselkurse mehr gibt,<lb/>
hat sich nach sowjetischer Auffassung der Eurodollarumfang von 80 Mrd.<lb/>
bis 1980 auf 1200 Mrd. $ erhöht. Amerika hat materielle Werte gegen<lb/>
bedrucktes Papier getauscht. Viel schlimmer waren dann auch die De<lb break="no"/>tailverhandlungen über die 700.000 t Kokskohle, welche die Vöest-Alpine<lb/>
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jetzt nichts mehr bekommen kann. <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> hat angedeutet, es wäre<lb/>
möglich Energiekohle, 250.000 bis 300.000 t, zu liefern. Da die Vöest<lb/>
aber Kokskohle braucht, verwies ich darauf, daß es uns lieber ist,<lb/>
wenn vielleicht eine kleine Menge für die Vöest geliefert werden kann.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> hat auch dies verneint. Bezüglich der Energiekohle erklärte<lb/>
ich, die werden wir prüfen. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> sagte mir nachher, er hätte dafür<lb/>
keine Verwendung, da er jetzt vertraglich verpflichtet ist, aus Polen<lb/>
entsprechende Mengen zu teuren Preisen zu übernehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_25">Genauso negativ verlief auch die Frage der Atommüllagerung. <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs><lb/>
meinte, die Sowjetunion steht auch jetzt unter Umweltschutzauflagen.<lb/>
Eine Anfrage aus Deutschland, aber auch aus Frankreich wurde negativ<lb/>
beschieden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_26">Bezüglich des Austauschs Spitze gegen Grundlast, den GD <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> dann<lb/>
auch noch ergänzte, Strombezug im Winter aus der SU aus Wärmekraftwer<lb break="no"/>ken und dafür Lieferung im Sommer Österreichs aus Wasserkraftwerken,<lb/>
wird von einer jetzt schnell zu gründenden Energie- und Elektrizitäts<lb break="no"/>arbeitsgruppe verhandelt. Für die österreichische Seite schlug ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> als Vorsitzenden vor, die Sowjets sind noch nicht endgültig<lb/>
klar. Es wird aber wahrscheinlich der Vizeminister des Energiemini<lb break="no"/>steriums <rs type="person" ref="#per__129241">Lopatin</rs>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_27">Mein letzter verzweifelter Versuch, man könnte bezüglich der Atom<lb break="no"/>müllagerung ja die neutralen Staaten Europas anders behandeln als<lb/>
Deutschland und Frankreich, wurde ebenfalls negativ beschieden, Finn<lb break="no"/>land hat nur die Chance rückzuliefern, weil es ein sowjetisches<lb/>
Kernkraftwerk besitzt. Selbst die Übernahme des schwedischen, in Finn<lb break="no"/>land jetzt errichteten Kernkraftwerkes und daraus entstehender Müll<lb/>
wurde von sowjetischer Seite abgelehnt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_28">Bezüglich des Handelsbilanzungleichgewichts meinte <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs>, man würde<lb/>
jetzt den Vertrag über die 10 Schiffe abschließen. Gleichzeitig wird<lb/>
noch um 3 Passagierschiffe und sogar um einen 350 t Schiffskran ver<lb break="no"/>handelt. Nach einer Liste, die er hatte, mir sie aber selbstverständ<lb break="no"/>lich weder zeigte, noch natürlich zusagte zu übermitteln, würde die<lb/>
sowjetische Seite für 300 Mio. Rubel dies wären 6 Mrd. S Waren kaufen<lb/>
resp. Lieferungen möglich sein. Es wurde vereinbart, daß bei der<lb/>
nächsten Gemischten Kommission eine detailliertere Liste in das Pro<lb break="no"/><pb n="58-0071" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band58/58_1981-01-16_1981-01-19_0071.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>tokoll aufgenommen wird, die Sowjets werden uns diesbezügliche Vor<lb break="no"/>schläge für Lieferungen erstatten. Die Hauptschwierigkeit liegt aber<lb/>
darin, daß sich die österreichischen Unternehmer viel zu wenig um die<lb/>
Fachministerien in der SU kümmern. Beabsichtigt ist, wie dies auch<lb/>
mit Frankreich jetzt vereinbart wurde, Listen aufzustellen. Auf der<lb/>
linken Seite würde die Grundbestimmungen des Programmes stehen, auf<lb/>
der rechten Seite wäre dann von der Gemischten Kommission festzuhal<lb break="no"/>ten, wie dies zu realisieren ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_29">Die österreichische Delegation hat ein vom Handelsdelegierten<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114588">Draszczyk</rs> ausgearbeitetes Papier über aktuelle aussichtsreiche Pro<lb break="no"/>dukte übergeben. <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> hat sie mit seiner Liste verglichen. Vöest-<lb/>
Alpine, Gipsschwefelsäureerzeugungsanlage, ca. 1 1/2 Mrd. S, Melamin<lb break="no"/>produktionsanlage, Beteiligung am Pipelineprojekt, nicht nur mit<lb/>
Röhren und Blechen, sondern Druckerhöhungsstationen, Kompressoren,<lb/>
elektrische Pipelineausrüstungen, Vöest-Alpine in Arbeitsgemeinschaft<lb/>
mit mehreren österreichischen Firmen, diese 3 Projekte haben gute<lb/>
Aussichten, sie sind in der Liste von <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs>. Das Vöest-Alpine-Pro<lb break="no"/>jekt, Zellstoffproduktionsanlage als Buy-back-Arrangement, ist nicht<lb/>
in der Liste, in diesem Fünfjahresplan werden nur die schon abge<lb break="no"/>schlossenen Verträge finalisiert. Die Fa. Voith hat große Möglichkei<lb break="no"/>ten von Zusatzlieferungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_30">Die Fa. Zuckermann, 2 Fenster- und Hebetürenfabriken, 600 Mio. S.,<lb/>
2 Paketwerksanlagen, 150 Mio. S, stehen in der Liste. Mit Zuckermann,<lb/>
meinte <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs>, gäbe es langjährige Kooperationsverträge.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_31">Eine lange Diskussion ergab der Stahlbaupavillon 2, Anbot der Vöest-<lb/>
Alpine über 728 Mio S. Die Sowjets verlangen, daß diese Investition<lb/>
durch Mietkosten kompensiert wird. Eine deutsche Firma Nover würde<lb/>
den Kredit geben, rückgezahlt wird er dann durch die Mieteinnahmen.<lb/>
Der Kredit müßte auf 15 Jahre gegeben werden, ansonsten sich die<lb/>
Mietkosten verdreifachen. Der sowjetische Botschafter in Österreich,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114403">Jefremow</rs>, der anwesend war meinte, 50 % müßten auch in dem Fall die<lb/>
österreichischen Mieten erbringen. <rs type="person" ref="#per__114403">Jefremow</rs> legt scheinbar größten<lb/>
Wert darauf, daß dieses Geschäft doch noch zustande kommt. Da ich<lb/>
Vöest-Alpine niemanden über die Details informiert hat, niemand in<lb/>
der Delegation auch die Frage der Mietkosten, Abzahlung des Kredites<lb/>
im Detail kannte, war dieser Punkt auch nicht positiv abzuschließen.<lb/>
Der österreichische Botschafter <rs type="person" ref="#per__114156">Hinteregger</rs> hat sich darüber sehr<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_32">Die von mir mitgenommenen, fast ein Dutzend Beschwerdefälle habe ich<lb/>
dem österreichischen Handelsdelegierten <rs type="person" ref="#per__114588">Draszczyk</rs> übergeben, dieser<lb/>
wird sie im Detail beantworten und mir dann die Original und die<lb/>
Antwort durchschriftlich mitteilen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_33">Offiziell habe ich über 3 Fälle interveniert. Die Maschinenfabrik Heid<lb/>
beschwert sich, daß sie auf sowjetische in Aussicht gestellte Aufträge<lb/>
Schwermaschinen in der Sowjetunion gekauft hat. Jetzt aber werden<lb/>
nur Kleinmaschinen bis 12 t statt wie beabsichtigt 50 t von der sowje<lb break="no"/>tischen Seite in Auftrag gegeben, wodurch die angeschafften sowjetischen<lb/>
Maschinen brach liegen. <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> erklärte, der sowjetische Handelsde<lb break="no"/>legierte <rs type="person" ref="#per__113078">Nikolaenko</rs> hätte ihn schon informiert, man wird dies posi<lb break="no"/>tiv prüfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_34">Die österreichische Kabelindustrie, insbesondere GD <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> von<lb/>
Siemens, beschwert sich bitter, daß die bisherigen Kabelexporte in<lb/>
Form eines Dreiecksgeschäftes im indischen clearing jetzt zurückgehen.<lb/>
Für 81 sind nur 112 Mio. S vorgesehen, um 4 % weniger als im Vorjahr.<lb/>
Siemens Österreich befürchtet, daß sogar Siemens Deutschland diesen<lb/>
Auftrag bekommt, obwohl Siemens Österreich mühsam mit Raznoimport<lb/>
dieses Dreiecksgeschäft aufgebaut hat. <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> erwidert, daß niemand<lb/>
einen solchen Auftrag bis jetzt vergeben hat und wahrscheinlich auch<lb/>
nicht vergeben wird. Die Inder hätten gegen diese Art des clearings<lb/>
schärfsten Einspruch erhoben. <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> wurde bei seinem Besuch in<lb/>
Indien darüber informiert. Der Klage der Inder muß man Rechnung tragen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_35">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte mit GD <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_36">Bezüglich der Schadenersatzforderung wegen bis zu 1 1/2 Jahre ver<lb break="no"/>zögerte Frachtführung der sowjetischen Donau-See-Verkehr nach Irak be<lb break="no"/>stand zuerst große Unklarheit, <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> meinte, man wird dies prüfen,<lb/>
da ja die Österreicher die Fracht bereits bezahlt haben und jetzt<lb/>
Regreßansprüche gestellt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_37">Vor der Unterzeichnung des 10-jährigen Vertrages machte mich <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs><lb/>
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und Frankreich. <rs type="person" ref="#per__127183">Komarow</rs> wollte damit zeigen, wie bedeutend dieser<lb/>
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den Eindruck, daß die sowjetische Seite sich schon bemüht, Österreich<lb/>
zu bevorzugen. Leider muß ich dem österreichischen Botschafter und<lb/>
insbesondere Handelsdelegierten recht geben, die immer wieder darauf<lb/>
verweisen, wie wenig sich die österreichischen Firmen um den sowjeti<lb break="no"/>schen Markt kümmern. Die Frachtschiffe waren nur möglich abzuschließen,<lb/>
weil, wie mir dann die Schiffswerft Korneuburgleute sagten, ständig<lb/>
sie in der Sowjetunion bei den Fachministerien antichambrieren.<lb/>
Die französischen Firmen entwickeln hier eine wesentlich größere Akti<lb break="no"/>vität. Zuletzt wird dann sogar noch von <rs type="person" ref="#per__114486">Giscard d'Estaing</rs> interveniert.<lb/>
Bei uns ist es umgekehrt. Hier wird von den Firmen vor allem die Inter<lb break="no"/>vention von mir, für die Verstaatlichte sogar vom Bundeskanzler <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
erwünscht und auch durchgeführt und dann sind die Firmen gelegentlich<lb/>
bereit, sich selbst darum zu kümmern. Ich glaube, daß diese Klage<lb/>
nicht 100 %ig zutrifft, prinzipiell ist sie leider richtig.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_38">Beim Unterzeichnen des Vertrages wurde mir dann sogar noch von Außen<lb break="no"/>handelsminister <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> aus seinem Sanatorium ein Brief gebracht,<lb/>
wo er mir erörterte, warum er an dieser Unterzeichnung nicht teil<lb break="no"/>nehmen kann. Er hofft allerdings bei der Gemischten Kommission im Juni<lb/>
in Österreich bereits wieder im Amt zu sein. Der sowjetische Botschaf<lb break="no"/>fer <rs type="person" ref="#per__114403">Jefremow</rs>, der ebenfalls in dem selben Sanatorium sich auskuriert,<lb/>
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natürlich alles Gute gewünscht. Einen herzlich gehaltenen Brief werde<lb/>
ich ihm als Antwort sofort schreiben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band58_1981-01-16_39">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte entsprechendes bei <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> sofort veran<lb break="no"/>lassen.</p>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName><surname>Hinteregger</surname><forename>Gerald</forename></persName>
               <occupation>öst. Botschafter in Spanien, der Sowjetunion, ab 1981 GS im
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               <persName type="label">Komarow, Nikolai D.</persName>
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               <occupation>stv. UdSSR-Außenhandelsmin.</occupation>
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               <persName type="label">Haschek, Helmut Hans</persName>
               <persName><surname>Haschek</surname><forename>Helmut Hans</forename></persName>
               <occupation>GD Kontrollbank</occupation>
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               <occupation>öst. Handelsdelegierter in Jugoslawien, später Moskau</occupation>
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               <occupation>MR HM</occupation>
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               <occupation>sowj. Botschafter</occupation>
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