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            <title type="main">Mittwoch, der  3. Dezember 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_01">Mittwoch, 3. Dezember 1980<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_02">Zur Angelobung des Präsidiums der Kammer der Wirtschaftstreuhänder<lb/>
bin ich in ihr Kammergebäude gefahren. Präs. <rs type="person" ref="#per__114940">Burkert</rs> sowie seine zwei<lb/>
Stellvertreter betrachteten dies als eine große Anerkennung. Ich selbst<lb/>
hatte dort die Gelegenheit die Beschäftigten kennenzulernen. Selbstver<lb break="no"/>ständlich kam die Frage ihrer Honorarerhöhung zur Sprache. Vizepräs.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113112">Böck</rs>, der aggressivere und prononciertere Vertreter der ÖVP, wollte mit<lb/>
mir sofort auf 12 % abschließen. Dazu erklärte ich mich außerstande.<lb/>
Präs. <rs type="person" ref="#per__114940">Burkert</rs> dagegen klagte sein Leid über die Vorsprache, die er<lb/>
jetzt beim Gewerkschaftsbund, Dr. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, und ganz besonders bei der<lb/>
AK durchführen mußte. Der Kammeramtsdirektor der AK, Dr. <rs type="person" ref="#per__127771">Scheer</rs>, ist<lb/>
ein Studienfreund von ihm. Die vom ÖGB und AK vorgeschlagenen 5 % werde<lb/>
ich sicherlich nicht dekretieren. Ich ließ aber die Kammer in keinem<lb/>
Zweifel, daß vorher, bevor ich die Erhöhung akzeptiere, die Löhne<lb/>
und Gehälter der bei Wirtschaftstreuhändern und Steuerprüfern Beschäf<lb break="no"/>tigten geregelt sein müßten. <rs type="person" ref="#per__113112">Böck</rs> versuchte mir klar zu machen, daß<lb/>
es bei ihnen nur weit über den Kollektivvertrag vereinbarte Gehälter<lb/>
gibt. Dabei nannte er mir Größen, die wirklich höchstens vereinzelt<lb/>
zutreffen können. Ich erklärte mit einem gewissen Stolz und Erfahrung,<lb/>
daß ich ja jetzt einen Spion in ihrer Organisation habe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_03">ANMERKUNG FÜR SC <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs>: Können wir die Frage noch heuer erledigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_04">Der Kammeramtsdirektor Dr. <rs type="person" ref="#per__127772">Dvorak</rs> geht heuer in Pension und dann wird<lb/>
das Büro reorganisiert. <rs type="person" ref="#per__127772">Dvorak</rs> dürfte mit seinem Präsidium stets in<lb/>
einer Art Kleinkrieg verwickelt sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_05">Bezüglich der Berufsordnung habe ich den Wirtschaftstreuhänderkammerver<lb break="no"/>tretern zugesichert, daß sie, sollte das Parlament es nicht selbst be<lb break="no"/>schließen, im Unterausschuß als Experten geladen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_06">Das Präsidium hat sich auch für die jetzt zu verhandelnden Vergabege<lb break="no"/>setze als Experte für das Handelsministerium angeboten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte Wirtschaftstreuhänder genauso wie Be<lb break="no"/>triebsberater beiziehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_08">Die Besprechungen von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit Creditanstalt, Chemie Linz und den<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs> von der CA meinte, seit 74 hat man <rs type="person" ref="#per__127773">Kneissl</rs> aufmerksam gemacht,<lb/>
sein Eigenkapital sei zu gering und er müsse sich einen kapitalkräfti<lb break="no"/>gen Partner suchen. Alles wurde von ihm abgelehnt. Jetzt <choice><choice><sic>wurde</sic><corr>würden?</corr></choice></choice> für<lb/>
einen 40 %-igen Ausgleich 102 Mio. S Erfordernis sein. Nach Mitteilung<lb/>
des Masseverwalters Dr. <rs type="person" ref="#per__127774">Potscher</rs> müßte man aber 150 Mio. für den Aus<lb break="no"/>gleich brauchen, plus 80 Mio. für einen neuen Betrieb. Der Status er<lb break="no"/>gibt 21 Mio. Rohstoffe, 17 Mio. Hartfabrikate, 44 Mio. Fertigfabrikate.<lb/>
Tatsächlich ist die Finanzsituation viel schlechter, weil ausländische<lb/>
Forderungen mit 101 Mio. an die eigenen Töchter sicherlich nicht zu re<lb break="no"/>alisieren ist und die Kunden 84 Mio. noch Forderungen haben. 150 Mio.<lb/>
braucht man also, wie LH <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> sagt, für den Ausgleich plus 80 Mio.<lb/>
neuer Betrieb, wozu dann noch 100 Mio. Betriebsmittel kommen müßten.<lb/>
Den Vorschlag <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, die Tiroler Industrie sollte sich mit 50 Mio. be<lb break="no"/>teiligen, hat <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> nicht durchsetzen können. Das Land selbst meint,<lb/>
er würde sich, wie dies bei Autobahnen, Schulen und bei den Bundesbahn<lb break="no"/>finanzierungen auch der Fall ist, mit 10 % beteiligen. Chemie Linz,<lb/>
GD <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs>, lehnte eine eigene Gesellschaft, auch mit Skivertriebsfirma<lb/>
Trak, ab. Die von der CA in Aussicht genommene Auffanggesellschaft, wo<lb break="no"/>rin Liegenschaften und Maschinen entweder gepachtet oder eingebracht<lb/>
werden könnten, würde aber von der Chemie Linz selbstverständlich be<lb break="no"/>liefert werden, mit entsprechend günstigen Konditionen, und zwar auf<lb/>
Kredit. Präs. <rs type="person" ref="#per__97741">Millendorfer</rs> als Vertreter der Bauarbeitergewerkschaft<lb/>
hat dann mit dem Betriebsrat vorgeschlagen, der jetzige Prokurist<lb/>
<rs type="person" ref="#per__127775">Achhorner</rs>, der aber als sehr untüchtig beschrieben wird, solle die Ge<lb break="no"/>schäftsführung übernehmen. Dieser war sofort dazu bereit, doch die<lb/>
Banken oder auch nur das Land oder der Bund sahen darin keine Möglich<lb break="no"/>keit. Bei einer Sitzungsunterbrechung mit LH <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> und den anwesen<lb break="no"/>den Ministern <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> und mir wurde dann von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vorgeschlagen, wenn die anderen Skifabriken nicht wollen, daß<lb/>
Kneissl weiterbesteht und wenn andererseits nicht die Gefahr bestehen<lb/>
sollte, daß ein Dritter vielleicht doch die Konkursmasse dann billig<lb/>
kauft, dann sollten die Skifabriken die Auffanggesellschaft gründen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, ich sollte dies sofort verhandeln. Ich schlug vor,<lb/>
daß ich dies gemeinsam mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> machen sollte, da ja sicherlich<lb/>
entsprechende finanzielle Mittel beigestellt werden müßten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
meinte dann in der Sitzung zu den Betriebsräten, die <choice><choice><sic>Prospotition</sic><corr>Proposition?</corr></choice></choice> der<lb/>
CA würde mit Landes- und Bundesmitteln, <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> hat strengst vertrau<lb break="no"/>lich 25 Mio. S dafür vorgesehen, vom Handels- und Finanzminister ver<lb break="no"/>sucht werden, eine Auffanggesellschaft zu finden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> warnte die<lb/>
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irgendetwas zu erzwingen. Die Beschäftigung bis Jahresende, vor allem<lb/>
die Lohnzahlung, ist garantiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_09">Bei dem Sitzungsunterbruch hat <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> auch vor <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und den an<lb break="no"/>deren Ministern versucht mich zu überreden, man sollte jetzt endlich<lb/>
für Osttirol eine 50-zu-50-Lösung beschließen. Ich habe dies katego<lb break="no"/>risch abgelehnt und neuerdings mein Angebot erstellt, so wie sich die<lb/>
Kärntner bei der ÖDK, die Vorarlberger bei den Illwerken beteiligt ha<lb break="no"/>ben, sollte auch Tirol bei den Tauernkraftwerken einsteigen. <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs><lb/>
meinte, er hätte neuerdings mit GD <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> verhandelt und vielleicht<lb/>
zeichnet sich auf dieser Basis eine Lösung ab. Eine Rücksprache mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> ergab, daß dieser jetzt Überlegungen anstellt, ob eine GesmbH-<lb/>
Konstruktion möglich ist, wo selbstverständlich der Bund auch die Mehr<lb break="no"/>heit hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Was sagt <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> dazu?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_11">In der Ministerratsvorbesprechung berichtete<add>[ich über?]</add> Kreissl-Besprechung, da<lb/>
durch deren lange Dauer die anderen Minister fast eine 3/4 Stunde<lb/>
warten mußten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_12">Gegen das steirische Krankenanstaltengesetz werden von <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs>, aber<lb/>
auch vom Gesundheitsminister größte Bedenken geäußert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_13">Österreichische Institutionen haben italienischen Stellen angeboten,<lb/>
Kinder nach Österreich zu schicken, insbesondere zu den Weihnachtsfeier<lb break="no"/>tagen. Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97614">Karl</rs> meint, in Friaul hätte sich herausgestellt,<lb/>
daß unmittelbar nach dem Erdbeben weder die Eltern noch die italieni<lb break="no"/>schen Organisationen dies wünschen. Erst im Sommer danach wurden ganze<lb/>
Schulklassen nach Österreich eingeladen, dies hat sich bewährt. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs><lb/>
berichtet, daß eine Feldambulanz von 130 Mann angeboten wird. Wenn das<lb/>
Rote Kreuz dies verlangt, wird nach Genehmigung im Hauptausschuß am<lb/>
Freitag eine solche Delegation erfolgen.<lb/>
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Basis erfolgen könnte. Er schlägt dafür eine enge Zusammenarbeit mit<lb/>
Zivilschutzdienern vor. Die Angelegenheit wird genauer untersucht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_15">Auf Frage <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> berichtet Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__111408">Eypeltauer</rs>, daß sie jetzt<lb/>
ihr Konzept Startwohnung mit 3 Projekten beginnt, in Bregenz ein Neu<lb break="no"/>bau, in Hallein ein denkmalgeschütztes Haus und in Wien Donaustadt ein<lb/>
Substandardgebäude, welches umgebaut wird. Die gesetzlichen Vorarbeiten<lb/>
sind geleistet, es besteht ein Jugendfamilienfondsgesetzentwurf, der<lb/>
ähnlich dem Stadterneuerungsfonds arbeiten sollte. <rs type="person" ref="#per__111408">Eypeltauer</rs> bräuchte<lb/>
nur vom Finanzminister entsprechende Geldmittel. Dieser sagt weder ja<lb/>
noch dezidiert nein, sondern meinte, zuerst muß der Gesetzentwurf fertig<lb/>
verhandelt sein. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> arbeitet hier, für mich zumindestens deutlich<lb/>
sichtbar, auf Zeit. Ich bin überzeugt davon, er rechnet nicht mehr,<lb/>
diese Frage im nächsten Jahr selbst noch entscheiden zu müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_16">Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> berichtet, daß die Wünsche des Bundespräsidenten<lb/>
für deren Wahl, allerdings nicht mehr für <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs>, sondern sicher<lb break="no"/>lich schon für seinen Nachfolger, mit den beiden anderen Parteien ver<lb break="no"/>handelt werden sollen, damit eine einstimmige Regelung der Verfassungs<lb break="no"/>änderung erfolgen könnte. Der Bundespräsident schlägt vor, daß nicht<lb/>
2000, sondern 10.000 Unterschriften notwendig sind, keine alphabetische<lb/>
Reihung wie derzeit, sondern eben nach der Fraktionsstärke der Wahl<lb break="no"/>werber, eine Milderung der Wahlpflicht, da eine Bestrafung ja doch<lb/>
nicht erfolgt. Sollte sich nur ein Kandidat stellen, dann soll es<lb/>
keine Wahl, sondern eine Volksabstimmung mit ja und nein sein. Dadurch<lb/>
würde die Bevölkerung die Möglichkeit haben, ihr Vertrauen in dem Kan<lb break="no"/>didaten zum Ausdruck zu bringen. Über die Aufnahme des Artikels 64, Ge<lb break="no"/>genzeichnung von einer Sondersitzung durch den Bundeskanzler, bemerkt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, daß die 21-er Verfassungsleute alles bedacht haben. Schein<lb break="no"/>bar besteht nämlich ein Widerspruch, denn in Artikel 28 ist verlangt,<lb/>
daß eine Sondersitzung, wenn 1/3 der Abgeordneten es verlangen, der<lb/>
Bundespräsident einberufen muß. In Artikel 64 ist aber die Gegenzeich<lb break="no"/>nung des Bundeskanzlers verlangt. Dieser kann also verhindern, daß eine<lb/>
Sondersitzung vom Bundespräsidenten, zu der er verfassungsmäßig verpflich<lb break="no"/>tet ist, dann tatsächlich einberufen wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, der damalige<lb/>
Verhandler der 29-er Novelle, Prälat <rs type="person" ref="#per__127777">Seipel</rs>, hat für den österreichi<lb break="no"/>schen Bundespräsidenten eine starke Kompetenz ausgebaut. Nur in Frank<lb break="no"/>reich hat der Präsident noch mehr Rechte als in Österreich, zumindestens<lb/>
für europäische Staaten verglichen. Eine weitere Stärkung der Präsidial<lb break="no"/>macht, meint <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, müsse genau überlegt werden.<lb/>
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stammt noch aus der NS-Zeit. Als einziger Punkt wurde damals nur die<lb/>
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Nazis draufkommen, ob es sich um getaufte Juden handelt. Jetzt will<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, aber auch <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> die Pflicht der Religionseintragung wegbringen.<lb/>
Bei Geburt machen es die Eltern, bei der Verehelichung der Betreffende,<lb/>
selbst beim Tod ein Dritter, der den Personenstand angibt. Der Standes<lb break="no"/>beamte kann dies gar nicht prüfen. Weder zur Kirchensteuer noch zur<lb/>
Schule noch sonst irgendwo ist es notwendig. Außerdem entsteht die<lb/>
Frage, was geschieht mit den nicht staatlich anerkannten Religionsge<lb break="no"/>meinschaften. In allen europäischen Ländern ist es abgeschafft, nur<lb/>
in Deutschland geschieht dies noch auf freiwilliger Basis. <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> tritt<lb/>
natürlich sehr stark dafür ein. Ich selbst erkläre, man sollte mit der<lb/>
katholischen Kirche eine Paketlösung versuchen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erfährt von<lb/>
mir zum ersten Mal, wie es mit der Verschiebung der zwei Donnerstag-<lb/>
Feiertage geschehen soll. Natürlich wird meine opportunistische Haltung<lb/>
von allen belächelt und von sehr vielen abgelehnt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint aber,<lb/>
da keine einvernehmliche Auffassung zustande kommt, <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> ist unbe<lb break="no"/>dingt auf Seite der Kirche, müßte der Parteivorstand darüber entschei<lb break="no"/>den.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_18"><rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> berichtet über die Arbeitsmarktsituation: 65.000 Arbeitslose<lb/>
Ende November, 15.000 mehr als im Vormonat und 3.800 mehr als im Vor<lb break="no"/>jahr. Die Arbeitslosenrate ist 2,3 %, der Jahresdurchschnitt wird 1,9,<lb/>
wenns gut geht, sogar 1,8 % sein. 180.000 Gastarbeiter, mit 6.500 mehr<lb/>
als im Vorjahr, sind jetzt beschäftigt. Der höchste Gastarbeiterstand<lb/>
war einmal 250.000, der niedrigste 150.000. Die Arbeitsmarktlage ist<lb/>
also befriedigend.<lb/>
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bezüglich der Stützung. Er wird eine neue Abteilung errichten. Fällig<lb/>
sind 117 Mio. ohne Zinsen, mit Zinsen ca. 150 Mio. Die Zentralmolke<lb break="no"/>rei Linz hat 32 Mio. zurückgezahlt, Rupp die 8 Mio.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_20">Ich berichte über die Baustoppmaßnahmen Voitsberg III. Der Verfassungs<lb break="no"/>dienst hat aus <choice><choice><sic>prijoritiellen</sic><corr>präjudiziellen?</corr></choice></choice> Gründen vorgeschlagen, aus dem Minister<lb break="no"/>ratsvortrag die Forderung, die Bauordnung in der Steiermark müßte sofort<lb/>
geändert werden, rauszunehmen. Prof. <rs type="person" ref="#per__113110">Adamovich</rs> ist hier anderer Meinung<lb/>
als Juristen des Hauses. Ich schlage vor, es sollte eine Aussprache<lb/>
zwischen Verbundgesellschaft, Verfassungsdienst und Handelsministerium<lb/>
erfolgen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist damit sehr einverstanden und schlägt nur noch<lb/>
zusätzlich Dr. <rs type="person" ref="#per__124045">Gross</rs><add>[evtl. Falschidentifikation]</add> vor.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_21">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs>: Die Besprechung sofort veranlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_22">Im Ministerrat berichtet dann <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, daß Prof. <rs type="person" ref="#per__112571">Tollmann</rs> bei ihm<lb/>
vorgesprochen hat. Zu dieser Aussprache hat er sofort Prof. <rs type="person" ref="#per__112995">Grümm</rs><lb/>
beigezogen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat <rs type="person" ref="#per__112571">Tollmann</rs> nur zugesagt, daß Gutachten, die<lb/>
eine Rolle spielen, in Hinkunft auch der Gegenseite mitgeteilt werden.<lb/>
Dies entspricht den derzeitigen gesetzlichen Notwendigkeiten. Sollte<lb/>
es zu einen Hearing kommen, so wird auch der Gegner entsprechend ein<lb break="no"/>geladen. Bezüglich der dann noch zu erwartenden Volksabstimmung soll<lb/>
jetzt schon eine Studie durchgeführt werden, wie es dies in Schweden<lb/>
geschehen ist. Dort herrschte nämlich eine Chancengleichheit nach<lb/>
Meinung von Prof. <rs type="person" ref="#per__112571">Tollmann</rs>. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, man muß versuchen, alles<lb/>
zu versachlichen. Dies setzt voraus, daß eine gerechte Beurteilung<lb/>
auch des gegnerischen Standpunkts erfolgt und eine gleiche Möglichkeit<lb/>
allen eingeräumt wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist sich allerdings klar, daß eine<lb/>
Versachlichung der Diskussion<add>[nicht?]</add> wird möglich sein. Trotzdem muß dieser<lb/>
vergebliche Versuch gemacht werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_23">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__112995">Grümm</rs>, Atomenergieorganisation, ver<lb break="no"/>binden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_24">Spät abends referiere ich beim Kiwanis Club. Dieser wurde in Amerika<lb/>
im ersten Weltkrieg gegründet, hat derzeit 300.000 Mitglieder, mit den<lb/>
Jungendorganisationen sogar 500.000, in 7500 Klubs. Außerhalb <choice><choice><sic>Europas</sic><corr>Amerikas?</corr></choice></choice><lb/>
wurde Wien als erstes 1962 gegründet, 35 Klubmitglieder, in Österreich<lb/>
Ost gibt es weiter 4 Klubs. Das wirklich große Ereignis ist, daß am<lb/>
3. Juli 1983 eine Convention mit 10.000 Mitgliedern in Wien erfolgen<lb/>
wird. Ich empfehle ihnen sofort, sich mit der ÖFVW wegen der Programm<lb break="no"/>gestaltung zusammenzuschließen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_25">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Mit <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> und mir besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-12-03_26">Im Parlament werde ich vom Redakteur der Salzburger Nachrichten, die<lb/>
bereits schreiben, daß auch ich aus der Regierung ausscheide, gefragt,<lb/>
was ich zu einer Idee sage, wonach alle Minister, die 1970 bereits<lb/>
im Amt waren, jetzt ausgewechselt gehören. Ich erkläre sofort, daß diese<lb/>
Idee sehr gut ist, ohne zu sagen, daß sie sogar von mir stammt. Neuer<lb break="no"/>dings halte ich aber mit aller Entschiedenheit fest, daß ich nicht amts<lb break="no"/>müde bin. Mit Zentralsekretär <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> und <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> diskutiere ich diesen<lb/>
Vorschlag, als Bundeskanzler <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zufällig dazukommt. Ich habe da<lb break="no"/>her erstmals die Gelegenheit ihm selbst meine diesbezügliche Vorstellung<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>, mit dem ich vorher schon über dieses Problem gesprochen habe,<lb/>
meint, im Frühjahr kommt es vorerst nur zu einer Lösung vom <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>-Pro<lb break="no"/>blem. Diese Vorgangsweise halte ich für falsch, da eine eventuelle<lb/>
zweimalige Umbildung optisch und auch sachlich nicht sehr günstig sein<lb/>
wird. Die Gerüchte werden weiterschwirren, die Unsicherheit in gewissen<lb/>
Ministerien, die Opposition wird dadurch gute Gelegenheit haben, wie<lb/>
man so schön sagt, weiter umzurühren. Wenn es zu Maßnahmen kommen sollte,<lb/>
dann sollte man meiner Meinung nach dies schnell und umfassend setzen.<lb/>
Wenn ich davon betroffen sein sollte, was ich im Interesse der Sache<lb/>
und der Optik absolut verstehen würde, so möchte ich die Situation mit<lb/>
dem Ausdruck Bauernopfer charakterisieren.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 3.12.1980</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 66. Ministerratssitzung, 3.12.1980</head>
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            <head>Nachtrag TO 66. Ministerratssitzung, 3.12.1980</head>
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               <persName type="label">Seipel, Ignaz</persName>
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