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            <title type="main">Donnerstag, der 27. November 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_01">Donnerstag, 27. November 1980<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_02">Im Hauptausschuß des Parlaments muß die Verordnung über die Einfuhrge<lb break="no"/>nehmigung bei Schafen und Ziegen genehmigt werden, selbstverständlich<lb/>
einstimmig ohne Diskussion, administriert wird sie vom Landwirtschafts<lb break="no"/>minister, vertreten muß ich sie. Bald wäre ich zu spät gekommen. Vor<lb break="no"/>her wurde die Verordnung des Sozialministers über Erhöhung des Ar<lb break="no"/>beitslosenversicherungssatzes von 2,1 auf 2,6 % mit Mehrheit beschlos<lb break="no"/>sen. <rs type="person" ref="#per__97641">Kohlmaier</rs>, Oppositionssprecher, gegen den Sozialminister <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs><lb/>
erklärte, er kenne sich jetzt nicht mehr genau aus, wieviele Mittel<lb/>
von welchen Institutionen alle in die Pensionsversicherung fließen,<lb/>
damit diese Jahr für Jahr mühsamst ihr Defizit decken kann. Natürlich<lb/>
kennt sich <rs type="person" ref="#per__97641">Kohlmaier</rs> genau aus, er ist Direktor der Versicherungsan<lb break="no"/>stalt, replizierte <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> zurecht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_03">Die Landwirtschaft legt größten Wert darauf, daß die GATT-Kündigungs<lb break="no"/>vereinbarungen noch heuer beschlossen werden. Der Vorschlag des Klub<lb break="no"/>obmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> für 10. Dezember den Zollausschuß einzuberufen, wurde<lb/>
in der Präsidialsitzung aber von <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> abgelehnt. Er meint, das Parla<lb break="no"/>ment ist zu stark überlastet und die Materie könnte erst im Jänner<lb/>
beschlossen werden. Ich habe darauf sofort die Landwirtschaftskammer<lb/>
mit dem Hinweis informiert, daß der Direktor der Gmünder Kartoffel<lb break="no"/>fabrik im Waldviertel überall immer erzählt, die Sozialisten hätten<lb/>
nichts für die Bauern über und insbesondere der Handelsminister setze<lb/>
sich zu wenig ein, sollten die Bauernvertreter versuchen den ÖVP-<lb/>
Klubobmann <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> doch noch umzustimmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Das Problem sollte dem Arbeitsbauernbund in<lb/>
einer Agitation herausstreichen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_05">GD <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs> und <rs type="person" ref="#per__112049">Rimsky</rs> von Chemie Linz erklären mir, daß sie, nachdem<lb/>
die Paritätische Kommission ihre Düngepreisanträge nicht genehmigt<lb/>
hat, jetzt 19,7 % Erhöhung ab sofort verlangen werden. Dies können<lb/>
sie nach den Spielregeln der Paritätischen Kommission auch tatsächlich<lb/>
tun. Die Landwirtschaftskammer wird eine diesbezügliche Prüfung auf<lb break="no"/>grund des § 4 des Preisgesetzes beantragen. Das Handelsministerium<lb/>
wird <rs type="person" ref="#per__97693">Lejolle</rs> wieder zur Prüfung reinsetzen. Chemie Linz war das letzte<lb/>
Mal, als die Landwirtschaft ebenfalls die Preiserhöhung abgelehnt hat<lb/>
und dann Chemie Linz nur 8 % wie vereinbart verlangt hat, mit der Prü<lb break="no"/>fung <rs type="person" ref="#per__97693">Lejolles</rs> sehr einverstanden, denn dieser ist dann auf eine be<lb break="no"/>triebswirtschaftliche Notwendigkeit auf 11 % gekommen ...... hat da<lb break="no"/><pb n="57-1476" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-27_1476.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>durch 3 % Preiserhöhung verloren, die er ohne weiteres hätte verlangen<lb/>
können. Im Jour fixe haben die AK und der ÖGB dann nicht die eingereich<lb break="no"/>ten 19,7, sondern nur die 12,5 % Preiserhöhung verlangt. Dazu<lb/>
sehe ich gar keine Notwendigkeit. Der Präsident der Landwirtschafts<lb break="no"/>kammer <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> hat bei meinem Vermittlungsversuch vor der Paritäti<lb break="no"/>schen Kommission glattweg alles abgelehnt und erklärt, sie übernehmen<lb/>
keine Verantwortung für die Preiserhöhung. Präs. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, mit dem ich<lb/>
zweimal darüber gesprochen habe, meint auch zurecht, die Landwirt<lb break="no"/>schaft müsse die sture <choice><choice><sic>Helatung</sic><corr>Haltung?</corr></choice></choice> der Landwirtschaftskammervertreter<lb/>
eben spüren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_06">Die wichtigste Frage für Chemie Linz ist aber, ob sie Kneissl, die<lb/>
Schifabrik, die 264 Mio. S Kredit von der CA hat und konkursreif ist,<lb/>
kaufen soll. Die Chemie Linz hat 80 Mio. investiert, um die <choice><choice><sic>Formateri<lb break="no"/>alien</sic><corr>Formmaterialien? Vormaterialien?</corr></choice></choice><add>[um]</add> 60 Mio. S pro Jahr zum Schäumen der Ski an Kneissl zu verkaufen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__121813">Arnsteiner</rs> nimmt von diesem Material 14 Mio., <rs type="person" ref="#per__117630">Rohrmoser</rs> 6, Kästle 5.<lb/>
Diese Firmen drohen jetzt Chemie Linz, wenn sie Kneissl aufkauft, dann<lb/>
werden sie das <choice><choice><sic>Formaterial</sic><corr>Formmaterialien? Vormaterialien?</corr></choice></choice> von Chemie Linz nicht mehr beziehen. An<lb break="no"/>dererseits sind sie bereit Mehrmengen zu kaufen, wenn Kneissl zugrunde<lb/>
geht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Die Sektionsunterlagen für Aussprache mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vorbereiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_08">Beim Jour fixe mit AK und ÖGB will die AK in den neuen Richtlinien<lb/>
oder gar noch in der Gesetzesnovelle zur Gewerbeordnung für die<lb/>
Verleihung des Staatswappens durchsetzen, daß das Unternehmen sich<lb/>
sozial besonders auch auszeichnen muß. Eine solche Verschärfung halte<lb/>
ich für kaum durchsetzbar. Sektionschef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> wird versuchen mit<lb/>
der HK und der AK im Zuge der jetzigen Änderungen der Auszeichnungs<lb break="no"/>modalität auch über dieses Problem Verhandlungen zu führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_09">Die Wirtschaftstreuhändergebühren möchten die AK und der ÖGB mit 5 %<lb/>
erhöht wissen, zum Unterschied der eingereichten 15 %. Sekretär <rs type="person" ref="#per__115583">Muhm</rs>,<lb/>
ÖGB, befürchtet, daß wenn ich als Kompromiß 7,5 % mache, durch die Er<lb break="no"/>höhung der Wertgrenzen und der GesmbH-Novelle, wonach die Einkommen<lb/>
der Wirtschaftstreuhänder stark steigen werden, diese dann 10 % errei<lb break="no"/>chen. Dies halte ich aber als ein Minimum.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_10">Die Preisauszeichnung der Aussteller bei Messen wird <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> jetzt mit<lb/>
<pb n="57-1477" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-27_1477.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>der ARGE der Messen und der Interessensvertretungen dahingehend ver<lb break="no"/>suchen zu regeln, daß die Preisauszeichnung nur für Letztverbraucher<lb break="no"/>waren gilt, die tatsächlich im privaten Haushalt einfließen. Für eine<lb/>
Espressomaschine ist ein Gasthaus ein Letztverbraucher, doch ist dies<lb/>
eindeutig ein Betriebsmittel. Hier könnte die Auszeichnung ruhig un<lb break="no"/>terbleiben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_11">In der Auseinandersetzung zwischen Grundig und Philips über die zoll<lb break="no"/>freie Einfuhr von Farbfernsehröhren bis 26 Zoll aus Japan kann weder<lb/>
die AK noch der ÖGB mir helfen. Die Idee des SC <rs type="person" ref="#per__108322">Meisls</rs>, ich sollte<lb/>
daher dieses Problem an die beiden abtreten, halte ich nicht für<lb/>
zielführend. Sekr. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> vom ÖGB erklärt allerdings dezidiert, man<lb/>
hätte bei der Farbfernsehröhrenwerkerrichtung in Lebring, Steiermark,<lb/>
Philips einen entsprechenden Schutz zugesagt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: MR <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> soll mir die entsprechenden Akte<lb/>
zeigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_13">Die AK und ÖGB wehren sich dagegen, daß importierter Eisenschrott aus<lb/>
der Preisregelung herausgenommen werden soll. Sie befürchten, daß<lb/>
dann auch der inländische Schrott als Importschrott bezeichnet wird,<lb/>
wenn die Importpreise höher liegen. Die Inlandspreisregelung würde<lb/>
dadurch unwirksam. Das Preisverfahren soll auch gegen den Wunsch der<lb/>
HK fortgesetzt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Nächstes Jour fixe HK setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_15">Die AK ist sehr einverstanden, daß jetzt eine gesetzliche Entgelt<lb break="no"/>regelung für bundeseigene mineralische Rohstoffe, das sind die Kohlen<lb break="no"/>wasserstoffe, Uran und Thorium, vom Handelsministerium aufgegriffen<lb/>
wird. Ich lasse sie allerdings nicht im Unklaren, daß ich diesen An<lb break="no"/>trag von MR <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> nur deshalb unterstütze, weil dadurch die Vertrags<lb break="no"/>verhandlung über den Förderzins, Feldzins und Speicherzins zwischen<lb/>
ÖMV, RAG und den Vorarlbergern, die sich jahrelang jetzt dahinziehen,<lb/>
wahrscheinlich schnell abgeschlossen werden können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_16">Die <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs>-Idee, durch eine Exportstiftung von 1 Mrd. S ähnlich dem<lb/>
Jubiläumsfonds, die von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ganz entschieden abgelehnt wird,<lb/>
hätte die Unterstützung vom AK und ÖGB.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Nächstes Treffen <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_18">Sekr. <rs type="person" ref="#per__115583">Muhm</rs> verlangt jetzt endlich die Einberufung der Arbeitsgruppe<lb/>
über die multinationalen Verhaltensregeln im Rahmen der OECD. Die<lb/>
HK lehnt dies mit Entschiedenheit ab. <rs type="person" ref="#per__115583">Muhm</rs> meint, von der Industrie<lb/>
hätten sie jetzt schon nicht zuletzt über die Paritätische Kommission<lb/>
entsprechende Unterlagen bekommen. Mit dieser Arbeitsgruppe hofft<lb/>
er auch bei den großen Handelsunternehmungen, Versicherungen und Ban<lb break="no"/>ken einen gewissen Einblick zu bekommen. SC <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> verlangt von ihm<lb/>
die Punktation, was alles dort besprochen werden soll. Dann, beschließen<lb/>
wir, wird eine interministerielle Besprechung erfolgen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_19">Im Rahmen der EFTA wird am 14. Mai ein Konsultativkomitee in Genf<lb/>
mit den Ministern und den Sozialpartnern stattfinden. Der europäische<lb/>
Gewerkschaftsbund wird ein Industriepapier vorlegen. <rs type="person" ref="#per__115583">Muhm</rs> möchte,<lb/>
daß Ende September eine solche Konsultativtagung in Salzburg erfolgen<lb/>
soll. Das Handelsministerium wird klären, welche Voraussetzungen da<lb break="no"/>für notwendig sind und wer die Bezahlung übernimmt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte einen genauen Finanzplan erstellen<lb/>
lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_21">Dr. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> teilt mit, daß er jetzt mit den HK-Mann Dr. <rs type="person" ref="#per__126405">Klose</rs> verein<lb break="no"/>bart hat, daß doch noch einmal der Versuch unternommen wird, die<lb/>
offenen Kernkraftwerksfragen im Rahmen des Wirtschafts- und Sozial<lb break="no"/>beirates oder, von diesem initiiert, auch außerhalb dieses Rahmens zu<lb/>
besprechen. Die HK-Funktionäre haben aber dieser Idee bis jetzt noch<lb/>
nicht zugestimmt. Ganz im Gegenteil hat bis jetzt Präs. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>,<lb/>
weil er innerhalb der ÖVP große Schwierigkeiten erwartet, dies ent<lb break="no"/>schieden abgelehnt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_23">Eine kleine Firma in Ringelsdorf, Entwicklungsgebiet Niederösterreichs,<lb/>
hat mit 3 Beschäftigten und einem Umsatz von 1 1/2 Mio. S jetzt die<lb/>
Möglichkeit nach Deutschland für 1 1/2 Mio. DM Figuren aus Polyurethan,<lb/>
ein Holzersatz, die dann handbemalt werden, zu verkaufen. Die große<lb/>
Kaufhauskette Woolworth würde angeblich übernehmen. Herr <rs type="person" ref="#per__127816">Hüttl</rs> glaubt,<lb/>
so hat man ihm erzählt, daß im Handelsministerium eine Frau entspre<lb break="no"/>chende Mittel zur Verfügung stellen kann. Ich habe ihn an den Export<lb break="no"/>fonds verwiesen, nachdem ich vorher dort intervenierte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_24">In Kanada ist der Generalgouverneur der englischen Königin, <choice><choice><sic>General</sic><corr>?</corr></choice></choice><lb/>
<rs type="person" ref="#per__127817">Léger</rs>, verstorben. Die kanadische Botschaft hat mitgeteilt, daß ein<lb/>
Kondolenzbuch aufliegt. Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> und ich sind dann<lb/>
tatsächlich hingefahren, um uns dort einzutragen, nachdem das Außen<lb break="no"/>ministerium alle Regierungsmitglieder dazu aufgefordert hat. Im<lb/>
Vorraum lag ein Besucherbuch, kein Botschaftsangestellter war dort,<lb/>
die Portiersfrau, würden wir sagen, meinte, dort in der Ecke bitte,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> und ich waren erschüttert. In diesem Fall wäre es gescheiter<lb/>
gewesen, man hätte wahrlich nichts von der kanadischen Botschaft in<lb/>
Österreich gemacht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_25">Die indische Botschaft hat mich eingeladen, ich möchte unbedingt die<lb/>
Eröffnung des Kooperationsbüros in Wien übernehmen. Da das Büro sicher<lb break="no"/>lich in einem sehr kleinen Rahmen gehalten ist, hat die Botschaft die<lb/>
Eröffnungsfeierlichkeit ins Hotel Imperial verlegt. Leider hat man<lb/>
mich vom Parlament wegen einer Kampfabstimmung über die Dampfkessel<lb break="no"/>verordnung nicht weggelassen, weshalb ich dorthin sehr spät gekommen<lb/>
bin. Überraschenderweise hat man tatsächlich gewartet, bis ich endlich<lb/>
erschienen bin, da es für die Inder scheinbar eine große Auszeichnung<lb/>
war, daß ich überhaupt persönlich komme.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_26">Im Parlament hat die ÖVP dem Dampfkesselgesetz nicht zugestimmt. Sie<lb/>
hat zurecht erkannt, daß die Durchführung auf größten Widerstand bei<lb/>
den Unternehmern stoßen wird. Die Elektrizitätsunternehmer erklären<lb/>
mir jetzt bereits, daß nach der Übergangsfrist von 5 Jahren viele<lb/>
Kraftwerke werden schließen müssen. Ich habe dies seinerzeit der<lb/>
Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__111408">Eypeltauer</rs> mitgeteilt. Das Bautenministerium hat aber<lb/>
dem Drängen des Gesundheitsministeriums nachgegeben. Bautenminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs>, mit dem ich mich dann auf der Regierungsbank darüber unter<lb break="no"/>halten habe, war über die ganze Entwicklung nicht sehr glücklich. Ich<lb/>
hatte das Gefühl, daß er, jetzt leider zu spät, sich hätte früher gerne<lb/>
eingeschaltet. Vielleicht sind ihm die Bedenken jetzt als Metallarbei<lb break="no"/>tergewerkschaftsboß gekommen. Die FPÖ hat natürlich aus prinzipieller<lb/>
Unterstützung aller Grünen diesem Gesetzesentwurf zugestimmt. Ent<lb break="no"/>scheidend in meinen Augen war, daß man von der Regierungsvorlage,<lb/>
die wesentlich gemildeter gewesen ist, in den Parlamentsverhandlungen<lb/>
dann abgegangen ist und den Wünschen des Gesundheitsministeriums<lb/>
Rechnung getragen hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_27">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Nächstes Jour fixe <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_28">Die Jederzeitgruppe, aktive Funktionäre, die sich insbesondere bei<lb/>
den Wahlen sehr einsetzen, wurden vom Bezirk zu einem Abendessen ein<lb break="no"/>geladen. Ich konnte dort nur eine kurze Ansprache halten, da ich<lb/>
wieder ins Parlament zurück mußte. Tatsächlich kamen aber von den Ein<lb break="no"/>geladenen nur die Hälfte. Auch so Abendveranstaltungen mit Essen sind<lb/>
nicht besonders gefragt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_29">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Wir müßten uns auch was anderes einfallen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_30">Sekt. Chef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> meinte, daß die vom Gesundheitsministerium verlangte<lb/>
Umweltverträglichkeitsprüfung in ihrem Kompetenzkatalog genauer de<lb break="no"/>finiert werden müßte. Sein Vorschlag wäre, daß man ein Gutachten über<lb/>
den Standort durch das Gesundheitsministerium im Betriebsanlagenver<lb break="no"/>fahren aufgrund der Gewerbeordnung einbauen müßte. Die Gewerbeordnung<lb/>
wird jetzt in 20 Punkten wahrscheinlich novelliert. Strittig ist, daß<lb/>
in Durchführung des Staatsvertrages über Energieeinsparung die HK<lb/>
befürchtet, daß jetzt in der Gewerbeordnungsnovelle dann das Energie<lb break="no"/>sicherungsgesetz oder gar eine Energielenkungsbestimmung eingeschleust<lb/>
werden soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_31">Das Verkehrsministerium verlangt bei Seilbahnen auch eine Haftpflicht<lb break="no"/>versicherung, die AK bei Reisebüros. Diese 3 Punkte werden sehr<lb/>
strittig in den Verhandlungen sein. Ich ersuche <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> trotzdem einen<lb/>
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Anzeige erstattet, eine Mitteilung bekommen sollte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_33">Über die mobilen Läden zur Aufrechterhaltung der Nahversorgung wird<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> vorschlagen, daß nur die im Bezirk tätigen Händler herange<lb break="no"/>zogen werden sollten. Die Gemeinde müßte eine entsprechende Bestätigung<lb/>
ausstellen. Dadurch soll verhindert werden, daß Großkonzerne sich<lb/>
jetzt über die mobilen Läden überall festsetzen können und dadurch<lb/>
nicht die Nahversorgung gesichert, sondern die vereinzelten Kleinhänd<lb break="no"/>ler endgültig zusperren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_34">Für das Berufsbildungsinstitut, <rs type="person" ref="#per__123791">Knap</rs>, sollen 980.000 S genauso wie<lb/>
für das BFI, <rs type="person" ref="#per__114577">Ingrisch</rs>, für eine Lehrwerkstätte in Deutschlandsberg<lb/>
ebenfalls 980.000 S Subvention gezahlt werden. Der Subventionsbericht,<lb/>
den die sozialistische Regierung eingeführt hat und jährlich an das<lb/>
Parlament geben muß, wird in der Öffentlichkeit von den Massenmedien<lb/>
<pb n="57-1481" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-27_1481.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>immer sehr negativ besprochen. Wenn eine Position unter 1 Mio. S<lb/>
ist, bin ich überzeugt, fällt sie auch <rs type="person" ref="#per__109961">Staberl</rs> von der Kronenzeitung<lb/>
weniger auf.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_35">Die AK möchte in die Förderungsrichtlinien eine Bestimmung, daß<lb/>
zu prüfen ist, ob der Unternehmer eine Verwaltungsübertretung in der<lb/>
Vergangenheit gemacht hat. Die Kreditwürdigkeit wäre daher auch noch<lb/>
nach der Straffälligkeit zu überprüfen. Eine solche Vorgangsweise<lb/>
halte ich für unmöglich. SC <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> beklagt sich mit Recht bei mir,<lb/>
daß die AK jetzt immer diffiziler und bürokratischer ihre Aktivitäten<lb/>
ausübt. Ich kann schon sehr gut verstehen, daß die anderen Minister<lb/>
ihre Vorschläge immer weniger berücksichtigen. Ich haben dem Dir.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> auch schon etliche Male dezidiert erklärt, daß die Bürokra<lb break="no"/>tisierung in dieser Institution, der ich 25 Jahre angehört habe und<lb/>
wo wir sehr expeditiv gearbeitet haben, im beängstigendem Ausmaß zu<lb break="no"/>nimmt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_36">Der Finanzminister hat entschieden, daß die Bürges ihren Haftungs<lb break="no"/>rahmen nicht von Kapitalausstattung 1 zu Haftungsrahmen Größe 20 er<lb break="no"/>höhen darf. Es bleibt bei 1 zu 17. Das Finanzministerium ist aber<lb/>
bereit das Kapital der Bürges um 5 Mio. aufzustocken. Dadurch kann der<lb/>
notwendige Haftungsspielraum entsprechend vergrößert werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-27_37">Da über die Wohnbaugesetznovelle im Parlament sehr lange diskutiert<lb/>
wurde, kam ich zur Galapremiere des Filmes Menschenfrauen von <rs type="person" ref="#per__127818">Valie<lb/>
Export</rs> zu spät. Versäumt habe ich sicherlich nichts. Der Film ist<lb/>
furchtbar kompliziert für mich gewesen. Zum Schluß erscheint im<lb/>
Insert, daß dieser Film vom Unterrichtsministerium gefördert wurde.<lb/>
Meine Frau bemerkte zurecht, sei froh, daß nicht das Handelsministe<lb break="no"/>rium aufscheint. Daß der Film sich sicherlich nicht einspielt, ge<lb break="no"/>traue ich mich jetzt schon zu behaupten. Daß dies mit den meisten<lb/>
Filmen, die das Unterrichtsministerium fördern wird, der Fall sein<lb/>
muß, ist mir auch klar. Die kulturelle oder filmtechnische, ich weiß<lb/>
nicht noch welche anderen Gesichtspunkte, die in Hinkunft die Filmför<lb break="no"/>derung auch aufgrund des Filmförderungsgesetzes stärker berücksichtigen<lb/>
wird, beinhaltet den Keim des kommerziellen Mißerfolges fast schon in<lb/>
sich. Ich bin sehr froh, daß ich die Filmförderungskompetenz dem<lb/>
Unterrichtsminister andrehen konnte. 10 Jahre hat es ja gedauert.<lb/>
Wieso in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehen konnte, wie die<lb/>
Oppositionspartei in der Parlamentsdebatte behauptet, daß es einen<lb/>
Kompetenzkonflikt zwischen Finanzministerium, Handelsministerium und<lb/>
<pb n="57-1482" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-27_1482.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Unterrichtsministerium darüber gegeben hat, ist mir ein Rätsel. Dies<lb/>
kann höchstens darauf zurückzuführen sein, daß natürlich jeder Beamte<lb/>
in jedem Ministerium mehr Imperium, mehr Geld zum Verteilen wünscht.<lb/>
Zwischen den Ministern hat es höchstens einen positiven Kompetenzkon<lb break="no"/>flikt gegeben. Jeder wollte diese Materie dem anderen andrehen. Da<lb/>
aber letzten Endes <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> erklärte, es müßte eine kulturelle Kompo<lb break="no"/>nente im Filmförderungsgesetz den Ausschlag geben, so war ich dann<lb/>
erfolgreich und habe ihn dazu überredet, daß nur er dann die Filmför<lb break="no"/>derung tatsächlich führen kann. Er bekommt mehr Mittel, es werden<lb/>
mehr Filme à la <rs type="person" ref="#per__127818">Valie Export</rs> kommen, kommerziell wird sich dies in<lb/>
Österreich kaum auswirken, die Leute, fürchte ich, werden mehr über<lb/>
diese geförderten Filme schimpfen.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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