<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19801117.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19801114.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19801118.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Montag, der 17. November 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band57_1980-11-17</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date when="1980-11-17">Montag, 17. November 1980</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2018-02-15">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text>
      <body>
         <pb n="57-1414" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-17_1414.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry">
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-17_01">Montag, 17. November 1980<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-17_02">GD <rs type="person" ref="#per__126973">Lap</rs> von Philips mit Dir. <rs type="person" ref="#per__127182">Kopez</rs> sprachen sich gegen den Wunsch der<lb/>
Fa. Grundig auf zollfreie Einfuhr von Bildröhren für Fernsehgeräte<lb/>
unter 26 Zoll aus. Philips kooperiert mit Grundig insbesondere auch<lb/>
bei der Videorekorder-Produktion, Philips ist bei Grundig 24,5 % an<lb break="no"/>teilsmäßig beteiligt. GD <rs type="person" ref="#per__126973">Lap</rs> hat seinen Referenten Dr. <rs type="person" ref="#per__127181">Günther</rs> nach<lb/>
Nürnberg geschickt, damit zwischen den beiden Vorständen eine Verein<lb break="no"/>barung in dieser Angelegenheit geschlossen wird. Es kam auch zu einem<lb/>
Kompromißvorschlag. <rs type="person" ref="#per__126281">Max Grundig</rs> aber hat diesen verworfen und gedroht,<lb/>
er geht mit seiner Produktion aus Österreich nach Portugal. <rs type="person" ref="#per__126973">Lap</rs> bezeich<lb break="no"/>net dies als blackmail, das heißt Erpressung. Da <rs type="person" ref="#per__126281">Grundig</rs> die größte<lb/>
Fernsehfabrik in Wien stehen hat, wäre dies ein furchtbarer Schlag<lb/>
für Wien und Österreich. Philips wieder erklärt, er hat neun Fabriken<lb/>
in Europa. Insgesamt erzeugen die europäischen Fabriken 11 Mio. Stk.<lb/>
Fernsehgeräte, dazu kommen 4 Mio. Stk., die aus Japan importiert werden.<lb/>
Philips hat an diesen 15 Mio einen Anteil von 1,3 Mio. Gesamtproduk<lb break="no"/>tion seiner neun Fabriken, 200.000 entstehen in Wien. Aufgrund seiner<lb/>
Österreichproduktion, insbesondere von der Bildröhrenfabrik in Lebring,<lb/>
werden 90 % im Europamarkt exportiert. Die gesamte Exportsumme macht<lb/>
6 Mrd. S aus. Er wollte damit andeuten, er könnte genauso erpressen,<lb/>
doch entspricht dies nicht der Philosophie von Philips. Philips hat<lb/>
jetzt große Schwierigkeiten in den europäischen Produktionsstätten.<lb/>
Hart attackiert werden sie in den Niederlanden, weil sie als nieder<lb break="no"/>ländisches Unternehmen immer mehr in den letzten Jahren in ausländische<lb/>
Staaten ihre Produktion verlegt haben. In der Presse wurde insbesondere<lb/>
die <choice><choice><sic>Videoproduktion</sic><corr>Videorekorder-Produktion</corr></choice></choice> in Österreich von Philips scharf angegriffen. <rs type="person" ref="#per__126973">Lap</rs><lb/>
war damit einverstanden, daß die Sektionschefs <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> und <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> jetzt<lb/>
einmal mit <rs type="person" ref="#per__126281">Grundig</rs> die Gespräche aufnehmen werden, ob nicht doch ein<lb/>
Kompromiß möglich wäre. Darüber hinaus erklärte ich mich bereit, in<lb/>
weiterer Folge mich zu einer Verhandlungsrunde selbst einzuschalten.<lb/>
Gegebenenfalls bin ich bereit sogar nach Nürnberg zu fahren, um mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126281">Max Grundig</rs> dann selbst zu verhandeln.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-17_03">Anschließend besprach ich mit den Sektionschefs, daß es zweckmäßig ist<lb/>
einen Brief an <rs type="person" ref="#per__126281">Max Grundig</rs> zu schreiben, wenn das Kompromiß ungefähr<lb/>
feststeht, was die Nürnberger Grundig-Vorstandsleute schon einmal abge<lb break="no"/>schlossen haben, wobei allerdings auch eine gewisse Modifikation zu<lb break="no"/>gunsten Grundigs enthalten sein muß. Ich kann kaum damit rechnen, an<lb break="no"/>sonsten zu einem Ergebnis zu kommen. Die Idee Sektionschefs <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs>, die<lb/>
<pb n="57-1415" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-17_1415.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>zuständigen Gewerkschaften und den Gewerkschaftsbund einzuschalten,<lb/>
gibt mir zwar einen Zeitgewinn, bringt mich aber der Lösung sicherlich<lb/>
nicht näher. So wie die Handelskammer außerstande gewesen ist, die<lb/>
beiden zu koordinieren, gelingt dies auf Gewerkschaftsebene noch viel<lb/>
weniger. Der Schlüssel zur Lösung liegt nicht in Österreich, sondern<lb/>
eben in Nürnberg bei <rs type="person" ref="#per__126281">Max Grundig</rs>.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-17_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte Jour fixe HK und AK, ÖGB setzen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-17_05">Beim Journalistenfrühstück berichtete <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> über die Preisauszeich<lb break="no"/>nungsverordnung für Dienstleistungen. Interessant ergab sich dann eine<lb/>
Debatte über die Installateurbeschwerden. Eine Redakteurin hat statt<lb/>
120.000.–– S Kostenvoranschlag dann eine Rechnung von 160.000 S bekom<lb break="no"/>men, ohne daß sie für diese Mehrarbeit vorher gefragt wurde. Ein<lb/>
Rechtsanwalt, aber insbesondere die AK meinten, daß dies ohne weiteres<lb/>
gesetzlich möglich sei und auch gedeckt ist, sodaß eine Klage zu kei<lb break="no"/>nem Ergebnis führen kann. Ich habe ihr sofort vorgeschlagen, den kon<lb break="no"/>kreten Fall dem Handelsministerium mitzuteilen, damit wir, wie dies<lb/>
schon etliche Male geschehen ist, auch einen Schlichtungsversuch un<lb break="no"/>ternehmen. Interessant, daß sich sofort eine Diskussion ergibt, wenn<lb/>
Journalisten unmittelbar selbst betroffen sind. Ähnlich war es dann<lb/>
auch am Schluß der Pressekonferenz mit der Benzinpreisfrage.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-17_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Die Stellungnahme der AK zum Installateurfall<lb/>
interessiert mich.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-17_07">Dr. <rs type="person" ref="#per__123791">Knap</rs> vom österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung ÖIBF<lb/>
berichtete über das Ergebnis eines Auftrages, objektive Kriterien der<lb/>
Berufsausbildungsstätten zu finden. Neue Unternehmer, die keine Be<lb break="no"/>rufsausbildung bis jetzt durchgeführt haben, müssen nach § 3a der<lb/>
Berufsausbildungsgesetznovelle einen Bescheid zur Genehmigung erhal<lb break="no"/>ten. Dies geschah bis jetzt nach jeweils Einzelfalluntersuchung. Dem<lb/>
Institut wurde nicht zuletzt, um ihm überhaupt eine Beschäftigung und<lb/>
Subventionen zu geben, dieser Auftrag von <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> übertragen. Nach<lb/>
jahrelangem Studium in 450 Betrieben wurden für die 10 wichtigsten<lb/>
Lehrberufe, wo 100.000 Lehrlinge beschäftigt sind, objektive Kriterien<lb/>
geschaffen. Das Ergebnis wird auf die heftigsten Widerstände der HK<lb/>
stoßen. Immerhin wurde festgestellt, daß 56 % der Ausbildungsstätten<lb/>
die Berufsbilder nicht aufliegen haben. 48 % haben eine unzureichende<lb/>
technische Ausstattung, 26 % geben keinerlei theoretische Unterweisun<lb break="no"/>gen den Lehrlingen. Die erarbeiteten Schemata werden sicherlich von<lb/>
<pb n="57-1416" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-17_1416.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>der Handelskammer teilweise mit Recht sicher abgelehnt. Diese indirek<lb break="no"/>ten Angriffen von Dr. <rs type="person" ref="#per__123791">Knap</rs> und seinem Institut sind mir aber sehr recht.<lb/>
Bei den Gewerkschaften werden sie vielleicht eine gewisse Befriedigung<lb/>
auslösen, daß jetzt endlich das Handelsministerium etwas gegen die<lb/>
laxe Ausbildung der Lehrlinge unternimmt. Meine Reaktion auf etwaige<lb/>
Angriffe der Handelskammer wird darin bestehen, daß ich ihnen ja sei<lb break="no"/>nerzeit vorgeschlagen habe, wir sollten ein gemeinsames Institut grün<lb break="no"/>den. Damals hat die Handelskammer es abgelehnt, weil sie ihr Institut<lb/>
nicht verschmelzen wollte. Sie fürchtete, daß das größere Institut<lb/>
des Gewerkschaftsbundes Übergewicht in diesem gemeinsamen Institut haben<lb/>
würde.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-17_08"><rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> berichtete dann über eine WIFI-Studie über den deutschen Urlaubs<lb break="no"/>gast. Aufgrund einer Erhebung in der BRD liegt viel Material über das<lb/>
Verhalten der deutschen Gäste vor. Das WIFI hat dies jetzt zusammenge<lb break="no"/>faßt und gemeinverständlich den Unternehmern der Fremdenverkehrsbran<lb break="no"/>che in einer Broschüre dargelegt. Dies ist die dritte Broschüre, die<lb/>
der Fremdenverkehrswirtschaft mit 50 % Subvention des Handelsministe<lb break="no"/>riums zur Verfügung gestellt wird. Zum Glück zeichne ich für diese<lb/>
Broschüre nicht verantwortlich, sondern eben das WIFI und damit indi<lb break="no"/>rekt die Handelskammer. Manche Ausdrücke und Sätze sind sehr gewagt,<lb/>
das Ganze ist, wie ich dann aus der Kritik oder Anfragen der Journali<lb break="no"/>sten entnehmen konnte, auch keinesfalls unbestritten. Ich verglich<lb/>
dies damit, daß der Kinsey-Bericht in seinen Zahlen und wissenschaft<lb break="no"/>licher Trockenheit sicherlich auch nicht so große Popularität erlangt<lb/>
hätte, wenn er nicht von den Massenmedien und dann wahrscheinlich auch<lb/>
von etlichen Fachleuten gemeinverständlicher dargestellt worden wäre.<lb/>
Ähnlich verhält es sich mit den Erhebungen in der BRD über den deutschen<lb/>
Gast und über die Darstellung jetzt des WIFIs. Mit diesem Vergleich<lb/>
wollte ich aber die wirklich grundsätzlichen Erkenntnisse vom Kinsey-<lb/>
Bericht nicht mit dem doch verhältnismäßig unbedeutenden Broschürl<lb/>
des WIFI, sprich Handelskammer, vergleichen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-17_09">Bei meinem täglichen Morgenbesuch in der Gewerkschaft mußte ich in<lb/>
der letzten Zeit immer mehr feststellen, daß sich die Gruppe Bäcker<lb/>
benachteiligt fühlt. Dort gibt es die schwierige Frage, wer dem<lb/>
jetzigen Gruppenobmann <rs type="person" ref="#per__111702">Deutsch</rs>, ehemaliger Betriebsratsobmann der<lb/>
Ankerbrotfabrik, nachfolgen soll. Auf der einen Seite gibt es Schwie<lb break="no"/>rigkeiten mit dem zweitgrößten Betrieb, BRO <rs type="person" ref="#per__110999">Serini</rs>, auf der anderen<lb/>
Seite wollen die Bäcker natürlich nicht auf ihre Position verzichten.<lb/>
</p>
            <pb n="57-1417" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-17_1417.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-17_10">Ich werde dieses Problem kaum lösen können. Trotzdem möchte ich, daß<lb/>
zumindestens bis zum Verbandstag im nächsten Jahr nicht eine offene<lb/>
Diskussion über dieses Problem ausbricht. Ich beschloß daher, zuminde<lb break="no"/>stens zeitweise bei ihrer Bäckerkonferenz anwesend zu sein. <rs type="person" ref="#per__111702">Deutsch</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__110999">Serini</rs> saßen im Vorsitz. <rs type="person" ref="#per__111702">Deutsch</rs> berichtete gerade über die Ent<lb break="no"/>wicklung des Bäckereiarbeitergesetzes, insbesondere über die Tätigkeit<lb/>
der Arbeitsinspektoren. Leider mußte ich dann zur Fraktionsbesprechung<lb/>
im Budgetausschuß für das Kapitel Handel.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-17_11">Während bei allen anderen Fraktionsbesprechungen im Klub der SPÖ für<lb/>
Handelsfragen kaum pünktlich begonnen wird, ist dies traditionsgemäß<lb/>
bei der Budgetvorberatung immer der Fall. Da <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> jetzt nicht<lb/>
nur der Sprecher des Freien Wirtschaftsverbandes und damit auch auf<lb/>
dem Handelssektor ist, sondern gleichzeitig auch der Vorsitzende des<lb/>
Finanz- und Budgetausschusses und damit auch die Budgetverhandlungen<lb/>
im einzelnen führt, legte er größten Wert auf Pünktlichkeit und möchte<lb/>
womöglich von jedem Minister genau wissen, welche Fragen er gestellt<lb/>
haben will. Da er mich aber seit 10 Jahren kennt, haben wir zwar pünkt<lb break="no"/>lich begonnen, aber er gleich festgestellt, da <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs> ja jedem<lb/>
Abgeordneten freistellt, was immer ihn fragen will, gibt es keinen ge<lb break="no"/>naue Aufteilung der einzelnen Redner. Wie mir Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs><lb/>
versichert, ist dies bei vielen anderen gerade umgekehrt. Dort wird<lb/>
vom Minister erwartet, daß ganz genau seine schriftlich den Abgeordne<lb break="no"/>ten womöglich festgelegten Fragen wörtlich verlesen werden, damit<lb/>
er dann entsprechende Antwort geben kann. Da wir, nachdem die Redner<lb/>
sich gemeldet hatten und erklärten, welches Thema für sie interessant<lb/>
ist, noch Zeit hatten, erörterte ich die weitere Vorgangsweise im<lb/>
Handels- resp. Integrationsausschuß bezüglich der nächsten Arbeiten.<lb/>
Insbesondere kam das Problem der Ratifizierung der EG-Protokolle zur<lb/>
Sprache. Da niemand weiß, ob die Kommission in Brüssel bis zum Frei<lb break="no"/>tag, den 28. November unterschrieben hat, wird es zweckmäßig sein, den<lb/>
Ausschuß für wirtschaftliche Integration zu verschieben. Dies kann ich<lb/>
noch am Donnerstag, den 27. November bei der Haussitzung <rs type="person" ref="#per__112147">Robert Fischer</rs>,<lb/>
unserem Klubsekretär, mitteilen. Die Mitglieder des Integrationsaus<lb break="no"/>schusses wären sehr verärgert, wenn sie am Freitag noch in Wien blei<lb break="no"/>ben würden, und dann stellt sich heraus, daß wir erst nicht die richti<lb break="no"/>gen Durchführungsnovellen beschließen könnten. Die Unterlagen liegen<lb/>
schon im Parlament, die Frage ist nur, ob es nicht jetzt schon zweck<lb break="no"/>mäßig ist, gleich auf die Ausschußwoche 9.–12.12 zu verschieben.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-17_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108322">MEISL</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte den Fahrplan jetzt endgültig<lb/>
fixieren.<lb/>
</p>
            <pb n="57-1418" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-17_1418.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-17_13">Im Budgetausschuß wurde dann, wie es üblich ist, eine zweifache Frage<lb break="no"/>runde gestartet. Diesmal gab es dann sogar noch 3 Anfragen von Opposi<lb break="no"/>tionsabgeordneten sogar zu einer dritten Runde. Das Ganze entwickelte<lb/>
sich im Zeremoniell ab, das ich bereits 1970 versucht habe, zu durch<lb break="no"/>brechen. Ich halte gar nichts davon, daß die Abgeordneten zuerst ihre<lb/>
Fragen stellen, teilweise kritisieren und wenn dann so 6 bis 8 Abgeor<lb break="no"/>dneten eine Unzahl von Fragen gestellt haben, der Minister dann darauf<lb/>
antwortet. Ich hatte 70 versucht, dieses Ritual zu durchbrechen und<lb/>
früher gleich, wie aus der Pistole geschossen, auf Anfragen reagiert.<lb/>
Interessanterweise hat die Oppositionspartei sich damals furchtbar<lb/>
aufgeregt, die Abgeordneten wollen also das Recht haben, sie kommen<lb/>
zuerst dran. Nichts Dümmeres kann eine Oppositionspartei in diesem<lb/>
Fall machen. Statt den Minister zu piesacken, direkte Anfragen von ihm<lb/>
sofort zu verlangen, kommt eine solche Summe von Fragen zustande, daß<lb/>
dann der Minister es leicht hat, die, die er nicht beantworten will,<lb/>
dilatorisch zu beantworten. Manchmal kommt es bei mir sogar vor, daß<lb/>
ich eine oder die andere Frage vergesse. Dies ist meistens unbeabsich<lb break="no"/>tigt und wenn mich daher dann der Abgeordnete daran erinnert, ent<lb break="no"/>schuldige ich mich tausend Mal und antworte natürlich auf alle aufge<lb break="no"/>worfenen Fragen. <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> war überrascht über dieses System. In der<lb/>
Vorbesprechung hatte ich noch angenommen, daß sie von Oppositionsabge<lb break="no"/>ordneten attackiert würde werden. Dies ist vielleicht noch in der Haus<lb break="no"/>sitzung möglich. Im Budgetausschuß wurde in keinem einzigen Fall auch<lb/>
nur eine Andeutung oder ein indirekter Vorwurf hörbar. Für Konsumen<lb break="no"/>tenfragen habe ich <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> gebeten, muß sie auf alle Fälle antworten.<lb/>
Dies wurde auch prompt und hervorragend von ihr dann im Budgetausschuß<lb/>
erledigt. Trotzdem glaube ich, daß in der Budgetdebatte im Plenum ein<lb/>
Angriff gegen sie erfolgen wird. In diesem Fall, vereinbarten wir in<lb/>
der Fraktion, wird <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> zeitgerecht darauf reagieren. Sie wird al<lb break="no"/>so, auch das ist wahrscheinlich ungewöhnlich, gegenüber den anderen<lb/>
Staatssekretären als erste zu einer guten Zeit noch replizieren. Dies<lb/>
entspricht auch meiner traditionsgemäßen Vorgangsweise. Ich selbst<lb/>
habe stets, auch als die Kapitel Handel und Finanzen zusammengelegt<lb/>
wurden, in der Plenumsdiskussion als letzter, genauer ausgedrückt, als<lb/>
vorletzter immer zusammenfassend das Wort ergriffen. Ich stehe auf dem<lb/>
Standpunkt, der Minister soll sich alle Vorschläge, Anregungen, Kri<lb break="no"/>tiken der Abgeordneten anhören und dann erst replizieren. Da die ÖVP<lb/>
aber als Oppositionspartei das letzte Wort haben möchte, wird resp.<lb/>
sprich nach meiner Stellungnahme immer dann noch ein ÖVP-Abgeordneter<lb/>
reden. Sollten wider Erwarten die Angriffe auf <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> unterbleiben,<lb/>
was mir auch recht ist, dann wird sie trotzdem für die Konsumentenpoli<lb break="no"/><pb n="57-1419" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-17_1419.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>tik und ihre Tätigkeit im Plenum von der Regierungsbank das Wort er<lb break="no"/>greifen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-17_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109808">ALBRECHT</rs>: Bitte bereite Dich auf alle Fälle für deinen<lb/>
ersten größeren Parlamentsauftritt von der Regierungsbank vor.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-17_15"/>
         </div>
      <div type="back"><pb n="57_1413_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-17_1413-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="other">
            <head>TAgesprogramm, 17.11.1980</head>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__112147">
               <persName type="label">Fischer, Robert</persName>
               <persName><surname>Fischer</surname><forename>Robert</forename></persName>
               <occupation>erst Sekr. Pittermann, dann Klubsekr. [1971 im Klub Mitarb. von Heinz
                  Fischer?]</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__127182">
               <persName type="label">Kopez, A</persName>
               <persName><surname>Kopez</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Dir. Fa. Philips? Falschschreibung?</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__111737">
               <persName type="label">Marsch, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Marsch</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__111702">
               <persName type="label">Deutsch, Josef</persName>
               <persName><surname>Deutsch</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>BV Wien-Favoriten, Wr. SPÖ-GR-Abg., stv. LUGA-Vors., BRO
                  Ankerbrot</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__126973">
               <persName type="label">Lap, Bernhard M.</persName>
               <persName><surname>Lap</surname><forename>Bernhard M.</forename></persName>
               <occupation>GD Philips Österreich</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__126281">
               <persName type="label">Grundig, Max</persName>
               <persName><surname>Grundig</surname><forename>Max</forename></persName>
               <occupation>Gründer Grundig AG</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__108322">
               <persName type="label">Meisl, Josef</persName>
               <persName><surname>Meisl</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Ministerialrat, Leiter Grundsatzabteilung</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__123791">
               <persName type="label">Knapp, Ilan</persName>
               <persName><surname>Knapp</surname><forename>Ilan</forename></persName>
               <occupation>Leiter Öst. Inst. f. Berufsbildungsforschung (ÖIBF)</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__111367">
               <persName type="label">Würzl, Anton</persName>
               <persName><surname>Würzl</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97985">
               <persName type="label">Staribacher, Josef</persName>
               <persName><surname>Staribacher</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/125942052</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__109811">
               <persName type="label">Burian, Ferdinand</persName>
               <persName><surname>Burian</surname><forename>Ferdinand</forename></persName>
               <occupation>MR, Büro des Bundesministers</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97584">
               <persName type="label">Jagoda, Karl</persName>
               <persName><surname>Jagoda</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Leiter Sekt. III HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__109808">
               <persName type="label">Albrecht, Anneliese</persName>
               <persName><surname>Albrecht</surname><forename>Anneliese</forename></persName>
               <occupation>Sts. HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97757">
               <persName type="label">Mühlbacher, Kurt</persName>
               <persName><surname>Mühlbacher</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>Vizepräs. BHK, Präs. FWV</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__127181">
               <persName type="label">Günther, A</persName>
               <persName><surname>Günther</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Referent GD Lap, Fa. Philips</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__110999">
               <persName type="label">Serini, Alois</persName>
               <persName><surname>Serini</surname><forename>Alois</forename></persName>
               <occupation>BRO KGW</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__108746">
               <persName type="label">Haffner, Konrad</persName>
               <persName><surname>Haffner</surname><forename>Konrad</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>