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            <title type="main">Dienstag, der 11. November 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_01">Dienstag, 11. November 1980<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_02">Beim Jour fixe mit der HK regte sich Präs. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> wegen der Führung<lb/>
des Staatswappens an die Fa. Fach furchtbar auf. Diese Reinigungsfirma<lb/>
aus dem 16. Bezirk ist nach Meinung der Sektion und der Wiener Kammer<lb/>
keine führende in der Branche, im Gegenteil, die größte in Wien ist<lb/>
Assanierung. Während die Fa. Fach letzten Endes im Handelskammerpräsidium<lb/>
wegen der Intervention des Präsidenten des Freien Wirtschaftsverbandes<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> für sein Mitglied doch die Zustimmung bekommen hat, lehnt<lb/>
die AK bei Assanierung, da kein Betriebsrat gewählt wird, die Zustimmung<lb/>
ab. Dreimal hat der Unternehmer selbst veranlaßt, daß die Leute einen<lb/>
Betriebsrat wählen sollen und niemals kam es dazu. Jetzt bekommt Fach<lb/>
das Staatswappen und man erklärt, die Sozi können sich durchsetzen, nur<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> sind dies nicht imstande. Sogar der Obmann<lb/>
des Wiener Gewerbes <rs type="person" ref="#per__126257">Neusser</rs> hat interveniert. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hat sofort mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> telefoniert, ihm seine Situation geschildert und <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> hat<lb/>
dann im Laufe des Tages mich verständigt, daß die AK auch für Assanie<lb break="no"/>rung zustimmt. Ich versprach auch, die noch offenen Fragen, u.a. Fa.<lb/>
Hammerer, mit <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> zu besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> soll die Einzelfälle jetzt endlich er<lb break="no"/>ledigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_04">Für Dienstleistungen muß jetzt auch eine Preisauszeichnung erfolgen.<lb/>
Die HK erinnert mich, daß vereinbart wurde, bis zum 31.6.1981 müssen<lb/>
erst die Musterpreisverzeichnisse vorliegen und dann wird endgültig<lb/>
genau kontrolliert. Für einige Branchen gibt es bereits solche Ver<lb break="no"/>zeichnisse. Dort kann auch ohne weiteres die Kontrolle nach einigen<lb/>
Monaten Umstellung einsetzen. Ich bin auch der Meinung, daß wir diese<lb/>
Vereinbarung jetzt nicht durch vorzeitige Kontrollen stören sollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs>: Bitte mit den Preisbehörden der Länder entspre<lb break="no"/>chende Gespräche führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_06">Bezüglich des Pro-Zwentendorf-Volksbegehrens ist die HK genauso froh<lb/>
wie ich, daß wir dieses durchgebracht haben. Es stellte sich dann im<lb/>
Laufe des Tages sogar heraus, daß nicht nur über 200.000, sondern 420.000<lb/>
Unterschriften vorliegen. Die HK versucht innerhalb der ÖVP abzugren<lb break="no"/>zen, daß es bei den bisherigen Forderungen zur Inbetriebnahme bleibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_07">Da ist primär die Frage der Müllagerung, der Betriebssicherheit, insbe<lb break="no"/>sondere die Emissionen, und der Alarmpläne. Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> fürchtet,<lb/>
daß jetzt neben der Erdbebensicherheit, welches immer wieder von den<lb/>
Atomgegnern gesagt wird, noch Hochwasserschutz neuerlich von den Gegnern<lb/>
debattiert wird. Es besteht die Gefahr, daß die ÖVP alle diese zusätz<lb break="no"/>lichen Forderungen ebenfalls wieder aufnimmt. Wir einigen uns daher,<lb/>
die entsprechenden gemeinsamen Schritte dann im Parlament zu unterneh<lb break="no"/>men, damit dort die Debatte einigermaßen abgegrenzt wird und nicht un<lb break="no"/>erfüllbare Forderungen gestellt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_08">Am 28.11. um 10.30 ist in der Bundeshandelskammer die Angelobung von<lb/>
Präs. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>. Ich werde so wie immer dort erscheinen, ohne daß ich<lb/>
eine formelle schriftliche Einladung bekomme. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> möchte hier un<lb break="no"/>bedingt sein Prestige und scheinbar seine Zusage gegenüber den eigenen<lb/>
Parteimitgliedern halten, daß kein Handelsminister jemals in die Kammer<lb/>
eingeladen wurde und daher auch ich nicht eine offizielle Einladung<lb/>
bekomme.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Angeblich ist <rs type="person" ref="#per__111752">Münzner</rs> an diesem Tag bei mir.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_10">Neuerdings bringe ich das Problem der 5 Wochen Urlaub zur Sprache. Ich<lb/>
glaube, daß die HK jetzt durch Jahre hindurch traktiert werden muß,<lb/>
um letzten Endes nicht generell abzulehnen, sondern als Gegenforderung<lb/>
eben die Beseitigung der Donnerstagfeiertage zu verlangen. Die selbe<lb/>
Diskussion führte ich dann noch beim Mittagessen für <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> mit<lb/>
Sozialminister <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, dem neuen Präsidenten der Industri<lb break="no"/>ellenvereinigung Dr. <rs type="person" ref="#per__114051">Beurle</rs>. Sie war sehr hart, da <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114051">Beurle</rs> glauben, die Gewerkschaft meint es nicht so ernst und <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs><lb/>
sei hier nur vorgeprellt und wird darauf verzichten. Dieser denkt aber<lb/>
gar nicht daran, sondern hat mir nachher neuerdings versichert, 1983<lb/>
dies durchzuziehen. Selbstverständlich wäre er mit der Abschaffung der<lb/>
Donnerstagfeiertage sehr einverstanden. Die Schwierigkeiten, die <rs type="person" ref="#per__97893">Sallin<lb break="no"/>ger</rs> mit der katholischen Kirche sieht, können stimmen, doch muß er sich<lb/>
halt mehr darum bemühen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_11">In der Ministerratsvorbesprechung hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mitgeteilt, daß die<lb/>
Sowjetunion jetzt für den tschechischen Burgtheater-Schauspieler mit<lb/>
einem regulären österreichischen Paß, dem zuerst das Visum verweigert<lb/>
wurde, dann als <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> erklärte, er fährt dann nicht und die Burg<lb break="no"/>theater-Aufführung wird abgesagt, gestern doch gegeben hat und heute we<lb break="no"/>gen angeblicher Überschreitung der Kompetenz der österreichischen Bot<lb break="no"/><pb n="57-1391" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-11_1391.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>schaft wieder zurückgezogen hat. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> sagt daher seine Reise ab,<lb/>
die Burgtheateraufführung wird wahrscheinlich nicht zustande kommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> ist aber nicht in den Ministerrat gekommen, weil ansonsten bei<lb/>
dem anschließenden Gespräch im Pressefoyer er diesbezüglich hätte ge<lb break="no"/>fragt werden können. Bis jetzt hat dies noch immer nicht die Öffentlich<lb break="no"/>keit erfahren und man hofft, daß die Sowjets doch einlenken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_12"><rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> kann über die endgültigen Ziffern des Volksbegehrens noch nichts<lb/>
sagen, da erst 28 % der abgegebenen Stimmen genau ausgezählt sind.<lb/>
Davon sind 13,2 %, 196.000, pro und 3,2 <rs type="person" ref="#per__113082">Schmitz</rs>-Begehren kontra. Zentral<lb break="no"/>sekretär <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> kann da wirklich mit 362.000 geben 106.000 mit besseren<lb/>
Informationen aufwarten. Wieder einmal typisch zeigt sich, daß die<lb/>
Bürokratie, sprich hier Wahlbehörde zwar exakt arbeitet, dafür aber<lb/>
sehr spät kommt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist mit diesem Ergebnis, wie er sagt, sehr zu<lb break="no"/>frieden und beschwert sich zurecht bei <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs>, daß im Morgenjournal<lb/>
gesagt wurde, beide sind mehr oder minder danebengegangen. Dies ist<lb/>
eindeutig gegen die objektive Berichterstattungspflicht des ORF.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_13">Von <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> informiert er den Ministerrat, daß wegen der DDR-Einreise<lb break="no"/>beschränkungen durch Erhöhung des Taggeldes die Schwarzmarkt verbillig<lb break="no"/>te Reise eben bekämpft werden soll. Es handelt sich also nicht um ein<lb/>
politisches Problem, sondern nur um die Frage, wie man abstellen kann,<lb/>
daß Westdeutsche durch Umtausch in Westdeutschland mit billiger Ostmark<lb/>
dann in der der DDR monatelang leben. Wenn die BRD in der Bundesrepu<lb break="no"/>blik den Schwarzhandel stoppen kann, dann ist alles in Ordnung. Die<lb/>
Grenzpolizei kann nur gewisse Kontrollen durchführen, denn ansonsten<lb/>
der Grenzverkehr überhaupt zusammenbrechen würde. Ein zweiter offener<lb/>
Punkt war, daß die deutsch-deutschen Verhandlungen ergeben haben, daß<lb/>
die Sichtbarmachung der Grenze erfolgen müßte und in Niedersachsen hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__127130">Albrecht</rs> jetzt erklärt, die Elbgrenze wird so nicht gekennzeichnet.<lb/>
Hier liegt ein glatter Bruch einer Vereinbarung vor. Drittens waren im<lb/>
Wahlkampf großdeutsche Töne zu hören, selbst Bundeskanzler <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs><lb/>
hätte davon gesprochen, er muß auch für die 17 Mio in der DDR reden,<lb/>
teilweise wurde sogar von den 17 Mio. Geiseln gesprochen. Die Führung<lb/>
der DDR hat immer dazu geschwiegen, weil sie in den Wahlkampf nicht<lb/>
eingreifen wollten, jetzt aber können sie diese Behauptungen nicht auf<lb/>
sich beruhen lassen. <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs> und <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> haben eine direkte Telefon<lb break="no"/>verbindung, doch ist diese scheinbar jetzt fast lahmgelegt. Bezüglich<lb/>
Polen ist <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> der Meinung, man muß sie mit den Partnern in Polen<lb/>
allein verhandeln lassen, niemand sollte eingreifen und intervenieren.<lb/>
Die DDR hat Polen für 500 Mio. DM, und zwar in Westdevisen, frei zur Ver<lb break="no"/><pb n="57-1392" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-11_1392.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>fügung gestellt. Dr. <rs type="person" ref="#per__114101">Mittag</rs> hat mir dann beim Abendessen erklärt, die<lb/>
Hälfte davon waren tatsächlich freie Devisen, die andere Hälfte waren<lb/>
Lebensmittellieferungen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erwähnte auch, daß <rs type="person" ref="#per__114101">Mittag</rs> und <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs><lb/>
Gesprächspartner von mir waren und daß ich diese seit Jahren maximal<lb/>
nütze. Die VÖEST-Alpine kann jetzt das Stahlwerk bekommen, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
bezifferte es sogar mit 17 Mrd. S. Diese betreibt jetzt durch Intertra<lb break="no"/>ding schwungvollen Handel, verkauft nicht nur Handtücher an den Be<lb break="no"/>triebsrat, was mir, wie mir <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erzählte, große Schwierigkeiten in<lb/>
der Bundeshandelskammer gebracht hat, sondern jetzt auch Anzüge aus<lb/>
der DDR in Amerika.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_14"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> charakterisiert die neue Führung der DDR als verläßliche<lb/>
deutsche Kommunisten, die bereits in der Zwischenkriegszeit alle aus<lb/>
dem deutschen kommunistischen Jugendverband gekommen sind. Österreich<lb/>
hat durch seine Theorie, ein Staat ist nicht ohne Bürger, weshalb es<lb/>
die DDR als Staat gibt und selbstverständlich auch die DDR-Staatsbürger<lb/>
und Staatstheorie anerkannt wird, sich in der Vergangenheit richtig ver<lb break="no"/>halten, was jetzt umso stärker von der DDR anerkannt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_15">Ich informierte <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und den Ministerrat, daß für dieses große<lb/>
Geschäft jetzt Zollermäßigungen oder Freistellung bei Heizöl, Kränen und<lb/>
Gebrauchskeramik gegeben werden sollen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ist im Prinzip einver<lb break="no"/>standen. Die Gespräche, die anschließend von SC <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> und SC <rs type="person" ref="#per__97715">Manhart</rs> im<lb/>
Finanzministerium geführt werden, zeigen deutlich, daß <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> keine<lb/>
generelle Zollermäßigung geben will, sondern auf den Einzelgenehmi<lb break="no"/>gungen durch das Handelsministerium, Bestätigung der nicht bedarfsdecken<lb break="no"/>den Produktion oder keiner Inlandsproduktion beharrt. Bei Heizöl ist<lb/>
der Anteil der DDR 16,6 % der Importe, bei Kränen 7,6 %. In Österreich<lb/>
produzieren zu meiner größten Überraschung 15 Firmen Kräne, bei Haus<lb break="no"/>haltskeramik werden sogar 23 % Anteil. Diese letzte Position halte ich<lb/>
für unmöglich durchzusetzen. Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> schlägt daher über sei<lb break="no"/>nen Österreichreferenten mir dann im Laufe des Tages elektrische Haus<lb break="no"/>haltsgeräte einschließlich Fernsehen oder Sport und Campingartikel<lb/>
oder Haushaltswaren als Ersatz für Porzellan vor. Ich erkläre sofort,<lb/>
wir müßten dies erst intern prüfen und mit dem Finanzministerium be<lb break="no"/>sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108322">MEISL</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte die Verhandlungen mit der Bundes<lb break="no"/>kammer, Finanzministerium aufnehmen, ob nicht doch eine generelle und<lb/>
nicht individuelle Zollbefreiung möglich ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_17">In der Ministerratsvorbesprechung kommt auch der Wunsch der ÖVP für<lb/>
das Vogelsangheim zusätzliche Gelder zu bekommen zur Debatte. Klub<lb break="no"/>obmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> ist nicht anwesend. Dieser erwartet, wie <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> berich<lb break="no"/>tet, einen Initiativantrag der ÖVP und der Freiheitlichen, daß der<lb/>
Klubzuschuß erhöht werden soll. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> spricht sich dagegen aus, weil<lb/>
er meint, wir werden von den Oppositionsparteien jetzt sehr unfair be<lb break="no"/>handelt, die SPÖ ist korrupt, nimmt AKH-Gelder, weshalb er sich dage<lb break="no"/>gen ausspricht, daß sich die SPÖ-Klubfraktion den Initiativanträgen<lb/>
der Oppositionsparteien wegen Klubzuschußerhöhung anschließen sollte.<lb/>
Im Parlament hat der Initiativantrag wegen der Mandatsbezügeerhöhung<lb/>
und Besteuerung dazu geführt, daß eigentlich die Abgeordneten auf Ko<lb break="no"/>sten der Regierung gut abschneiden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_18">Zur Sprache kommt auch, daß die Raffinerie in Mauretanien, welche<lb/>
unter Federführung der VÖEST-Alpine gebaut wird, nicht das notwendige<lb/>
Öl jetzt für die Produktion zur Verfügung hat. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, es wäre<lb/>
zweckmäßig, wenn man mit der OPEC über dieses Problem Gespräche auf<lb break="no"/>nimmt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs>, <rs type="person" ref="#per__108322">MEISL</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte eine Zusammenstellung<lb/>
mir liefern und darüber dann ein Gespräch führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_20">Prof. <rs type="person" ref="#per__126408">Zinn</rs> aus Polen, der das Schloß Hof renovieren wird, möchte nicht<lb/>
eine Auftragsbestätigung vom Bautenminister, sondern nur den Auftrag,<lb/>
<choice><choice><sic>der</sic><corr>daß?</corr></choice></choice> er einen Vorschlag für das Projekt erstatten soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_21">Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> berichtet, daß neben der Zentralmolkerei<lb/>
in Linz, wo 12 Mio. S dem Milchfonds unrecht entzogen wurden, jetzt auch<lb/>
die Privatkäserei Rupp in Bregenz 11,3 Mio unrecht bezogen hat. Dar<lb break="no"/>über hinaus wurde Schmelzkäse exportiert und ein höherer Rohwareneinsatz<lb/>
verrechnet. Außerdem wurden Hartkäsestützungen für Exporte von 60 Mio.<lb/>
S verlangt, die ebenfalls nicht gerechtfertigt sind. <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> wird die<lb/>
Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstatten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint mit Recht,<lb/>
daß wir ständig attackiert werden und die Oppositionsparteien, die ja<lb/>
letzten Endes teilweise für diese Zustände auf dem Agrarsektor mitver<lb break="no"/>antwortlich sind, ungeschoren davon kommen. Er erwägt, ob nicht eine<lb/>
dringliche Anfrage an <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> vom Parlamentsklub der SPÖ erfolgen sollte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_22"><rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> berichtet, daß nachmittags bei der Regierungsaussprache wegen<lb/>
Ternitz die Frage wegen der Schnellstraße S6 Semmering sicherlich kommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_23">Er würde für den Halbausbau 16,6 km in Niederösterreich, 39,8 km<lb/>
in der Steiermark, 3,8 Mrd. S brauchen. Im Bau und teilweise fertig wird<lb/>
die ganze Summe 5,3 Mrd. S ausmachen. Dieses Geld hat er nicht. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
meint, das sei aber eine politische Entscheidung, denn im 70-er Wahl<lb break="no"/>versprechen hieß es, daß diese Straße gebaut wird, dann hat man den<lb/>
Arlbergtunnel, die Tauernautobahn, also sozusagen überall anders gebaut,<lb/>
nur nicht dort, wo er seinerzeit erklärt hat, es ist dringendst notwen<lb break="no"/>dig. <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> bemerkt noch, daß die Mineralölsteuereingänge erstmalig<lb/>
im September deutlich zurückgegangen sind, keinesfalls gibt es die<lb/>
budgetär vorgesehenen 7,7 %-igen Verbrauchszuwachs. Trotz der Mineral<lb break="no"/>ölsteuererhöhung mit 1.7.80 um 30 Groschen, wodurch er 12,3 Mrd. S<lb/>
bis Jahresende bekommen sollte, sind nur bis September 8 Mrd. eingegan<lb break="no"/>gen, die geplanten Verbrauchszuwächse kann er nicht feststellen. Dazu<lb/>
kommt, daß in immer stärkeren Maße die Erhaltung das Geld braucht, der<lb break="no"/>zeit kann er noch 62 % von den Einnahmen für Neubau verwenden, ab 84<lb/>
werden es nur mehr 40 % sein. <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> nützt also jede Gelegenheit, um<lb/>
den Ministerrat aufmerksam zu machen, daß er keinerlei Geld hat.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> rührt sich nicht, weil er ihm auch keines geben kann, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
wieder meint, Wahlversprechen, die er insbesondere gegeben hat, müßten<lb/>
eingehalten werden. Das Ganze ist eine sehr verzwickte Situation.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_24"><rs type="person" ref="#per__109051">Dohnal</rs> wird von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gefragt, wie dies mit der Kinderhilfsaktion der<lb/>
Caritas ist. Prälat <rs type="person" ref="#per__126407">Ungar</rs> war imstande, jetzt alle Kräfte zu mobili<lb break="no"/>sieren und große Beträge bereitzustellen. Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__109051">Dohnal</rs> muß<lb/>
nun prüfen, ob tatsächlich alle diese Projekte jetzt neu sind, die die<lb/>
Caritas für den Fonds Kinder der Dritten Welt einbringt, weil ja die<lb/>
Zusage vorliegt, daß die Regierung verdoppeln wird. <rs type="person" ref="#per__109051">Dohnal</rs> hat deshalb<lb/>
auch 70 Mio. S verlangt, die Budgetabteilung erklärt sich außerstande,<lb/>
bis jetzt war es üblich, daß nur die abgerechneten Projekte durch Ver<lb break="no"/>doppelung des Staatszuschusses verlangt wurden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> befürchtet, daß<lb/>
die sonst sehr aktive und allgemein anerkannte Caritas durch ihre Groß<lb break="no"/>aktionen eine noch bedeutendere Staatsbelastung auslösen wird. Der<lb/>
Finanzminister hat auch hier nicht dazu Stellung genommen. Generell<lb/>
ist die Entwicklungshilfe im BKA besser dotiert als im Vorjahr, die<lb/>
großen Zusagen aber würden noch wesentlich größere Mittel erforderlich<lb/>
machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_25">Im Ministerrat hat zum Kulturabkommen mit Norwegen <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> bemerkt,<lb/>
daß nur im Rahmen der budgetären Deckung des Unterrichts- und Wissen<lb break="no"/>schaftsministeriums eine finanzielle Möglichkeit besteht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_26">Beim Energiebericht der Bundesregierung meinte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, ich sollte<lb/>
den unbedingt im Pressefrühstück vorstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_27">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__127130">ALBRECHT</rs>: Bitte dies zu überlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_28"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat dann in einem Bericht die neuen Kfz-Typenempfehlungen im<lb/>
Bundesbereich eingebracht. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, man sollte prüfen, ob nicht<lb/>
für den Stadtbereich kleinere Wagen infrage kämen. Er meint allerdings<lb/>
dann auch richtig, daß würde ein 2-Wagensystem in den Ministerien be<lb break="no"/>deuten, für Überland größere, im Stadtbereich kleinere, wegen Benzin<lb break="no"/>ersparnis. Dieser Vorschlag ist meiner Meinung nach dann möglich,<lb/>
wenn in einem Ministerium mehrere Autos für diese Teilung zur Verfü<lb break="no"/>gung stehen. Ansonsten käme es nämlich zu einer Vermehrung der Autos,<lb/>
optisch noch schlechter als der jetzige Zustand.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_29">In der Fraktion des Unterausschusses für das Energiesicherungsgesetz<lb/>
berichteten wir über die gelieferten Unterlagen und insbesondere die<lb/>
Ergänzungen Fernwärme. Hier meinte ÖGB-Sekretär <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, daß er nicht<lb/>
verstehen kann, daß die Pöchlarner Glasfabrik, eine CA-Firma, jetzt<lb/>
mit Shell einen Abwärmevertrag abgeschlossen hat und Elan, sozusagen der<lb/>
verstaatlichte ÖMV-Betrieb, nicht zum Zug kam. Ich verwies darauf, daß<lb/>
auch die STEWEAG in Graz Süd jetzt ohne Subvention die Fernwärme nützt,<lb/>
daß Voitsberg III ebenfalls von der STEWEAG gebaut wird. Das einzige<lb/>
Projekt, das die ÖMV bis jetzt in Angriff genommen hat, ist Flughafen<lb/>
Schwechat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_30">Im Unterausschuß wurde dann lang und breit über die gelieferten Unter<lb break="no"/>lagen diskutiert und von Dr. <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> dargelegt. Da ich zur Vereinbarung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> gehen mußte, hat mir <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> dann abends im Präsidium berichtet,<lb/>
daß es ihm gelungen ist, einige Grundsatzarbeiten über die verfassungs<lb break="no"/>rechtlich und organisatorisch zweckmäßige Gestaltung der Energie<lb break="no"/>sicherung durchzusetzen. Die ÖVP wollte schieben und hat, wie mir<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> sagte, vorgeschlagen, erst im nächsten Jahr wieder eine Unter<lb break="no"/>ausschußsitzung einzuberufen. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat aber darauf bestanden, daß<lb/>
mindestens im Dezember noch eine Sitzung stattfindet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_31">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte, über die Begutachtung möchte ich De<lb break="no"/>tailgespräche führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_32">Das Gespräch mit <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> bei <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> unterscheidet sich grund<lb break="no"/><pb n="57-1396" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-11_1396.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sätzlich in der Art von dem mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat die Gewohnheit<lb/>
vorher mit dem Gast allein unter 4 Augen zu reden. Dort versucht er<lb/>
sicherlich erstens für sich Informationen zu bekommen und zweitens aber<lb/>
dem Gast seine Außenpolitik aufgrund der Informationen, die er von ande<lb break="no"/>ren hat, in dem Fall sicherlich vom Bundeskanzler <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs>, klarzumachen<lb/>
oder zumindestens näher zubringen. Der Bundespräsident dagegen hand<lb break="no"/>habt es so, daß er dem Ausländer sofort in der großen Sitzung das Wort<lb/>
erteilt. <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> berichtete dann natürlich über die Entspannungsfrage<lb/>
und insbesondere, daß seit Mai 78 der NATO-Langzeitrüstungsbeschluß,<lb/>
jetzt der Brüsseler Raketenbeschluß und die neue Nuklearstrategie das<lb/>
Entscheidendste sei. Die Rüstungsausgaben sind um 80 % gestiegen und<lb/>
machen jetzt im letzten Jahrfünft 1600 Mrd. $ aus. Allein 7 Mrd. $ wur<lb break="no"/>den in Europa ausgegeben. Die Sowjetunion hat 20.000 Mann und 1.000<lb/>
Panzer aus der DDR abgezogen. Der Westen hat darauf nicht reagiert.<lb/>
Jetzt wird die Sowjetunion wieder 20.000 abziehen, wenn die Amerikaner<lb/>
13.000 Mann abziehen würden, auch auf dieses neue Abrüstungsangebot<lb/>
ist die NATO nicht eingegangen. Immer wieder kam bei allen Aussprachen<lb/>
das Problem der Angst vor einem neuen, wenn auch nur begrenzten Atom<lb break="no"/>krieg zur Sprache. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> meinte dann mit Recht, wenn <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs><lb/>
dieses Problem bei NATO-Staaten vortragen könnte, die NATO-Staaten ande<lb break="no"/>rerseits im Warschauer-Pakt-System<add>[mit]</add> genau derselben Aufrichtigkeit ihre<lb/>
Probleme referieren könnten, dann würde das gegenseitige Mißtrauen<lb/>
vielleicht abgebaut werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_33">Über die Ökonomie meinte <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> nur, er ist sehr zufrieden und stellte<lb/>
auch fest, daß Klein- und Mittelbetriebe jetzt in unseren Handelsverkehr<lb/>
stärker eingezogen werden. Er erwähnte auch neuerdings die Anregung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, die Tourismusaktivitäten zu verstärken, daß jetzt der Jugend<lb break="no"/>tourismus gefördert werden soll. <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> war vom Staatsbesuch im<lb/>
Parlament sehr beeindruckt. Dort hat er festgestellt, daß alle Parteien<lb/>
die Neutralität und die Außenpolitik der Beziehungen Österreich zur<lb/>
DDR gleich behandeln.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_34">Die deutsch-deutschen Beziehungen sind stets auf Mißverständnissen auf<lb break="no"/>gebaut. Es existieren eben nämlich beide deutsche Staaten. Es müßte<lb/>
die Entspannungspolitik fortgesetzt werden, damit vom deutschen Boden<lb/>
niemals mehr ein Krieg ausgehen kann. <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs> meint, er hat mit <rs type="person" ref="#per__108330">Gromyko</rs><lb/>
4 Stunden verhandelt und glaubt die richtige Einstellung der Sowjet<lb break="no"/>union zu kennen. Er, <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs>, hat mit <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> wochenlang verhandelt,<lb/>
und weiß daher, daß wenn es nicht zu dem SALT-II-Abkommen kommt, wenn<lb/>
sogar der Raketenbeschluß mit europäischen strategischen Raketen durch<lb/>
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wie vor Dialogbereit. In ihrem 5-Jahresplan werden sie jetzt <choice><choice><sic>mächte</sic><corr>mächtige?</corr></choice></choice><lb/>
Fortschritte programmieren, Bruttonationalprodukt 4–5 %, Industrie<lb break="no"/>produktion 5 – 5 1/2 %, Arbeitsproduktivität 5 %, Einzelhandelsumsatz<lb break="no"/>steigerung 4 %, Geldeinkommenssteigerung 4 %, Angestellte und Arbeiter<lb/>
5 % Lohnerhöhung. Der Leistungslohn soll gefördert werden, derzeit<lb/>
sind 400 Mark Minimum, 900 bis 1.000 Mark Durchschnittsverdienst. Die<lb/>
Pensionen wurden 3 mal erhöht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_35"><rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> meinte, es gelte das Mißtrauen zwischen NATO und War<lb break="no"/>schauer Pakt abzubauen. Jene haben ein Mißtrauen gegen SS 20, wo schon<lb/>
entsprechende Raketen vorhanden sind. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> kam dann auf den<lb/>
Transfer nichtkommerzieller Leistungen wie Hausverkauf, Alimente usw.<lb/>
zu sprechen und meint, es müßte jetzt bald ein Vermögensvertrag abge<lb break="no"/>schlossen werden. Ergreifend für mich war, mit welcher Intensität<lb/>
sich <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> für die <choice><choice><sic>Romanfälle</sic><corr>?</corr></choice></choice> in jedem einzelnen Fall einsetzt,<lb/>
sodaß <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> ja gar keine andere Möglichkeit hat, als diese weitest<lb break="no"/>gehend zu erfüllen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_36">Die Unterzeichnung der Verträge gab dann durch Anwesenheit <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschlä<lb break="no"/>gers</rs> und <rs type="person" ref="#per__114104">Honeckers</rs> in dem Spiegelsaal der Hofburg einen sehr feierlichen<lb/>
Rahmen. Ich habe allerdings <rs type="person" ref="#per__114101">Mittag</rs> und <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> nicht im Unklaren gelassen,<lb/>
daß diese Verträge ja für unseren Handelsverkehr nicht die erste Pri<lb break="no"/>orität haben. Entscheidend sind und bleiben die beabsichtigten Kontrakte<lb/>
und Liefermöglichkeiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_37">In der Präsidiumssitzung auf der Landstraße, wo ich nur kurze Zeit an<lb break="no"/>wesend sein konnte, wurden viele Details besprochen und auch beschlossen.<lb/>
Interessant für mich war, daß die Freiheitlichen, drei Bezirksräte<lb/>
unter Führung des sehr loyalen <rs type="person" ref="#per__127142">Fiala</rs>, vom Bezirksvorsteher resp. von<lb/>
der sozialistischen Fraktion ein Zimmerl haben möchten, wo sie gegebenen<lb break="no"/>falls einen kleinen Parteienverkehr abhalten können. Schon allein für<lb/>
dieses Zugeständnis wäre <rs type="person" ref="#per__127142">Fiala</rs> bereit, stets mit der SPÖ zu stimmen.<lb/>
Mein Vorschlag war, ihnen nicht offiziell ein Zimmer zu geben, der<lb/>
Bezirksvorsteherstellvertreter <rs type="person" ref="#per__113122">Schmid</rs> soll aber großzügig einen Vor<lb break="no"/>raum, den er hat sozusagen als Privatperson dem <rs type="person" ref="#per__127142">Fiala</rs> zur Verfügung<lb/>
stellen. Die Klubdisziplin in der SPÖ ist so stark, daß alle der FPÖ<lb/>
gerne helfen wollen, insbesondere dem <rs type="person" ref="#per__127142">Fiala</rs>, vorher aber erst mit dem<lb/>
Klubobmann vom Landtag, <rs type="person" ref="#per__97561">Hofmann</rs>, sprechen wollen. Selbstverständlich war<lb/>
ich auch damit einverstanden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-11_38">Der heutige Tag stand eindeutig im Zeichen des DDR-Besuches. Die<lb/>
Atmosphäre, wie <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs>, aber vor allem <rs type="person" ref="#per__114101">Mittag</rs> und <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> mir immer<lb/>
wieder versicherten, ist ausgezeichnet. Die DDR wird daher Österreich<lb/>
nach wie vor gegenüber Deutschland insbesondere in allen Lieferungen<lb/>
sehr bevorzugen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 11.11.1980</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Nachtrag TO 63. Ministerratssitzung, 11.11.1980</head>
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               <persName type="label">Schmidt, Erich</persName>
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               <occupation>Leiter vw. Abt. ÖGB, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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               <occupation>Wr. Stadtrat, ÖVP</occupation>
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               <occupation>Vizepräs. BHK, Präs. FWV</occupation>
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               <occupation>HK-Kammeramtsdir./Gen.Sekr.</occupation>
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               <persName><surname>Zinn</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>poln. Restaurateur; evtl. Falschschreibung bzw. Verwechslung mit dem
                  barocken Garteninspektor Anton Zinner</occupation>
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               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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               <occupation>Büro des Bundesministers</occupation>
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               <occupation>Sekr. d. ZK d. DDR f. Wirtsch.</occupation>
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               <occupation>1. Sekr. d. ZK d. DDR</occupation>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <occupation>Bezirksrat Landstraße, FPÖ</occupation>
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