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            <title type="main">Montag, der 10. November 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band57_1980-11-10</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_01">Montag, 10. November 1980<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_02">Mit GD <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs>, Verbund, Präs. <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs>, Aufsichtsratsvorsitzender der<lb/>
TKW, und Dir. <rs type="person" ref="#per__114091">Gmeinhart</rs>, TKW, wurde vereinbart, daß unmittelbar nach Ab<lb break="no"/>schluß des Salzach-Ausbauverträge, die womöglich im Dezember noch mit der<lb/>
SAFE unterschrieben werden sollen, sofort das Wasserrecht für Oberpinz<lb break="no"/>gau eingereicht werden soll. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> teilt mit, daß der Enns-Vorstand<lb/>
jetzt Pattstellung hat bezüglich der Steyr-Gewässer. Dort wurde seiner<lb break="no"/>zeit das Wasserrecht für die Steyr-Gewässer genehmigt, bis jetzt nicht<lb/>
genützt und die OKA blockiert jetzt die Durchführung im Enns-Vorstand.<lb/>
Bei dieser Gesellschaft handelt es sich um eine 50 %-ige Beteiligung<lb/>
der oberösterreichischen Kraftwerke OKA und 50 % Bund, wodurch wieder<lb/>
einmal bewiesen ist, wie unzweckmäßig eine solche gleichwertige und<lb/>
perzentuelle 50-50-Lösung ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_03"><rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> vertritt den Rechtsstandpunkt, daß auch durch die Aufhebung<lb/>
des Baubescheides von Voitsberg III durch die Landesregierung der Bau<lb/>
fortgesetzt werden muß und kann. Es gibt keine absolute Nichtigkeit im<lb/>
Verwaltungsrecht. Die Beschwerde der Anrainer, die nicht gehört wurden<lb/>
und weshalb der Verwaltungsgerichtshof diesen Recht gegeben hat, kann<lb/>
nicht zur Einstellung des Baus führen. Dr. <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> ist bezüglich der<lb/>
Rechtsauffassung anderer Meinung. De facto einigen wir uns aber, daß<lb/>
unter allen Umständen der Bau fortgesetzt werden muß und soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: <rs type="person" ref="#per__97526">Hautzenberg</rs> soll die Details, insbesondere die<lb/>
Entschwefelungsmöglichkeit für das Weihnachtsgespräch vorbereiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_05"><rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> ist es erstmalig geglückt, die Gehaltsverhandlungen mit den An<lb break="no"/>gestellten mit 7,3 % abzuschließen und nicht, wie der Kollektivvertrags<lb break="no"/>gehalt 7,5 % für die Industrie jetzt vereinbart wurde. Erstmalig wurde<lb/>
die Hausvereinbarung, daß die Istgehälter der Elektrizitätsangestellten<lb/>
automatisch dem Kollektivvertragsgehaltsprozentsatz, der ja immer wesent<lb break="no"/>lich höher ist, weil er nur für die untersten Gruppen eine Rolle spielt,<lb/>
nicht voll angewendet wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_06"><rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> will für die Verbund und den Landesgesellschaften, eventuell<lb/>
sogar mit den Süddeutschen und den Italienern, Enel, eine Trägergesell<lb break="no"/>schaft für Kohle errichten. Diese soll eine Kohlengrube in Australien<lb/>
oder Kanada erwerben. Dafür müssen 8 Mrd. $ aufgebracht werden. Die E-<lb/>
<pb n="57-1383" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-10_1383.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Wirtschaft will sich also von den Kohlenimportgesellschaften, ob ver<lb break="no"/>staatlicht oder privat, in Hinkunft mit den neugeschaffenen Ölmultis oder<lb/>
ÖMV-Kohlengesellschaften nicht verbünden. Kohle wird nach Meinung all<lb/>
dieser ein großes Zukunftsgeschäft, weshalb jeder seine eigene Handels<lb break="no"/>tätigkeit entwickeln möchte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_07">Bezüglich der Nationalparkverhandlungen für die Kraftwerke in Osttirol<lb/>
und Oberpinzgau vertrete ich die Meinung, daß es nicht sehr schnell zu<lb/>
einer gesetzlichen Regelung kommen wird. Der Salzburger LH <rs type="person" ref="#per__113822">Haslauer</rs> hat<lb/>
sich jetzt gegen eine Bundesregelung ganz entschieden ausgesprochen. Die<lb/>
ÖVP wird daher ihren Wünschen der Landeshauptleute Rechnung tragend zu<lb/>
diesem Verfassungsgesetz sicherlich nicht die Zustimmung geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_08">Die Verhandlungen mit COGEMA wegen eines eventuellen Wiederaufbereitungs<lb break="no"/>vertrages und gleichzeitig die Zustimmung, daß der Atommüll in Frank<lb break="no"/>reich verbleibt, werden intensiv fortgeführt, da sich doch abzeichnet,<lb/>
daß das Pro-Zwentendorf-Volksbegehren die notwendigen 200.000 Unter<lb break="no"/>schriften bekommt. Hätte sich hier der ÖGB nicht so exponiert, wäre<lb/>
wahrscheinlich auch das pro Zwentendorf genauso gescheitert wie die<lb/>
Atomgegnerin <rs type="person" ref="#per__113082">Schmitz</rs> mit ihrem Umbauvolksbegehren.<lb/>
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Spitzenstrom gegen Bandlast von ungefähr 500 MW oder zumindestens einen<lb/>
Kaufvertrag für diese 500 MW abschließen kann. Mit der CSSR, GD <rs type="person" ref="#per__126566">Hussek</rs>,<lb/>
hat er über 1000 MW auf Tauschbasis Verhandlungen geführt. Ich bin nicht<lb/>
so überzeugt, daß es mit den Oststaaten leicht sein wird, solche Verträ<lb break="no"/>ge abzuschließen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_10">Die Polen-Verträge sind abgeschlossen. Der Streit zwischen der Freien Ge<lb break="no"/>werkschaft Solidarität und der Regierung nimmt immer heftigere Formen<lb/>
an und mit allen Ministern von Oststaaten und Botschaftern, mit denen ich<lb/>
spreche, sehen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Polen<lb/>
große Schwierigkeiten. Die Kohlenlieferverträge der Polen im COMECON<lb/>
werden noch mehr gekürzt als die Westexporte, dadurch kommt es zur Nicht<lb break="no"/>lieferung von polnischer Kohle an die DDR zu Kokserzeugung, die Kokslie<lb break="no"/>ferung der DDR an Ungarn und die Ungarn haben ein riesiges Energieloch.<lb/>
Die Lieferungen der COMECON-Staaten aber nach Polen sollen womöglich auf<lb break="no"/>rechterhalten werden, damit die Versorgung dort nicht ganz zusammen<lb break="no"/>bricht. Mit dem ungarischen Botschafter habe ich bei der Fahrt zum Flug<lb break="no"/>hafen wegen der Kohlelieferungen für das Kraftwerk an der ungarisch-<lb/>
burgenländischen Grenze neuerdings gesprochen. Die neuerliche Preisfor<lb break="no"/><pb n="57-1384" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-10_1384.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>derung der Ungarn kann von Österreich nicht akzeptiert werden, weil der<lb/>
Wärmewert im Strompreis nicht gedeckt werden kann. Botschafter <rs type="person" ref="#per__123369">Rande</rs><lb/>
wird mit seinen Leuten in Budapest dieses Problem neuerdings besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_11">Außer Protokoll und gar nicht vorgesehen bin ich dann auch zum Empfang des<lb/>
Vorsitzenden des Staatsrates <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> nach Schwechat gekommen, um mit Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> die ersten Gespräche gleich dort zu führen. Vorher traf ich Gott sei<lb/>
Dank unseren Botschafter in Berlin, der mir außer die schon mitgeteilten<lb/>
4,4 Mrd. S Investitionsabschlüsse der Jahre 79 und 80 weiter 1,4 Mrd., 1,2<lb/>
durch den Ruthner-Vertrag und 200 Mio. für die VEW zusätzliche Lieferun<lb break="no"/>gen, mitteilte. Darüber hinaus wurden für die 1,2 Mrd. schon abgeschlosse<lb break="no"/>nen Konsumgüter jetzt noch 280 Mio. vorgesehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Das nächste Mal bitte direkt Kontakt mit dem<lb/>
entsprechenden Botschafter immer herstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_13">Bei der Nachmittagsbesprechung mit Dr. <rs type="person" ref="#per__114101">Mittag</rs>, Politbüroverantwortlicher<lb/>
für die DDR-Wirtschaft und daher der wichtigste Mann neben <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs>,<lb/>
bedanke ich mich für das zusätzlich große Verständnis für Konsumgüter<lb break="no"/>lieferungen und jetzt insbesondere VEW-Lieferungen. In dieser Aussprache<lb/>
und dann noch viel mehr beim Abendessen wurde mir immer eindringlicher<lb/>
klargemacht, daß die wichtigste Entscheidung erst beim Anflug auf Wien<lb/>
im Flugzeug getroffen wurde, nämlich zwischen <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> und <rs type="person" ref="#per__114101">Mittag</rs>, das<lb/>
Stahlwerk für 14 Mrd. S nach Österreich zu vergeben. Die VÖEST-Alpine hat<lb/>
damit den größten Erfolg bei diesem Staatsbesuch. Im Auto, aber vom Flug<lb break="no"/>hafen dann im Laufe des Tages immer mehr verdichtend, hat mir <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> gesagt,<lb/>
er erwartet aber dafür ein unbedingtes Entgegenkommen auf dem Zollsek<lb break="no"/>tor. <rs type="person" ref="#per__114101">Mittag</rs> hat dann darauf verwiesen, daß auch die Konsumgüterbezüge<lb/>
stabilisiert werden sollen, das heißt in den DDR-5-Jahresplan eingebaut.<lb/>
Auch dort muß aber als Voraussetzung, wie <rs type="person" ref="#per__114101">Mittag</rs> deutlich erklärte, auf<lb/>
dem Zollsektor ein Entgegenkommen festgestellt werden. Ich erklärte über<lb break="no"/>all, daß ich zwar jederzeit bereit bin, die § 6 Zollermäßigungen zu ge<lb break="no"/>währen, wo ich dafür gesetzliche Möglichkeiten habe, eine allgemeine<lb/>
Ermächtigung ist in diesem Gesetz nicht vorgesehen, ich muß daher jeden<lb/>
Einzelfall besonders prüfen. Bei Maschinen hat der Österreichreferent<lb/>
<rs type="person" ref="#per__125951">Reh</rs> in der Sitzung schon zugegeben, klappt es einigermaßen, Schwierig<lb break="no"/>keiten gibt es jetzt bei Keramik, Filmen, Kameras. Dort haben die West<lb break="no"/>deutschen und andere EFTA- und EG-Staaten Zollfreiheit, dadurch werden<lb/>
die DDR-Exporte diskriminiert. Da dies aber nicht nur für die DDR,<lb/>
sondern für alle nicht in Freihandelsverträgen eingebundenen Staaten gilt,<lb/>
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dann abends bei dem Gespräch, bei dem auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nach dem Essen teilge<lb break="no"/>nommen hat, es auf einige Produkte zu beschränken. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> entschied<lb/>
dann, für 3 Produkte sollten wir versuchen, der DDR eine entsprechende<lb/>
Lösung anzubieten. <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> war damit einverstanden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108322">MEISL</rs>: Bitte sofort mit Finanzministerium prüfen, wie wir<lb/>
dieses Problem vielleicht ähnlich wie mit den Japanern lösen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_15">Bei der offiziellen Sitzung zwischen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs>, an der nur die<lb/>
Minister <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> und ich und die Botschafter und auf der DDR-Seite eben<lb break="no"/>falls nur die Spitzen teilnahmen, bedankte sich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> insbesondere auch<lb/>
für die Lösung der humanitären Fälle. Dort geht es nicht nur um den<lb/>
Einzelfall, sondern es werden dadurch auch Ressentiments ausgeräumt, da<lb/>
die kleinen Leute sehen, daß man nicht nur große Wirtschaftsgeschäfte<lb/>
macht, sondern auch ihre Einzelfälle berücksichtigt. Die Wirtschaftsbe<lb break="no"/>ziehungen sind das Wichtige, und die laufen gut. Die Kulturbeziehungen<lb/>
steigen ständig und die DDR hat eine große Leistung, insbesondere was<lb/>
die Bewahrung von <rs type="person" ref="#per__127124">Bert Brecht</rs> und die Aufführung betrifft, geleistet.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ersuchte auch, ob es nicht eine Erleichterung im Reiseverkehr<lb/>
von der DDR nach Österreich geben könnte, meinte aber, dies müßte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> beurteilen. Politisch sei man an der Entspannungspolitik in<lb/>
Österreich sehr interessiert auch über das deutsch-deutsche Verhältnis.<lb/>
Bei dieser Gelegenheit berichtete dann <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über den <rs type="person" ref="#per__114110">Brandt</rs>-Vorschlag<lb/>
bezüglich einer "global round" Entwicklungshilfe. Die Sozialistische<lb/>
Internationale hat jetzt vorgeschlagen, es soll ein beschränkter Teil<lb break="no"/>nehmerkreis von 25, aber unter Hinzuziehung von Amerika und der Sowjet<lb break="no"/>union versuchen, dieses Entwicklungsprogramm unter Führung von Mexiko<lb/>
und Österreich durchzusetzen. Dies hätten die Außenminister, die jetzt<lb/>
in Österreich getagt haben, gutgeheißen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hofft, auf diese Art<lb/>
und Weise seine seinerzeitige Idee eines Art Marshallplanes wieder ins<lb/>
Verhandlungsspiel bringen zu können. Er gibt allerdings zu, es ist frag<lb break="no"/>lich, ob die neue amerikanische Administration, insbesondere Präsident<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126232">Reagan</rs> daran teilnehmen wird. Dasselbe gilt übrigens auch für die<lb/>
Sowjetunion.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_16"><rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> erwiderte, daß die militärische Entspannung das Wichtigste<lb/>
sei, der Brüsseler Beschluß über die Mittelstreckenraketen, aber und ins<lb break="no"/>besondere die neue amerikanische Atomwaffenstrategie dem entgegenstehe,<lb/>
da jetzt die neue Administration und insbesondere Präsident <rs type="person" ref="#per__126232">Reagan</rs> noch<lb/>
<pb n="57-1386" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-11-10_1386.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nicht klar zu erkennen gegeben hat, wie es hier weitergehen wird, man<lb/>
aber in der DDR eine weitere negative Entwicklung befürchtet. Die Frage<lb/>
ist, ob <rs type="person" ref="#per__126232">Reagan</rs> berechenbarer wird. Dieser Begriff "berechenbar" hat jetzt<lb/>
scheinbar im Sprachgebrauch des COMECONs, insbesondere in den internen<lb/>
Besprechungen und in den Spitzen, eine besondere Bedeutung. Zweckmäßig<lb/>
wäre nach <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs>, wenn die Europäer eine eigene Konferenz abhalten<lb/>
würden. Erschüttert ist die DDR <choice><choice><sic>aus den</sic><corr>vom</corr></choice></choice> bisherigen westdeutschen Wahlan<lb break="no"/>griff. Dort hat man <choice><choice><sic>auf</sic><corr>von</corr></choice></choice> 16 Mio. Geiseln, Deutsche, die eben in der DDR<lb/>
wohnen, gesprochen. Weiters verlangte man, daß die BRD für alles spricht,<lb/>
auch für die DDR. In der NATO hat man nach langer Zeit wieder einmal<lb/>
von einer Wiedervereinigungsklausel in einem Vertrag gesprochen, dies<lb/>
ist ein schwerer Rückfall in der Entspannungspolitik. <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> stellte<lb/>
fest, daß es jetzt zwei deutsche Staaten gibt und das daher niemand<lb/>
für die 17 Mio. reden kann außer die DDR-Regierung. Über die Koalition<lb/>
SPD-FDP ist die DDR befriedigt, trotz der im Wahlkampf immer wieder<lb/>
aufkommenden Vorwürfe, die DDR hätte noch größere Schwierigkeiten, wenn<lb/>
<rs type="person" ref="#per__121042">Strauß</rs> Bundeskanzler wäre. Dieser ist für sie vollkommen unberechenbar.<lb/>
Bezüglich der Touristik meinte <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs>, es könnte das touristische<lb/>
Abkommen von 78 verbessert werden. Insbesondere wäre es möglich einen<lb/>
Jugendaustausch vorzusehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Ich brauch dieses Abkommen sofort.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_18">Am befriedigendsten, hat <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> herausgestrichen, sind die Wirtschafts<lb break="no"/>beziehungen zwischen der DDR und Österreich. In den letzten 10 Jahren ha<lb break="no"/>ben sie sich ja so entwickelt, daß nicht nur die bilateralen Beziehungen,<lb/>
sondern auch die Verhandlungen und Ergebnisse auf Drittmärkten für die<lb/>
DDR befriedigend sind. Die DDR hat gute Beziehungen und er war teils<lb/>
schon in diesen Ländern <choice><choice><sic>mit</sic><corr>wie?</corr></choice></choice> Angola, Sambia, Mosambik, Südjemen, Libyen<lb/>
und Algerien. Auf dem afrikanischen Raum könnten also noch zwischen öster<lb break="no"/>reichischen Firmen und DDR-Firmen mehr Kooperationen und Lieferungen<lb/>
durchgesetzt werden. <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs> bestätigte dann erstmalig und mehr oder<lb/>
minder in einem größeren Kreis, daß die VÖEST-Alpine das Stahlwerk für<lb/>
2,3 Mrd. DM bekommen wird. Darüber unterstrich er aber ganz besonders,<lb/>
daß auch mittlere und kleine Betriebe an den DDR-Exporten derzeit be<lb break="no"/>teiligt sind und dies auch so bleiben soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_19">Außer diesen fast ganztägig in Anspruch nehmenden Verhandlungen und<lb/>
Vorbereitungen mit der DDR gab es im Pressefrühstück keine besonderen<lb/>
Diskussionen. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> berichtet über den Besuch des chinesischen Außen<lb break="no"/>handelsministers und über den Vertrag, den wir unterschrieben haben, Dr.<lb/>
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5000 Produkte jetzt mit diesem Qualitätszeichen versehen. Die Außen<lb break="no"/>handelsförderungsbeiträge werden von der HK dazu benützt, um Zuschüsse<lb/>
für Prüfungen und für Gemeinschaftswerbung zu geben. Auch hier gab es<lb/>
keine Diskussion und ich habe mich bei den beiden für ihre Tätigkeit<lb/>
herzlichst bedankt. Dr. <rs type="person" ref="#per__126600">Winger</rs> vom Markenartikelverband und gleichzeitig<lb/>
Imperial-Besitzer, dessen Vater 1925 den Markenartikelverband mitgegrün<lb break="no"/>det hat und deren erster Präsident war, teilte mit, daß die 167 Mitglie<lb break="no"/>der eine so zurückhaltende Preispolitik machen, daß sie von 66–79<lb/>
ihre Preise um 44 % nur erhöht haben, während der Verbraucherpreisindex<lb/>
um 96 % gestiegen ist. Gesetze wie das Unlautere Wettbewerbsgesetz<lb/>
oder das Zugabegesetz gingen schon in der ersten Republik auf ihre<lb/>
Initiative zurück. Mit dem Handel wurde jetzt ein Wohlverhaltenskatalog<lb/>
ausgearbeitet. Auch hier gab es keinerlei Diskussion.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_21">Das einzige Interesse aller Journalisten richtete sich dann bei der<lb/>
allgemeinen Frage über die weitere Benzinpreisentwicklung. Hier konnte<lb/>
ich wieder nur meinen Stehsatz sagen, ich werde verhandeln und versuchen<lb/>
ein Kompromiß zu erreichen. Dies wird diesmal sehr schwer sein, weil<lb/>
neben den Forderungen der Mineralölindustrie und des Tankstellenhandels<lb/>
auch noch die steuerliche Neuregelung, die mit 1. Jänner 81 beginnt,<lb/>
sicherlich gleichzeitig eingebaut wird. Ich kann mir eine zweimalige<lb/>
Erhöhung, sozusagen im Dezember ohne die Steuer und dann im Jänner die<lb/>
Steuer extra draufgeschlagen, nicht vorstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_22">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs> UND <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte die Taktik mit mir noch einmal<lb/>
abbesprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_23">Die Frau des Handelsdelegierten in Ägypten, <rs type="person" ref="#per__127125">Kernthaler</rs>, hat<add>[, wie]</add> ich mich in<lb/>
Kairo schon überzeugen konnte, ganz nette Bilder von der Wüste gemalt.<lb/>
Jetzt hat sie sie in einer Galerie am Graben ausgestellt. Ich habe selbst<lb break="no"/>verständlich ihr bei der Eröffnung einen Anstandsbesuch abgestattet. Was<lb/>
mich nicht überraschte, ich traf dort auch, obwohl es außerhalb der<lb/>
Dienstzeit war, Beamte des Ministeriums. MR <rs type="person" ref="#per__127126">Hönel</rs> allerdings meinte, um<lb/>
sich wahrscheinlich bei ihr einzuschmeicheln und mich in Verlegenheit zu<lb/>
bringen, das Ministerium könnte ja etliche dieser Bilder aufkaufen.<lb/>
Ich habe ihm kaltschnäuzig geantwortet, da soll er sich doch ruhig an<lb/>
die Beschaffungsstelle im Ministerium wenden. Ich bin sehr gespannt, ob<lb/>
er es tut. Die Reaktion von dort ist mir vollkommen klar, dafür ist<lb/>
sicherlich kein Geld vorhanden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-11-10_24">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Beobachte, wie dies weitergeht.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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