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            <title type="main">Mittwoch, der 15. Oktober 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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                  <idno type="signature">Band57_1980-10-15</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-10-15_01">Mittwoch, 15. Oktober 1980<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-10-15_02">In der ÖGB-Bundesvorstandssitzung berichtete <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> über die Wirtschafts<lb break="no"/>lage und erörterte die Entschließung. <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> referierte dann über<lb/>
die Steuerkommission. Die Idee, alle Privilegien abzubauen, um damit<lb/>
den Steuersatz drastisch senken zu können, wurde von ihm zwar erwähnt,<lb/>
gleichzeitig aber stellte er fest, daß niemand ernstlich sich diesen<lb/>
Weg zu gehen getraut. Der fast steuerfreie 13., 14. Gehalt, Die Schmutz-,<lb/>
Gefahren- und Erschwerniszulagen-Steuerfreiheit und noch etliche ande<lb break="no"/>ren würden letzten Endes dazu führen, daß bei den Detailverhandlungen<lb/>
der Widerstand der davon Betroffenen so groß wäre, daß keine einzelne<lb/>
Gewerkschaft oder Verhandlungskomitee dem zustimmen würde. <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs><lb/>
erwähnte auch das 12 Mrd. Investitionssteuerersparnisprogramm der Un<lb break="no"/>ternehmer und vor allem das Strukturänderungsgesetz, welches teils<lb/>
investitionsfördernd ist, teils aber durch den Verlustkauf von in ro<lb break="no"/>ten Ziffern befindlichen Firmen zur Steuerersparnis der aufkaufenden<lb/>
Firma man ebenfalls genau untersuchen wird. Dasselbe gilt für die<lb/>
2–8 Mrd. S Mehrwertsteuerverlust durch Nichtrechnungslegung. Die<lb/>
Wohnbauförderung und Sparförderung, aber vor allem auch die Quellen<lb break="no"/>steuer sollten ebenfalls untersucht werden. Die Arbeit wäre so zu er<lb break="no"/>stellen, daß spätestens bis Februar 81 ein Konzept im Bundesvorstand<lb/>
von der Steuerkommission vorgelegt werden kann. Die Verhandlungen<lb/>
wären so zu führen, das sie budgetwirksam 1982 beschlossen werden<lb/>
könnten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-10-15_03">Der Vertreter der christlichen Gewerkschafter, <rs type="person" ref="#per__123770">Gasser</rs>, bemerkte zu<lb/>
diesem Steuerkonzept, daß 1981 schon für die Mindesteinkommen eine<lb/>
gewisse Steuersenkung vorgesehen ist und daß man vielleicht noch ein<lb/>
paar Schritte dazu machen sollte. Bezüglich der Zielvorstellung, näm<lb break="no"/>lich einfachere Steuern, übersichtlichere Verrechnung, insbes. das<lb/>
Nettoeinkommen zu sichern, sei man sich ja einig. Über die Details wird<lb/>
man reden müssen. Jetzt geht es primär um die Existenzsicherung, wes<lb break="no"/>halb die sozialpolitischen Forderungen nicht erwähnt werden und er<lb/>
stimmt daher dieser Entschließung zu. Die besonderen regionalen und<lb/>
Branchenschwierigkeiten gilt es jetzt zu beseitigen. Die VEW befinden<lb/>
sich seiner Meinung nach nicht zuletzt auch durch die Hartwährungspo<lb break="no"/>litik in diesen Schwierigkeiten. In Zukunft wird man auch eine Dis<lb break="no"/>kussion über die Schicht- und Schwerstarbeiter und insbes. Arbeitszeit<lb break="no"/>verkürzung führen müssen. Er könnte sich auch diese in Form von ge<lb break="no"/>staffelten Urlaubsverlängerungen vorstellen. Die Mindestpensionen wer<lb break="no"/><pb n="57-1279" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band57/57_1980-10-15_1279.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>den heuer ja über den Richtsatz erhöht werden, die Partnerschaftspen<lb break="no"/>sion gilt es zu verhandeln. Überrascht war ich, daß letzten Endes die<lb/>
christlichen Gewerkschafter doch der Entschließung zugestimmt haben,<lb/>
wo positiv zum Volksbegehren über die Atomnutzung zur Unterschrift<lb/>
aufgefordert wird. Sie verlangten nur in einer Klammer, daß u.a. die<lb/>
Atommüllagerung, die Alarmpläne und die Emissionsmessung als Voraus<lb break="no"/>setzung in die Entschließung aufgenommen werden. Die einzigen, die sich<lb/>
gegen die Entschließung aussprachen, waren die Kommunisten resp. die<lb/>
Linken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-10-15_04">Der britische Handelsminister <rs type="person" ref="#per__126993">Nott</rs> ist von Griechenland kommend einen<lb/>
Tag in Wien geblieben. Er war das erste Mal in der Bundeshauptstadt<lb/>
und war daher außer an einer Aussprache mit mir natürlich an einer<lb/>
Stadtbesichtigung sehr interessiert. Die Aussprache war sehr freund<lb break="no"/>schaftlich und sehr offen. Die britische Wirtschaft befindet sich in<lb/>
einer sehr kritischen Phase. Die Arbeitslosigkeit steigt ständig, die<lb/>
Wirtschaftspolitik Premier <rs type="person" ref="#per__123749">Thatchers</rs> führt dazu, als einzig positives<lb/>
Ergebnis ist ein Rückgehen der Inflationsrate von 20 % auf ca. 12 % im<lb/>
nächsten Jahr zu erwarten. Die Stahlproduktion wird von 35 Mio. auf<lb/>
13 Mio. t zurückgehen. Die Kleider-, Schuh- und Papierindustrie wird<lb/>
ebenfalls hart getroffen, u.a. werden 5 bis 10 große Papierfabriken<lb/>
schließen. Aus diesem Grund hat es <rs type="person" ref="#per__126993">Nott</rs> sehr schwer, die österreichi<lb break="no"/>schen Wünsche auf Erhöhung des Papierexportkontingentes des sogenann<lb break="no"/>ten Plafonds, wodurch die Zollermäßigung auf größere Mengen Papier<lb/>
angewendet werden könnte, zuzustimmen. In den letzten Jahren wurden<lb/>
niemals die vereinbarten 5 % Kontingenterhöhung, sondern entweder gar<lb/>
nichts oder 1–3 % diese Quote erhöht. Auch für das kommende Jahr hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126993">Nott</rs> mir auf meine Intervention erklärt, ist es nicht möglich 5 %<lb/>
zu machen, sondern es werden nur geringe Erhöhungen stattfinden können.<lb/>
Wir schlugen den Engländern deshalb vor, es wäre zweckmäßig, die jetzt<lb/>
9 Einzelkontingente z.B. auf 3 zusammenzuziehen. Dadurch könnten wir<lb/>
nicht ausgenützte Kontingente leichter mit anderen amalgamieren, zu grö<lb break="no"/>ßeren Exportmöglichkeiten kommen. Da die Engländer uns ja helfen wollen,<lb/>
aber ein gefährliches Präjudiz dann für die wesentlich größeren schwe<lb break="no"/>dischen Papierexporte befürchten, wo sie ebenfalls sofort entsprechend<lb/>
perzentuelle Erhöhungen zugestehen müßten, könnte, mit Hilfe dieses<lb/>
Amalgamvorschlages getarnt, Österreich eine gewisse Bevorzugung einge<lb break="no"/>räumt werden. Da in der Aussprache <rs type="person" ref="#per__126993">Nott</rs> auf diesen Vorschlag im ein<lb break="no"/>zelnen nicht einging, habe ich beim Mittagessen von dem Britsh Trade<lb/>
Council ihn nachher neuerdings auf diesen Vorschlag aufmerksam gemacht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-10-15_05">Er versprach, dies zu prüfen und sieht darin vielleicht eine gewisse<lb/>
Möglichkeit. Da ich neben dem neuen britischen Botschafter zu sitzen<lb/>
kam, habe ich diesen auch ganz besonders auf diese Möglichkeit hinge<lb break="no"/>wiesen. Alles andere, sowohl bei der Sitzung als auch dann bei den<lb/>
Tischreden, waren nur Erklärungen, daß der freie Handel aufrecht blei<lb break="no"/>ben sollte. <rs type="person" ref="#per__126993">Nott</rs> hat insbesondere bei seiner Tischrede auf die libe<lb break="no"/>rale Politik hingewiesen, die freie Marktwirtschaft sei seiner Meinung<lb/>
nach der einzig richtige Weg, den England jetzt begeht. Da ich ja ge<lb break="no"/>nau mein schlechtes Englisch kenne, vor allem, daß ich sicherlich un<lb break="no"/>unterbrochen die größten grammatikalischen Fehler mache und wahrschein<lb break="no"/>lich auch x falsche Worte verwende, freut es mich aber umso mehr, wenn<lb/>
ich bei einer freien Ansprache dann ein bißchen Wiener Schmäh oder<lb/>
Charme unterbringen kann und die Gesellschaft sogar darüber lacht. Ich<lb/>
kann mir gut vorstellen, wie dies in Englisch sich furchtbar lustig an<lb/>
hören muß.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-10-15_06">Der British Trade Council ist ein privater Verein, bekommt keinerlei<lb/>
Subvention. Jede Firma zahlt 500 S Mitgliedsbeitrag im Jahr. Er tritt<lb/>
auch sehr wenig in Erscheinung, der Präsident selbst erzählte mir,<lb/>
daß sie ab und zu mit ihren Frauen Heurigenabende veranstalten und<lb/>
eben dann bei so festlichen Veranstaltungen wie Besuch des Herzogs von<lb/>
Kent oder jetzt des britischen Handelsministers sich sehr freuen, daß<lb/>
sie damit in Erscheinung treten können. Über meine Teilnahme waren sie<lb/>
wirklich positiv überrascht und zufrieden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-10-15_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107953">BUCHAUER</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Haltet mit dieser Organisation<lb/>
ein wenig Kontakt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-10-15_08">Die Betriebsräte von Shell Austria wollen Detailinformationen über<lb/>
die Rohölkäufe ihrer Firma. <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> wird sich bemühen, ob es aller<lb break="no"/>dings möglich sein wird, solche zu beschaffen ist mehr als fraglich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-10-15_09">Vom DDR-Rundfunk wurde Dr. <rs type="person" ref="#per__127049">Gedlich</rs>, ein Wirtschaftsredakteur, beauftragt<lb/>
eine halbstündige Reportage vor dem <rs type="person" ref="#per__114104">Honecker</rs>-Besuch zu machen. Zum<lb/>
erstenmal in meinem Leben ist ein Redakteur gekommen, der mir sogar<lb/>
ein kleines Präsent mitgebracht hat, für das ich mich selbstverständ<lb break="no"/>lich dann revanchierte. Zum erstenmal in seinem Leben sagte er, hat<lb/>
er einen Minister getroffen, der gar nicht wissen wollte, was er ge<lb break="no"/>fragt wird, sondern sofort erklärte, stellen sie die Fragen. Es ergab<lb/>
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Zusammenarbeit. <rs type="person" ref="#per__127049">Gedlich</rs> selbst braucht auch seine vorbereiteten<lb/>
schriftlichen Fragen nicht runterzulesen. Ich glaube, das war wirklich<lb/>
von ihm das erste freie Interview, das er mit einem Minister je führte.<lb/>
Bei der anschließenden Teepause erzählte er mir, wie alles in Österreich<lb/>
anders auch in seinen Augen, wesentlich schöner, legerer, gemütlicher<lb/>
ist als in dem so strengen harten Berlin.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-10-15_10">Dir. <rs type="person" ref="#per__121999">Gerharter</rs> vom Konsum hat wegen der Zuckerrübenlieferung an Jugo<lb break="no"/>slawien die Verhandlungen so gut vorbereitet, daß jetzt die österreichi<lb break="no"/>sche Zuckerindustrie ein konkretes Anbot den Jugoslawen machen wird.<lb/>
Die Jugoslawen möchten aber überhaupt wegen verstärkten Warenaustau<lb break="no"/>sches nach Österreich kommen. Geleitet würde diese Delegation von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97966">Snuderl</rs> werden. Ich habe mit <rs type="person" ref="#per__121999">Gerharter</rs> vereinbart, daß er den Jugos<lb break="no"/>lawen vorschlagen soll, <rs type="person" ref="#per__97966">Snuderl</rs> möge zum Wochenende kommen, damit wir<lb/>
nicht nur eine Aussprache machen, sondern ich dann die ihm langverspro<lb break="no"/>chene Wochenendbesichtigung von Wien und Umgebung bieten kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band57_1980-10-15_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__121999">Gerharter</rs> Entsprechendes vorbereiten.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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