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            <title type="main">Montag, der 13. Oktober 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_01">Montag, 13. Oktober 1980<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_02">Die Vertreter der Brotindustrie und des Bäckergewerbes haben die<lb/>
Idee, einen Wanderwecken zu erzeugen und mit der ÖFVW zu propagieren.<lb/>
Dieser besteht aus einem Mischmehl, das in ganz Österreich gleich<lb break="no"/>mäßig verwendet werden soll. Der Wecken ist dann in 6 Teile einge<lb break="no"/>kerbt, sodaß man ohne Messer ein Stück abbrechen kann. Wanderbares<lb/>
Österreich also jetzt auch in der Nahrungsmittelindustrie, ob er<lb/>
was bringt, ist mehr als zweifelhaft.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_03">Bei dieser Taufe erzählte mir der Bundesinnungsmeister <rs type="person" ref="#per__113099">Plim</rs><add>[evtl. Falschidentifikation]</add>, daß<lb/>
die Semmelschleuder jetzt sogar nur 34 Groschen pro Stück verlangen.<lb/>
Damit ist nicht einmal der Mehlanteil gedeckt. Ich bin neugierig,<lb/>
ob sich die Bundeshandelskammer dazu entschließt einen Antrag mit<lb/>
der Handelskammer und<add>[dem]</add> Gewerkschaftsbund gemeinsam zu formulieren<lb/>
wegen Verkauf unter dem Einstandspreis.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_04">Im Journalistenfrühstück hat GD <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> über den Leitungsausbau ge<lb break="no"/>sprochen. Unter seinen Vorgängern war die 220 KV die höchste Span<lb break="no"/>nung, die wünschenswert war, ausgebaut. Er geht jetzt auf 380 KV, gibt<lb/>
allerdings zu, daß sowohl COMECON als auch Italien bereits 750 KV ver<lb/>
wenden. Ich bin kein Techniker, aber ich fürchte, hier wird wieder<lb/>
ein Höchstlimit eingezogen, daß es dann in absehbarer Zeit wieder<lb/>
zu ändern gilt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_05">Darüber hinaus berichtete er, daß jetzt das Kohlekraftwerk Dürnrohr,<lb/>
390 MW mit 1,6 bis 2 Terrawattstunden, das 5,2 Mrd. S kosten wird, mit<lb/>
500 Mio. S Entschwefelungsanlage unmittelbar vor dem Baubeschluß steht.<lb/>
Die Baubehörde wird, so hofft er, noch heuer die Voraussetzungen da<lb break="no"/>für genehmigen. Die Abwärme wird NIOGAS gegeben, diese versucht Ab<lb break="no"/>nehmer in der Umgebung zu finden. Den anfallende Schwefel aus der<lb/>
Entschwefelungsanlage wird Donauchemie mit einer Pipeline übernehmen.<lb/>
Die Verbund glaubt, Wirbelschichtverfahren ist technisch noch nicht<lb/>
so weit, sie will kein Risiko eingehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_06">ANMEKRUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs> UND <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs>: Was sagt <rs type="person" ref="#per__116945">Kirchner</rs>, SGP.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_07">Die Sozialpartner berichteten dann über die Kaffeepreissenkung, wo<lb break="no"/>bei insbesondere der AK-Vertreter <rs type="person" ref="#per__127009">Zurek</rs> darauf verwies, daß jetzt<lb/>
auch die kleinen Bezieher, die keinen Aktionskaffee kaufen können,<lb/>
<pb n="56-1265" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band56/56_1980-10-13_1265.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>durch die Listenpreissenkung tatsächlich eine Verbilligung erfahren<lb/>
werden. Der Anteil der Aktionsverkäufe wurde mit 1/3 bis 50 %,<lb/>
vielleicht sogar noch mehr, angegeben. Anhand dieses Beispiels konnte<lb/>
ich demonstrieren, wie sehr eine Rute im Fenster die<lb/>
Firmen doch veranlaßt im Rahmen der Paritätischen Kommission dann<lb/>
um tragbare Kompromisse zu suchen. Dieses Rute-im-Fenster-Beispiel<lb/>
werde ich jetzt immer wieder verwenden. Eine Auswirkung auf die<lb/>
Kaffeehauspreise, worüber ich sofort gefragt wurde, ist kaum anzu<lb break="no"/>nehmen, denn die Sozialpartner haben errechnet, bei 20 S Verbrau<lb break="no"/>cherpreis macht die Kaffeepreissenkung 10 Groschen ca. aus.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs>: Bei Landespreisbehördentagung bitte das Kaffee<lb break="no"/>preislistensenkungsbeispiel im Detail besprechen um für Rute-im-Fen<lb break="no"/>ster-Gesetz Propaganda zu machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_09">MR <rs type="person" ref="#per__114085">Grumbeck</rs> berichtet über die neue Quantex-Studie, welche für die<lb/>
Textil- und Bekleidungsindustrie 1981 einen guten Konjunkturverlauf<lb/>
vorhersagt. Die Modewoche in München ist gut verlaufen, von der<lb/>
Internationalen Modewoche in Wien erwartet man Ähnliches und insbe<lb break="no"/>sondere von der Interstoff in Frankfurt. Insbesondere hält die Jeans<lb break="no"/>mode nach wie vor an, obwohl sie schon etliche Jahre totgesagt wurde.<lb/>
Ich bin sehr gespannt ob tatsächlich diese Prognose zutreffen wird.<lb/>
Ich selbst bin bezüglich der Konsumgüterindustrie, wenn jetzt ein<lb/>
größerer Rückschlag in der Stahlindustrie kommt und diese sich auf<lb/>
die gesamte Grundstoffindustrie ausdehnt, in weiterer Folge dann auch<lb/>
die Produktionsmittelindustrie ergreift, sehr pessimistisch. Das<lb/>
diese Rezession auf die Konsumgüterindustrie keine Rückwirkung haben<lb/>
soll, ist mehr als fraglich. Die Quantex-Studie resp. die Vorhersage<lb/>
müßte daher die Rezession bereits im nächsten Jahr als beendet an<lb break="no"/>sehen, oder deren Auswirkung erst zu einem sehr späten Zeitpunkt<lb/>
auf die Konsumgüterindustrie annehmen. Das Verhalten resp. die Aus<lb break="no"/>sage der Textil- und Bekleidungsproduzenten, die ja der Quantex<lb break="no"/>Studie zugrunde liegt, kann nur auf diesen Annahmen beruhen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__107953">BUCHAUER</rs>: Wie ist Eure Meinung dazu?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_11">Interessanterweise gab es bei diesem Punkt eine Diskussion über das<lb/>
Multifaserabkommen. Der Sekretär der Bekleidungsgruppe <rs type="person" ref="#per__115012">Katrin</rs>, ver<lb break="no"/>wies darauf, daß jetzt der Vorsitzende des Multifaserabkommens,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__127038">Würth</rs>, vor unlösbaren Aufgaben steht, wenn Hongkong, Korea weiter<lb/>
<pb n="56-1266" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band56/56_1980-10-13_1266.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>als Entwicklungsländer behandelt werden sollen. Da die Amerikaner,<lb/>
aber auch die Japaner sich von jedweden Zuwachsraten, die die Ent<lb break="no"/>wicklungsländer im Multifaserabkommen bekommen sollen, weil sie diese<lb/>
auch jetzt haben, ausschließt, würde die ganze Mehrproduktion nach<lb/>
Europa fließen. Dagegen wehrt sich nicht nur die EG, sondern sicher<lb break="no"/>lich auch Österreich. Der in der vergangenen Woche in Wien abgehal<lb break="no"/>tene internationale Kongreß der Textilarbeiter und Bekleidungsarbei<lb break="no"/>ter hat deshalb verlangt, daß durch das Multifaserabkommen die Ent<lb break="no"/>wicklungsländer <choice><choice><sic>verhalten</sic><corr>angehalten</corr></choice></choice> werden sollen, ihren Textil- und Beklei<lb break="no"/>dungsarbeitern auch einen höheren Lohn und Lebensstandard<add>[zu]</add> gewähr<lb break="no"/>leisten. Sollte dies nicht durch Verträge garantiert werden, dann<lb/>
sei die internationale Textil- und Bekleidungsarbeitergewerkschaftsver<lb break="no"/>einigung gegen das Multifaserabkommen. In diesem Punkt trifft sich<lb/>
natürlich die Gewerkschaft mit den Unternehmern. Zu Recht wird näm<lb break="no"/>lich darauf verwiesen, daß jetzt nur auf Kosten der europäischen Be<lb break="no"/>schäftigten immer mehr Billigstprodukte erzeugt, hierher exportiert,<lb/>
den Unternehmern also gute Profite in den Entwicklungsländern gibt<lb/>
und die Arbeiterschaft dort aus ihren geringsten Lohnverhältnissen<lb/>
nicht herauskommt. Der Internationalen schwebt auch eine Art Sozial<lb break="no"/>klausel vor, wonach in den Entwicklungsländern Preisabschöpfungen<lb/>
erfolgen, die dann den Löhnen zugute kommen sollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Ich möchte mit dem Zentralsekretär der Textil<lb break="no"/>arbeiter gelegentlich darüber sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_13">Dr. <rs type="person" ref="#per__126893">Mandl</rs> aus Zürich, ein seit Jahrzehnten in der Zementindustrie<lb/>
bedeutender Fachmann, überreicht mir die gewünschte Studie über Aus<lb break="no"/>wirkungen beim Autobahnbau von Beton oder Asphalt. Die Quintessenz<lb/>
ist, wenn der Untergrund nicht gut ist, dann kann man nur Beton ver<lb break="no"/>wenden, weil sich die Drucklast wesentlich besser verteilt als bei<lb/>
Asphalt. Es gibt also keine generelle Aussage Beton oder Asphalt,<lb/>
sondern es müßte jede einzelne Straße auf Untergrundverhältnisse<lb/>
untersucht, konkret für das eine oder andere entschieden werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126893">Mandl</rs> ist damit einverstanden, ja er wünscht es sogar, daß ich diese<lb/>
Unterlagen dem Bautenminister übermittle.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte Entsprechendes veranlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_15">Bei der Verabschiedung des Altbürgermeisters <rs type="person" ref="#per__97963">Felix Slavik</rs> traf ich<lb/>
Außenminister <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs>. Ich ersuchte ihn, bei seiner jetzt anzutretenden<lb/>
Japan-Reise insbes. die Forderung, daß die japanische Linie Wien di<lb break="no"/><pb n="56-1267" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band56/56_1980-10-13_1267.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>rekt anfliegt, unter allen Umständen vorzubringen. Die ÖFVW, wie<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> mir berichtete, erwartet dadurch mehr japanische Gäste.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> erklärte sich sofort dazu bereit. Bezüglich der Vereinbarung<lb/>
zwischen dem Außenminister und den ungarischen Stellen eines Brief<lb break="no"/>wechsels bezüglich des Fremdenverkehrsabkommens einigten wir uns<lb/>
dahingehend, daß ich den Ministerratsvortrag ergänze. Das textlich<lb/>
vereinbarte Abkommen, welches am Wochenende vom ungarischen Minister<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__110926">Sághy</rs> und mir unterzeichnet werden soll, wird im Ministerrat vor<lb break="no"/>behaltlich des erfolgreichen Abschlusses eines Briefwechsels zwischen<lb/>
Außenministerium und ungarischen Stellen genehmigt. Wie ich Gene<lb break="no"/>ralsekretär <rs type="person" ref="#per__114980">Reitbauer</rs> dann mitteilte, haben sie mit diesen Verhand<lb break="no"/>lungen bis Mittwoch abends Zeit. Sollte es zu diesem Zeitpunkt noch<lb/>
nicht fertig sein, würde Dr. <rs type="person" ref="#per__110926">Sághy</rs>, wie ich von den Handelsdelegier<lb break="no"/>ten erfuhr, nicht kommen und ich daher die ganze Wochenendreise<lb/>
zeitgerecht absagen müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Wenn Mittwoch Abend kein Ergebnis vorliegt,<lb/>
alles abblasen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_17">Die Trauerrede hielt Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> vor dem großen Gemälde<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97963">Slaviks</rs>. Alle Bürgermeister werden nämlich sofort, nachdem sie vom<lb/>
Gemeinderat gewählt sind, porträtiert. Dieses Bild hat Staatssekretär<lb/>
<rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> sehr mißfallen. Es gibt wahrscheinlich überhaupt keinen<lb/>
Maler, der allen Anforderungen gerecht wird. In vielen Ministerien<lb/>
ist es auch Tradition, daß jeder Minister sofort in Öl verewigt wird.<lb/>
Vielleicht nicht so groß wie bei der Gemeinde Wien, kann man auch<lb/>
im Landwirtschaftsministerium die letzten Minister im Wartesaal hän<lb break="no"/>gen sehen. Mit dieser Tradition habe ich mich ja im Handelsministe<lb break="no"/>rium sofort gebrochen. Mich wird bestimmt keiner malen können. Ich<lb/>
werde zumindestens nicht bereit sein, auch noch einem so großen<lb/>
Künstler zu sitzen. Ein Gag wäre nur, daß als Ausweg einem abstrak<lb break="no"/>ten Maler von meinem Nachfolger dann ein Auftrag erteilt wird, damit<lb/>
die Reihe dann nicht unterbrochen ist. Ich bin nämlich nicht ganz<lb/>
sicher, ob die Nachfolger meine Meinung teilen. Dies ist Gott sei<lb/>
Dank aber nicht meine Sorge oder mein Problem.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_18">Vor der ÖGB-Bundesfraktion hat der Jugendsekretär mit Recht bei mir<lb/>
die Lehrlingsausbildungsvorschrift urgiert. Da noch immer über das<lb/>
Alter der Masseure zwischen AK auf der einen Seite und der HK auf der<lb/>
anderen Seite keine Einigung erzielt werden konnte, ist die ganze<lb/>
<pb n="56-1268" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band56/56_1980-10-13_1268.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Verordnung noch offen. Sekretär <rs type="person" ref="#per__112979">Verzetnitsch</rs> und ich haben dann mit<lb/>
dem Vorsitzenden der Gewerkschaft und Vizepräsident der AK <rs type="person" ref="#per__121123">Mück</rs> ver<lb break="no"/>einbart, daß dieser versuchen wird, das Mindestalter von 16 Jahren<lb/>
in seiner Organisation durchzubringen. Bei dieser Gelegenheit teilte<lb/>
mir <rs type="person" ref="#per__121123">Mück</rs> mit, daß sie sich jetzt auch über die Verleihung § 68 Füh<lb break="no"/>rung des Staatswappens an Wienerwald, sprich Hendl <rs type="person" ref="#per__112968">Jahn</rs> geeinigt<lb/>
haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_19">ANMERUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs>: Bitte wegen Masseurverordnung mit <rs type="person" ref="#per__121123">Mück</rs> sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_20">In der ÖGB-Fraktion hat <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> zuerst die Resolution, die im Bundes<lb break="no"/>vorstand beschlossen werden soll, vorgetragen. Darüber gab es fast<lb/>
keine Diskussion. Sie ist noch nicht mit den christlichen Gewerk<lb break="no"/>schaftern abgesprochen. Ich hoffe, daß sie bezüglich des Energie<lb break="no"/>sicherungsgesetzes und insbes. hinsichtlich der Empfehlung der<lb/>
Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes angenommen wird. Obmann <rs type="person" ref="#per__114543">Pöder</rs><lb/>
von den Gemeindebediensteten erzählte, daß in seiner Gewerkschaft<lb/>
sowohl die christlichen Gewerkschafter als auch die Kommunisten einer<lb/>
ähnlichen Formulierung zugestimmt haben. Dort gibt es einen einstim<lb break="no"/>migen Beschluß. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> forderte mich auf über die Energiesituation<lb/>
kurz zu berichten und <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> sprach dann über die Steuerkommissi<lb break="no"/>onsbesprechnungen. Die jetzt in der Steuerkommission vorgeschlagene<lb/>
Regelung würde ca. 12 Mrd. S kosten. Ein Teil dieser Steuerverluste<lb/>
kann durch Rechnungszettelpflicht und stärkere Kontrolle bei der<lb/>
Mehrwertsteuer hereingebracht werden. Man schätzt die Ausfälle der<lb/>
Mehrwertsteuer jetzt von 2 bis 8 Mrd S. Aus sozialer Symmetrie sollte<lb/>
auch der Höchststeuersatz von 62 % auf 65 % angehoben werden und<lb/>
zwar bei Einkommen über 1 1/2 Mio S. Auch hier denkt man dann auf<lb/>
weitere Staffelung 63 % bis 2 Mio, 64 % bis 3 und 65 % dann bei 4<lb/>
oder noch höheren Einkommen. Die Überlegung, alle Ausnahmen fallen<lb/>
zu lassen, zu trachten, daß die Einkommensbezieher, die ja wesentlich<lb/>
stärkere Gestaltungsmöglichkeit haben als die Lohnsteuerpflichtigen,<lb/>
auch auf ihre Privilegien alle verzichten, könnte zu einer Absen<lb break="no"/>kung der Steuer auf 45 bis 50 % bei entsprechender starker Reduk<lb break="no"/>tion bei kleineren Einkommen möglich sein. Diese theoretische Kompo<lb break="no"/>nente wird bei jeder Steuerreform immer wieder diskutiert, aber nie<lb break="no"/>mand getraut sich tatsächlich dies durchzusetzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_21">Eine harte Diskussion, und erstmalig seitdem ich jahrzehntelang in<lb/>
dem Bundesvorstand und der Fraktion tätig bin, gab es über die Lohn<lb break="no"/><pb n="56-1269" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band56/56_1980-10-13_1269.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>politik. Sekretär <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> von den Metallarbeitern beschwerte sich<lb/>
bitter, daß die Privatangestellten ohne Kontaktnahme letzten Endes<lb/>
doch dann einen Mindestbetrag von 630 S abgeschlossen haben. Die<lb/>
Unternehmer haben die Forderung der Metallarbeiter von 550,–– S,<lb/>
wobei sie bereit wären bis auf 520,–– S herunterzugehen, glattweg<lb/>
abgelehnt. Diese 520,–– hätten ca 2 % der Lohnbelastung ausgemacht<lb/>
und selbstverständlich wäre dann die 6,2 Istlohnerhöhung reduziert<lb/>
worden. Aus prizipiellen Gründen aber erklärten die Unternehmer sich<lb/>
dazu außerstande. Bei den Privatangestellten haben sie dann entweder<lb/>
aus Unkenntnis, wie ich annehme, und nicht, wie viele, unter anderem<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs>, meinten, aus bewußter Strategie zugestimmt. <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> mein<lb break="no"/>te, daß sie bei ihren Lohnverhandlungen für 230.000 Metallarbeiter,<lb/>
Differenzen von 55,–– S Stundenlohn für zwei Fachverbände, insbesonde<lb break="no"/>re Elektroindustrie, bis 95 Stundenlohn in der Erdölindustrie, es äu<lb break="no"/>ßerst schwierig haben einen einheitlichen Satz zu finden. Dazu kommt<lb/>
dann noch, daß die Metallarbeiter<add>[einen]</add> Durchschnittslohn<add>[von]</add> 62 S, ca 11.000 S<lb/>
pro Monat haben, während die Angestellten 16.000 S durchschnittlich<lb/>
verdienen. Bei den Angestelltenverhandlungen sind angeblich die Ver<lb break="no"/>treter der Stahlindustrie als erstes bezüglich des Mindestbetrages um<lb break="no"/>gefallen. <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> kam dann auch noch auf die Fernsehsendung <rs type="person" ref="#per__111740">Dallingers</rs><lb/>
zu sprechen und meinte, <rs type="person" ref="#per__98063">Weißenberg</rs> hätte dort auf viele Fragen ge<lb break="no"/>antwortet, er sei für eine Gleichstellung der Arbeiter mit den Ange<lb break="no"/>stellten. Die Angestellten haben 2 % pro Jahr automatisch durch ihr<lb/>
Vorrückungsschema, Kurzarbeit, die jetzt in der Stahlindustrie kommt,<lb/>
wird auch nur von den Arbeitern zu leisten sein, er erwartet also,<lb/>
daß er ein Gleichbehandlungsminister wird. Bei dieser Gelegenheit<lb/>
verwies er auch auf die Unvereinbarkeit seiner Meinung nach, daß<lb/>
Minister Gewerkschaftsobleute sind. Die Metallarbeiter haben ja be<lb break="no"/>kanntlicherweise beschlossen, daß <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> jetzt einem geschäfts<lb break="no"/>führenden Obmann zustimmen mußte, nämlich eben <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs>. Jetzt gibt es<lb/>
3 Minister in der Regierung, <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs>, <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> und mich. Auch als<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114046">Böck</rs> Bauarbeiterobmann wurde, hätte er sofort seine aktive Funktion<lb/>
zurückgelegt und einen geschäftsführenden Obmann bestellt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_22">Über dieses Problem brauchte ich dann mich gar nicht melden, da<lb/>
sowohl der sonst sehr kritische Bauarbeitersekretär <rs type="person" ref="#per__97741">Millendorfer</rs><lb/>
meinte, dies sei Angelegenheit der einzelnen Gewerkschaft, wie sie<lb/>
dies handhabt, und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> durch einen Zwischenruf feststellte, auch<lb/>
der Bauarbeiter <rs type="person" ref="#per__127039">Novy</rs> war noch Obmann der Gewerkschaft, als er Stadt<lb break="no"/>rat wurde, und Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> ebenfalls. Die Auffassung war da<lb break="no"/>her, man sollte dies den einzelnen Gewerkschaften überlassen. Wäre<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_23">In der Lohnfrage selbst erklärte dann der Industriesekretär <rs type="person" ref="#per__127040">Vogler</rs><lb/>
von den Privatangestellten, sie bedauern zutiefst, daß jetzt aus<lb/>
dieser Frage ein Streit zwischen Angestellten und Metallarbeitern ent<lb break="no"/>steht, der in den Medien ausgetragen wird. Sie sind sehr froh, daß<lb/>
es jetzt in der Fraktion zur Sprache kommt. Die Industrieangestell<lb break="no"/>ten sind nicht nur mit den Metallarbeitern, sondern auch durch die<lb/>
Gewerkschaft Druck und Papier, Bauarbeiter, Chemiearbeiter und Nah<lb break="no"/>rungs- und Genußmittelarbeiter mehr oder minder beeinflußt. Die<lb/>
Chemiearbeiter haben 550.–– S einen Einheitsbetrag vereinbart, für<lb/>
Papier, Glas wurden Mindestbeträge festgelegt, bei Druck und Papier<lb/>
gibt es eine ganz eigene Regelung. Die Bauarbeiter haben jetzt 2-<lb/>
Jahresverträge abgeschlossen mit Etappen, die Nahrungs- und Genuß<lb break="no"/>mittelarbeiter haben überhaupt nur Kollektivvertragslöhne zu ver<lb break="no"/>handeln. Nach welcher Gewerkschaft soll sich jetzt die Privatange<lb break="no"/>stelltengewerkschaft richten. Die 630.–– S Mindestlöhne erhöhen die<lb/>
unteren Gehälter um 10–12 %. Am Durchschnitt gerechnet kommen<lb/>
sie tatsächlich nicht höher als die Metallarbeiter. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hat aller<lb break="no"/>dings sofort dagegen mit Recht gesagt, hätten sie ohne Mindestbetrags<lb break="no"/>regelung, die die Metallarbeiter furchtbar getroffen hat, eine Er<lb break="no"/>höhung der unteren Gehälter durch stärkere perzentuelle Steigerung<lb/>
auch durchsetzen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_24">Wie ich dann aus der Diskussion weiter entnehmen konnte, sind die<lb/>
Metallarbeiter deshalb so verärgert, weil <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> mit <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> im<lb/>
Parlament lange Koordinationsgespräche geführt hat. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meinte mit<lb/>
Recht, vorher ist weniger zwischen den Gewerkschaften gesprochen<lb/>
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oft nur durch ein Telefongespräch verständigt, wie jetzt endgültig<lb/>
vorgegangen werden soll. Diesmal hat <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> lange Koordinationsge<lb break="no"/>spräche geführt und das Ergebnis, war gerade anders als die Metallar<lb break="no"/>beiter resp. <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> erwartet haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_25">Der Chemiesekretär <rs type="person" ref="#per__127041">Holzerbauer</rs> verwies dann wieder darauf, daß die<lb/>
Metallarbeiter eine Abfertigungsverbesserung durchgesetzt haben,<lb/>
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entschieden abgelehnt haben und erklärten, dies wird in Hinkunft<lb/>
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Gewerkschaftsbund einen Arbeitskreis für Lohn- und Kollektivver<lb break="no"/>tragspolitik, den der Vorsitzende <rs type="person" ref="#per__121123">Mück</rs> führt. Dort werden gelegent<lb break="no"/>lich 4 Papiere vom Sekretär <rs type="person" ref="#per__112030">Prokop</rs> vorgelegt, behandelt und ver<lb break="no"/>abschiedet, aber über die wirklichen Lohn- und Kollektivvertragsfragen<lb/>
kommt es dort zu keiner Diskussion. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> konnte mit Recht allerdings<lb/>
erwidern, daß seinerzeit diese Kommission empfohlen hat 13., 14.<lb/>
Monatslohn sei das Maximum und dann hätten einzelne Gewerkschaften<lb/>
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und meinte, die 530.000 werden keinen Mindestbetrag verlangen. Die<lb/>
630.–– S würden nämlich das ganze Handwerksschema abdecken und zu<lb/>
einer ungeheuren Entnivellierung führen. Was dagegen der öffentliche<lb/>
Dienst erwartet, ist, daß flankierende Maßnahmen durch eine entspre<lb break="no"/>chende Besoldungsreform nach dem jetzt verhandelnden Abschluß dann<lb/>
kommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_28">Entscheidend war dann aber die Wortmeldung <rs type="person" ref="#per__111740">Dallingers</rs>, der meinte,<lb/>
das Schlimmste, was uns jetzt passieren kann, ist daß wir untereinan<lb break="no"/>der streiten und die Unternehmer uns auseinanderdividieren. Er selbst<lb/>
wird sich nicht nur als Sozialminister für die Angleichung einsetzen,<lb/>
sondern hat dies auch stets schon als Obmann der Privatangestellten<lb/>
gesagt und wird dies auch jetzt weitestgehend verwirklichen. Unter<lb/>
anderem hat er bereits jetzt im Sozialministerium erklärt, man muß<lb/>
untersuchen, wie die Kurzarbeit in der Stahlindustrie auch für die<lb/>
Angestellten sich auswirkt. Er hielt es auch für unmöglich, daß die<lb/>
Arbeiter für 30 Stunden arbeiten und auch nur bezahlt bekommen und<lb/>
die Angestellten dann zwar anwesend sein werden, nichts arbeiten<lb/>
können und, wie z.B. die Werkmeister, hauteng mit den Arbeitern zu<lb break="no"/>sammen sind und vollen Gehalt weiterbeziehen. Kurzarbeitunterstützung<lb/>
kommt aber nur für die Arbeiter in Frage, sodaß es sehr schwer wird<lb/>
auch die Angestellten hier einzubeziehen. Darüber hinaus verbietet<lb/>
das Angestelltengesetz, daß Reduktionen von den Unternehmen erfol<lb break="no"/>gen. <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> wird also eine sehr schwierige Position haben. Ähn<lb break="no"/>lich ist es aber auch dem seinerzeitigen Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> als<lb/>
Privatangestelltenobmann ergangen und er hat sich sehr gut durch<lb break="no"/>laviert. <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> hat vor den Angestelltenverhandlungen schon da<lb break="no"/>rauf verwiesen, und das hat man ihm überall übel genommen, daß es<lb/>
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Endes von ihm, wir dürfen uns nicht von der Presse treiben lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-10-13_29"><rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hat dann in die Diskussion noch einmal eingegriffen und meinte,<lb/>
wir müßten froh sein, daß wir so viele Regierungsmitglieder jetzt<lb/>
durch die Gewerkschaft stellen. Dadurch haben wir einen direkten Ein<lb break="no"/>fluß. Die Gewerkschaft muß eine unabhängige Politik von jeder Re<lb break="no"/>gierung machen. Aber selbst in der ÖVP-Zeit hat er immer wieder an<lb/>
die einzelnen Gewerkschaften und insbes. an die Vernunft appelliert<lb/>
nichts zu überziehen. Es muß besser koordiniert werden und wir müssen<lb/>
eine vorsichtige Politik betreiben. Wenn die Gewerkschaften dies<lb/>
nicht erkennen würden, wäre der Wahlsieg 1983 bestimmt gefährdet.<lb/>
Die Diskussion, die übrigens stundenlang dauerte, wurde dann von<lb/>
ihm mit Recht abrupt abgebrochen, indem er ganz entgegen seiner Art<lb/>
erklärte, die Sitzung ist geschlossen. Für mich ergab diese Aus<lb break="no"/>sprache nur eine Bestätigung, wie sehr man in den eigenen Gewerkschaf<lb break="no"/>ten vorsichtig vorgehen muß, daß der Gewerkschaftsbund nur eine<lb/>
gewisse koordinierende Funktion ausüben kann, daß das Zusammenhalten<lb/>
der einzelnen Gewerkschaften für einen Gewerkschaftsbundpräsidenten<lb/>
äußerst schwierig ist und daß in Hinkunft, wenn wir in eine schwie<lb break="no"/>rigere wirtschaftliche Situation kommen, diese Aufgabe fast unlös<lb break="no"/>bar sein wird. Wenn es aber nicht gelingen sollte, dann wird es<lb/>
wahrscheinlich sehr bald mit der Sozialpartner- und Wirtschaftspartner<lb break="no"/>schaft zu Ende sein, dann wird es auch innerhalb der Gewerkschaften<lb/>
keine Koordination, geschweige denn eine solidarische Lohnpolitik ge<lb break="no"/>ben und dann fürchte ich, würden wir Verhältnisse wie in anderen<lb/>
europäischen Staaten bekommen. Daß es dann zu Verhältnissen wie in<lb/>
der ersten Republik nicht mehr allzu weit wäre, ist für mich die große<lb/>
Befürchtung, ja, ich muß es frei sagen, die große Angst.<lb/>
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               <occupation>Wr. Bau-SR, ÖGB-Vizepräs., Obmann Gew. Bau-Holz</occupation>
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               <persName type="label">Satzinger, Heinz</persName>
               <persName><surname>Satzinger</surname><forename>Heinz</forename></persName>
               <occupation>Büro des Bundesministers</occupation>
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               <persName type="label">Grumbeck, Otto</persName>
               <persName><surname>Grumbeck</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName type="label">Buchauer, Gerfried</persName>
               <persName><surname>Buchauer</surname><forename>Gerfried</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName type="label">Reitbauer, Alois</persName>
               <persName><surname>Reitbauer</surname><forename>Alois</forename></persName>
               <occupation>Gen.sekr Außenamt</occupation>
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