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            <title type="main">Samstag, der 20. September 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-09-20_01">Samstag, 20. September 1980, und Sonntag, 21. September 1980<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-09-20_02">Beim traditionellen Frühstück anläßlich der Innsbrucker Messe hat<lb/>
mir LH <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> neuerdings bestätigt, daß er an dem Ausbau der<lb/>
Osttiroler Wasserkräfte sehr interessiert<add>[ist]</add> und einen baldigen Be<lb break="no"/>schluß darüber wünscht. Ich erklärte ihm sofort, wir könnten, wenn<lb/>
die Nationalparkfrage und die Restwasserfrage gelöst ist, sofort<lb/>
nach entsprechender Einigung über die Beteiligung einen Baubeschluß<lb/>
herbeiführen. Ich versuchte <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> klar zu machen, daß doch die<lb/>
bessere Lösung auch für Tirol ähnliche Vereinbarung wie in Kärnten<lb/>
und Vorarlberg wäre. <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> besteht natürlich noch immer auf Er<lb break="no"/>richtung einer eigenen Gesellschaft, wo er zumindestens pari betei<lb break="no"/>ligt ist. Eine solche Lösung, habe ich ihm dezidiert wieder erklärt,<lb/>
kommt für mich nicht infrage. <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> urgierte bei mir, daß jetzt<lb/>
zwischen der Tiwag und der Verbund die Gespräche intensiviert wer<lb break="no"/>den sollten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-09-20_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte nächstes Jour fixe <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-09-20_04">Die Eröffnung der Innsbrucker Messe verlief im üblichen Rahmen. Dies<lb break="no"/>mal war nur Präs. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hier, weshalb der HK-Präsident von Tirol<lb/>
auf seine Ansprache verzichtete.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-09-20_05">Bei der Landeskonferenz der LUGA hielt ich eines meiner üblichen Re<lb break="no"/>ferate. Da diese Landeskonferenz wegen mir an einem Samstag statt<lb break="no"/>finden mußte, gab es nur mit einigen älteren Funktionären eine kurze<lb/>
Diskussion darüber. Unwahrscheinlich, wie sich dies auch gewandelt<lb/>
hat. Früher, als ich in die Gewerkschaft gekommen bin, waren diese<lb/>
Landeskonferenzen manchmal sogar Sonntag, jetzt will jedermann dies<lb/>
womöglich unter der Woche, damit der Samstag, Sonntag auch frei bleibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-09-20_06">Der Sparkassen- und <choice><choice><sic>Vorschußdirektor</sic><corr>?</corr></choice></choice> von Landeck, <rs type="person" ref="#per__126974">Holzmann</rs>, ist zwar,<lb/>
anders geht es in Tirol ja gar nicht, ÖVP-Mitglied, doch kooperiert<lb/>
er mit LH-Stv. <rs type="person" ref="#per__126597">Fili</rs> und vor allem dem zweiten Präsidenten des Tiro<lb break="no"/>ler Landtages, <rs type="person" ref="#per__126975">Lettenbichler</rs>, der gleichzeitig Abgeordneter von<lb/>
Westtirol ist, sehr gut. Im Kaunertal wurden von 8 Gemeinden gemein<lb break="no"/>sam 48 Mio. S Eigenkapital aufgebracht, um die Gletscherbahn zu er<lb break="no"/>richten. Da man größten Wert darauf legte, daß dieses Projekt mir<lb/>
gezeigt wird, wurde<add>[ich]</add> mit einem Hubschrauber ins Kaunertal geflogen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-09-20_07">Mit dem Auto wurden wir dann über die Straße vom Kaunertalstausee<lb/>
bis zur Bergstation gebracht, wo jetzt ein Restaurant mit einem Zin<lb break="no"/>senzuschuß für 10 Mio. Kredit schon positiv erledigt wurde. Für<lb/>
die Pistengeräte kann ein Zinsenzuschuß gewährt werden. Wichtig er<lb break="no"/>scheint den Bürgermeistern und vor allem dem Dir. <rs type="person" ref="#per__126974">Holzmann</rs>, daß sie<lb/>
jetzt die 12 km lange Straße bekommen. Sie haben für einen Kredit<lb break="no"/>betrag von 36 Mio. S um einen Zinsenzuschuß eingereicht. Ich habe<lb/>
allerdings sofort erklärt, hier wird es im Handelsministerium größe<lb break="no"/>re Schwierigkeiten geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-09-20_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Erkundige Dich und laß Dir berichten, wie die<lb/>
Sache weiterläuft.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-09-20_09">Mein erster Eindruck von dieser Gletscherbahn ist, daß sie in der<lb/>
ersten Ausbaustufe über einen verhältnismäßig flachen Gletscher läuft.<lb/>
Die zweite Sektion wird hier im steileren Gelände geführt. Der Vor<lb break="no"/>teil beim flachen Gelände ist, daß jedermann dort schifahren kann<lb/>
und daß sich vor allem dort keine Spalten öffnen. Bei einer anderen<lb/>
Bahn soll, ich glaube, es war in Hintertux, trotz Zuschieben der Spal<lb break="no"/>ten mit Pistengeräten ein Schifahrer auf gesicherter Piste in eine<lb/>
Spalte gestürzt sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-09-20_11">In Tirol gibt es 3 Projekte, im Ötztal, wo die Firma Falkner Millio<lb break="no"/>nen ebenfalls für eine Straße investierte und von LH <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> ent<lb break="no"/>sprechende Zusagen bekommen hat. Abg. <rs type="person" ref="#per__126975">Lettenbichler</rs> meint, die brau<lb break="no"/>chen nichts, da würden die Reichen nur noch reicher werden. Im Pitz<lb break="no"/>tal, wo eine Gletscherbahn ebenfalls entstehen soll und welcher Wahl<lb break="no"/>kreis von LH <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> ist, soll er 30 Mio. S verlorenen Zuschuß ver<lb break="no"/>sprochen haben. Die Pitztaler kommen aber nicht weiter, hier würde<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126975">Lettenbichler</rs> sie sehr wohl unterstützen. An erster Stelle aber wird<lb/>
von ihm<add>[das]</add> Kaunertal gereiht.<add>[Sowohl]</add> LH-Stv. <rs type="person" ref="#per__126597">Fili</rs> als auch Präs. <rs type="person" ref="#per__126975">Lettenbichler</rs><lb/>
meinen, ich sollte den LH <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> nicht aus seiner Verantwortung<lb/>
rauslassen, daß er die Priorität dieser drei Tiroler Projekte klar<lb/>
und deutlich sagen muß. Bis jetzt hat ja, wie <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> in einem<lb/>
Brief an mich mitteilte, er sich für alle drei Projekte gleichmäßig<lb/>
ausgesprochen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-09-20_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte mein Schreiben und Antwortschreiben vor<lb break="no"/>legen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-09-20_13">Abends zum ersten österreichischen Knappentag in Hallein wurde ich<lb/>
für 7 Uhr hinbestellt. Die Leute auf der Festwiese hatten sich be<lb break="no"/>reits um 6 Uhr eingefunden. Nur für die Prominenten wurden Bänke auf<lb break="no"/>stellt. Zum Glück hatte ich bemerkt, daß ältere Personen, manche<lb/>
sogar mit Krücken, hinter den Bänken stehen mußten. Ich habe sie na<lb break="no"/>türlich sofort zum Sitzen eingeladen. Dabei erfuhr ich dann, daß<lb/>
man sie so lange dort sitzen ließ, bis sozusagen die Prominenten er<lb break="no"/>scheinen. Eine blödere Organisation kann ich mir wirklich nicht vor<lb break="no"/>stellen. Da man bis zum Einbruch der Dunkelheit warten mußte, wollte<lb/>
man sogar, daß ich anschließend an den Schwerttanz eine Rede und da<lb break="no"/>mit die Begrüßung und Eröffnung des Knappentages vornehmen sollte.<lb/>
Natürlich habe ich dies sofort umgedreht und erklärt, wenn die Leute<lb/>
schon warten müssen, dann doch in dieser Zeit die Reden halten.<lb/>
Nebenbei bemerkt waren alle dort Anwesenden auf den Schwerttanz in<lb break="no"/>teressiert, keinesfalls auf eine Rede von mir. Ich nützte daher die<lb break="no"/>se Gelegenheit und habe ihnen, da ich doch etliche Unterlagen über<lb/>
den Schwerttanz auch bekommen habe, diesen erklärt. So wurde das<lb/>
Praktische und das Nützliche mitsammen verbunden. Der Schwerttanz<lb/>
hat jahrhundertelange Tradition, zeigt in einer Tanzform, wo 16<lb/>
Knappen mit einem Sergant aufmarschieren, Tätigkeiten wie Aufruf der<lb/>
Bergleute, Aufschlagen von Stollen, Haldensturz usw. Da mit einer<lb/>
Menge Magnesium gearbeitet wird und dadurch eine feenhafte Beleuch<lb break="no"/>tung entsteht, haben selbst die älteren Damen auf meinem Bankerl er<lb break="no"/>klärt, daß ist wie in einem Märchen. Der Bürgermeister von Hallein,<lb/>
der ein wenig verärgert war, daß ich noch immer nicht seine Kelten<lb break="no"/>ausstellung besucht habe, meinte, es besteht die große Gefahr, daß<lb/>
der Knappentanz nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Angeblich<lb/>
gibt es die Tradition, daß dieser nur von Knappen getanzt werden darf,<lb/>
dafür gibt es zu wenig Interessenten. Ich habe ihm sofort erklärt, es<lb/>
wäre nicht Österreich, wenn nicht hier ein Ausweg durch fremde Teil<lb break="no"/>nehmer, die nicht Knappen sind, gefunden werden könnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-09-20_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Wenn ich nach Salzburg oder in die Nähe fahre,<lb/>
muß ich die Keltenausstellung besuchen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-09-20_15">Sonntag, 21. September 1980<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band56_1980-09-20_16">Der Volkswandertag in Tattendorf, Trumau bis Münchendorf war eine<lb/>
eigenartige Veranstaltung. Mit Volkswandertagen hat das überhaupt<lb/>
nichts zu tun, sondern ist, wie ein Pickerl richtig sagt, ich hatsch<lb/>
<pb n="56-1172" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band56/56_1980-09-20_1980-09-21_1172.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>A in Trumau. Das A soll gleichzeitig als Autokleber verwendet werden<lb/>
können. Der Bürgermeister von Trumau hatte mir eingeredet und mich<lb/>
auch dafür gewonnen, an diesem, wie er sagte, x-tausende Teilnehmer<lb/>
umfassenden Wandertag ebenfalls teilzunehmen. Als ich um 7 Uhr dort<lb/>
erschien, war er mit einem Fotograf der einzige. Nachher haben wir<lb/>
ein paar Leute getroffen, die sich alle sehr genau kannten. Da ich<lb/>
mit ihnen dann letzten Endes doch marschiert bin, konnte ich feststel<lb break="no"/>len, daß es sich hier um sogenannte Profis handelt. Sie bezeichnen sich<lb/>
selbst auch so. Ihre Aktivität besteht darin, daß sie an allen die<lb break="no"/>sen Volkswandertagen teilnehmen und dadurch etliche x-tausende Kilo<lb break="no"/>meter Fußmärsche zurücklegen. Die Spitze hatte Bürgermeister von<lb/>
Trumau und LAbg. <rs type="person" ref="#per__126283">Wedl</rs> mit angeblich 17.000 km. Wanderpässe, wo dies<lb/>
bestätigt wird, von 16.000 km habe ich selbst von meinen Begleitern<lb/>
gesehen. Diesen meiner Schätzung nach auf 100, sie glauben, insgesamt<lb/>
200 Profis, die an jedem dieser Wandertage teilnehmen, ging es aus<lb break="no"/>schließlich darum, Kilometer zu schinden. Bei diesem Trumauermarsch<lb/>
wurde ich schon wieder für 7 weitere Märsche geworben. Ganz unab<lb break="no"/>hängig, wo immer ein solcher stattfindet, werden mit größter Akribie<lb/>
nur die Kilometer gezählt. Früher hatten sie ja noch 40 und 50 km<lb/>
Strecken, da die aber nur von den Profis begangen werden, zahlt sich<lb/>
die Markierung nicht aus. Zum Glück hat es nicht geregnet, sonst<lb/>
wären wir durch die Landschaft und den Gatsch gehatscht. Zum Glück<lb/>
war es nicht zu trocken, sonst wäre dort eine Sandwand zu durchque<lb break="no"/>ren gewesen, zum Glück war es nicht Sommer, sonst hätten uns in den<lb/>
Auen, wie mir alle erzählten, die Gelsen gefressen, zum Glück für<lb/>
mich war es mein erster und wahrscheinlich auch einziger Volkswan<lb break="no"/>dertag, den ich in dieser Gegend mitgemacht habe. Manchmal habe ich<lb/>
mir gedacht, es wäre besser gewesen, ich wäre in Salzburg oder Tirol<lb/>
geblieben. Andererseits hätte ich aber niemals diese Organisation<lb/>
kennen gelernt und vor allem diese Typen der ewigen Hatscher. Diese<lb/>
wieder teilten mir mit, daß nur ganz wenige immer die längere Strecke<lb/>
wählen, wenn schon jemand kommt, so geht er immer die kürzere, wofür<lb/>
er auch die selbe Medaille bekommt. Dafür allerdings muß er als<lb/>
Startgeld 60,–– S bezahlen. Geboten wird ihm der markierte Weg, ein<lb/>
Achtelliter Milch, wahrscheinlich von einer Molkerei gespendet, ein<lb/>
selbst gekochter Becher Suppe und, wie gesagt, eben die Medaille. Da<lb/>
ja dieser Marsch immer wieder auch in den verschiedensten Orten bei<lb/>
der selben Strecke bleibt, kennen ihn die Profis sehr genau. Für die<lb/>
anderen Teilnehmer, sofern sie überhaupt kommen, gilt der Spruch, man<lb/>
geht ihn nur zweimal, nämlich zum ersten und zum letzten Mal.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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