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            <title type="main">Freitag, der  4. Juli 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_01">Freitag, 4. Juli 1980<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_02">Der neue Obmann des Sportclub-Handelsministerium <rs type="person" ref="#per__121996">Kretschmer</rs><lb/>
hat seine B-Prüfung bestanden und arbeitet jetzt nicht mehr in<lb/>
der Sektionskanzlei, sondern in der Außenstelle. Die Arbeit gefällt<lb/>
ihm, ist nur wesentlich mehr, weshalb er hofft, einen C-Beamten<lb/>
bald zu bekommen. Wichtiger erscheint ihm aber, daß jetzt endlich<lb/>
seine B-Ernennung bald erfolgt. Finanziell wird er schlechter ge<lb break="no"/>stellt, da 2.500,–– S Überstundenentschädigung, die er in der<lb/>
Kanzlei gehabt hat, nun entfällt. Für ihn ist aber die ganze An<lb break="no"/>gelegenheit eine Prestigefrage. Der Sportclub-Handelsministerium<lb/>
ist immer von B-Beamten als Obmann geführt worden, gegen die<lb/>
A-Beamten, die teils die Sektionen des Sportclubs führen, hat es<lb/>
immer gewisse hierarchische Probleme gegeben. Am meisten getroffen<lb/>
hat ihn, daß aber Min.Rat <rs type="person" ref="#per__123324">Petrasch</rs>, der Vorgesetzte des vorhergehen<lb break="no"/>den Obmannes <rs type="person" ref="#per__140260">Kneissler</rs>, nach seinem Ausscheiden sofort das Zimmer<lb/>
inkammeriert hat. Jetzt hat der Sportclub keine Möglichkeit seine<lb/>
Utensilien aufzubewahren. Ich ersuchte SC <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs>, irgendeine Zimmer<lb break="no"/>lösung zu finden. Der Präsident des Sportclubs SC <rs type="person" ref="#per__113076">Schmelz</rs> hat der<lb/>
Zimmerentziehung zugestimmt. Ich ersuchte SC <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs>, in beiden Fra<lb break="no"/>gen, endgültige Bestätigung von B für <rs type="person" ref="#per__121996">Kretschmer</rs> als auch in der<lb/>
Zimmerfrage, eine Ersatzlösung zu finden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__112949">KAZDA</rs> UND <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Wir brauchen die guten Beziehungen<lb/>
zum Sportclub wegen der Meinungsbildung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_04">Die soz. Personalvertretung, Obmann <rs type="person" ref="#per__111706">Müller</rs> und Frau <rs type="person" ref="#per__116120">Hille</rs>, berichtet<lb/>
mir über die letzte Dienststellenausschußsitzung, wo es wegen der<lb/>
Bestellung von Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> zum Sektionsleiter der Industriesektion<lb/>
eine große Aufregung gegeben hat. Ich hatte den Fehler gemacht,<lb/>
Frau <rs type="person" ref="#per__116032">Freisinger</rs> von der Presse auf deren dezidierte Frage, wer<lb/>
jetzt Sektionschef in der Industriesektion wird, und den versteckten<lb/>
Angriff, daß dies wieder ein Sozialist ist, umfangreich zu antwor<lb break="no"/>ten, daß ich den Vorschlag der Kommission akzeptiert habe. Die<lb/>
Kommission ist aber nicht mehr handlungsfähig gewesen, weil ja<lb/>
die Personalvertretung ausgeschieden ist. Der Rest der Kommission,<lb/>
<pb n="55-0854" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band55/55_1980-07-04_0854.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>die beiden Sektionschefs haben mir zwar einwandfrei nachgewiesen,<lb/>
daß der beste Bewerber, der nach <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> übrig geblieben ist, <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs><lb/>
sei und ich habe diesem Vorschlag zugestimmt. Von Seiten der Per<lb break="no"/>sonalabteilung ist dann noch der zusätzliche Fehler gewesen, daß,<lb/>
obwohl SC <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> Min.Rat <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> ersuchte, die Bestellung <rs type="person" ref="#per__111737">Marschs</rs> und die<lb/>
Ausschreibung der bis jetzt von <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> geleiteten Grundsatzgruppe<lb/>
gleichzeitig zu erledigen, die Ausschreibung über die Grundsatz<lb break="no"/>gruppe einen Tag früher der Personalvertretung zugestellt wurde<lb/>
als dann die Bestellung von <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs>. Dieser formale Fehler wird jetzt<lb/>
als Grund genommen zu erklären, man wünscht mit mir neuerdings zu<lb/>
verhandeln, das Ganze sollte jetzt bis Ende Juli verschoben werden,<lb/>
weil die Personalvertretung auf Urlaub geht. Diese neuerliche Ver<lb break="no"/>zögerung werde ich sicherlich nicht zur Kenntnis nehmen. Wenn das<lb/>
Protestschreiben bei mir eintrifft, werde ich die restliche Per<lb break="no"/>sonalvertretung zu mir bitten, um eine eingehende Aussprache über<lb/>
den Besetzungsvorgang der Industriesektion mit ihr zu führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte sofort nach Einlangen des Briefes<lb/>
der Personalvertretung unverzüglich Termin mit mir festlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_06">Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__115599">Müller</rs> berichtet uns von seiner Jugoslawien-Reise. Er<lb/>
hatte Aussprache mit dem zuständigen Minister <rs type="person" ref="#per__126392">Andov</rs>, dieser ist<lb/>
für die Europäische Gemeinschaft und für die EFTA zuständig, Minister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97966">Snuderl</rs> nur für die OECD und für GATT, insbes. aber das Treffen<lb/>
mit Vizeministerin <rs type="person" ref="#per__126393">Iconich</rs>, dem Außenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__117981">Rotar</rs> und vor<lb/>
allem der Beamtin, die seit eh und je die EFTA-Fragen bearbeitet,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126394">Schiberna</rs>. Diese hat auch die entscheidende Frage außerhalb der<lb/>
offiziellen Sitzungen an <rs type="person" ref="#per__115599">Müller</rs> gerichtet, nämlich, ob die EFTA<lb/>
bereit wäre, ein ähnliches Abkommen mit Jugoslawien zu schließen,<lb/>
wie das jetzt nach jahrelangen Verhandlungen zustande gekommene<lb/>
EG-Abkommen. <rs type="person" ref="#per__115599">Müller</rs> erklärte, dies würde er mit den EFTA-Mitglie<lb break="no"/>dern im Detail noch besprechen. Die Forderung der Jugoslawen offi<lb break="no"/>ziell war, daß jetzt ein Unterausschuß für Handelsfragen einge<lb break="no"/>setzt werden sollte, um die Struktur und die Hindernisse der größeren<lb/>
Handelsbeziehungen zw. dem jugoslaw. Staat und den EFTA-Mitgliedern<lb/>
zu untersuchen. In der Vergangenheit war das Interesse Jugoslawiens<lb/>
hauptsächlich auf die Kooperation mit den EFTA-Mitgliedstaaten<lb/>
<pb n="55-0855" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band55/55_1980-07-04_0855.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und der EFTA in Gesamtheit gerichtet. Jetzt ist durch die schlechte<lb/>
Handelsbilanzsituation eine Änderung insoferne eingetreten, als man<lb/>
durch die schlechte Handelsbilanz die Handelshemmnisse und Struktur<lb break="no"/>änderung, inbes. natürlich aber die Zollfrage primär lösen möchte.<lb/>
Darüber hinaus ist der Wunsch der Jugoslawen auch für die Transport<lb break="no"/>fragen ein eigenes Komitee zu gründen. Dieses hätte sich auch mit<lb/>
dem Finanzieren der Autobahn zu beschäftigen. Bisher hat Jugoslawien<lb/>
immer in bilateralen Gesprächen darauf gedrängt, daß die EFTA-Mit<lb break="no"/>gliedstaaten auch in Jugoslawien eine finanzielle Verpflichtung<lb/>
übernehmen sollten. Die Schweiz, <rs type="person" ref="#per__125287">Sommaruga</rs>, hat ihnen seinerzeit zu<lb break="no"/>gesagt, sie werden mit Privatbanken in der Schweiz darüber sprechen.<lb/>
Dies ist geschehen, doch war dort keine Finanzierungszusage zu er<lb break="no"/>reichen, wenn nicht gleichzeitig die Garantien für diese Kredite<lb/>
vom Staat übernommen werden und sogar Zinsenzuschüsse geleistet<lb/>
werden. Eine EFTA-Finanzierung aus Budgetmitteln der EFTA kommt<lb/>
nicht in Frage. Österreich, erklärte ich, hätte jetzt mit der<lb/>
Finanzierung und Durchführung des Karawankentunnels den Jugoslawen<lb/>
ein ungeheures Zugeständnis gegeben. Ich kann mir sehr gut vor<lb break="no"/>stellen, daß man jetzt auch auf der jugoslaw. Seite von anderen<lb/>
EFTA-Mitgliedsstaaten wegen der Transitleitung von Jugoslawien<lb/>
erwartet. Jugoslawien ist in einer ähnlichen Situation bezügl. der<lb/>
Durchreise wie Österreich. Die Verhandlungen mit der EG, Österreich<lb/>
haben einen ähnlichen Charakter wie die jugoslawischen mit der EFTA.<lb/>
Auf alle Fälle trat ich sehr positiv für dieses Transportkomitee ein,<lb/>
wenn dort auch vielleicht nur techn. Fragen wie Huckepack-Verkehr<lb/>
usw. diskutiert und hoffentlich positiv abgeschlossen werden können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_07">Die Jugoslawen erwarten, da die Abwertung des Dinar nicht die ge<lb break="no"/>wünschte Zahlungsbilanzerleichterung gebracht hat, daß bilateral<lb/>
ein stand by-Kredit von befreundeten Staaten gegeben wird. Man hofft<lb/>
auf die Schweiz, Österreich, Kuwait, aber seit dem <rs type="person" ref="#per__109804">Carter</rs>-Besuch auch<lb/>
Amerika. Auch diese Frage sollte nach Meinung des Schweizer EFTA-<lb/>
Vertreters bilateral zwischen Jugoslawien und den einzelnen EFTA-<lb/>
Mitgliedstaaten besprochen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_08">Das EG-Abkommen mit Jugoslawien läuft sich gut an, die Jugoslawen<lb/>
sind sehr zufrieden. Früher war es so, daß die EFTA gegenüber der<lb/>
<pb n="55-0856" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band55/55_1980-07-04_0856.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>EG einen gewissen Vorsprung gehabt hat, jetzt ist es umgekehrt.<lb/>
Vizemin. <rs type="person" ref="#per__126393">Ikonitsch</rs> hat deshalb gefragt, was jetzt die EFTA<lb/>
bereit ist, um hier nachzuziehen. Jugoslawien möchte die politische<lb/>
Bindung mit dem Westen immer wieder verstärken, um nicht als Ost<lb break="no"/>blockstaat zu gelten. Für die Politik hab nicht nur ich größtes<lb/>
Verständnis, sondern <rs type="person" ref="#per__115599">Müller</rs> hofft auch, daß die anderen EFTA-Staaten<lb/>
hier mitziehen. Selbst in Skandinavien hat<add>[man]</add> einen good will fest<lb break="no"/>gestellt. Bei den Schweden gibt es kein einziges Problem, wenn<lb/>
die Russen mit irgendeiner Aktion der EFTA nicht einverstanden<lb/>
wären, würden sie wahrscheinlich auf Finnland einen gewissen Druck<lb/>
ausüben. In diesem Fall würde Schweden dann sofort auf die finnische<lb/>
Linie und finnischen Wunsch <choice><choice><sic>einschränken</sic><corr>einschwenken,</corr></choice></choice> um die skandinavische<lb/>
Solidarität nicht zu gefährden. Indirekt hängt also Jugoslawiens<lb/>
EFTA-Beziehung von den Russen ab, wie weit diese sie akzeptieren<lb/>
resp. über Finnland beeinflussen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_09">Über die nächste EFTA-Sitzung, die in Form eines Club-meeting auf<lb/>
Vorschlag des <rs type="person" ref="#per__126249">Burenstam Linder</rs>, damaliger Vorsitzender der EFTA,<lb/>
nächstens im Genf abgehalten wird, einigten wir uns über die<lb/>
Traktandenliste. Jugoslawien, Rumänien, wobei dieser Staat sich<lb/>
jetzt auch mehr für die EFTA interessiert, europ. Gewerkschafts<lb break="no"/>bundvorschläge, der Wiener Gipfel, die EG-Beziehungen daraus, die<lb/>
Konjunkturfrage und Energiesituation, letztere beide Punkte haupt<lb break="no"/>sächlich auf Anregung der Schweden. Die weitergehende Frage der<lb/>
Embargolisten, der Exportgarantien anderer Fragen, die im Rahmen der<lb/>
OECD sowieso verhandelt werden, sollte man dort belassen. Eine lan<lb break="no"/>ge und breite Diskussion ergab sich natürlich, wer von Österreich<lb/>
an dieser Club-meeting-Sitzung teilnehmen soll. <rs type="person" ref="#per__115599">Müller</rs> legt größten<lb/>
Wert darauf, daß ich hinfahre, Staatsekr. <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> hat ihn derartig<lb/>
stark unterstützt, daß <rs type="person" ref="#per__115599">Müller</rs> jetzt sicher den Eindruck hat, nur ich<lb/>
will nicht nach Genf kommen. <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> sagte mir nachher zu Recht, da<lb/>
jetzt so schwierige Probleme zur Diskussion stehen, die sie im De<lb break="no"/>tail nicht kennt und da das Club-meeting das erste Mal stattfindet,<lb/>
sollte ich unbedingt fahren. Müßte sie mich vertreten, wäre sie<lb/>
todunglücklich. Bei einer offiziellen Sitzung, normaler Tages<lb break="no"/>ordnung und altem System würde sie sich bedeutend wohler fühlen.<lb/>
Interessant für mich war auch, daß auch der Vertreter des Außen<lb break="no"/>ministeriums, der dann zum Essen gekommen ist, unbedingt mitfahren<lb/>
will. Ursprünglich ist geplant, nur drei Mitglieder jedes Landes,<lb/>
<pb n="55-0857" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band55/55_1980-07-04_0857.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dies wäre nach meinem Vorschlag <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs>, der Missionsleiter in<lb/>
Genf, gleichzeitig aber auch Außenministeriumsmann <rs type="person" ref="#per__118679">Nettel</rs> und MR<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs>. Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__115599">Müller</rs> wird über eine Vergrößerung der Delegation<lb/>
mit den anderen EFTA-Mitgliedstaaten noch sprechen. Ich selbst<lb/>
erklärte sofort dezidiert, drei würden uns genügen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109808">ALBRECHT</rs>: Überleg dir, ob du nicht doch noch fahren<lb/>
willst.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_11">Das Gespräch mit GD <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs>, VÖEST-Alpine, und GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, ÖMV, sowie<lb/>
mit MR <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__116120">Hille</rs> wegen der Abgrenzung der Kohlenimporte<lb/>
zwischen den beiden Gesellschaften verlief reibungslos. Die ÖMV<lb/>
steigt jetzt total ins Kohlegeschäft ein, wird südafrikanische<lb/>
Kohle reinbringen und wird 20 Jahresverträge mit Kohlenabnehmer<lb break="no"/>gruppen insbesondere der Elektrizitätswirtschaft abschließen.<lb/>
Die ÖMV fühlt sich dazu berufen, weil in Hinkunft kalorische Kraft<lb break="no"/>werke weder mit Erdgas noch mit Öl betrieben werden können. VÖEST-<lb/>
Alpine sieht, zu mindestens hat dies <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> bei dieser Sitzung<lb/>
mir gegenüber deutlich gesagt, darin keine Konkurrenz. VÖEST-<lb/>
Alpine hat bis jetzt 2 1/2 Mio. t importiert, 2 Mio. metallurgische<lb/>
Kohle, aus dem sie Koks erzeugte, und 500.000 t Koks. In Hinkunft<lb/>
sollen 2,3 Mio. metallurgische Kohle importiert werden und nur mehr<lb/>
200.000 t Koks. Darüber hinaus beabsichtigt aber VÖEST-Alpine ev.<lb/>
ein eigenes 200 MW Kraftwerk auf Kohlebasis zu errichten. Die<lb/>
Tochtergesellschaft GKB wird in Hinkunft aus Jugoslawien Kohle impor<lb break="no"/>tieren, die Sowjetunion hat zusätzliche Kohle auch der ÖMV ange<lb break="no"/>boten, allerdings Verschiffungshafen Wladiwostok. Dadurch ergibt<lb/>
sich eine ungeheure Transportbelastung. Ähnlich ist die Situation<lb/>
für VÖEST-Alpine aus der amerikanischen Kohle, die 700 km am<lb/>
amerikanischen Kontinent die Fracht dann auf dem Schiff bis Triest<lb/>
oder dem jugoslawischen Hafen Bakar, ist bis dorthin leichter zu<lb/>
verkraften als dann der Transport nach Österreich. Ich unterstrich<lb/>
neuerdings, daß wir an einer Diversifizierung auf verschiedenste<lb/>
Kontinente Kohlen-, Öl- und Gasbezüge, also überhaupt Energiebezüge,<lb/>
sehr interessiert sind. Die Preise stellen sich jetzt nach Mit<lb break="no"/>teilung <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalters</rs> so dar, daß Oststaatenkohle, Tschechoslowakei,<lb/>
Polen, Sowjetunion, ca. 1000.–– die Tonne kosten, aus Amerika 1.300<lb/>
S, die Ruhr bis jetzt 1.700 und in kürzester Zeit 1.000 S für die<lb/>
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Kohlenrevier sich in Amerika kaufen. Derzeit werden die 700.000 t,<lb/>
die sie produzieren, größtenteils in Amerika selbst verkauft, nur<lb/>
wenn die Oststaaten mit dem Kohlepreis jetzt stark hinaufgehen,<lb/>
wird amerikanische Kohle in größerem Umfang nach Europa von der<lb/>
VÖEST-Alpine gebracht. Ein Streitpunkt wird mit Polen die Frage<lb/>
der Preisklausel sein. Bis jetzt hat die VÖEST-Alpine eine solche<lb/>
abgelehnt, hätte sie die jetzt mit der Elektrizitätswirtschaft<lb/>
abgeschlossene Preisklausel akzeptiert, müßte sie heute für die<lb/>
polnische Kohle um 80 % mehr bezahlen. Durch entsprechende indi<lb break="no"/>viduelle Verhandlungen Jahr für Jahr zahlt jetzt VÖEST-Alpine nur<lb/>
um 30 % mehr. <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> erklärt, er wird aus dem Polen-Kohle-Liefer<lb break="no"/>vertrag gegebenenfalls aussteigen, wenn die Polen auf diese Ver<lb break="no"/>tragsklausel, die sie jetzt bei der Elektrizitätswirtschaft durch<lb break="no"/>gesetzt haben, auch bei ihm bestehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_12">Eine längere Diskussion und wichtige Frage ist, ob SHELL tatsäch<lb break="no"/>lich die Kohlenpipeline von Triest nach Österreich baut. Meiner<lb/>
Meinung nach ist auch diese Pipeline so wie die seinerzeit pro<lb break="no"/>jektierte von Polen nach Österreich nur dann rentabel, wenn minde<lb break="no"/>stens 5 Mio. t durchgesetzt werden. Die Ölgesellschaften werden<lb/>
aber andere Ideen und Lösungen sicherlich noch anbieten, um ihr ent<lb break="no"/>fallenes Öl- und Gasgeschäft durch Kohle zu ersetzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_13">Einen harten Streit gab es dann wegen der Biospritanlage. <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs><lb/>
drängt darauf, denn er möchte eine Referenzanlage in Österreich.<lb/>
GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> lehnt die Übernahme des Biosprits auf das Entschiedenste<lb/>
ab. Er ist nicht bereit darüber zu verhandeln. Seine Zusage er<lb break="no"/>streckt sich nur, daß er zum offiziellen Superbenzinpreis die Bio<lb break="no"/>spritmengen dann übernehmen würde. Diese Differenz kann aber nie<lb/>
durch Kalkulation überwunden werden, wenn nicht doch wahrscheinlich<lb/>
der doppelte Superbenzinpreis bei der Kalkulation herauskommt.<lb/>
Ich versicherte neuerdings GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, daß wir gesetzlich vorsorgen<lb/>
würden, daß kein Superbenzin importiert werden darf, der nicht auch<lb/>
eine Beimischung von Ethanol hat. Unter 6 Augen, <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs>, <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs><lb/>
und mir, habe ich ihm dann beim runtergehen erklärt, er müsse die<lb break="no"/>ses Problem intensiv mit <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> besprechen und zu einer Lösung<lb/>
bringen. Die Landwirtschaft wird, auch dann wenn <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> erklärt,<lb/>
er hätte mit GD <rs type="person" ref="#per__117174">Lunacek</rs> alles abgesprochen, weiterhin auf eine<lb/>
Lösung dieses Alkohol-Sprit-Verfahrens bestehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_14">Mit GD <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> besprach ich dann auch die Importschwierigkeiten<lb/>
Intertrading-Textileinfuhren aus der DDR. Auch der GD von Inter<lb break="no"/>trading versicherte mir, daß nicht die Absicht besteht, Anzüge<lb/>
jetzt auf den österreichischen Markt zu bringen und um S 250.––<lb/>
zu verkaufen. Die 17.000 Hosen seien auch kein laufendes Geschäft.<lb/>
Intertrading hat mit der Textil- und Bekleidungsindustrie eine<lb/>
Abmachung, die sie einhalten wird. Da ich diese Abmachung nicht<lb/>
gekannt habe, werde ich darüber mit der Bekleidungsindustrie, <rs type="person" ref="#per__126387">Liegle</rs>,<lb/>
Gespräche führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__126387">Liegle</rs> und dann Dir. v. Ganahl ver<lb break="no"/>binden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_16"><rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> macht sich wegen der Zukunft der VÖEST große Sorgen.<lb/>
Die Autoindustrie wird im immer stärkeren Maße, allein wegen<lb/>
der Benzinersparnis, von der Blechkarosserie und Blechteilen weg<lb break="no"/>gehen. Die Japaner werden eine mörderische Konkurrenz beginnen.<lb/>
Die VÖEST-Alpine braucht dringendst eine zukunftsträchtige Pro<lb break="no"/>duktion. Früher oder später wird daher die VÖEST auch in Anwen<lb break="no"/>dungselektronik einsteigen. <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> hat mir strengst vertraulich<lb/>
mitgeteilt, daß er diesbezügliche Überlegungen angestellt hat<lb/>
und jetzt Kontakt sucht. Was Österreich aber braucht, ist ein echtes<lb/>
Institut für Elektronik. Ich habe ihm zugesagt, ich werde dies<lb break="no"/>bezüglich mit Frau Minister <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__125291">MARTIN</rs>: Bitte nächste MR-Sitzung erinnern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_18">Überrascht war ich bei der Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> und <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs>,<lb/>
als jener mir mitteilte, ein Sonderbeauftragter von Amerika sei<lb/>
nach der Gipfelkonferenz in Venedig zu ihm gekommen, um ihn über<lb/>
die Energiesituation im Detail zu informieren. Genau dieselbe<lb/>
Aussprache hätte auch mit der Energiesektion stattgefunden. Es ist<lb/>
typisch für diese Sektion, daß ich bis zu diesem Zeitpunkt noch<lb/>
immer keine Information bekommen habe. Es hilft mir gar nichts,<lb/>
wenn nachher ein umfangreicher Bericht kommt, womöglich intermi<lb break="no"/>nisteriell abgestimmt, mit den Österreich-Vertretern bei der Ener<lb break="no"/>gieagentur in Paris auch womöglich schon besprochen, was ich<lb/>
brauche, ist eine unmittelbare Mitteilung, am besten sofort, nachdem<lb/>
der Botschafter dort war, auf telefonischem Wege. Falls ich nicht<lb/>
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Büro mitteilen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte veranlasse, daß dies in Hinkunft<lb/>
so gehandhabt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_20">Das Gespräch bei Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs> wegen des Forderungspro<lb break="no"/>gramms der Bundesländer beschränkte sich ausschließlich auf die<lb/>
Wünsche bezüglich des Leitungsbaus. Die Länder haben den berechti<lb break="no"/>gten Vorwurf erhoben, daß in der Energiesektion jahrelang Devolu<lb break="no"/>tionsanträge liegen bleiben. Die Verbindungsstelle hat eine ganze Li<lb break="no"/>ste von unerledigten Akten zusammengetragen. Für mich eine katastro<lb break="no"/>phale Ausgangssituation für die Verhandlungen. Die Länder erwarteten,<lb/>
daß ich zustimme, daß sie in Hinkunft das Leitungsrecht Landessache<lb/>
wird, gegebenenfalls hätte man dem Bund eine Grundsatzgesetzgebung<lb/>
eingeräumt. Da mir die Vollziehung aber dieser über die Grenzen<lb/>
hinausgehende Gesetzgebung äußerst wichtig erschien, erklärte ich<lb/>
sofort, hier könnte ich beim besten Willen kein Zugeständnis machen.<lb/>
Der stärkste Vertreter für die Länderrechte war in diesem Fall<lb/>
LH-Stellvertreter <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs>. Ich habe sofort gegen ihn argumentiert,<lb/>
er hätte, wie er Verkehrsminister war und die Energie bei ihm<lb/>
ressortiert hat, alle diese Forderungen ja erfüllen können. Seine<lb/>
Ausrede war, diese Forderung hätten die Länder damals noch nicht<lb/>
erhoben. Volles Verständnis aber hatte ich allein unter der drük<lb break="no"/>kenden Last der nicht erledigten Akte, daß die Länder als zweiten<lb/>
Punkt verlangen, daß sie in ihrem Bereich alleinige Kompetenz haben<lb/>
sollten und das Devolutionsrecht aufgehoben werden sollte. Das<lb/>
Bundeskanzleramt hat ein Kompromiß vorgeschlagen, welches aller<lb break="no"/>dings die Länder bis jetzt nicht akzeptieren wollen. Ich bin über<lb break="no"/>zeugt, daß sie aber, wenn sie mit ihren Wünschen bezügl. der Ge<lb break="no"/>setzgebung im Leitungsrecht nicht durchdringen, diesen Kompromiß<lb/>
dann schon zur Kenntnis nehmen. Die größte Opposition gegen diesen<lb/>
Kompromißvorschlag leistete der Landesamtsdirektor <rs type="person" ref="#per__116100">Kathrein</rs> von Ti<lb break="no"/>rol. LH <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> hat sich ja zur Sitzung entschuldigt und mich sogar<lb/>
extra diesbezügl. angerufen. Ich habe ihm zugesagt, daß ich auch<lb/>
im August jederzeit für ihn zur Verfügung stehe, wenn wir über<lb/>
Energiefragen im Zillertal oder sonstwo ein Gespräch führen sollten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> möchte aber insbes. mit GD <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> und mir zusammenkom<lb break="no"/>men.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-07-04_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> und mir einen diesbezügl.<lb/>
Termin mit <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> vereinbaren.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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