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            <title type="main">Mittwoch, der 25. Juni 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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die weitere Vorgangsweise für die Verhandlungen zur eventuellen<lb/>
Deponie für Atommüll. Da mir der sowjetische Botschafter bis<lb/>
jetzt noch immer nicht den Gesprächspartner in der SU mitge<lb break="no"/>teilt hat, wird neuerdings versucht, über die sowj. Botschaft<lb/>
eine Auskunft zu erlangen. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> selbst hat bei seinem letzten<lb/>
Besuch in Moskau durch einen ihm persönlich Bekannten <rs type="person" ref="#per__126286">Titogranov</rs><lb/>
offene Türen vorgefunden. Da er den Sowjets bei der Liquidierung<lb/>
des Anreicherungsvertrags entgegengekommen ist, glaubt er, beste<lb/>
Verhandlungsbedingungen dort wieder zu finden. Mit Tech-Snab-Export<lb/>
hat er den damaligen 14 Mio. Dollar-Pönale-Vertrag auf 5 Mio. $<lb/>
gemeinsam reduzieren können und gleichzeitig bei Aussteigen aus<lb/>
diesem Vertrag trotzdem die Bestbieter-Bedingungen für ein eventuell<lb/>
neues Einsteigen sich reserviert. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> wird daher mit den<lb/>
ihm persönlich bekannten <rs type="person" ref="#per__126287">Filonec</rs>, zweiter Botschaftssekretär, und<lb/>
vor allem einmal dem Vertreter der sowj. Handelskammer in Österr.,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126285">Nikodim</rs>, Gespräche aufnehmen, wenn wir vom sowj. Botschafter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114403">Jefremow</rs> nichts erfahren sollten. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs>, <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> und ich<lb/>
waren der gleichen Meinung, dass auch dann, wenn ich als Re<lb break="no"/>gierungsmitglied keine wie immer gearteten Verhandlungen<lb/>
führen kann, da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ja mit Recht erklärt, die Regierung ist<lb/>
an das Verbotsgesetz gebunden, so muss zur Nutzung aller österr.<lb/>
Chancen <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> resp. die GKT dann trotzdem solche Verhandlungen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-25_03">Ich habe dies auch dann beim Mittagessen des Bundespräsidenten<lb/>
für den polnischen Ministerpräsidenten <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> klar und deutlich<lb/>
mitgeteilt. Er erwiderte nur, beim Pressefoyer gestern habe er das<lb/>
Verhandlungsverbot ja auch auf die Regierung eingeschränkt. Wer<lb/>
privat etwas macht, darauf habe er keinen Einfluss.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-25_04">Prof. <rs type="person" ref="#per__97762">Musil</rs> hat eine Studie über Kraft-Wärme-Kopplung verfasst,<lb/>
die 77/78 fertig wurde und 300.000 S kostete. Da die ausgesendete<lb/>
Studie von den dafür in Frage kommenden Leute weder gelesen,<lb/>
noch, wie man mir sagte, auch leicht zu verstehen ist, sollte<lb/>
eine Kurzfassung kommen, die gegenüber den 250 Seiten nur 60 Seiten<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97762">Musil</rs> mit 70.000 S weiteren Kosten bezifferte. Jetzt steht man<lb/>
auf dem Standpunkt, es soll eine Neufassung erfolgen, die nur<lb/>
20 Seiten haben sollte und auch Erkenntnisse der letzten zwei<lb/>
Jahre beinhalten müsste. Für 20 Seiten 70.000 S erscheint mir<lb/>
reichlich überhöht. Da <rs type="person" ref="#per__97762">Musil</rs> an dieser Studie gar kein be<lb break="no"/>sonderes Interesse hat, weil er derzeit mit anderen Aufträgen<lb/>
überhäuft ist, gleichzeitig sagt, von diesen 70.000 S muss er<lb/>
62 % Steuer zahlen, ihm netto daher zu wenig verbleibt, ver<lb break="no"/>zichtet er am liebsten auf eine solche Ausfertigung seiner Studie.<lb/>
Da ich ja auf alle Fälle dem neuen Sektionschef der Energiesektion<lb/>
nicht vorgreifen will, einigten wir uns auf Verzicht auf diese<lb/>
Studie. Bei dieser Aussprache, wo auch der zuständige Abteilungs<lb break="no"/>leiter <rs type="person" ref="#per__114624">Obermeier</rs> von der Energiesektion anwesend war, kam dann<lb/>
die Beschwerde <rs type="person" ref="#per__97762">Musils</rs> als Vorsitzender des Energiesparbeirates<lb/>
und seine Rücktrittsandrohung zur Sprache. Die Verkehrsstudie<lb/>
von Prof. <rs type="person" ref="#per__114484">Lenz</rs> wurde auf Weisung SCh. <rs type="person" ref="#per__107937">Franks</rs> vom Mitarbeiter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114624">Obermeiers</rs>, <rs type="person" ref="#per__121794">Kellner</rs>, bearbeitet, die Schreibkraft wurde vom Springer-<lb/>
Verlag <rs type="person" ref="#per__126288">Korbel</rs> zur Verfügung gestellt und diese konnte nur sehr ver<lb break="no"/>zögert die Arbeit fortsetzen. Obwohl die Studie im Juli 1978 fertig<lb/>
war, ist sie bis jetzt nicht erschienen. Ähnlich ist es mit der<lb/>
Industriestudie, die der Energiekonsumentenverband, <rs type="person" ref="#per__115720">Hofbauer</rs>, aus<lb break="no"/>arbeitete. Hier hat SCh. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> entschieden, dass <rs type="person" ref="#per__125303">Thalhammer</rs><lb/>
sie überarbeiten soll. <rs type="person" ref="#per__97762">Musil</rs> ist mit Recht verärgert, dass es<lb/>
so lange dauert, bis Studien überhaupt vom Ministerium fertig wer<lb break="no"/>den. Er meint, da alle diese Studien 2,5 Mill. S gekostet haben<lb/>
und so spät, um nicht zu sagen zu spät erst dann von der Energie<lb break="no"/>sektion fertiggestellt werden, wird der Rechnungshof dies ganz<lb/>
entschieden beanständen. Ich erklärte, ich will über ehemalige<lb/>
Mitarbeiter kein Urteil abgeben, habe nur jetzt festgestellt, dass<lb/>
auch hunderte Briefe unerledigt bleiben und hoffe, dass der neue<lb/>
Sektionschef dies dann entsprechend expeditiv erledigen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-25_05">Beim Mittagessen beim Bundespräsidenten hat mir Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs><lb/>
mitgeteilt, dass neuerdings die soz. Fraktion bei ihm war, um<lb/>
gegen die eventuelle Bestellung von Min.Rat <rs type="person" ref="#per__123367">Hladik</rs> entschiedenst<lb/>
zu protestieren. Dieser sei als Sektionschef überhaupt nicht geeignet,<lb/>
u.a. sei er bis jetzt nur immer ins Ausland gefahren und hätte<lb/>
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sich nicht vorstellen, dass ich einen unfähigen Mann in diese<lb/>
Position berufen würde. Ich erklärte <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>, dass von dem<lb/>
fast einem Dutzend Bewerbern die Kommission mir sicherlich den<lb/>
besten vorschlagen wird. Dr. <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> wäre für mich sicherlich der<lb/>
Traumkandidat gewesen, dieser hat aber entschieden abgelehnt<lb/>
und wird sich auch gar nicht um die Stelle bewerben. Der Zweit<lb break="no"/>beste ist wahrscheinlich <rs type="person" ref="#per__123367">Hladik</rs>, doch will ich der Kommission<lb/>
unter gar keinen Umständen vorgreifen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-25_06">Die Staatswappenverleihung an die Österr. Chemischen Werke,<lb/>
Zweigwerk Para-Chemie in Gramatneusiedl, gab mir einen guten Ein<lb break="no"/>stieg, weil der Bürgermeister und der BRO mir erklärten, jetzt<lb/>
bin ich zum drittenmal dort. Davon war sogar ich überrascht.<lb/>
Die Plexiglaserzeugung war in den letzten Jahren durch die hohen<lb/>
Investitionskosten negativ gebarend, doch hat sich dies jetzt<lb/>
wesentlich geändert. Für Gramatneusiedl ist die Fabrik, die in<lb/>
eine ehemalige Textilfabrik einzog, von ungeheurer beschäftigungs<lb break="no"/>politischer Bedeutung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-25_07">Beim Mittagessen für den Ministerpräsidenten <rs type="person" ref="#per__126252">Babiuch</rs> habe ich<lb/>
auf Wunsch Dr. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindls</rs> für die Freigabe eines polnischen Spielers<lb/>
aus Krakau für Austria interveniert. Es ergab sich beim Kaffee<lb/>
diese Chance, die ich weidlich nützte. Ich erklärte insbesondere,<lb/>
dass, wenn auch der Sportverein autonom entscheidet, sich bei einem<lb/>
anderen polnischen Spieler, der von diesem Verband auch nicht frei<lb break="no"/>gegeben wurde, nach Intervention von <rs type="person" ref="#per__114486">Giscard d'Estaing</rs> dies<lb/>
möglich war. <rs type="person" ref="#per__126252">Babiuch</rs> meinte, dort herrschen strenge Regeln, das<lb/>
Alter muss stimmen, mein Argument sofort mit 1. September wird er<lb/>
29 Jahre alt und vorteilhaft ist, wenn es Auslandspolen-Clubs,<lb/>
wie in Frankreich sehr viele bestehen, auch in Österreich gäbe.<lb/>
Dies meint er aber sicherlich nur als Ausrede, weil ich sofort<lb/>
erklärt habe, dann wird ein Auslandspolen-Club von Austria sicher<lb break="no"/>lich geschaffen werden. Er versprach mir aber trotzdem mit dem Fuss<lb break="no"/>ballverband zu sprechen, erwähnte aber nur, dass Turin für den<lb/>
polnischen Spieler <rs type="person" ref="#per__126289">Boniek</rs> einen solchen Betrag bezahlt hat, dass<lb/>
er ihn gar nicht hören wollte. Trotz meiner Anfrage hat er natürlich<lb/>
mir ihn nicht genannt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-25_08">Mit <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> und <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> hatte ich dann über unsere Lieferkoopera<lb break="no"/>tions-Wunschliste eine lange Aussprache, wo wir die ganze Projekte<lb/>
durchgingen. Das Wichtigste war <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> aber, und teilweise<lb/>
wegen der Kohlelieferung auch mir, der Finanzierungsvertrag. Für<lb/>
den bin ich nicht zuständig und dies habe ich <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> immer<lb/>
wieder schon in der Vergangenheit erklärt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte beim<lb/>
Mittagessen mit <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> und mir noch einmal versucht, diesen<lb/>
300 Mill. Finanzierungskredit dahingehend zu motivieren, dass<lb/>
wenn er schon jetzt vorgezogen wird, bevor das Parlament das<lb/>
Haftungsgesetz beschliesst, dann sollte unbedingt für diese<lb/>
Tranche ein österr. Projekt gekauft werden. <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> hat dies<lb/>
indirekt abgelehnt, weil es klar ist, dass die die 300 Mill. $<lb/>
zur Stopfung von ihrer Zahlungsbilanzlücke dringendst braucht.<lb/>
Die Lieferung von Bahnbaumaschinen – Plasser &amp; Theurer – Braun<lb break="no"/>kohletrockenanlagen – Belchatow – Aromakomplex, <choice><choice><sic>Plözk</sic><corr>Płońsk?</corr></choice></choice> Zement<lb break="no"/>umschlag – <choice><choice><sic>Tschetschin</sic><corr>Szczecin?</corr></choice></choice> – Grosskräne für Häfen, alle die letzten<lb/>
Projekte von Vöest-Alpine seien ohne weiteres möglich, dass<lb/>
sie im Laufe der Zeit jetzt positiv abgeschlossen werden können.<lb/>
Eine konkrete Zusage darauf haben <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> weder <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> noch mir<lb/>
gegeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-25_09">Bei der offiziellen Aussprache zwischen <rs type="person" ref="#per__126252">Babiuch</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>,<lb/>
zu der dann auch noch <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> zugezogen wurden,<lb/>
weiss ich nicht, worum es dort alles ging. Als dann die<lb/>
offizielle Kommission eröffnet wurde, hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sofort er<lb break="no"/>sucht, die österr. Minister sollten über die bilateralen<lb/>
Wünsche und Verhandlungen berichten. Ich konnte über die lange<lb/>
Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs>, <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> über sein gutes Verhältnis zum<lb/>
Landwirtschaftsministerium und gleichzeitig auch über den<lb/>
Liefervertrag von 300.000 t Getreide pro Jahr und <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs><lb/>
über den abgeschlossenen Kohletransport zwischen den Bahn<lb break="no"/>verwaltungen CSSR – Polen und Österreich berichten. Im Telefon<lb break="no"/>sektor, wo wir den Selbstwählerverkehr für 98 % der Gespräche<lb/>
bereits haben, Polen aber keinen, ersucht er um eventuelle<lb/>
Einführung auch des Selbstwählerverkehrs. <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> erwiderte,<lb/>
dass er meinen Bericht nur bestätigen kann, in den 70-er-Jahre<lb/>
gab es eine ungeheure Dynamik der Importe von Österreich und<lb/>
jetzt im letzten Jahr und auch in den ersten Monaten dieses<lb/>
Jahres wird mehr nach<lb/>
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ist natürlich noch ein riesiges Handelsbilanzdefizit. Kumulativ<lb/>
hat Polen um 18 Mia. S mehr gekauft, als es nach Österreich<lb/>
exportieren kann. Der Kohlenliefervertrag für 20 Jahre kann nur<lb/>
in Verbindung mit dem Finanzkredit geschehen und er ist sehr<lb/>
befriedigt, dass bei der Besprechung zwischen dem Minister<lb break="no"/>präsidenten <rs type="person" ref="#per__126252">Babiuch</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und ihm jetzt der<lb/>
Kohlevertrag, der Bankvertrag und das Dachübereinkommen zwischen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> und mir unterschrieben werden kann. Plasser &amp; Theurer wird<lb/>
täglich die Unterzeichnung erwartet, Vöest-Alpine wird gute<lb/>
Lieferungen auch in Drittländer machen können, die Kooperation<lb/>
wird fortgesetzt, Steyr-Daimler-Puch hatte ein neues Über<lb break="no"/>einkommen und eine Vergrösserung der Lieferungen vorgesehen und<lb/>
ausser der Getreidelieferung von 300.000 t werden im Land- und<lb/>
Forstwirtschaftsbereich entsprechende Abkommen abgeschlossen.<lb/>
Die polnische Wirtschaft soll 1981 bis 1987 harmonisiert<lb/>
werden, im Transport, in der Energie, in der Landwirtschaft, aber<lb/>
auch in der Verarbeitungsindustrie der Landwirtschaftsprodukte<lb/>
wird es zu einer grösseren Umänderung kommen. Über die Energie<lb/>
selbst hat dann <rs type="person" ref="#per__126290">Bartosiewicz</rs>, der neue Energieminister, referiert.<lb/>
Es soll eine Verstärkung des elektrischen energetischen Systems<lb/>
kommen, Überschüsse werden in Zukunft die Vertragserfüllung<lb/>
garantieren und erleichtern. Die elektrische Energetik kann nur<lb/>
durch Kooperation mit der österr. Industrie erweitert werden.<lb/>
Als wichtiges wird in Belchatow eine Brikettierung der Braunkohle<lb/>
nach einem österr. System erfolgen. Die Wasserkraftwerke an<lb/>
der Weichsel werden ausgebaut. Die Initiative <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, ein<lb/>
neues Kraftwerk als Riesenprojekt in Polen zu errichten und<lb/>
zu finanzieren, wird studiert. Die Polen möchten dies aber<lb/>
als ein polnisches Projekt verstanden wissen, mit polnischem<lb/>
Bau und polnischen Einrichtungen, wodurch nur 40–50 % der<lb/>
Einrichtungen importiert werden müssten. Die Kreditgewährung<lb/>
aber muss dafür gewährleistet werden. In Legnica würden<lb/>
die Braunkohlen erschlossen, diese Grube ist nicht für den<lb/>
Inlandsverbrauch vorgesehen. Auch auf Drittländern könnte man<lb/>
mit der Vöest-Alpine gemeinsam Offerte auf dem Energetik-Sektor<lb/>
erstellen. In Polen sind in seinem Ministerien-Bereich<lb/>
60.000 Menschen beschäftigt.<lb/>
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Bank Handlowy stets Zwischengespräche geführt und dann<lb/>
gemeint, er könne jetzt die polnischen Wünsche, 2/8 zusätzliche<lb/>
Kosten anstelle der von der CA verlangten 3/8, akzeptieren, die<lb/>
Banken werden daher morgen unterschreiben, ich sollte nur mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> reden, damit er sich auch hier einschaltet. Die Banken<lb/>
werden mit einem Briefwechsel, sozusagen einem innerösterreichischen,<lb/>
wie sich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann auch ausdrückte, zufrieden sein. Ich erklärte,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> sicherlich alle Erklärungen abgibt, dass die Kohle,<lb/>
wenn sie geliefert wird, dann sofort an die Banken bezahlt wird,<lb/>
über den inneren Briefwechsel kann ich mir nichts vorstellen und<lb/>
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Statuten berufen. Leider konnte ich <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> weder selbst noch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> ihn erreichen, weshalb er <rs type="person" ref="#per__114730">Sommerbauer</rs> von der Verbund<lb/>
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anders erwartet habe, nachgegeben, nachdem beide ja schon seit<lb/>
langem in Polen entsprechende Zusagen gemacht haben. Ich glaube<lb/>
auch nicht, dass im Parlament darüber eine grosse Debatte über<lb/>
das Haftungsgesetz sein wird, denn an dieser Kohlelieferung sind<lb/>
nicht nur die Verbund, sondern auch die Landesgesellschaften Newag<lb/>
und Steweag sehr interessiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-25_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> informieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-25_12">Da dieses Vierer-Gespräch, welches letzten Endes die Finanzierung<lb/>
den Polen zusagte, über Gebühr lange dauerte und die offizielle<lb/>
Sitzung daher sehr spät begann, haben die Beamten von <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> über<lb/>
Gesandten <rs type="person" ref="#per__124062">Winter</rs>, Aussenministerium, bis <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs>, BKA, alle ge<lb break="no"/>meint, es wird schiefgehen. Bis zum Abbruch der Verhandlungen<lb/>
wurde getippt. Ich habe genau das Gegenteil behauptet, da mir<lb/>
von allem Anfang an klar war, wenn der Ministerpräsident nach<lb/>
Österreich kommt, muss er diesen Vertrag nach Hause bringen. Alle<lb/>
noch so starken Erklärungen beiderseits, <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs>: wir wären sonst<lb/>
gar nicht gekommen, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> darauf in der Ministerratsvorbesprechung<lb/>
"dann hätte er eben zu Hause bleiben sollen", werden in einem<lb/>
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aber niemals offiziell den anderen gesagt. Das ist in meinen<lb/>
Augen das Scheussliche in der Politik, international und national,<lb/>
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bei den offiziellen Begegnungen spricht man dann zurückhaltender,<lb/>
manchmal gar nicht, weshalb der Eindruck entsteht, in der<lb/>
Politik wird mit gespaltener Zunge agiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-25_13">Der Vortrag vom Österr. Gewerbeverein anl. der 140 Jahre Be<lb break="no"/>standsjubiläums zeigte klar und deutlich den Abstieg dieser<lb/>
einmal so mächtigen Organisation. Nur 50 Zuhörer konnte der<lb/>
Verein auftreiben, obwohl er glaubte, mit dem Thema aktuelle<lb/>
Energieprobleme und einem anschliessenden Essen seine Mitglieder<lb/>
motivieren zu können. Interessant für mich war nur schon vorher<lb/>
mit dem Vorstand die Besprechung, wo man übereinstimmend fest<lb break="no"/>stellte, das Kernkraftwerk muss in Betrieb gehen und dann auch<lb/>
in der Diskussion nach meinem Vortrag sich auch niemand dagegen<lb/>
aussprach. Ich selbst habe mich natürlich nur sachlich zu der<lb/>
Atomfrage geäussert, bei diesem Vortrag kam mir allerdings<lb/>
zugute, dass jetzt Präs. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> als Wirtschaftsbundobmann,<lb/>
aber noch viel mehr als Bundeskammer-Präsident dezidiert erklärt<lb/>
hat, wenn die Atomenergie-Sicherheitsfrage geklärt ist,<lb/>
dann die Wirtschaft sozusagen für eine sinnvolle Nutzung der Atom<lb break="no"/>energie eintritt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-25_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Der Slogan muss sein, Handelskammer und<lb/>
Gewerkschaftsbund für Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-25_15">In der Sendung "Schilling" hat der Moderator <rs type="person" ref="#per__115174">Swietly</rs> ein Dutzend<lb/>
Jungunternehmer eingeladen, mit denen diskutiert werden sollte.<lb/>
Natürlich war dies in der Kürze der Zeit gar nicht möglich,<lb/>
da ja durch Auflockerung und viele Filme der Zuschauer ja nicht<lb/>
eine Diskussion erleben sollte. Ich habe deshalb vorher und<lb/>
vor allem einmal nachher dann den jungen Unternehmern zugesagt,<lb/>
wenn sie irgendetwas brauchen, wollen sie sich ruhig<lb/>
an das Handelsministerium wenden. In der Sendung verwies ich ganz<lb/>
besonders darauf, dass das Handelsministerium den Rückgang von<lb/>
Gewerbebetrieben bis zum Jahre 1975 jetzt stoppen konnte und<lb/>
wir seit dieser Zeit ca. 2,5 % mehr Unternehmer feststellen<lb/>
können. Eine Meinungsumfrage von <rs type="person" ref="#per__115174">Swietly</rs> hat nämlich das Gegen<lb break="no"/>teil behauptet. Die Zahlen der Handelskammer zeigen aber eindeutig<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__126291">Kaufmann</rs> und dem Finanzberater von der Ersten Österr. <rs type="person" ref="#per__126292">Schmoll</rs><lb/>
in der Diskussion bestätigt. Eine Jungunternehmerin, die<lb/>
ein Kaffeehaus in Baden eröffnet und 5 Jahre gesucht hat, bis<lb/>
sie das richtige Lokal gefunden hat, dort jetzt biologische Torten<lb/>
verkauft, hat mich schon seinerzeit zur Eröffnung eingeladen.<lb/>
Ich habe ihr zugesagt, dass ich sicherlich einmal kommen werde.<lb/>
Ich habe ihr nicht gesagt, dass wir eigentlich im Handelsministerium<lb/>
eine strenge Trennung haben, Staatssekr. <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> hat ja mir gegen<lb break="no"/>über dezidiert erklärt, ich soll weiter für Österreich wandern,<lb/>
in die Berge gehen, Radfahren und sonst etwas tun, sie wird dagegen<lb/>
immer im Kaffeehaus bleiben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-25_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109808">ALBRECHT</rs>: Bitte kannst Du dieses Lokal einmal<lb/>
besuchen?<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 15.6.1980</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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