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            <title type="main">Freitag, der 20. Juni 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_01">Freitag, 20. Juni 1980<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_02">In der Fragestunde des Parlaments habe ich, trotzdem <rs type="person" ref="#per__112147">Robert<lb/>
Fischer</rs>, unser Klubsekretär, mich ausdrücklich ersuchte, ich sollte<lb/>
langsamer antworten, mein altes Prinzip aufrechterhalten und sehr<lb/>
kurz und bündig und schnell geantwortet. Ich sehe nicht ein, wa<lb break="no"/>rum ich, aus welchen Gründen immer,<add>[von]</add> meinem jetzt Jahrzehnte lang<lb/>
gehandhabten System abgehen soll. Die Abgeordneten jeder Partei<lb/>
sind außerdem sehr glücklich, wenn sie selbst länger antworten<lb/>
können, auf meine sehr kurze erste Anfragebeantwortung dann eben<lb/>
die zweite und dritte Frage stellen. Interessant ist, daß die<lb/>
sozialistischen Abgeordneten, die Zusatzfragen stellen, immer ganz<lb/>
verwundert sind, von mir zu hören, frag mich, was du willst und<lb/>
attackier mich ruhig, die meisten allerdings hätten am liebsten,<lb/>
wenn ich ihnen die Zusatzfrage womöglich aufschreibe, damit sie<lb/>
ja nicht irgend etwas falsch machen. Gepiesackt wurde ich eigent<lb break="no"/>lich nur von der <choice><choice><sic>Oppositionspartie</sic><corr>Oppositionspartei?</corr></choice></choice>, in diesem Fall von der ÖVP, aber<lb/>
auch den Freiheitlichen wegen der jugoslawischen Verhandlungen<lb/>
von Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> über die Vorschläge eines Grenzlandeinkommens.<lb/>
Wie nicht anders zu erwarten, hatte die ÖVP sogar die Karte, welche<lb/>
MR <rs type="person" ref="#per__113619">Pschorn</rs> aufgrund der Angaben der Jugoslawen, in welchem Gebiet<lb/>
dieses Grenzlandabkommen wirken soll, vorgezeigt. So etwas kann<lb/>
politisch natürlich verheerend wirken. Als nach dem ersten Welt<lb break="no"/>krieg, wie der Slogan damals und heute lautete, ungeteiltes Kärnten,<lb/>
wird jetzt durch eine so blöde Karte womöglich optisch wieder ge<lb break="no"/>teilt. Niemand kann der Bevölkerung dann erklären, daß es sich hier<lb/>
um ein Grenzland handelt. Jedermann wird sagen, aha, jetzt be<lb break="no"/>ginnt wieder die Teilungspolitik. Ich habe Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> auf die<lb break="no"/>se Gefahr, als ich das erste Mal davon, leider zu spät, erfuhr,<lb/>
sofort aufmerksam gemacht. Ich habe ihn auch ersucht, er möge<lb/>
bei allen Verhandlungen äußerst vorsichtig vorgehen. Daß der Bun<lb break="no"/>deskanzler selbst diese Idee gehabt hat und den Jugoslawen in<lb/>
Belgrad versprochen hat, man wird eine Lösung suchen, heißt noch<lb/>
lange nicht, daß die betroffenen Länder dann dem zustimmen werden.<lb/>
Ich habe daher im Parlament dezidiert die Erklärung abgegeben, es<lb/>
wird nichts geschehen, wo nicht alle drei betroffenen Länder,<lb/>
Kärnten, Steiermark und Burgenland, dem zustimmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte diesen Passus aus dem stenographischen<lb/>
Protokoll <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> offiziell lesen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_04">Bei der Direktoriumssitzung der Österreichischen Fremdenverkehrs<lb break="no"/>werbung verlief eigentlich alles genauso wie zu der Zeit, bis ich<lb/>
einen geschäftsführenden Obmann vor etlichen Jahren bestellt habe.<lb/>
Es war eine sehr lockere Diskussion, lauter einstimmige Beschlüsse.<lb/>
Der einzig kritische Punkt, nämlich die Statutenänderungswünsche<lb/>
der Handelskammer, wurde, wie ich ja mit unseren Leuten besprochen<lb/>
hatte, selbstverständlich vertagt, bis die Vorschläge resp. Kri<lb break="no"/>tiken des Rechnungshofes vorliegen. Vorher sehe ich gar keinen<lb/>
Grund auf irgendwelche Detailwünsche einzugehen. Die Hauptforde<lb break="no"/>rung der Bundeshandelskammer, nämlich KR. <rs type="person" ref="#per__109291">Scheiner</rs> als ständigen<lb/>
Vertreter ins Direktorium von mir zu wählen, hat bereits die letzte<lb/>
Generalversammlung auf meinen Vorschlag einstimmig beschlossen.<lb/>
Alle anderen Punkte können wir dann diskutieren, bis die Kritik des<lb/>
Rechnungshofes vorliegt. Ich habe zugesagt, daß ich unmittelbar<lb/>
danach über alle offenen Fragen eine Diskussion führen werde. MR<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> habe ich dort vor allen laut und deutlich ersucht, er soll<lb/>
in dieser Frage nichts unternehmen, ohne daß ich nicht dabei bin.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Besprich bitte mit <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> die weitere Vor<lb break="no"/>gangsweise.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_06">Das Arbeitsgespräch mit dem chinesischen (taiwanesischen) Minister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__121808">Chang</rs> verlief erwartungsgemäß positiv. Er hat bei den Besuchen<lb/>
mit den Firmen feststellen können, daß seine ihn begleitenden<lb/>
Generaldirektoren nicht nur guten Kontakt, sondern auch gleich<lb/>
sehr nutzbare Vorverhandlungen für Vertragsabschlüsse geführt ha<lb break="no"/>ben. Die Generaldirektoren der österreichischen Unternehmungen wer<lb break="no"/>den entweder selbst oder abschlußfähige Verhandler nach Taiwan<lb/>
schicken. Ganz besonders positiv wurde zur Kenntnis genommen, daß<lb/>
jetzt eine größere Anzahl von Firmen in Taiwan an einer Produkten<lb break="no"/>ausstellung, einer Art Messe, sich beteiligen werden. Die taiwanesi<lb break="no"/>sche Regierung wird alle local costs tragen, ein ganz großzügiges<lb/>
Angebot. Noch wichtiger aber ist, daß jetzt die Handelskammer in<lb/>
Taiwan von unserer in Japan befindlichen Handelsdelegation einen<lb/>
Mann abstellen wird. <choice><choice><sic>Auch die chinesische</sic><corr>Auf chinesischer</corr></choice></choice> Seite wird zuerst falsch<lb/>
dargestellt, den Handelsdelegierten in Genf für Österreich<add>[zu]</add> beauf<lb break="no"/><pb n="55-0768" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band55/55_1980-06-20_0768.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>tragen, beim Essen, wie sich dann herausgestellt hat, aber einen<lb/>
eigenen Mann in Wien installieren. Ich bin fest davon überzeugt,<lb/>
daß dadurch der chinesisch-österreichische Handel wesentlich zu<lb break="no"/>nehmen wird. Prof. <rs type="person" ref="#per__117925">Winkler</rs>, der mit einem Chinesen gemeinsam das<lb/>
österreichisch-chinesische Kulturinstitut führt und der in Wirklich<lb break="no"/>keit bis jetzt auch die Handelsfragen arrangiert hat, war mit<lb/>
dieser Entwicklung sehr zufrieden. Was uns gelingen muß, ist, daß<lb/>
wir diese ungleichgewichtige Handelsbilanz, fast 6-mal so viele<lb/>
Importe als wir nach Rep. China exportieren, durch eine Exportoffen<lb break="no"/>sive ausgleichen. Diese Möglichkeit wird jetzt den Firmen eröffnet.<lb/>
Auf alle Fälle aber ist der Handel mit der Rep. China entwicklungs<lb break="no"/>fähiger und größer als der mit der großen VR China. Auch bei der<lb/>
Aussprache dann beim Gegenessen habe ich dem Chinesen neuerdings<lb/>
erklärt, daß ich ausschließlich für die Handelsbeziehungen zustän<lb break="no"/>dig bin und alle anderen politischen Beziehungen für mich sekundär<lb/>
sind und nur über das zuständige Außenministerium behandelt werden<lb/>
sollen. Minister <rs type="person" ref="#per__121808">Chang</rs> war natürlich über diese Erklärung sehr<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_07">Da die Chinesen ihre Abfahrt zu einem Zeitpunkt fixierten, wo ich<lb/>
nach größter Wahrscheinlichkeit nicht konnte, habe ich Staatsse<lb break="no"/>kretär <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> ersucht, die Verabschiedung vorzunehmen. Sie<lb/>
springt jetzt bei vielen Ausländerterminen ein und ich bin darüber<lb/>
sehr glücklich, u.a. hat sie auch den sowjetischen Energiemaschinen<lb break="no"/>bauminister <rs type="person" ref="#per__126250">Krotow</rs> begleitet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte in Hinkunft alle Programme über aus<lb break="no"/>ländische Delegationen <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> zur Verfügung zu stellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_09">Der Präsident der AK Niederösterreichs und auch der des Burgenlands<lb/>
ersuchten mich, ich sollte wegen der Stromtariffixierungen in ihren<lb/>
Ländern immer mit den zuständigen Arbeiterkammern ebenfalls<lb/>
Kontakt aufnehmen. In Niederösterreich hat sich eine große Differenz<lb/>
zwischen der Arbeiterkammer NÖ und dem Arbeiterkammertag ergeben.<lb/>
Ich habe sofort vorgeschlagen, es soll mit MR <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> und <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs><lb/>
eine Spezialaussprache des Vertreters der Landesarbeiterkammer mit<lb/>
dem Arbeiterkammertag bei mir stattfinden. Was ich in dieser kri<lb break="no"/><pb n="55-0769" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band55/55_1980-06-20_0769.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>tischen Energiephase gar nicht brauchen kann, ist, daß, aus welchen<lb/>
Gründen immer, es zu differenten Auffassungen zwischen den lokalen<lb/>
Arbeiterkammern und dem Arbeiterkammertag kommt. Mir genügt schon<lb/>
allein die Differenz, die der Arbeiterkammertag jetzt scheinbar<lb/>
mit den einzelnen Gewerkschaften in gewissen Fragen immer wieder<lb/>
hat. Ich halte gar nichts von dem gehandhabten politischen Grund<lb break="no"/>satz, wenn zwei miteinander streiten, hat der lachende Dritte die<lb/>
beste Chance seine Ideen durchzusetzen. Das gegenseitige Ausspie<lb break="no"/>len, welches ich sicherlich auch in all diesen Fällen handhaben<lb/>
könnte, habe ich nie getan und werde ich auch in Hinkunft nicht<lb/>
machen. Mein Prinzip ist und war, daß ich bemüht bin, die Gegen<lb break="no"/>sätze zwischen Interessensvertretungen auszugleichen, um wieviel<lb/>
mehr werde ich und muß ich mich da bemühen, die Gegensätze inner<lb break="no"/>halb der Interessensvertretung der Arbeitnehmer zu schlichten und<lb/>
nicht noch mehr auseinanderzutreiben. Dies gilt auch dann, wenn<lb/>
die eine oder andere Gruppe meiner Idee, die ich ursprünglich<lb/>
hatte, näher kommt. Entweder es gelingt mir alle davon zu über<lb break="no"/>zeugen, oder ich muß sie zurückstellen, vielleicht gar fallen las<lb break="no"/>sen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Wenn das Einvernehmen nicht erzielt werden<lb/>
kann, bitte mich dann sofort wieder einschalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_11">Beim Jour fixe mit AK und ÖGB gab es keine restlose Aufklärung<lb/>
über die Ankündigung im Radio, daß das Handelsministerium auf Vor<lb break="no"/>schlag der Arbeiterkammer die urheberrechtlichen Probleme durch<lb/>
entsprechende Stützungen lösen sollte. Tatsache ist, daß auch hier<lb/>
die Arbeiterkammer durch eine oberstgerichtliche Entscheidung<lb/>
fürchtet, daß jetzt aufgrund des Urheberrechtes beim Kabelfernsehen<lb/>
und noch viel mehr bei den Kassetten- und Schallplattenabgaben<lb/>
die Konsumenten belastet werden. Die Gewerkschaft Kunst und freie<lb/>
Berufe hat im Gegensatz zur Arbeiterkammer sich hinter die Industrie<lb/>
gestellt, weil sie hier eine gewisse zusätzliche Einnahmemöglich<lb break="no"/>keit für ihre Künstler und Mitglieder erwartet. Die Industrie resp.<lb/>
die Importeure verlangen jetzt, daß als Abgabe nicht wie ursprüng<lb break="no"/>lich der Erzeugerpreis und Importpreis herangezogen wird, daß<lb/>
hätte 8 Mio. S ca. ausgemacht, sondern vom Verbraucherpreis auszu<lb break="no"/>gehen ist. Dies bedeutet, daß 20 Mio. S die Konsumenten bezahlen<lb/>
<pb n="55-0770" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band55/55_1980-06-20_0770.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>müssen und dieser Betrag noch dazu größtenteils ins Ausland gehen<lb/>
wird. Die Arbeiterkammer argumentiert daher damit, die Zahlungs<lb break="no"/>bilanz würde hier zusätzlich belastet. Das ganze Problem berührt<lb/>
nur indirekt das Handelsministerium, verhandelt wird diese Materie<lb/>
im Justizausschuß. Zuständig ist <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs>, dieser hat jetzt eine Kom<lb break="no"/>mission eingesetzt, wo noch die Sozialisten, so behauptet zumin<lb break="no"/>destens <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, in der Mehrheit sind. Außerdem stimmen die Handels<lb break="no"/>kammer und die Industrie, welche das Kabelfernsehen einführen möchte<add>[-n (?)]</add>,<lb/>
in diesem Fall immer mit der Arbeiterkammer. Alle drei teilen also<lb/>
den Standpunkt, so wenig wie möglich Abgaben dafür bezahlen zu<lb/>
müssen. Dr. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> erwartet, daß der Vertreter des Handelsministe<lb break="no"/>riums, der auch in diese Kommission entsendet werden soll, auf der<lb/>
Verbraucherlinie liegt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Dieses Problem möchte ich mich <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> besonders besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_13">Wie von der ÖPG vorgesehene Lösung, S 1.000.–– Kaution bei jedem<lb/>
importierten Auto, damit dann die Autowracks abgeräumt werden<lb/>
können und dann die 1.000.–– zurückbezahlt werden können, stößt<lb/>
auf größten Widerstand von seiten der Arbeiterkammer. Ich hatte<lb/>
über diese Idee nur berichtet und weitergegeben, daß angeblich der<lb/>
ÖAMTC und der ARBÖ jetzt mit diesem Vorschlag einverstanden sind.<lb/>
Als vor etlichen Jahren das erste Mal eine solche Idee geboren wur<lb break="no"/>de und ich sie nur in der Presse andeutungsweise lancierte, wurde<lb/>
ich ja sofort als Preisverteurer verschrien. Die Arbeiterkammer<lb/>
meint, eine einheitliche Kaution von 1.000.–– könnte unter gar<lb/>
keinen Umständen akzeptiert werden. Sie möchte eine Staffelung,<lb/>
die Mercedes müssen mehr zahlen, als die Kleinwagen. Außerdem<lb/>
sollen auch die LKW einbezogen werden, obwohl LKW wahrlich nicht<lb/>
so viel in der Gegend rumstehen oder rumliegen, als PKW. Dies<lb/>
gilt auch, wenn ich die perzentuellen Ziffern als Grundlage nehme.<lb/>
Ich habe sowohl AK als ÖGB klar und deutlich gesagt, diesmal werde<lb/>
ich diese Idee nicht propagieren, sondern zuwarten, bis die Auto<lb break="no"/>verbände, oder wer sonst immer davon betroffen ist, sich positiv<lb/>
in der Öffentlichkeit dazu geäußert hat.<lb/>
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allen für diesen ÖPG-Vorschlag schriftlich geben lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_15">Über die ECE-Verbrauchsrichtwerte für Benzin bei Autos entspannte<lb/>
sich ein langer Streit. Dr. <rs type="person" ref="#per__116971">Smolka</rs> hat zum Unterschied vom Verein<lb/>
für Konsumenteninformation derzeit noch eine gegenteilige Meinung.<lb/>
Die Frage, ob man das Anbot der Autofirmen auf Ankündigung der Ver<lb break="no"/>brauchswerte in ihren Propagandaschriften, Prospekten usw. akzep<lb break="no"/>tieren kann, oder eine verordnungsmäßige Regelung anstreben muß,<lb/>
ist noch offen. Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> entschied meiner Meinung<lb/>
nach sehr richtig, sie wird sich bemühen zu einer befriedigenden<lb/>
Lösung auf freiwilliger Basis zu kommen, die dann auch von allen<lb/>
akzeptiert werden kann.<lb/>
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Gespräch die Gegensätze auszugleichen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_17">Der Bericht über die Energiekampagne, die jetzt von der Elektri<lb break="no"/>zitätswirtschaft unter Einbeziehung aller politischen Exponenten,<lb/>
wie z.B. auch den ehemaligen Landeshauptmann <rs type="person" ref="#per__98068">Wenzl</rs> für die OKA,<lb/>
stößt trotzdem auf große Skepsis bei den Arbeitnehmern. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs><lb/>
ist fest davon überzeugt, daß die Kampagne aggressiver geführt wer<lb break="no"/>den muß. Seiner Meinung nach müßte ich ständig erklären, daß die<lb/>
Energieversorgung zusammenbricht. Wahrscheinlich steht er überhaupt<lb/>
auf dem Standpunkt, ich sollte indirekt alles tun, damit ein solcher<lb/>
Zustand auch wirklich eintritt. In beiden Fällen würde ich aber<lb/>
unglaubwürdig. Meine Funktion ist und bleibt, ich muß mich bemühen,<lb/>
die Energieversorgung unter allen Umständen aufrecht zu erhalten,<lb/>
wenn dies einmal nicht mehr gelingt, dann werde ich sowieso härte<lb break="no"/>ste Konsequenten zu tragen haben. Am meisten überrascht hat mich<lb/>
die Behauptung <rs type="person" ref="#per__97646">Koppes</rs>, diese Kampagne ist eine vorausprogrammierte<lb/>
Niederlage. Ich habe ihn sofort ersucht, er soll sich über das<lb/>
Wochenende überlegen, wie die Elektrizitätswirtschaft diese Kampag<lb break="no"/>ne anders gestalten kann und mir dann sofort entsprechende Vorschlä<lb break="no"/>ge machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> mit <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> zusammenbringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_19">Bezüglich der Vieh-, Milchpreise berichtete ich, daß jetzt von mir die<lb/>
Absicht besteht, den Erzeugerpreis um ca 1,–– zu erhöhen. Die Bauern<lb/>
verlangen zwei Schilling, haben aber kein Konzept, wie man diese<lb/>
auch tatsächlich erreichen kann. Die Argumentation, wenn der Staat<lb/>
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würden die Bauern gleich um S 400 Mio. größere Einnahmen aus der<lb/>
Viehwirtschaft erzielen können, ist falsch. Voraussetzung dafür<lb/>
wäre nämlich, daß nicht nur die Preisbänder, welche die Interessens<lb break="no"/>vertretungen einvernehmlich festlegen und dies ist sicherlich nach<lb/>
langwierigen Verhandlungen auch dann um S 1,–– erhöhen könnten,<lb/>
damit ist nämlich nur theoretisch den Bauern geholfen. In der<lb/>
Praxis müßten dann die Fleischhauer bereit sein, auch tatsächlich<lb/>
den 1 S höheren Viehpreis zu übernehmen. Wenn die Anlieferung<lb/>
größer wird, müßte dann wahrscheinlich noch mehr interveniert wer<lb break="no"/>den, um den Markt entsprechend zu entlasten. Alle diese Komponenten<lb/>
müssen nämlich zusammenwirken, um tatsächlich den Bauern eine ge<lb break="no"/>wisse Erhöhung aus dem Viehverkauf zu sichern. Die Arbeiterkammer<lb/>
hat noch immer große Bedenken und wird sich meine Vorschläge über<lb break="no"/>legen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-20_20">Bezüglich der Getreidepreisgestaltung herrscht zwischen Arbeiter<lb break="no"/>kammer und mir und ganz besonders auch mit dem Landwirtschaftsmi<lb break="no"/>nister Übereinstimmung. Aus der amtlichen Preisbildung wird im<lb/>
Vorprüfungsverfahren, so hoffe ich, keine allzu große Preissteigerung<lb/>
sich ergeben. Ich selbst würde also die Preiswünsche der Bauern<lb/>
sehr<add>[zu- (?)]</add> rückhaltend, retardierend behandeln. Landwirtschaftsminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> dagegen wird versuchen, mit Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> eine vernünftige<lb/>
Konzeption bei der Weizen- und Maispreiserhöhung zu vereinbaren.<lb/>
Der Gerstenpreis bleibt für den Bauern unverändert. Jedwede Er<lb break="no"/>höhung, die wir genehmigen, muß dann automatisch der Verwertungs<lb break="no"/>beitrag um den selben Preis erhöht werden. <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> schwebt vor,<lb/>
daß für Futtermittel der Verwertungsbeitrag einheitlich 9 Groschen<lb/>
sein soll. Für Brotgetreide wird es notwendig sein, den Verwertungs<lb break="no"/>beitrag von 9 auf 12 Groschen zu erhöhen. Was immer daher auch die<lb/>
Bauern auf ihren Weizenpreis dazubekommen, 3 Groschen müssen sie<lb/>
für die Verwertung wieder abgezogen bekommen. Mit Dkfm. <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> und<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__115003">Weihs</rs> von der Arbeiterkammer wurde dieses Projekt durchbespro<lb break="no"/>chen und hat auch deren Zustimmung gefunden. Die Schwierigkeit<lb/>
wird nur darin liegen, ob es <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> gelingt, die Präsidentenkonfe<lb break="no"/>renz der Landwirtschaftskammer davon zu überzeugen. Dies ist sicher<lb break="no"/>lich aber nur dann möglich, wenn ich mich nach wie vor entsprechend<lb/>
stur verhalte. Diese Rollenteilung hat sich bis jetzt immer be<lb break="no"/><pb n="55-0773" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band55/55_1980-06-20_0773.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>stens bewährt, geht allerdings auf mein Ansehen bei den Agrariern.<lb/>
Diese betrachten mich als den bösen Mann in der Regierung. Der<lb/>
Bundeskanzler ist immer bereit mit ihnen nicht nur zu verhandeln,<lb/>
sondern auch entsprechende Lösungen, die positiv für sie sind, zu<lb/>
suchen, der Finanzminister ist früher oder später auch bereit<lb/>
entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen, der Landwirtschafts<lb break="no"/>minister setzt sich sowieso für die Bauern, wenn auch unzulänglich,<lb/>
so doch im Prinzip ein, der einzige, der immer dagegen ist, bin<lb/>
ich. Trotzdem werde ich diese Politik fortsetzen, denn nur auf die<lb break="no"/>sem Wege ist ein vernünftiger Ausgleich mit den Bauern möglich.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 20.6.1980</head>
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            <head>Aktenvermerk Ergebnisprotokoll Besprechung BÜRGES-Geschäftsführung, 20.6.1980</head>
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               <persName type="label">Chang, Kwang-shih</persName>
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               <occupation>Handelsminister Taiwan</occupation>
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               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <occupation>Prof. (Jurist), Taiwan-Experte</occupation>
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