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            <title type="main">Samstag, der 14. Juni 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-14_01">Samstag, 14. Juni 1980<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-14_02">Der Wiener Landesparteitag in Oberlaa verlief wie erwartet.<lb/>
Durch die Hitze bedingt, man fühlte sich wie in einer Sauna,<lb/>
war die Unruhe im Saal noch grösser als sonst. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, der<lb/>
Anfang den Vorsitz führte, hat noch einigermassen laschiert.<lb/>
Ein einziges Mal wurde vom Vorsitz aus energisch durchgegriffen<lb/>
und das war, als ein Debattenredner noch einmal zu Wort kommen<lb/>
wollte, obwohl schon das Schlusswort von Seiten des Referenten<lb/>
Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> war. Die Vorsitzende, Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs>,<lb/>
hat hier ganz energisch durchgegriffen. So habe ich sie überhaupt<lb/>
noch nie erlebt. Die Berichte, aber auch der Tätigkeitsbericht<lb/>
des Landesparteiobmannes Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>, manchmal geistig<lb/>
sehr witzig, gut aufgebaut, sicherlich auch interessant und ging<lb/>
aber total unter. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wiederum hielt einen aussenpolitischen<lb/>
Bericht, der für mich keine neuen Erkenntnisse brachte, immerhin<lb/>
höre ich ja diese Überlegungen in der Regierungsvorbesprechung,<lb/>
im Parteivorstand, in der soz. Fraktion und jetzt wieder in der<lb/>
Konferenz. Überraschend für mich ist nur, wie er hier manchmal<lb/>
Anstandsregeln unbeachtet liess, was ihm früher als Aussenminister<lb/>
und wahrscheinlich auch bei Beginn seiner Bundeskanzlertätigkeit<lb/>
niemals passiert wäre. U.a. z.B. erklärte er, dass der neue<lb/>
Ministerpräsident von Israel, <rs type="person" ref="#per__112984">Peres</rs>, dann eher seine Palästina-<lb/>
Politik verfolge als der jetzt für ihn schon nicht existierende<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112985">Begin</rs>. Während er früher von den narrischen Mullahs sprach, ist<lb/>
jetzt nach seiner Iran-Reise alles anders. Beeindruckt hat mich<lb/>
sein Eingeständnis, dass er an Ort und Stelle hat sich jetzt ein<lb/>
neues Bild machen können. Früher hätte er eben vorher nicht so<lb/>
abfällig über die Iraner gesprochen. Ähnlich ist es auch mit<lb/>
Amerika, wo er klar und deutlich zu erkennen gibt, dass dort<lb/>
die Wahl zwischen <rs type="person" ref="#per__109804">Carter</rs> und <rs type="person" ref="#per__126232">Reagan</rs> nicht nur für die Amerikaner,<lb/>
sondern auch für die Europäer sehr schwer ist. Über den Erfolg<lb/>
seiner Politik meint er, da gibt es dumme Leute und ungeduldige<lb/>
Journalisten, die womöglich jetzt schon ein Ergebnis sehen möchten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat heute international ein so grosses Ansehen, dass<lb/>
er sich all diese Schnitzer ohne weiteres scheinbar erlauben<lb/>
kann. Ob es Österreich gut tut, ist eine zweite Sache. Selbst<lb break="no"/>verständlich gab es nach seinem Referat nicht einmal die Spur<lb/>
einer Diskussion. Der Vorsitzende hat zwar gefragt, ob jemand<lb/>
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nicht der Fall ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-14_03">Die Wahl brachte das erwartete Ergebnis, <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> musste mit 15<lb/>
Streichungen einmal mehr feststellen, dass seine Politik heute<lb/>
auf immer grösseren Widerstand stösst. Was ihm allerdings<lb/>
vorgeworfen wird, weniger seine Politik als seine "Nicht-Politik".<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> tut mir in der Beziehung furchtbar leid, alle, die ihn<lb/>
seinerzeit gewählt haben, müssten ja gewusst haben, wie seine<lb/>
Arbeitsweise ist. Ich selbst habe mich niemals einer Illusion<lb/>
hingegeben. Trotzdem bin ich überzeugt, war er damals und auch<lb/>
heute der einzige Bürgermeister, den ich mir vorstellen kann.<lb/>
Was ihm halt leider damals und scheinbar auch heute nicht glückt,<lb/>
ist das Stadtratteam so zu gestalten, dass es wirklich ein<lb/>
Team ist. Auch die Landstrasser Landtagsabgeordneten resp.<lb/>
Gemeinderäte und alle, die von ihm irgendetwas wollen, beschweren<lb/>
sich ständig bei mir über seine Entschlusslosigkeit. Mir tut<lb/>
er eigentlich aufrichtig leid. Streichungen sagen mir an und<lb/>
für sich nicht viel, Dr. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und noch viel mehr der Bezirk<lb/>
ist immer mächtig begeistert, wenn ich die wenigsten Streichungen<lb/>
habe. Wenn man in der Gemeindepolitik wenig exponiert ist, und das<lb/>
bin ich schon auf Grund meiner Bundesfunktion, wenn man dann<lb/>
noch verhältnismässig eine klare Linie hat in all den Fragen,<lb/>
die in meinem Ressort ressortieren und dort auch, glaube ich,<lb/>
einigermassen durchgezogen werden, wie z.B. die Kernkraftwerksfrage,<lb/>
dann kriegt man halt Streichungen von ein paar extremen Gegnern<lb/>
der Kernenergie. Einige sicherlich haben auch wegen der Benzin<lb break="no"/>preise gestrichen. Was soll's? Entscheidend kann nur in selbst<lb/>
einer geheimen Abstimmung sein, wenn Streich-Aktionen gestartet<lb/>
werden. Dies, hoffe ich aber, war bis jetzt nicht der Fall und<lb/>
sollte auch in Hinkunft nicht sein. Wenn man Gegensätze hat,<lb/>
dann soll man diese womöglich nicht in der Öffentlichkeit, dafür<lb/>
aber umso fairer mit dem Betreffenden gleich austragen, hinterrücks<lb/>
aber Streichungen-Aktionen zu starten ist nicht der Weg, den ich<lb/>
als moralisch gut und schon gar nicht als richtig empfinde.<lb/>
Wie weit er diesmal eine Rolle gespielt hat, weiss ich nicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-14_04">Eine Aussprache mit Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> zeigte mir, dass wir<lb/>
bezüglich der Gastronomie in der ÖFVW noch viel zu tun haben.<lb/>
Seinerzeit hat <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> die KÖRÜGO<add>[?]</add> der Gastlichkeit geschaffen.<lb/>
Dort wurde von mir sogar feierlich der Öffentlichkeit übergeben<lb/>
in einem Buch festgehalten, wo es Gaststätten mit entsprechender<lb/>
Klassifikation gibt. Diese Organisation ist pleite gegangen.<lb/>
Der ÖAMTC, der letzten Endes durch Beistellung von Karten, wo<lb/>
diese Gaststätten eingezeichnet waren, <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> sogar klagen<lb/>
möchte, hat nicht zuletzt auch dazu beigetragen, dass dieses<lb/>
Experiment gescheitert ist. Ich selbst habe damals darauf ver<lb break="no"/>wiesen, dass die Mitglieder des Bundes der Gastlichkeit nicht<lb/>
repräsentativ sind und deshalb andere, die für den Fremdenverkehr<lb/>
und insbesondere für die Gastlichkeit von Bedeutung sind, auf<lb break="no"/>genommen werden sollten. Dies ist letzten Endes geschehen, das<lb/>
hat wieder die Mitglieder des Bundes der Gastlichkeit empört,<lb/>
weil sie mussten ja in ihrem Mitgliedsbeitrag für die Herausgabe<lb/>
des Buches sorgen und die anderen haben sozusagen einen Vorteil<lb/>
bekommen, ohne daran finanziell beteiligt zu sein. Dieses Experiment<lb/>
ist also schief gelaufen, die Idee besteht aber nach wie vor und ist<lb/>
meiner Meinung nach dringendst notwendig positiv erledigt zu<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-14_05">Ich habe <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> vorgeschlagen, wir müssen irgendeine Lösung<lb/>
finden, weil gerade die ÖFVW dringendst ein Informationsmaterial<lb/>
bedarf. Interessant ist, dass die Grundlagenerhebung des Stat.<lb/>
Zentralamtes ergeben hat, dass die Gast- und Schankgewerbe-Betriebe,<lb/>
für die <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> als Funktionär verantwortlich ist, ungefähr<lb/>
1 Mill. Sessel in den Restaurants zur Verfügung stellt. Die Be<lb break="no"/>herbergungsbetriebe, die ihm nicht unterstehen, sondern Komm.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__109291">Scheiner</rs>, haben aber 1,6 Mill. Sessel. Eine Zusammenarbeit der<lb/>
beiden resp. eine notwendige Koordinierung ist dringend notwendig.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> schlug deshalb vor, ich sollte <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs>, ÖFVW, Min.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs>, HM, den Auftrag geben, diese beiden sollten mit ihm gemeinsam<lb/>
und Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__109291">Scheiner</rs> als Obmann der Fremdenverkehrssektion dies<lb break="no"/>bezügliche Überlegungen anstellen. Dazu habe ich mich sofort bereiter<lb break="no"/>klärt.<lb/>
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bitte zu einer Sitzung einladen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band55_1980-06-14_07">Ein zweites wichtiges Problem ist, dass die Urlaubs- und Ruhetage<lb/>
der einzelnen Restaurants und der Hotels, soweit sie eben Verpflegung<lb/>
abgeben, dringendst koordiniert werden müssen. <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> hat zwar<lb/>
diesbezügliche Vorarbeiten geleistet, gibt aber unumwunden zu,<lb/>
dass es auch hier noch grosse Unzulänglichkeiten gibt. Ich<lb/>
habe volles Verständnis dafür, dass es sehr schwierig ist, hier<lb/>
eine Koordination vorzunehmen. Der Vergleich, dass es auch bei<lb/>
den Apothekern möglich ist, wenn der eine gesperrt hat, dass<lb/>
auf den anderen hingewiesen wird, ist unzulänglich. Apotheken<lb/>
sind zwangsrajoniert, eine Konkurrenz ist dort nicht zu befürchten,<lb/>
von einem Gastwirt ist kaum anzunehmen, dass er auf seinen Konkurren<lb break="no"/>ten besonders verweisen wird. Meistens ist es so, dass wenn der<lb/>
eine offen hat, sagt der andere, ich muss auch offen haben,<lb/>
damit meine Kunden nicht zu den anderen überlaufen. Trotzdem<lb/>
erscheint es im Interesses des Gastes eine umfassendere Lösung<lb/>
dringendst erforderlich.<lb/>
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