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            <title type="main">Mittwoch, der 30. April 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_01">Mittwoch, 30. April 1980<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_02">In der Lebensmittelgewerkschaft berichten mir die Kollegen von<lb/>
dem Besuch der Frau Staatssekretär bei der Firma Bensdorp in<lb/>
Tulln. Der Direktor hatte sofort <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> so in Beschlag genom<lb break="no"/>men, daß die Betriebsräte gar keine Möglichkeit hatten, mit ihr<lb/>
zu sprechen. Beim Betriebsdurchgang waren sie auch von der Direk<lb break="no"/>tion nicht eingeladen. <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> trifft, in dem Fall geben sie<lb/>
sofort zu, keine Schuld, da sie die Gepflogenheit dieses Betrie<lb break="no"/>bes nicht kennt. Bei offiziellen Besuchen versuchen die Direktoren<lb/>
überall, dies gilt auch für Unilever-Betriebe, wenn es irgendwie<lb/>
geht, die Betriebsräte auszuschalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109808">ALBRECHT</rs>: Bitte in Hinkunft nach den Betriebsräten<lb/>
fragen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_04">GD. <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs>, Chemie Linz, und sein Wiener Direktor <rs type="person" ref="#per__112049">Rimsky</rs> ersuchen<lb/>
mich bei meinem Gespräch in der Sowjetunion ihre besonderen An<lb break="no"/>liegen zu vertreten. Das Jahr 1979 war für Chemie Linz ein posi<lb break="no"/>tives. In Hinkunft wollen sie bei Düngemittel 500.000 t Stickstoff<lb break="no"/>kapazität trotz der weltweiten Konkurrenz weiter erzeugen.<lb/>
250.000 t davon sind in der Single-train, einer ganz modernen<lb/>
Anlage, 250.000 t in alten Anlagen, die sie ersetzen müssen. Als<lb/>
Rohstoff dient Gas oder Ammoniak. Mit der VÖEST-Alpine haben sie<lb/>
verhandelt, um eine neue Anlage mit Gips als Rückstand für 1,5 Mrd.<lb/>
S zu bauen. Mit dieser Anlage wollen sie das know-how und vor<lb/>
allem Referenzen für Anlagen in dritten Ländern demonstrieren.<lb/>
Die Badische, der größte Konkurrent von Chemie Linz, wird jetzt<lb/>
eine neue Single-train-Anlage computergesteuert aufstellen. Trotz<lb/>
der härtesten Konkurrenz ist es Chemie Linz gelungen, in Deutsch<lb break="no"/>land 1,8 Mrd. S. Produkte zu kaufen. davon 1,2 Mrd. Düngemittel.<lb/>
In der Sowjetunion soll nun von mir versucht werden, Gas oder die<lb/>
nächste Stufe Ammoniak zu bekommen. 200.000 t würde Chemie Linz<lb/>
sofort über Triest oder Rijeka als Handelsware beziehen. Davon<lb/>
würde sie natürlich nur einen Bruchteil selbst verwenden, den<lb/>
meisten Teil allerdings weiterverkaufen. Für die eigene Produk<lb break="no"/>tion 500.000 t braucht die Chemie Linz 680.000 Ammoniak, welches<lb/>
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zwar nicht gesagt, aber sicherlich rechnet er damit, wenn er<lb/>
kein Gas mehr in entsprechender Menge bekommt, dann wenigstens<lb/>
Ammoniak aus der Handelsware selbst für die eigene Produktion be<lb break="no"/>ziehen zu können. 200 $ Ammoniakweltmarktpreise verkauft die<lb/>
Sowjetunion aber wesentlich billiger, er behauptet sogar um die<lb/>
Hälfte des Preises an die Amerikaner, um von dort Getreide zu<lb/>
kaufen. Getreide wird aber in Hinkunft von den Amerikanern, so<lb break="no"/>lange die Afghanistan-Krise anhält, nicht im entsprechende Aus<lb break="no"/>maß geliefert. Interprom, die österreichisch-sowjetische Handels<lb break="no"/>gesellschaft in Wien, wird deshalb mehr Ammoniak anbieten. Aus<lb/>
Ammoniak kann dann Acrylnitril, Salpeter oder Harnstoffe, Urea,<lb/>
produziert werden. Aus Urea wieder wird als weiteres Produkt<lb/>
Melamin in Österreich erzeugt. Die Sowjetunion will nun 3 mal<lb/>
20.000 t Melaminfabrik um 2 Mrd. S errichten. Um diese Anlage be<lb break="no"/>werben sich Japan, Deutschland, Badische und Chemie Linz mit VÖEST-<lb/>
Alpine. Auch hier sollten wir entsprechend intervenieren. Ich<lb/>
habe <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs> ersucht, mir in Russisch ein entsprechendes Memoran<lb break="no"/>dum mitzugeben. Außerdem hat <rs type="person" ref="#per__112049">Rimsky</rs> versprochen, mit <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs><lb/>
über die Geschenke und Details noch ein Gespräch zu führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte ruf mich, wenn die Unterlagen kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_06">Die Fa. Dr. <rs type="person" ref="#per__124060">Würzburger</rs> will einen Tunnelofen für ihre Ziegelei<lb/>
bauen. Sie erzeugt jetzt nur mehr, wie sie freudestrahlend mit<lb break="no"/>teilt, nur mehr Ziegel der Wärmeschutzgruppe 4. Der neue Ofen<lb/>
mit einer Investition von S 17 Mio. wäre ein Prototyp, mit diesem<lb/>
Ofen ist es möglich, Abfallprodukte zu verbrennen, das Brenn<lb break="no"/>gut nicht direkt mit dem Ziegel in Berührung zu bringen, sondern<lb/>
über Heißluftkanäle, die VÖEST-Alpine ist angeblich an dem Ofen<lb/>
sehr interessiert, die Firma braucht aber entsprechende finan<lb break="no"/>zielle Unterstützung, weil sie derzeit in einer kritischen Finanz<lb break="no"/>phase ist. Ich habe ihr Bürges-Kredite angeboten, die sie aber<lb/>
bereits ausgeschöpft hat. Die schlechte Braunkohle würde sie von<lb/>
der WTK bekommen, jetzt hat sie nur auf Ölbasis gefeuert und<lb/>
fürchtet, daß natürlich in Hinkunft Öl nicht nur teuer, sondern<lb/>
vielleicht auch gar nicht zu haben ist. Die WTK meinte, obwohl<lb/>
sie jetzt 20 Jahre nichts bezogen hat, sie könnte ihr einen ent<lb break="no"/><pb n="54-0538" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band54/54_1980-04-30_0538.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sprechenden Liefergarantievertrag ab der Mitte der 80-er<lb/>
Jahre geben. MR <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs>, den ich zu dieser Besprechung bat, hat<lb/>
dann Details mit ihr weiterverhandelt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_07"><rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> hat mir bei dieser Gelegenheit ausdrücklich versichert,<lb/>
daß er für die Angriffe, die jetzt von der Personalvertretung,<lb/>
also der ÖAAB-Fraktion, nichts dafür kann und sich deutlich davon<lb/>
distanziert. Das, so versicherte ich ihm, ist mir vollkommen<lb/>
klar, denn diese unqualifizierten Angriffe richten sich ja auch<lb/>
gegen ihn. Ich unterstrich, daß ich auf das Schreiben des Frak<lb break="no"/>tionsobmannes der ÖVP-Personalvertretung einen Antwortbrief<lb/>
diesem geschickt habe, der ausschließlich für ihn bestimmt gewesen<lb/>
ist. Durch die Veröffentlichung aber der Österreichischen Poli<lb break="no"/>tischen Korrespondenz mußte ich diese Antwort auch offiziell<lb/>
über den Pressedienst verwenden. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> neuerdings ver<lb break="no"/>sichert, daß sich zwischen unserer guten Zusammenarbeit dadurch<lb/>
überhaupt nichts ändern wird, worüber <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> sehr erfreut war.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Wie ist die Ofensache weitergegangen?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_09">Der österreichische Botschafter <rs type="person" ref="#per__118323">Leifer</rs> aus Lagos berichtet mir,<lb/>
daß es unbedingt notwendig ist, den Stahlminister <rs type="person" ref="#per__124061">Unongo</rs> aus<lb/>
Nigeria sofort einzuladen. Dieser hat nämlich nur bis Mitte<lb/>
Juni Zeit. Die VÖEST-Alpine wird dies dringendst auch wünschen.<lb/>
Die VÖEST hat ein Stahlwerk mit 1 Mio t Direktreduktion im<lb/>
Küstengebiet, wo die Erdgasmengen zur Verfügung stehen, errich<lb break="no"/>tet. Die Sowjetunion hat seinerzeit einen Vertrag mit Nigeria<lb/>
geschlossen, wonach 5 Mio t Stahlwerkskapazität dort in der<lb/>
Mitte des Landes auch auf Kohlenbasis errichtet werden soll. Die<lb/>
VÖEST-Alpine hat gute Aussichten, nachdem die neue Zivilregierung<lb/>
nicht diesen sowjetischen Vertrag als gut empfindet, weitere<lb/>
Projekte zu bekommen. Ich habe deshalb sofort mit den VÖEST-Leuten<lb/>
gesprochen und von dort erfahren, daß ich einen Brief von <rs type="person" ref="#per__97315">Apfal<lb break="no"/>ter</rs> bekommen werde, der mich dringendst ersucht, den Stahlminister<lb/>
einzuladen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte sofort über <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> alles veranlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_11">Der für Nigeria zuständige MR <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs> hat dann auf die<lb/>
Frage Botschafter <rs type="person" ref="#per__118323">Leifers</rs>, wer und wieso noch immer nicht das<lb/>
Kooperationsabkommen abgeschlossen ist, geantwortet, daß jetzt<lb/>
der Ball bei den Nigerianern liegt. Er hat dem österreichischen<lb/>
Botschafter in Lagos ja einen Vertragsentwurf in Deutsch ge<lb break="no"/>schickt. <rs type="person" ref="#per__118323">Leifer</rs> lehnt mit Recht ab, eine authentische englische<lb/>
Übersetzung machen zu lassen. Dies ist Aufgabe des Außenmini<lb break="no"/>steriums. Gesandter <rs type="person" ref="#per__124062">Winter</rs> vom Außenamt aber hat gemeint,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs> soll es nur der Botschaft übertragen. Eine solche<lb/>
Vorgangsweise erscheint mir unzweckmäßig. <rs type="person" ref="#per__118323">Leifer</rs> wird jetzt eine<lb/>
Arbeitsübersetzung machen lassen und diese dann nach Wien zur<lb/>
Genehmigung schicken, bevor er sie den Nigerianern übergibt.<lb/>
Umständlicher und unzweckmäßiger geht es wirklich nicht. Da es<lb/>
immerhin in Nigeria jetzt 15 joint ventures gibt, da die SGP<lb/>
außer ihrem großen Lastkraftwerkprojekt für Pinzgauer Jagdpanzer<lb/>
und vielleicht sogar für eine 150 mm Kanone kriegen kann, wäre<lb/>
es zweckmäßiger gewesen, nicht mit so formellen und vor allem<lb/>
Kompetenzfragen, wer übersetzt, wie wird übergeben, man wirklich<lb/>
getrachtet hätte, dieses Kooperationsabkommen weiterzutreiben.<lb/>
Die jetzige Zivilregierung, alle Militärs wurden ja aus den Re<lb break="no"/>gierungsämtern entfernt, legt angeblich darauf größten Wert.<lb/>
Wenn das Abkommen fertig ist, sollte ich dann unbedingt nach<lb/>
Lagos zur Unterzeichnung kommen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__118323">Leifer</rs> zugesagt, daß<lb/>
ich gegebenenfalls, wenn dies dann von Firmen auch gewünscht wird<lb/>
und auch den Handelsdelegierten zweckmäßig erscheint, natürlich<lb/>
nach Lagos kommen würde. Als die Steyr-Daimler-Puch zu einem<lb/>
Vertragsabschluß eine Ministerunterschrift dort brauchten, bin<lb/>
ich auch wirklich über Nacht und überraschend nach Lagos geflogen.<lb/>
An mir soll es nicht liegen. Die Stickereieinfuhren sind auch<lb/>
unter der Zivilregierung nach wie vor verboten. Da die Stickerei<lb break="no"/>en aber, aus den umliegenden Ländern nach Österreich jetzt hin<lb break="no"/>exportiert, nach Nigeria geschmuggelt werden, ist der Absatz der<lb/>
Vorarlberger Stickereien nicht gefährdet. Die nigerianischen Kon<lb break="no"/>sumenten müssen dafür dann nur entsprechend höhere Preise be<lb break="no"/>zahlen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Laß Dir über den Fortgang des Kooperations<lb break="no"/>abkommens berichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_13">Bei der offiziellen Verabschiedung von Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> legte<lb/>
dieser größten Wert darauf, nur mit <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs>, <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> und mir<lb/>
dies mehr oder minder zu feiern. Seine Abteilungsleiter hatte er<lb/>
bereits gestern in den Marmorsaal geladen und dort Abschied ge<lb break="no"/>feiert, warum er dazu <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> nicht eingeladen hat, weiß ich<lb/>
nicht. Auf alle Fälle hat er <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> aber versichert, er wird<lb/>
in Hinkunft auch ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen. Über die<lb/>
Nachfolge von ihm meinte er, er hätte ja <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> vorgeschlagen,<lb/>
dieser aber hat abgelehnt. Ich erinnerte <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, daß wir beide<lb/>
auch über den MR <rs type="person" ref="#per__123367">Hladik</rs> gesprochen haben und er mir damals ja<lb/>
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aber jetzt in die Auseinandersetzungen, von denen er natürlich auch<lb/>
gehört hatte, nicht ein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Halte für technische und wissenschaftliche<lb/>
Fragen mit <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> unbedingt Kontakt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_15">Beim sogenannten Energiegipfel ist <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> um eine 3/4 Stunde<lb/>
zu spät gekommen. Ich nützte daher die Gelegenheit, um mit GD<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> und mehr oder minder den anderen Ölfirmen das Problem von<lb/>
Ethanolproduktion zu besprechen. Ich empfahl <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, nachdem<lb/>
jetzt der Raffinerieabgabepreis für Superbenzin wesentlich er<lb break="no"/>höht wurde, er möge doch jetzt mit den Bauernvertretern, GD.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__117174">Lunacek</rs>, wieder über diese Frage Gespräche führen. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> meinte,<lb/>
er hätte mit <rs type="person" ref="#per__117174">Lunacek</rs> eine Vereinbarung und die steht von ihm aus.<lb/>
Diese besagt allerdings nichts anderes, als daß die Ölwirtschaft<lb/>
bereit ist, Ethanol zum Raffinerieabgabepreis zu übernehmen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__117174">Lunacek</rs> war angeblich damit sehr einverstanden. Diese Vereinba<lb break="no"/>rung sagt gar nichts, weil die Differenz zwischen Raffinerieabga<lb break="no"/>bepreis und Erzeugungspreis von Ethanol so gigantisch hoch ist,<lb/>
daß sie niemand überbrücken kann, außer der Finanzminister be<lb break="no"/>zahlt einen Teil der Differenz, wie die Bauern gerne hätten, aus<lb/>
den Ersparnissen für die Getreideexportsubvention. Der weitere<lb/>
Teil sollte dann nach Vorstellung der Bauern auf die Benzinpreise<lb/>
umgelegt werden. Wenn sowohl die Ölwirtschaft als auch die Bauern<lb/>
auf diesem Standpunkt weiter beharren, so wird es sicherlich zu<lb/>
keinem Ethanolprojekt kommen. Angeblich hat auch ein verantwort<lb break="no"/><pb n="54-0541" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band54/54_1980-04-30_0541.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>licher der Entsorgungsbetriebe Simmering, EBS, GD. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> mitge<lb break="no"/>teilt, man soll dieses Ethanolprojekt endgültig fallen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte kläre, was Ing. <rs type="person" ref="#per__114722">Hübl</rs> für Absichten<lb/>
hat und dazu sagt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_17">Die Ölwirtschaft und auch GD. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs>, der bei diesem Energie<lb break="no"/>gipfel anwesend war, haben dem Finanzminister und mir zugesagt,<lb/>
sie werden jetzt ein Institut für Energiewirtschaft, herausgehend<lb/>
aus dem Institut für Erdölwirtschaft, gründen. In dieses Institut<lb/>
werden nicht nur die Ölgesellschaften, sondern sicherlich die<lb/>
Verbund, wahrscheinlich auch der Verband der Elektrizitätswerke<lb/>
Österreichs und die Gaswirtschaft teilnehmen. 1980 soll der Orga<lb break="no"/>nisationsaufbau erfolgen und gleichzeitig die Budgetvorschau für<lb/>
die Zukunft erstellt werden. Heuer werden sie 5–7 Mio. S auf<lb break="no"/>bringen. In Hinkunft brauchen sie aber im Jahr 100 Mio., dieser<lb/>
Betrag kann von der Energiewirtschaft nur aufgebracht werden,<lb/>
wenn entsprechende hohe Preise eine solche Gewinnsituation erbrin<lb break="no"/>gen, daß diese Mittel auch tatsächlich zur Verfügung gestellt<lb/>
werden können. Die Ölwirtschaft hat dem Finanzminister auch ver<lb break="no"/>sichert, daß sie 200 S Unterdeckung aus ihrem Bündelerlös akzep<lb break="no"/>tieren. Aus dieser Aussage allein ist es für mich klar, daß<lb/>
dieser Bündelerlös und vor allem die Berechnung nicht sehr seri<lb break="no"/>ös sein kann. Heuer wollen sie noch zur Energieeinsparung beim<lb/>
Verkehr Informationen, eine Verbrauchsbroschüre, Deklarationen<lb/>
bei den einzelnen Autotypen und vor allem die Benzinmischkampagne<lb/>
an den Tankstellen starten. Die Pickerln sollen vor Pfingsten<lb/>
noch dort zur Verfügung stehen. Auf dem Industriesektor, wo von<lb/>
12 Mio t Öl ca. 2,4 Mio t verbraucht werden, sollen durch Abwärme,<lb/>
bessere Schmiertechnik, umweltschutzmäßig restlose Verbrennung<lb/>
und vor allem durch steuerliche Anreize weitere <choice><choice><sic>Ersparungen</sic><corr>Einsparungen</corr></choice></choice> pro<lb break="no"/>pagiert werden. In der Frage der Abwärme sind die Erfassung, Be<lb break="no"/>ratung und entsprechende Richtlinien notwendig. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> verwies<lb/>
darauf, daß es jetzt der ÖMV geglückt ist, ihre Abwärme aus der<lb/>
Raffinerie dem nahegelegenen Flughafen zur Verfügung zu stellen.<lb/>
Dadurch werden 114 Mio S auf 20 Jahre gerechnet <choice><choice><sic>erspart</sic><corr>eingespart</corr></choice></choice>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Was wissen wir über dieses Projekt?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_19">Natürlich hat <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dann darauf verwiesen, daß seiner Meinung<lb/>
nach und er kann in diesem Fall auch für mich sprechen, die Preis<lb break="no"/>freigabe, die die Ölwirtschaft wünscht, die beste Lösung sei.<lb/>
Jetzt werde immer ich als schuldig hingestellt und dies würde,<lb/>
wenn die Ölwirtschaft ungerechtfertigte Benzinpreise verlangt,<lb/>
dann zu ihren Lasten gehen. GD. <rs type="person" ref="#per__97739">Mieling</rs> hat dann besonders auf<lb/>
die große Differenz zwischen Normalbenzin 8,50 und Superbenzin<lb/>
9,20 verwiesen. Demgegenüber hat allerdings die Energieverwertungs<lb break="no"/>agentur EVA, Dir. <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs>, verlangt, man sollte womöglich noch die<lb/>
Differenz vergrößern, damit mehr Normalbenzin gekauft wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97739">Mieling</rs> und auch die anderen Ölgesellschaftsvertreter sehen aber<lb/>
gerade in dem tiefen Normalbenzinpreis große Gefahr für Ver<lb break="no"/>sorgungsschwierigkeiten in diesem Sommer. Europaweit ist nämlich<lb/>
die Differenz zwischen Super- und Normalbenzin wesentlich ge<lb break="no"/>ringer. Ich bin sehr gespannt, wie die Ölwirtschaft und auch die<lb/>
Elektrizitätswirtschaft diese 100 Mio. S im Jahr aufbringen und<lb/>
sie sie verwerten werden. Auf alle Fälle wurde jetzt neben der<lb/>
EVA ein neuer Verein gegründet. Dieser hat allerdings sicherlich<lb/>
mehr Geld und auch vor allem mehr Fachleute. Früher oder später<lb/>
muß es zwischen diesen beiden Vereinen und damit auch zwischen<lb/>
den Gruppen, die hinter diesen beiden Vereinen stehen, im Extrem<lb break="no"/>fall zwischen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, ganz schöne Differenzen geben.<lb/>
Koordinieren wird diese Vereine kaum wer können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_20">Bei dem Treffen der Alt-SAJ im Rathaus habe ich nicht nur viele<lb/>
alte Genossen getroffen, die meistens alle schon in Pension<lb/>
sind, sondern auch von der Österr. Fremdenverkehrswerbung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__124063">Schanowsky</rs>. Er möchte gerne uns entsprechende Informationen zur<lb/>
Verfügung stellen. Ich habe mich vor allem bei ihm bedankt für<lb/>
die wirklich graphisch beste Leistung des Slogans "Service für<lb/>
die Wirtschaft".<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Laß Dir von <rs type="person" ref="#per__124063">Schanowsky</rs> berichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-30_22">Die Maifeiern im Burgenland waren interessanterweise in den<lb/>
kleineren Dörfern wie Draßburg und Siegendorf wesentlich besser<lb/>
besucht als in Mattersburg. Gute Stimmung herrschte aber über<lb break="no"/>all, dies auch umso mehr, als ich natürlich die für mich schon<lb/>
<pb n="54-0543" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band54/54_1980-04-30_0543.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>faden Schmähs neu aufgewärmt, neu gebracht, für die anderen<lb/>
also wirklich neu, auch bei den Maifeiern gut unterbringen kann.<lb/>
Durch die Sommerzeit wird es natürlich für die Fackelzüge schon<lb/>
sehr spät, in ländlichem Gebiet kommen aber Fackelzüge noch<lb/>
immer sehr gut an.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 30.4.1980</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Lunacek, Heinrich</persName>
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               <occupation>Verband ländlicher Genossenschaften; evtl. ident mit A Lunacek, GD Fa.
                  WÖV</occupation>
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               <persName type="label">Apfalter, Heribert</persName>
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               <occupation>GD VÖEST</occupation>
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               <persName type="label">Mieling, Peter</persName>
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               <occupation>GD Shell</occupation>
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               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
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               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <occupation>Gesandter Außenamt</occupation>
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               <persName type="label">Unongo, Paul</persName>
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               <occupation>nigerian. Min. f. Stahl</occupation>
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               <persName type="label">Hillebrandt, Friedrich</persName>
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               <occupation>GD ÖMV</occupation>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <occupation>öst. Botschafter in Nigeria</occupation>
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               <occupation>Chef Energiesektion</occupation>
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               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <occupation>Ziegelei Würzburger</occupation>
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               <occupation>Ministerialrat, Leiter Grundsatzabteilung</occupation>
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               <occupation>Büro des Bundesministers</occupation>
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