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            <title type="main">Mittwoch, der  9. April 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band54_1980-04-09</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_01">Mittwoch, 9. April 1980<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_02">Bei der Eröffnungsfeier anläßlich der vollzogenen Befüllung des<lb/>
Rohöltanklagers der RAG in Kremsmünster hatte ich auch eine Aus<lb break="no"/>sprache mit den SHELL- und MOBIL-Kalkulanten über die Ölpreisentwick<lb break="no"/>lung. Durch die $-Aufwertung von S 12,50 auf S 14,10 hat der durch<lb break="no"/>schnittliche Tonnenölpreis von $ 233,50 die Rohölkosten cif Triest<lb/>
von S 2.920,–– auf S 3.300 rund erhöht. Der Bündelerlös liegt der<lb break="no"/>zeit bei 2.500, sodaß jetzt tatsächlich durch die $-Aufwertung für<lb/>
SHELL ein täglicher Verlust von S 1 Mio entsteht. Dkfm. <rs type="person" ref="#per__123475">Balogh</rs> ver<lb break="no"/>sicherte mir, daß selbst wenn ihre Vorstellungen auf alle Produkte<lb/>
1 S Preiserhöhung draufkommen würden, sie trotzdem S 200 Mio Ver<lb break="no"/>lust in diesem Jahr hätten. Er ist sich vollkommen klar, daß dieser<lb/>
1 S sicherlich auch nicht von der Preisbehörde genehmigt wird. Be<lb break="no"/>züglich der Mineralölsteuererhöhung rechnen sie mit 30 Groschen,<lb/>
die allerdings noch zu dem 1 S dazukommen würde. Das Problem beginnt<lb/>
sich jetzt noch zu verschärften, weil die S 2.150 Raffinerieabgabe<lb break="no"/>preis für die Tonne Heizöl schwer kaum noch gehalten werden können.<lb/>
Die Ungarn liefern derzeit mit S 1.950,–– Heizöl schwer nach Öster<lb break="no"/>reich. Die Lager sind voll, angeblich kann selbst die ÖMV nur mehr<lb/>
20.000 t Heizöl zusätzlich lagern. Die Elektrizitätswirtschaft hat<lb/>
70 % ihrer Lagerkapazität noch voll. Auch bei der Zuckerindustrie<lb/>
und Papierindustrie und allen anderen großen Abnehmern ist die Lage<lb/>
ähnlich. Noch nie wurde meine Prognose so erfüllt, daß trotz eines<lb/>
verhältnismäßig strengen Winters wir nicht mit leeren Lagern, sondern<lb/>
mit noch niemals so angefüllten Lagern in das Frühjahr gegangen<lb/>
wird. Die Situation für die Ölwirtschaft ist wirklich vertrackt.<lb/>
Ich habe den beiden nur zugesichert, daß jetzt sehr bald eine<lb/>
Lösung des Preisproblemes erleichtert werden muß, trotzdem ist<lb/>
es dringendst notwendig, daß sich die Ölwirtschaft mit den inoffizi<lb break="no"/>ellen Wirtschaftsgutachten auseinandersetzt. <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> hat es über<lb break="no"/>nommen, mit dem Referenten Dr. <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs> darüber zu sprechen, wie er<lb/>
jetzt sich den Zeitplan vorstellt. Das Gutachten der beiden Wirt<lb break="no"/>schaftsforscher muß diesmal in ihrer Anwesenheit diskutiert werden.<lb/>
Die Ölwirtschaft muß sich stellen, um das Argument, selbst die<lb/>
letzte Preiserhöhung wäre gar nicht mehr notwendig gewesen, zu ent<lb break="no"/>kräften. Nur so wird es möglich sein, dann auf der Sozialpartner<lb break="no"/><pb n="54-0422" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band54/54_1980-04-09_0422.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ebene zu einer einigermaßen befriedigenden Lösung der Preiserhöhun<lb break="no"/>gen für Benzin und Ofenheizöl zu kommen. Dkfm. <rs type="person" ref="#per__123475">Balogh</rs> versicherte<lb/>
mir, die Ölwirtschaft hätte mein Konzept, den Superbenzinpreis<lb/>
freizugeben und das Ofenheizöl nur an den Tankstellen mehr preisge<lb break="no"/>regelt abzugeben, akzeptiert. Warum die Handelskammer dann diese<lb/>
Idee abgelehnt hat, kann er nicht feststellen. Die Ölwirtschaft<lb/>
ist sich vollkommen klar, daß bei freier Preisbildung sie zuerst<lb/>
natürlich einen höheren Benzinpreis verlangen würde, den aber sicher<lb break="no"/>lich auf die Dauer gar nicht halten könnte. Die politische Verant<lb break="no"/>wortung und vor allem dann den Streit in der Öffentlichkeit hätte<lb/>
ausschließlich sie zu tragen. Jetzt ist sie sich vollkommen klar,<lb/>
daß diese ganze miese Arbeit mir überlassen bleibt. Bezüglich des<lb/>
Dieselpreises, derzeit im Schnitt S 8,20, also im Osten S 8,10, im<lb/>
Westen S 8,40, bestätigte er meine Annahme, die Versorgung kann<lb/>
nur gesichert sein, wenn<add>[dieser]</add> ähnlich dem Superbenzinpreis sich ent<lb break="no"/>wickelt. Ich habe neuerdings eine schriftliche Erklärung darüber<lb/>
verlangt. Da die Ölwirtschaft keinen absoluten Betrag für längere<lb/>
Zeit vorhersagen und fixieren will, wird mir eine diesbezügliche<lb/>
Erklärung gegeben, daß im Rahmen des Bündelpreises der Dieselpreis<lb/>
ähnlich dem Superbenzinpreis gestaltet werden muß, um die Versorgung<lb/>
mit Diesel sicherzustellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs> soll auf diese schriftliche Er<lb break="no"/>klärung im Rahmen des Preisprüfungsverfahrens unbedingt bestehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_04">GD. <rs type="person" ref="#per__117032">Schachinger</rs> hat bei der Eröffnungsrede darauf verwiesen, daß<lb/>
sich für die RAG, Rohölaufsuchungs-Gesellschaft, die Rahmenbe<lb break="no"/>dingungen jetzt sehr geändert haben. Ohne daß er es aussprach, nahm<lb/>
er natürlich auf die Preisregelung des Erdgaspreises Bezug. Ich<lb/>
habe in meiner Antwort sofort darauf verwiesen, daß ich volles Ver<lb break="no"/>ständnis dafür habe, daß die RAG eben jetzt diese Rahmenbedingungen<lb/>
durch Anrufung des Verwaltungsgerichtshofes wieder ändern will.<lb/>
Ich habe dafür volles Verständnis, unsere Auffassungen waren diffe<lb break="no"/>rent und der Gerichtshof soll eben entscheiden. <rs type="person" ref="#per__117032">Schachinger</rs> hat mir<lb/>
nachher unter 4 Augen versichert, daß der Meinungsbildungsprozeß<lb/>
in dieser Frage innerhalb der RAG und insbes. der Muttergesellschaften<lb/>
SHELL und MOBIL ein furchtbar komplizierter war. Beide Mutterge<lb break="no"/>sellschaften, insbes. die internationalen Mutterhäuser von SHELL<lb/>
<pb n="54-0423" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band54/54_1980-04-09_0423.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und MOBIL, haben befürchtet, daß wenn sie diesen Rechtsweg beschrei<lb break="no"/>ten, die Behörde, sprich aber in diesem Fall der Handelsminister,<lb/>
dann beleidigt sein wird und die Firmen mit anderen Wünschen, die<lb/>
sie ja ständig mehr oder minder haben, traktieren wird. Ursprün<lb break="no"/>glich war sogar beabsichtigt, die Berufung gegen den Preisbescheid<lb/>
beim Verfassungsgerichtshof einzubringen. Der Rechtsanwalt Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112582">Schönherr</rs>, ihr Vertreter, hat aber, wie ich ihm sofort auf den Kopf<lb/>
zugesagt habe, von diesem Weg gewarnt. <rs type="person" ref="#per__112582">Schönherr</rs> weiß genau, daß<lb/>
der Verwaltungsgerichtshof eher ihren Preisantrag in ihrem Sinne<lb/>
behandeln wird. Sollte der Verwaltungsgerichtshof die Gesetzmäßig<lb break="no"/>keit des Preisverfahrens bezweifeln, wird er sowieso das Verfahren<lb/>
aussetzen und den Verfassungsgerichtshof anrufen. Ich habe die<lb/>
Arbeiterkammer und den Gewerkschaftsbund seinerzeit auf diese Ent<lb break="no"/>wicklung aufmerksam gemacht, denn darin sehe ich die größte Gefahr,<lb/>
daß das ganze Preisgesetz aufgehoben wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs>: Wie läuft dieses Verfahren derzeit?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_06">Die Hauptproblematik für die RAG und für den gesamten oberöster<lb break="no"/>reichischen Raum ist aber nach wie vor die abnehmende Gasmengenpro<lb break="no"/>duktion. <rs type="person" ref="#per__123478">Lutzky</rs>-Glas, der dort anwesend war, will eine neue Glas<lb break="no"/>wanne errichten. Dazu muß er sich jetzt entscheiden, ob er Gas<lb break="no"/>feuerung oder Elektroschmelzung machen wird. Die chemische Industrie<lb/>
in Oberösterreich, Lenzing, aber vor allem Stickstoffwerke möchten<lb/>
ebenfalls mehr Gas. Ich bin allerdings fest davon überzeugt, wenn<lb/>
jetzt die Gaspreise durch die Erhöhung des sowjetischen Importprei<lb break="no"/>ses von seinerzeit 20 Groschen, als ich 1970 sozusagen als Minister<lb/>
begonnen habe, auf jetzt 1,90 S und in weiterer Folge weit über S 2<lb/>
steigen wird, wenn auch das Nordsee-Gas, das jetzt schon wesentlich<lb/>
teurer ist, noch weitere Preissteigerungen erwarten läßt, wenn vor<lb/>
allem, wenn der Algeriengas-Vertrag wirklich zustande kommt, die<lb/>
große Menge von 2 Mrd. kommen sollte, dann aber trotzdem sehr<lb/>
teuer sein wird, viele, die jetzt nach Gas rufen, sich dann überle<lb break="no"/>gen und dann wahrscheinlich doch wieder zur Ölfeuerung zurückkehren.<lb/>
Wenn der Heizölschwerpreis selbst in der jetzt kritischen Preissi<lb break="no"/>tuation nicht gehalten werden kann, kann man leicht ermessen, wie<lb/>
es bei einem größeren Anbot dann mit der Preisrelation aussehen wird.<lb/>
Die ÖMV wird wirklich so schnell als möglich von dem fast 40 %-igen<lb/>
<pb n="54-0424" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band54/54_1980-04-09_0424.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Anteil Heizöl schwer in ihrem Bündel auf die in Deutschland üblichen<lb/>
25 % zurückgehen müssen. Wie es bei dieser Situation dem Handels<lb break="no"/>ministerium gelingen soll, daß die Firmen auf Kohle umstellen, ist<lb/>
mir eigentlich offen gesagt ein Rätsel. Hier habe ich überall mit<lb/>
aller Deutlichkeit verwiesen, daß ich eine gewisse Lenkungsmöglich<lb break="no"/>keit, wie im Energiesicherungsgesetz vorgesehen, vom Parlament be<lb break="no"/>kommen müßte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_07">Da ich bis zur nächsten Veranstaltung Zeit hatte, bin ich in die<lb/>
Arbeiterkammer gefahren, um mit Vizepräs. <rs type="person" ref="#per__112114">Freyschlag</rs> das Problem<lb/>
der RAG zu besprechen. Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat der<lb/>
Sozialistischen Partei klar gemacht und insbes. der sozialistischen<lb/>
Landtagsfraktion, wenn ein entsprechend hoher Eigenkapitalanteil<lb/>
der Oberösterreichischen Ferngas verlangt wird, dann diese sich, so<lb/>
wie andere Landesgesellschaften auch, mit der Elektrizitätslandes<lb break="no"/>gesellschaft fusionieren muß. Seinerzeit hat SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> von der<lb/>
RAG S 230 Mio. Eigenkapital verlangt. Bei den letzten Besprechungen<lb/>
haben wir uns im Ministerium auf die exorbitante Erhöhung von<lb/>
S 30 Mio derzeit auf S 120 Mio. bis 1985 geeinigt. Unter diesen<lb/>
Umständen würde die Energiesektion den § 5-Antrag genehmigen.<lb/>
Jetzt hofft <rs type="person" ref="#per__112114">Freyschlag</rs>, daß wir neuerdings auf die S 230 Mio gehen.<lb/>
Angeblich hat LRat <rs type="person" ref="#per__114520">Trauner</rs>, der Wirtschaftsreferent und prominenter<lb/>
ÖVPler, ihm gegenüber erklärt, in diesem Fall müßte die Oberöster<lb break="no"/>reichische Ferngas sich mit der OKA fusionieren. Ob dies wirklich<lb/>
ein wirtschaftlicher und politischer Vorteil in Oberösterreich ist,<lb/>
kann ich nicht beurteilen. Sicher ist nur eines, daß die Arbeiter<lb break="no"/>kammer dieses Problem zu spät mir gegenüber geäußert hat. Ich<lb/>
werde kaum von meiner Zusage, die ja unter Anwesenheit von <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs><lb/>
vereinbart wurde, S 120 Mio sind genug, abrücken können. Vielleicht<lb/>
gibt es eine Möglichkeit, weil die Oberösterreichische Ferngas,<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__116012">Amon</rs> und Vizepräs. <rs type="person" ref="#per__97938">Seidl</rs> als Vorsitzende des Aufsichtsrates,<lb/>
nicht einen echten Kapitaleinschuß vorsehen, sondern nur durch Bi<lb break="no"/>lanzumstellungen diese S 120 Mio. erreichen will. <rs type="person" ref="#per__123479">Preinfalk</rs> wird<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__112114">Freyschlag</rs> nach Wien geschickt werden, da er, trotzdem eine<lb/>
Vollversammlung der Linzer Arbeiterkammer stattgefunden hat, nicht<lb/>
anwesend war.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte diesen echten Eigenkapitaleinschuß<lb/>
prüfen zu lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_09">Die Firma Rosenbauer, ein modernst eingerichteter Betrieb mit einer<lb/>
wirklich führenden Stellung in der Branche, und dies nicht nur in<lb/>
Österreich, erhielt das Dekret zur Führung des Staatswappens. Der<lb/>
LH. von Oberösterreich, <rs type="person" ref="#per__112001">Ratzenböck</rs>, ist deshalb ausdrücklich von<lb/>
Wien wieder nach Linz zurückgefahren, um dann wieder nach Wien zu<lb/>
einem Vortrag fahren. <rs type="person" ref="#per__112001">Ratzenböck</rs> hielt eine geschickt aufgebaute<lb/>
Rede, u.a. behauptete er zwischen zwei Feuerlöschwagen, der eine<lb/>
stammt aus einer Ortschaft, wo er vor fast 500 Jahren seinen Ahnen<lb/>
ermitteln konnte. Der zweite hat in seinem Wappen einen schwarzen<lb/>
Vogel und die Farbe paßt genau. Er fühlt sich daher hier sehr<lb/>
wohl. Ich konterte dahingehend, daß ich feststellte, ich fühlte mich<lb/>
noch wohler, denn wo überall ich hinschaue lauter rote Farbe. Die<lb/>
Feuerwehrautos waren rot und die Arbeiter, die sich in der Halle<lb/>
versammelt hatten, trugen auch lauter rote Overalls. Der Betrieb ist<lb/>
sehr gut gewerkschaftlich organisiert, wie mir der sozialistische<lb/>
Nationalratsabgeordnete und Landessekretär der Metallarbeiter ver<lb break="no"/>sicherte, und auch bei den Betriebsratswahlen eine ungeheuer starke<lb/>
sozialistische Mehrheit. Gefragt wurde ich, ob nicht auch eine<lb/>
Möglichkeit vom Handelsministerium besteht, für die Entwicklung und<lb/>
Forschung einen Zuschuß zu bekommen. Ich habe sie an den Entwick<lb break="no"/>lungs- und Forschungsfonds des Wissenschaftsministeriums verwiesen.<lb/>
Bezüglich ihrer Exportwünsche versicherte ich ihnen, daß jederzeit<lb/>
ich persönlich, mein Büro oder die Außenhandelssektion mit Rat und<lb/>
Tat zur Verfügung stehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_10">In Linz bei der Eröffnungsfeier für die Dependance der italieni<lb break="no"/>sch-österreichischen Handelskammer in der Sparkasse in Linz, er<lb break="no"/>suchte mich vorher der Bgm. <rs type="person" ref="#per__114604">Hillinger</rs>, ich sollte mich für ein ERP-<lb/>
Ansuchen Hotel Dr. <rs type="person" ref="#per__123480">Huemer</rs> in der Schillerstraße einsetzen. Ich ver<lb break="no"/>sprach mir sofort den Akt vorlegen zu lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Wie steht dieser Fall.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_12">Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> von der Landwirtschaftskammer ersuchte mich, ich sollte<lb/>
den Durum-Weizen-Preis mit S 486,–– festsetzen. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> hat angeblich<lb/>
einen Kompromißpreis von S 490,–– in Aussicht gestellt, währendem<lb/>
die Arbeiterkammer nur S 482,–– genehmigen möchte. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs><lb/>
sofort erklärt, daß <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> seinerzeit einen Kompromiß vorgeschlagen<add>[hat,]</add><lb/>
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von der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammer abgelehnt<lb/>
wurde. Jetzt will <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> scheinbar, daß ich doch einen Kompromiß<lb break="no"/>preis zustande bringe. Bezüglich der Höhe habe ich ihm keinerlei<lb/>
Zusagen gemacht, sondern erklärt, dies muß ich erst mit den anderen<lb/>
Sozialpartnern besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Unterlagen anfordern und auf nächstes Jour fixe<lb/>
AK ÖGB setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_14">Der GD von Fiat-Österreich, Dr. <rs type="person" ref="#per__123481">Mario Gempa</rs>, beschwerte sich bei<lb/>
mir, daß außer den 5 Firmen VÖEST und 4 anderen, die Fiat keinerlei<lb/>
Zulieferung für ihre Autoproduktion in Österreich bekommen können.<lb/>
Die Handelskammer hat ihnen nur eine riesige Liste mit Firmennamen<lb/>
übermittelt. Alle bisherigen Kontakte mit diesen Firmen haben aber<lb/>
keinen positiven Erfolg gezeitigt. Ich versprach ihm, daß Dr. <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs><lb/>
sich sofort mit ihm ins Einvernehmen setzen wird und konkrete Be<lb break="no"/>sprechungen führen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Ich möchte mit <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> und seinen Leuten dar<lb break="no"/>über ein Gespräch.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_16">Die Eröffnungsfeierlichkeit der italienischen-österreichischen<lb/>
Handelskammer dauerte<add>[eine]</add> 3/4 Stunde länger als vorgesehen. Ein Italie<lb break="no"/>ner hielt einen ganz interessanten Vortrag über den Hafen Triest.<lb/>
Noch immer rangiert mit ca. 10 Mio t Österreich dort vor dem deut<lb break="no"/>schen Häfen, die ca 2 – 2 1/2 Mio t, ja selbst vor Rijeka, das eine<lb/>
ähnliche Zahl österreichischer Waren verschifft. Trotzdem fürchtet<lb/>
Triest, daß sie ihre bedeutende Stellung für Österreich verlieren<lb/>
könnte. Durch entsprechenden Ausbau der Containerfrachtumschlags<lb break="no"/>möglichkeit und durch die RO-RO-Schiffe (roll on – roll off) ver<lb break="no"/>sucht Triest die jugoslawische Konkurrenz zu bekämpfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_17">Der Pressereferent <rs type="person" ref="#per__123301">Vecsei</rs> der von Oberösterreich jetzt in unser<lb/>
Pressereferat gekommen ist, hat das Pressegespräch in der Linzer<lb/>
Sparkasse ganz gut organisiert. Einen Teil der Presseleute kannte<lb/>
er schon bei der RAG-Eröffnung. Peinlich für mich war nur, daß sie<lb/>
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hatte. Ich hoffe, sie haben mir dies nicht nachgetragen, ich habe<lb/>
mich vielmals entschuldigt. Ich referierte dann über die oberöster<lb break="no"/>reichische Situation, insbes. die Unterstützung, die das Handels<lb break="no"/>ministerium den oberösterreichischen Betrieben gewährt. Eine dies<lb break="no"/>bezügliche Zusammenstellung bis in die letzten Details wurde den<lb/>
Redakteuren gegeben. Die Diskussion war weniger umfangreich und<lb/>
vor allem aber nicht aggressiv. Die österreichischen Journalisten<lb/>
sind in Wirklichkeit gutmütig, solange sie fragen. Wann sie dann<lb/>
schreiben, ist das Bild ein anderes. Oft habe ich aber den Eindruck,<lb/>
dies geschieht dann, wenn sie von oben einen entsprechenden Wink<lb/>
bekommen. Dies gilt zumindestens für die Wiener Zeitungen. Wir<lb/>
sind alle sehr gespannt, wie dieses Pressegespräch in der Presse<lb/>
seinen Niederschlag findet. Der Rundfunk hat für die Landesrund<lb break="no"/>schau ein diesbezügliches Interview mit mir dann gemacht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_18">Mit dem Präsidenten des Österreichischen Reisebüroverbandes, <rs type="person" ref="#per__112934">Raml</rs>,<lb/>
und dessen Sekretär diskutierte ich die Incoming-Gesellschaft. Der<lb/>
Verband hat mir einen Brief geschrieben, an den ich mich nicht er<lb break="no"/>innern konnte, wo er mir die Entscheidung zuspielte. Er erwartet<lb/>
meine Antwort.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Wo ist dieser Brief?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_20">Der Verband hat eine neue Idee, jede Fremdenverkehrsgemeinde soll<lb/>
sich selbst einstufen, ob sie umweltfreundlich ist. Diese Antwort<lb break="no"/>karten werden dann nach einem System geordnet und die Umweltfreund<lb break="no"/>lichkeit der österreichischen Gemeinden festgehalten. Diese soll<lb/>
dann in der Propaganda entsprechend herausgestellt werden. Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> von der Österreichischen Fremdenverkehrswerbung ist mit<lb/>
einer solchen Vorgangsweise einverstanden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Das möchte ich mit <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-04-09_22">Der Vizepräsident der italienischen Handelskammer, <rs type="person" ref="#per__122020">Giuli</rs>, hat mir<lb/>
mitgeteilt, daß sein Staatssekretär, mit dem ich vor nicht<lb/>
allzu langer Zeit verhandelte, jetzt zu 5 Jahren Kerker verurteilt<lb/>
wurde, der vorhergehende Handelsminister auch einen Prozeß erwarten<lb/>
<pb n="54-0428" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band54/54_1980-04-09_0428.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wird und der neue italienische Außenhandelsminister Enrico<lb/>
<rs type="person" ref="#per__123482">Manca</rs> heißt. Er hofft, daß wir bei der nächsten Tavola Rotonda<lb/>
in Italien in diesem Jahr zusammentreffen könnten, da ich ja<lb/>
ständig bei allen Veranstaltungen der italienisch-österreichischen<lb/>
Handelskammer, ob in Österreich oder in Italien, anwesend bin, liegt<lb/>
es also nur an der italienischen Seite, ob ein solches Zusammentref<lb break="no"/>fen zustande kommt. Bis jetzt ist dies ein einziges Mal, eben im<lb/>
Vorjahr in Villach, geglückt. In Italien gelingt es den Italienern<lb/>
viel weniger, einen Minister, der dort noch immer eine bedeutendere<lb/>
Repräsentationsfunktion hat als bei uns in Österreich, für eine<lb/>
solche Veranstaltung zu gewinnen. Mir kann es nur recht sein, ich<lb/>
zeige meinen guten Willen und vor allem die Unterstützung, die ich<lb/>
den Handelskammern angedeihen lasse.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 9.4.1980</head>
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               <persName type="label">Kurzel-Runtscheiner, Oswald</persName>
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