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            <title type="main">Montag, der 17. März 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_01">Montag, 17. März 1980<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_02">Dr. <rs type="person" ref="#per__123332">Orator</rs>, der die <rs type="person" ref="#per__121992">Duswald</rs>-Mühle liquidiert, hatte die ursprüngliche<lb/>
Absicht, den Betrieb als Mühle zu retten. Die Familie zwickt ihn<lb/>
aber jetzt, das verlockende Angebot des Mühlenfonds auf alle Fälle<lb/>
anzunehmen. Ursprünglich hätte der Mühlenfonds für die 6.500 jato<lb/>
1 % der Gesamtvermahlung, Kontingent um 28 Mio S stillgelegt.<lb/>
In der Zwischenzeit hat der Obmann der Mühlenindustrie, <rs type="person" ref="#per__114666">Köllerer</rs>,<lb/>
diesen Betrag auf 46 Mio S erhöht. <rs type="person" ref="#per__123332">Orator</rs> möchte nun 50 Mio dafür.<lb/>
Die Fa. Tagger, eine Konsum-Mühle, hätte 45 Mio S gegeben, das<lb/>
Anbot vom Mühlenfonds ist natürlich wesentlich günstiger, weil<lb/>
dann der Grund, das Gebäude, der Gleisanschluss und der Silo<lb/>
zweckmässiger verwertet werden kann. Überhaupt schwebt <rs type="person" ref="#per__123332">Orator</rs> vor,<lb/>
eine technische Vermahlung für irgendein Chemieprodukt dort aufzu<lb break="no"/>ziehen. Ich erklärte frei weg, dass ich mich in die Abwicklung<lb/>
des Mühlenfonds nicht einmische. Ich bin zwar Aufsichtsbehörde,<lb/>
habe aber ausschliesslich damit die Pflicht zu sehen, ob die<lb/>
Beschlüsse gesetzgemäss zustandekommen und im Gesetz ihre Deckung<lb/>
finden. Obwohl der Stillegungsbetrag horrend ist, sagte ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__123332">Orator</rs>, es wird sicherlich zu keiner Intervention oder gar parla<lb break="no"/>mentarischen Anfrage kommen. Die ÖVP wird durch die Mühlenindustrie<lb/>
und Gewerbeinteresse bedingt nichts sagen, die FPÖ, da ja Dr. <rs type="person" ref="#per__123332">Orator</rs><lb/>
als ihr Rechtsberater gilt, ich lernte ihn bei etlichen Verhand<lb break="no"/>lungen im Parlament als den FPÖ-Experten kennen, auch schweigen<lb/>
und die Sozialisten werden sicherlich nicht dieses Problem zur<lb/>
Sprache bringen. Natürlich wäre es zweckmässiger, wenn sich an<lb break="no"/>stelle dieser einen Grossmühle etliche Kleinbetriebe stillegen lies<lb break="no"/>sen. Der Mühlenfonds hat jetzt die Mittel angespart, da gerade<lb/>
in der letzten sich auch Kleinmühlen nicht stillegen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_03">Interessant waren die Ausführung von <rs type="person" ref="#per__123332">Orator</rs> über die Gläubiger<lb break="no"/>schutzorganisationen, da es deren zwei gibt, den Alpenländischen<lb/>
Kreditorenverband unter <rs type="person" ref="#per__116095">Koren</rs>, der sehr kooperativ arbeitet,<lb/>
konstruktiv entscheidet und doch für seine Gläubiger ein Maximum<lb/>
herausholt, und den Kreditschutzverband 1870, der konsortial<lb/>
scheinbar geführt wird. Bei diesem hängt es ausschliesslich davon<lb/>
ab, wieviele Kleingläubiger oder ob ein grosser oder mehrere<lb/>
grosse in dem Fall involviert sind. Dann kommt es zu wesentlich<lb/>
anderen Entscheidungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Was weiss das Handelsministerium über diese<lb/>
Organisationen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_05">Mit Gesundheitsminister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> besprach ich die Art.-15a-Vereinba<lb break="no"/>rung mit dem Bundesländern über den Schwefelgehalt von Öl. Wir<lb/>
einigten uns darauf, dass – wie mir <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> dann zusagten –<lb/>
die Verordnung mit den Ländern jetzt vereinbart wird und am<lb/>
1. Jänner 1982 in Kraft treten soll. Bis dorthin hat die ÖMV<lb/>
ihre Entschwefelungsanlage fertig.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte die ÖMV auch davon verständigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_07">Im Burgenland, Rechnitz, soll jetzt die Landesregierung die Umwelt<lb break="no"/>schutzbestimmungen erlassen, <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> wird mit Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__111378">Pindur</rs><lb/>
bei seiner Rückkehr darüber reden und mich dann sofort verständigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_08">Für die Umweltverträglichkeitsprüfung für das Kohlekraftwerk in<lb/>
Zwentendorf wird einvernehmlich mit Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> Dr. <rs type="person" ref="#per__123333">Gerich</rs><lb/>
in die Kommission vorgeschlagen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_09">Der Landeshauptmann von NÖ, <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs>, hat ebenfalls die Teilnahme an<lb/>
dieser Kommission bereits zugesagt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_10">Nachmittags beim Interview in der Arbeiter-Zeitung mit Stadtrat <rs type="person" ref="#per__97913">Schie<lb break="no"/>der</rs> über die Vorgangsweise der Errichtung des Kohlekraftwerkes hat<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs> mir zugesichert unverzüglich einen Fachmann in die<lb/>
Kommission zu entsenden. <rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs> hat bei dieser Aussprache über<lb break="no"/>haupt seine Befriedigung geäussert, dass jetzt das Handelsministerium<lb/>
diese Umweltverträglichkeitsprüfung machen lässt, er wird selbstver<lb break="no"/>ständlich mitwirken und ist damit vollkommen einverstanden und<lb/>
zufrieden. <rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs> führt diese Lösung auf das Gutachten seiner<lb/>
Abteilung 22 zurück, welches selbst, wenn es falsch ist, damit<lb/>
den Zweck erfüllt hat. Wenn dies die Arbeiter-Zeitung tatsächlich<lb/>
so druckt, wird sich <rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs> zwar bei den Grünen beliebt machen,<lb/>
in weiterer Folge aber einen ungeheuer schwierigen Stand haben.<lb/>
Ich glaube, dass man das jesuitische Sprichwort: der Zweck heiligt<lb/>
die Mittel, nicht unter allen Umständen anwenden kann. Ich habe<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs> insbesondere darauf aufmerksam gemacht, dass er die<lb/>
Folgewirkung einer solchen Argumentation berücksichtigen sollte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_11">Wenn er entsprechende Umweltschutzbestimmungen bis ins Extrem<lb/>
bei anderen Ländern verlangt, muss er damit rechnen, dass er in<lb/>
Wien genauso von anderen und selbst wenn es nur die Grünen sind,<lb/>
aufgezwungen bekommt. Die Argumentation von ihm, dass es sich<lb/>
eben nur dann um neue Betriebe handelt, die man so hart anfassen<lb/>
muss, die alten aber ohne weiteres dann toleriert werden sollen,<lb/>
wird er nicht durchstehen. Wenn die technischen Voraussetzungen<lb/>
gegeben sind und wenn es wirtschaftlich einigermassen erträglich<lb/>
ist, dann glaube ich, müssen Umweltbestimmungen unter allen Umständen<lb/>
eingehalten werden. Dies gilt dann für neue Betriebe genauso wie<lb/>
für alte. Auf Grund eines, wie die Fachleute sagen, unzulänglichen<lb/>
Gutachtens festzustellen, dass die Sterblichkeitsquote sich um<lb/>
0,6 % in Wien erhöhen wird, ist eine ungeheure Aussage. In diesem<lb/>
Fall, sagte ich <rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs>, würde ich mich als Mörder betrachten,<lb/>
wenn ich in diesem Fall für ein Kraftwerk eintreten würde.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs> stellt in Abrede, dass er so etwas beabsichtigt, vertei<lb break="no"/>digt aber seine Aussage in der Presse damit, dass die Verbundgesell<lb break="no"/>schaft und Newag eben angekündigt haben, dort ein Kohlekraftwerk<lb/>
zu bauen. Dass man in so einem Fall allerdings nicht gleich mit so<lb/>
schweren Geschützen auffährt und solche ungeheure Aussagen macht,<lb/>
sieht <rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs> nicht ein.<lb/>
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gar keinen Umständen die Firma Rodenstock über die Wiener<lb/>
Firma Michtner einen Kassenvertrag bekommen wird. Die Optiker<lb/>
bieten den Kunden immer die teureren Brillen und die teureren<lb/>
Fassungen an, weil sie durch die gleichen perzentuellen Spannen<lb/>
auf den höheren Preis von Rodenstock, sprich Importwaren gedeckt<lb/>
sind. Theoretisch muss der Optiker lt. Kassenvertrag zuerst die<lb/>
Kassenleistung anbieten. In der Praxis geschieht dies aber so,<lb/>
ich habe das selbst etliche Male bei mir feststellen können, dass<lb/>
der Optiker sofort sagt, die Kasse gibt so und soviel Vergütung,<lb/>
aber die und die Brillen und die Fassungen sind ja besser und<lb/>
schöner.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte mit Prof. <rs type="person" ref="#per__120841">Neier</rs> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_14">Im Journalistenfrühstück berichtete Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> über die neue<lb/>
Aktion "Service für die Wirtschaft". Ich glaube, Staatssekretär<lb/>
<rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> ist ein wenig erschüttert, dass selbst über die grössten<lb/>
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beim Pressefrühstück nicht diskutiert wird. Die Journalisten kommen<lb/>
bei uns hauptsächlich zum Informationsempfang.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_15">Noch weniger interessierte sie die Innovationstätigkeit, Unter<lb break="no"/>stützung und Innovationspreis, der neuerdings ausgeschrieben wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_16">Dieser Vortrag von Min.Rat <rs type="person" ref="#per__114402">Fellner</rs> über seine Arbeitsgruppe Inno<lb break="no"/>vation und Technologietransfer war auch wirklich leidenschaftslos<lb/>
referiert. Dabei wurde er noch durch das Austeilen der Unterlagen<lb/>
für den nächsten Tagesordnungspunkt sehr gestört.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109808">ALBRECHT</rs>: Bitte versuche, dass die Materialien<lb/>
bereits bei Beginn der Pressekonferenz auf dem Sessel liegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_18">Lebhaft und vor allem, um <choice><choice><sic>die</sic><corr>zu?</corr></choice></choice> dokumentieren, dass die Handelskammer<lb/>
im meinem Pressefrühstück immer wieder nicht nur zugezogen wird<lb/>
sondern auch referieren kann, war Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__112013">Zach</rs> für die Lehrlings<lb break="no"/>ausbildung der Kleinhändler zum Referat vorgesehen. Dabei kam natür<lb break="no"/>lich auch gleich die Problematik der Nahversorgung zur Diskussion.<lb/>
Eine Aufstellung, die er mitgebracht hatte, zeigte, dass Klein<lb break="no"/>händler über 100 Gesetze und Verordnungen kennen müssten. Vorerst soll<lb/>
sie auch der Lehrling bereits gelernt haben. Die Verbürokratisierung<lb/>
und Verrechtlichung nimmt derartige Formen an, dass es wirklich<lb/>
ein Wunder ist, wenn jemand nicht ununterbrochen mit irgendwelchen<lb/>
Gesetzen und Verordnungen in Konflikt kommt. Hier glaube ich, muss<lb/>
es zu einer wesentlichen Änderung in absehbarer Zeit kommen. Dieser<lb/>
Trend und diese Tendenz, wenn sie weiter anhält, wird man wirklich<lb/>
bald niemanden mehr finden, der nicht bestraft wird, weil er gegen<lb/>
irgendetwas verstösst oder der eben dann von der Bürokratie und<lb/>
Gesetzeswulst erdrückt, aufgibt. Selbstverständlich kam bei dieser<lb/>
Gelegenheit gleich wieder das Problem des Ladenschlusses zur<lb/>
Sprache. Hier engagierten sich einige Zeitungen und daher gab<lb/>
es auch einige Fragen. Erfrischend ist, dass ein neuer Redakteur<lb/>
von der Neuen Vorarlberger Zeitung als einziger jetzt stets Fragen<lb/>
stellt und dadurch eine Diskussion entsteht. Da mit heutigem Tag<lb/>
auch die Lebenshaltungskostenberechnung für Feber mit 5,4 % Stei<lb break="no"/>gerung gegenüber dem Vorjahr und 0,9 % gegenüber Jänner des Vormonats<lb/>
also herauskam, habe ich diese Zahlen ein wenig analysiert und<lb/>
besonders darauf verwiesen, dass 0,47 % die Benzin- und Heizölpreis<lb break="no"/><pb n="54-0340" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band54/54_1980-03-17_0340.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>erhöhung ausmacht. Mehr denn je, erklärte ich, muss daher wirklich<lb/>
gewissenhaftest geprüft, wann und welche Preiserhöhung bei Öl<lb break="no"/>produkten noch kommen soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_19">GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, der ausschliesslich wegen der nächsten Ölpreiserhöhung<lb/>
bei mir vorsprach, hat zwar einleitend darauf verwiesen, dass in<lb/>
Libyen jetzt ein gemeinsames Explorationsprogramm durchgeführt<lb/>
wird. Dies sollte bereits im Feber abgeschlossen werden und es<lb/>
tut ihm so leid, dass er mich nicht vorher vor meiner Libyen-<lb/>
Reise informiert hat. In Algerien, wo sie jetzt 3 $ pro Barrel mehr<lb/>
bezahlen müssen, wenn sie keine Aktivitäten entfalten, überlegen<lb/>
sie, ob sie nicht doch Aufschlussarbeiten machen sollten. Diese<lb/>
3 $ kosten sie 150 Mio S. Der Vertrag ist für die ÖMV nur so un<lb break="no"/>günstig, weil wenn sie auf Gas stosse, gilt das als trockene<lb/>
Bohrung, d.h. wird nicht angerechnet und auch wenn sie auf Öl<lb/>
stossen, haben sie keine automatische Partizipation, sondern<lb/>
können dann erst darüber verhandelt, wieviel sie davon bekommen.<lb/>
Bis jetzt war ihnen auch nicht erlaubt, sich mit einem anderen<lb/>
Partner zusammenzuschliessen. Dies wurde jetzt genehmigt. Mit den<lb/>
Saudis wurde jetzt verhandelt, es wurde ein Dreijahresvertrag<lb/>
über 35.000 bpd, Barrel per day, abgeschlossen. Der Preis geht<lb/>
von 26 $ für heavy über Arabian light und medium bis 27.50 $<lb/>
für <choice><choice><sic>berry</sic><corr>Barrel?</corr></choice></choice> oil. Es gibt in Saudi<add>[-Arabien]</add> keine Preisklausel, man verweist<lb/>
nur immer, dass man <choice><choice><sic>die OPEC-Preis</sic><corr>den OPEC-Preis? die OPEC-Preise?</corr></choice></choice> verrechnen wird. Die ÖMV<lb/>
wird keinerlei Informationen hinausgeben, solange nicht ESSO<lb/>
und Mobil ihre Verträge bekanntgeben. Ein Management by press<add>[?]</add><lb/>
lehnt er ganz entschieden ab. Die Multis sind noch immer bei<lb/>
Aramco, die als Operator auftreten, verankert und bekommen 75 %<lb/>
des gefundenen Öls. Die Petromin, Shareholder von Anram<add>[?]</add>, hat<lb/>
nur 25 %. Mit dem Saudi-Öl braucht jetzt die ÖMV nicht auf Spot<lb break="no"/>märkten einkaufen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_20">Die SU verlangt jetzt anstelle von 2 mal im Jahr eine Gas<lb break="no"/>preiserhöhung 4 mal jährlich. Bezüglich Algeriengasbezug ist<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> nach wie vor skeptisch, er sagt, dass Gas in immer stärkerem<lb/>
Masse angeboten wird, keine Knappheit zu erwarten ist und dass<lb/>
man auch die überhöhten Gaspreise auf die Dauer nicht wird<lb/>
lukrieren können. Kritisch beurteilt er auch, dass algerisches<lb/>
Gas über eine Pipeline kommt, dadurch ist man von dem einen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_21">Die wichtigste Forderung von ihm war, dass wir jetzt sofort den<lb/>
Zeitpunkt und das Ausmass der Benzin- und Ölpreiserhöhung festlegen.<lb/>
Er meint, der Finanzminister wird 30 Groschen für die Mineralöl<lb break="no"/>steuer verlangen, jetzt müsse man festlegen, wieviel dann die<lb/>
Ölfirmen noch dazu bekommen und das Ganze sollte zu einem fixen<lb/>
Termin jetzt vereinbart werden. Abgesehen davon, dass ich ihm<lb/>
sofort erklärte, ich bin nicht bereit, mich wieder mit der Öl<lb break="no"/>wirtschaft und dann mit allen anderen herumzuschlagen, sondern<lb/>
dass dies ruhig alles im Preisverfahren abgewickelt werden soll,<lb/>
glaube ich, dass eine solche Vereinbarung gar nicht dicht hält.<lb/>
Wenn daher der Tag festgelegt und die Erhöhung durchgeführt wird,<lb/>
dann<add>[wird]</add> bis zu diesem Zeitpunkt ein richtiger Run und Spekulations<lb break="no"/>käufe erfolgen. Ich bin mir schon klar, dass letzten Endes wieder<lb/>
diese Arbeit ich machen werde müssen, zu versuchen, zu einem Kom<lb break="no"/>promiss mit allen zu kommen. Der jetzigen Zeitpunkt ist aber<lb/>
wesentlich verfrüht. GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> behauptete, die Unterlagen, die die<lb/>
ÖMV und die Ölfirmen eingereicht haben, seien nicht verteilt worden,<lb/>
habe ich sofort den zuständigen Referenten angerufen. Tatsächlich<lb/>
sind die Unterlagen erst im Feber verteilt worden. Diese Vorgangsweise<lb/>
ist mir neu und unerklärlich. Die Aufgabe der Bürokratie müsste es<lb/>
doch sein, die Anordnungen und die Gepflogenheit, die bis jetzt<lb/>
herrschte, auch fortzusetzen. Bis jetzt war es üblich, dass bei jedem<lb/>
Antrag die Interessensvertretungen sofort eine Abschrift bekommen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_22">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs> UND <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte den dafür Verantwortlichen<lb/>
zu sagen, wenn das noch einmal vorkommt, gibt es einen Riesenkrach.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_23">Die grosse Kassen-, aber auch EDV-Firma NCR wird die Generalversamm<lb break="no"/>lung in Wien machen und gleichzeitig auch ein Managerseminar in<lb/>
den Bergen. Zu diesem Zweck hat <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> die Verantwortlichen ins<lb/>
Hotel Bristol geladen. Ich selbst habe dort ganz kurz meine<lb/>
Genugtuung über diese Zusage den Firmen mitgeteilt und den inter<lb break="no"/>nationalen Managern versprochen, dass ich den Kongress eröffnen<lb/>
werde und gegebenenfalls am dem Seminar kurz teilnehme. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs><lb/>
will nämlich, und dies halte ich für ganz richtig, grosse inter<lb break="no"/>nationale Konzerne nach Österreich locken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_24">Der Hotelier <rs type="person" ref="#per__123335">Ennemoser</rs> aus Innsbruck hat sich auf meine<lb/>
Äusserung bei der Hoteliertagung in Zürs berufen, wo ich<lb/>
erklärte, wenn ein Unternehmer das Gefühl hat, er wird schlecht<lb/>
behandelt, soll er sich an mich wenden. In seinem Fall<lb/>
handelt es sich aber, dass er ganz normal behandelt wurde,<lb/>
nur für ERP, die er angesprochen hat, keine Mittel derzeit<lb/>
frei sind und deshalb warten muss. Sekt.Rat <rs type="person" ref="#per__113626">Ortmann</rs> hat ihm aber<lb/>
vor mir selbst noch eine befriedigende Zwischenlösung angeboten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_25">Die Vertreter der Fa. Thompson sind mit Herrn <rs type="person" ref="#per__123336">Saar-Demichel</rs><lb/>
zu einer Aussprache über die Kompensation für die Mirage-Lieferung<lb/>
gekommen. Ich habe in Anwesenheit von Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> und dem<lb/>
Bearbeiter <rs type="person" ref="#per__113022">Fabrizii</rs> klar und deutlich erklärt, dass sie in der<lb/>
Kompensationsfrage mit uns eine ziemlich konkrete Vereinbarung<lb/>
und Vertrag machen müssen. Bezüglich der zuerst von <rs type="person" ref="#per__113022">Fabrizii</rs><lb/>
mir mitgeteilten Gefahr, dass Staatssekr. <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs> alles ver<lb break="no"/>handelt, konnte ich mit <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs> sofort klären, dass dies<lb/>
ein Missverständnis sei. Der Bundeskanzler hat gegenüber dem<lb/>
Finanzministerium, Verteidigungsministerium und natürlich<lb/>
auch mir festgestellt, dass die Koordinierung auf Grund des<lb/>
Ministeriengesetzes bei ihm liegt. Im Finanzministerium wird<lb/>
aber die finanzielle Seite, im Verteidigungsministerium der Bezug<lb/>
der Mirage und das Service und im Handelsministerium selbstver<lb break="no"/>ständlich die Kompensation verhandelt. Die Koordination wird nur<lb/>
dann er selbst resp. der von ihm beauftragte Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__110169">Nuss<lb break="no"/>baumer</rs> durchführen. Über die Spannungen, die daraus zwischen<lb/>
Finanzen und BKA entstehen, kann ich mir ungefähr vorstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_26">Die Franzosen kamen dann insbesondere auch auf die grosse Telefonie-<lb/>
Anlage in Ägypten zu sprechen, hier waren sie sehr erfreut von mir<lb/>
zu hören, dass in der Gemischten Kommission ein sehr positives<lb/>
Urteil über dieses Siemens-Thompson-Projekt abgegeben wurde.<lb/>
Offen ist tatsächlich nur mehr die Finanzierung, hier hat aber<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ja schon entschieden, dass der Finanzminister über zusätzliche<lb/>
Entwicklungshilfe-Mittel ihm die Zuschüsse zu diesem Projekt geben<lb/>
muss.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_27">Der dänische Botschafter hat jetzt das Symposium im Mai über<lb/>
Kraft-Wärme-Kopplung mit <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> und mir<lb/>
erörtert. Zu diesem Zweck wird sogar der dänische Energie<lb break="no"/>minister <rs type="person" ref="#per__123337">Nielson</rs> nach Wien kommen. Als Dank und Anerkennung<lb/>
habe ich den Botschafter ersucht, er soll klären, ob er<lb/>
ein offeriertes Essen von mir akzeptieren würde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_28">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte nach Klärung Termin festlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_29">Die Betriebsräte der GKT sprachen vor, da sie sich wegen der<lb/>
135 Beschäftigten Sorgen machten. Zur Konservierung werden höch<lb break="no"/>stens 35 Mann zeitweise benötigt. Für das Kohlekraftwerk sind<lb/>
zwar 148 Planposten vorgesehen, wenn dies aber durch die Polemik<lb/>
von den Grünen und Stadtrat <rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs> nicht kommen sollte, dann<lb/>
ist die Beschäftigung dort mehrmals gefährdet. Ich informierte<lb/>
sie über den letzten Stand der Angelegenheit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_30">Anschliessend hat mir Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> mitgeteilt, er hätte sich<lb/>
um die Universitätsprofessur beworben, weil er als Sektionschef<lb/>
nicht eineinhalb Jahre lang sozusagen als schon in die Pension<lb/>
Gehender eine Sektion leiten möchte. Da jetzt die Professur nicht<lb/>
zustandekommt, hält er an seinem Prinzip fest und ersucht um<lb/>
Pensionierung mit 1. Mai d.J. Ich habe diesen Wunsch zur Kennt<lb break="no"/>nis genommen und das Gesuch, aber auch den persönlichen Brief<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> sofort zur Erledigung gegeben. Wenn jemand gehen<lb/>
will, dann soll er gehen, dies ist mein Grundsatz und bleibt<lb/>
mein Grundsatz.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_31">GD <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> von der EVA kam sich entschuldigen, weil der Brief<lb/>
über die Kündigung von <rs type="person" ref="#per__114098">Fantl</rs> an <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, <rs type="person" ref="#per__113822">Haslauer</rs> und <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>,<lb/>
nicht aber an mich gegangen ist, obwohl er veranlasst hat, dass<lb/>
ich unbedingt auch dieses Schreiben bekomme. Hier, meinte er,<lb/>
dürfte es sich um ein Missverständnis des Sekretariates handeln.<lb/>
Für mich war weniger der formelle Akt entscheidend, ich habe<lb/>
bis jetzt noch keine Briefe von ihm bekommen und lege auch keinen<lb/>
besonderen Wert darauf, in Zukunft solche zu erhalten. Ich weiss<lb/>
ja, dass <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> mit allen anderen besser kooperiert als mit unserer<lb/>
Energiesektion und dadurch auch automatisch mit mir. In diesem<lb/>
Fall aber hat sich <rs type="person" ref="#per__114098">Fantl</rs> an mich gewendet und die Energiesektion<lb/>
hat mir mitgeteilt, ich müsste als Vizepräsident der EVA ein<lb/>
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Stellungnahme ersuchen. <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> teilte mir mit, er hätte<lb/>
bereits im Oktober mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ein vertrauliches Ge<lb break="no"/>spräch wegen der Kündigung von <rs type="person" ref="#per__114098">Fantl</rs> gehabt. Damals hätte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114098">Fantl</rs> aber bei der Technischen Hochschule sich ebenfalls<lb/>
beworben und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> entschied, man sollte zuwarten, damit<lb/>
es nicht heisst, durch die Kündigung hätte sein Bewerbungs<lb break="no"/>ansuchen gelitten. Am 29. Jänner hätte er mit einem Bau<lb break="no"/>unternehmer, wie er dann sagte <rs type="person" ref="#per__123338">Birkner</rs> von<add>[der]</add> Universale, ein<lb/>
Gespräch geführt und dieser hätte gesagt, <rs type="person" ref="#per__114098">Fantl</rs> bekommt<lb/>
einen sechsstelligen Betrag für eine Beratung, die er<lb/>
automatisch durchführen müsste. Am nächsten Tag, 30. Jänner,<lb/>
hätte er daher mit <rs type="person" ref="#per__114098">Fantl</rs> darüber reden wollen. <rs type="person" ref="#per__114098">Fantl</rs> hätte<lb/>
erklärt, ob er dafür Zeugen hätte, wer eine solche ungeheure<lb/>
Beschuldigung sagen könne, hätte aber mit <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> nicht<lb/>
weiter gesprochen, sondern sei aufgestanden und fortgegangen.<lb/>
Ich ersuchte <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs>, mir dies alles schriftlich mitzuteilen,<lb/>
wie ich ja auch in meinem Brief an ihn verlangt habe. Ich<lb/>
habe deutlich gemacht, dass ich nicht beabsichtige, mich<lb/>
persönlich in diese ganze Angelegenheit einzumischen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band54_1980-03-17_32">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte über die Aussprache auch die<lb/>
Energiesektion informieren.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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