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            <title type="main">Dienstag, der 29. Jänner 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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sollte über Jugoslawien berichten. Als zweiten wichtigsten<lb/>
Punkt aber meinte er, wir müssten über die Frage der Schwan-<lb/>
gerschaftsunterbrechung unbedingt eine Aussprache haben, denn<lb/>
in der Presse wurde bereits in einem Kommentar festgehalten,<lb/>
dass jetzt die Regierung in einigen Fragen und ganz besonders<lb/>
aber in der Schwangerschaftsunterbrechungsfrage verschiedener<lb/>
Meinung ist. Die Presse hatte in einem Kommentar festgehalten,<lb/>
dass kaum, wenn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ausser Land ist, sofort die Streitereien<lb/>
in der Regierung beginnen. Dies trifft zeitlich zwar jetzt tat<lb break="no"/>sächlich zu, in Wirklichkeit aber waren all die Fragen bereits<lb/>
auch vor <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> Abreise ungelöst resp. differente Auffas<lb break="no"/>sungen geäussert worden.<lb/>
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Aussenministers, welcher für dieses Wochenende oder das nächste<lb/>
nur Zeit hatte, zu einem Arbeitsgespräch über das Wochenende<lb/>
nach Belgrad gefahren ist. Auch hier ein zeitlich zufälliges<lb/>
Zusammentreffen, welches in der kritischen Phase nach der Ope<lb break="no"/>ration von <rs type="person" ref="#per__123209">Tito</rs> von der Öffentlichkeit in Österreich und wahr<lb break="no"/>scheinlich auch in anderen Staaten ganz anders ausgelegt wurde,<lb/>
als es tatsächlich der Fall gewesen ist. Bei dieser Aussprache<lb/>
stellten beide Teile fest, dass es bilateral zwischen den beiden<lb/>
Staaten keine Probleme gibt. Was die internationale Situation,<lb/>
also die multilateralen Beziehungen betrifft, so wurde von den<lb/>
Jugoslawen anerkannt, dass insbesondere <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, aber auch <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs><lb/>
nicht in die Katastrophenstimmung, die weltweit durch die Opera<lb break="no"/>tion <rs type="person" ref="#per__123209">Tito's</rs> und vor allem durch den Einmarsch der Sowjets in<lb/>
Afghanistan herrschte, mit einstimmen. Nach Meinung der Jugos<lb break="no"/>lawen besteht derzeit keine aussenpolitische Gefahr. Die Block<lb break="no"/>freien haben sich zwar jetzt eindeutig gegen die Sowjetunion<lb/>
wegen Afghanistan-Besetzung gewendte, es sollte aber niemand<lb/>
glauben, dass sie deshalb schon für den Westen sind. Es gibt nach<lb/>
Definition für Jugoslawen vier Krisenherde, Afrika und der Nahe<lb/>
Osten, dort sind die Weststaaten aggressiv, den mittleren Osten<lb/>
und Ostasien, dort ist der Osten aggressiv. Was die Madrider<lb/>
Entspannungskonferenz, also Fortsetzung von Helsinki betrifft,<lb/>
so wird man sehen, ob sie tatsächlich abgehalten werden kann,<lb/>
<pb n="53-0094" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band53/53_1980-01-29_0094.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>oder ob es nicht zweckmässig ist, zu verschieben. Momentan<lb/>
halten aber alle daran fest, Jugoslawien wird an den Olympi<lb break="no"/>schen Spielen teilnehmen. Keine Auskunft hat <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> bekommen<lb/>
bezüglich der Entscheidungsfindung und Bildung im Kreml. Die<lb/>
UdSSR hat aber auf alle Fälle überreagiert in der Afghanistan-<lb/>
Frage, nur um ihren Besitzstand zu halten, wird sie jetzt einen<lb/>
Partisanenkrieg bekommen. Trotzdem steht Jugoslawien wie<lb/>
Österreich auf dem Standpunkt, dass es sich hier um ein auch<lb/>
schon ursprünglich festgelegtes Einflussgebiet der UdSSR handelt.<lb/>
Im Iran ist die Lage sehr kritisch und ein Freundschaftsvertrag<lb/>
aus dem Jahre 1925 gäbe der UdSSR eine Vorwandsmöglichkeit für<lb/>
eine eventuelle Intervention.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-29_04">Es entspannte sich dann eine Diskussion, als <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> berichtete,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__123210">Heller</rs>, Vorsitzender des Österreichischen Olympischen Comités,<lb/>
jetzt vom deutschen Vorsitzenden des Olympischen Komitees <rs type="person" ref="#per__123212">Daume</rs><lb/>
aufgefordert wurde eine Besprechung abzuhalten. <rs type="person" ref="#per__113611">Heller</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> haben dagegen Bedenken. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> berichtet, dass es eine<lb/>
Sportministerkonferenz im März in Strassburg geben sollte und<lb/>
dass man die wahrscheinlich auf Feber vorverlegen wird. Über<lb break="no"/>einstimmend meinten alle, man sollte noch weiter zuwarten.<lb/>
Interessant ist, dass gerade die konservativsten Kräfte am<lb/>
stärksten für die Absage der Olympischen Spiele sind.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-29_05"><rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> berichtet dann über seine Aussagen, ausgelöst durch die<lb/>
Aktion Leben. Die haben in einer Broschüre jetzt nach 5 Jahren<lb/>
Schwangerschaftsunterbrechung ihre alten Argumente wiederholt.<lb/>
An der Demagogie hat sich nichts geändert. <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> meint, er<lb/>
hätte genau nur das gesagt, was er auch bei dem Bundesfrauen<lb break="no"/>komitee schon ausgeführt habe. Die Sozialisten seien gegen eine<lb/>
Schwangerschaftsunterbrechung, niemand aber wünsche eine Aufhebung<lb/>
der Fristenlösung. Er müsse jetzt Argumente finden für die Motive.<lb/>
Diesbezüglich hätte das Wissenschaftsministerium eine Untersuchung<lb/>
eingeleitet. Was die Statistik betrifft, so kann es sich um keine<lb/>
echten Zahlen handeln, denn in Deutschland gibt es im Vorjahr<lb/>
85.000 Schwangerschaftsunterbrechungen, in Österreich bei 83.000<lb/>
Geburten, angeblich 85 bis 121.000 Abortus. Im Verhältnis zur<lb/>
deutschen Zahl ist dies unmöglich. Die Behauptung, dass es gesund<lb break="no"/>heitspolitisch, was er als Gesundheitsminister unbedingt unter<lb break="no"/><pb n="53-0095" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band53/53_1980-01-29_0095.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>suchen muss, eine Schwangerschaftsunterbrechung ist gefährlich,<lb/>
stimmt nicht. Alle Gynäkologen sagen ihm, eine normale Geburt<lb/>
ist wesentlich gefährlicher. Auch das Argument, das nächstgeborene<lb/>
Kind sei nach einer Schwangerschaftsunterbrechung besonders ge<lb break="no"/>fährdet, stimmt nicht. Hier wird eine Studie resp. Untersuchung<lb/>
erfolgen. Die Familienberatungsstellen seien nach seinen Auf<lb break="no"/>fassungen doch Adressenvermittler für eventuelle Schwanger<lb break="no"/>schaftsunterbrechungen, was ganz besonders in den westlichen<lb/>
Bundesländern gilt, weil ja dort die Schwangerschaftsunterbrechung<lb/>
weder in Spitälern noch oft von Ärzten vorgenommen wird. Er<lb/>
möchte eine wertfreie Beratung. In einer sozialen Integration<lb/>
müsste man bei der Beratung versuchen, diese zu beseitigen.<lb/>
Auch wäre seiner Meinung nach die Adoption unbedingt zu er<lb break="no"/>leichtern. Auf diese Ausführungen ergriff sofort <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> das<lb/>
Wort und meinte, seine Äusserungen hätten jetzt eine neue grosse<lb/>
Unruhe bei den Frauen ausgelöst. Diese fühlten sich jetzt sehr<lb/>
bedrängt. Die sozialistischen Frauen haben seit 60 Jahren für die<lb/>
Schwangerschaftsunterbrechung gekämpft und wünschen jetzt keine<lb/>
wie immer geartete Diskussion mehr darüber. <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs>, meinen sie,<lb/>
wird eine neue Politik in dieser Frage einleiten. Selbst die<lb/>
Statistik könnte schon die Entscheidung der Frau beeinflussen,<lb/>
ebenso, wenn in der Adoption etwas geändert wird. Auch die Frage<lb/>
der Sozialintegration stehe derzeit nicht mehr zur Diskussion.<lb/>
Es darf auf die Frau kein wie immer gearteter seelischer Druck<lb/>
ausgeübt werden. <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> soll die Aufweichungsmanöver, die durch<lb/>
die katholische unbedeutende Gruppe von Aktion Leben ausgelöst<lb/>
wird, einstellen. Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97614">Karl</rs> berichtete, dass in der<lb/>
Süddeutschen Zeitung behauptet wird, dass 60% der Fälle nicht<lb/>
erfasst sind. Der Geburtenrückgang war 1964 eingeleitet, 1969<lb/>
und 1970 war der Höhepunkt, jetzt hat er bereits abgenommen. Die<lb/>
150 Beratungsstellen haben 60.000 Fälle beraten. 50% davon waren<lb/>
Empfängnisverhütung. Im Gesetz steht drinnen, dass die Frau nach<lb/>
sachlichen Gesichtspunkten beraten werden soll und keine wert<lb break="no"/>freie Beratung verlangt wird. Für Katholiken gibt es religiöse<lb/>
Beratungsstellen. Beratung kann nur eine Entscheidungshilfe für<lb/>
die Frau sein und nicht der Frau die Entscheidung abnehmen. Es<lb/>
gibt daher auch keinerlei Weisungen an die Beratungsstellen. Die<lb/>
Beratungsstellen haben auch daher keinen Instanzencharakter, son<lb break="no"/>dern ihre Funktion ist es ausschliesslich, eben der Frau Ent<lb break="no"/>scheidungshilfe zu geben. <rs type="person" ref="#per__97614">Karl</rs> selbst wird alle diese Beratungs<lb break="no"/><pb n="53-0096" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band53/53_1980-01-29_0096.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>stellen persönlich noch besuchen. Der Bund betreibt sie<lb/>
nicht, der Bund fördert sie nur. Es gibt 2 Untersuchungen,<lb/>
eine auf Interviewbasis für die Straffreiheit. Damals wurde<lb/>
bereits festgehalten, dass nur 60% das Kind austragen. Als<lb/>
Ursache waren unsichere Partnersituation, Berufsausbildung,<lb/>
eigene Reife und andere Gründe des Schwangerschaftsabbruches<lb/>
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vorliegt. Die Frauen wünschen keine Adaptionsdiskussion in der<lb/>
Schwangerschaftsfrage. Wenn etwas gewünscht wird, dann auch die<lb/>
Möglichkeit auch in allen Bundesländern des Gesetz vollziehen<lb/>
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Fristenlösung zu erwarten, wenn die Diskussion weiter geht.<lb/>
Sie verwies insbesondere darauf, dass die Frau, die in ärm<lb break="no"/>1ichen Verhältnissen ist, also die, die gerade wir zu ver<lb break="no"/>treten haben und die es sich vorher nicht richten konnten,<lb/>
solange es den § 144 gab, wieder in Probleme verstrickt werden<lb/>
würde.<lb/>
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wesentlich unterscheidet von der kleinen Minderheit der Eiferer<lb/>
in der Aktion Leben. Jetzt entsteht eine schiefe Situation durch<lb/>
die Presse, so als ob nur <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> dieses Problem ernst nimmt.<lb/>
In Wirklichkeit wurde sehr gewissenhaft auch vor Jahren schon<lb/>
darüber diskutiert, bis es dann zur Änderung des Strafgesetzes<lb/>
für 5 Jahre kam, das sich besten bewährt hat. Es gibt keine<lb/>
Relativierung der Beratung, es gibt keine soziale Indikation.<lb/>
Die Durchführung des Gesetzes hat wie in den vergangenen Jahren<lb/>
weiterhin so zu erfolgen. Was die Adoption betrifft, so ist es<lb/>
durch das neue Kinderrecht mit 1.1.78 wesentlich verbessert<lb/>
worden. Jetzt kann man bereits ab 19 Jahren adoptieren. Zur Debatte<lb/>
und zur Novelle steht ein neues Jugendwohlfahrtsrecht und hier<lb/>
werden eben die Pflegeeltern stärker geschützt werden.<lb/>
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vorgebracht, die es nicht schon vorher gegeben hat. Er möchte<lb/>
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denn für ihn sei eine Diskussion mit der Presse unausweich<lb break="no"/>lich. Er könnte sich die Presseberichte nicht aussuchen.<lb/>
Schlagzeilen und falsche Behauptungen gibt es, aber jeder<lb break="no"/>mann sagt ihm, er sollte nicht berichtigen. Auf Wunsch einer<lb/>
Frau, die einem Pfarrer beiziehen will, sollte man auf diesen<lb/>
Vorschlag eingehen. Wenn Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97614">Karl</rs> meint, man sollte<lb/>
vor einer Aussprache mit der Presse eine Aussprache mit den<lb/>
Ministerien durchführen, so ist dies schwer möglich. Dass Be<lb break="no"/>ratungsstellen Adressenvermittlungsbüros sind, kann nicht die<lb/>
sozialistische Auffassung sein. Neuerdings meldete sich dann<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs>, um wieder festzuhalten, sie ersucht, dass man womög<lb break="no"/>lich die ganze Situation abdämpft und womöglich schnell aus<lb break="no"/>laufen lässt, den sie kann nur Unruhe, Zwistigkeit und in<lb/>
Wirklichkeit Schwierigkeiten für die Frauen, aber auch für<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> bringen. Dieselbe Meinung äusserte dann <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-29_10"><rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> berichtete nachher, er hat jetzt bezüglich des Um<lb break="no"/>weltschutzes und seiner Kompetenz Vorschläge über eine Änderung<lb/>
des Ministeriengesetzes, welches mit <rs type="person" ref="#per__113110">Adamovich</rs>, Verfassungs<lb break="no"/>dienst, abgesprochen ist, ausgearbeitet und wird einen höchst<lb break="no"/>persönlichen Brief an die Minister schicken. Staatssekretär<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs> meinte, er sollte keine Gesetzesformulierungen ver<lb break="no"/>suchen. Auch <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> sagte, es wäre zweckmässig Besprechungen<lb/>
abzuführen, aber kein non paper Papier vorlegen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ent<lb break="no"/>schied, man soll den Inhalt absprechen. Gesetzesformulierungen<lb/>
hätte dann das zuständige Ministerium, sprich hier Bundeskanzleramt<lb/>
vorzunehmen. <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> war auch mit dieser Vorgangsweise einver<lb break="no"/>standen. Er wird deshalb keine Gesetzesformulierung, wahrschein<lb break="no"/>lich nicht einmal den vorgesehenen Brief schicken. Für mich gibt<lb/>
es in dieser Frage kein Problem, denn ich habe zeitgerecht, als<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> in das Amt berufen wurde, sofort mit ihm die Gespräche<lb/>
über die Abgrenzung zwischen Handelsministerium und Gesundheits<lb break="no"/>ministerium geführt. Nach Rücksprache mit SChef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> einigten<lb/>
wir uns darauf, dass das Gesundheitsministerium keine eigenen<lb/>
Organe im Zuge des Gewerbeverfahrens errichtet, sondern dass<lb/>
ein Gesundheitsministeriumsvertreter zum Gewerbeverfahren mit<lb/>
Parteistellung zugezogen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-29_11">Im Ministerrat hat dann <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> ganz kurz über die Jugoslawien-Aussprache<lb/>
berichtet und einige Punkte wurden zurückgestellt.<lb/>
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über das Rohstoffkonzept einigten wir uns darauf, dass es primär<lb/>
notwendig ist, bevor wir dieses aussenden, dass mit dem Finanz<lb break="no"/>ministerium Klarheit herrscht, welche Steuerabsetzungsmöglich<lb break="no"/>keiten es in Hinkunft geben wird. Die Energiesektion resp.<lb/>
Oberste Bergbehörde schlägt vor, dass es Bewertungsabschläge für<lb/>
kritische Rohstoffe geben soll, ebenso Auslandsbeteiligungen ent<lb break="no"/>sprechend steuerlich begünstigt werden sollten. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> meinte,<lb/>
er wird mit den Büro des Vizekanzlers Kontakt aufnehmen. Auch<lb/>
beim Energieförderungsgesetz hat zuerst die Bürokratie abgelehnt<lb/>
und erst scheinbar auf Weisung des Büros, sprich also Vizekanz<lb break="no"/>ler wurde dann grünes Licht gegeben. Ähnlich möchte also SChef<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> auch jetzt vorgehen. Unsere ursprüngliche Idee zur Roh<lb break="no"/>stoffeindeckung und Sicherung, Vorratsbildung, die Devisenreserven<lb/>
der Nationalbank heranzuziehen, wird nicht gehen, denn GD <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs><lb/>
meinte, der Devisenschatz sei von 62 Mia auf 32 Mia gefallen.<lb/>
Dies ist meiner Meinung nach aber nur vorübergehend, solange im<lb/>
Ausland höhere Zinsen als in Österreich bezahlt werden und daher<lb/>
viele Devisen draussen stehen bleiben.<lb/>
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lawische Importkohle beantragt hat. Die österreichischen Berg<lb break="no"/>werke werden gefragt, ob sie diese 20.000 Tonnen für <rs type="person" ref="#per__123163">Flemmer</rs><lb/>
bereitstellen können und wollen. Derzeit bekommt er im Inland<lb/>
angeblich überhaupt keine Kohle zu kaufen. Kritisiert wurde, dass<lb/>
die ÖDK für St. Andrä 9.235 Tonnen Kohle aus Jugoslawien importiert<lb/>
und zwar auf eine Importbewilligung von Zeltweg. Eine Verein<lb break="no"/>barung zwischen den Draukraftwerken und der Kohle GKT, wonach<lb/>
vorher diese zu fragen ist, wurde nicht eingehalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-29_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte diesbezüglich bei Dir. <rs type="person" ref="#per__97526">Hautzenberg</rs><lb/>
rückfragen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-29_15">Die Zuckerindustrie möchte die 20 Groschen, die zwei Jahre jetzt<lb/>
für den Lagerabbau in die Kalkulation eingebaut sind, um ein<lb/>
weiteres Jahr verlängern. Die Landwirtschaft ist damit einver<lb break="no"/>standen. Die Zuckerpreisregelung, 50 Groschen für Feinkristall<lb/>
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Interessensvertretungen und zuständigen Ministerien in der<lb/>
Preiskommission einstimmig beschlossen werden und auch akzep<lb break="no"/>tiert. Für das nächste Jahr wird eine Verdoppelung der Export<lb break="no"/>rübe vorgesehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-29_16">Der Betriebsrat der KKWP, <rs type="person" ref="#per__119062">Schmotzer</rs>, der jetzt von der Verbund<lb break="no"/>gesellschaft die neue Abteilung Wärmewirtschaft bekommt, be<lb break="no"/>richtete mir, dass auch <rs type="person" ref="#per__117619">Waldbrunner</rs> jetzt die volkswirtschaft<lb break="no"/>liche Abteilung erhält. 8 der 42 KKWP-Angestellten sind dann<lb/>
noch nicht untergebracht. Die Entscheidung, dass jetzt die KKWP<lb/>
zur GKS, d.h. dem zweiten Kernkraftwerk, welches überhaupt<lb/>
nicht im Bau begonnen wurde, überstellt wird, ist nach meiner<lb/>
Meinung nach richtig. Dadurch können die Personalaufwendungen<lb/>
der KKWP mit den Uranverkaufsgewinn kompensiert werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-29_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Wenn <rs type="person" ref="#per__119062">Schmotzer</rs> dann will, besprechen<lb/>
wir die Probleme gemeinsam mit <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-29_18">Touropa hat das Staatswappen bekommen, obwohl ihre Angaben, dass<lb/>
sie 20% auch Gäste nach Österreich bringen, überhaupt nicht<lb/>
stimmen. Dies bezog sich auf einen kleinen Teil ihrer Flugreisen<lb/>
und ihrer Flugchartergesellschaft Interflug bei der iberischen<lb/>
Halbinsel. Von ihren Gesamtbuchungen macht es 0.2% aus. Ich<lb/>
konnte mir nicht verkneifen bei meiner Ansprache darauf hinzu<lb break="no"/>weisen: Blöd soll man uns nicht halten. Ansonsten hat Touropa<lb/>
jetzt ein neues Büro gemietet. Das Haus, von IMMORENT errichtet,<lb/>
ist lange leer gestanden, weil man über 100 Schilling pro qm<lb/>
verlangte, jetzt ist ein Abschluss mit 80 Schilling getätigt worden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-29_19">Die Besprechung mit einigen Genossen über die theoretische Be<lb break="no"/>gründung sozialdemokratische Marktwirtschaft ergab, dass wir<lb/>
jetzt in Arbeitskreisen versuchen sollten, grössere publizitäts<lb break="no"/>reife Unterlagen zu produzieren. Das Renner-Institut ist bereit<lb/>
dann die Veröffentlichung zu besorgen. Meiner Meinung nach wird<lb/>
es in Zukunft noch wichtiger werden, dass man gegen das Argument,<lb/>
die Marktwirtschaft hat den Wohlstand gebracht und das hat die<lb/>
ÖVP immer verlangt, durchgeführt und muss sie jetzt auch verteidigen,<lb/>
feststellt, dass es die sozialdemokratische Regierung der letzten<lb/>
10 Jahre – ich hoffe, dass noch für die nächsten 10 Jahre mindestens<lb/>
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Richtung hin beeinflusst und entwickelt hat. Schon allein aus<lb/>
Agitationsgründen wird man daher eine theoretische Untermauerung<lb/>
gut brauchen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-29_20">Bei der sozialistischen Fraktion der Bezirksräte auf der Land<lb break="no"/>strasse berichtete ich dann über aktuelle Geschehen und, wie<lb/>
nicht anders zu erwarten, kam wieder das Problem des Straf<lb break="no"/>vollzuges zur Debatte. Hart wurde dann auch über die Vorschläge<lb/>
der Staatssekretärin, Karenzurlaub für Männer, Pensions<lb break="no"/>fragen, Gleichstellung Mann und Frau usw. diskutiert. Die wich<lb break="no"/>tigsten Fragen aber sind und bleiben natürlich die Bezirksprobleme,<lb/>
welche sehr eingehend von den Bezirksräten jetzt immer erörtert<lb/>
werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-29_21">Beim Eröffnungsempfang in der UNO-City für ATB 80 hat der zu<lb break="no"/>ständige Direktor herzlichst begrüsst, Vizebürgermeister <rs type="person" ref="#per__97899">Sandner</rs><lb/>
für Wien alle willkommen geheissen und ich dann für die<lb/>
Österreichische Fremdenverkehrswerbung auf die erfreuliche Ent<lb break="no"/>wicklung hingewiesen. Vor 5 Jahren waren es nicht einmal 1/4 der<lb/>
österreichischen Bettenabieter. Die Entwicklung hat also rasant<lb/>
zugenommen, die Organisation klappt bestens. Besonders gefreut<lb/>
hat sich, wie mir <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs>, der mich begleitete, mitteilte, der<lb/>
Organisator dieser Veranstaltung, <rs type="person" ref="#per__123217">Novak</rs> von der Österreichischen<lb/>
Fremdenverkehrswerbung, dass ich mich immer persönlich vor dem<lb/>
Publikum bei ihm für seinen Einsatz bedanke. Bei einem anschlies<lb break="no"/>senden Essen konnte ich dann die wirklich grosszügigen Räumlich<lb break="no"/>keiten der Küche bewundern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-29_22">SChef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> teilte mir dann beim nach Hause fahren mit, dass er<lb/>
mit der Bundeshandelskammer jetzt wegen Erhöhung der Zinssätze<lb/>
für die BÜRGES verhandelt hat. Er könnte sich vorstellen, dass<lb/>
wir 1/2% dazugeben und dann 8 1/2 Prozent als oberste Grenze<lb/>
haben. Gleichzeitig muss auch die Barauslage genau definiert wer<lb break="no"/>den. Ich bin mit dieser Regelung einverstanden, weil sie tat<lb break="no"/>sächlich das Minimum, glaube ich, darstellt und <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> auf dieser<lb/>
Basis eine einstimmige Regelung im Beirat erreichen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-29_23">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte auf nächstes Jour-fixe AK und ÖGB<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-29_24">Die ÖMV hat mitgeteilt, dass die Entschwefelungsanlage 1981<lb/>
fertig sein wird. Jetzt, meint <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, ist der Zeitpunkt gekom<lb break="no"/>men, wo wir die entsprechende Reduktion von Schwefel in Heizöl<lb/>
dekretieren könnten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-29_25">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> Details besprechen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 29.1.1980</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 28. Ministerratssitzung, 29.1.1980</head>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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