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            <title type="main">Donnerstag, der 24. Jänner 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band53_1980-01-24</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_01">Donnerstag, 24. Jänner 1980<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_02">Bei der Gastagung im Hilton, veranstaltet von einer Privat<lb break="no"/>firma, aber unter sehr grosser Beteiligung aller Länder,<lb/>
die an der Gaswirtschaft interessiert oder beteiligt sind,<lb/>
musste ich zu meiner Überraschung in Englisch sprechen.<lb/>
Eine Übersetzung war dort überhaupt nicht vorgesehen. Ich<lb/>
glaube, es war nicht einmal ein Interpreter anwesend. Ich<lb/>
konnte daher den Wiener Schmäh nicht laufen lassen, sondern<lb/>
schilderte daneben die Gassituation für Österreich. Natürlich<lb/>
erwähnte ich die Tiefbohrung der ÖMV und die Hoffnung, dass<lb/>
wir vielleicht doch in diesen Tiefen Erfolg haben. Ebenso<lb/>
erklärte ich unsere Importpolitik und die beiden Gesellschaften<lb/>
in die verstaatlichte ÖMV und die <choice><choice><sic>Austro-Ferngas</sic><corr>Austria Ferngas</corr></choice></choice>. Zwei Gags<lb/>
konnte ich selbst in meinem schlechten Englisch anbringen. Die<lb/>
Entschuldigung, dass, wenn die anderen noch zur Schule gingen, ich be<lb break="no"/>reits eingesperrt war und deshalb schlecht englisch spreche,<lb/>
weil ich es nie in einer Schule gelernt habe, und den zweiten<lb/>
Gag, der natürlich viel besser ankommt, dass ich froh bin, dass<lb/>
sie in Österreich sind und das sie längere Zeit hierbleiben,<lb/>
denn ich bin auch für den Tourismus verantwortlich und das ver<lb break="no"/>bessert unsere Zahlungsbilanzsituation und insbesondere unsere<lb/>
Übernachtungsstatistik. Überrascht war ich schon, dass es einer<lb/>
privaten Gesellschaft gelingt, einen so grossen Hörerkreis zu<lb/>
organisieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Erkundige Dich bei Dr. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, was eigent<lb break="no"/>lich der Teilnehmer für dieses Symposium leisten musste und was es<lb/>
für ein Ergebnis brachte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_04">Der Obmann des Sportvereins Handelsministerium, <rs type="person" ref="#per__140260">Kneissler</rs>, verab<lb break="no"/>schiedet sich offiziell von mir, weil jetzt sein Nachfolger, der<lb/>
Handelsministeriumsbeamte <rs type="person" ref="#per__121996">Kretschmer</rs>, von der letzten General<lb break="no"/>versammlung gewählt wurde. Dieser sollte nach Wunsch <rs type="person" ref="#per__140260">Kneissler's</rs><lb/>
ihm auch im Bautenministerium auf seinen Dienstposten folgen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140260">Kneissler's</rs> Vorgesetzter, MR <rs type="person" ref="#per__123324">Petrasch</rs>, mit den er aber ständig<lb/>
wegen des Sportvereins gestritten hat, erklärte gleich rundwegs,<lb/>
wenn er schon <rs type="person" ref="#per__140260">Kneissler</rs> übernehmen musste, den neuen Obmann nimmt<lb/>
er auf keinen Fall. <rs type="person" ref="#per__123324">Petrasch</rs> dürfte nach Meinung <rs type="person" ref="#per__140260">Kneissler's</rs> eben<lb/>
ein Gegner vom Sportverein sein. In Wirklichkeit, nehme ich an,<lb/>
<pb n="53-0073" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band53/53_1980-01-24_0073.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>hat er formell sicherlich sich wegen der geringen Arbeits<lb break="no"/>leistung <rs type="person" ref="#per__140260">Kneissler's</rs> für das Ministerium beschwert. <rs type="person" ref="#per__140260">Kneissler</rs><lb/>
hatte schon von <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> und wahrscheinlich schon von den frühe<lb break="no"/>ren Ministern entsprechende Dienstfreistellungen bekommen.<lb/>
Sein Arbeitsgebiet war übrigens die Verleihung von Auszeich<lb break="no"/>nungen und Personalfragen, also der "B"-Beamte in der Per<lb break="no"/>sonalabteilung. Ich bin überzeugt, dass man neben dieser<lb/>
"aufopfernden" Tätigkeit sicher genug Zeit hat, seine Sport<lb break="no"/>klubaktivitäten abzuwickeln. <rs type="person" ref="#per__140260">Kneissler</rs> ist nämlich ein typischer<lb/>
Manager, hat den Verein weder an die Union, natürlich auch<lb/>
nicht an den ASKÖ angeschlossen, hat daher von den öffentlichen<lb/>
Stellen kaum eine Subvention bekommen und doch das Vereinsver<lb break="no"/>mögen, wie er mir vertraulich mitgeteilt hat, auf einen Ver<lb break="no"/>sicherungswert von 52 Mio Schilling gehoben. Auch umsatzmässig<lb/>
mit 2,5 Mio pro Jahr steht er gut da, bei einem Barvermögen von<lb/>
3 Mio Schilling. Was ihn so begeistert hat, war, dass bei der<lb/>
letzten Generalversammlung Frau Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs>, zu<lb/>
der er mir herzlichst gratulierte, so frei weg, ohne Unterlagen,<lb/>
ein sehr gutes und ihn persönlich sehr berührendes Referat ge<lb break="no"/>halten hat. Er gratulierte mir zu dieser Staatssekretärin. Über<lb break="no"/>haupt ist er von uns wesentlich mehr begeistert als von dem<lb/>
neuen Bautenminister und deren Staatssekretärin. <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> hatte<lb/>
keine Zeit, zur Auszeichnung und Ernennungsfeier und Überrei<lb break="no"/>chung der Bautenministeriums-Beamten zu kommen. Für den Gesell<lb break="no"/>schaftsabend hat er sich bereits entschuldigt und auch Staats<lb break="no"/>sekretär <rs type="person" ref="#per__111408">Eypeltauer</rs> bleibt in Linz. Mit grosser Begeisterung er<lb break="no"/>zählte er mir, dass natürlich ich und meine Frau, aber auch die<lb/>
Frau Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> kommen werden. Selbst der ehemalige<lb/>
Bautenminister <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> hat sich angemeldet. Sein sehnlichster<lb/>
Wunsch ist natürlich Hofrat zu werden, was ihm sicherlich auch<lb/>
gebührt. Ich habe diesbezüglich dann auch bei SChef <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> inter<lb break="no"/>veniert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Geht uns zwar nichts an, aber erkundige<lb/>
Dich nach einiger Zeit, ob <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> dies machen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_06">Die Aussprache der Ölgesellschaften mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat den von<lb/>
mir erwarteten üblichen Lauf genommen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meinte – und<lb/>
darüber waren die Ölleute sehr glücklich – dass die Preise in<lb/>
Österreich viel zu tief sind. <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger</rs> hat die Vergleiche<lb/>
mit anderen Ländern vorgelegt. Eine schnelle Prüfung von <rs type="person" ref="#per__107956">Sat<lb break="no"/>zinger</rs> mit dem ARBÖ ergab, dass diese wesentlich tiefere ha<lb break="no"/>ben. Zum Glück habe ich diese nicht genannt, sondern nur be<lb break="no"/>merkt, <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger's</rs> Ziffern stimmen wieder einmal nicht. In<lb/>
dieser Beziehung habe ich ihm Unrecht getan, denn eine genauere<lb/>
Kontrolle beim ÖAMTC ergab, dass er doch recht hatte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte kläre, wieso der ARBÖ so fal<lb break="no"/>sche Ziffern hat und weitergibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_08"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat einleitend gleich gesagt, dass er nicht die Absicht<lb/>
hat die windfall profits wegzusteuern. Er erwartet nur von der<lb/>
Mineralölwirtschaft, dass diese freiwillig 500.000 Tonnen Rohöl<lb break="no"/>einfuhr einsparen. Verschiedenste Aktionen, die Aufklärung der<lb/>
Autofahrer zum richtigen Oktanmischen, zweckmässigeres Fahren<lb/>
und Vergaser einstellen, Ersparungsprämienspiele mit entsprechen<lb break="no"/>den Geschenken usw. sollen dazu beitragen, dass auf freiwilliger<lb/>
Basis die notwendigen Einsparungen tatsächlich erfolgen. GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs><lb/>
für die Ölwirtschaft sagte tatkräftigste Unterstützung zu. Ins<lb break="no"/>besondere wollen sie auch auf dem Heizungssektor, wo ja mehr<lb/>
als 50% der Energie verbraucht werden, entsprechende Einsparungs<lb break="no"/>vorschläge machen. GD <rs type="person" ref="#per__97556">Hirnigel</rs> von BP war der einzige, der meinte,<lb/>
wenn auf freiwilliger Basis etwas erreicht werden soll, dann muss<lb/>
auch eine Drohung dahinterstehen, dass gegebenenfalls auch ge<lb break="no"/>setzliche Massnahmen sonst kommen müssen. Ich erörterte die Ab<lb break="no"/>sicht, wie wir diese durch ein Energiesicherungsgesetz in der<lb/>
dritten Legislaturperiode jetzt versuchen werden. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> er<lb break="no"/>klärte allerdings dazu – und da hat er vollkommen recht – dass<lb/>
kaum eine Aussicht besteht, dass die ÖVP dem zustimmen wird.<lb/>
SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> erörterte die Einsparungsmöglichkeiten bei der Stahl<lb break="no"/>industrie, Zement- und Papierindustrie. Hier allerdings sind be<lb break="no"/>kanntlicherweise einige hundert Millionen Schilling Umstellungs<lb break="no"/>kredite resp. Zuschüsse notwendig. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ergänzte, dass er mit<lb/>
der Industriellenvereinigung vereinbart hat, dass jetzt ein Sym<lb break="no"/>posium mit 200 grossen Betrieben erfolgt, die ebenfalls zu Energie<lb break="no"/><pb n="53-0075" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band53/53_1980-01-24_0075.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sparaktionen herangezogen werden sollten. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> kündigt auf<lb/>
Anfrage auch an, dass er eine Änderung der Kraftfahrzeugbe<lb break="no"/>steuerung nach tatsächlichem Verbrauch einführen möchte. Ich<lb/>
bin sehr gespannt, ob er dies bei der nächsten Mineralölsteuer<lb break="no"/>erhöhung machen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_09">Die ÖMV hat jetzt einen Brief geschrieben, dass sie Gegenvor<lb break="no"/>schläge zu dem Vertragstext bezüglich der Aufsuchungsaktivitäten<lb/>
erstatten wird. Die vom Handelsministerium vorgelegten Entwürfe<lb/>
sind ihrer Meinung nach zu dirigistisch. In diesem Fall würde<lb/>
die Behörde anordnen und das finanzielle Risiko würde allein die<lb/>
ÖMV zu tragen haben. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> ist über diesen Brief sehr ungehalten<lb/>
und möchte, wenn die ÖMV seine Vorschläge nicht akzeptiert, ihnen<lb/>
die Bohrgenehmigung entziehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte eine Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und an<lb break="no"/>schliessend dann allen ÖMV-Zuständigen bei mir vereinbaren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_11">Die Firma Kastinger hat durch – wie sie sagt – unfaire Konkurrenz<lb/>
von ausländischen, aber ganz besonders auch österreichischen Schuh<lb break="no"/>firmen eine grosse Umsatzeinbusse erlitten. Dadurch ist sie in<lb/>
finanzielle Bedrängnisse gekommen. Ihr deutscher Betrieb wurde<lb/>
deshalb stillgelegt. Die Folge davon ist, dass sie 950.000 DM<lb/>
Subvention dafür zurückbezahlen muss. In Amerika hat sie für 1 Mio<lb/>
Dollar Aussenstände und auch entsprechenden Rückgang des Amerika<lb break="no"/>absatzes. Kastinger ist deshalb in einer schweren Liquiditäts- und<lb/>
Finanzkrise. Um den Betrieb aufrecht erhalten zu können, hat die<lb/>
Firma um 6 Mio Schilling Arbeitsmarktförderung angesucht. Auch das<lb/>
Land müsste die zweiten 6 Mio Schilling dazusteuern. Da dieser Be<lb break="no"/>trag, den das Sozialministerium geben soll, dem deutschen Rück<lb break="no"/>zahlungsbetrag grössenordnungsmässig entspricht ....... dafür natür<lb break="no"/>lich grossen Widerstand. Die Firma wird sich, um zweckmässigere<lb/>
Ansuchen zu stellen, in Hinkunft der Fachabteilung <rs type="person" ref="#per__114472">Giglinger</rs> und<lb/>
insbesondere MR <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger's</rs> bedienen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Lass für über die weiteren Ergebnisse be<lb break="no"/>richten.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_13">Der neue General-Motors-Generaldirektor <rs type="person" ref="#per__123326">Genn</rs> hat sich nicht nur<lb/>
vorgestellt, sondern auch erörtert, was General Motors für die<lb/>
zweite Ausbaustufe in Aspern und vor allem für das Servo-Lenkwerk<lb/>
<pb n="53-0076" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band53/53_1980-01-24_0076.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>in Klagenfurt erwartet. Kurz und bündig, sie möchten genau<lb/>
dieselben Subventionen, die sie für die erste Ausbaustufe in<lb/>
Aspern von Wien und dem Bund bekommen haben, auch in Hinkunft<lb/>
für ihre Aktivitäten. Was für mich besonders wichtig wäre, ist<lb/>
aber, dass das kleine Projekt in Köflach jetzt endlich zum Tragen<lb/>
kommt. Dort haben sie natürlich nicht annähernd die Drittel-Ge<lb break="no"/>schenkbeteiligung der Öffentlichen Hand zu erwarten. Ich bin<lb/>
sehr gespannt, ob die Kärntner Landesregierung ähnliche Konditionen<lb/>
den GM-Leuten geben kann, wie dies Wien getan hat. <rs type="person" ref="#per__123326">Genn</rs> versicherte<lb/>
neuerdings, dass die Schwierigkeiten, die sie mit Spanien haben,<lb/>
überhaupt nichts zu tun haben mit ihren Aktivitäten in Österreich.<lb/>
Im Gegenteil könnte der Fall eintreten, dass spanische Produktionen<lb/>
nach Österreich verlegt werden. General Motors wird selbstver<lb break="no"/>ständlich <choice><choice><sic>weitesgehendst</sic><corr>weitestgehend; weitgehendst</corr></choice></choice> österreichische Firmen heranziehen,<lb/>
muss aber allein aus Kontrollnotwendigkeit stets immer auch andere<lb/>
Offerte einholen. Bezüglich der Planung bedient sich General Motors<lb/>
natürlich seiner Spezialabteilungen in Detroit oder in Rüssels<lb break="no"/>heim, d.h. seiner Mutterwerke. Dafür habe nicht nur ich, sondern<lb/>
selbstverständlich müssen alle volles Verständnis haben. GD <rs type="person" ref="#per__123326">Genn</rs><lb/>
beschwerte sich auch, dass General Motors bis jetzt viel zu wenig<lb/>
public relation Arbeit geleistet hat. Dies gilt ganz besonders<lb/>
gegenüber den so erfolgreichen Volkswagen. Ich erklärte ihm aber<lb/>
deutlich, dass es dort nicht allein um gute Propaganda geht, die<lb/>
sicherlich die Volkswagenwerke besser machen als General Motors,<lb/>
sondern auch tatsächlich um wesentliche Exporterfolge unserer Zu<lb break="no"/>lieferer ohne die entsprechenden hohen Subventionen zu bekommen.<lb/>
Durch Zufall konnte ich dann den Redakteur <rs type="person" ref="#per__115174">Swietly</rs> von<add>[der]</add> ZIB 2<lb/>
dem Generaldirektor vorstellen, worüber beide sehr erfreut waren.<lb/>
Ausserdem habe ich ihn dann noch mit dem Zentralsekretär der Metall<lb break="no"/>arbeiter, <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs>, bekannt gemacht. Wenn man so will, habe ich bereits für<lb/>
GM public relations Arbeit geleistet. <rs type="person" ref="#per__123326">Genn</rs> wird sich sicherlich<lb/>
sehr bemühen und hier eine neue Politik starten. Wie sehr er an<lb/>
Österreich interessiert ist, kommt dadurch zum Ausdruck, dass er<lb/>
bereits – und dies mit einigem Erfolg – deutsch lernt. Selbstver<lb break="no"/>ständlich aber spricht er lieber englisch.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_14">Der ÖVP-Angeordnete <rs type="person" ref="#per__123327">Schlager</rs> ersuchte mich zwei Goldschwemmer aus<lb/>
Salzburg zu empfangen. Diese erklärten mir, sie hätten ein System<lb/>
entwickelt, wo sie kostendeckend Schwermetalle aus der Salzach ge<lb break="no"/>winnen können. Durch entsprechenden Einsatz von Maschinen könnten<lb/>
<pb n="53-0077" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band53/53_1980-01-24_0077.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sie – und sie haben dies auch praktisch schon erprobt –<lb/>
für einen Einsatz von 10 Mio Schilling pro Tag 1 Kilo<lb break="no"/>gramm Gold aus der Salzach gewinnen. Derzeit haben sie nur<lb/>
grosse Schwierigkeiten mit den Fischern, noch viel mehr aber<lb/>
mit dem Flussbauamt. Sie haben um 5 Meter Schürfrechte in der<lb/>
Salzach angesucht und probeweise nur einen halben Meter be<lb break="no"/>kommen. Ich erklärte ihnen sofort, dass ich auch darüber sehr er<lb break="no"/>staunt bin, denn die Geologen behaupten ja, dass die Salzach nur<lb/>
mehr einige Meter Schicht von undurchlässigem Boden hat. Wenn<lb/>
dieser weggeschwemmt oder abgegraben ist, würde die Salzach durch<lb break="no"/>brechen. Dies ist mit einer der Gründe, warum in der Salzach auch<lb/>
gegen die Natur- und Landschaftsschützer sicherlich die Flussbe<lb break="no"/>hörde entsprechende Stauaufträge geben muss. Dies ist der Grund<lb/>
warum die TKW, Tauernkraftwerke, mit der SAFE gemeinsam die<lb/>
Salzach für die Energienutzung aufstauen wird. Ich habe den<lb/>
beiden empfohlen sich mit Dir. <rs type="person" ref="#per__114091">Gmeinhart</rs>, TKW, sofort ins Ein<lb break="no"/>vernehmen zu setzen. Wenn nämlich die TKW aufstaut und damit<lb/>
gewisse Vertiefungen in der Salzach vornehmen muss, können sie<lb/>
dann gleich versuchen ihre Goldgräberaktivität dort einzubinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte wenn <rs type="person" ref="#per__114091">Gmeinhart</rs> das nächste Mal in<lb/>
Wien ist, möchte ich mit ihm über dieses Problem sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_16">Der Trend möchte eine grössere Story über den Osthandel. Zu diesem<lb/>
Zweck sind sogar drei Redakteure erschienen, um mit mir ein Inter<lb break="no"/>view zu machen. Im Hinblick auf die Ereignisse in Afghanistan<lb/>
musste ich äusserst vorsichtig, aber dennoch, wie ich glaube, richtig<lb/>
und mit aller Deutlichkeit meine Osthandelspolitik weiterhin ver<lb break="no"/>teidigen. Da ich auf eine gute Erfahrung mit den Tschechen zur<lb/>
Zeit des frostigen Klimas zwischen Österreich und der CSSR hin<lb break="no"/>weisen konnte, habe ich andeutungsweise auch gesagt, wie ich mir<lb/>
persönlich die weitere Handelspolitik mit den Staatshandelsländern<lb/>
vorstelle. Der Sprecher der Trend-Redakteure war, wie er dann<lb/>
selbst auch sagte und aus seiner Aussprache deutlich zu hören war,<lb/>
ein Ostflüchtling, der aber nicht in dem üblichen Kommunistenhass<lb/>
verfallen ist. Nach seinen Äusserungen deckt er <choice><choice><sic>weitesgehendst</sic><corr>weitestgehend; weitgehendst</corr></choice></choice><lb/>
meine Auffassung. Natürlich wurde ich gefragt, wie ich als soziali<lb break="no"/>stischer Politiker mit unserer Moral und Idealauffassung mit die<lb break="no"/>sen Oststaaten Geschäfte machen kann. Ich bin sehr gespannt, was<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-24_17">Im Parlament gab es fast den ganzen Tag nur Sozialdebatte,<lb/>
wie ich nicht anders erwartete. Überrascht bin ich, dass die ÖVP<lb/>
nicht einmal eine dringliche Anfrage in den Jänner-Sitzungen<lb/>
eingebracht hat. Scheinbar wollen auch sie am zweiten Nationalrats<lb break="no"/>tag lieber früher Schluss machen, um nach Hause fahren zu können.<lb/>
Dass es nämlich keine Angriffe gegen diese Regierung gibt, glaube<lb/>
nicht einmal ich. Vielleicht ist die ÖVP aber tatsächlich in einem<lb/>
so schlechten Organisationszustand, dass sie nicht einmal mehr<lb/>
jetzt die Plattform des Parlaments dazu nützen kann, um hart zu<lb/>
attackieren und sich dadurch besser zu profilieren. Das nämlich<lb/>
wir eine so gute Politik machen, dass man uns nirgends mehr ernst<lb break="no"/>lich angreifen kann, glaubt nämlich niemand. Wieder einmal mehr<lb/>
bestätigt sich mein Grundsatz, es kommt gar nicht darauf an, dass<lb/>
man eine sehr gute Politik macht, es genügt selbst eine schlechtere,<lb/>
wenn die Opposition nur noch schlechter ist. Dies trifft bei uns<lb/>
aber momentan, glaube ich, nicht zu, unsere Politik ist nicht so<lb/>
schlecht. Die Oppositionsparteien<add>[sind]</add> nur durch ihren Organisations<lb break="no"/>zustand momentan eben in einem viel, viel schlechteren Zustand,<lb/>
als dies die Sozialistische Partei, selbst nach der <rs type="person" ref="#per__97793">Olah</rs>-Krise,<lb/>
gewesen ist. Wir konnten deshalb in der damaligen Oppositions<lb break="no"/>zeit viel stärker und besser auftreten, als die ÖVP oder die FPÖ<lb/>
dies derzeit machen können.<lb/>
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