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            <title type="main">Montag, der 21. Jänner 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_01">Montag, 21. Jänner 1980<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_02">Der erweiterte Wiener Vorstand, d.h. mit den Bezirksobmännern,<lb/>
wurde trotz der Erkrankung <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>' nicht abgesagt. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> hat<lb/>
eine Lungenentzündung und wird, wie dann von <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, der den<lb/>
Vorsitz führte, mitgeteilt wurde, mindestens 3 Wochen aus<lb break="no"/>fallen. Landessekretär <rs type="person" ref="#per__109818">Edlinger</rs> berichtete zuerst über die<lb/>
IFES-Umfrage vom Dezember des Vorjahres. Diese bestätigte<lb/>
wieder einmal, dass wir bei den 30- bis 40-Jährigen sehr gut<lb/>
liegen, gut bei den bis 50 Jahre, und da bis 70 erhoben wurde,<lb/>
auch diese Kategorie sehr gut abschneidet. Die Schwäche der<lb/>
SPÖ liegt bei den 20- bis 30-Jährigen. Überraschend für mich<lb/>
war, dass die 16- bis 20-Jährigen aber bereits so wie der<lb/>
Wiener Durchschnitt, d.h. also ganz gut, liegen. Die Volkspartei<lb/>
liegt unter den Werten 78, aber ihre Aktion Pro Wien ist sehr<lb/>
positiv beurteilt. <rs type="person" ref="#per__109293">Busek</rs> hat ebenfalls verloren. Bei der Frage<lb/>
nach der fiktiven Wahl am nächsten Sonntag stellt sich heraus,<lb/>
dass wir jetzt bei den Landtagswahlen, die sehr kurvig von<lb/>
Monat zu Monat verlaufen und noch stärker eigentlich von Wahl<lb/>
zu Wahl, derzeit das 78-er Ergebnis hätten. Bei National<lb break="no"/>ratswahlen verlauft es wesentlich flacher und natürlich we<lb break="no"/>sentlich günstiger. Neu war das Erkenntnis, dass sich die Be<lb break="no"/>völkerung identifiziert mit der Stadt, zu 68%, was international<lb/>
sehr hoch gilt. 51% SPÖ, 16% VP. Wenn man Rechts, Links und Mitte<lb/>
fragt und einstuft, so sind 30% links, 28% rechts und 36 fühlen<lb/>
sich Mitte zugehörig. Interessant ist noch, dass die Einrichtungen<lb/>
insbesondere für die Jugendlichen, sowohl Gemeinschaftseinrichtung<lb/>
als auch Freizeiteinrichtung, als zu wenig betrachtet werden. Bil<lb break="no"/>dungseinrichtungen gäbe es genug. Wenn Einrichtungen aber geschaf<lb break="no"/>fen werden, dann müsste es die Gemeinde machen und nicht die po<lb break="no"/>litischen Parteien. Am bekanntesten, aber negativ besetzt war die<lb/>
Arena-Aktion, Pro Wien, wie gesagt, ist 2/3 bekannt, wovon 80%<lb/>
positiv darüber denken. 13% glauben noch immer, dass es sich hier<lb/>
um eine sozialistische Aktion handelt. Der einzige Ideenmarkt,<lb/>
den die ÖVP gemacht hat, war ebenfalls mit 36% bekannt und 27%<lb/>
positiv besetzt. Nicht die ÖVP, wohl aber ihre Aktionen kommen<lb/>
sehr gut an. Die Bevölkerung sieht in Bürgerinitiativen eine<lb/>
Bereicherung und wünscht sie.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_03">Dies war auch dann der Grund, warum es um 4 Volksbefragungen<lb/>
ging, die jetzt Bürgerinitiativen abfangen sollen. Erstens<lb/>
Flötzersteig, zweitens Vorrang Massenverkehr, drittens Sperr<lb break="no"/>friedhöfe, d.h. Friedhöfe, die nicht mehr belegt werden sollten,<lb/>
und viertens Dreieckständer, die Wien verschandeln, aber die<lb/>
die ÖVP jetzt auch sehr aktiv einsetzt. Nach stundenlanger<lb/>
Diskussion wurde dann beschlossen, da der Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs><lb/>
seinerzeit einmal erklärt hat, die Partei wird keine Stellung<lb break="no"/>nahmen beziehen, dass sehr wohl insbesondere bei Flötzersteig<lb/>
und Vorrang Massenverkehr eine Stellungnahme der Partei unbe<lb break="no"/>dingt abgegeben werden muss. Nur bei Sperrfriedhöfen und Drei<lb break="no"/>eckständern soll man frei entscheiden lassen, d.h. die Partei<lb/>
keine Äusserung abgeben. Ich glaube, dass die Partei in jeden<lb/>
Fall eine Äusserung abgeben muss, denn die Funktionäre, insbe<lb break="no"/>sondere aber in den Sektionen, und unsere Mitglieder werden<lb/>
natürlich wissen wollen, wie sie im einzelnen Fall, auch dann,<lb/>
wenn sie sich eine eigene Meinung gebildet haben oder bilden<lb/>
wollen, die Partei über die Probleme denkt und was sie letzten<lb/>
Endes vorschlägt. <rs type="person" ref="#per__97561">Hofmann</rs> meinte, die beste Lösung wäre, kein<lb/>
Funktionär gibt eine andere Stellungnahme ab als der zuständige<lb/>
Stadtrat, der ja mehr oder minder die Parteimeinung mitvertritt.<lb/>
Da aber in vielen Fragen innerhalb des Stadtsenats eine einver<lb break="no"/>nehmliche Auffassung besteht, glaube ich, wird diese Einfach<lb break="no"/>formel auch nur schwer zur Anwendung gelangen. In Wirklichkeit<lb/>
wird es eben, wie z.B. in der Flötzersteig-Bürgerinitiative und<lb/>
der jetzigen Volksbefragung, mehr oder minder darauf ankommen<lb/>
der Bevölkerung, auch der unmittelbar betroffenen, klarzumachen,<lb/>
um was es dabei geht. Nach wie vor glaube ich, dass man Bürger<lb break="no"/>initiativen versuchen muss schon bei der Entstehung in den Griff<lb/>
zu bekommen, d.h. sie entweder zu unterwandern oder sogar viel<lb break="no"/>leicht überhaupt für seine eigene Meinung zu gewinnen und eben<lb/>
nicht zuzuwarten, bis eine Zeitung oder sonstige Massenorgani<lb break="no"/>sation sich dieser Bürgerinitiative annimmt, wie dies z.B. beim<lb/>
Sternwartepark der Fall war.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_04">Stadtrat <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> teilte mit, dass mit 1. Feber der Gaspreis um<lb/>
19.6% vom Bürgermeister als Landeshauptmann erhöht wurde. Darin<lb/>
ist die von der UdSSR erwartete 27%ige Steigerung ab 1. Jänner<lb/>
und auch die noch kommenden mehr oder minder drinnen. 192 Mio<lb/>
Schilling bringt die 19.6%ige Erhöhung dem Gaswerk Mehrerlös,<lb/>
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werden kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte sofort Lebenshaltungskostenindex<lb/>
mit 19.6 berechnen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_06">Für die Bundespräsidentenwahl wurde der Wahlfonds mit 30 Schil<lb break="no"/>ling pro Mitglied festgelegt. 15 Schilling muss an die Zentrale<lb/>
abgeführt werden, 10 Schilling an die Landespartei und 5 Schilling<lb/>
verbleiben im Bezirk. Nur der Bezirksobmann <rs type="person" ref="#per__116042">Suttner</rs> von Liesing<lb/>
war der Meinung, dass die 30 Schilling als zu hoher Aufwand für<lb/>
die Bundespräsidentenwahl gelten müssen, insbesondere die Länder<lb/>
würden kaum so grosse Kosten, weshalb er dagegen stimmte. <rs type="person" ref="#per__109818">Edlinger</rs><lb/>
verwies mit Recht darauf, dass Grosswerbeflächen aufgestellt und<lb/>
gemietet werden müssen, denn man kann die Einfahrt und sonstige<lb/>
wichtige Punkte nicht dem Gegenkandidaten <rs type="person" ref="#per__97490">Gredler</rs> überlassen.<lb/>
Eine Transparentwerbung muss durchgeführt werden, Postkarten von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> sind zu bestellen und auch im Kino wird man ent<lb break="no"/>sprechende Einschaltungen vornehmen. Die letzte Bundespräsidenten<lb break="no"/>wahl 1975 hat 13 Mio Schilling gekostet. Wien rechnet deshalb<lb/>
mindestens mit 4 Mio Schilling Aufwand. Mit den 10 Schilling kommen<lb/>
aber höchstens 2.5 Mio herein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_07">Der ehemalige Gewerkschaftsobmann und jetzige Gemeinderat <rs type="person" ref="#per__123305">Busta</rs><lb/>
legt sein Gemeinderatsmandat zurück und es wird Ing. <rs type="person" ref="#per__122010">Riedler</rs>. Eben<lb break="no"/>so scheidet er aus den Sparkassenrat aus, wodurch neben <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> und <rs type="person" ref="#per__123306">Lackner</rs> in Hinkunft <rs type="person" ref="#per__123308">Meier</rs>, <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> und <rs type="person" ref="#per__123307">Bandion</rs><lb/>
in die Z entsendet werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_08">Die Werbeaktion ist abgeschlossen und hat 16.040 Mitglieder mehr<lb/>
gebracht. Das sind 87.6 % des Werbeziels. Die Landstrasse liegt<lb/>
mit 54 % an letzter Stelle. Netto verbleiben von den 16.000<lb/>
3.000, alles andere ging durch Abgang wieder verloren. Die nächste<lb/>
Werbeaktion wird insbesondere Mitarbeiter umfassen. Organisato<lb break="no"/>risch ist vorgesehen, dass eine Broschüre jetzt für die Sektions<lb break="no"/>arbeit rauskommt. Eine Bezirkszeitung wird vierteljährlich jetzt<lb/>
von der Partei in jedem Bezirk erscheinen, Eine Kulturarbeits<lb break="no"/>gemeinschaft wird gegründet und in jedem Bezirk soll ein Öffent<lb break="no"/>lichkeitsarbeitsreferent ernannt werden, der insbesondere zu den<lb/>
Zeitungen und Massenmedien besseren Kontakt herstellt. Vertrau<lb break="no"/>lich wurde mitgeteilt, dass jetzt auch eine Runde der Presserefe<lb break="no"/><pb n="53-0051" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band53/53_1980-01-21_0051.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>renten bei jeden Stadtrat sein <choice><choice><sic>woll</sic><corr>soll? will?</corr></choice></choice>. Einmal in der Woche,<lb/>
nämlich am Montag, wird in der AZ jetzt der Organisations<lb break="no"/>kalender erscheinen und mit der SJ, Jungen Generation und<lb/>
Kinderfreunden-Vorständen wird der Wiener Ausschuss ein<lb/>
Open House machen. Dies kann nur eine Massendemonstration<lb/>
von etlichen hundert Teilnehmern werden, wenn alle daran<lb/>
teilnehmen, was sicherlich nicht der Fall ist. Durch<lb/>
diese ganztägige Sitzung wurde viel diskutiert, ich war<lb/>
ja leider nur teilweise anwesend, und auch etliche Beschlüsse<lb/>
gefasst. Trotzdem halte ich solche Sitzungen für sehr proble<lb break="no"/>matisch, denn die Ausschussmitglieder, die daran nicht teil<lb break="no"/>nehmen können, glauben weiss Gott was dort alles besprochen<lb/>
wird und fühlen sich teilweise diskriminiert. Die Besetzung<lb/>
z.B. der Gemeinderäte wäre ausschliesslich dem Ausschuss vor-<lb/>
behalten und könnte gar nicht, auch vom erweiterten Vorstand,<lb/>
beschlossen werden. Da es aber dringend war, musste es eben<lb/>
von dem unzuständigen Organ vorgenommen werden. Ich bin neu<lb break="no"/>gierig, ob sich das nächste Mal darüber wer aufregt. Ich glau<lb break="no"/>be, eigentlich kaum.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_09">Im Pressefrühstück, das diesmal so gut wie noch nie besetzt<lb/>
war, kaum dass alle Beteiligten sitzen konnten, berichtete<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114739">Goldmann</rs> zuerst über die Arbeitsgruppen wegen der Bio-Sprit-<lb/>
Untersuchungen. Wenn 5% Beimischung kommt, müsste der Benzin<lb break="no"/>preis um 30 bis 50 Groschen erhöht werden. Der Bund würde sich<lb/>
200 Mio Schilling ersparen durch Wegfall von Exportstützungen<lb/>
und 65.000 Tonnen Öl bräuchten weniger importiert werden. Der<lb/>
Bodenkulturprofessor <rs type="person" ref="#per__123310">Köttl</rs> von der Landwirtschaft hat natürlich<lb/>
nur das Positive herausgestrichen. Seiner Meinung nach könnten<lb/>
90.000 Tonnen Schlempe als Futtermittel verbraucht werden. Bis<lb/>
zu 90.000 Tonnen könnten sogar zusätzlich dann noch für Rinder<lb/>
als Flüssigfuttermittel im Umkreis von 10 Kilometern verwendet<lb/>
werden. Mit einem Wort, es wäre äusserst günstig Getreide dafür<lb/>
zu verwenden. Sollte Zuckerrübe aber verwendet werden, das<lb/>
einen besseren Energieertrag gäbe, müsste man mit der Maische<lb/>
halt Düngemittel erzeugen oder sonst irgendwie wesentlich<lb/>
schlechter verwenden. Der Direktor <rs type="person" ref="#per__123309">Schreier</rs> von Vogelbusch wieder<lb/>
hat alle technischen Details sehr positiv geschildert und der<lb/>
Technikprofessor <rs type="person" ref="#per__117651">Schmidt</rs> meinte, es könnte bis zu 15, bis 20%<lb/>
ohne schwerwiegende Probleme Biosprit beigemischt werden, wo<lb break="no"/>durch eine bessere Verbrennung erfolgt. Derselbe Literverbrauch<lb/>
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vorliegt, der CO-Gehalt würde fallen und man könnte sogar<lb/>
wahrscheinlich Bleizusatz ein wenig senken. Die Importben<lb break="no"/>zine müssten durch eine Mischanlage, die natürlich Investi<lb break="no"/>tionskosten verursacht, sowie die Inlandsbenzine entsprechend<lb/>
technisch möglich sofort gemischt werden. Ich erklärte dann de<lb break="no"/>zidiert, dass jetzt das Handelsministerium alle Vorarbeiten ab<lb break="no"/>geschlossen hat und dass eben jetzt bei den Produzenten, vom<lb/>
Bauern angefangen, die sich ja schon mit einer Gesellschaft<lb/>
bei der EBS organisiert haben, bis zu der Mineralölwirtschaft,<lb/>
die ja letzten Endes die Übernahme und Beimischung durchführen<lb/>
muss, liegt, wann und ob dieses Projekt zustande kommt. Jetzt<lb/>
muss endgültig von der Mineralölwirtschaft resp. von den Sprit<lb break="no"/>produzenten klar entschieden werden. Zu hoffen, dass das<lb/>
Handelsministerium dekretiert, ist eine Illusion, denn dazu<lb/>
habe ich weder die gesetzliche Grundlage, noch stehe ich auf<lb/>
dem Standpunkt, dass in unserem Wirtschaftssystem alles immer<lb/>
vom Staat dekretiert und damit bezahlt werden soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_10">GD <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> hat in der Früh angerufen und mitgeteilt, dass in<lb/>
der UdSSR er wider Erwarten sogar von einem Vizeministerprä<lb break="no"/>sident und von sonstigen lauter erstrangigen Leuten empfangen<lb/>
wurde, um über Strombezug zu sprechen. Wie mir MR <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> nachher<lb/>
mitteilte, war anfangs sowohl in der Botschaft als insbesondere<lb/>
bei der Handelsdelegation von der Reise <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuths</rs> wenig bekannt<lb/>
und man wollte sie sogar streichen. Als dann <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> aber sich<lb/>
selbst eine so gute Verhandlungsposition geschaffen hat, ist<lb/>
Botschafter <rs type="person" ref="#per__114156">Hinteregger</rs> sofort mitgelaufen. Die Russen haben<lb/>
halt wahrscheinlich auch die Quarglerei in den verschiedensten<lb/>
Kommissionen und offiziellen Gremien und über Botschaften usw.<lb/>
satt und spüren, dass <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> als Verbundgesellschaft imstande<lb/>
ist, auch für sie entsprechend interessante Projekte zu bringen.<lb/>
Da die Sowjets auf alle Fälle Spitzenstrom brauchen, den wir ja<lb/>
im Abtausch gegen Grundlast ohne weiteres zur Verfügung stellen<lb/>
können, ergibt sich eine interessante Stromaustauschmöglichkeit.<lb/>
Da die Russen jetzt eine 750 KV-Leitung bis Budapest gelegt haben,<lb/>
glaubt <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> wäre es möglich über diese Leitung dann auch bis<lb/>
Österreich und darüber hinaus nach den westeuropäischen Ländern,<lb/>
Schweiz und Deutschland, eventuell sogar Frankreich und Italien,<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> könnte dies bis 1.000 Megawatt ab 1985 gehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_11">Ich berichtete dann abschliessend schnell über die Öl-, Gas-<lb/>
und Elektrizitätsverbräuche von Jänner bis November und verwies<lb/>
natürlich, dass daraus beim besten Willen keine chaotische Energie<lb break="no"/>versorgung, wie Abg. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> von der ÖVP und Energiesprecher dieser<lb/>
Partei immer wieder behauptet, festzustellen ist. Wenn <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs><lb/>
aber die Ostabhängigkeit im Anhang an <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> besonders kriti<lb break="no"/>siert, so erwarte ich, dass die ÖVP dem Energiesicherungsgesetz<lb/>
zustimmen wird, wo, wie ich mit <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> anschliessend besprach,<lb/>
auch eine entsprechende Lenkungsmöglichkeit für Importbezüge<lb/>
vorgesehen werden muss.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_12">Die Vorsprache der EUMIG-Betriebsräte von ganz Österreich war<lb/>
erschütternd. In Wiener Neudorf sollen 430 gekündigt werden,<lb/>
in Deutsch Altenburg 188, in Fürstenfeld 316 und in Kirchdorf<lb/>
126, insgesamt über 1.000, sodass nur 4.500 Rest überbleiben.<lb/>
Auch diese sind sehr gefährdet. Die Firma ist mit 2,3 Mia<lb/>
Schilling verschuldet, die Länderbank mindestens 2 Mia, bei<lb/>
einem Umsatz von 1,3 Mia Schilling und einem jährlichen Defizit<lb/>
von 300 Mio. Aus der Zinsenbelastung allein müsste die Firma<lb/>
200 Mio Schilling jährlich tragen. Eine ganz unmögliche Situation.<lb/>
Da die CA 150 Mio Schulden, die Postsparkasse 108 Mio und die<lb/>
Zentralsparkasse auch eine dreistellige Zahl zusätzliche Ver<lb break="no"/>schuldung der EUMIG besitzt, wird von den Betriebsräten befürch<lb break="no"/>tet, dass diese versuchen zu ihrem Geld zu kommen und damit der<lb/>
Betrieb in Konkurs gehen muss. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> berichtete dann im<lb/>
Ministerrat, dass die Länderbank im Aufsichtsrat 200 Mio neuer<lb break="no"/>lich Kreditmittel beschlossen hat, wodurch die Liquidität bis<lb/>
Ende März gesichert ist und bis zu diesem Zeitpunkt das Sanie<lb break="no"/>rungskonzept vorliegen soll. Die EUMIG-Bilanzen waren bereits<lb/>
seit 1974 negativ und schlecht und scheinbar ist in der Länder<lb break="no"/>bank niemand oder, wenn überhaupt, wesentlich zu spät darauf<lb break="no"/>gekommen. Die Situation liegt daher auch für die Länderbank<lb/>
äusserst ungünstig. Die Beschäftigung der Entlassenen ist<lb/>
einigermassen gesichert, denn Philips und Siemens werden fast<lb/>
600 aus Wiener Neudorf und Deutsch Altenburg übernehmen können.<lb/>
Auch in Kirchdorf wird man die Leute unterbringen. Das Problem<lb/>
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es gelänge die Agfa dort zu etablieren. Entsprechende Sicher<lb break="no"/>stellungen würde ja die Länderbank jederzeit geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> soll sofort entsprechende<lb/>
Versuche mit Agfa einleiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_14">Vor der Ministerratssitzung habe ich Landwirtschaftsminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> darauf aufmerksam gemacht, dass sein SChef <rs type="person" ref="#per__114570">Steiner</rs><lb/>
unbedingt zur ministeriellen Vorbesprechung für die EG-Ver<lb break="no"/>handlungen das Handelsministerium einladen muss. <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> wird<lb/>
Entsprechendes veranlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> informieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_16">In der Vorbesprechung hat <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zu seinem morgigen<lb/>
Geburtstag gratuliert und weitere erfolgreiche Zusammenarbeit<lb/>
und insbesondere Gesundheit gewünscht. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat einmal mehr<lb/>
darauf wieder verwiesen, wie gut dieses grosse Mass der Zusam<lb break="no"/>menarbeit in unserer Regierung funktioniert, was auf eine ein<lb break="no"/>heitliche Partei zurückzuführen ist und sich wohltuend gegen<lb break="no"/>über Deutschland, Italien und Frankreich, wo es schwere innere<lb/>
Konflikte, sei es in der Partei, oder in den Regierungen gibt,<lb/>
unterscheidet. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird jetzt die Asien-Reise antreten, auch<lb/>
dann wenn die ÖVP, <rs type="person" ref="#per__116706">Ettmayer</rs>, meint, er sollte dies unterlassen,<lb/>
weil sie schlecht vorbereitet ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_17">Der UdSSR-Botschafter war heute bei ihm und hat sanftmütig, wie<lb/>
wenn er vom heiligen Stuhl entsendet worden wäre, die sowjetische<lb/>
Situation dargelegt. Die UdSSR steht unter Zwang und er versteht<lb/>
die Aufregung wegen Afghanistan nicht. Dort war immer die UdSSR<lb/>
vertreten und 10.000 Aufständische militanter Art hätten dort<lb/>
jetzt den Bürgerkrieg entfacht. Wenn sowjetische Soldaten dort<lb/>
als Freundschaftspakt einmarschieren, regt sich die Welt auf,<lb/>
dass in Kuba und Panama US Soldaten stehen, vergisst man dabei.<lb/>
Sicher war die UdSSR über die Reaktion der Welt sehr überrascht.<lb/>
Für die Amerikaner ist die afghanische Besetzung wie gewünscht<lb/>
gekommen aus innenpolitischen Gründen. Der Botschafter versicherte,<lb/>
dass es sich hier um eine isolierte Aktion gegen Afghanistan<lb/>
handelt und dass nicht die Absicht besteht, weder nach Pakistan<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__108324">Breschnews</rs>, um dies neuerdings zu versichern und der UdSSR komme<lb/>
es nicht in den Sinn in Jugoslawien einzugreifen. Österreich,<lb/>
das sich immer für die Entspannungspolitik eingesetzt hat, er<lb break="no"/>sucht er diese Politik weiterzuführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_18">Eine längere Diskussion gab es dann wegen der Olympiade. Hier<lb/>
werden wir abwarten. Auf gar keinen Fall kommt eine Gegenolympiade<lb/>
in Frage. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> teilte mit, dass der Präsident des österrei<lb break="no"/>chischen olympischen Komitees <rs type="person" ref="#per__123210">Heller</rs> erklärt hätte, man werde<lb/>
die Meinung der Österreicher bei einer Entscheidung berücksich<lb break="no"/>tigen und natürlich die Regierung fragen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_19">Eine lange Diskussion ergab sich, weil <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> dem<lb/>
FPÖ-Abgeordneten <rs type="person" ref="#per__123311">Haider</rs> in der Fragestunde am Mittwoch Antwort<lb/>
geben soll, wie der Abbau der Stützung der Lebensmittel, die<lb/>
Energiepreisverteuerungen usw. für die Pensionisten berücksich<lb break="no"/>tigt werden. Laut Grundsatznorm ASVG und die anderen Sozialver<lb break="no"/>sicherungsgesetze liegt die AZ-Ausgleichszulagenregelung eigent<lb break="no"/>lich bei den Ländern. Seinerzeit wurde nur unter <rs type="person" ref="#per__111742">Kamitz</rs>, als die<lb/>
halbe Gewerbesteuer im Finanzausgleichsgesetz dem Bund gegeben wur<lb break="no"/>de, übernommen diese Ausgleichszulagen zu bezahlen. Die Richt<lb break="no"/>sätze werden deshalb immer von der Kommission festgesetzt und<lb/>
der Bund geltet sie mit 5.5 Mia Schilling ab. Theoretisch müssten<lb/>
aber die Länder dafür aufkommen. Darauf wollte <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> be<lb break="no"/>sonders verweisen, insbesondere dass ja die Fürsorgerichtsätze<lb/>
der Länder höher sein können als die Richtsätze der Ausgleichs<lb break="no"/>zulagen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meinte, dass wir ja heuer die Pensionen um 5.6%<lb/>
anheben, obwohl die Aktiven nur 4.2 bis 4.5% erhalten haben.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte nur Bedenken, dass man die Länder zu sehr auffor<lb break="no"/>dert sich um die sozial Bedürftigsten anzunehmen. Letzten Endes<lb/>
würden dies vielleicht sogar die Länder machen, um dann zu be<lb break="no"/>weisen, dass sie wieder einmal einspringen, weil der Bund versagt.<lb/>
Zusätzliche Mittel aber, wie wir dies zweimal in der Vergangenheit<lb/>
für eine zusätzliche Abgeltung gemacht haben, kann der Finanz<lb break="no"/>minister nicht zur Verfügung stellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-21_20">Sowohl der Zentralsekretär der Metallarbeiter <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs>, als<lb/>
auch der Obmann der Privatangestellten <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> hatten<lb/>
mich verwundert gefragt, wieso die Sozialversicherung jetzt<lb/>
4.000 Betten im Waldviertel bauen und betreiben soll. Der<lb/>
Sozialminister <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> hatte mir dezidiert erklärt, dass<lb/>
dafür natürlich überhaupt keine Geldmittel von der Sozialver<lb break="no"/>sicherung oder von ihm selbst zur Verfügung gestellt werden<lb/>
könnten. Genauso unmöglich betrachtet die Gewerkschaftsbewe<lb break="no"/>gung auch den Vorschlag, man sollte einen 8- oder 14-tägigen<lb/>
zusätzlichen Urlaub für die Schichtarbeiter oder Nachtarbeiter<lb/>
dekretieren, damit dann diese Sozialversicherungseinrichtungen<lb/>
dort entsprechend belegt werden. Hier wird also die Idee von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__120379">Mayr</rs>, der sie ja <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eingeredet hat, sicherlich scheitern.<lb/>
In der Bundeshandelskammer, so habe ich erfahren, herrscht des<lb break="no"/>halb helle Aufregung und Empörung, dass der Staat hunderte Mil<lb break="no"/>lionen jetzt auf diese Art und Weise in den Fremdenverkehr für<lb/>
eine Privatfirma pumpen will. Die meiner Meinung nach sehr un<lb break="no"/>glückliche Mitteilung von <rs type="person" ref="#per__120379">Mayr</rs> auf der Hoteliervereinigungs<lb break="no"/>tagung schlägt also ungeheure Wellen. Rauskommen kann und wird<lb/>
überhaupt nichts.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 21.1.1980</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Vorstand Inst. f. Verfahrenstechnik u. Technologie d. Brennstoffe TU
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               <occupation>Unterrichtsminister, Bgm. Wien</occupation>
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               <persName type="label">Hinteregger, Gerald</persName>
               <persName><surname>Hinteregger</surname><forename>Gerald</forename></persName>
               <occupation>öst. Botschafter in Spanien, der Sowjetunion, ab 1981 GS im
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               <persName><surname>Goldmann</surname><forename>Thomas</forename></persName>
               <occupation>Branchenreferent HM</occupation>
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               <occupation>MR HM</occupation>
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               <occupation>Präsidentschaftskanzlei bis 1973, ab 1975 Wr. Magistratsdir.</occupation>
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               <persName type="label">Lanc, Erwin</persName>
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