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            <title type="main">Montag, der  7. Jänner 1980</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-07_02">Das erste Journalistenfrühstück unter Führung von Staatssekretär<lb/>
<rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> war insoferne eine Pleite, als wir bedingt durch<lb/>
die Ministerratsvorbesprechung und den Ministerrat um 10 Uhr<lb/>
dieses bereits für 9 Uhr festsetzen mussten. So wenig Journa<lb break="no"/>listen waren überhaupt noch nie. Als wir begannen, waren 3 hier,<lb/>
im Laufe der Zeit sind es dann ein halbes Dutzend geworden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> berichtete über die Aussenhandelsergebnisse, Export und<lb/>
Import auf das ganze Jahr gerechnet, Dezember geschätzt mit<lb/>
16,5 % Zuwachs, ein von niemandem erwartetes Ergebnis. Natür<lb break="no"/>lich wurde dann auch die Frage diskutiert, wie es weitergehen<lb/>
wird. Niemand kann dies durch die Opec-Preispolitik, es muss<lb/>
eigentlich richtig heissen durch die Opec-Länder-Preispolitik<lb/>
vorhersagen. Die Opec kann keine Preispolitik mehr machen,<lb/>
die einzelnen Länder haben sich vollständig selbständig gemacht.<lb/>
Ich vertrat nach wie vor die Ansicht, dass der Spotmarktpreis<lb/>
sinken wird, die Vertragsmengen aber immer geringer werden<lb/>
und ein immer grösserer Teil der Erdölumsätze sich auf den<lb/>
Spotmarkt verlagern wird. Eine Entwicklung auf dem Ölpreismarkt,<lb/>
wie der saudi-arabische Ölminister <rs type="person" ref="#per__108323">Yamani</rs> vorhersagt, dass<lb/>
es nämlich auch zu einem Zusammenbruch kommen kann, ist aber<lb/>
nicht auszuschliessen, eher aber unwahrscheinlich. Dies wird<lb/>
meiner Meinung nach nur bei einer Rezession, die schon krisen<lb break="no"/>ähnlichen Charakter haben muss, der Fall sein. Da derzeit durch<lb/>
die Besetzung der Sowjets in Afghanistan aber mit Rüstungsauf<lb break="no"/>schwung zu rechnen ist, der Kalte Krieg hat wieder Einzug ge<lb break="no"/>halten, ist mit einem konjunkturellen Aufschwung zumindestens<lb/>
auf dem Rüstungssektor in den grossen Staaten zu rechnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-07_03">Frau Min.Rat <rs type="person" ref="#per__108321">Rameder</rs> sprach über die Förderung der Nebenrechte<lb/>
auf Grund der Gewerbeordnung. Vor zehn Jahren wäre es noch<lb/>
unvorstellbar gewesen, dass der Fleischhauer nicht nur den<lb/>
Gastwirt vorbehaltene Verkäufe tätigen kann, sondern dafür<lb/>
auch noch gefördert wird, um ein Beispiel zu sagen. Ich glaube,<lb/>
diese Liberalisierung hat sich wirklich sehr bewährt. Die<lb/>
Zeitungen und die Massenmedien haben in Wirklichkeit aber<lb/>
gar kein Interesse mehr daran, diese geänderten Verhältnisse<lb/>
zu schildern, geschweige denn den Verdienst des Handelsministerium<lb/>
dafür herauszustreichen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-07_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Hier müsste die Service-Leistung besser<lb/>
verkauft werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-07_05">In der Ministerratsvorbesprechung hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fast ausschliess<lb break="no"/>lich über die aussenpolitische Situation berichtet. <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> war<lb/>
leider nicht anwesend. Die Sowjetunion hat – und da stimme ich<lb/>
ihm zu – eine extreme Führungsschwäche, <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> hat ja, als er<lb/>
das letzte Mal mit ihm in Moskau gesprochen hat, auf ihn einen<lb/>
verheerenden Eindruck gemacht, er hat auf Fragen prinzipiell<lb/>
nur geantwortet, die ihm ein Gehilfe mit einem Zettel, scheinbar<lb/>
Informationen, zugesteckt hatte. <rs type="person" ref="#per__97652">Kossygin</rs>, der zweite Mann, leidet<lb/>
an einem Herzinfarkt und ist jetzt monatelang nicht greifbar.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108330">Gromyko</rs> dürfte seiner Meinung nach die Geschäfte mehr schlecht<lb/>
als recht führen. Meiner Meinung nach wird die Sowjetunion von einem<lb/>
Kollektiv schon jetzt geführt, wobei eben, wenn gewisse Tauben<lb/>
ausfallen – wie wahrscheinlich <rs type="person" ref="#per__97652">Kossygin</rs> und <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> gewesen<lb/>
sind – dann die extremeren Falken-Vertreter die Oberhand bekommen.<lb/>
Der Einmarsch in Afghanistan war für mich eine so typische<lb/>
Aktion. Iran in Revolutionsstimmung, die Russen Angst, dass<lb/>
dies auf Afghanistan und letzten Endes selbst auf ihre eigenen<lb/>
Provinzen mit islamischer Bevölkerung übergreift, die Amerikaner<lb/>
mit der Botschaftsbesetzung stark gebunden, ist nach Meinung<lb/>
dieser Falken die beste Gelegenheit, jetzt Afghanistan zu be<lb break="no"/>reinigen. Dass Afghanistan schon zu ihrem Einflussbereich gehört,<lb/>
wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sagt, und deshalb auch gar keine besondere Machtver<lb break="no"/>schiebung eingetreten ist, stimmt, doch wurde dieser innerpaki<lb break="no"/>stanische oder, noch besser gesagt, dieser innerkommunistische<lb/>
Streit eben dazu benützt, um einen noch mehr Moskau hörigen<lb/>
Präsidenten zu installieren. <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> hat seinerzeit bei<lb/>
der Besetzung der CSSR einem ausländischen westlichen Journalisten,<lb/>
der dies <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann mitgeteilt hat, gesagt, in 6 Monaten ist<lb/>
alles vergessen. Er hat nur nicht berücksichtigt, dass es dann<lb/>
zur Spaltung der KP in den westeuropäischen Ländern gekommen<lb/>
ist. Ich glaube nur, dass dies, selbst wenn es <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs><lb/>
gewusst hätte, gar nicht veranlasst hätte, die CSSR und Ungarn<lb/>
nicht zu besetzen, den Real- oder Machtpolitikern des Kreml<lb/>
ist nämlich die Einstellung in Westeuropa meiner Meinung nach,<lb/>
ich will nicht sagen wurscht, aber viel weniger wichtiger<lb/>
als das Festhalten ihres militärischen Imperiums. Noch heute<lb/>
ist es mir ein Rätsel, wieso es Österreich geglückt ist resp.<lb/>
den Tauben damals im Präsidium der KP d. UdSSR geglückt ist,<lb/>
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Dominanz in den USA bezüglich der Aufrüstung herrschen wird<lb/>
und die SU eine Versorgungskrise mitmacht. In Afghanistan<lb/>
wird es jetzt einen jahrelangen Krieg geben, der die Infil<lb break="no"/>tration von aussen, wie in der Vergangenheit bereits die<lb/>
Länder feststellen konnten und wussten, nicht so leicht zu<lb/>
Ende geführt werden kann. Die Engländer haben von Österreich<lb/>
verlangt, es soll mitstimmen, dass der Sicherheitsrat einbe<lb break="no"/>rufen werden soll. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> ersucht, mag möge fest<lb break="no"/>stellen, wer die anderen Staaten sind, die diese Empfehlung<lb/>
mit unterzeichnen, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> empfohlen, sich nicht<lb/>
zu den Einberufern des Sicherheitsrates zu bekennen. Er be<lb break="no"/>trachtet dies als eine sinnlose Demonstration, entscheidend<lb/>
ist nämlich, was dann beim Sicherheitsrat herauskommt, der<lb/>
ja auf alle Fälle einberufen wird. Auch 1967, als die SU die CSSR<lb/>
besetzte, war Österreich nicht unter den Staaten, die die Ein<lb break="no"/>berufung des Sicherheitsrates sofort verlangten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fürchtet,<lb/>
dass jetzt die Opposition dieses Problem so wie die Kuba-<lb/>
Abstimmung im Sicherheitsrat aufgreifen und die Aussenpolitik<lb/>
hart attackieren wird. Hier handelt es sich nicht darum, Mut<lb break="no"/>proben, die Österreich liefern soll, als die Besetzung bis 1955<lb/>
dauerte, dann die CSSR-Besetzung und Ungarn-Besetzung hat<lb/>
Österreich etliche Male Mutproben gezeigt. Die SU will auf<lb/>
alle Fälle ein zweites Iran in Afghanistan verhindern. In der<lb/>
islamischen Welt hat sich viel geändert vor allem darf nicht<lb/>
die Besetzung Mekkas in Saudi-Arabien vergessen. Im Iran gibt es<lb/>
derzeit keine politische Macht, die imstande wäre, wirklich die<lb/>
Staatsgeschäfte zu führen. <rs type="person" ref="#per__109803">Khomeini</rs> weiss, dass er gegen die<lb/>
Besetzer der Botschaft nichts ausrichten kann. Würde er ihnen<lb/>
die Aufgabe empfehlen, würden sie sich nicht daran halten.<lb/>
Die Olympischen Spiele durch Amerika zu boykottieren, geht<lb/>
nicht, weil dafür überhaupt keine gesetzliche Regelung vorge<lb break="no"/>sehen ist, die amerikanische Einstellung der Weizenlieferungen<lb/>
wird für <rs type="person" ref="#per__109804">Carter</rs> noch ein schweres Problem mit den Farmern<lb/>
bringen. Jetzt muss er sie entschädigen, was er mit den<lb/>
17 Mill. t macht, wird er sie verbrennen oder sonst verwerten,<lb/>
weiss man nicht. Es wird kein SALT II-Abkommen ratifiziert<lb/>
und wahrscheinlich die Truppenabbaugespräche in Wien werden<lb/>
jetzt vollkommen zum Erliegen kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-07_06">Es war eine prinzipielle grosse Änderung von einem Tag auf<lb/>
den anderen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat noch einmal alles durchgelesen, was<lb/>
1968 bei der CSSR-Besetzung geschehen ist, hier gibt es im Kindes<lb break="no"/>mann-Verlag ein Handbuch über die damaligen Massnahmen. <rs type="person" ref="#per__97634">Klaus</rs><lb/>
hat<add>[am]</add> Anfang total geschwiegen, dann sich auf die Neutralität be<lb break="no"/>rufen und der einzig konkrete Beschluss war, dass sich die Re<lb break="no"/>gierung gegebenenfalls nach Aussee zurückziehen wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat<lb/>
so ausführlich über diese Probleme gesprochen, weil er im Minister<lb break="no"/>rat, wie er sich ausdrückte, die Details nicht sagen will, er<lb/>
es sonst über die dort anwesenden ÖVP-Beamten sofort in der<lb/>
Kärntner Strasse mitgeteilt wird. Im Ministerrat hat es deshalb<lb/>
nur einleitend festgestellt, dass in der Vorbesprechung ein Bericht<lb/>
über die Lage und die Hintergründe gegeben wurde, dass die Sicherheits<lb break="no"/>ratseinberufung von Österreich nicht unterstützt wird, dass er<lb/>
wohl aber, soweit es dort zu Beschlüssen kommt, im Hinblick auf die<lb/>
immerwährende Neutralität und die Möglichkeiten, die sich Öster<lb break="no"/>reich trotzdem ergeben, diese von Österreich auch unterstützt werden.<lb/>
Die Einberufung des Sicherheitsrates ist eine rein demonstrative<lb/>
Politik und man muss erst abwarten, was herauskommt. Bis jetzt<lb/>
hat sich Österreich immer an die politischen Fakten gehalten<lb/>
und weniger an Demonstrationen. Ganz verstehe ich ja diese Haltung,<lb/>
brauche sie aber im wahrsten Sinne des Wortes auch gar nicht<lb/>
verstehen, denn Aussenpolitik ist nicht mein Fach. Ich glaube<lb/>
eher, dass er <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> eben empfohlen hat, sich nicht an der Einberufung<lb/>
des Sicherheitsrates zu beteiligen und eben jetzt die notwendigen<lb/>
Begründungen sich zusammengesucht hat.<lb/>
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jetzt zu einer Hungersnot in der SU kommen würde. <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> hat<lb/>
auf Aufforderung dann die Fragen dahingehend beantwortet, dass<lb/>
die Sowjets seiner Meinung nach ganz gute Ernten gehabt haben und<lb/>
über entsprechende Vorräte verfügen. Ziffernmässig konnte ich<lb/>
eigentlich die meisten Auskünfte geben. Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__112148">Schober</rs> hat<lb/>
ja bereits vor Monaten mich gefragt, wieso die Sowjets mit 250 Mio<lb/>
Bevölkerung fast 180 Mio t Getreide, in Wirklichkeit ist der<lb/>
Sollbedarf 230 Mio t, also fast nach meinen Berechnungen über<lb/>
900 kg, nach Berechnung von <rs type="person" ref="#per__112148">Schober</rs> 800 kg pro <rs type="person" ref="#per__118802">Kopf</rs>, verbrauchen.<lb/>
Hier handelt es sich zweifelsohne um Anlegung von grossen Vor<lb break="no"/>ratslagern aus militärpolitischen Gründen. <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> hat mir<lb/>
auch seinerzeit mitgeteilt und dies habe ich dann auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
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Amerikaner immer wieder glauben, wenn die SU bei ihnen<lb/>
kauft, den Getreidepreis hinaufsetzen zu können. Dies<lb/>
ergibt sich allerdings nicht durch die amerikanische Admini<lb break="no"/>stration, sondern eben durch die Getreidebörse. Wenn die<lb/>
Nachfrage um 40 Mio Sowjeteinfuhren steigt, dann müsste<lb/>
natürlich der Getreidepreis anziehen. <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> hat mir<lb/>
aber triumphierend damals mitgeteilt, und ich bin überzeugt<lb/>
davon, dass es stimmt, in diesem Zeitpunkt hat er bereits mit<lb/>
entsprechenden Verträgen sich die Einfuhr zu tiefen Preisen<lb/>
gesichert. Ich bin genauso überzeugt, dass auch der Boykott<lb/>
der Amerikaner, die Nichtlieferung von 17 Mill. t Getreide<lb/>
die SU kaum treffen wird, denn die amerikanischen Firmen werden<lb/>
über westeuropäische Broker, u.a. auch sicherlich von Schweizern,<lb/>
die notwendigen Getreidemengen, die die SU braucht, auch<lb/>
dann letzten Endes über andere Staaten in die SU liefern.<lb/>
Von einer Hungersnot in der SU kann daher keine Rede sein,<lb/>
die Versorgungslage ist dort allerdings immer kritisch bei<lb/>
allen Nahrungsmitteln und wird jetzt dort nur noch von<lb/>
der Sowjetregierung und der KP dargestellt werden als Folge<lb/>
der imperialistischen Aushungerungspolitik der Amerikaner.<lb/>
Ich habe mit Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> von unserer Grundsatzabteilung<lb/>
gesprochen, dass in Hinkunft, wenn solche Ereignisse ein<lb break="no"/>treten, er sofort mit <rs type="person" ref="#per__112565">Unterberg</rs> und seinen sonstigen Mitarbeitern<lb/>
versuchen sollte, ohne dass ich entsprechende Aufforderungen<lb/>
an ihn richte, mir Unterlagen zusammenzustellen. Dies gilt<lb/>
natürlich noch viel mehr für unser ganzes Büro. Die von<lb/>
Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> angeforderten Getreidelieferungsziffern<lb/>
für die SU hat dieser auf mein Verlangen dann letzten Endes<lb/>
von Min.Rat <rs type="person" ref="#per__114941">Stühlinger</rs>, LWM, bekommen, Sie stimmen mit den<lb/>
Zeitungsmitteilungen nicht zusammen. Trotzdem sind beide<lb/>
als Anhaltspunkte wichtig. Dass es in anderen Ministerien<lb/>
auch nicht funktioniert, ist ja für mich klar und deutlich ge<lb break="no"/>worden, als <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> von den Liefermengen, überhaupt Quantitäten<lb/>
nichts gewusst hat. Die einzige Ziffer, die er kannte, war der<lb/>
polnische Importbedarf von 7–8 Mill. t, weil zur selben<lb/>
Ministerratssitzung der Punkt Getreideliefervertrag-Unter<lb break="no"/>zeichnungsvollmacht beschlossen werden musste.<lb/>
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Akte sind für mich interessant, sondern eben globale Ziffern<lb/>
und Zusammenhänge.<lb/>
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dann noch, dass Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__117633">Hrabak</rs> für den ehemaligen Bundes<lb break="no"/>kanzler, der den Staatsvertrag gebracht hat, der eine Marke<lb/>
anlässlich des 25 Jahre-Staatsvertrag haben möchte. Auch<lb/>
für den 75. Jahrestag des Kardinal <rs type="person" ref="#per__109820">König</rs> will eine Gruppe<lb/>
eine Marke nach Richtlinien, aber soll es für lebende Politiker<lb/>
eine einzige Ausnahme geben, nämlich den Bundespräsidenten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war in beiden Fällen bestrebt, die Wünsche dieser Gruppen<lb/>
zu erfüllen. Er befürchtet, dass es ansonsten heisst, er<lb/>
möchte als einziger noch Lebender von den Staatsvertragsunterzeich<lb break="no"/>nern auch niemandem anderen eine entsprechende Ehrung und Auf<lb break="no"/>merksamkeit zukommen lassen. Bei Kardinal <rs type="person" ref="#per__109820">König</rs> wieder würde es<lb/>
dann heissen, jetzt hat er seine Schuldigkeit getan, er hat<lb/>
bei einer Ordensüberreichung für <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> ja gesagt, dass die<lb/>
meisten Katholiken in Wien im Lager des Bürgermeisters <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs><lb/>
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ist der Dank der SPÖ. <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> wird sich bemühen, diese beiden<lb/>
Wünsche irgendwie zu erfüllen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-07_10">Im Ministerrat wurden dann ausser der einleitenden Bemerkung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, damit die afghanische Frage ins Protokoll kommt, dann<lb/>
die Arbeitslosenziffern von <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> bekanntgegeben. Mit<lb/>
69.000 im Dezember, um 7.000 mehr als im November, aber um 9.500<lb/>
weniger als im Vorjahr, werden wir eine Arbeitslosenrate im<lb/>
Dezember von 2,4 % erreichen gegenüber Vorjahr 2,8 %. Was<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> am meisten gewundert hat, dass in Salzburg, Tirol und<lb/>
Vorarlberg weniger Arbeitslose sind als im Vormonat. Das<lb/>
muss auf eine gute Winter-Fremdenverkehrssaison schliessen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-07_11">Im Wiener Vorstand und dann auch im Wiener Ausschuss wurde zuerst<lb/>
über die kommende Arbeit und die organisatorischen Angelegenheiten<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__109818">Edlinger</rs> berichtet. Die Sichtungsgruppen über die Aktivitäten<lb/>
der Wiener Organisation, die Präsidentenwahlkampagne, das Verkehrs<lb break="no"/>konzept wurden im einzelnen besprochen. Zum Verkehrskonzept<lb/>
wurden die Stellungnahmen der einzelnen Bezirke verarbeitet,<lb/>
die AK, die JG, die SJ haben aber grosse ablehnende Stellungnahmen<lb/>
geliefert, die sogar im Wortlaut angehängt wurden. Bezirksvor<lb break="no"/>schläge, die einzelne Bezirke gemacht haben, sollen nicht jetzt<lb/>
publizistisch ausgewertet werden. Es genügt schon der Streit,<lb/>
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und der Partei von den Massenmedien ausgenützt wird. "Die<lb/>
Zukunft" hat jetzt Artikel von dem kommunalpolitischen Referenten<lb/>
<rs type="person" ref="#per__123216">Rainer</rs> und <rs type="person" ref="#per__118954">Juch</rs> der Arbeiterkammer abgedruckt, wo sich <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs><lb/>
mit Recht aufgeregt hat, dass dort auch u.a. steht, die Politiker<lb/>
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nicht in der Öffentlichkeit diskutieren. "Die Zukunft" druckt<lb/>
zuerst die Kritik der jungen Leute ab und dann fordert sie die<lb/>
Verwaltung sozusagen oder den zuständigen Stadtrat auf, dazu<lb/>
Stellung zu nehmen. Seiner Meinung nach hätte dies umgekehrt<lb/>
sein müssen. Was wir letzten Endes beschlossen haben, war,<lb/>
dass das Verkehrskonzept nicht in allen Details dem Gemeinderat<lb/>
zur Beschlussfassung vorgelegt werden soll. In diesem Fall<lb/>
müsste nämlich bei jeder einzelnen Änderung dann wieder der<lb/>
Gemeinderat einberufen werden, um einen Beschluss aufzuheben.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> hat vorgeschlagen, man soll Grundsätze und Stand<lb break="no"/>punkte formulieren und dann letzten Endes beschliessen.<lb/>
Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> hat darauf verweisen, dass im Verkehrskonzept<lb/>
überhaupt nur finanziert werden kann, was im Staatsvertrag<lb/>
mit dem Bund vereinbart wurde. Bgm. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> teilte mit, dass<lb/>
er mit dem Präs. <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> wegen der Stellungnahme zu dem<lb/>
Verkehrskonzept eine Aussprache gehabt hat. Dort ist eben passiert,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> geglaubt hat, es handelt sich um eine interne<lb/>
Informationsschrift und in Wirklichkeit wurde der Brief, den<lb/>
er allerdings unterschrieben und nicht gelesen hat, als die<lb/>
offizielle AK-Stellungnahme dann abgeschickt. Die beiden<lb/>
kommunalpolitischen linken Freunde <rs type="person" ref="#per__123216">Rainer</rs> und <rs type="person" ref="#per__118954">Juch</rs> können<lb/>
sich daher jetzt sogar auf eine Sanktion des Präsidenten be<lb break="no"/>rufen. Die Arbeiterkammer hat aber aus der ganzen Entwicklung die<lb/>
Folge gezogen und jetzt einen kommunalpolitischen Ausschuss<lb/>
mit Funktionären besetzt. Solange ich in der AK war, war<lb/>
es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass überhaupt kein<lb/>
einzelner Beamter und schon gar nicht irgendwelche Massnahmen<lb/>
von der Arbeiterkammer gefordert oder gesetzt habe, die nicht<lb/>
durch einen Funktionärsbeschluss gedeckt waren. Diese Politik<lb/>
dürfte sich jetzt doch in den letzten Jahren wesentlich geändert<lb/>
haben, die linken Freunde machen es oft so, als wenn sie dort<lb/>
jetzt schon das Heft in der Hand hätten und sich eben gegen die<lb/>
<pb n="53-0008" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band53/53_1980-01-07_0008.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gewählten Funktionäre, vom Präsidenten angefangen bis zum<lb/>
letzten Kammerrat, nicht nur durchsetzen können, sondern sich<lb/>
auch meistens gar nicht um die Meinung der Funktionä<lb break="no"/>re viel kümmern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-07_12">Der Mitgliederstand der SPÖ Wien war im Dezember 446.890, um 3.000<lb/>
mehr als im Jänner, 15.000 wurden durch die Werbeaktion er<lb break="no"/>fasst, 82 % der Zielvorstellungen erreicht, in der Landstrasse<lb/>
liegen wir sehr schlecht bei knapp 50 % nur.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-07_13"><rs type="person" ref="#per__117008">Nentwich</rs> berichtete über die Schulungsaktivitäten, die dies<lb break="no"/>mal sehr gut anlaufen. 76 haben sich zur Parteischule gemeldet,<lb/>
11 Seminare werden abgehalten und es ist bei den jungen Leuten<lb/>
ein grosses Interesse festzustellen. <rs type="person" ref="#per__97926">Schranz</rs> hat mit<lb/>
Recht kritisiert, dass das Service-Buch, welches jetzt die Partei<lb/>
herausgibt, mit Erlagschein automatisch an die Funktionäre<lb/>
verschickt wird. Im Konsumentenschutzgesetz wehrt sich die<lb/>
Regierung und damit das ganze Parlament gegen diese Art der<lb/>
Keilerei und die Partei selbst macht es. Ausserdem – und dies<lb/>
ist allerdings noch viel mehr erschütternd – dass in dem Service<lb break="no"/>Buch 79-er-Zahlen drinnenstehen, die längst überholt sind.<lb/>
Da es sich hier um Sozialversicherungsziffern handelt, die den<lb/>
einzelnen betreffen, hat das Buch bereits beim Erscheinen nur<lb/>
mehr Makulaturwert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-07_14">Eine längere Diskussion ergab sich, weil <rs type="person" ref="#per__114547">Gawlik</rs> darauf verwiesen<lb/>
hat, dass jetzt, obwohl 3 Gewerkschafter, bedeutende Gewerk<lb break="no"/>schafter, wie er sagte, im Wiener Vorstand vertreten sind,<lb/>
er immer mehr feststellen kann, dass die Kernschicht unserer<lb/>
Bewegung, die Facharbeiter in der Partei immer weniger mit<lb break="no"/>arbeiten und immer weniger sich durchsetzen können. Dies ist<lb/>
eine Erscheinung, die wir, das habe ich besonders ausge<lb break="no"/>führt, in den Gewerkschaften auch feststellen müssen, gute<lb/>
Facharbeiter werden von den Betrieben womöglich zu Angestellten<lb/>
gemacht, die Bestrebungen des Gewerkschaftsbundes, die Facharbeiter<lb/>
besonders herauszustreichen, dazu wurde sogar ein eigener<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>-Fonds gegründet, der Geld hat, aber keine Aktivitäten<lb/>
oder nur sehr geringe Aktivitäten entfaltet, war bis jetzt<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-07_15">Die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge führt dazu, dass auch<lb/>
die Kinderfreunde statt 60 Groschen 75, der ASKÖ statt 6 7,5<lb/>
die Wiener Frauen statt 10 12 und die SJ statt 7,5 9 Groschen<lb/>
bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-07_16">Im Aufsichtsrat des Wiener Verkehrsvereines wird anstelle des<lb/>
Reisebürobesitzers <rs type="person" ref="#per__118955">Rewitzki</rs> vom Freien Wirtschaftsverband<lb/>
<rs type="person" ref="#per__118956">Schmidberger</rs> entsendet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-07_17">In der Werbeabteilung der Z ist ein guter Mann aus dem 3. Bezirk,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__118957">Javurek</rs>, der ab 1. Feber 1980 in die Wiener Partei entliehen<lb/>
wird. Sollte er sich bewähren, was mir alle sagen, es wird der<lb/>
Fall sein, wird er bei der Wiener Partei angestellt. Die<lb/>
Partei kommt jetzt endlich drauf, dass das System, das ich bereits<lb/>
vor Jahrzehnten in der Arbeiterkammer eingeführt habe, nämlich<lb/>
über Experten, Volontäre und so weiter sich zuerst ein Bild zu<lb/>
verschaffen, wie der Betreffende ist, der sich um eine Anstellung<lb/>
in der Arbeiterkammer bemüht, getestet werden kann. So habe<lb/>
ich zumindestens im grössten Teil gute Personalbesetzungen, als<lb/>
ich noch für die AK verantwortlich war, erreicht. Das System<lb/>
ist gut, man müsste es womöglich auch beim Bund anwenden. Dort<lb/>
geht es allerdings nur sehr bedingt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-07_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Wie weit könnten wir dies wirklich auch<lb/>
bei uns einführen?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band53_1980-01-07_19">Im Präsidium auf der Landstrasse hatten wir mit Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109812">Wurzer</rs><lb/>
eine ausführliche Besprechung über die Stadterneuerung und insbesondere<lb/>
Verkehrskonzept. <rs type="person" ref="#per__109812">Wurzer</rs> möchte, und dies ist, glaube ich, ein richtiger<lb/>
Zug, mit den einzelnen Bezirken engen Kontakt halten und mit<lb/>
ihnen zuerst die entsprechenden Beschlüsse gemeinsam herbeiführen,<lb/>
wie die Stadtplanung arbeiten soll. Hoffentlich kann er sich<lb/>
im Rathaus durchsetzen.<lb/>
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            <head>Tagesordnung 25. Ministerratssitzung, 7.1.1980</head>
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               <persName type="label">Schmidberger, A</persName>
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               <persName type="label">Hrabak, Johann</persName>
               <persName><surname>Hrabak</surname><forename>Johann</forename></persName>
               <occupation>Standesvertreter (?) Gebäudeverwalter</occupation>
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               <persName type="label">Weißenberg, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Weißenberg</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Sozialminister</occupation>
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               <persName type="label">Stühlinger, Heinrich</persName>
               <persName><surname>Stühlinger</surname><forename>Heinrich</forename></persName>
               <occupation>MR LWM</occupation>
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               <persName type="label">Yamani, Ahmed Zaki</persName>
               <persName><surname>Yamani</surname><forename>Ahmed Zaki</forename></persName>
               <occupation>saudi-arab. Ölminister</occupation>
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